. Du wirst ihr ein Glück schenken , daß sie Deine harten Mühen teilen darf ; bei Nacht auf gefahrvollen Wegen , wo jeder Schritt täuscht , da wird ihr Scharfblick , ihre kühne Zuversicht Dich sicher leiten hinüber zum kriegbedrängten Volk ; und wenn sie sieht , daß Du Deine Brust den Pfeilen bietest , wird sie nicht zagen , es wird sie nicht kränken wie die Pfeile des schmeichelnden Sirenenvolks ; sie wird rasch heranreifen zu dem kühnen Vertrauen , mit einzuklingen in die Harmonie der Freiheitsbegeisterung . Und wenn Du auch im Vordertreffen stürzen mußt , was hat sie verloren ? - Was könnte ihr diesen schönen Tod ersetzen , an Deiner Seite vielleicht ? - Beide Arm in Arm verschränkt , lägt Ihr unter der kühlen gesunden Erde , und mächtige Eichen beschatteten Euer Grab ; sag , wär ' s nicht besser , als daß Du bald ihr feines Gebild den anatomischen Händen des Abbé überlassen mußt , daß er ein künstliches Wachs hineinspritze ? Ach , ich muß klagen , Goethe , über alle Schmerzen früherer Zeit , die Du mir angetan , ich fühl mich jetzt so hilflos , so unverstanden wie damals die Mignon . - Da draußen ist heute ein Lärm , und doch geschieht nichts , sie haben arme Tiroler gefangen eingebracht , armes Taglöhnervolk , was sich in den Wäldern versteckt hatte ; ich hör hier oben das wahnsinnige Toben , ich habe Läden und Vorhänge zugemacht , ich kann ' s nicht mit ansehen , der Tag ist auch schon im Scheiden , ich bin allein , kein Mensch , der wie ich menschlich fühlte . Diese festen , sicheren , in sich einheimischen Naturen , die den Geist der Treue und Freiheit mit der reineren Luft ihrer Berge einatmen , die müssen sich durch die kotigen Straßen schleifen lassen von einem biertrunkenen Volk , und keiner tut diesem Einhalt , keiner wehrt seinen Mißhandlungen ; man läßt sie sich versündigen an den höheren Gefühlen der Menschheit . - Teufel ! - Wenn ich Herrscher wär , hier wollt ich ihnen zeigen , daß sie Sklaven sind , es sollte mir keiner wagen , sich am Ebenbild Gottes zu vergreifen . Ich meine immer , der Kronprinz müsse anders empfinden , menschlicher , die Leute wollen ihn nicht loben , sie sagen : er sei eigensinnig und launig , ich habe Zutrauen zu ihm , er pflegt den Garten , den er als Kind hatte , noch jetzt mit Sorgfalt , begießt die Blumen , die in seinen Zimmern blühen , selbst , macht Gedichte , holperig , aber voll Begeisterung , das alles sagt mir gut für ihn . Was wohl ein solcher für Gedanken hat , der jeden Gedanken realisieren könnte ? - Ein Fürst , dessen Geist das ganze Land erhellen soll ? - Er müßte verharren im Gebet sein Leben lang , der angewiesen ist , in tausend andern zu leben , zu handeln . Ja , ob ein Königssohn wohl den heiligen Geist in sich erweckt , daß der regiere statt seiner ? - Der Stadion seufzt und sagt : » Das Beste ist , daß , wie die Würfel auch fallen , der Weg zum Himmel immer unversperrt bleibt für König und Untertan . « 25. März Ich habe keinen Mut und keinen Witz , ach hätt ich doch einen Freund , der nächtlich mit mir über die Berge ging . Die Tiroler liegen in dieser Kälte mit Weib und Kind zwischen den Felsen , und ihr begeisterter Atem durchwärmt die ganze Atmosphäre . Wenn ich den Stadion frage , ob der Herzog Karl sie auch gewiß nicht verlassen werde , dann faltet er die Hände und sagt : » Ich will ' s nicht erleben . « 26. März Das Papier muß herhalten , einziger Vertrauter ! - Was doch Amor für tückische Launen hat , daß ich in dieser Reihe von Liebesbriefen auf einmal mich für Mars entzünde , mein Teil Liebesschmerzen hab ich schon , ich müßte mich schämen , in diesem Augenblick sie geltend machen zu wollen ; und könnt ich nur etwas tun , und wollten die Schicksalsmächte mich nicht verschmähen ! Das ist das Bitterste , wenn man ihnen nichts gilt , wenn sie einem zu nichts verwenden . Denk nur , daß ich in dem verdammten München allein bin . Kein Gesicht , dem zu trauen wär ; Savigny ist in Landshut , dem Stadion schlagen die Wellen in diesem politischen Meeressturm überm Kopf zusammen , ich seh ihn nur auf Augenblicke , man ist ganz mißtrauisch gegen mich wegen ihm , das ist mir grade lieb , wenn man auch hochmütig ist auf den eignen Wahnsinn , so soll man doch ahnen , daß nicht jeder von ihm ergriffen ist . Heute morgen war ich draußen im beschneiten Park und erstieg den Schneckenturm , um mit dem Fernrohr nach den Tiroler Bergen zu sehen , wüßte ich Dein Dach dort , ich könnte nicht sehnsüchtiger danach spähen . Heute ließ Winter Probe halten von einem Marsch , den er für den Feldzug gegen Tirol komponierte , ich sagte , der Marsch sei schlecht , die Bayern würden alle ausreißen und der Schimpf auf ihn fallen . Winter zerriß die Komposition und war so zornig , daß sein langes Silberhaar wie ein vom Hagel getroffenes Ährenfeld hin- und herwogte . Ach , könnte ich doch andere Anstalten auch so hintertreiben wie den Marsch . Jacobi habe ich in drei Wochen nicht gesehen , obschon ich ihm über seinen Woldemar , den er mir hier zu lesen gab , einen langen Brief geschrieben habe ; ich wollte mich üben , die Wahrheit sagen zu können , ohne daß sie beleidigt , er war mit dem Brief zufrieden und hat mir mancherlei darauf erwidert , wär ich nicht in das heftige Herzklopfen geraten wegen den Tirolern , so wär ich vielleicht in eine philosophische Korrespondenz geraten und gewiß drin stecken geblieben ; dort auf den Bergen aber nicht , da hätt ich meine Sache durchgefochten . Schelling seh ich auch selten , er hat etwas an sich , das will mir nicht behagen , und dies Etwas ist seine Frau , die mich eifersüchtig machen will auf Dich , sie ist in Briefwechsel mit einer Pauline G. aus Jena , von dieser erzählt sie mir immer , wie lieb Du sie hast , wie liebenswürdige Briefe Du ihr schreibst usw. , ich höre zu und werde krank davon , und dann ärgert mich die Frau . - Ach , es ist auch einerlei , ich kann nicht wollen , daß Du mich am liebsten hast , aber es soll sich niemand unterstehen , seine Rechte mit mir zu messen in der Liebe zu Dir . Bettine An Goethe 10. April Die Sonne geht mir launig auf , beleuchtet mir manches Verborgne , blendet mich wieder . Mit schweren Wolken abwechselnd zieht sie über mir hin , bald stürmisch Wetter , dann wieder Ruh . Es ebnet sich nach und nach , und auf dem glatten Spiegel , hell und glühend , steht immer wieder des liebsten Mannes Bildnis , wankt nicht , warum vor andern nur Du ? - Warum nach allen immer wieder Du ? Und doch bin ich Dir werter mit all der Liebe in der Brust ? - - frag ich Dich ? - Nein , ich weiß recht gut , daß Du doch nichts antwortest , - und wenn ich auch sagte : » Lieber , geliebter einziger Mann . « Was hab ich alles erlebt in diesen Tagen , was mir das Herz gebrochen , ich möchte meinen Kopf an Deinen Hals verstecken , ich möchte meine Arme um Dich schlingen und die böse Zeit verschlafen . Was hat mich alles gekränkt , - nichts hab ich gehabt in Kopf und Herzen als nur immer das mächtige Schicksal , das dort in den Gebirgen rast . Warum soll ich aber weinen um die , die ihr Leben mit so freudiger Begeisterung ausgehaucht haben ? - Was erbarmt mich denn so ? - Hier ist kein Mitleid zu haben als nur mit mir , daß ich mich so anstrengen muß , es auszuhalten . Will ich Dir alles schreiben , so verträume ich die Zeit - die Zeit , die auf glühenden Sohlen durchs Tirol wandert ; so bittere Betrübnis hat mich durchdrungen , daß ich ' s nicht wage , die Papiere , die in jenen Stunden geschrieben sind , an Dich abzuschicken . 