ihre Geschäfte und sollte mich jetzt allein durchschlagen . Da dachte ich deiner , wie ich der Armut dich hingeben müßte , und konnte meinen Zorn nicht mäßigen , so unbegreiflich ist der Mensch sich selbst im Traume , ich ergriff das Messer , welches ich damals bei dem Schatze gefunden , und durchstach den Alten , und der Alte war ich selbst , ich hatte mich selbst erstochen . Da erwachte ich und konnte nicht wieder einschlafen , weil Meister Sixt vor dem Hause malte und mir die letzte Ruhe nahm , so viel mein Gewissen mir noch übrig ließ . Sieh nur , um diese meine innere Vorwürfe zu mehren , hast du den Tisch hieher unbewußt gesetzt , wo mir der Alte den Schatz zeigte . « - Anna lachte über diesen Gram : » Der Traum bedeutet immer sein Gegenteil « , sagte sie , » das wissen alle Traumbücher , und was der Mensch im Traume tut , möchte er wachend gern meiden ; liebst du mich recht , so vergißt du alle die Einbildungen in einem Kusse von mir . « - » Noch etwas geht mir im Kopf herum « , fuhr Berthold fort , » der Ehrenhalt hat mir nur Geschenke gebracht , um Anforderungen an mich zu machen . Er spricht von meinem Vetter , von dem Grafen von Hohenstock , daß er blödsinnig sei , daß mir das Schloß Hohenstock vielleicht bald zufallen könne daß große Begebenheiten um uns her reiften , bei denen ich dort Sicherheit und Anhang mir und den Meinen erringen könnte ; ich sollte das Schloß als Fremder besuchen , wie es mir gefalle . Ich mochte mich nicht darauf einlassen , ich wollte es dir sogar verschweigen , aber der Traum , die Möglichkeit mein erworbenes Gut zu verlieren , machten mich aufmerksam auf das Ererbte . Gib deinen Rat , aber gelobe mir Verschwiegenheit . « - Anna besann sich keinen Augenblick , sie sah sich dort im Geiste wie die kurfürstliche Braut zu Augsburg empfangen , sie dachte sich das Schloß im Verhältnis zu dem Hause in Waiblingen in steigender Herrlichkeit , wie sich dies zu ihrem Häuschen in Augsburg verhalten ; sie konnte sich der Sehnsucht nach diesem alten , geheimnisvollen Stammschlosse nicht erwehren , sie versicherte Berthold , daß sie ihre Zunge nur beschwichtigen könne , in sofern ihr Berthold das Versprechen gebe , noch diesen Sommer das Schloß zu besuchen . - Berthold gab ihrem Willen nach und beschloß unter dem Vorwande , einen Wallfahrtsort , oder einen Sauerbrunnen besuchen zu wollen , den Weg dahin einzuschlagen . - Sie wurden in dem Gespräche von Meister Sixt gestört , der feierlich mit Devotion kondolierte und gratulierte , auch berichtete , daß er den letzten Auftrag der seligen Frau Hildegard wohl beendet , die heilige Jungfrau am Giebel aufgemalt und dafür einen Gulden in Submission einzufordern habe , er bitte diese Votivtafel zu inspizieren und ihn zu remunerieren , wenn das Werk seinen Meister lobe . Berthold folgte ihm mit Annen und war sehr erstaunt , ein sehr vollkommnes Bild seiner Frau an der Stelle des verblichenen heiligen Bildes zu sehen , und weil es ihm lieb war , so schien es ihm recht . - » Aber wie schön ist das Christuskind « , rief Anna , einmal über das andre , » schenkte mir doch der Himmel solch ein kräftig freundliches Kind , in ihm ist Segen für die Welt und ihre reichste Zukunft . « - Berthold aber zog Meister Sixt bei Seite und fragte leise : » Gleicht das Kind nicht Eurem Anton , wahrhaftig so muß er als Kind ausgesehen haben . « - Anna wollte wissen , was er gesprochen