sein . Die Eingeschlafenen aber erwachten den folgenden Morgen , und gingen langsam nach Haus . Sie leben nun in einer Art von Traum , aus ihren Krisen und aus den Volksliedern habe ich die Geschichte dieser entscheidenden Gemütsschlacht zusammengetragen . Das Weltmeer aber war nichts als ein sumpfichter Fischteich , die Tapfern brauchten gar nicht zu schwimmen , und auf der andern Seite stand ein Wirtshaus , in dem sie sich es recht gut schmecken ließen . Auch fanden sie dort einige zurückgebliebene Bagagewagen des heiligen Zuges . Sie setzten sich mit auf , und kamen auch in den Krieg . Doch hat man von ihren Taten bis jetzt noch nichts gehört . » Das wäre nun so ziemlich die Geschichte des philosophischen Anflugs der letzten Jahre . « - Haber näherte sich mir , und wollte mich umarmen , aber ich trat zurück und sprach : » Verbannen Sie diesen fabelhaften Zug von inniger Freundschaft aus Ihrem Gemüte ; ich bin Ihr Freund und aller derer , die nach dem Bessern streben , oder die schon weiter sind als ich . « Hier kam der Jägerbursche herein und fragte , ob wir nun gehen sollten . » Was macht Flametta ? « sagte Godwi . » Sie hat bis jetzt nichts getan , « erwiderte er , » als mir gepredigt , daß ich den Apollo so schlecht gemacht habe . Sie behauptete , wenn sie ihren Aktäon aufführen würde , werde ich die Szene , wo mir die Hirschgeweihe wachsen würden , besser spielen . Ich sagte , sie solle sich mir nur einmal nackt im Bade zeigen , für die Hörner wolle ich schon sorgen ; da gab sie mir eine Ohrfeige , die , wäre sie nicht auf das Ohr gefallen , leicht die Grundlage eines Hornes hätte werden können - und für diese Ohrfeige gab sie mir denn wieder einen Kuß ; weil ich so geduldig gewesen sei , sagte sie ; und sauste mir die Ohrfeige in den Ohren , als knacke einer die Welt wie eine Nuß auf , so schmeckte auch der Kuß wie der Kern jener Nuß . Jetzt ist sie in dem Walde mit den Hunden und den kleinen Mädchen des Försters , denen sie das Fürchten abgewöhnen will , und wir müssen wohl auch gehen , wenn uns der wilde Jäger nicht die Haare versengen soll . « Haber drang auch sehr aufs Gehen , und wir verließen mit dem Jäger das Haus . Elftes Kapitel Wir gingen , und die Nacht ging mit uns ; um uns her küßte sie den Schatten des Waldes , und lag in dämmernder Liebe in den Gebüschen . Auf lichten Stellen standen noch freundliche Sonnenblicke , als wollten sie uns Lebewohl ! sagen . Durch die Tiefe des Waldes drang der rote glühende Himmel , der leise verstummte . Er sprach wie die jungfräuliche Scham , wenn sie der tiefsten Freude weicht , und die Natur bebte in leisen Schauer , wie Liebestod . Alles verlor seine Gestalt und sank in Einigkeit . Es gab nur einen Himmel und eine Erde , auf ihr wandelte ich , und mein Fuß rauschte im Laube , in des Himmels mildem Glanze ging mein Auge und trank große herrliche Ruhe . O ! wem hätte ich sagen können , wie mein Herz war , wer hätte mich verstanden , und das elende Fragment meiner Sprache entziffert , und wer hätte es verdient ? Ich achtete Godwi , und konnte ihm das nicht sagen , denn ich hätte ihm gesagt , was Freundschaft sich nicht sagen darf . Hier ist sie klein und erblickt sich nicht . Freunde schweigen in solchen Momenten , wo die Liebe sich vom Himmel niedersenkt , und gehen bange einher um die Freundschaft , und schämen sich , daß sie nicht Mann sind und Weib , um sich niederzusetzen und sich zu küssen . Ich dachte an dich , die mich erwartet ; » wo bist du , Geliebte ? « sprach ich , » die so zu mir strebt , die in Waldesschatten atmet , und von dem Himmel mit goldenen Fäden mein Herz umspinnt - wo bist du ? die mich küßt