das Bekenntniß die Brücke zur Gnade sein ? Wer fühlt nicht Lust zum Leben - « » Mit dem schließ ab . Das ist und bleibt verwirkt . « » Dann bekehre , wer Lust hat , sich bekehren zu lassen . Meinen Henker mag ich nicht zum Beichtvater . Was ich that , ich will ' s nicht loben , aber bereuen auch nicht , nicht vor Dir . Du greifst in unsere Rechte , ärger als Deine Väter . Das gehört nicht hierher , aber kannst Du Dich wundern , wenn wir ausschlagen ? Das Gesindel willst Du begünstigen auf unsere Kosten , auf wohlfeile Art zum Ruhme des Gerechten kommen . Da Du uns zu stark , werfen wir uns auf Deine Schützlinge . Meinen Verstand rufst Du an , der sagt mir , daß Jeder recht thut , der nicht schlechter , noch besser handelt , als seine Genossen ! Möglich , daß eine Zeit kommt , wo sie anders denken , ich lebe in meiner ; ich that , was da unter den Guten nicht für schlecht gilt . Ein Thor , wer besser sein will . Die Zukunft gehört andern Geschlechtern . « » Und Du sündigst in sie hinein . Mein Herz schlug warm , mein Arm war weich . Ich hoffte , ich glaubte . Du hast den Glauben mir ausgerissen . Nach Dir , nie kann ich Jemand mein volles , heiliges Vertrauen wieder schenken . Wenn ich die Arme verlangend ausstrecke nach Einem , dessen Geist in seinen edlen Zügen zu leuchten , auf seinen beredten Lippen zu schweben scheint , wird Dein Gespenst drohend dazwischen aufschießen . Ich werde Euch bändigen , Euer Trotz soll ohnmächtig sich krümmen unter meinen Füßen , denn mit mir ist Gott ; aber des Sieges werde ich mich nicht freuen , ich habe Keinen , mit dem ich mich freue . Mein Argwohn wird die verwunden , die es wirklich gut meinen , Du trägst die Schuld . Eine Eiskruste wird sich mit den Jahren um meine Brust lagern , die warmen Gefühle , wenn sie noch aufsprudeln , werden nicht mehr durchdringen . Ich werde verdrießlich , hart , vielleicht ungerecht scheinen , vielleicht es sein . Ich , der sein ganzes Dasein aushauchen wollte für das Glück seines Volkes , werde nicht geliebt , nur gefürchtet werden . Von ihnen nicht verstanden , vielleicht sie nicht verstehend , werde ich auffahrend , jähzornig , ich kann ein Tyrann werden . Es ist Dein Werk ! « » Dank für den bittern Trank , den Du mir mitgiebst auf meinen letzten Gang . Der Lohn für all die süßen Stunden , wo ich mein Hirn quälte , die Sorgen von Deiner Stirn zu schwatzen . « » Dafür den Lohn ! « » Ich könnt ' s Dir wieder eingeben , einen so bittern Trunk , Dein Leben lang sollte er jeden süßen Becher Wein vergällen . Warum griffst Du mich heraus ? Bin ich der Einzige , der Nachts satteln läßt , die Kappe über ' s Gesicht , auf die Straße reitet ! Leg ' Dein Ohr auf die Schwelle , schleiche in den Gängen Deines Schlosses um und horche an den Thüren , wo sie ihre Klingen wetzen , horche auf ihr Gespräch , mit welchem Ehrennamen sie Dich nennen ! Nennen könnte ich - ich will ' s Dir zu rathen geben . Das mein Gegengift ! « » Lindenberg ! « rief der Fürst ihn von der Thür zurück . » Ich habe nichts mehr zu sagen . « » Ich zu fragen . Hast Du Mitschuldige ? « Der Ritter schwieg einen Augenblick : » Nein ! « » Du hattest sie ! « » Es lohnt nicht , sie zu nennen . Die blasse Furcht schlottert in ihren Gliedern . Von denen hast Du nichts zu fürchten . Laß sie laufen . Ich will reine Luft auf dem sauren Weg . « » Gar nichts hättest Du mir zu sagen , keinen Auftrag , keinen Wunsch ? « » Was soll ' s ? Habe nicht Weib , nicht Kind , was geht mich das an , - was hinter