die Oberfläche austrocknet und fruchtbar wird . Solchen Tonen hat man viele tausend Jucharten gutes Land zu verdanken , und noch viele konnten sie gut machen . Freilich können sie nur da angewendet werden , wo Fall ist . Das kam Joggeli aber zu streng vor . Sie wollten doch nicht alles auf einmal machen , sagte er , es sei das andere Jahr auch noch ein Jahr . Und dann sei es Zeit , das Dreschen anzufangen , sonst werde man ja bis Ostern damit nicht fertig . Wenn man Zeit finde , so könne man im Frühjahr sehen , aber alles zunteroben z ' gheyen , sei ihm nicht anständig . Es gebe nur Kosten und man wisse nicht , was dabei herauskomme . So redete er . Bei sich dachte er noch , die Leute müßten doch nicht meinen , daß dem Uli alles allein in Sinn komme und daß man in der Glungge nur auf ihn gewartet habe , um solche Sachen zu machen . Der Bursche würde ihm nur zu übermütig , er mache jetzt schon , wie wenn alles sein wäre und wie wenn vor , her niemand da daheim gewesen wäre . Ja Joggeli rühmte noch den andern Knechten : Was sie wurden gesagt haben , wenn sie noch den ganzen Winter hätten tonen müssen ? Uli hätte wollen . Er aber hätte es doch besser mit ihnen gemeint , als sie hinter eine solche Arbeit zu reisen , wo alle Kleider drufgiengen . Uli könne notti nicht alles zwängen , er sei selbst immer noch Meister und das komme ihnen noch manchmal wohl . Er hätte noch mehr Verstand als Mancher , der es doch eigentlich mit ihnen halten sollte . Begreiflich fanden die Knechte die Rede des Meisters sehr erbaulich . Alle Extraarbeiten sind den meisten Knechten zuwider , weil die laufende Arbeit doch getan , also strenger und fleißiger gearbeitet werden muß . Gar manch Knechtlein verläßt seinen Platz , wenn es eine solche Arbeit kommen sieht . » Machen sie es meinethalb , wenn ich fort bin , « sagt es , » ich aber wollte ein Narr sein , mich da halb zu töten und meine Kleider drufzumachen . Da kann ein Anderer den Schleck haben . « Diese Sucht , nichts Ungewohntes zu machen , geht so weit , daß Viele , wenn sie nur die geringste nicht täglich vorkommende Arbeit machen sollen , den Kopf aufsetzen , poltern , fluchen , aus dem Dienst laufen . Daher kömmt es auch , daß so Viele die geringste Handbietung dem weiblichen Geschlechte verweigern und nie Ohren haben für einen Befehl oder Wunsch der Meisterfrau . Das gibt die Leute , die nicht aus dem Trapp zu bringen sind , die sich nie weder anstrengen können noch anstrengen mögen , die mit der gelassensten Lauheit dem Elend zuwandern , im Elend sich wälzen . Allerdings sind viele Meisterleute da daheim , daß sie mit wenig Diensten das Unmögliche erschinden wollen . Und wie das Kamel sich weigert , aufzustehen , wenn man ihm zu schwer aufgeladen , so wer , den übernutzete Diensten halsstarrig und weigern sich des Dienstes . Diesen kann man es nicht verübeln . Nun aber verbreitet sich von diesen aus die Halsstarrigkeit nach und nach über die ganze Klasse , und wenn einmal ein Dienst schwitzen muß , so schreit er Zetermordio , und wenn er einmal ermahnt wird , schnell zu machen , sich zu schicken , so wirft er den Bündel vor die Füße und begehrt auf wie ein Häftlimacher . Du mein Gott , was soll aus Menschen werden , die sich nicht schicken können , nicht schicken wollen , die , wo es immer möglich ist , vier Stunden an einer Sache machen , welche in zwei leicht abzutun wäre ! Das gibt die armen Leute . Sie strafen sich also selbst , und da erwahret sich das Sprüchwort wieder , daß Untreue den eigenen Herren schlägt . Da entsteht die böse Gewohnheit , von der wir schon gesprochen haben , und die Rührigkeit , welche durchs Leben hilft , vergeht . Gar viel besser als Andere waren Joggelis Knechte nicht , und wenn man schon dem Meister es