. Willst du etwa jetzt dort hinauf ? « » Ja . Doch Niemand darf es wissen . Ich muß sehen , was die Offiziere dort machen . Uebrigens dürft Ihr ja nicht glauben , daß sie wirklich Generale seien . Man hat gemeint , den Mund so voll wie möglich nehmen zu müssen . Wenn man Euch fragt , wohin ich geritten bin , so gebt irgend eine Auskunft , die wahrscheinlich klingt ; verratet aber ja das Richtige nicht . « Ich ritt über den Tempelplatz hinüber und bog um die erwähnten Buchen . Dort öffnete sich der mir beschriebene Weg . Man konnte mich vom Tempel aus nicht mehr sehen . Nun trieb ich Assil zu größerer Schnelligkeit an . Ich kam durch hohe Tannen . Nach einiger Zeit wurde es rechts von ihnen licht . Da lag die Waldesblöße . Sie war ziemlich steil . Ich konnte zwischen den Bäumen hindurch die Offiziere sehen . Sie saßen ganz oben am Rande und schienen zu schreiben oder zu zeichnen . Ich war ihnen unsichtbar , weil ich mich unter den Tannen befand . Auch der übrige Teil meines Weges lag so , daß ich nicht zu befürchten brauchte , bemerkt zu werden . Oben angekommen , bog ich nach rechts . Als ich ihnen auf ungefähr siebzig Schritte nahe gekommen war , stieg ich ab . Ich legte dem Hengste die Hand auf die Nüstern und sagte nur das eine Wörtchen » uskut - - still ! « Nun konnte ich überzeugt sein , daß er sich nicht bewegen , nicht das geringste Geräusch verursachen werde . Hierauf ging ich weiter . Der weiche Waldesboden machte meine Schritte unhörbar . Als ich anhielt , stand ich nur fünf Meter hinter den beiden Persern . Sie zeichneten ; das sah und hörte ich . Und zwar die topographische Lage der sich von hier aus herrlich ausbreitenden Gegend . Dabei sprachen sie miteinander . Sie hielten sich für vollständig allein und taten es also nicht leise . Ich hörte jedes Wort . » Dieser Effendi ist der unvorsichtigste Europäer , den ich jemals sah , « sagte der angebliche Divisioner . » Er benahm sich geradezu dumm ! « » Dafür machte der Kasi45 seine Sache um so besser , « bemerkte der Brigadier . » Sein Lob war fest wie Leim ; der eitle Mensch blieb daran hängen . Wie blind , daß man uns hier heraufläßt , um die Pässe und Wege zu zeichnen und die ganze Lage des Duar aufzunehmen ! Wir hätten nie erfahren , wie leicht er zu umfassen ist , wenn wir es nicht mit eigenen Augen sähen . Nur erst den Ustad von hier fort und hinüber zu den Taki ! Dann sind zwei Tage genügend , den Duar wegzunehmen und das ganze Gebiet der Dschamikun einzuverleiben . Dann ist es mit dieser gefährlichsten Art des Christentumes für immer bei uns aus . Allah verdamme es ! « » Jawohl , zwei Tage genügen , « stimmte der Andere bei . » Die vereinigten Taki und Dinarum müssen ja gradezu erdrückend wirken . Sehr gut , sehr gut , daß ein Wettrennen hier stattfindet , an dem sich der Scheik ul Islam unbedingt zu beteiligen hat . Das gibt die vortrefflichste Gelegenheit , Vorbereitungen zu treffen , die uns sonst nicht möglich gewesen wären . Wir sparen Zeit dadurch und schlagen eher los . « » So weit steht Alles gut . Was aber wird der Schah dazu sagen ? Man weiß , daß er den Ustad schätzt und schützt . « » Das überlaß dem Scheik ul Islam . Er sprach doch gestern von einem Vertrauten , der bei dem Ustad wohnen und alle seine Bücher , Schriften und Geheimnisse untersuchen wird . Dieser Mann soll der beste Muzabirdschi46 sein , den wir im Lande haben . Er stammt aus Isphahan , wo er vor langer Zeit einen Koch kennen lernte , dessen Tochter jetzt Köchin des Ustad ist . Er wurde in Teheran wegen schwerer und sehr pfiffiger Diebstähle zu mehreren Jahren Gefängnis bestraft , entfloh aber von dort und hielt sich