mir bleibt ! - Und doch noch etwas . Allein willst Du stehen , auf Niemand hören , weil Einer , Zwei , Drei Dich täuschten ! Wer ist denn so überreich an Gottesgnaden , daß er den Hauch der Lüfte nicht braucht , der ihm Athem zubläst , daß er die Farben der Blumen , das Grün der Wiesen nicht ansieht , nicht das Blau des Firmamentes , weil es Täuschung der Sinne ist ! Wo willst Du die Wahrheit suchen , die , mein ' ich , die Du unter Deinem Volke brauchst ? Einen verwirfst Du nach dem Andern , weil er nicht die Wahrheit spricht , die Du willst . Der redet Dir zu frech , der zu sclavisch , der nur zu seinem Vortheil , der versteht Deine hohen Intentionen nicht , der geht nicht oft genug in die Messe , der ein Thor , der ein Schwärmer ; weiß ich ' s , was Du an Jedem auszusetzen hast , bis Du , wie die Schöne , der kein Freier gefällt , weil sie sich für zu schön hält , zuletzt den ersten besten auf der Straße aufgreifst . Den Adel stößt Du vor den Kopf , er ist zu eigenwillig ; dem Bürger zeigst Du ein kraus Gesicht , weil er anders möchte , als Du willst ; den Clerus möchtest Du bessern , aber er will nicht gebessert sein . Was ist denn Dein Volk ? Was bleibt davon , wenn Du Einem nach dem Andern davon ausstreichst ? Werden Deine lateinischen Freunde aus der Fremde Dir helfen , wenn Du nicht aus und ein weißt ? Sie verstehen ja nicht unsre Sprache ! Wenn sie zittern wie Espenlaub und keiner ihrer Zaubersprüche mehr hilft , wen wirst Du anrufen ? « » Einen ! « » Der giebt uns Augen zum Sehen und Ohren zum Hören . Durch Wunder redet er nicht mehr zu den Brandenburgern . Du wolltest nicht hören , nicht sehen , wo ' s an der Zeit war , nun wirst Du horchen und lauschen müssen auf den Schatten an der Wand , auf den Wind , der um die Ecke kommt . Die zu rechter Zeit den Mund aufthaten , denen schlossest Du ihn ; dafür wird das Gesindel Dich umsurren ! Denn irgendwoher muß doch auch den Fürsten Kunde zukommen . Die Angeber , die Heimlichen , denen ist ein Regent verfallen , der sich so gut und klug dünkt , daß er nur auf sich hört . Deren Beute wirst Du , die wie der Mehlthau auf ein frisches Saatfeld fallen , es ist zerfressen , und wer faßt ihn , wer bezahlt den Schaden ! Dann , Joachim , wenn Alle schweigen , die hätten reden sollen , denke an Einen , den Du im Zorn von Dir stießest , er sprach , was Dir nicht gefiel , er sprach nicht im Groll , er sprach , weil es wahr ist , weil Du ihm weh thust . « » Lindenberg ! « rief der Kurfürst ihm nach . » Wem der Herr das Köstlichste nahm , den will er prüfen , ob er ihn zu seinen Erwählten reihe . Du hast mir das Köstlichste gestohlen , was ein Fürst besitzen kann , das Vertrauen ; aber ich zürne Dir nicht , Du warst sein Werkzeug . Ja , ich könnte den Geist Gottes auch in Dir ehren , der so spricht , wär ich nicht Fürst und Richter . - Ich scheide nicht im Groll . Nimm diesen Wunsch als letzte Mitgift auf Deinen schweren Weg - stirb , wie Du gelebt , als Mann ! « Der Kurfürst wandte ihm den Rücken ; er hat ihn nicht wiedergesehen . Siebenzehntes Kapitel . Hans Jochem . Ein grauer Himmel lag ausgespannt über dem Lande , und das schien Vielen gut . Es war so Vieles , das besser bedeckt blieb mit einem Schleier . Die Trauerglocken läuteten von Früh bis Abends auf den Schlössern derer , die mit den Lindenbergern verwandt waren , und über dem Wedding kreisten Schwärme von Raben . Wer da nichts zu schaffen hatte , blieb hinweg . Beim Einbruch der Nacht sah man aber verhüllte