und schob es in den Mund . » Ah so ! « sagte er . » Da hon i jetzt gar it dro denkt . Ös werd ' s an schön ' Verdruß g ' habt hamm ? « » Es is net der oanzige g ' wen , Sepp . Bei ins is all ' s anderscht worn , seit daß du furt bist . « Und sie erzählte . Wie der Vater zum Bürgermeister gewählt und wieder abgesetzt wurde , wie das Kind von der Ursula einen Spottnamen hätte kriegen sollen , und wie es jetzt einen Prozeß gäbe mit dem Hierangl Xaver . Der Sepp hörte zu und aß nachdenklich weiter . Wie die Rede auf den Xaver kam , sagte er , der sei alleweil ein Tropf gewesen , ein miserabliger , und er brauche es notwendig , daß man ihm einmal das Kreuz abschlage , und er wolle seinen Urlaub dazu hernehmen und den Xaver umeinanderschlagen , daß er am Leben verzagen müsse . » Dös laßt du bleib ' n ! « sagte die Mutter . » Daß d ' ma du aa no eini kimmst in de G ' schicht ' n ! « » Es braucht it viel , « meinte der Sepp und reckte sich in den Hüften . » I hab ' mit dem Bazi scho amal was z ' toa g ' habt ; i hab ' n beim Wirt so dumm an Of ' n hi ' g ' schmissen , und bal mi da Zwerger it z ' ruckg ' halt ' n hätt ' , waar ' s eahm schlecht ganga . « » Sei froh , daß ' s guat naus ganga is ! Und dös muaßt ma versprech ' n , daß d ' in Urlaub nix o ' fangst damit . Mir waar ' s g ' nua . « Er gab ihr das Versprechen und sagte , er habe das nicht so gemeint , daß er auf der Stelle zum Hierangl gehen wolle , sondern er hätte gemeint , bloß so , wenn es recht leicht ginge . » Na , na ! « wiederholte die Mutter . » Du derfst eahm gar nix toa ! Magst it a paar Nudeln ? De Oar müassen di ja im Mag ' n drucka . « » Es werd besser sei , bal i no a Nudel iß , « sagte Sepp . » Und an Kaffee kunnst d ' mir aa macha . « » Den ko ' st hamm . Kriagst d ' in da Kasern ' aa ' r oan ? « » So a braune Brüah geben s ' ins in da Fruah . Dös hoaßen s ' an Kaffee . « » Du werst oft denk ' n , daß ' s dahoam besser is ? « » De erscht Zeit scho . Nacha g ' wöhnt ma si an all ' s , und Hunger kriagt ma ' r aa beim Kasernstopseln . « » Bei was ? « » Beim Exerzier ' n. « » Hast d ' as recht hart an ganzen Tag ? « » Und bei da Nacht aa . Da hoaßt ' s Posten brenna . « » San s ' recht grob mit dir ? « » Na , i ko mi net beklag ' n. Freili , bal si oana recht dumm stellt , nacha werd er scho g ' schimpft . Aba bei meiner Kumpanie san lauter stramme Teufeln , und bei da Vorstellung san mir weitaus de bessern g ' wen . « Er kam ins Erzählen . » Dös hätt ' st sehg ' n soll ' n , wia ma da aufg ' ruckt san . Und z ' sammganga is , g ' rad nobl ! Da Feldwebel hat ins lob ' n müassen , und da Hauptmann hat g ' sagt , die junge Mannschaft macht ihre Sache sehr gut , ich bin sehr zufrieden damit , und da Feldwebel hat g ' sagt , daß de jungen Grasteufeln viel besser san als wia die alte Blasen . Da hat er aa recht g ' habt . Woaßt , beim alt ' n Jahrgang , da san Leut ' dabei , ganz eiskalte . De tean g ' rad , was s ' mög ' n , und bal s ' eig ' sperrt wer ' n , dös is dena ganz wurscht . « » Di hamm s ' no nia eig ' sperrt , Sepp ? « » Na . I laß mi net dawischen . « » Auf dös derfst di aba net verlassen . « » Ah was ! A bissel schlau muaß ma sei , nacha geht ' s scho . Z ' nachst bin i um elfi auf d ' Nacht im Wirtshaus g ' hockt und hab ' koa Erlaubnis net g ' habt . Auf oamal kimmt d ' Patrouill ' daher . An Unteroffizier von der fünften Kumpanie . Wia ' r a