lange Zeit hier in den Ruinen versteckt , wohin ihm die Köchin das Essen heimlich brachte . Wie er da von unserer Seite entdeckt wurde , das habe ich nicht erfahren , aber der Scheik ul Islam nahm sich seiner an und will ihm unter gewissen Bedingungen dazu verhelfen , von seiner Strafe frei zu werden . Welche Bedingungen das sind , geht uns nichts an ; ich kann sie mir aber denken . - Nun bin ich fertig mit meiner Zeichnung . « » Ich fast auch . « » So beeile dich , damit man nicht auf unsere Abwesenheit aufmerksam wird und Verdacht schöpft . « Als ich das hörte , zog ich mich schnell zurück . Assil stand noch genau so , wie ich ihn verlassen hatte . Ich stieg auf und ritt denselben Weg hinunter , den ich heraufgekommen war . Hinter den Buchen schlug ich dann noch einen Bogen nach auswärts , so daß es , als man mich kommen sah , den Anschein hatte , als sei ich abwärts , aber nicht aufwärts geritten gewesen . Der Chodj und Kara befanden sich noch an derselben Stelle . Die Perser waren jetzt beisammen . Sie standen im Innern des Tempels , Tifl bei ihnen . Ich stieg am Beit-y-Chodeh ab und ging zu ihnen hinauf . Als ich kam , wendeten sie sich mir zu , und der angebliche Scheik ul Islam fragte , indem er nach den Ruinen hinüberdeutete : » Weißt du vielleicht , Effendi , was das für ein altes , sonderbares Bauwerk ist , da drüben ? « » Das wollte ich soeben dich fragen , « antwortete ich . » Du weißt ja , daß ich weder Priester oder Offizier , noch Beamter oder sonst Etwas von Bedeutung bin . Wie kann ich also , noch dazu als Europäer , hierüber besser Auskunft geben als du , der als ein Licht des Glaubens hoch über allem Wissen und aller Kenntnis steht ! « Er warf einen lächelnden Blick auf den » Schreiber « , nickte mir wohlwollend zu und sprach : » Du hast Recht . Für die von Allah Erleuchteten liegt alles klar und offen da , was selbst das scharfe Auge der Wissenschaft niemals erkennen wird . Dieses Bauwerk war der Abgötterei gewidmet , dem Götzendienste , der uranfänglich nur Bilder verehrte , doch zuletzt sogar auch Idole anbetete , welche Menschen gewesen waren . Indem du da hinüberschaust , wirst du an alle Religionen erinnert , nur allein an unsern Islam nicht . Wie kommt das wohl ? Weil der Islam die einzige Religion ist , welche Gottes Befehl erfüllt , daß wir uns kein Bild noch irgend ein Gleichnis machen sollen . Oder hast du jemals eine Moschee gesehen , in welcher das Bildnis eines Menschen hängt , um verehrt zu werden ? « » Nein , « antwortete ich im Tone kindlichster Unbefangenheit . » Das habt Ihr doch nicht nötig . Denn Eure Heiligen und Seligen werden nicht erst nach dem Tode , sondern schon hier im Leben derart vor andern Menschen ausgezeichnet , daß sie auf spätere Anbetung recht wohl verzichten können . « Bei diesen Worten machte ich dem Heiligen und auch dem Seligen eine tiefe , ehrfurchtsvolle Verbeugung . Sie bedankten sich mit gütigem Kopfnicken . Der Mann mit dem großen Turbane aber sah mich mit einem zweifelhaft prüfenden Blicke an , ob nicht vielleicht hinter dieser meiner Unbefangenheit etwas Anderes stecke . Wahrscheinlich konnte er in meinem Gesicht nichts Verräterisches entdecken , denn er fuhr fort : » Wir haben gehört , daß der Ustad beabsichtigt , mit diesem alten Bauwerke aufzuräumen . Er will die Ueberreste aus jenen götzendienerischen Zeiten abtragen . Warum ? Wozu will er dieses kolossale Material verwenden , welches er doch nicht einfach verschwinden lassen kann ? Wir können uns mit einem solchen Vorhaben unmöglich befreunden . Bis heut schwiegen wir dazu . Nun wir aber den Bund mit dir und ihm geschlossen und besiegelt haben , steht uns das Recht zu , Einspruch zu erheben . Diese Bauten haben zu bleiben , wie sie sind ! Sie sind ein Denkmal der Vergangenheit , an welchem nicht gerüttelt werden darf . Denn selbst der Wahn wird heilig , wenn er so lange besteht , daß er durch sein Alter zur Ehrfurcht mahnt . Also , ich warne dich , Effendi , und ich warne den Ustad ! Ich habe als Scheik ul Islam die heilige Pflicht , selbst den Irrtum zu erhalten , weil wir nur durch ihn zur Wahrheit kommen . Ihr gehört von jetzt an zu den Takikurden , und was ich als Oberster der Taki will , das hat auch jeder Dschamiki zu wollen ! « Ah ! Bisher das weiche Pfötchen ; jetzt kam schon die Kralle ! Etwas vorzeitig ! Sein eigentliches Interesse an der Erhaltung der Ruinen konnte er mir natürlich nicht mitteilen ! Glücklicherweise war ich einer Antwort überhoben , denn die beiden » Generale « kamen soeben , und es wurde beschlossen , wieder aufzubrechen . Ich bemerkte gar wohl das befriedigte Lächeln , mit welchem sie dem » Schreiber « heimlich kundtaten , daß ihnen ihr Vorhaben wohlgelungen sei . Die Heimkehr geschah in derselben Weise , wie der Ritt zum Berge ; man ließ mich zurück , und es fiel mir gar nicht ein , mich darüber zu kränken . Als ich heimkam , sah ich , daß man nicht einmal mit dem Essen auf mich gewartet hatte ; es war bereits im vollsten Gange . Ich nahm aber in der freundlichsten Weise meinen Platz und langte zu . Es gab mir heimlich Spaß , daß sich die Herren schon ganz wie zu Hause fühlten . Der Beturbante tat , als ob er nur so zu befehlen habe . Der Pedehr war hierüber so ärgerlich , daß er fast gar nichts genoß . Nicht etwa , daß man es an Höflichkeit hätte mangeln lassen ; o nein ! Man schmeichelte uns sogar in jeder Weise ; zuweilen so auffällig , daß es gar nicht schwer war , zu erröten . Der Leutseligste von Allen war der » Schreiber « . Er sprach nicht viel ; aber was er sagte , war stets ein Kompliment für uns , welches Dankbarkeit erheischte . Er war so einfach , so bescheiden , so unendlich wohlwollend . Und all diese Einfachheit , diese Bescheidenheit , dieses Wohlwollen schien er mit Hilfe seines stetig wiederholten Augenaufschlages vom Himmel herabzunehmen . Er brachte Alles so still , so geräuschlos fertig . Die Andern schmatzten als Orientalen überlaut beim Essen ; er als der Einzige nicht . Was bei ihnen klapperte und klirrte , das ging bei ihm so leise , so unhörbar von statten , als ob sein ganzer Körper nur von Watte sei . Aber zuweilen , wenn er sich unbeachtet wähnte , schoß aus seinem Auge ein Blick hervor , welcher , im Bilde gesprochen , noch lauter schnarrte , als das Rrrrrr an seinem Gaumen ! Wir erfuhren während des Essens , daß die Perser von uns weg nicht etwa zurück nach Chorremabad , sondern hinüber zu den Takikurden wollten . Man war so unvorsichtig , hinzuzufügen , daß man dies auch getan hätte , wenn unser » Vertrag « nicht zu stande gekommen wäre ! Hierbei kam die Rede auf die Pferdezucht der Taki , und da geschah es , daß der » Schreiber « sich zum ersten Male zu einem zusammenhängenden Gespräch mit mir animiert zeigte . Er ahnte nicht , daß er durch dieses sein Interesse für die Pferde verriet oder vielmehr bestätigte , wer er sei . Er sagte : » Wir haben gehört , daß bei Euch ein großes Rennen stattfindet , Effendi . Wer darf sich daran beteiligen ? « » Jedermann , « antwortete ich . » Welches sind die Bedingungen , die Preise ? « » Der Sieger gewinnt den Besiegten . « Da leuchtete sein Auge auf und er fragte auffallend rasch : » Auch Eure Haddedihnpferde ? « » Ja . « » Darf man sich den Gegner wählen ? « » Nein . Jeder stellt , was ihm beliebt . Doch es darf kein Angebot abgewiesen werden . Die Ehre allein hat zu bestimmen . Es hat Niemand zu befürchten , daß ihm minderwertiges Material gegenübergestellt wird . « » Darf ein Pferd nur einmal rennen ? « » Nein , sondern so oft es beliebt . « » Das ist vortrefflich ! Wir haben beschlossen , uns zu beteiligen . Ist es erlaubt ? « » Sehr gern ! « » Müssen wir sagen , mit wieviel und mit welchen Pferden ? « » Nein . Ihr bringt , so viele Ihr wollt . « » Und Ihr dürft keines zurückweisen ? « » Nein . « » Muß man vorher melden , wer sie reiten wird ? « » Auch nicht . « » So setze ich den Fall , daß wir eines unserer Pferde von einem Dschamiki reiten lassen wollen . Würdet Ihr ihn daran hindern ? « » Ganz gewiß nicht . Wer so ehrlos ist , dies tun zu wollen , dem haben wir niemals mehr Etwas zu befehlen oder Etwas zu verbieten . « » Seine Person bleibt also auf alle Fälle unangetastet ? « » So lange er sich nur als Renngegner , nicht auch sonst als Feind beträgt , ja . « » Das ist es , was ich wissen wollte . Ich bin befriedigt . Wir betrachten uns also als angemeldet und werden sicher kommen . « Er sah vor sich nieder , warf dann einen sehr freundlichen , beinahe zärtlichen Blick auf mich und fuhr fort : » Eigentlich habe ich noch eine Frage . Sie betrifft deinen Glauben . Du bist Christ ? « » Ja . Du doch auch ! « Ich gab diese sonderbare Antwort , weil ich eine lange , unfruchtbare , religiöse Auseinandersetzung erwartete und die Sache so kurz wie möglich machen wollte . Die Zeit des Versteckenspielens war nämlich für mich vorüber . Ich wußte nun genug und hatte keinen Grund mehr , mich und meine Weltanschauung für geistig rückständig halten zu lassen . Er warf den Kopf wie erschrocken in die Höhe und rief aus : » Ich ? Ein Christ ? Allah verhüte es ! Wer hat dir diese größte aller Lügen weisgemacht ? « » Lüge , sagst du ? Ist der Kuran ein Lügner ? « » Nein . Jedes seiner Worte ist heilig , und unsere Auslegungen sind ebenso heilig . Willst du etwa behaupten , das , was du sagst , aus diesen Quellen zu haben ? « » Ja . « » So beweise es ! Was aber kann ein Europäer , ein Christ vom Kuran und seinen Auslegungen wissen ! « Er faltete mitleidig die Hände , schlug die Augen auf und holte sich einen Blick des himmlischen Erbarmens herab , den er mir ganz unverkürzt herüberschickte . Ich nahm ihn ruhig hin und fragte : » Was steht dir höher , der Himmel oder die Erde ? « » Natürlich der Himmel , « antwortete er . » Das Zeitliche oder das Ewige ? « » Das Ewige . « » Ein Fürst und Richter über einige Millionen oder ein Fürst und Richter über Alles , was da lebte , lebt und auch noch leben wird ? « » Dieser Letztere . « » Du verehrst Mohammed . Du glaubst an seine Lehre und richtest hier auf Erden nach den Worten , die er Euch hinterließ . Er ist also der Gesetzgeber aller Mohammedaner . Was aber wird er einst in jenem Himmel sein ? « » Der herrlichste von Allen , die Propheten waren . « » Hast du von der Moschee der Omajjaden in Damaskus gehört ? « » Ja . Sie ist die prächtigste und hochberühmt , des jüngsten Gerichtes wegen . Denn Isa Ben Marryam47 wird sich an diesem Tage auf einen ihrer Türme niederlassen , um Alle zu richten , die da sind und waren , die Lebenden und die Toten . Wozu aber diese Fragen , die mir ganz zwecklos und überflüssig erscheinen ? « » Wie du so fragen kannst , o Katib ! Dein Herr , der Scheik ul Islam , welcher neben dir sitzt , wird scharfsinniger sein als du und dir sagen , daß du soeben zugegeben hast , ein Christ zu sein . « » Ich ? « fuhr er zornig auf . » Klüger als ich ? Eff - - - « Er hielt inne , denn er fühlte , daß er soeben