Reiter über die Haide sprengen , daß die Raubvögel aufflatterten vom Hochgericht . Was ihre Lippen murmelten , was ihre Zähne knirschten , was ihre Arme , zu den Wolken gestreckt , schworen , die Wolken hörten es nicht , noch der Schatten zwischen den drei Pfeilern , vom Winde geschaukelt , und der Kurfürst in seinem Schlosse zu Kölln hörte es nicht ; und das war gut . In Berlin war es still , und still in Kölln . Wie tief in die Nacht brannte das Licht an den Fenstern , wo der Kurfürst wohnte . » Er kann nicht schlafen , « flüsterten sie sich zu . - » Wo soll ' s hinaus ! « sprach der Bürgermeister zum Syndicus . » Er ist Einer und sie sind Viele . Er setzt ' s nicht durch . « - » Und man spricht von seltsamen Zeichen am Himmel , die Schlimmes bedeuten , « sagte der Syndicus . - Im Rathe zu Berlin war der Schluß nicht durchgegangen , daß man eine Sendung an den Markgrafen verordne , ihm zu danken , daß er Gerechtigkeit geübt sonder Ansehen von Stand und Person . » Das ist ein weit schlimmeres Zeichen als die großen Vögel am Himmel , « sagte der Bürgermeister , » so die Bürger nicht den Muth haben , das auszusprechen , was sie denken , und es ist doch gut . « - Der Rathsschreiber , ein hitziger , junger Mann , zog Einige in den Winkel , da setzte er ihnen auseinander , daß es nun an der Zeit sei , wenn je , ihre alten Gerechtsame wieder zu fordern , die verbrieften Privilegien und Freiheiten der Städte Berlin und Kölln , die Markgraf Friedrich der Zweite , der mit eisernen Zähnen , zerrissen , als er die Oeffnung der Stadt erzwang . » Nun ist er mit dem Adel zerfallen , nun braucht er Hülfe , jetzt angeklopft , erst leise , dann lauter , und unsere Stunde schlägt . « Da er ausgesprochen , war Einer um den Andern fortgeschlichen , und sie schüttelten die Köpfe : » Man weiß , was man hat , man weiß nicht was man kriegt ! « - » Ja , Gevatter , « sagte ein Anderer auf der Treppe , » ein Sperling in der Hand ist besser , als eine Taube auf dem Dache . « - » Wenn man in dem alten Gleise bleibt , fährt man nicht so bald irre . « - » Was Dich nicht brennt , sollst Du nicht löschen . « - » Wenn Du überherret bist , ist Liegen keine Schand ' . « - » Der oft allen Menschen rathen kann , weiß sich selbst nicht zu rathen , noch zu helfen . « - » Wer die Wahrheit geiget , dem schlägt man die Geige an den Kopf . « - » Die viel erfahren , reden wenig . « - » Und wer ist er denn ! Vögel , die früh anfangen zu singen , haben bald ausgesungen . « - Es hat kein Volk so viel Weisheit als das deutsche , wo es gilt , daß es beim Alten bleiben soll , und käme es auf die Sprichwörter an , so säßen wir noch in den Wäldern und äßen Eicheln . Auch auf dem Lande war es still . Die Bauern schüttelten auch den Kopf . Es hatte blutige Kreuze geregnet , die waren auf Nacken und Arme gefallen , und auf den Wegen sah man sie noch liegen . Aber eines Morgens stürzten die Weiber und Kinder , so Buchnisse und Eicheln im Forst gesammelt , mit Geschrei und Weinen in ' s Dorf zurück . Sie hätten auf den Bäumen Thiere gesehen , mit feurigen Augen und großen krummen Schnäbeln , wie sie zu Land Keiner kennt ; die hatten mit den Flügeln geweht , daß die Luft gezittert . » Das sind die Sturmvögel von über der See , aus dem Lande Norwegen , « sagten die alten Leute , » die kommen nur , wenn Krieg wird . « Hörte man heimlich doch hämmern und rüsten in den Edelhöfen , und Nachts kamen schwerbepackte Wagen , die klirrten von Eisen . Da sahen die Alten sich noch