verübelt und flucht und täubelet , wenn er etwas extra vornimmt , so mußten sie es dem Mitknecht noch weit böser aufnehmen , daß er eine so wüste Arbeit ihnen aufsalzen wolle . Sie fluchten nicht nur über den Werchteufel , den er im Leibe habe und der ihm und Andern nie Ruhe lasse , sondern sie suchten hinter seinem Fleiß und Eifer , der ihnen so ungewohnt vorkam , Gründe , und zwar eigennützige und selbstsüchtige . Es ist dies ein eigentümlicher , tiefliegender Zug im Volke . Im Fragenbuch heißt es , alle unsere guten Werke seien mit Sünden befleckt , und Paulus sagte , all unsere Gerechtigkeit sei wie ein unflätig Kleid . Diese Aussprüche haben allerdings ihren guten Grund in unserer Natur . Gar zu oft regt der äußere Nutzen uns zu einer guten Tat an , und wenn wir auch aus innerm , schönem Triebe etwas Gutes vollbracht , so kommt hintendrein gezogen die Eitelkeit , der Stolz und Übermut und beschmutzt die Tat . Das sind die Befleckungen der guten Werke . Nun nimmt das Volk diese Befleckungen , obgleich die Meisten der eigenen sich nicht bewußt sind , so allgemein als sich von selbst ergebend an , daß alsobald , sobald man etwas Gutes sieht , nach den Flecken gespürt wird . Und je weniger man sich selbst innerer guter Triebfedern bewußt ist , um so mehr sucht man nach den äußern Befleckungen , nach eigensüchtigen , äußern Beweggründen , die zum Guten angespornt . Je eifriger einer zum Beispiel der Uneigennützigkeit sich ergibt und mit raschem Hervortun für Andere lebt , um so eifriger wird man ihn der geheimen Eigennützigkeit zeihen und verdächtige Absichten ihm zudichten . Die unwillig gewordenen Knechte begnügten sich daher nicht mit bloßem Fluchen und Sticheln , sondern sie suchten nach den Triebfedern von Ulis Tun , und die glaubten sie mit leichter Mühe gebunden zu haben . Sie wüßten wohl , was der Narr meine , aber er habe den Bären noch nicht im Sack . Er wolle sich wert machen , hätte Flausen im Gring und meine , da Bauer zu werden . Aber das komme nicht nur auf das Schlärpli an und die alte Stürme , da predige dann noch ein Anderer . Diesem allgemeinen Satz reihten sie eine Menge Einzelheiten an , und jeder wußte neue dazuzufügen samt neuem Spott und neuem Hohn . Neunzehntes Kapitel Eine Tochter erscheint und will Uli bilden Ds Elisi hatte nämlich großes Wohlgefallen an Uli und tat recht dumm mit ihm . Schon im Winter hatte es dasselbe gefaßt , und wenn des Sonntags nachmittags Uli allein in der Stube war , so machte sich Elisi an ihn , kramte ihm alles aus , und er mußte raten und bewundern , so daß es Uli recht erleidete , in die Stube zu kommen . Die bessere Jahreszeit unterbrach diese Konferenzen , da bekam ds Elisi Längizyti . Es hatte ein halb Dutzend Blumentöpfe . Die hatten bisher monatelang ruhig an einem Ort stehen können , wenn Vreneli sie nicht der Sonne oder dem Regen nachtrug . Nun waren sie ihm nie am rechten Ort . Uli stund selten vom Essen auf , daß ds Elisi ihm nicht sagte , er müsse ihm seine Meienstöcke fürerstragen , das Vreneli trüge gar keine Sorge zu ihnen , es ließe sie je eher je lieber zugrunde gehen . Und selten kam Uli so schnell fort , als er wollte ; er mußte bald an diesem , bald an jenem schmöcken , und wenn er fort wollte , so kam es Elisi in Sinn , an einem andern Ort wären sie noch besser , und er mußte sie noch einmal weitertragen und noch an einem schmöcken , welcher das vorige Mal übersprungen worden war . Saßen die Knechte am Abend auf dem Bänkli vor dem Stalle , so kam Elisi mit einer Gießkanne zum Brunnen und tat so ungeschickt und schüttete sich Wasser in die Schuhe , bis Uli ging und half , während die Andern tapfer lachten und ziemlich unverhohlen über das Schlärpli spotteten . Regnete es oder waren ihm die Meien