habe , und Berthold antwortete gleichgültig : » Ich erinnerte den alten Herrn , daß er dies Kind nach einem jungen Gesellen gemalt hat , der bei ihm in der Lehre steht . « Anna mußte ihm innerlich recht geben und wurde äußerlich so rot , daß sie sich abwenden mußte , sie gedachte der unangenehmen Verwirrung am Morgen und hätte lieber das Bild gleich abreißen lassen . Kugler und seine Frau kamen jetzt zu ihnen , um Abschied zu nehmen . Das tat dem ehrlichen Knaben gar weh , sonst war er seelenglücklich mit seiner Wahl , er wußte nicht genug anzurühmen , was er alles zum Dank unserm Berthold antun möchte , er wünschte , daß er in Not kommen möchte , um ihm die Treue seiner Freundschaft zu beweisen . Nun ging alles zur Einrichtung der Wirtschaft über , und Anna lernte ihre Magd Verena , die sie zunächst bediente , näher kennen . Diese klagte bei ihr Jammer und Not über die Magd der Mutter Apollonia , ihre leibliche Schwester , welche Sabina sich nannte , daß diese Böses von ihr rede , und auch Frau Anna beschuldige , was sie kaum nachsagen möge , den jungen , schönen Maler Anton zu sich ins Fenster eingelassen zu haben , sie scheine das von ihrer Frau gehört zu haben . Sie habe ihr darauf den Mund verboten , denn wenn einer reden wollte , so wäre genug darüber zu sagen , warum Frau Apollonia immer dem Herrn im Garten nachgehe , auch ihn küsse , es wisse jeder , daß sie einst mit einander so gut wie Eheleute gewesen , aber die Zeit sei vorüber . - Anna verbot dem Mädchen zu reden , das Mädchen aber kehrte sich wenig daran , sie war zu heftig ereifert , nur wandte sich jetzt ihr Zorn gegen ihre Schwester , die zu demselben eigentlich die Hefen eingerührt hatte , sie berichtete , wie diese immer von den Schüsseln beim Auftragen nehme , nur fleißig spinne , wenn die Frau es sähe , gern zu den Knechten in den Stall gehe , sich immer Wege in die Stadt mache , auch beim Einkaufen mehr an sich als an die Herrschaft denke , daß sie nur fünf Hemden habe und darunter sei eins noch stark zerrissen und nicht einmal geflickt , ihre Schürzen wären aber ganz unbedeutend . » Aber sag nur « , fragte Anna , die eigentlich aus Gewohnheit gern den Mägden zuhörte , » wie habt ihr euch so verfeindet , ihr beiden Schwestern , nachdem ihr hier bloß darum in Dienst getreten , weil ihr so nahe beisammen wohnt . « - Das Mädchen wollte die Ursache nicht sagen , ihre Schwester sei aber an allem schuld , sie wolle ihr aber alles gebrannte Herzeleid antun . - Anna gebot Frieden , aber das half nur gegen schnellen Ausbruch der Feindseligkeiten . Jeden Morgen früh war immer ein dumpfes Schelten der beiden Schwestern am Brunnen , wenn sie früh Wasser holten , ein Keifen , als ob es an Wasser fehle , und doch lief dies im Überfluß . Berthold schalt einmal , als er spät Abends zu Apollonien gehen wollte , daß so viel Wirtschaftsgerät , Eimer , Töpfe und Kupfergeschirr am Brunnen gestanden , er sei darüber gefallen . Verena machte daraus eine seltsame Historie , erzählte Annen , ihr Mann gehe Abends , wenn sie ihn im Garten beschäftigt glaube , gar heimlich zu Frau Apollonien , so daß es Annen gar heiß überlief , sie konnte mit ihrer Mutter nicht mehr frei und offen sprechen . Darauf hörte sie in der Stadt , daß von einem Kobold die Rede sei , der an ihrem Brunnen alles Geschirr reinige , aber auch sehr bösartig sei , wenn einer ihn störe . Sie befragte Berthold , der lachte über das Märchen , er sei so oft am Brunnen gewesen . Verena aber winkte mit den Augen bei dieser Aussage ihrer Herrin und berichtete beim Ausziehen , der Herr poltere oft so spät bei den Geschirren am Brunnen herum , da hielten die Leute ihn für einen Kobold und hätten schon in der Stadt ausgebracht , sie und ihre Schwester hätten sich wegen des Kobolds entzweit , wenn er nicht allen beiden die Arbeit abnehmen wolle , er gehöre nur zum Hause des Bertholds und die Schwester setze immer ihre Gerätschaften unter die ihren , aber das sei Lüge , und rief alle Heiligen zu Zeugen , daß sie sich mit keinem Kobold abgebe . Sabina quälte mit ihrer Zänkerei die Frau Apollonia weniger , weil diese strenger war , sie nistete sich aber auf feinere Art ein . Apolloniens Zärtlichkeit zu Berthold glaubte jetzt , wo er ihr als Schwiegersohn verbunden , keines Zaums zu bedürfen , sie äußerte ihm gern ihr Wohlwollen durch jedes gute Zeichen , nahm jedes von ihm an , fand auch darin einen Ersatz , als es ihr schien , daß die Tochter von ihr unabhängig sei , sie weniger aufsuche und andre Gesellschaft vorziehe . Sabina erfand sich eine Menge Freundlichkeiten von Berthold , die sie der Frau berichtete und ihr schmeichelte , am Abend aber die Schwester damit zu ärgern . Das alles erfuhr Anna , nachdem es kaum einen halben Tag ersonnen oder mißdeutet war , und machte die Stolze ihrem Berthold auch keine Vorwürfe , so spottete sie doch wohl gegen ihn über die Mutter und Berthold verteidigte sie mit Wärme und sagte wohl noch mehr , als er eigentlich glaubte , eben weil ihn die unerklärliche Härte in der Tochter ärgerte . Ein Zufall reifte die Stacheln an der Hecke zwischen beiden Häusern . Apollonia war in ihrer Arbeit sehr emsig , obgleich sie es jetzt nicht mehr bedurfte , nun ein gutes Vermögen mütterlicher Seite ihr zugefallen war . Es brach ihr spät am Webstuhle etwas in dem Kamme , sie schickte Sabina damit zum Verfertiger , daß er es gleich in Ordnung bringe . Es sieht manches wie eine kleine Arbeit dem aus , der sie nicht zu machen versteht . Die Arbeit verspätete sich , die Nacht war dunkel heiß und Apollonia ging selbst ungefähr gegen Mitternacht an den Brunnen , um ihren Henkelkrug zu füllen . Sie nahte sich ohne Absicht leise , denn sie ging bequem und stand nicht ohne Schauder neben einer großen Gestalt , die am Brunnen auf etwas zu warten schien . Kaum hatte sie den Entschluß gefaßt , dies unheimliche Wesen ein wenig zu betrachten , ehe sie entliefe , so wurde ihr der Mond günstig , trat hervor und beschien einen blonden , herrlichen Lockenkopf , der im Augenblicke nach dem Garten Bertholds entsprang . Die Angst und die Besonnenheit geboten ihr zu schweigen , es war Anton , sie konnte nicht zweifeln . Was wollte er so spät ? Berthold war in einem Geschäfte ausgereist , Anna hatte sich den Abend verleugnen lassen . Sie wurde wieder irre an dem guten Glauben , den sie den Entschuldigungen der Tochter am Hochzeitmorgen geschenkt hatte ; ihre Qual war groß , denn ihre Rechtlichkeit war unerbittlich strenge . Sie gewann es über sich , nicht laut zu werden , es fiel ihr ein , daß Berthold von einer Reise nach Hohenstock gesprochen . Sie glaubte , daß sein guter Geist ihm den Rat eingegeben hätte , und beschloß ernstlich , mit allem ihren Einflusse auf ihn , dies Unternehmen zu fördern . Anton , denn er war es wirklich gewesen , hatte nicht geringeren Schrecken über Frau Apollonia , als diese über ihn erfahren , er meinte sich schon beim Meister angeklagt und bestraft . Die Bosheit der Frau , als er damals so unschuldig in Annens Zimmer gekommen , ließ ihn viel schlimmere Bosheit ahnden , nun er in gewissem Sinne schuldig war . Er war wirklich der Kobold , der da nächtlich am Brunnen die Geschirre reinigte , was den beiden nachlässigen Mägden zu beschwerlich war . Er hatte sie in den Vorbereitungen der Hochzeit kennen gelernt und war in dem Drange der Arbeiten für seine Hülfe in der wohlbesetzten Küche von ihnen gelohnt worden . Für diesen Preis setzte er bei dem teuflischen Geize des Meisters , der ihm das Brot verschloß , diese geringe Arbeit Nachts heimlich fort , und die Sache hätte lange in Ruhe geschehen können , wenn nicht beide Schwestern gar zutuliche Liebe zu ihm empfunden hätten . Da er aber von eigner Gleichgültigkeit gegen beide blieb und wohl ihre guten Bissen , aber nicht ihre Küsse annehmen mochte und sich beide doch für schön hielten , so meinte jede , die andre habe heimlich mehr Vertraulichkeit mit ihm und das brachte sie gleich in Neid und Eifersucht . Als er nun gar in der nächsten Nacht ausblieb , ward der Unfriede am Brunnen groß . Berthold kehrte am andern Morgen heim und sprach zufällig erst bei Apollonien an , so schien seine Untreue der harrenden Anna gewiß . Während Apollonia ihm heftig zürnte , trat Berthold mit freudigem Gruß und Gaben ein , erzählte von den schönen Burgen der befreundeten Ritter und drang in Annen , wie Apollonia eben in ihn gedrungen war , die Reise nach Hohenstock mit ihm zu unternehmen , es komme kein Schlächter aus jener Gegend in die Stadt , der ihm nicht Briefe mit Anmahnungen des Ehrenhalts überbringe , dort einen Besuch abzustatten , und je mehr er das Leben der Ritter kenne , je weniger lasse sich in ihm das Gefühl unterdrücken , daß er noch zu etwas anderm , als zur Wollrechnung , bestimmt sei . Der Antrag kam ihr jetzt so willkommen , sie hoffte , Berthold werde sie ausschließlich lieben , wenn sie mit ihm allein wäre , sie gab ihren Beifall , sie wollten beide vorgeben , daß sie Klostereinsiedlen in der Schweiz zu besuchen gelobt hätten . Es war Sonntag , sie fühlte dunkel , daß sie dem Manne unrecht getan habe , oder aber wie Grünewald oft sang : Sonntag hat ein eigen Wesen , Innres Streben , äußre Ruh , Mag von sel ' gem Glauben lesen , Läßt den Drang der Zeit nicht zu . Sie wollte beichten und nahm ihr schwarzes Gebetbüchlein , ging aber nicht zum Hause hinaus , sondern in den Garten , wo ohne daß sie es wahrnahm , der eifrige Gärtner Berthold beschäftigt war , seine Lieblingsblumen selbst zum Strauß für die Frau abzupflücken . Da kam eine hohe Frau in den Garten mit einer Harfe und einem Kästchen , worin Feigen und Apfelsinen , trug einen grünen Hut mit einer Feder darauf , grüne Jacke mit kurzem , bunten Rock , auch bunte Strümpfe , sie nannte sich eine Tirolerin , die aus der Hand weissage , und Apollonia meinte sie schon in Augsburg gesehen zu haben . Anna klagte ihr , daß sie vergessen habe , was sie noch eben beichten wollte , und die Tirolerin , - oder vielmehr Grünewald , der so verkleidet war und sich etwas mit Wahrsagen abgab , - prophezeite ihr , was er ihr ansah , und hat alles nachher in Reimen abgesungen , wie es da erging : Der Sonntag winkt mit stillen Blicken Und