vorn bei da Tür eina is , bin i hint ' bei da Schenk ' außi . Er nach wia da Teufi , i außi in Hof und übern Zaun umi . G ' sehg ' n hat er mi , aber kennt hat er mi net . In der Wirtschaft hat ' s eahm oana g ' stochen , daß der betreffende Soldat vom zwölften Regiment war ; bloß d ' Kumpanie hat er net o ' geb ' n könna . Jetzt hamm s ' in da Früah bei jeder Kumpanie g ' fragt , und hamm g ' sagt , der Mann soll sich melden , weil er erkannt worden ist . I bin aba net so dumm g ' wen . « » Bal s ' di aba ' rausbracht hätt ' n ! « » De bringen nix ' raus , bal ma schlau is . De hamm g ' moant , es war oana von der alten Mannschaft . Da Feldwebel hat g ' sagt : Ich weiß schon , das ist die alte Blasen , die glaubt , sie darf sich recht viel Kraut ' rausnehma . Aber wenn ich den Betreffenden ausfindig mache , den leg ' ich fünf Tag auf die Latten , den Herrgottsakrament , hat er g ' sagt . « » Der Ertl Hans hat hoam g ' schrieb ' n , daß er si halt gar it ei ' g ' wöhna ko bei der Militari . « » Was will denn der sag ' n , z ' Münka drin ? Der müaßt erst was spanna , wia ' s bei uns is . De wissen ja gar nix in da Stadt drin , de Grasteufeln ! « Der Sepp war ein martialischer Soldat und ein treuer Anhänger des zwölften Regiments . Und seine Mutter hörte ihm aufmerksam zu , während sie die Eier ins sprudelnde Wasser legte . Da klangen rasche Schritte im Gange , und der Schuller trat ein . Sein Gesicht verriet eine starke Aufregung , aber keine traurige ; seine Augen blitzten , um den Mund lag ein freudiges Lachen , und die Stimme klang kräftig , wie schon lange nicht mehr , als er den Sepp begrüßte . » Bist da ? Dös is recht . Da Schnurrbart is dir g ' wachsen . Jetzt kannst ' n scho bald aufdrahn . « » Ja , was hoscht denn du ? « rief die Schullerin . » Nix Schlechts net . D ' Lumperei kimmt auf ! « Und er patschte kräftig auf seine Knie . » Woaßt , Sepp , i hon a schlechte Zeit g ' habt , aba jetzt geht ' s wieder besser . « » D ' Muatta hat ma ' s g ' sagt . « » Hat s ' da ' s g ' sagt ? Woaßt , sie hätt ' n mi ganz schlecht g ' macht mit lauter Lug ' n , und i waar gar nix mehr g ' wen . Aba jetzt is de G ' schicht offenbar wor ' n. « » Was hat ' s denn geben ? Erzähl halt amal ! « drängte die Bäuerin . Und der Schuller erzählte . Sepp mußte sich wundern über den Vater . Der war immer so ernst und wortkarg gewesen ; jetzt redete er hastig , als könne er die Worte nicht schnell genug herausbringen , und schlug mit der Faust auf die Tischplatte oder wischte sich mit dem Ärmel über die Stirne , weil es ihm heiß wurde vor lauter Lebhaftigkeit . » Er is ganz anders wie früherszeiten , « dachte Sepp . Es hatte sich aber etwas Merkwürdiges ereignet ; und das war so : Den dritten oder vierten Tag nach seiner Ankunft ging Sylvester zum Lehrer Stegmüller und sagte ihm , welchen Entschluß er mit Billigung seiner Mutter gefaßt habe . Stegmüller wußte das Hauptsächlichste bereits aus den Prophezeiungen des Herrn Kooperators und der Bäcker Ulrich Marie ; er war nur überrascht , daß Sylvester nicht zum Theater gehen wollte . Sitzberger hatte es feierlich versichert , und er hatte es geglaubt . Einmal wegen der schönen Stimme , und dann wegen der Anziehungskraft der freien Kunst , die er selbst in seiner Jugend verspürt hatte . Nun war es ihm doch lieb , zu hören , daß der junge Mang sich nicht auf den schwanken Boden stellen wollte . Er lobte ihn darum und bezeigte ihm aufrichtige Anerkennung , weil er sich so gefaßt und unbekümmert seine Zukunft selber aufbauen wollte . Wie hätte sich wohl der Pfarrer Held über seinen Schützling gewundert ! Er hätte sicherlich den Entschluß gebilligt und gesagt , jeder müsse tun , was er für recht erkenne . Der jetzige Pfarrer urteile wohl anders . Und da war Stegmüller in ein Gespräch geraten , das er mit großer Vorsicht , aber doch gerne pflegte . Mit unterdrückten Seufzern und halben Andeutungen gab er Sylvester zu verstehen , daß sich vieles geändert habe , und daß die Neuerung nicht gerade eine Besserung bedeute . Und dabei kam er auch auf den Schuller zu sprechen . Er erzählte Sylvester , welche schlimmen Kränkungen den Mann angegangen hätten , eine nach der andern ; aber freilich , die schwerste Beschuldigung stamme von Held her . Und er beschrieb den Vorfall mit ausführlicher Breite . Sylvester sagte , das glaube er nicht . Der alte Herr hätte so etwas nicht getan . Stegmüller zog die Achseln in die Höhe . Ihm sei es ja auch sonderbar vorgekommen , aber man müsse es wohl glauben . Ihm tue es leid um den Schuller . Und ihm noch mehr um das Andenken Helds , sagte Sylvester . Wie man ihm das nachsagen könne ! Wenn der etwas Schlechtes von einem gewußt hätte , dann hätte er ihm gründlich die Wahrheit gesagt , aber nicht heimlich eine Anklage geschrieben . Das sei früher auch seine Meinung gewesen , versicherte Stegmüller . Aber ... Und gerade beim Schuller , unterbrach ihn Sylvester , da sei es nun ganz unmöglich . Held habe einmal gesagt , wie unrecht es sei , verächtlich von der Hartherzigkeit und dem Eigennutz der Bauern zu reden . Wer das tue , wisse nicht , wie viel man der zähen Art der Bauern verdanke ; wie sie unser Volkstum unverfälscht von Geschlecht zu Geschlecht vererbten und aus den Trümmern immer wieder das alte Vaterland aufgebaut hätten . Und da habe Held den Schuller als Beispiel angeführt . Das sei so einer , der sich nicht beugen lasse , und der mit unverdrossenem Fleiße seine kleine Welt in Ordnung halte . Wie könne man dieses Lob übereinbringen mit der heimlichen Anklage ? Und wer dürfe glauben , daß Held den Mann schwer schädigte , dessen Tüchtigkeit ihm so viel galt ? Das sei alles recht schön , meinte Stegmüller . Aber vielleicht habe Held seine gute Meinung später geändert . Nein , sagte Sylvester , denn dieses Lob habe er in der letzten Zeit von Held gehört . Und wenige Monate später sei der alte Herr gestorben . Dann habe er den Zettel vielleicht früher geschrieben und habe erst nachträglich eine bessere Meinung vom Schuller erhalten , erwiderte der hartnäckige Stegmüller . Jedenfalls sei der Zettel da , und er möchte Sylvester nicht raten , solche Zweifel auszusprechen . Überhaupt müsse man froh sein , wenn die Sache nach und nach einschlafe . Das sei auch für den Schuller das beste . Sylvester war nicht zu ängstlich auf seiner Hut , und es mochte wohl sein , daß die Weberin einiges hörte , von der es wieder die Bäcker Ulrich Marie und auf diesem Umwege der Herr Kooperator erfuhr . Vielleicht kam die Kunde auch auf andere Weise in den Pfarrhof ; jedenfalls ließ Baustätter den Herrn Mang um seinen Besuch bitten . Sylvester dachte , er wolle mit ihm Rücksprache nehmen wegen seines Abschiedes vom geistlichen Berufe , und fand sich zur festgesetzten Stunde im Pfarrhof ein . Der Gang war