sonst nicht im Kopf , so trippelte es doch da herum , ja einigemal nahm es sogar eine Lismete in die Hand und spazierte damit den Schopf auf und ab , weil es seine kalten Füße erwärmen müßte , wie es sagte . Ja einmal im Emdet legte es sein Schaubhütli auf , zog lange Handschuhe an , schob zwei Paar Bracelets daran herauf , nahm sein Sonnenparesöli und ging hinaus , als sie mit dem Wagen Emd holen wollten . Uli mußte ihm einen Rechen auslesen , und nun fuhr Elisi , mit der einen Hand das Sonnenparesöli haltend , mit der andern den Rechen , in die Matte sich schrecklich gebärdend über den harten Sitz auf dem Wagen und dessen jämmerliche Stöße . In der Matte wollte es Uli , der Heu auf den Wagen gab , nachrechen , das ging aber nicht . Erstlich fing sich ihm der Rechen immer im Grase , daß es ihn nicht loskriegen konnte , zweitens konnte es nicht rechen und zugleich das Paresöli halten , und die Sonne schien doch so heiß ! Elisi setzte sich daher auf den Wagen mit seinem offenen Paresöli . Es war eine schwere Aufgabe für den Lader , den Wagen gehörig zu laden bei dem darauf sitzenden Elisi , das kein Glied machen konnte , das , wenn es etwas Platz machen sollte , Brülle ausließ , daß es den Schwalben , welche den Wagen umflogen , fast gschmucht wurde . Er mußte es hin- und herheben samt seinem Paresöli wie ein kleines Kind . Ringsum in den Matten stunden die Leute still , als sie das Parisöli auf dem Heufuder sahen , wußten zuerst nicht , was das war , denn so etwas hatten sie noch nicht gesehen , und lachten sich dann fast tot , als sie unter dem Parisöli auch das Elisi wahrnahmen . Als das Fuder höher und höher wurde , war es in einem beständigen Kreischen und wollte doch nicht herab . Als es auf dem schwankenden Wagen heimfuhr , hörten die » Herr Jeses , Herr Jeses ! Ach heyt mih , heyt mih dr tusig Gottswille ! « nicht auf . Endlich war man glücklich im Tenn , aber nun fing die Not erst an . Elisi durfte weder hinten dem Wellenseil nach hinunter noch vornen über das Fürgstütz . Der Vater und die Mutter kamen heraus , als sie das Geschrei hörten , und als die Letztere ihre Tochter mit dem Parisöli schreiend auf dem Fuder sah , sagte sie : » Du Tüfels Göhl , was kommt dir doch in Sinn ? Hat man unser Lebtig e sellige Göhl mit dem Parisol uf enem Heufuder gesehen ? « Joggeli begehrte mit der Mutter auf , daß sie jetzt hintendrein balge ; sie hätte vorher wehren sollen , daß es nicht gehe , jetzt mache sie ihm nur Angst . Diese war in der Tat groß . Uli hatte hinten ans Fuder eine Leiter angestellt , und Elisi sollte auf die hinaustreten und da hinunter . Aber Elisi stund zitternd auf dem Fuder , das offene Parisöli in der Hand , und allemal , wenn es den Fuß hob , schrie es : » Herr Jeses , Herr Jeses ! Heyt mih , heyt mih , ih fallen abe ! « Endlich sagte Joggeli : Das tue nichts so , Uli solle hinauf und Elisi holen ; es sei aber dumms von ihm , daß er Elisi einmal da hinauf gelassen , er hätte wohl denken sollen , das komme so . Uli ging die Leiter auf und wollte Elisi die Hand bieten . Aber Elisi schrie noch ärger . Da ging er aufs Fuder und wollte Elisi hin , aus auf die Leiter heben , damit es auf derselben allein hinuntergehen könne ; da schrie aber Elisi geradeaus , als ob man es am Messer hätte . Es blieb Uli endlich nichts übrig , als Elisi auf den Arm zu nehmen wie ein kleines Kind und so es zu tragen . Das ließ auch Elisi sich gefallen und hielt sich so wacker an Ulis Hals , daß er ganz braun und blau den Boden erreichte . Solange Elisi lebte , bildete diese Heufahrt seine Hauptgeschichte . Wenn man es erzählen hörte , was es da ausgestanden und erlebt , so stunden einem fast die Haare zu Berge , und man kam zur Überzeugung , daß was der Kapitän Parry auf