im kühlen Abendwinde - soll ich nimmer zu dir und mit dir sein ? wie der Abend , in dem ich deiner gedenke , « - ach alles sprach mit mir ! auch die Brünette drängte sich leise an mein Herz , und sagte - » ich bin nun wie dir ist « - da sprach ich folgende Worte zu ihr : An . S. Wie war dein Leben So voller Glanz , Wie war dein Morgen So kindlich Lächlen , Wie haben sich alle Um dich geliebt , Wie kam dein Abend So betend zu dir , Und alle beteten An deinem Abend . Wie bist du verstummt In freundlichen Worten , Und wie dein Aug brach In sehnenden Tränen Ach da schwiegen alle Worte Und alle Tränen Gingen mit ihr . Wohl ging ich einsam , Wie ich jetzt gehe , Und dachte deiner , Mit Liebe und Treue - Da warst du noch da Und sprachst lächlend : Sehne dich nimmer nach mir , Da der Lenz noch so freudig ist Und die Sonne noch scheint - Am stillen Abend , Wenn die Rosen nicht mehr glühen Und die Töne stumm werden , Will ich bei dir sein In traulicher Liebe , Und dir sagen , Wie mir am Tage war . Aber mich schmerzte tief , Daß ich so einsam sei , Und vieles im Herzen . O warum bist du nicht bei mir ! Sprach ich , und siehst mich Und liebst mich , Denn mich haben manche verschmäht , Und ich vergesse nimmer , Wie sie falsch waren Und ich so treu und ein Kind . Da lächeltest du des Kindes Im einsamen Wege , Und sprachst : Harre zum Abend , Da bist du ruhig Und ich bei dir in Ruhe . Dein Herz wie war es da , Daß du nicht trautest , Viel Schmerzen waren in dir , Aber du warest größer als Schmerzen , Wie die Liebe , die süßer ist Als all ihr Schmerz . Und die Armut , der du gabst , War all dein Trost , Und die Liebe , die du freundlich Anderen pflegtest , War all deine Liebe . Einsam ging ich nicht mehr , Du warst mir begegnet Und blicktest mich an - Scherzend war dein Aug Und deine Lippe so tröstend - Dein Herz lag gereift In der liebenden Brust . Freundlich sprachst du : Nun ist bald Abend , Gehe , vollende , Daß wir dann ruhen Und sprechen vom Tage . Wie ich mich wendete - Ach der Weg war so schwer ! Langsam schritt ich , Und jeder Schritt wollte wurzeln , Ich wollte werden wie ein Baum , All meine Arme , Blüten und Blätter , Sehnend dir neigen . Oft blickte ich rückwärts Hin , wo du warst , Da lagen noch Strahlen , Da war noch Sonne Und die hohen Bäume glänzten Im ernsten Garten , Wo du gingst . Ach der Abend wird nicht kommen Und die Ruhe nicht , Auf Erden ist keine Ruhe . Nun ist es Abend , Aber wo bist du ? Daß ich dir sage , Wie der Tag war . Warum hörtest du mich nicht , Als du noch da warst ? Nun bin ich einsam , Und denke deiner Liebend und treu . Die Sonne scheint nicht , Und die Rosen glühen nicht , Stumm sind die Töne - O ! warum kömmst du nicht , Willst du nicht halten , Was du versprachst ? Willst du nicht hören , Soll ich nicht hören , Wie der Tag war ? Wie war dein Leben So voller Glanz , Wie war dein Morgen So kindlich Lächlen , Wie habe ich immer Um dich mich geliebt , Wie kömmt dein Abend So betend zu mir , Und wie bete ich An deinem Abend . Am Tage hörtest du mich nicht , Denn du warst der Tag , Du kamst nicht am Abend , Denn du bist der Abend geworden . Wie ist der Tag verstummt In freundlichen Worten , Wie ist sein Aug gebrochen In sehnenden Tränen , Ach da schweigen alle meine Worte , Und meine Sehnsucht zieht mit dir . Godwi sagte : » Am Abend erschließen sich alle Tore des Himmels , und die Ferne besucht uns freundlich . « » Es ist kein schönerer Wunsch « , fuhr ich fort , » als Guten Abend ! Es heißt , mögest du ruhig sein und liebend , in stillem Umgange mit allem , was du vermißt . - Am Abend erschließen alle Herzen sich selbst , und aus allen Tiefen der