19. April Ich bin hellsehend , Goethe , - ich seh das vergoßne Blut der Tiroler triumphierend in den Busen der Gottheit zurückströmen . Die hohen gewaltigen Eichen , die Wohnungen der Menschen , die grünen Matten , die glücklichen Herden , der geliebte gepflegte Reichtum des Heldenvolks , die den Opfertod in den Flammen fanden , das alles seh ich verklärt mit ihnen gen Himmel fahren , bis auf den treuen Hund , der , seinen Herrn beschützend , den Tod verachtet wie er . Der Hund , der keinen Witz hat , nur Instinkt , und heiter in jedem Geschick das Rechte tut . - Ach hätte der Mensch nur so viel Witz , den eignen Instinkt nicht zu verleugnen . 20. April In all diesen Tagen der Unruh , glaub ' s Goethe , vergeht keiner , den ich nicht mit dem Gedanken an Dich beschließe , ich bin so gewohnt , Deinen Namen zu nennen , nachts , eh ich einschlafe , Dir alle Hoffnung ans Herz zu legen , und alle Bitten und Fragen in die Zukunft . Da liegen sie um mich her , die Papiere mit der Geschichte des Tags und den Träumen der Nacht , lauter Verwirrung , Unmut , Sehnsucht und Seufzer der Ohnmacht ; ich mag Dir in dieser Zeit , die sich so geltend macht , nichts von meinem bedürftigen Herzen mitteilen , nur ein paar kleine Zufälle , die mich beschäftigen , schrieb ich Dir auf , damit ich nicht verleugne vor Dir , daß ein höheres Geschick auch mir Winke gab , obschon ich zu unmündig mich fühle , ihm zu folgen . Im März war ' s , da leitete mir der Graf M ... , bei dessen Familie ich hier wohne , eine wunderliche Geschichte ein , die artig ausging . Der Hofmeister seines Sohnes gibt ihn bei der Polizei an , er sei österreichisch gesinnt und man habe an seinem Tisch die Gesundheit des Kaisers getrunken , er schiebt alles auf mich , und nun bittet er mich , daß ich auf diese Lüge eingehe , da es ihm sehr nachteilig sein könne , mir aber höchstens einen kleinen Verweis zuziehen werde , sehr willkommen war mir ' s , ihm einen Dienst leisten zu können , ich willige mit Vergnügen ein ; in einer Gesellschaft wird mir der Polizeipräsident vorgestellt , unter dem Vorwand meine Bekanntschaft machen zu wollen , ich komme ihm zuvor und schütte ihm mein ganzes Herz aus , meine Begeisterung für die Tiroler , und daß ich aus Sehnsucht alle Tage auf den Schneckenturm steige mit dem Fernrohr , daß man heute aber eine Schildwache hingepflanzt habe , die mich nicht hinaufgelassen ; gerührt über mein Zutrauen , küßt er mir die Hand und verspricht mir , die Schildwache wegzubeordern , - es war keine List von mir , denn ich hätte wirklich nicht gewußt , mich anders zu benehmen , indessen ist durch dieses Verfahren der Freund weiß gebrennt und ich nicht schwarz . Ein paar Tage später , in der Karwoche , indem ich abends in der Dämmerung in meinem Zimmer allein war , treten zwei Tiroler bei mir ein , ich bin verwundert , aber nicht erschrocken . - Der eine nimmt mich bei der Hand und sagt : » Wir wissen , daß du den Tirolern gut bist und wollen dich um eine Gefälligkeit bitten « ; es waren Papiere an Stadion und mündliche Aufträge , sie sagten mir noch , es würde gewiß ein Augenblick kommen , da ich ihnen Dienste leisten könne , es war mir so wunderlich , ich glaubte , es könne eine List sein , mich auszuforschen , doch war ich kurz gefaßt und sagte : » Ihr mögt mich nun betrügen oder nicht , so werd ich tun , was ihr von mir verlangt « ; der Tiroler sieht mich an und sagt : » Ich bin Leibhusar des Königs , kein Mensch hat Arges gegen mich , und doch hab ich nichts im Sinn als nur , wie ich meinen Leuten helfen will , nun hast du mich in Händen und wirst nicht fürchten , daß ein Tiroler auch ein Verräter sein könne . « Wie die Tiroler weg waren , war ich wie betäubt , mein Herz schlug hoch vor Entzücken , daß sie mir dies Zutrauen geschenkt haben ; am andern Tag war Karfreitag , da holte mich der Stadion ab , um mir eine