seiner Nordpolexpedition erlebt , nur Kleinigkeiten seien gegen das , was Elisi von der Matte bis ins Tenn erfahren . Daneben behandelte es Uli handkehrum wieder mit gar mächtigem Hochmut , antwortete ihm so wenig als den andern Diensten , wenn er guten Tag oder gute Nacht wünschte , hielt ihm vor , er rieche nach dem Kühstall , führte ihn aus über seine rauhen , großen Knechtenhände , konnte sich aber denn doch nicht enthalten , mit seinen magern , bleichen Händen daran herumzufingerlen . Uli war dieses sehr unangenehm , ohne daß er eine weitere Bedeutung darein setzte . Er meinte , das gehöre zu den Eigentümlichkeiten und Meisterlosigkeiten des verzogenen Kindes . Er war damit geplagt und wurde von den andern Diensten ausgeführt . Indessen benahm er sich anständig , denn es war immerhin die Meisterstochter , während hingegen die Andern das Mädchen zum Narren hielten oder es so rücksichtslos verhöhnten , besonders wenn sie zu Weihnacht aus dem Dienst wollten , daß es gar oft heulend und schreiend vor seinen Alten Klage führte und sich ins Bett legen mußte , sich gebärdend fast wie ein wirbelsinnig Kind . Joggeli nahm dann seinen Stecken und höpperlete weiters . Die Mutter sprach zu , es solle doch nicht so plären , es sei doch nicht dr wert , gab ihm Tropfen , und wenn es weit kam , so ging sie hinaus und putzte dem Sünder ab , daß er inskünftig ihr Meitschi rüeyig lasse . Dagegen erhielt sie gewöhnlich zur Antwort : Daß man Elisi gern rüeyig lasse , aber es solle dann in der Stube bleiben und brauche nicht zu ihnen zu kommen und anzufangen . Man sei doch nicht dafür da , sich von einem Sellige , das auf der Himmelswelt nichts sei , kujonieren zu lassen . Dem Elisi kam es auf einmal in Kopf , es wolle seinen Bruder besuchen , es wußte niemand warum . Es war eine unmußige Zeit . Der Vater wollte es nicht führen ; man wollte es ihm ausreden , aber ds Elisi fing an zu plären , zu schnopsen , als ob es ersticken wolle , bis es endlich hieß , Uli solle es morgen führen . Nun kam es nach und nach zu sich selbst , tat Kästen und Schäfte und Kommoden auf und füllte die ganze Stube mit seinen Herrlichkeiten und rief das ganze Haus zu Rate , mit was es die Trinette ärgern könnte . Dem Uli war die Reise nicht anständig ; er ging nicht gerne zu Johannes , und auch hörte er den Spott seiner Mitknechte nicht gerne , die sich lustig darüber machten , daß er mit der Meisterstochter im Lande herumfahren könne . Zudem schien ihm Vreneli puckt und mutz , gab ihm kurzen Bescheid und warf seine Schuhe , die er zum Salben brachte , gar unsanft in eine Ecke . Diese Unfreundlichkeit mühte Uli doch und er hätte gerne gewußt , woher sie stamme , aber er hatte keine Gelegenheit , zu fragen . Als er am Morgen erschien , schön angetan mit dem Halstuch , das ihm die Meisterfrau gekramet , da warf es ihm spöttische Blicke zu und sagte ihm , er hätte wohl angewendet , aber er werde gedacht haben : Helf , was helfen mag ! , aber dem Elisi möge er doch nicht nach . Allerdings erschien dieses gar schön und glitzerig , umbunden und aufgezäumt mit allem Möglichen , zwei Jungfrauen hinter sich , von denen jede ein Pack mit Kleidern trug , und hintendrein die Mutter mit einer Drucke , worin noch eine Kappe und die Mänteli waren , die nicht verdrückt werden durften . Es wollte freilich den andern Tag wiederkommen , aber es sagte , man wisse nie , was es gebe , und es sei einem nicht wohl , wenn man sich nicht wenigstens zweimal anders anziehen könne . Als der Zug durch die Stube war , ergriff Vreneli die Katze und trug sie einige Schritte nach mit der Frage auf der Zunge , ob es die nicht auch noch mitnehmen wolle . Doch besann es sich eines Andern , setzte die Katze wieder ab , ging zurück und drückte trübe