Seele kommen die geliebtesten Gedanken zu uns , und selbst die heftigen Begierden , und was uns mit Gewalt fesselt , kömmt zu uns und spricht : Lasse dir nicht bange sein um uns , wir sind nicht so feindlich , als du gedenkst . « Zwölftes Kapitel Haber ging mit dem Jägerburschen weiter vor uns , und unterhielt ihn in einem dringenden Gespräche . Es schien ihm etwas unheimlich im Walde zu sein . Der Jäger erzählte ihm allerlei Mordgeschichten , und vom wilden Heere . Das letzte wollte er nun gar nicht recht glauben , und sagte einmal über das andere Mal , das sei lauter Aberglauben . Im Walde ertönte dann und wann ein lauter Pfiff , und hatte Haber geschwiegen , so fuhr er dann schnell den Jäger an : » Hörst du ? schon wieder , was mag das wohl sein , es lautet recht schön . « » Was mag es sein , « sagte der Jäger , » Lumpengesindel ; aus so einem Busche heraus fliegt einem mannichmal ein Knüppel an den Kopf , daß man gleich ans Verzeihen denken muß , ehe man sich noch recht geärgert hat . « » Wieso ? « » Ei nun , was da pfeift , ist meistens niederträchtiges Volk , und schlägt einen tot ; auf dem Todsbette aber muß man verzeihen - und wenns geschwinde geht , hat man keine Zeit sich zu ärgern . « Haber ging hier mehr in der Mitte des Weges , aber es pfiff wieder , und rief ; » Was sprichst du böser Bube von Lumpengesindel ? « Es war eine wunderliche Stimme , halb erzwungen derb , halb ängstlich und kindisch . Wir näherten uns , Haber wollte schon auf einen Baum klettern , als unser Schrecken durch die Worte des Jägers im Gebüsche aufgehoben wurde : » Du Waldteufelchen , für den Schrecken muß ich dich küssen . « Nun kamen mehrere Mädchen und Knaben aus dem Gebüsche und lachten ; die älteste ging auf Godwi zu , und bat ihn um Verzeihung ; die kleine Räuberin sagte : » Flametta hat mir es befohlen ; weil ich mich fürchtete , als Sie gegangen kamen , so mußte ich Sie zur Strafe attakieren . « Hier kam Flametta auch mit dem Jäger , und Godwi sagte zu ihr , es sei nicht artig , die Leute zu erschrecken ; aber sie lachte und bat ihn , ihr eine Buße aufzugeben . » Du sollst uns ein Stückchen Wegs Geleit geben « , sagte Godwi , » und etwas singen . « » Ich will Ihnen meine kleinen Gesellschafter etwas singen lassen , und dazu dann und wann ein wenig auf dem silbernen Horne blasen . « Sie zog an der Spitze ihres kleinen Heeres , und begleitete den Gesang mit ihrem Horne . Das größte Mädchen sang das Solo , und die Knaben das Chor . Die Kleine sagte vorher : » Mein Lied ist das Lied einer Jägerin , deren Schatz ungetreu , und stellen Sie sich vor - ein Peruckenmacher geworden ist . « Wir lachten , und der Gesang begann : Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! Du bist mir ein edler Zweig , So treu bist du , man glaubt es kaum , Grünst sommers und winters gleich . Mädchen : Wenn andere Bäume schneeweiß sein Und traurig um sich sehen , Sieht man den Tannebaum allein Ganz grün im Walde stehen . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Mein Schätzel ist kein Tannebaum , Ist auch kein edler Zweig , Ich war ihm treu , man glaubt es kaum , Doch blieb er mir nicht gleich . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Er sah die andern schneeweiß sein Und schimmernd um sich sehn , Und mochte nicht mehr grün allein Bei mir im Walde stehn . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Der andern Bäume dürres Reis Schlägt grün im Frühling aus , Pocht er sein Röckchen , bleibts doch weiß , Schlägt nie das Grün heraus . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Oft hab ich bei mir selbst gedacht , Er kömmt noch einst nach Haus , Spricht : Hab mir selbst was weiß gemacht , Poch ' mir mein Röcklein aus . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Und klopft ich ihn auch poch , poch , poch , So fliegt nur Staub heraus ; Das schöne treue Grün kommt doch Nun nimmermehr heraus . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Drum als er mich letzt angelacht , Ich ihm zur Antwort gab : Hast dir und mir was weiß gemacht , Dein Röcklein färbet ab . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : O Tannebaum ! o Tannebaum ! Wie traurig ist dein Zweig . Du bist mir wie ein stiller Traum Und mein Gedanken gleich . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Du sahst so gar ernsthaftig zu , Als er mir Treu versprach , Sprich , sag mir doch , was denkest du , Daß er mir Treue brach . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. So sangen die Kinder lustig in den Wald hinein , und das Wild , aufgeschreckt von dem Geräusche , stürzte tiefer in das Tal . Der Mond war aufgegangen , und schon in den Wald herein . Da wir auf der anderen Seite den Berg oben waren , sagten uns Flametta und die Kinder Gute Nacht , und wir hörten sie in der Ferne noch singen . Wir standen oben und sahen über das leuchtende grüne Meer , in dem der Wald hin und her flutete . Stille Kühle drang mir ans Herz , ich hätte hier stehen und träumen können von Seen und Meeren , in denen die Götter hausten . Wenn die Bäume hin und her ihre Schatten wälzten , brausten und wie in geheimnisvollen , nächtlichen Festen taumelten , so schwoll es wie Ebbe und Flut an meinem Herzen . O ! der Mensch ist das Gestade , an das alle Wellen des Lebens schlagen , er steht ewig am Ufer und sehnt sich hinaus in das , was herüberwehet , seine Gedanken segeln kriegbrütend und goldsuchend wie mächtige Schiffe in die Ferne ; was zu Hause bleibt im Herzen , steht und hoffet und trauert . Soll er hineinstürzen , oder werden die Wellen rächend zu forschen kommen , was ihnen vom Gestade herüberwehte ? Mit solchen Gedanken warf ich einen Blick zurück in diesen untergegangenen Tag . Die Eiche , unter der ich die Dryaden angerufen hatte , ragte wie ein Tempel unter allen hervor ; einige weiße Gestalten tanzten um sie herum , und man hörte ein leises Klingen , das durch das Brausen der Bäume manchmal hervortönte , als schwämme ein goldenes glänzendes Gefäß in Meereswellen . Ich machte Habern darauf aufmerksam . » Sehen Sie die Waldgötter dort tanzen ? « Er wunderte sich , und Godwi sagte , es sei ein Tanz , den er Kordelien zum Gedächtnisse gestiftet , Flametta und die kleinen Mädchen tanzten ihn alle Abend , wenn es schönes Wetter sei , und die Musik töne von zwei kolossalischen Äols-Harfen , welche Kordelia in den Gewölben des Baumes habe anbringen lassen . Es war gut , daß es bei meinem Gebete so windstille gewesen war , sonst hätte ich sehr erschrecken können . Wir legten noch einen kurzen Weg zurück , als sich eine andere Gegend erschloß . Dreizehntes Kapitel Der Weg zog sich noch eine Strecke durch den Wald , aber man konnte unten durch die Stämme schon das freie Tal sehen . Es schien mir , als gingen wir langsamer , als zögen uns die Schatten des Waldes zurück . Am Ausgange des Waldes trafen wir auf ein kleines Haus , neben dem ein größeres zerstörtes Gebäude stand , und ich bemerkte , daß auf dem Rauchfange des letztern das Storchnest war , welches ich den Morgen gesehen hatte . Aus dem Fenster der Hütte schimmerte ein Licht , und ich fragte , wer hier so einsam wohne . Godwi sagte : » In dem Hause wohnt kein Mensch , das Licht , das darinne brennt , ist eine Lampe , die alle zwei Tage angesteckt wird . Schon seit meiner frühesten Jugend erinnere