bedenklicher an : » Den Herren bringt ' s Freud ' , uns Leid . Die Schloßgesessenen ziehen ihre Zugbrücken auf , und wenn der Sturm nicht zu arg wird , halten sie ' s aus . Wer schützt unsere Schilfdächer und Lehmhäuser ? Die brennen und fallen , wenn es nur losbläst . « - Da sah man sie um Mitternacht bei verhangenen Fenstern in ihren Läden kramen und Schaumünzen und Ketten und Ringe und Spangen , wer es hatte , in einen Topf thun . Wenn dann die Wolken über den Mond zogen und der Wind in den Bäumen pfiff , gruben sie still ein Loch zwischen den Wurzeln des alten Birnbaums im Garten , stellten den Topf hinein , sprachen mit gefalteten Händen einen Spruch und schaufelten Erde drüber , und deckten Laub und Moos drauf . Das war des Bauern Sicherheit im Mittelalter . In Burg Hohen-Ziatz sah es auch traurig aus , aber nicht mehr still . Die gute Frau von Bredow , der ihr Herr fortgeführt ward , hatte drei Stunden lang geweint , und ihre Töchter und Mägde und die Knechte auch , was sie nur konnten , daß die Katzen auf den Dächern verwundert herabgeschaut , und die Hunde heulten dazu . » Ach , er kehrt niemals wieder , « hatte sie gesagt zu denen , die sie trösten wollten , und dann die Schüsseln mit dem , was er über gelassen , unter ' m Arm genommen und in die Speisekammer getragen . » Das war sein letztes Essen hier . « Aber kaum hatte sie die Kammer abgeschlossen , da mußte sie wieder aufschließen , denn die Einlagerung war gekommen , die Landreiter aus Potsdam . » Das fehlte auch noch zu der Bescheerung ! « hatte sie gesagt , und wieder decken und anrichten lassen für die Gäste , die in keinem Haus willkommen sind . Die sangen und tranken in der Halle , spielten und fluchten und zerbrachen Gläser und Teller . Die Mägde wollten gar nicht mehr zu ihnen hinein , wenn nicht die Hausfrau mitging . Und was war das für eine Nacht gewesen ! In den Wäldern hatte es gerauscht und geschrien und unten in der Halle getobt , und wenn es einmal stille ward , hatten die Schmerzenstöne aus der Thorstube ihr in ' s Ohr geklungen . Sie sagten Wunderliches von Hans Jochem . Es kenne ihn keiner wieder , so sei es in ihm gefahren ; ob der böse Geist oder der gute , das wisse Keiner . Und der Dechant , der ' s ihnen sagen konnte , war nicht da : » Wenn man sie braucht , sind die Pfaffen nimmer da , « sagte Frau von Bredow . Einige meinten , es klinge ihnen so , wenn er an die Wände schreie , als da der wandernde Dominicaner gepredigt in den Fasten . Das sei gewesen , daß Einem das Herze brach und die Knie zusammensanken . Der kluge Knecht Ruprecht hatte die ganze Nacht auf der Mauer gelegen und hinausgeschaut , als wolle er das Gras wachsen sehen , meinten die Leute . Er hatte den dummen Leuten nicht geantwortet , die nicht verstanden , daß er auf mehr sah ; aber als die Burgfrau in der Frühe zu ihm trat , schüttelte er den Kopf : » ' S ist was im Anzuge , Gestrenge ! So was ist mein Leblang mir nicht vorgekommen . Als die Fehde in Stendal war , rauschte es auch wohl über den Kiefern , aber das waren nur Einige . Die Nacht war ' s doch , als rauschte die ganze Luft und die Wälder zitterten . Und das schrie , daß Einem die Ohren weh thaten . « » Wer schrie denn , Ruprecht ? « » Die Seeraben aus dem Nordland , die Cormorans , groß wie ein Storch und stärker als der Adler , und wehren sich gegen den Förster noch , wenn er sie angeschossen hat . Wo sie hausen , gehn die Bäume aus von ihrem Unrath , und sie fischen die Seen aus . Auch der Has ' ist vor ihnen nicht sicher , noch das junge Reh . « » Wer ist itzund sicher ! - Sie meinen , ' s giebt ' s Krieg . « Der Knecht schüttelte wieder , aber langsamer den Kopf : » Da schlügen sie anders mit dem Schweif ; was eigentlicher Krieg ist , das giebt ' s nicht . Unruh und Aufstand . « » Ach Gott ! Sie schleppen noch alle nach Berlin , wie meinen Herrn . « » Werden sich auch schleppen lassen ! Daß ich ' s sage , Gestrenge , ' s ist vielleicht schlimmer als Krieg . Wie alte Leute sich entsinnen , kamen die wilden Raubvögel vor alten Zeiten auch einmal , ich glaube , ' s sind hundert Jahr , als der erste Nürnberger Markgraf in ' s Land zog , und die Havelländischen aufstanden . Da war die Luft schwarz von ihren Flügeln . Und ich sagt ' es gleich bei der Wäsche , als der Sturm kam . Uns gemeine Leute geht ' s nicht an , aber die Schloßgesessenen , die Ritter werden aufstehen . « » Aber Ruprecht , wie kannst Du so abergläubisch sein ! Der liebe Gott hat doch die Vögel nicht für die Edelleute allein gemacht . « » Warum hat er sie denn aber so unterschiedlich gemacht , die Stößer , die Reiher , die Adler , die Finken , die Tauben , die Zeisige ! Die Raben da auf der Kiefer , die haben mehr Verstand , als mancher Mensch . Wie der vornehme Ritter letzte Nacht ausritt und unser Junker mit , da flog die Alte mit den beiden Jungen ihnen nach , und kreisten um ihre Köpfe . Ich sah scharf zu . Als sie schon im Walde verschwunden waren , die Raben waren immer oben in der Luft . Na , nu haben wir ' s , den Junker Peter Melchior schüttelt das Fieber , unser Hans Jochem brach ' s Bein , der Herr von Lindenberg , daß weiß ich nun nicht - « » Schäm ' Dich was , Ruprecht ! - Sag ' mal , als mein Herr rausgeführt ward - « » Da saßen sie wieder auf ihrem Nest und guckten raus . Hat sich auch keiner gerührt . « » Gottes Güte ist doch groß ! « sagte Frau von Bredow , Athem schöpfend , und fuhr mit dem Finger etwas über ' s Auge . » Mein armer Götze , wo mag der sein ! Der ist verloren , wenn nicht der Herr von Lindenberg sich seiner annimmt . - Gott , ach Gott , wer giebt ihm da zu essen , und wer wärmt ihn , wenn er friert ! Du sollst nach Berlin fahren , Ruprecht . Will zwei Kober mit Würsten packen ; auch ' ne gesülzte Gans sollst Du mitnehmen . Und dann fährst Du beim Herrn von Lindenberg vor - so schlecht wird er doch nicht sein ! Ich trau ' ihm eigentlich nicht viel . Aber das thut er schon . Auch seine Friesjacke und die wollenen Strümpfe , und wenn Du ihn siehst , dann sage ihm - « Ach es gab so viel zu sagen und zu sorgen für die arme Frau . Der Meister Hildebrand wollte auf seinen Klepper steigen und fortreiten : » Sterben , ja das wird er schon , « sagte der Meister , » wir müssen Alle sterben , je wie ' s kommt ; Einer früher , der Andere später ; aber zum Trauertuch kaufen ist noch nicht Zeit , gnädige Frau . Lieber graues , auch weißes oder braunes , je wie ' s kommt . - Wird er ein grauer Bruder , graues , wird er ein Cistercienser , weißes . Rekommandire meinen Schwager in Brandenburg , dem Roland gegenüber , hat ausgesuchtes Zeug , für weltlich und geistlich , je wie ' s kommt . « » Meister , der Hans Jochem geistlich ! Ach du meine Güte ! « » Ist gut für ' s Haus , Gnädige , wenn man sich Einen zuzieht aus eigener Sippschaft . Für allerhand Fälle , zum Trauen , zum Taufen , zum Sterben auch , je wie ' s kommt . Auch zum Beichten ! Wer vertraut ' s denn jeder Kapuze gern in ' s Ohr , was man im Herzen hat ! « » Der