Augen ans angelaufene Fenster . Uli hatte sich voraufgesetzt , im verdeckten Sitz saß vergnügt ds Elisi . Es versuchte , sobald das Haus im Rücken war , mit Uli zu reden , aber das wilde junge Roß fesselte dessen Augen so , daß er nicht rückwärtssehen , seine Antworten nur so abgebrochen über die Achsel geben konnte . Da wurde ds Elisi ungeduldig , und einige Regentropfen gaben ihm den Vorwand , den Uli zu heißen , auf den Sitz zu kommen . Er machte Umstände , allein da er endlich den Regen und seinen Hut bedachte , so setzte er sich neben ds Elisi . Nun war diesem recht wohl neben Uli und es sagte ihm mehrere Male , er solle sich nur nicht so in den Ecken drücken , sie hätten gar wohl Platz nebeneinander , sie seien ja Beide noch nicht so dick wie der Vater und die Mutter , und die müßten doch auch Platz haben . Die Mutter sei auch nicht immer so dick gewesen wie jetzt , sie hatte manchmal gesagt , sie sei zu ihrer Zeit noch dünner gewesen als es . Es werde ihm auch schon bessern ; der Doktor hätte ihm schon manchmal gesagt , wenn es einmal einen Mann habe , so werde es schon wieder rote Backen bekommen . Es sei das schönste Kind gewesen , wo man hätte sehen wollen . Die Leute seien allbets bei ihm stillgestanden und hatten die Hände ob dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt : » Nei aber , wie ist das doch ein Kind ! So ein schönes haben wir noch nie gesehen ! « Es besinne sich gar wohl daran . Noch wo es ins Weltschland gekommen sei , sei nit mengs schöners Meitschi im Kanton gsi . Backen hatte es gehabt wie gmalet und eine Haut so glatt , man hätte sich können darin luegen wie in einem Spiegel . Wenn es allbets sys Gitarrli an einem rot und schwarzen Bändel umgehängt habe und vor dem Hause auf und ab spaziert sei und schöne Lieder gespielt und gesungen habe , zum Beispiel » Im Aargäu sy zweu Liebi , und die händ enandere gern « oder » Üsi Chatz und ds Herre Chatz hey enandere bisse , « so seien ganz Kuppele Weltsch um es gestanden und hätten ihm flattiert ; es hätte nur brauchen Ja zu sagen , so hätte es zehn für einen haben können von den Vornehmsten , wo im Weltschland seien , und so schön , so schön , daß man hier nichts so sehe . Das seien dort andere Leute als hier . Da sei es aber krank geworden und hätte wieder heim gemüßt , und da sei man gar wüst gegen ihns gewesen ; es hätte arbeiten sollen wie öppe eine gemeine Baurentochter , und Speise hätte es brauchen sollen , so wie sie andere Leute auch hätten , wie sie aber kein Hund im Weltschland fresse , der leicht meisterlosig sei . Seither hätte es , es könne es wohl sagen , keine gesunde Stunde gehabt , aber es werde ihm schon noch bessern . Darauf erzählte ds Elisi seine ganze Krankengeschichte dem Uli ; die dauerte , bis sie das Städtchen vor sich sahen , wo ds Elisi noch kramen wollte . Da ließ es halten und sagte dem Uli , es regne nicht mehr er solle wieder voraufsitzen , die Leute würden sonst nicht wissen , was das gegeben habe , daß es mit dem Knecht im Schesli hocke , und könnten ihm einen wüsten Lärm machen , den es nicht begehre . Das stach Uli in die Nase , und schweigend setzte er sich vorauf . Im Wirtshaus machte sich ds Elisi ganz breit , ließ sich nicht übel aufwarten , nachdem es doch auch an Uli gedacht und befohlen hatte , daß man ihm einen Schoppen gebe und etwas Weniges zu essen , öppe es Mümpfeli Fleisch und es Brösmeli Gchöch , und aß nur vom Besten . Rindfleisch nahm es keins , deren hätten sie daheim alle Tage , sagte es , und vom Gemüse , daß es deren keins gegessen , seit ihm der Herr erlaubt , es treibe ihm den Bauch gar auf , und vom Kalbfleisch wollte es wissen , daß es zu fett mache , und im Weltschland in den Häusern , wo man leicht vornehm sei , esse man gar