ganz aus seiner untergeordneten Rolle gefallen sei . Sein Blick stieg himmelan , um sich die erforderliche Gemütsruhe herabzuholen , und als dies geschehen war , fuhr er fort : » Ich verstehe dich nicht . Mach , daß ich dich begreife ! « » Du sagtest , daß Christus der himmlische Herr und Richter sei , der Spender der Seligkeit , dem aber auch die Verdammten zu gehorchen haben . Ich brauche dich gar nicht zu fragen , wer also höher stehe , er oder Mohammed , sondern ich bestätige nur , was du sagtest : Christus richtet einst Alle , auch die Moslemin . Er ist also Euer höchster Herr , und folglich seid Ihr Christen , so wie wir ! « Er war still . Die Andern auch . Tiefste Verlegenheit in allen ihren Gesichtern . » Wer von Euch wagt es , mir zu widersprechen ? « fragte ich . » Wer von Euch glaubt , in dem Kuran und seinen Auslegungen besser bewandert zu sein als ich , der Christ , der Europäer ? Er widerspreche mir , und ich werde ihm mit den Worten des Kuran und seiner Erklärungen antworten ! « Da versuchte der Schreiber eine Ausrede : » Du bist uns gleich zu hoch gestiegen , Effendi . Man hat von unten zu beginnen . Du aber fängst gleich im Himmel an , beim großen Weltgericht ! « » Wer noch nichts weiß , der mag von unten beginnen . Wir Christen aber sind im Himmel wohlbewandert , denn dort ist unser Vaterhaus , wo Isa Ben Marryam unser wartet . Es gibt keine einzige Religion , über welcher nicht Jener steht , der nach Eurer eigenen Ansicht Tod oder Leben , Verdammnis oder Seligkeit verteilt , und also sind die Menschen alle Christen . Sträubt Euch , so viel Ihr wollt , über diesen Punkt kommt Ihr doch nicht weg ! Gebt Eurer Religion den Namen , der Euch beliebt ; hoch über allen diesen Namen steht doch der , nach welchem wir uns Christen nennen ! Willst du noch mehr Auskunft über meinen Glauben , o Katib ? Ich gebe sie dir sehr gern ! « » Nicht mehr Religion , nichts weiter vom Glauben ! « fiel da der angebliche Scheik ul Islam schnell ein , um seinen » Schreiber « aus der sichtlich sehr großen Verlegenheit zu reißen . » Wir befinden uns hier bei den Dschamikun , aber noch nicht im Himmel . Wir sind auf der Erde , und da muß ich dich bitten , Effendi , anzuerkennen , was hier im Lande gilt , nämlich die Oberhoheit Mohammeds ! « Er glaubte , einen Trumpf ausgespielt zu haben ; ich aber antwortete : » Ja , wir sitzen hier bei den Dschamikun und haben uns nach dem zu richten , was hier im Lande gilt . Das ist aber nicht die Hoheit Mohammeds ! « » Doch ! « fuhr er auf . » Ihr seid seit heute Taki-Dschamikun und habt also an Mohammed zu glauben ! Das ist es ja , was wir erreichen wollten . Wir haben es mit Salz und Brot besiegelt und Ihr könnt nicht mehr zurück . Bei uns gilt das Wort : Ein Schurke , der nicht hält , was er bei Salz und Brot verspricht ! Willst du ein Schurke sein ? « Da stand ich langsam auf , steckte die Hände gemächlich in den Gürtel und sprach : » Was ist uns angetragen worden und was haben wir angenommen und besiegelt ? Das ganze Gebiet der Takikurden solle heut in die Hand des Ustad übergehen ! Er soll ihr Ustad sein , nichts Anderes ! Du sagtest wörtlich : Die Vereinigung der beiden Stämme soll sich in der Hand und unter der Aufsicht des Ustad vollziehen , und er wird der Gebieter dieses neuen Stammes sein ! Das ist mit Salz und Brot besiegelt worden . Nun frage ich , wer wird jetzt Schurke sein ? « Keiner antwortete . Da sprach ich weiter : » Es gibt also für die Taki-Dschamikun keinen andern Gebieter als den Ustad . Und da ich an seiner Stelle vor Euch stehe , so bin ich der Herr , dem man hier zu gehorchen hat , hier und drüben bei den