, sondern sofort und bar zu erlegen . Charley macht den Kassierer ! « » Einverstanden ! « » Was ? Wie ? Wirklich ? Ach , Ihr wißt wahrscheinlich nicht , wieviel das in anderem Gelde macht ! Also sofort zu erlegen , gleichviel , woher man es nimmt oder bekommt ? « » Ich stimme bei . « » Well ! Und auf welche Bedingungen setzen wir das ? Sie behaupteten doch wohl , den Vater von Miß Waller freimachen zu können ? « » Ja , das wollte ich . « » Ohne unser Lösegeld ? « » Ja . « » Ohne unsere Hilfe ? « » Ja . « » Ganz allein ? « » Ja . « » Bis wann ? « » Schneller , viel schneller , als Sie es können , Mylord ! « Die Zuversicht des Chinesen irritierte den Governor ungeheuer . » Was für ein sonderbarer junger Mann ! « rief er fast zornig aus . » Und darauf wollen Sie tausend Pfund setzen ? « » Gern ! « » Hören Sie , handeln Sie ja mit Bedacht ! Ich werde streng auf Erfüllung dieser Bedingungen bestehen ! Noch ist es für Sie Zeit , zurückzutreten . Ich will nachsichtig sein ? Ich weiß , daß die Chinesen zuweilen ziemlich unüberlegt handeln . « Das klang beinahe beleidigend ; Tsi aber antwortete in seinem höflichsten Tone : » China bedarf der Nachsicht Englands auf keinen Fall und in keiner Weise ! « » Gut , also abgemacht ! « entschied der Governor in strengem Tone . » Jetzt legen Sie das Geld ! « » Nach Ihnen , denn Sie sind Lord , und ich bin Gast Ihres Schiffes ! « Der » dear uncle « fühlte gar wohl , daß er von seinem Gegner Hieb für Hieb geschlagen wurde . Er zog seine Börse heraus und begann , zu zählen . Dann wendete er sich an Raffley : » Ich habe natürlich nur soviel mit , wie ich glaubte , hier und für heut zu brauchen . Ich bitte um tausend Pfund . « Da sah der » nephew « den » uncle « erstaunt an , ließ seinen Klemmer vor bis auf die Nasenspitze rutschen und antwortete : » Was denkt Ihr , Sir ? Auch ich habe natürlich nicht den ganzen Inhalt meiner Kasse mit , sondern nur so viel , wie wir für heut und morgen brauchen werden . « » Well ! Aber das Lösegeld ? Das habt Ihr doch wohl bar bei Euch ! « » Allerdings ; aber es gehört nicht mir , sondern Miß Waller , und von einer Dame borgt kein Gentleman . Und selbst wenn sie es Euch freihändig anbieten wollte , würde ich dagegen sein , denn wir dürfen es nicht angreifen , weil wir es für ihren Vater brauchen . « » Fatal ! Höchst fatal ! Und Ihr , Charley ? « » Mir ebenso fatal ! « antwortete ich . » Ich kann hier nur mit zweitausend Gulden dienen , und das ist nichts . Mein Zirkular-Kreditbrief ist doch nicht bares Geld ! « Da holte der Governor tief , tief Atem und sagte : » Da muß ich freilich eingestehen , daß ich nicht setzen kann ! Aber Sie , Sie werden es gewiß auch nicht können ? « Tsi , an den diese Worte gerichtet waren , zog sein Portefeuille aus der Tasche , entnahm ihm zweitausend Pfund in Noten der Bank von England , legte sie auf den Tisch und sagte : » Tausend für mich und taufend für Sie , Mylord , denn ich hoffe , daß Sie mir gestatten , den Einsatz für Sie auszulegen . Wir haben ja ausgemacht , daß es gleichgültig sei , woher man den Betrag bekommt . « Der gute Uncle schaute ihn mit großen Augen an . Man sah , daß er sprechen wollte ; er brachte aber zunächst kein Wort hervor . Da kam der Ladenbesitzer wieder herein , um die Limonade zu bringen ; das gab dem Governor die Sprache wieder . Er schob mir das Geld zu und sagte : » Nehmen sie es , Charley , und machen Sie den Kassierer , bis die Wette entschieden ist ! Und Ihnen , Mr. Tsi , sage ich , daß ich den Backenstreich , den Sie mir soeben gegeben haben , ruhig acceptiere , weil ich ihn verdiene . Es scheint