keins . Hingegen den Fischen , Tauben , Hähnelinen sprach ds Elisi munter zu , als ob es gedroschen hatte . Es kramete tüchtig und sagte in jedem Laden , es wolle seinen Knecht schicken , die Sache zu holen . » Wo ist mein Knecht ? « frug es , sobald es wieder im Wirtshause war . » Mein Knecht muß mir das holen , mein Knecht soll anspannen . « So ging es an einem fort , bis sie endlich wieder zum Tor aus waren . Kaum dachte Elisi , nun könne vom Städtchen aus sie niemand mehr sehen , nicht einmal mehr der Sigrist im Turm oder der Landjäger im Schloß , so zog es ein rotes Nastuch hervor und sagte Uli , es hätte ihm auch etwas gekramet , er solle sehen . Er begehre nichts , sagte Uli , er könne es sonst machen . » So sieh doch , « sagte Elisi . Er hätte nicht Zeit , sagte Uli , er müsse auf das Roß sehen . Er solle halten und hereinkommen , befahl Elisi . Er sei wohl da , sagte Uli , es könnte es ja jemand sehen . » Bist höhn , Uli ? Bis doch recht nit höhn , « sagte Elisi . » Was kann ich dafür ? Üserein muß tun , was dr Bruch ist , we me nit will vrbrüllet werde . Gmein Lüt heys gar chumlig , es git niemer druf acht , was si mache ; sie chönne mache , was es sie achunt , es seyt niemere nüt , aber üsereim paßt alles uf . Bis doch recht nit höhn , sunst han ih kei Freund meh ! « So bat , befahl , jammerte , weinte endlich Elisi , bis Uli hineinging , aus Angst , Elisi möchte etwas Ungattlichs anfangen . Nicht weit von Frevligen hielt er aber von selbst und wechselte stillschweigend seinen Platz . Frevligen ist ein großes Dorf in ebenem Lande , reich an Feldern und Wäldern ; eine Heerstraße zieht sich durch dasselbe und schöne Bäche bewässern es , viel Reichtum ist dort , aber auch viel Übermut . Die Leute können notdürftig lesen und schreiben , haben Bildung , darum sind sie auch grenzen , los einbildisch . Weil sie vom A bis Z alle Buchstaben geläufig kennen , so meinen sie , sie kennten auch alle Dinge im Himmel und auf Erden , sprechen daher mit weiten Nasenlöchern , den Hut auf der Seite und die Hand am Geldseckel , über himmlische und irdische Dinge ab , daß Funken davonfahren , als ob die sieben Weisen Schnuderbuben gegen sie wären und jeder von ihnen eine lebendige , herumwandelnde Universität mit allen vier Fakultäten und den sieben freien Künsten im Leibe . Und wenn sie zufällig eine Tabakspfeife im Maul haben , dann will ich niemand raten , ihnen zu widersprechen . Jupiter mit Blitz und Donner in beiden Händen , im Begriff , Städte , Länder zu zerschmettern , muß ein lieblich Mieneli gemacht haben , mit dem Gesicht verglichen , das ein Frevliger macht , wenn er eine Tabakspfeife im Maul hat und Widerspruch vernimmt . Die Flüche entströmen ihm nicht einzeln , sondern dutzendweise , und die » Himmelsdonner « und » Dr Tüfel soll mih näh « hängen aneinander wie Fröschmalter , und je gebildeter er sich glaubt , um so länger und um so gräßlicher flucht er , daß einem dünkt , er sei nicht bloß eine lebendige Universität , sondern auch eine lebendige Dampfmaschine , die Flüche fabriziert en gros . Wenn sie von weitem eine Wahrheit hören , seis nun eine religiöse oder eine medizinische , eine politische oder juridische , so blähen sie sich dagegen auf mit Schnauben und Tabak , als ob sie Schwefel unter der Nase fühlten . Wenn ihnen aber ein halb , witziger Gumi oder ein am Verunglücken begriffener juridischer oder medizinischer oder politischer Spekulant die sinnlosesten Unwahrheiten , die wüstesten Lästerungen vorplaudert , so tut es ihnen wohl durch den ganzen Leib ; sie strecken wohlbehaglich die Beine von sich aus , und wohl Einer oder der Andere steht auf , schlägt auf den Tisch und brüllt , indem er Maul und Augen aufreißt , daß sein ganzes Gesicht nur ein Loch