ihm nicht lieb . Er hatte es nach jenem ersten Besuche vermieden , mit Baustätter zusammenzutreffen . Aber er gestand dem Pfarrer das Recht zu , in dieser Angelegenheit von ihm selbst die Wahrheit zu erfahren , und er hielt es für gut , wenn er mit einer bündigen Erklärung den Klatsch aus der Welt schaffte . Baustätter empfing ihn wohlwollend . » Ah , der Herr Studiosus ! Wollen Sie Platz nehmen ? « Sylvester musterte mit einem raschen Blicke den Raum , der ehedem so behaglich war , und von dessen Wänden jetzt aufdringliche Frömmigkeit auf ihn herunterstarrte . » Setzen Sie sich doch ! « wiederholte der Pfarrer . » Ich danke , wenn Sie erlauben , stehe ich lieber . « » Wie Sie wünschen . Ich habe Sie um Ihren Besuch gebeten , Herr Mang , weil mir Verschiedenes berichtet wurde . Sie wollen dem priesterlichen Stande entsagen ? « » Ja , Hochwürden . « » Ich habe Ihnen keinen Vorwurf zu machen . Sie werden sich geprüft haben , warum Sie diesem erhabenen Stande nicht angehören wollen . « » Ich habe es lange überlegt . « » Wer nicht allem absagt , kann nicht mein Jünger sein , steht geschrieben . Wenn Sie die weltlichen Interessen höher achteten , dann war es besser , daß Sie zurücktraten . « » Ich habe keine rechte Freude dazu . Und die muß man doch haben ! « » Gewiß ! Man muß sich vom Weltgeiste losschälen . Nisi quis renuntiaverit omnia . Aber haben Sie überlegt , was Sie aufgeben wegen dieser verkehrten Welt ? Wird nicht eines Tages die Stunde kommen , wo Sie den Tausch bitter bereuen ? « » Ich glaube nicht , Hochwürden . « » Und ich hoffe es nicht . Wie gesagt , ich mache Ihnen keinen Vorwurf . Als ich von Ihrem Entschlusse hörte , habe ich Sie in mein Gebet eingeschlossen . Und ich dachte , wenn ihn nur kein niedriger Beweggrund veranlaßt hat ! « » Nein , Herr Pfarrer . « Sylvester begegnete den Blicken Baustätters . Die waren stechend auf ihn gerichtet . Jetzt huschten sie weg und senkten sich auf die fleischigen Hände , welche wie zum Gebete gefaltet waren . » Es ist mir gesagt worden , daß Sie wegen eines Mädchens auf Ihrem Wege umkehrten . « » Wer hat das gesagt ? « » Man hat es allgemein behauptet . Aber ich glaubte es nicht . Ich konnte mir nicht denken , daß ein ehrbares Mädchen seine Wünsche auf einen richtet , der sich zum priesterlichen Berufe vorbereitet . « Sylvester fühlte , wie ihm die heiße Röte ins Gesicht stieg . Wieder begegnete er dem lauernden Blick . Es lag etwas Feindseliges in diesen Augen . Sie verrieten Gedanken , die nichts zu tun hatten mit den salbungsvollen Worten . » Und Sie haben sich ausgesöhnt mit denen , welche eigentlich ein Recht haben auf die Vollendung Ihrer Studien ? « » Es hat keine Aussöhnung gebraucht . Meine Mutter wollte mich überhaupt nicht zwingen . « » Das ist gewiß vernünftig . Aber es gibt noch jemand , den Ihr Entschluß sehr nahe angeht . Ihren Vetter . « » Ich habe ihm geschrieben . « » Und er hat Ihnen schon geantwortet ? « » Nein . Ich glaube auch nicht , daß er mir schreibt . Vielleicht kommt er an den Feiertagen herüber . « » Sie wissen also nicht , wie er über die Sache denkt ? « » Nein . « » Mein Kooperator war gestern zufällig in Pasenbach . Er hat mit Ihrem Herrn Vetter gesprochen . « Baustätter machte eine Pause . Er wollte sehen , wie diese Mitteilung wirkte . Sie wirkte nicht stark . Sylvester kannte den hochwürdigen Herrn Sitzberger , und er kannte darum auch