stille Messe zu lesen . Ich gab ihm meine Depeschen und erzählte ihm alles , äußerte ihm voll Beschämung die große Sehnsucht , daß ich fort möchte zu den Tirolern ; Stadion sagt , ich soll mich auf ihn verlassen , er wolle einen Stutzen auf den Rücken nehmen und ins Tirol gehen , und alles , was ich möchte , das wolle er für mich ausrichten , es sei die letzte Messe , die er mir lesen werde , denn in wenig Tagen sei seine Abreise bestimmt . Ach Gott , es fiel mir schwer aufs Herz , daß ich so bald den lieben Freund verlieren sollte . Nach der Messe ging ich aufs Chor , Winter ließ die Lamentation singen , ich warf ein Chorhemd über und sang mit , unterdessen kam der Kronprinz mit seinem Bruder , das Kruzifix lag an der Erde , das beide Brüder küßten , nachher umarmten sie sich ; sie waren bis an den Tag entzweit gewesen über einen Hofmeister , den der Kronprinz , weil er ihn für untauglich hielt , von seinem Bruder entfernt hatte ; sie versöhnten sich also hier in der Kirche miteinander , und mir machte es große Freude , zuzusehen . Bopp , ein alter Klaviermeister des Kronprinzen , der auch mir Unterricht gibt , begleitete mich nach Hause , er zeigte mir ein Sonett , was der Kronprinz an diesem Morgen gedichtet hatte ; schon daß er diesen Herzensdrang empfindet , bei Ereignissen , die ihn näher angehen , zu dichten , spricht für eine tiefere Seele ; in ihm waltet gewiß das Naturrecht vor , dann wird er auch die Tiroler nicht mißhandeln lassen ; ja , ich hab eine gute Zuversicht zu ihm ; der alte Bopp erzählt mir alles , was meinen Enthusiasmus noch steigern kann . Am dritten Feiertag holte er mich ab in den englischen Garten , um die Anrede des Kronprinzen an seine versammelte Truppen , mit denen er seinen ersten Feldzug machen wird , anzuhören ; ich konnte nichts Zusammenhängendes verstehen , aber was ich hörte , war mir nicht recht , er spricht von ihrer Tapferkeit , ihrer Ausdauer und Treue , von den abtrünnigen , verräterischen Tirolern , daß er sie , vereint mit ihnen , zum Gehorsam zurückführen werde , und daß er seine eigne Ehre mit der ihrigen verflechte und verpfände usw. Wie ich nach Hause komme , wühlt das alles in mir , ich sehe schon im Geist , wie der Kronprinz , seinen Generalen überlassen , alles tut , wogegen sein Herz spricht , und dann ist ' s um ihn geschehen . So ein bayrischer General ist ein wahrer Rumpelbaß , aus ihm hervor brummt nichts als Bayerns Ehrgeiz ; das ist die grobe , rauhe Stimme , mit der er alle besseren Gefühle übertönt . Das alles wogte in meinem Herzen , da ich von dieser öffentlichen Rede zurückkam , und daß kein Mensch in der Welt einem Herrscher die Wahrheit sagt , im Gegenteil nur Schmeichler ihnen immerdar recht geben , und je tiefer sich ein solcher irrt , je gewaltiger ist in jenen die Furcht , er möge an ihrer Übereinstimmung zweifeln ; sie haben nie das Wohl der Menschheit , sie haben nur immer die Gunst des Herrn im Auge . Ich mußte also einen verzweifelten Schritt tun , um den Tumult der eignen Lebensgeister zu beschwichtigen , und ich bitte Dich im voraus um Verzeihung , wenn Du es nicht gutheißen solltest . Erst nachdem ich dem Kronprinzen meine Liebe zu ihm , meine Begeisterung für seinen Genius , Gott weiß in welchen Schwingungen , ans Herz getrieben habe , vertraue ich ihm meine Anschauung von dem Tirolervolk , das sich die Heldenkrone erwirbt , meine Zuversicht , er werde Milde und Schonung da verbreiten , wo seine Leute jetzt nur rohe Wut und Rachgierde walten lassen , ich frage ihn , ob der Name » Herzog von Tirol « nicht herrlicher klinge , als die Namen der vier Könige , die ihre Macht vereint haben , um diese Helden zu würgen ? Und es möge nun ausgehen wie es wolle , so hoffe ich , daß er sich von jenen den Beinamen der Menschliche erwerben