scheint : » Dä het jetz auf meine armi türi Himmelsgottsseel recht , dä vrfluecht Millionstusigsdonner ! « Diese Leute sind ein fürchterlicher Beweis von einem menschlichen Zustande , in welchem man nur Lügen zu lieben , zu glauben imstande ist ; sie beweisen die Wahrheit der Worte , daß nur , wer aus der Wahrheit ist , ein wahrhaft Gemüt in sich trägt , Wahrheit begreifen , lieben und glauben kann . Wer diese psychologische Wahrheit im Auge behält , der kann sich gar manches Rätsel im Staatenleben erklären , und gar manche Erscheinung , mit der er sonst nichts zu machen wußte , wird ihm deutlich . Wenn der widerlichste , wüsteste , selbstsüchtigste Lümmel mehr Glauben , mehr Anhang findet als der auf , richtigste Menschenfreund , so weiß er , was da einzig trösten kann . Als sie dort vor das Wirtshaus fuhren , worin Johannes der Wirt war , so kam der Stallknecht , das Pferd abzunehmen . Kinder stunden vor dem Hause , aber bewegten sich nicht , Gesichter fuhren vom Fenster weg und zeigten sich nicht . Ds Elisi stund da vor dem Wirtshaus in grüner Seide , mit halb verfrornem Gesicht , wie ein Krautblatt im Winter , und Uli packte aus , Pack um Pack , die ihm niemand abnahm . Als endlich alles ausgepackt , das Pferd längst im Stall war , wanderten sie der Haustüre zu , bei den Kindern vorbei , die sie mit großen Augen anglotzten , die liebe Tante weder mit Gebärden noch Worten begrüßten , sondern sich herumschlenggeten und den Rücken wiesen , wenn man sie anreden wollte . Endlich , als sie unter der Haustüre waren , kam Johannes durch den Gang und grüßte zärtlichst seine Schwester : » Bunschur ! Bunschur ! Was Donners kömmt dir jetzt in Sinn , daß du zu uns kommst ? An dich hätten wir jetzt nicht gesinnet . Wo Donners wottst du hin mit deinen Bünteln ? « Den Uli grüßte er vertraulich und hätte ihm sogar die Hand gegeben , wenn Uli eine freie gehabt hätte . Ds Elisi sagte , es hätte Längizyti gehabt und es hätte es düecht , es möchte einist zu ihnen zDorf cho . » Dr Vater und dMuetter lassen dich grüßen . « Somit hatte Johannes eine Stube geöffnet , wo die honetteren Reisenden eintraten , und ds Elisi hineingeführt . Uli legte seine Packs ab und ging , Johannes ihm nach , sagend , er wolle es seiner Frau sagen , daß es da sei . Die aber hatte Elisi wohl gesehen , Johannes brauchte es ihr nicht zu melden . Er ging Uli nach , der zu seinem Roß sehen wollte , sprach mit ihm des Langen und Breiten darüber , zeigte ihm dann seine Pferde und Kühe und machte ihm zwischendurch Vorwürfe , daß er nicht zu ihm gekommen ; er hätte ein ander Leben bei ihm haben sollen , als er in der Glunggen habe , wo ein ewig Gchär sei und man es nie treffe , bald zu wenig , bald zu viel mache . Unterdessen saß ds Elisi alleine in der Wartstube , sah sich zuerst die greulichen Helgen an , welche an den Wänden hingen zu großer Erbauung manches Kindbettimannes , der nie etwas Gemaltes gesehen als die Wegweiser , die Kirchenzyt und Hochzeitschäfte und -tröge . Nachdem es diese und endlich alles andere angesehen , was in der Stube war , so fing es an auszupacken , und Trinette kam noch immer nicht und niemand offerierte dem Elisi etwas , nicht einmal etwas Kaltes , verschweige etwas Warmes . Trinette machte nämlich die Toilette . So wie sie war an diesem Nebeltage , mit angelaufenem Mänteli und Fingern , ohne Gufen und Ringe , in Schuhen ohne Hinterstück und Kittel ohne Häfte , einer gemeinen Haarschnur und wohlfeiler Ärgäuer Scheube , wollte sie sich vor Elisi , das sie schön seiden gesehen , nicht zeigen . Während nun Trinette sich sträubelte und aufzäumte , blies Elisi unten Trübsal und nahm sich allerhand vor , was es tun und sagen wolle . Mitten in den besten Entwürfen rauschte Trinette heran und