doch nicht so leicht zu sein , mit China eine Wette einzugehen ! « » Zumal wenn man nicht der Einzige ist , der den Backenstreich bekommt , « fiel Raffley ein . » Wieso nicht der Einzige ? « fragte sein Verwandter . » Denkt doch nicht nur an Euch , sondern auch an mich ! Mein Einsatz gegen Charley ist ja nun verloren ! « Da sah ihn der Andere zunächst erstaunt an , denn an diese Wirkung seiner eigenen Wette hatte er jetzt noch gar nicht gedacht . Dann kam ihm das Bewußtsein des Verlustes , der John betroffen hatte . Er sprang erschrocken auf und rief aus : » Es ist ja wahr ! Mr. Tsi hat setzen können ! Er hat sogar für mich mitgesetzt ! Armer , armer John ! Nun dürft Ihr nie wieder eine Wette eingehen ! « » Nie , niemals wieder ! « nickte Raffley ernst . Und zu mir gewendet , fügte er hinzu : » Ich habe verloren und halte mein Wort . Es wird mir nicht leicht werden , mich in diesen Gedanken zu finden . Ich möchte zürnen und kann doch nicht . Hier meine Hand . Ihr habt mich ja den Gewinn , den dieser Verlust mir bringen wird , schon ahnen lassen . Also , ich wette niemals wieder ; Ihr aber dürft weiterschreiben , so lange es Euch beliebt ! « Da fiel Mary Waller ein , indem sie mich zu meinem Schrecken fragte : » Sie schreiben Bücher ? Das habe ich ja noch gar nicht gewußt ! Ich staunte , als Sie vorhin beim Eingehen der Wette davon sprachen , daß Sie diesen Beruf haben . Sie sind also Schriftsteller ? « Welch eine Unvorsichtigkeit von mir ! Was sollte ich antworten ? Das war wieder einmal ein Beweis , daß jede Unaufrichtigkeit wie überhaupt jede Sünde sich ganz von selbst bestraft ! Die beiden Engländer begriffen meine Lage . Sie kannten mich ; sie wußten , daß ich , falls ich selbst die Antwort übernehmen müßte , nun unbedingt die Wahrheit sagen würde . Darum antwortete der Governor für mich : » Wie ? Was ? Schriftsteller ? Fällt ihm ja gar nicht ein . Ja , er hat einmal ein Buch geschrieben , ein sehr gelehrtes sogar ; ich glaube über - - über - - über irgend eine astronomische Hauptfrage . Dieses Buch bringt ihm in seinen Auflagen so viel ein , daß er zuweilen eine Reise machen kann ; das nennt er nun seinen Beruf oder von seinen Büchern leben ! Sie wissen ja , wer einmal ein Buch verbrochen hat , der pflegt nichts lieber zu tun , als von seiner Feder und von seinem Berufe zu sprechen . « So fadenscheinig diese Hilfeleistung war , sie genügte doch , mich aus der Gefahr , entdeckt zu werden , zu erlösen . Wie groß diese Gefahr gewesen war , das zeigte Marys Antwort : » So , so ist es ? Schon glaubte ich , ohne es zu wissen , mit einem Kollegen meines Lieblingsschriftstellers verkehrt zu haben . « Sie nannte nun meinen Namen . » Den lesen Sie ? Ich auch ! « bemerkte John . » Seine Bände stehen alle in meiner Schiffsbibliothek . « » Wirklich ? Das hätte ich wissen sollen ! Ich hätte Sie um einen gebeten , den ich noch nicht gelesen habe . « » Welcher ist das ? « » Am Jenseits . Man sagte mir , der Inhalt entspreche diesem Titel in einer Weise , daß es gar keiner besonderen Einbildungskraft bedürfe , sich an die Pforte , welche der Engel des Todes uns öffnet , zu versetzen . « » Sie können diesen Band haben . Sollten wir länger , als ich denke , oben in Kota Radscha bleiben , so werde ich Ihnen das Buch vom Schiffe holen lassen . « Ich weiß gar wohl , daß es Leute gibt , welche es dem Autor untersagen , in seinen eigenen Werken über diese Werke zu schreiben ; aber wie ich als sogenannter Schriftsteller meine eigenen , vorher noch unbetretenen Wege gehe , so lasse ich mich auch in dieser Beziehung durch keinen literarischen Pfändwisch