werde ; dies ungefähr ist der Inhalt eines vier Seiten langen Briefs , den ich , nachdem ich ihn in heftigster Wallung geschrieben ( da ich denn auch nicht davor stehen kann , was alles noch mit untergelaufen ) , mit der größten Kaltblütigkeit siegelte und ganz getrost in des Klaviermeisters Hände gab , mit der Bedeutung : es seien wichtige Sachen über die Tiroler , die dem Kronprinz von großem Nutzen sein würden . - Wie gern macht man sich wichtig , mein Bopp purzelte fast die Stiegen herab , vor übergroßer Eile dem Kronprinzen den interessanten Brief zu überbringen , und wie leichtsinnig bin ich , ich vergaß alles . Ich ging zu Winter , Psalmen singen , zu Tieck , zu Jacobi , nirgends stimmt man mit mir ein , ja alles fürchtet sich , und wenn sie wüßten , was ich angerichtet habe , sie würden mir aus Furcht das Haus verbieten , da seh ich denn ganz ironisch drein und denke : seid ihr nur bayrisch und französisch , ich und der Kronprinz wir sind deutsch und tirolisch , oder er läßt mich ins Gefängnis setzen , dann bin ich mit einem Male frei und selbständig , dann wird mein Mut schon wachsen , und wenn man mich wieder losläßt , dann geh ich über zu den Tirolern und begegne dem Kronprinzen im Feld , und trotze ihm ab , was er so mir nicht zugesteht . O Goethe , wenn ich sollte ins Tirol wandern und zur rechten Zeit kommen , daß ich den Heldentod sterbe ! Es muß doch ein ander Wesen sein , es muß doch eine Belohnung sein für solche lorbeergekrönten Häupter ; der glänzende Triumph im Augenblick des Übergangs ist ja Zeugnis genug , daß die Begeisterung , die der Heldentod uns einflößt , nur Widerschein himmlischer Glorie ist . - Wenn ich sterbe , ich freue mich schon darauf , so gaukle ich als Schmetterling aus dem Sarg meines Leibes hervor , und dann treffe ich Dich in dieser herrlichen Sommerzeit unter Blumen , wenn ein Schmetterling Dich unter Blumen vorzieht und lieber auf Deiner Stirn sich niederläßt und auf Deinen Lippen als auf den blühenden Rosen umher , dann glaube sicher , es ist mein Geist , der auf dem Tiroler Schlachtfeld freigemacht ist von irdischen Banden , daß er hin kann , wo die Liebe ihn ruft . Ja , wenn alles wahr würde , was ich schon in der Phantasie erlebt habe , wenn alle glanzvollen Ereignisse meines innern Lebens auch im äußern sich spiegelten , dann hättest Du schon große und gewaltige Dinge von Deinem Kind erfahren , ich kann Dir nicht sagen , was ich träumend schon getan habe , wie das Blut in mir tobt , daß ich wohl sagen kann , ich hab eine Sehnsucht , es zu verspritzen . Mein alter Klaviermeister kam zurück , zitternd und bleich : » Was hat in den Papieren gestanden , die Sie mir für den Kronprinzen anvertrauten « , sagte er , » wenn es mich nur nicht auf ewig unglücklich macht , der Kronprinz schien aufgeregt , ja erzürnt während dem Lesen , und wie er mich gewahr wurde , hieß er mich gehen , ohne wie sonst mir auch nur ein gnädiges Wort zu sagen . « - Ich mußte lachen , der Klaviermeister wurde immer ängstlicher , ich immer lustiger , ich freute mich schon auf meine Gefangenschaft , und wie ich da in der Einsamkeit meinen philosophischen Gedanken nachhängen würde , ich dachte : dann fängt mein Geschick doch einmal an , Leben zu gewinnen , es muß doch einmal was draus entstehen ; aber so kam es wieder nicht , ein einzigmal sah ich den Kronprinz im Theater , er winkte mir freundlich ; nun gut : acht Tage hatte ich meinen Stadion nicht gesehen , am 10. April , wo ich die gewisse Nachricht erhielt , er sei in der Nacht abgereist , da war ich doch sehr betrübt , daß ich ihn sollte zum letztenmal gesehen haben , es war mir eine wunderliche Bedeutung , daß er am Karfreitag seine letzte Messe gelesen hatte ; - die vielen zurückgehaltenen und verleugneten Gefühle brachen endlich