Hans Jochem im Beichtstuhl ! « » Kann auch auf den Bischofsstuhl mal kommen , wer weiß das Alles ! Hinken wird er sein Lebtag . ' s hat mancher Bischof gehinkt , mancher Kurfürst und mancher König , je wie ' s kommt . Wir gehen Alle der Grube zu . Wer läuft , kommt schneller , wer hinkt , kommt langsamer an . « Da war wiederum Lärm in der Halle , als der Meister kaum aus dem Thore war . Hans Jürgen stürzte heraus , blutig . Er schrie nach Waffen und Rache . Es wär ' zum Schlimmen gekommen ; und der kluge Knecht Ruprecht , ja selbst die Frau von Bredow hätte den tollen Jungen nicht zur Ruhe gebracht , und da fehlte nur ein Funke , daß es überall aufflackerte . Hatte sich Einer unterstanden , Eva Bredow » ein schmuck Blitzmädel « zu nennen oder gar Aergeres , ich weiß es nicht . Hans Jürgen mußte es doch gehört haben ; konnte er ' s ertragen ! Und als er mit der Faust auf den Tisch geschlagen , flog ' s ihn an , und ihm floß Blut . » Die Schandmäuler ! « riefen die Diener . » Wär ' s noch Ensereins , aber unser Frölen ! « » Und unser Junker blutet « , schrieen Andere . - » Er ist verwundet . « » Selbst verwundet , « beschwichtigte der kluge Knecht Ruprecht , der Hans Jürgen unterfassen wollte , » schlug mit der Hand in die Scheiben . « » In ihre Hirnschädel will ich schlagen , « und er hatte nach einer Stange gegriffen . » Hans Jürgen , Wetterjunge ! « rief die Burgfrau und faßte nach der Stange , die er wie eine Lanze in der Luft schwang . » Das sind des Kurfürsten Leute . « » Schlimmers ! « flüsterte Kasper ihm in ' s Ohr . » Sind unadlich und unehrlich . Büttelsknechte , nicht viel besser . « Hans Jürgen gingen die Worte doch immer sehr verdrossen ab , wie einem Brunnen , wo man lange pumpen muß , dann erst kommt etwas Wasser . Die Landreiter mußten gut gepumpt haben , denn als er die Stange über sich mit beiden Händen wirbelte , fuhr es , wie ein Fluß aus den Bergen heraus : » Kurfürst hin , Kurfürst her ! So soll doch das Kreuz-Himmel-Donnerwetter drein schlagen . « Aber da er der Base den Rücken wandte , schlug er nicht los , weil Eva vor ihm stand , die beiden kleinen Arme in ihren Hüften : » Hans Jürgen , willst Du mich schlagen ? « schien ihr schelmischer Blick zu sprechen , und was sonst wohl ihre Augen sprachen . Die Stange blieb zuerst ein Weniges in der Luft schweben , dann senkte sie sich langsam , bis Eva mit einem leichten Sprung die Spitze ergriff , und mit einem Male lag sie auf der Erde . » Hans Jürgen , sie spaßten ja ; das Ding aber ist zu schwer zum Spaß . « Hans Jürgen stand wie Einer , der mit Wasser begossen ist , es muß aber nicht sehr kalt gewesen sein . Er fror nicht , da ihn Eva bei beiden Ohrläppchen faßte und etwas links und etwas rechts zauste . Was sie dabei sprach , hörte Keiner ; muß aber auch nichts Böses gewesen sein , denn sein Gesicht ward immer freundlicher . Der Hausherr fortgeschleppt , Gott weiß wohin , Gott weiß wozu ; das Haus voll Landreiter , die das Unterst zu Oberst kehrten ; Streit , Zank , Blut sogar ; die Seeraben ; der Meister Wundarzt , ein Neffe und künftiger Schwiegersohn halb todt oder geistlich ; ach , und noch mancherlei Gedanken , die auch die frommste Frau um ihre Ruhe bringen . Was konnte da noch Leides hinzukommen ! Und doch kam es . Ein Schrei aus der Thorstube . Hans Jochem war der Verband aufgegangen , und das war auch noch nicht das Schlimmste ; der Wachtmeister , der so was zu flicken verstand , wie er sagte , verband ihn wieder . Aber Ihre Tochter