irretieren und bringe ohne Scheu , was ich zu bringen habe . Das erwähnte Buch von mir gehört zur Sache . Die Wettangelegenheiten waren geordnet . Wir bezahlten also , was wir genossen hatten , und gingen . Es ist von dem Laden gar nicht weit bis zum Bahnhofe , und es fügte sich , daß der Zug , als wir dort ankamen , soeben rangiert wurde . Der Verkehr ist nur bei Ankunft oder Abgang der Dampfer ein größerer . Heut aber waren wir die einzigen Passagiere unserer Klasse . Man fährt nur sehr kurze Zeit bis hinauf . Unterwegs meinte der Uncle , daß wir nicht alle zugleich zum Governor gehen könnten ; er werde ihm diesen Besuch allein machen , und wir könnten im Hotel auf seine Rückkehr warten . Er hatte Recht , anzunehmen , daß man ihm , dem gewesenen Governor von ceylonisch Indien , die Bitte um ein anständiges Unterkommen für uns eher gewähren werde , als jedem Anderen . Wir trennten uns also , als wir in Kota Radscha angekommen waren , von ihm und gingen nach dem sogenannten Hotel Rosenberg . Es liegt an einem freien Platze und ist mit einem Kaufladen verbunden , welcher bedeutend größer als der unten in Uleh-leh ist , wo wir die Limonaden getrunken hatten . Wir setzten uns in den luftigen Laubengang , welcher rund um den Speisesaal führt , und ließen uns wieder Limonade geben , das beliebteste Getränk jener heißen Gegend . Als sie gebracht wurde , fragte Mary den Bediensteten , ob vor einiger Zeit ein Brief aus Kolombo für Reverend Waller angekommen sei . Er sei nach Penang , East and Oriental Hôtel , adressiert worden , und sie habe dort erfahren , daß man ihn hierher gesandt habe . Der Mann sagte , daß er nachfragen wolle . Ich hatte geglaubt , sie habe ihn schon erhalten , noch ehe sie mit ihrem Vater in die Berge gegangen war ; nun hörte ich aber , daß ich mich geirrt hatte . Es dauerte nur einige Minuten , so kehrte der Diener zurück und brachte den Brief . Er war , was man einen Doppelbrief nennt , und ich sah gleich an seinem Formate und an seiner Stärke , daß er das Notizbuch enthielt . Indem sie ihn öffnete , machte sie die an mich gerichtete Bemerkung : » Wir trafen in Indien mit einem lieben Bekannten , einem Professor aus Philadelphia , zusammen , bei welchem ich mein Notizbuch liegen ließ . Der Verlust hätte mir nicht nur seines Inhaltes , sondern auch noch eines andern Grundes wegen leid getan . Erinnern Sie sich der vier Zeilen , welche mir im Kontinentalhotel in Kairo vom Winde zugeweht wurden ? « » Ja , « antwortete ich . » Nun , dieses Blatt steckt mit in dem Buche . Ich habe diese Zeilen geradezu liebgewonnen . Es spricht mich aus ihnen eine Seele an , die mir bekannt sein muß , obgleich ich mich ihrer nicht erinnern kann . Ja , hier ist es noch . Wie freut mich das ! « Sie legte das Blatt , welches sie aus dem Notizbuch genommen hatte , auf den Tisch und las dann den Brief des Professors . Als sie damit fertig war , steckte sie ihn in das Buch und wollte auch das Blatt dazutun . Da aber kam ihr der Impuls , es zu öffnen . Sie faltete es auseinander . Ich beobachtete ihr Gesicht , natürlich unauffällig . Sie war zunächst nur darüber überrascht , acht Zeilen anstatt nur vier zu finden . Dann las sie . Sie sann und sann . » Sonderbar , höchst sonderbar ! « sagte sie . » Hier , bitte , lesen Sie ! « » Ich kenne es ja schon . Sie zeigten es mir später , « antworte ich . » Lesen Sie es dennoch , und sagen Sie mir dann , was Ihnen auffällt ! « Ich folgte ihrer Aufforderung . » Nun ? « fragte sie . » Die Strophe hat jetzt acht Verse , während sie früher nur vier hatte , glaube ich . « » So ist es . Ich kann mir