den Zufall , der ihn nach Pasenbach geführt hatte . » So , er hat meinen Vetter getroffen ? « fragte er gleichmütig . » Ja , und ich muß Ihnen zu meinem Bedauern sagen , daß der alte Mann sehr unglücklich ist und sehr entrüstet . « » Das tut mir leid , Herr Pfarrer . Vielleicht kann ich ihn beruhigen , wenn ich selber mit ihm rede . « » Das glaube ich nicht . Er sagte , daß er elf Jahre das Geld für Ihre Studien hergegeben habe , bloß auf das Versprechen , daß Sie Geistlicher werden . Und Sie hätten ihn getäuscht . Vielmehr betrogen , sagte er . Er gebrauchte nämlich sehr starke Ausdrücke . « In Sylvester stieg der Zorn auf . » Wenn mein Vetter das wirklich gesagt hat , dann weiß er nicht , was er redet . « » Sie zweifeln doch nicht daran ? Wenn Sie wünschen , kann Ihnen mein Kooperator das selbst bestätigen . « » Ich danke , Herr Pfarrer . Ich meine , darüber habe ich eigentlich nur mit meinem Vetter zu verhandeln . « » Gewiß . Aber Sie dürfen dem alten Manne nicht zürnen . Bedenken Sie doch , wenn er wirklich das Geld nur in dieser Hoffnung gegeben hat ! Und wenn man ihm diese Hoffnung gemacht hat ! « » Solange ich Geld von ihm genommen habe , wußte ich nichts anderes , als daß ich Geistlicher werde . « » Sie dürfen mich nicht falsch verstehen , Herr Mang . Ich erzählte Ihnen nur , wie Ihr Vetter das aufnimmt . Und begreiflich ist es am Ende doch , daß er sich getäuscht fühlt . « » Niemand hat ihn getäuscht . Aber vielleicht ist ihm das jetzt so hingestellt worden . « » Das ist ein harter Vorwurf gegen meinen Kooperator ! « » Der Herr Sitzberger hat schon bei meiner Mutter Schwätzereien gemacht . Ich kann mir denken , daß er bei meinem Vetter noch stärker aufgetragen hat . Ich nehm ' ihm das nicht übel , weil ich nichts danach frage . Ich meine bloß , daß es ihn nichts angeht . « » Persönlich nicht . Aber als Priester muß er es bedauern , daß Sie keine größere Liebe zu unserem Stande zeigten . « » Deswegen braucht er keine Geschichten herumzutragen . « » Sagen Sie es ihm doch selbst ! « » Das ist mir nicht der Mühe wert , Herr Pfarrer . « » Sie sind sehr stolz geworden . Aber eins muß ich Ihnen doch sagen . Warum machen Sie selbst Schwätzereien , wenn Sie dieselben verdammen ? « » Ich ? « » Ja , Sie , Herr Mang . Und darüber muß ich mit Ihnen noch reden . « » Bitte ! « » Es ist mir mitgeteilt worden , daß Sie für den Schuller Partei nehmen und überall erzählen , es sei ihm unrecht geschehen . « » So hab ' ich es nicht gesagt . « » Also haben Sie doch darüber gesprochen ? Was wissen Sie eigentlich von der ganzen Sache ? « » Ich weiß nur , was mir erzählt worden ist . « » Und das genügt Ihnen , mich anzugreifen ? Was Sie im Vorbeigehen aufschnappen , paßt Ihnen , wenn es gegen mich geht ! « » Gegen Sie habe ich kein Wort gesagt . « » Nicht ? Gegen wen sonst ? Das ist eine merkwürdige Verdrehung der Wahrheit ! Sie taugen allerdings nicht zu einem Priester . « » Sie werden mir keine Lüge nachweisen können . « » Wenn Sie überall herum erzählen , daß man den Schuller verleumdet hat , gegen wen richtet sich das ? Wen greifen Sie damit an ? Da wollen Sie sich ausreden , daß Sie meinen Namen nicht genannt haben ? Was wissen Sie denn überhaupt von der Sache ? « Baustätter stand mit blitzenden Augen vor Sylvester und erhob seine Stimme zum Schreien . » Sie kommen dahergeschneit , schnappen etwas auf und erfrechen sich ... « » Herr