ich mich , daß ich eine furchtsame Ehrfurcht vor diesem Hause hatte . Es ist ein Herkommen , daß dies Licht hier brennt . Wenn eine Jungfrau oder ein Jüngling unter den Mennoniten stirbt , welche meine Pächter sind , so wird er hier in diesem Hüttchen einen Tag und eine Nacht hingesetzt , und hier neben zwischen den Mauern des verfallenen Gebäudes begraben . Warum die Stube ganz eingerichtet ist , als wohne eine Familie darin , weiß ich nicht ; aber es ist eine freundliche Idee . Der älteste meiner Pächter hat den Schlüssel dazu ; er steigt alle zwei Tage herauf , und steckt die Lampe an , und wenn er tot ist , so bekömmt der älteste wieder dies Geschäft , so daß es zu einem Sprüchworte unter ihnen geworden ist : Er trägt den Schlüssel . Die Alten selbst werden unten im Tale begraben , weil sie sagen : Er habe nicht mehr hinaufgekonnt , drum sei er unten begraben . « Ich sah zum kleinen Fenster hinein , die Lampe stand in der Mitte der Stube auf dem Tische , an der Wand hingen männliche und weibliche Kleider , und die ganze Stube sah bewohnt aus ; es lag ein ewiges Warten auf den Vater oder die Mutter , oder auf den Geliebten und die Geliebte in allem ; ich wendete mich , und sprach : » Auch ich habe Ehrfurcht davor . « Habern suchten wir mit Mühe dazu zu bringen , auch hineinzusehen . Er kehrte aber schnell um , als der Wind an den losen Fensterscheiben rasselte , und ging schweigend mit uns den Berg hinab ; vor uns tiefer unten ging ein Licht , und der Jäger sagte : » Das ist der alte Anton , der hat eben die Lampe angesteckt , wenn er sein Verslein noch nicht gesungen hat , so wird er es bald hören lassen . « Bald darauf hörten wir auch eine zitternde Stimme singen , doch konnten wir sie nicht verstehen , weil sie undeutlich aussprach , und zu entfernt war . Wir gingen deswegen rascher , bis der Alte stillstand , weil ihm das Treppensteigen beschwerlich war , und wir hörten die zwei letzten Verse seines Gesanges . Ich hab das Lämplein angesteckt Zum langen Angedenken , Und wenn mich kühle Erde deckt , Mag Kind und Enkel denken : Der Vater ruht im Tale aus , Und kömmt nicht mehr ins stille Haus . Lischst du , o Herr , mein stilles Licht , Das tief herab schon brennet Und werd vor deinem Angesicht Ich nur ganz rein erkennet , So geht mit Freude angetan Erst recht mein schönstes Leuchten an . Hier löschte der alte Anton sein Licht aus , und war vor uns zu Haus . Das Gut lag zu unsern Füßen ; von der entgegengesetzten Seite begrenzte es ein hoher Baumgarten , sonst war es einsam und sah öde aus . Die Wildnis über dem Berge , wo wir den heutigen Tag zugebracht hatten , schien mir bei weitem freundlicher . Dies äußerte ich Godwi , und Haber sagte , er habe die nämliche Empfindung . Godwi sagte : » Ich bin von Jugend auf an diese Gegend gewöhnt , dennoch habe ich die nämliche Empfindung , so oft ich vom Jägerhause komme . Einsam und öde wird überhaupt alles , was der Mensch berührt , ohne es zu vollenden , nur der Mensch kann töten . Dieses ganze Tal nun ist das Bild einer Anstalt , die ins Stecken kam , alles verlangt nach einem Ende , und man könnte sagen , es gleiche einer interessanten Erzählung , die mitten durch ein Fragezeichen unterbrochen ist . Es liegt etwas Derbes und Selbstständiges in der wilden Natur , sie ist voller Leben , und scheint sich den Teufel um den Menschen zu bekümmern ; sie geht ihren Weg , ohne sich viel umzusehen , und treibt ihr Geschäft für sich und mit Kraft . Hierdurch rührt sie uns , und das Gefühl der Einsamkeit in ihr begründet sich auf die Schwäche des Menschen ; man wünscht einen Freund neben sich zur Unterstützung gegen die Wildnis , die