in Tränen aus . In der Einsamkeit da lernt man kennen , was man will , und was einem versagt wird . Ich fand keine Lage für mein ringendes Herz , müde geworden vom Weinen , schlief ich ein , bist Du schon eingeschlafen , müde vom Weinen ? - Männer weinen wohl so nicht ? - Du hast wohl nie geweint , daß die Seufzer noch selbst im Schlaf die Brust beschweren . So schluchzend im Traum hör ich meinen Namen rufen ; es war dunkel , bei dem schwachen Dämmerschein der Laternen von der Straße erkenne ich einen Mann neben mir in fremder Soldatenkleidung , Säbel , Patrontasche , schwarzes Haar , sonst würde ich glauben , den schwarzen Fritz zu erkennen . - » Nein , du irrst nicht , es ist der schwarze Fritz , der Abschied von dir nimmt , mein Wagen steht an der Tür , ich gehe eben als Soldat zur österreichischen Armee , und was deine Freunde , die Tiroler , anbelangt , so sollst du mir keine Vorwürfe machen oder du siehst mich nie wieder , denn ich gebe dir mein Ehrenwort , ich werde nicht erleben , daß man sie verrate , es geht gewiß alles gut , eben war ich beim Kronprinzen , der hat mit mir die Gesundheit der Tiroler getrunken und dem Napoleon ein Pereat gebracht , er hat mich bei der Hand gefaßt und gesagt : Erinnern Sie sich dran , daß im Jahr Neune im April , während der Tiroler Revolution , der Kronprinz von Bayern dem Napoleon widersagt hat , und so hat er sein Glas mit mir angestoßen , daß der Fuß zerschellte « ; ich sagte zu Stadion : » Nun bin ich allein und hab keinen Freund mehr « , er lächelte und sagte : » Du schreibst an Goethe , schreib ihm auch von mir , daß der katholische Priester auf dem Tiroler Schlachtfeld sich Lorbeern holen will « , ich sagte : » Nun werde ich keine Messe so bald mehr hören « ; - » und ich werde so bald auch keine mehr lesen « , sagte er . Da stieß er sein Gewehr auf und reichte mir die Hand zum Abschied . Den werd ich gewiß nicht wiedersehen . Kaum war er fort , klopfte es schon wieder , der alte Bopp kommt herein , es war finster im Zimmer , an seiner Stimme erkenne ich , daß er freudig ist , er reicht mir feierlich ein zerbrochnes Glas und sagt : » Das schickt Ihnen der Kronprinz und läßt Ihnen sagen , daß er die Gesundheit derjenigen daraus getrunken hat , die Sie protegieren , und hier schickt er Ihnen seine Kokarde als Ehrenpfand , daß er Ihnen sein Wort lösen werde , jeder Ungerechtigkeit , jeder Grausamkeit zu steuern . « - Ich war froh , herzlich froh , daß ich nicht kleinlich und zaghaft gewesen war , dem Zutrauen zu folgen , was der Kronprinz und alles , ja auch selbst das Widersprechendste , was ich von ihm erfahren habe , mir einflößte ; es war sehr freundlich von ihm , daß er mich so grüßen ließ , und daß er nicht meine Voreiligkeit von sich wies ; ich werd es ihm nicht vergessen , mag ich auch noch manches Verkehrte von ihm hören ; denn unter allen , die ihn beurteilen , hat gewiß keiner ein so gutes Herz als er , der es sich ganz ruhig gefallen läßt . Ich weiß auch , daß er eine feierliche Hochachtung vor Dir hat und nicht wie andere Prinzen , die nur im Vorüberstreifen einen solchen Geist berühren wie Du , nein , es geht ihm von Herzen , wenn er Dich einmal sieht und Dir sagt , daß er sich ' s zum größten Glück schätze . Ich habe noch viel auf dem Herzen , denn ich habe Dich allein , dem ich ' s mitteilen kann . Jeder Augenblick erregt mich aufs neue , es ist als ob das Schicksal dicht vor meiner Türe seinen Markt aufgeschlagen hätte ; so wie ich den Kopf hinausstecke , bietet es Plunder , Verrat und Falschheit feil , außer die Tiroler , deren Siegesjubel durch alle Verleumdung und Erbitterung der Feinde durchklingt , aus deren frisch vergoßnem Blut schon neue Frühlingsblumen sprießen , und die Jünglinge frisch jeden Morgen von den nebelverhüllten