das nicht erklären ! « » Aber ich ! Der Professor hat es gelesen und dann die vier Zeilen hinzugedichtet . « » Der ? Dichten ? O nein ! Sehen Sie übrigens da seine Schrift und diese hier ! Es ist ganz , ganz genau dieselbe Hand ! Und nicht nur das , sondern auch derselbe Geist , dieselbe Seele , dieselbe Liebe ! Professor Garden würde nie , nie in seinem Leben auf die Wendung kommen : Grad weil sie einst für Euch den Tod erlitt , Lebt sie durch Euch , um weiter fortzulieben . Er hat auch Seele , aber diese nicht , nein , diese nicht ! Es spricht hier eine Stimme zu mir , fast wie die Stimme meiner verstorbenen Mutter . Ich stehe vor einem Rätsel , welches - - - « Sie wurde unterbrochen . Es kam ein Malaie über den Platz zu uns herüber und bot ihr einen Blumenstrauß zum Kaufe an . Das war hier etwas ganz Gewöhnliches und fiel uns gar nicht auf . Nun aber folgte Etwas , was wir nicht erwartet hatten . Ich gab ihm nämlich eine hinreichende Münze , worauf er den Strauß vor Mary auf den Tisch legte , aber nicht nur ihn , sondern auch die Hälfte einer eigentümlich zerschnittenen Betelnuß ! In diesem Augenblick kam der Governor . Er sah die halbe Nuß , griff hastig nach ihr und forderte Mary auf , ihm die andere Hälfte zu geben . Beide paßten ganz genau zusammen . Da wandte er sich an den Malaien : » Sprichst du englisch ? « » So viel , wie ich hier brauche , « antwortete der Mann . Er sah furchtlos zu ihm auf . » Was tust du , wenn ich dich arretieren lasse ? « » Nichts . Ich komme wieder frei , aber der Tuwan39 aus Amerika ist verloren ! « Da wendete sich der Governor an Tsi : » Sie wollen ihn ohne unser Geld und ohne unsere Hilfe befreien . Nun , tun Sie das ! Es handelt sich um unsere Wette . « » Nach Ihnen , Mylord ! « lächelte der Chinese . » Ich bitte , diesen Mann auszufragen ! Sie müssen doch erst sehen , wie leicht oder wie schwer es ist , Mr. Waller wiederzubekommen . « Da ergriff Raffley das Wort , indem er den Malaien fragte : » Woher kennst du die Lady , und wie kommst du hierher ? « » Ich war mit bei dem Brande des Tempels , auch mit bei der Beratung der Häuptlinge und habe die Tochter des Fremden genau gesehen , « antwortete der Eingeborene . » Dann wurde ich hierher geschickt , um sie zu erwarten . Ich wartete in der Nähe des Hauses , wo sie Limonade trank . Ich ging mit nach dem Bahnhofe ; ich fuhr mit hierher , und ich kaufte diese Blumen , um sie ihr zu bringen . « » Wo ist ihr Vater ? « » Das darf ich nicht sagen . Er ist sehr krank ; aber er lebt ; er sehnt sich nach ihr und wird ihr gebracht werden , wenn ich das Geld bekomme . « » Du wirst es nicht eher erhalten , als bis du ihn gebracht hast . « » Das ist nicht möglich . Die Häuptlinge geben mir den Tuwan nur dann , wenn ich ihnen das Geld so hinzähle , daß kein einziger Gulden fehlt . « » So gehen wir mit dir , um selbst mit ihnen zu sprechen ! « » Es ist mir verboten , Jemand mitzubringen . Ich habe genug gesprochen und sage nun weiter kein Wort . Hier stehe ich und erwarte den Bescheid . In zehn Minuten gehe ich ; dann aber wird der Tuwan sterben . Ich sagte die Wahrheit und schweige nun ! « Er trat einige Schritte zurück und steckte die Hand unter seinen Sarong , wo er wahrscheinlich einen Kris40 stecken hatte . Der Sarong ist ein langes Stück Zeug , welches wie ein Frauenrock um die Hüften geschlungen wird und bis herunter auf die Knöchel reicht . Mary hatte Angst bekommen , doch sagte sie nichts . » Da ist nichts zu machen , « erklärte Raffley . » Wenn wir Mr. Waller nicht in die größte Gefahr bringen wollen , müssen wir das Geld zahlen . « » Miserable