einem so frech in die Bildung hereintritt , das Echo der Felsen giebt uns kalt und spöttisch die Ausrufungen zurück , in denen man umsonst versuchte , dieser Natur etwas abzuschmeicheln ; man möchte einen Freund , um seine Empfindungen genommen zu sehen ; man wünscht sich ein williges liebendes Mädchen auf das Moos , um am Fuße der stolzen Eiche in lebendiger Beweglichkeit das höchste Opfer der Menschen zu feiern , und der tapfern barschen Natur zu zeigen , daß es im Leben nicht auf kolossalische , unbewegliche Grobheit ankömmt . « - » Aber hier , « fuhr ich fort , » was will man hier machen ? Hier ist alles so zahm , da steht Kohl und dort steht Weißkraut und jenseits Korn und dort - wie heißen Sie ? « wendete ich mich zum kleinen Dichter . - » Haber . « - » Und dort steht Haber , und alles sieht aus , als wisse es schon , daß es nächster Tage werde gefressen werden , vielleicht gar als Futter unvernünftiger Tiere . « » Ja , « sagte Godwi , » hören Sie ein paar Hofhunde klaffen , und einen Hahn krähen , und ein paar Kühe brüllen , so ist alles in Richtigkeit mit der genialischen Natur , und man muß sich dann meistens , weil es kotig ist , an dem Himmel halten . « Es war ein schöner Himmel , und alles , was wir hörten , sahen , war still , müde und ruhend . » Hier ist der Abend nicht viel anders « , sagte ich , » als Ruhe ohne alle Erinnerung , es ist keine Selbsttätigkeit in einem solchen Abend , und er sagt nichts als : nun ist es recht gut , nun geht es bald ins Bett . « » Sie sind etwas zu unbändig , « sagte Godwi , » nehmen Sie sich in acht , daß Sie nicht werden wie diese öde Landschaft , welche hinlängliche Bildung hat , bei großer Fruchtbarkeit , um die Fruchtbarkeit zu unterjochen . « Ich schwieg , und mein Gewissen drückte mich . Wir kamen nun an das Gut selbst . Einige kleine Häuser bildeten eine Straße , auf der verschiedene Ackergerätschaften standen ; es war stille , und Godwi sagte : » Lassen Sie uns ruhig sein , die Leute schlafen schon . « Das Tor des Landhauses stand offen , die Hunde sprangen freundlich an Godwi herauf , und wir traten in das bescheidene einfache Haus , in eine Stube gleich bei dem Eingange . Godwi hieß uns willkommen , der Jäger brachte Licht , und das Abendessen ward bestellt . Godwi und Haber saßen auf dem Sopha , ich saß am Fenster auf einem Armstuhle , es herrschte eine allgemeine Stille unter uns , und jeder schien sich seinen Gedanken ruhig zu überlassen . Die Bilder des ganzen Tages gingen mir vor den Augen herum , ich hatte eine seltsame Empfindung , in dem Hause Godwis zu sein , und mit ihm selbst so bekannt , von dem ich so vieles geschrieben hatte . Es schien mir unrecht und nicht redlich , wenn ich ihm nicht bald sagte , wer ich sei . Dann entwickelte ich , was ich von seiner Jugend aus seiner Erzählung an Otilien wußte , hier an der Stelle , wo es geschehen war , und indem ich meine Gedanken so ins vergangene Geschichtliche hinüberspann , verlor ich mich immermehr ins Allgemeine , dachte an meine Jugend und alle Jugend , und an den erdrückenden Schmerz , unter dem die meisten guten Kinder ihr Bestes und Eigentümliches für einige Gesellschaftsregeln hinopfern müssen . Die Grillen zirpten in den Mauern und der Perpendicul der Uhr ging ewig derselbe , nächtliche Fledermäuse schwirrten über den Hof , und das Licht war weit heruntergebrannt - mir war es tief im Herzen dunkel und traurig . Hier trat ein alter Mann in die Stube , er hatte einen schönen gesunden Kopf , und einen langen weißen Bart , und war einfach in weißes Tuch gekleidet . Godwi grüßte ihn und sagte : » Verzeihet , Anton , daß ich so spät komme . « Der Alte