Taki . Wo ist der Andere , der uns befehlen will , was wir zu glauben haben ? Er stehe auf wie ich und stelle sich vor mich her ! Ich möchte nämlich gern wissen , was für Augen so ein Schurke macht ! « Keiner regte sich . Sie sahen alle vor sich nieder . Aber die Augen des Pedehr funkelten , und der Chodj-y-Dschuna lächelte leise vor sich hin . » Ihr schweigt , « fuhr ich fort . » So beantwortet wenigstens meine andern Fragen ! In wessen Machtvollkommenheit kamt Ihr hierher , um uns dieses vermeintliche Geschenk zu machen ? Sandte Euch der Landesherr , der Schah-in-Schah ? Wurdet Ihr vom Stamm der Taki-Kurden geschickt , die sich nach unserm Ustad sehnen ? Haben sie eine Dschemma abgehalten und beschlossen , daß er ihr Herr und Gebieter werden solle ? Seid Ihr die Gesandtschaft , welche sie schicken , uns dies mitzuteilen ? Wo ist die Unterschrift des Schah ? Wo sind die Siegel der Aeltesten des Stammes ? Habt Ihr es denn wirklich für möglich gehalten , daß es Euch gelingen werde , mit uns ein solches Kara göz ojunu48 aufzuführen ? Muß ich es für Wahrheit halten , daß Ihr so töricht waret , über den Fortbestand der Ruinen uns Befehle erteilen zu können ? Ich glaubte , es sei ein schlechter Scherz ! Welch ein Wahnsinn , zu denken , daß wir auf leere Worte hin Euch sofort Alles , was wir sind und was wir haben , gehorsam vor die Füße werfen , um dann im neuen Stamm so viel wie nichts zu sein ! Ihr habt ja nichts , doch sage ich : Gebt mir das ganze Land , gebt mir die ganze Welt , so könnt Ihr die Ruinen , die Euch so sehr am Herzen liegen , doch nicht retten ! Kommt ihre Zeit , so brechen sie zusammen , denn diese Zeit wird keinen Scheik ul Islam um Erlaubnis fragen ! « Da sprang der » Schreiber « schnell wie eine Spannfeder auf . Seine Augen waren jetzt ganz andere . Sie blitzten mir in plötzlich offenem Haß entgegen , und er rief aus , indem auch die Andern sich erhoben : » Das , das ist also der wahre , der wirkliche Effendi , nicht der kranke , schwache , der sich so wunderbar zu verstellen wußte ! Der Effendi , der nichts , gar nichts ist in seinem Lande und doch hier den Herrn und Pascha spielen will ! Ich weiß nun genug von dir , du aber nichts von mir . So will ich dir denn sagen - - « » Daß du der große Scheik ul Islam bist , der zu uns kommt , nur um uns anzulügen ! « fiel ich ihm in die Rede . » Ich weiß noch mehr von dir , doch mag schon das genügen . Wer sich für Allahs höchsten Auserwählten hält und heimlich sich als Inbegriff des ganzen Kuran betrachtet , der sollte dies doch offen und ehrlich zeigen und nicht in trügerischer Demut zur Niedrigkeit des Katib niedersinken ! « Da verschlang er die Arme auf der Brust , richtete sich hoch auf und fragte : » Bist du fertig ? « » Mit dir ? Ja ! « » Aber nicht ich mit dir ! Denke an das Rennen ! Das wird nun ein ganz anderes ! Nehmt Euch in acht ; wir kommen . Ich sage dir nur einen einzigen Namen : Ich bringe Euch das beste Pferd von Luristan und lasse alle Eure Mähren niederreiten ! Und noch ein anderes habe ich . Was das für eines ist , das werdet Ihr zu Eurem Leid erfahren ! « Er wendete sich ab und schritt in stolzer Haltung zur Halle hinaus . Die Andern folgten , ohne ein Wort zu sagen . Sie würdigten uns keines Blickes mehr . Bald ritten sie den Berg hinab , und der Pedehr sorgte dafür , daß sie , wenn auch nur von Weitem , bis zur Taki-Grenze begleitet wurden . Wir gingen zu ihm hinaus in den Hof . Er wendete sich zu mir . » Das war ein Schlag über sämtliche Köpfe , Effendi ! « sagte er . » Wer hätte das gedacht , nachdem du dir vorher Alles so ruhig gefallen ließest ! Keiner konnte antworten ! Nun