Pfarrer ! « » Jawohl , erfrechen sich , gegen mich zu hetzen . Aber wenn Sie es noch so heimlich machen , ich erfahre es doch ! Ich weiß alles . « » Sie wissen gar nichts . « Sylvester sagte das in so barschem Tone , daß Baustätter einen Augenblick inne hielt . » Sie wollen es leugnen ? « fragte er . » Ich sage Ihnen noch einmal , ich habe nichts zu leugnen . Sie könnten sich genauer erkundigen , bevor Sie mir Grobheiten machen . « » Ich mache Ihnen keine Grobheiten . « » Sie haben mir Frechheit vorgeworfen . « » Ich sagte nur , es wäre frech , wenn Sie behaupten , daß ich dem Schuller unrecht getan habe . « » Ich habe mich gewundert , daß man solche Anklagen gegen ihn erhebt , und ... « » Sie haben sich gewundert , und Sie haben es jedem gesagt oder überall durchblicken lassen , daß Sie es für unwahr halten . « » Darf ich ausreden , Herr Pfarrer ? « » Nein . Schweigen Sie ! « schrie Baustätter . » Ohne Beweis fallen Sie über mich her ! Natürlich , nur ich bin schuld . Ich habe Anklage erhoben gegen den braven Schuller ! Was wissen Sie davon ? Wer hat ihn angeklagt ? Da ! Da ist der Ankläger ! « Baustätter öffnete mit einer heftigen Bewegung das Pult und warf ein Blatt Papier vor Sylvester auf den Tisch . » Da ist der Ankläger ! Ihr verehrter Herr Pfarrer Held ! Wollen Sie den auch verdächtigen ? « Sylvester nahm das Blatt langsam auf . Er las die ersten Worte mit Widerstreben . Dann las er die Schrift hastig durch und las sie wieder . » Wollen Sie jetzt noch bei den Leuten herumerzählen , daß dem Schuller unrecht geschehen ist ? « Sylvester antwortete dem Pfarrer nicht . Er fragte mit erzwungener Ruhe : » Von wem haben Sie den Zettel ? « » Im Kirchenbuch war er . « » Legen Sie ihn nicht mehr hinein , Herr Pfarrer . « » Was soll das heißen ? « » Der Zettel ist falsch ! Die Schrift ist gefälscht ! « » Sie wagen , mir das vorzuwerfen ? « » Das ist nicht die Schrift des Herrn Held ! « » Geben Sie das Blatt her ! Sofort geben Sie es mir ! « Sylvester legte es auf den Tisch , und Baustätter riß es ungestüm an sich . Er kreischte , daß ihm die Stimme überschlug . » Sie setzen Ihrer Frechheit die Krone auf ! Ich will sehen , ob Sie mich einen Fälscher heißen dürfen ! « » Das habe ich nicht getan . « » Lügen Sie nicht ! « » Ich habe gesagt , daß die Schrift gefälscht ist . Und das kann ich beweisen . « » Sie wollen es wieder herumdrehen ! Das will ich sehen ! « Sylvester nahm seinen Hut und ging ohne Gruß aus dem Zimmer . Als er den Pfarrhof verlassen hatte , regte sich erst sein Zorn über den Auftritt . Er war nicht zufrieden mit sich . Warum hatte er nicht schärfer geantwortet auf die Beschimpfungen ? Er hätte wenigstens sagen können , daß diese sinnlose Wut verdächtig sei . Wenn der Pfarrer den Zettel wirklich gefunden habe , könne es ihm nur recht sein , daß die Fälschung entdeckt wurde , daß man das Unrecht wieder gutmachen konnte . Und wie plump das gefälscht war ! Im Texte war die Schrift nicht einmal nachgemacht ; nur der Namenszug war ähnlich . Daneben war das Siegel aufgedrückt , als wenn so etwas eine amtliche Bestätigung sein könnte . Sylvester blieb stehen . Das war ihm nicht gleich eingefallen , das Siegel war ja ein Beweis , daß der Pfarrer den Zettel gefälscht hatte ! Wer hätte sonst das Amtssiegel benutzen können ? Er ging wieder rasch vorwärts . Was sollte er jetzt tun ? Die Wahrheit mußte heraus , und war es