Felszacken dem gewissen Sieg entgegentanzen . Adieu , Adieu , auf meine Liebe weise ich Dich an , die hier in diesen Blättern nur im Vorüberstreifen den Staub ihrer üppigen Blüte aus den vollen Kelchen schüttelt . Bettine Friedrich Tieck macht jetzt Schellings Büste , sie wird nicht schöner als er , mithin ganz garstig , und doch ist es ein schönes Werk . - Da ich in Tiecks Werkstätte kam und sah , wie der große , breite , prächtige , viereckige Schellingskopf unter seinen fixen Fingern zum Vorschein kam , dacht ich , er habe unserm Herrgott abgelernt , wie er die Menschen machte , und er werde ihm gleich den Atem einblasen , und der Kopf werde lernen A - B - sagen , womit ein Philosoph so vieles sagen kann . An Bettine Man möchte mit Worten so gerne wie mit Gedanken Dir entgegenkommen , liebste Bettine ; aber die Kriegszeiten , die so großen Einfluß auf das Lesen haben , erstrecken ihn nicht minder streng auf das Schreiben , und so muß man sich ' s versagen . Deinen romantisch-charakteristischen Erzählungen gleichlautende Gesinnungen deutlich auszusprechen . Ich muß daher erwarten , was Du durch eine Reihe von Briefen mich hoffen läßt , nämlich Dich selbst , um Dir alles mit Dank für Deine nie versiegende Liebe zu beantworten . Erst in voriger Woche erhielt ich Dein Paket , was der Kurier in meiner Abwesenheit dem Herzog übergab , der es mir selbst brachte . Seine Neugierde war nicht wenig gespannt , ich mußte , um nur durchzukommen , Deine wohlgelungenen politischen Verhandlungen ihm mitteilen , die denn auch so allerliebst sind , daß es einem schwer wird , sie für sich allein zu bewahren . Der Herzog bedauert sehr , daß Du im Interesse anderer Mächte bist . - Ich habe mich nun hier in Jena in einen Roman eingesponnen , um weniger von allem Übel der Zeit ergriffen zu werden , ich hoffe , der Schmetterling , der da herausfliegt , wird Dich noch als Bewohner dieses Erdenrunds begrüßen und Dir beweisen , wie die Psychen auch auf scheinbar verschiednen Bahnen einander begegnen . Auch Deine lyrischen Aufforderungen an eine frühere Epoche des Autors haben mir in manchem Sinne zugesagt , und wüchse der Mensch nicht aus der Zeit mehr noch wie aus Seelenepochen heraus , so würd ich nicht noch einmal erleben , wie schmerzlich es ist , solchen Bitten kein Gehör zu geben . Deine interessanten Ereignisse mit dem hohen Protektor eigner feindlicher Widersacher macht mich begierig , noch mehr und auch von andrer Seite von ihm zu wissen , zum Beispiel könntest Du mir die Versuche und Bruchstücke seiner Gedichte , in deren Besitz Du bist , mitteilen , mit Vergnügen würde ich ihn in dem unbefangnen Spiel mit seiner jungen Muse beobachten . Die Gelegenheiten , mir sicher Deine Briefe zu schicken , versäume ja nicht , sie sind mir in dieser armen Zeit äußerst willkommen . Auch was der Tag sonst noch mit sich bringt , berichte , von Freunden und merkwürdigen Leuten , Künsten und philosophischen Erscheinungen ; da Du in einem Kreis vielfach aufgeregter Geister bist , so kann Dir der Stoff hier nicht ausgehen . Möchten doch auch die versprochnen Mitteilungen über die letzten Tage meiner Mutter in diesen verschlingenden Ereignissen nicht untergehen , mir ist zwar mancherlei von Freunden über sie berichtet , wie sie mit großer Besonnenheit alle irdischen Anordnungen getroffen ; von Dir aber erwarte ich noch etwas anders , daß Dein liebender Sinn ihr ein Denkmal setze , in der Erinnerung ihrer letzten Augenblicke . Ich bin sehr in Deiner Schuld , liebes Kind , mit diesen wenigen Zeilen , ich kann Dir nur mit Dank bezahlen für alles , was Du mir gibst , geben möchte ich Dir das Beste , wenn Du es nicht schon unwiderstehlich an Dich gerissen hättest . Der schwarze Fritz ist mir auch unter diesem Namen ein guter Bekannter , und die