Situation ! Aber es geht wirklich nicht anders ! « stimmte der Governor bei . » Man sieht es diesem Kerl hier an , daß er kein weiteres Wort sagen und sich nach zehn Minuten entfernen wird . Und wenn das Geld fort ist , so können wir Tausend gegen Eins wetten , daß sie es nehmen , ohne uns ihren Gefangenen auszuliefern . Was sagt Ihr dazu , Charley ? « » Verlassen wir uns auf Mr. Tsi ! « antwortete ich . Der Chinese nickte mir lächelnd zu und fragte den Uncle : » Wollen Sie diese Angelegenheit also mir nun überlassen , Mylord ? « » Natürlich ! Es gilt ja um die Wette ! « antwortete der Gefragte . » So bitte ich Sie , sich über nichts zu wundern . Ich wußte sehr wohl , was ich tat , als ich diese Wette einging . Ich war , sobald ich von der Betelnuß hörte , meiner Sache gewiß . Passen Sie auf , wie schnell man mir gehorchen wird ! Wissen Sie bereits , wo wir wohnen werden ? « » Im Kratong . Der holländische Mijnheer war sehr bereitwillig . Wir haben eine ganze , neben einander liegende Reihe von guten Zimmern , die eigentlich nur für eingeladene Gäste sind . « » Das ist mir lieb . Ich danke ! « Er zog seine Brieftasche wieder hervor , entnahm ihr ein Kärtchen , feuchtete seinen Tuschestift durch Limonade an und legte die Karte auf den Tisch , um zu schreiben . Hierbei sah ich , daß auf der einen Seite derselben drei fettgedruckte , chinesische Worte standen . Die andere , leere Seite beschrieb er mit fremden Charakteren . Dann rief er den Malaien in gebieterischem Tone zu sich her und fragte ihn : » Ich sehe an der Betelnuß , daß Ihr unsere drei Worte kennt . Kannst Du sie nur sprechen oder auch lesen ? « Da wurde das Gesicht des Mannes ein ganz anderes . Die Kälte wich ; es wurde warm . » Ich kann sie auch lesen , « antwortete er . » Einem , der sie nur sprechen darf , würde man keine solche Botschaft anvertrauen . « » Richtig ! Aber kannst Du aus ihrer Stellung ersehen , was ich bin ? « » Ja , sofort ! « » So nimm , und schau ! « Er reichte ihm die Karte . Kaum hatte der Malaie einen Blick auf sie geworfen , so strahlte sein Gesicht in heller Freude . Er griff nach den beiden Händen des Chinesen , küßte sie , küßte sie wieder und immer wieder und rief dazwischen in froher Erregung aus : » Unser junger Sahib ! 41 Der Sohn unsers Wohltäters , der die Leuchte unserer Verehrung und Liebe ist ! Wie glücklich ist mein Herz , daß meine Augen Dich erblicken dürfen ! Befiehl mir , was Du willst ; es wird gewiß geschehen ! « Hierauf verbeugte er sich dreimal so tief , wie es ihm möglich war . Tsi befahl ihm : » Trag dieses Papier zu den Häuptlingen ! Sie werden Dir den fremden Tuwan geben . Wir wohnen im Kratong , und Du wirst ihn uns bringen . Aber Du wirst ihn sehr vorsichtig behandeln , wie einen sehr hohen und sehr kranken Gebieter ! Wann können wir Dich mit ihm erwarten ? « Der Malaie verbeugte sich wieder und antwortete : » Wir haben ihn sehr vorsichtig in einem Tandu42 von den Bergen heruntergetragen . Er ist nicht weit von hier . Wenn zwei Stunden vergangen sind , werden wir ihn bringen . Diesen weißen Männern hier hätte ich das nicht mitgeteilt , denn wir trauen keinem Europäer , und Du kannst uns das nicht verargen . Der Tuwan hat uns von neuem bestätigt , was wir längst schon wußten . Wir nahmen ihn wie einen Bruder auf , gaben ihm das Beste , was wir hatten , und zwar nicht für Geld , sondern ganz umsonst , und wie dankte er uns dafür ? Er legte Feuer an die Stätte der heiligen Verehrung Gottes und der Gastfreundschaft , die er genoß , und verbrannte unserm Priester hierauf noch alle seine Bücher und Gewänder mit seiner ganzen , übrigen Habe ! Diese Fremden müssen entweder wahnsinnig sein oder ganz verkommene Menschen ! « » Er ist weder das Eine noch das Andere , sondern krank . Er hat in der Aufregung des Fiebers gehandelt . Ich erkläre den Häuptlingen hiermit , daß ich sein Freund bin , was ich unbedingt nicht sein würde , wenn er ein so gewöhnlicher Mensch wäre , wie Du denkst . Du sollst das Lösegeld in Empfang nehmen . « » Ja . Ich habe die Weisung , ihn nicht eher auszuliefern , als bis ich es erhalten habe . Aber das ist doch nun anders geworden . Du hast ihn Deinen Freund genannt , folglich ist er auch der unserige . Du hast gesagt , daß er seine Tat im Fieber begangen habe , folglich ist es wahr , denn Du bist kein Abendländer und sagst nie ein Wort , das man zu bezweifeln hat . Was der Mensch aber im Zustande des Fiebers tut , dafür kann er unmöglich bestraft werden . Es ist also unsere Pflicht , ihn ohne Bezahlung freizugeben . Den angerichteten Schaden werden wir zu tragen wissen . In zwei Stunden könnt Ihr ihn begrüßen . Ich eile , ihn zu bringen . « Er verbeugte sich zum dritten Male und ging dann schnellen Schrittes fort . Tsi stand still und schaute ihm ernst , sehr ernst nach , bis er verschwunden war . Er hatte mehr , viel mehr gegeben , als die Summe des Lösegeldes , nämlich sein Wort ! War Waller der Mann , dieses Wort zu achten und es nicht etwa später durch weitere Angriffe zur Lüge zu machen ? Mary war von ihrem Sitze aufgestanden . Sie hatte dem kurzen , aber für sie hochwichtigen Gespräche stehend zugehört . Sie sagte nichts ; aber ihre Hand lag auf dem Herzen , und ihr Blick hing leuchtend an der von ihr abgewendeten Gestalt des Chinesen . Raffley bog sich mir zu und sagte leise : » Ist ein tüchtiger Kerl , dieser Tsi ! Gewinne ihn immer lieber ! « Und nach seinem uncle deutend , fügte er hinzu : » Bin überzeugt , daß ich meine Wette gewinnen werde , die letzte , vor der aller- , allerletzten ! « Obgleich dies nur flüsternd gesprochen worden war , schien der Governor es doch gehört zu haben . Er griff in die Tasche , nahm seine Börse heraus , öffnete sie , zählte den Inhalt und sagte dann : » Habe fünfundzwanzig Pfund . Um zwanzig aber wetteten wir , nicht wahr ? « » Ja , « nickte Raffley . » So kann ich zahlen . Mr. Tsi hat die Yacht noch nicht endgültig verlassen , und ich erkläre mich schon für besiegt . Ihr habt gewonnen , John , hier sind die Zwanzig . Auch die Tausend scheinen dahin zu sein ! Charley , Eure Theorie in Beziehung auf das Wetten ist nicht übel ! Vielleicht stimme ich Euch noch bei , und zwar freiwillig , ohne Zwang ! « Raffley steckte die Goldstücke gleichmütig ein , und nun drehte Tsi sich uns wieder zu , denn der Malaie war verschwunden . Der » uncle « sagte halb lachend und halb ärgerlich zu ihm : » Ihr Orang43 scheint ein sehr aufrichtiger Patron zu sein . Er traut uns nicht , weil wir Europäer sind , und sagt das ganz offen in unserer höchst eigenen Gegenwart ! Sehr ehrenvoll für uns ! Ist das nicht ein wenig unerhört ? « » Nicht dieses Mißtrauen ist unerhört , antwortete Raffley an Stelle des Gefragten , sondern das Verhalten der Kaukasier , die sich für religiös höherstehend halten und daraus mit verwunderlicher Naivität schließen , daß sie den andern Rassen auch in geistiger und moralischer Beziehung überlegen seien . Vollwichtige Menschen darf es nun einmal außer ihnen gar nicht geben ! Dieser Malaie hatte vollständig recht , und ich lobe ihn , daß er es uns so offen und ehrlich sagte . Aber , dear Tsi , ich bin erstaunt über die geheimnisvolle Macht , die Sie über diese Leute besitzen . Haben