Agnes , die stand da wie ein Bild aus Stein , das sie an die Wand gelehnt . Sie hatte es gesehn , wie das Blut spritzte , und sah noch drauf , wie mit gläsernen Augen , und konnte nicht den Arm rühren , noch den Kopf bewegen . » Das ist am End noch schlimmer , « dachte Frau von Bredow . Ein Starrkrampf geht schon vorüber , aber das kleine Herz schlug so stark nachher ; dafür , dachte Frau von Bredow , muß ein Mittel sein , und schnell . Sie hatte sich den ganzen Abend mit der Tochter eingeschlossen , und Agnes lag auf ihren Knien wie ein Beichtkind vor der Mutter Schooß , und nun ihre Hand küssend , sagte Agnes : » Ja , so wird ' s am besten sein , Mutter . « - » Und morgen in der Frühe , daß Du ihn nicht wieder siehst . « - » Nein , Mutter , « sagte Agnes , » ein Mal noch , ein mal noch , das hab ' ich ihm versprochen , das muß ich . Wir sehn uns ja dann nimmer wieder . « Die Mutter hatte den Kopf geschüttelt , aber doch nicht Nein gesagt . Wie hätte sie ' s auch mögen ! Mit dem Knecht Ruprecht sprach sie am Abend noch vielerlei : » ' S ist besser so , Ruprecht , Du bleibst hier . Das versteht der Kasper besser . Erst bringt er , verstehst Du , mein Kind nach Spandow und dann die Würste nach Berlin . « » Und der Junker ? « » Reitet mit nach Spandow . Dann sind wir den auch los , hier finge der Ungeschick doch wieder neue Stänkerei an , « wobei Frau von Bredow tiefer als sonst aufseufzte . Der kluge Knecht Ruprecht sagte im Hinausgehn : » Wie Gott es fügt . Der Mensch will Manches zusammenthun , und dann geht ' s doch auseinander , und was er zerschneiden will , das thut sich von selbst zusammen . « » Das wäre ja schreck- « , fing Frau von Bredow an , aber sie verschluckte das Wort wieder und faltete ihre Hände zu einem stillen Gebet . Auch Agnes schien ein langes Gebet geendet zu haben und fühlte dann mit der einen kleinen Hand auf die Stirn des Kranken , der jetzt wieder sein Auge aufschlug . Er hatte zu viel vorhin gesprochen , daß er wieder unmächtig auf ' s Kissen zurückgesunken war . Der Morgen graute unheimlich durch das verhangene Fenster in das Krankenstüblein ; ein Hahn fing schon an zu krähen und die Rosse stampften vor dem Wagen , den der Knecht Kasper anschirrte . Agnes saß im grauen Reisehabit , den Schleier um die Kappe ; sah sie doch schon fast aus wie eine fromme Schwester , die der Welt ihr Valet gesagt , und das blasse Gesicht war doch nur das eines freundlichen Kindes . Nun sahen sie sich an wie zwei liebe , gute Freunde , die sich trennen müssen ; er reichte ihr die Hand . » Das ist lieb von Dir , daß Du noch da bist . « » Du wolltest mir ja noch sagen , wie Alles so gekommen ist . « » Ach Agnes , noch flimmert mir ' s vor den Augen wie Einem , denk ' ich mir , sein muß , der lange , lange blind war , und plötzlich gehn ihm die Augen auf , und grade geht auch die Sonne auf ; das sticht , glänzt , tanzt um ihn . Es ist Einem so wohl und auch so weh . « » Daß die Wölfe nur nicht ran kamen , wie Du da lagst , das freut mich . « Er athmete tief auf , dann hub er an : » Der Schmerz war wohl schrecklich , aber es ward gleich Nacht um mich . Das Blut , das aus der Wunde floß , kam mir wie ein Balsam vor , der sanft um die Glieder leckte . Da hörte ich auch nicht mehr die Wölfe heulen , auch die Raubvögel in den Aesten , die ihre Flügel schlugen und mit den feurigen Augen und den grimmigen Schnäbeln gierig auf mich schauten , ließen die Flügel sinken und zogen die Köpfe in ' s Gefieder und nickten auf