nur dem alten Herrn zuliebe . Zum Lehrer gehen und ihn um Rat fragen ? Der würde nur abmahnen und den lieben Frieden predigen . Und bitten , daß man ihn aus dem Spiele lasse . Oder die Mutter ins Vertrauen ziehen ? Sie würde sich ängstigen . Das Einfachste war , es dem zu sagen , der ein Recht auf die Wahrheit hatte . Und ja , das wollte er tun . Sylvester eilte durch das Dorf und kam erhitzt in den Schullerhof . Die Bäuerin stand unter der Tür . » Ist der Schuller daheim ? « » In der Stub ' n hockt er . Aber sagen S ' no mir an Grüaß Good , Herr Mang ! « » Ja , ja ! Ich hab ' jetzt keine Zeit . « » Wo brennt ' s denn ? « Sie erhielt keine Antwort ; Sylvester war schon in der Stube . Der Schuller schaute über seine Zeitung weg auf den Eintretenden . » Was geit ' s ? « fragte er kurz . » Ich muß Ihnen was Wichtiges sagen . « » Was nacha ? « » Ich hab ' den Zettel gesehen , wegen dem Sie so viel Verdruß gehabt haben . « » So ? « » Der Herr Pfarrer hat ihn selber hergezeigt . « » Dös is nix Sonderbar ' s. Der hat ' n scho viel Leut ' zoagt . Bloß mir net . « » Der Zettel is falsch , Schuller . « » Dös woaß neamd besser , wia ' r i , daß dös verlog ' n is . « » Verstehen Sie mich recht ! Die Schrift ist gefälscht . « » G ' fälscht ? « » Jedes Wort und die Unterschrift dazu . « Der Schuller faßte Sylvester mit einem derben Griffe am Arm . » Sie , Herr Mang , i kenn ' Eahna do guat und glaab net , daß Sie an Spott über mi hamm . Was is dös , was Sie da sag ' n ? « » Ich sag ' Ihnen , daß der Herr Pfarrer Held kein Wort über Sie geschrieben hat . Daß man seine Schrift nachgemacht hat . « » Nacha waar ja dös offenbar , daß alles mit Fleiß derlog ' n is ? « » Ja , daß es erfunden ist . Und daß man den alten Held dazu hergenommen hat . « » Aba , ko ma dös beweisen ? « » Das ist gar nicht schwer . Das sieht jeder , der die Schrift kennt . « » Und dös is g ' wiß und wahr , Sylvester ? Sie hamm Eahna net täuscht ? « » Eine Täuschung ist gar nicht möglich . Was ich Ihnen gesagt habe , vertrete ich vorm Gericht . « » Ja , Herrgott ! « Schuller stand von der Bank auf und packte Sylvester an beiden Schultern und schüttelte ihn herzhaft . » Ja , Herrgott ! Manndei ! Was sagst ma denn du ? Gel , du lügst it ? Manndei , was sagst d ' ma denn du ? « Er setzte sich wieder . » Sie müassen ma ' s nomal g ' nau sag ' n. So schnell versteh ' i dös net . « Sylvester erzählte nun ausführlich , wie er im Pfarrhof war , wie ihn Baustätter zur Rede stellte , und wie alles kam . Der Schuller unterbrach ihn oft . » Z ' erscht recht freundli , gel ? Und giftig bei da Freundlichkeit , und nacha auf oamal in da Wuat ? Ja , i kenn ' an Herrn Baustätter ! « Und als Sylvester beschrieb , wie der Pfarrer den Zettel vor ihn auf den Tisch warf , patschte sich der Schuller auf die Knie und lachte aus vollem Halse . » Er hat g ' moant , Sie verstengan nix davo . Aba Sie hamm ' s glei kennt ? « » Gleich , wie ich ' s gelesen hab ' . « » Es is halt do was Schön ' s , bal oana studiert hat . Oft hab ' i mir denkt , wenn i Eahna g ' sehg ' n hab ' , es is eigentli schad ' , daß so a Mannsbild wia Sie a Stubenhocker werd , aba jetzt is ' s do für was guat g ' wen . « Und dann wurde der Schuller wieder ernst . » I bin Eahna viel Dank schuldig , Sylvester , « sagte er . » Aba wissen S ' , d ' Hauptsach ' kummt erst . Dös müassens S ' mir auf Ehr ' und G ' wissen sag ' n ,