schmückt ein jedes Blumenbeet , Der Gärtner will ein Sträußlein pflücken , Weil seine Frau zur Kirche geht . Und kann sich immer nicht entschließen , Wo er sein Messer brauchen soll , Die Blumen sich im Tau noch küssen Und Herz am Herzen hängt so voll . Da kommt sein junges Weib gegangen , Ihr schwarz Gebetbuch in der Hand , Ihr Blick gesenkt im frommen Bangen , Zur Laube hat sie sich gewandt ; Wie heimlich glüht die Geißblattlaube , Ihr Schatten ist ein duftig Bad , Und drinnen girrt die Turteltaube Und Nelken glänzen an dem Pfad . Da spricht die Frau mit bangen Sorgen : » Vergessen ist die Sündenschuld , Was wollt ich beichten heute morgen , Ach Gott , hab nur mit mir Geduld . Ach hätte ich nur eine Stunde , Mir fielen wieder Sünden ein , Aus welchem bösen Sündengrunde Mag ich wohl so vergeßlich sein . « Der Gärtner hat sich nicht verstecket , Doch ist er nicht von ihr gesehn , Die Reben haben ihn gedecket , Er staunet still , wie sie so schön ; Es kniet sein Weib am Bänklein nieder Und deckt das holde Angesicht Und steht dann auf und saget wieder : » Was ich gesündigt , weiß ich nicht . « Der Mann will eben zu ihr springen , Und ihr in Kraft von Lieb und Lust , Vergebung für die Sünde bringen , Die ihrem Herzen unbewußt , Da hört er eine Harfe klingen , Sieht eine Frau mit grünem Hut , Die ihr will süße Früchte bringen , Die Frau sagt wahr und ist ihr gut . Sie küßt die Hand des schönen Weibes Und rufet mit Verwundrung aus : » Du bist gesegnet deines Leibes , Und Segen kommt nun in dein Haus ! « Beschämt will es die Frau nicht glauben , Und klagt , wie schwer zu Mute ihr , Tirola spricht : » Eh ' reif die Trauben , Die jetzt so hart , dann glaubst du mir . « Ihr glaubt die Frau , und heil ' ge Blicke Wie Perlen sie umkränzen schön , Tirola singt von ihrem Glücke Zu ihrer Harfe Vollgetön ; Was sie gedrückt , war keine Sünde , Es war die ungewohnte Lust , Daß sie den Dank zu Gott verkünde , Erhebt Gesang die freud ' ge Brust . In wessen Herz die Sünde schweiget , Da klingt des Herren Lobgesang , Das Dasein sich so freundlich zeiget , Wenn neue Hoffnung es durchdrang ; Sie fleht , daß sie der Herr durchdringe Mit seines Geistes Gegenwart , Daß früh ihr Kind den Geist empfinge , Wenn es noch bildsam , rein und zart . Da kann der Gärtner sich nicht halten , Er stimmt ins fromme Lied mit ein , Und muß die Hände betend falten : » So muß sich eine Kirche weihn ! « Und er gelobt , an dieser Stelle , Zum Angedenken dieser Gunst , Will er erbauen die Kapelle Mit hocherfahrner Bildner Kunst . Es steht die Frau in Scham betroffen , Woher er ihr Geheimnis weiß ? Er spricht : » Ich sah den Himmel offen , Ein Engel sagte es mir leis : Und alles Geld , was du gesparet , Den Armen gib zum Freudenmahl , Daß Gott , der Herr , dein Kind bewahret Und führt es leicht zum Sonnenstrahl . « Vierte Geschichte Schloß Hohenstock Der Reisewagen schwankte heftig ungeachtet des langsamen Fahrens über die rohen Steingerölle , die im Bergwege lagen , daß Berthold längst mit der Frau Anna ausgestiegen war und sich zu dem Ehrenhalt und Grünewald , ( der als Tirolerin gekleidet ) gesellt hatte , die neben dem Wagen gingen und mit einander den Wagen durch Stricke , die sie an beiden Seiten angebracht , vom Umsturz abzuhalten suchten . » Das ist ein Mordweg ! « sagte Anna . - » Es ist noch nicht unser schlechtester Weg « , meinte der Ehrenhalt , » so kann er