lächelte und sagte : » Sie sind der Herr und immer willkommen . « Dann deckte er den Tisch , trug einige kalte Speisen und etwas Wein auf , und wünschte gute Nacht . Der Alte mit seiner Ruhe und seinem Barte schickte sich recht zu dem Ganzen und hatte mich sehr gerührt . Godwi sagte mir , daß seine Pächter aus einer Mennoniten-Familie beständen , die so lange auf dem Gute sei , als sie existiere , und daß dies nun der dritte Großvater sei , der hier lebe . Wir setzten uns nun zu Tische , Haber war eingeschlafen ; ich klimperte mit den Gläsern , um ihn zu erwecken , aber sein Erwachen war nicht hinlänglich , ihn zum Essen zu bringen , denn er war körperlich und geistig eingeschlafen ; er hatte nämlich in einer Lage auf dem Sopha gelegen , daß mehrere Glieder seines Leibes seinem Hauptschlafe ungetreu auf ihre eigene Hand eingeschlafen waren . Wir aßen und tranken dann munter miteinander . Das Mahl war vorüber , nur die Gläser waren noch ergiebig , und der Wein bringt in jede Stimmung , in der er mich antrifft , noch eine mutwillige phantastische Stimmung . Ich muß mich dann äußern , und empfinde etwas ganz wunderbar Frevlendes , Gewagtes in meinem Herzen ; alles wird mir unter den Händen lebendig ; was mein Leben Schmerzliches und Freudiges , Banges und Religiöses umfaßt , reiht sich an meine Worte , und zieht in einem wilden bacchantischen Zuge von meinen Lippen . In solchen Momenten verliere ich mich in meiner Rede , die mit sich selbst zu witzeln anfängt ; eine Grundempfindung , Sehnsucht , unerkannte Liebe oder Druck in der Kindheit bleiben herrschend , alles andere wird zum frechen Witze , in dem eben diese Hauptempfindungen , die ich allein in einem bangen Drucke in der Brust fühle , mutwillig hin und her schwanken . Diese Empfindung fühlte ich sich bei mir nahen , eine tiefe Rührung geht allezeit vorher . Es ist mir , als sollte ich bald mein ganzes Leben wie eine Braut umarmen , ich sei nun allem gewachsen , was mich einzeln erdrückte ; ich fordere dann alle die Gestalten auf , stoße sie kalt von mir , oder reiße sie mit einer wilden Buhlerei in mich . Vierzehntes Kapitel » Warum so still , « sagte ich höhnisch zu Haber , » fürchten Sie sich vor Gespenstern ? « » Nein , aber das ganze Leben hatte heute etwas Schauerliches für mich . « » Hatt ' es ? - mich rührt so etwas nur oberflächlich , und als der alte Anton zu sprechen anfing , ärgerte es mich , daß er kein Gespenst gewesen war - hören Sie , wie die Fahnen am Dache wehen - - o ! das geht ewig so und nimmt kein Ende - und wie es dunkel ist - man möchte ersaufen in eigenen dummen Gedanken - in der Welt geschieht nichts - es ist der Tod draußen , und wir sind gezwungen , unsre abgetragenen Erinnerungen zu zerzerren , bis sie wie lumpichte Geister vor uns treten - sehen Sie , dort steht mein Vater , und dort meine Mutter , und dort meine Schwester - wie sie mit den Fingern auf mich zeigen - wie der Alte den Kopf schüttelt - o und du arme Mutter , du schöne Mutter - die Hände abgerungen - durch den weißen duftigen Busen blutet das warme rote Herz Liebe heraus zu mir - die Schwester sieht so witzig aus , und so arm mit ihrem liebesuchenden keuschen Leibe - ha ! seid mir willkommen - das Leben ist ein geschwätziges breites Wesen , von dem man nicht weiß , wie es im Herzen aussieht . « Haber sah starr in den Winkel , Godwi sah mich verwundert an , meine Worte trugen mich fort , ich fühlte die kalte Glut in meinem Gesichte und sprach mit Tränen : » Aber das dauert nicht lange , am Ende wird immer was Beßres daraus , das Vorige war matt - sehen Sie , unter diese war mein Leben geteilt , sie kommen und rinnen zusammen ,