Sie dieses Geheimnis zu bewahren , oder ist es erlaubt , nach ihm zu fragen ? « Da legte sich ein eigenartiges , fast wehmütiges Lächeln um den Mund des Chinesen und er sprach : » Ich komme aus dem Abendlande . Ich studierte es und weiß darum , daß man dort von einer großen , ausgebreiteten Friedensbestrebung redet . Ich maße mir nicht an , ein Urteil über sie zu fällen , denn ich verstehe die laute Art und Weise nicht , in welcher man dort Etwas versucht , was hier bei uns schon längst in aller Stille wirkt , und zwar mit welchem Segen , das haben Sie soeben hier erfahren . Vielleicht teile ich Ihnen später Ausführlicheres hierüber mit . Für jetzt genügt es , daß ich Ihnen zeige , was für eine Karte ich vorhin beschrieben habe . Ich führe davon stets eine Anzahl bei mir , um jederzeit imstande zu sein , meinen menschlichen Verpflichtungen nachzukommen . « Er legte eine der Karten auf den Tisch und fuhr dann fort : » Sie sehen , sie ist auf der einen Seite leer . Auf der andern stehen die Zeichen der drei Worte Schin , Ti und Ho . Das heißt Humanität , Bruderliebe und Friede . Jeder , aber auch Jeder , der zu uns gehört , hat im Sinne dieser drei Begriffe zu handeln . Wer auch nur ein einziges mal dagegen verstößt , muß als ehrlos aus dem Bunde scheiden . Dieser Bund erstreckt sich weit über China hinaus und wirkt ohne alles Geräusch , in tiefster Stille . Wir fragen nicht , wer oder was der ist , der Hilfe braucht , und bringen sie dem Feinde ebenso gern wie dem Freunde , womöglich ohne daß er es bemerkt . Am allerwenigsten fragen wir nach der Verschiedenheit der Religion . Nicht wer genau so denkt wie wir , sondern ein jeder Mensch , der uns nötig hat , soll unser Bruder sein , der Nächste neben uns , dem wir die Hand zu reichen haben . - So , das sei für heut . Und nun lassen Sie uns gehen , damit wir dann imstande sind , den Kranken aufzunehmen ! « Da reichte ihm der Governor die Hand und sagte : » Mr. Tsi , wahrhaftig , Ihr seid ein ganzer Kerl ! Sagt , raucht Ihr vielleicht ? « » Ja , zuweilen , wenn es paßt . « » So erlaubt mir , Euch eine meiner Tabakspfeifen zu schenken , sobald wir wieder auf die Yacht gekommen sind . Ich hoffe , wir rauchen mit einander noch manchen Kopf in Stücke ! « Da lachte Raffley lustig auf und rief : » Aber Uncle , er ist ja ein Chinese ! Was habt Ihr da getan ! « » Ach was Chinese ! « antwortete der Gefoppte . » Er ist ja gar keiner ! Sondern ein Gentleman , der mir gefällt ! Nun kommt ; wir müssen fort ! « Wir bezahlten unser Getränk und begaben uns nach dem Kratong . Mein Sejjid , welcher in einiger Entfernung von uns auch bei einer Limonade gesessen und unser Gespräch mit dem Malaien beobachtet und gehört hatte , folgte uns . Als wir die Zitadelle erreichten , kam uns der Gouverneur entgegen , um uns unsere Räume anzuweisen . Der Uncle hatte ihn sehr treffend als » holländischen Mijnheer « charakterisiert . Dieser Offizier war überaus höflich , aber auch überaus kühl und zurückhaltend . Er hatte von dem Governor natürlich erfahren , was mit Waller geschehen war , vermied es aber , hiervon zu sprechen . Wir waren so vernünftig , einzusehen , daß dieses Schweigen ein wohlberechtigtes sei . Er hatte den Missionar gewarnt , die freien Malaien hoch oben im Gebirge aufzusuchen , war aber nicht gehört worden . Nun , da es sich herausgestellt hatte , wie wohlbegründet seine Warnung gewesen war , konnten wir nicht von ihm verlangen , daß er sich Mühe zu geben habe , gerührt und mitleidig zu erscheinen . Es war im Gegenteile schon dankbar anzuerkennen , daß er sich so rücksichtsvoll zeigte , den ,