freilich nicht in Ordnung gehalten werden , wie die Wege nach Augsburg , hier fährt kein Güterwagen , kein Reisender , zum Holzfahren ist er immer noch gut genug . « - » Warum bleiben wir nicht hier oben « , fragte Grünewald , » der Wald ist kühl , die Erdbeeren reif und mein Blumengewinde wächst mir immer wunder barer in der Hand , daß ich Euch endlich damit umgürten muß , Frau Anna . Weilt hier . Der grün bewachsene , meilenweite Sumpf da unten ist für die Kiebitze , die darüber schreien , daß die Leute ihnen ihre sommerfleckigen Eier nehmen . Und was ist das für ein Schwalbennest in der Mitte , sieht aus wie eine gebrochene Kinnlade mit schwarzen Zähnen , da möchte ich nicht begraben sein . « - Der Ehrenhalt verwies sie als eine unverständige Närrin zur Ruhe , bei ihrem Kuhmelken und Pomeranzenverkauf werde sie viel wissen , was zu einer Ritterburg gehöre . » Seht Herr « , sagte er zu Berthold , » das ist Hohenstock , weil der Fels , worauf es steht , wie der Stock eines Baumes aus dem tiefen Bruch heraus sieht . Das ist gegen jeden Angriff sicher , wenn die Brücke und der einzige Damm zerstört sind , der bis dahin führt . Durch den Sumpf watet kein Mensch und die warmen Quellen hindern , daß er je zufriert ; der Kaiser mag klug sein , aber wäre er recht gescheit , so setzte er sich in Ruhe auf Hohenstock , würde einer der Unsern und ließe die regieren , die dazu geboren sind . Bei uns da ist alles im Überfluß , was sich ein Mensch wünschen kann , Fische , Wildbret , Früchte , auf der Welt gibt ' s keine fruchtbarern Gärten , als die Ihr so rings an dem Schloßfelsen glänzen seht . Gott gebe , daß ich von der Wacht auf der Kronenburg entlassen , dort endlich in Ruhe meine Tage beschließen kann . « - Berthold und Anna wollte das Schloß nicht so erfreulich erscheinen , doch äußerten sie nur , daß ihnen der Bau gar seltsam verwirrt scheine , die Gebäude lägen in allerlei spitzen Winkeln , selbst in Krümmungen an einander , wie Kinder in ihren Spielen zu bauen pflegen . - » Das versteht unser einer nicht « , antwortete der Ehrenhalt , » aber seht , das große Schloß nach dieser Seite gehört Eurer Linie , und das kleinere drüben gehört dem Grafen Rappolt , und in dem Mittelschlosse ist die Kapelle und der Waffensaal . « - » Vom Grafen Rappolt habt Ihr mir nie ausführlich gesprochen « , sagte Berthold . - » Es ist nicht viel von ihm zu sagen « , antwortete der Ehrenhalt » als daß er Euer Oheim ist , er ist meist verwirrt im Kopfe und was ihm allen Verstand nimmt , ist die Liebschaft zu seiner Ausgeberin Itha , die sein Sohn nicht mehr bei ihm dulden will , weil sie dem alten Manne alles abstiehlt und den Ihren zusteckt . Ihr müßt ihn wohl besuchen , aber weiter kümmert Euch nicht um ihn , es kommt nichts dabei heraus , als daß Euch der alte Herr leid tut . « Ein Wächterhorn von der Dammwarte verkündete ihre Ankunft nach dem Schlosse , als der Weg anfing , gepflastert zu sein . Alle stiegen in den Wagen und nun ging es fast eine Viertelstunde in vollem Lauf über den hohen Damm , der an beiden Seiten mit Obstbäumen und Weiden besetzt war , und über Brücken dem Schlosse zu , dessen hohe Lage sie erst jetzt in der Ebene erkannten . Endlich rollten sie durch das enge Tor und da ging es langsam durch den schmalen Burgweg hinauf , der allmählich ansteigend um den Felsen lief , auf einer Seite von Mauern mit Türmen gedeckt , auf der andern