reiten sie als offenbare Schurken fort ! Das wird man überall erfahren , und Jeder , der auf Ehre hält , wird sich vor ihnen hüten ! Aber die Rache nun , die Rache ! Fürchtest du sie nicht ? « » Nein , « antwortete ich . » Sie wird ganz denselben Erfolg haben wie ihre heutige Pfiffigkeit - - - Hiebe über die Köpfe . Nur dürfen wir nicht so tun , wie du wolltest , nicht vorschnell handeln . Wir lauschen , bis wir wissen , was sie wollen . Dann aber warten wir nicht etwa , bis es ihnen beliebt , sondern wir machen es wie jetzt : Wir erheben uns ganz unerwartet von dem Sitze und schlagen derart los , daß sie sofort die Mäuler halten müssen . Der wahrhaft Kluge scheut sich nicht , für übertölpelt angesehen zu werden , weil er schweigt . Er ist nur still , die Feinde zu durchschauen . Doch kommt dann seine Zeit , so schont er selbst den Höchsten nicht , auch keinen Scheik ul Islam , um zu zeigen , wer eigentlich der Schuft , der Tölpel war ! « Eben als ich das sagte , kam Tifl aus dem Garten . Er saß auf der Sahm , die vollständig gesattelt war , und wollte zum Tore hinaus . » Wohin ? « fragte ich , indem ich mich ihm in den Weg stellte und nach dem Zügel griff . » Ausreiten , « antwortete er . » Die Sahm auf das Wettrennen üben . « » Du reitest sie nicht . Wozu also das Ueben ! Steig ab ! « » Unser Ustad sagte es mir ! « entgegnete er , indem er ruhig sitzen blieb . » Der Ustad bin jetzt ich , und du steigst ab , sofort ! Du wirst auf diesem Pferd nie wieder sitzen ! « » Warum ? « Der Mensch sah mich bei dieser Frage so an , als ob er entschlossen sei , mir Widerstand zu leisten . Es fiel mir natürlich nicht ein , mich selbst an ihm zu vergreifen . Ich drehte mich vielmehr zu dem Pedehr , dem Chodj und dem jungen Haddedihn um und forderte den Letztern auf : » Kara , herab vom Pferd mit diesem Kerl ! « Ein fröhlicher Blitz ging über sein Gesicht . Ein schneller Sprung und Schwung , so saß er hinter Tifl auf der Stute , und im nächsten Augenblicke flog der Lahme herunter auf die Erde . » Effendi , warum das ? « fragte der Pedehr erstaunt . » Unser Kind hat doch die Erlaubnis , jederzeit zu - - « » Warte ! « unterbrach ich ihn . Dann wendete ich mich an Tifl , der sich vom Boden aufrichtete und nun ganz verlegen dreinschaute : » Warum hängen an der Sahm die Satteltaschen ? Warum trägst du nicht bloß die Mütze , sondern auch das Turbantuch darüber ? Warum hast du Schuhe an und auch den Mantel über deiner Jacke ? Reitet man so aus , um zu üben ? « Er gab keine Antwort , doch verwandelte sich die Verlegenheit seines Gesichtes in den Ausdruck des Trotzes . » Wo wolltest du hin ? « fragte ich weiter . » Glaubtest du wirklich , nicht durchschaut zu sein und mir die Sahm entführen zu können , du undankbarer Bube ? Vergiltst du so die Wohltat mit Heimtücke und Verrat ? Du willst den Persern nach , mit ihnen zu den Taki-Kurden hinüber ! Du sollst beim Rennen gegen uns und für den Scheik ul Islam reiten ! Ich hindere dich nicht ; ihr paßt ja gut zusammen . Ich spreche dich von unserm Stamme los und überlasse dich den Feinden drüben . Du magst getrost zum Rennen kommen ; es wird dir nichts geschehen . Doch nach demselben trolle dich sofort ! Verräter dulden wir in unserm Bereiche nicht ! « Er machte nicht den geringsten Versuch , mich zu widerlegen . Da rief der Pedehr aus : » Ist das die Möglichkeit ? Für solche Wohltat so verfluchter Lohn ! Effendi , dieser Mensch sollte gepeitscht werden ! « » Nein ! Ich will ihm sogar seinen Fortgang noch erleichtern . Er bekomme eines der zurückbehaltenen Soldatenpferde , doch mögen zwei Dschamikun ihn begleiten , bis er die Perser erreicht .