Seite mit kleinen Häusern und Ställen besetzt , vor denen Landleute in so schlechter Bekleidung standen , daß die Städter sie für Bettler hielten . » Nein « , sagte der Ehrenhalt , » das sind in ihrer Art sehr reiche Leute , aber sie gehen gern bequem in ihren Kleidern und mögen sich ihr gutes Zeug nicht verderben ; die haben mehr aufs Brot zu schmieren , als Eure Federhänse in der Stadt , die sich vor Gott mit dem Sprichwort rechtfertigen : Ein jeder sieht den Kragen und keiner in den Magen . « - Der Wagen hielt vor dem alten Schlosse und sie traten in große , gewölbte Zimmer , die nur von sehr kleinen , ohne Regel verteilten Fenstern erhellt waren , aber die Aussicht war schön über die grüne Fläche nach dem Gebirge , ein grünes Meer voll Vögel , statt der Fische . Auf eigensinnige Art war der Boden zwischen den verschiednen Zimmern verungleicht , es mußten immer Stufen gestiegen werden , um aus einem Zimmer ins andre zu gelangen . Große , schwere Schränke von Eichenholz , mächtige , gepolsterte Lehrstühle , große , runde Tische und ein Bette , in dem wohl viere Raum hatten , zierten das größte , mit achteckigen Steinen gepflasterte Zimmer . » Hier ist das Schlafzimmer für die Gäste « , sagte der Ehrenhalt , » laßt Euch ja nicht merken , daß Ihr eigentlich hier mehr zu befehlen hättet , sonst müßt Ihr hier bleiben gegen Euren und meinen Willen . « Anna erbleichte etwas , sie schrieb es dem mit Kaliums bestreuten Boden zu , auch war mit Wacholder geräuchert , weil das Zimmer so lange unbewohnt geblieben . Anna sah zum Fenster hinaus , um eine gewisse Beklemmung ihres Herzens aufzulösen , aber sie mußte es vor aufbringendem , üblen Geruche schließen . » Ihr müßt Euch nicht verwundern « , sagte der Ehrenhalt , » da unten ist der große Hundestall , doch wenn er Euch lästig , so schaffen die Knechte morgen alles fort . Kommt heute zu dem Oheim im zweiten Anteile , doch muß ich Euch vorher sagen , die vielen Kinder , die da herumfaulenzen , sind keine echte , das ist so uneheliches Zeugs , von ihm und der Frau Itha , seiner Ausgeberin , und Gott weiß von wem noch sonst ; haltet Euch die vom Leibe , die schnüffeln und betteln überall , sind Wild- und Fischdiebe , wie keine auf der Welt ; wenn der alte Graf ihnen nicht täglich die Haut gerbt , so behält der erste Anteil nichts . « Nachdem Berthold und seine Frau angemeldet waren , so traten sie in das Zimmer des alten Oheims , der ihnen wie ein ernstes Knochengerippe von einem Riesen der Vorzeit entgegen trat und sie feierlich , doch verlegen , nicht als Verwandte , sondern als Fremde begrüßte . Es wollte sich kein Gespräch anknüpfen , der Alte brummte einige unverständliche Höflichkeit , während Berthold und Anna mit Verwunderung das Zimmer überblickten . Ein kleines Mädchen futterte da unzählige , junge Hühner , während die alten Gluckhennen gegen einander eiferten , eine Mästgans wackelte auch herbei und die Nudeln , mit denen sie genudelt werden sollte , dunsteten mit schrecklichem Geruch von dem scharf geheizten Stubenofen , in welchem gebacken wurde , während die Fenster gegen die Sommerhitze verschlossen waren . Drei alte , fette Hunde , deren Haar vom steten Liegen abgerieben war , bellten von den schmutzigen Polsterstühlen , indem sie sich ausstreckten , an der Decke wankte ein großer Wermutbüschel mit den Fliegenleichen und eine Wetterdistel drehte sich , als ob sie ein nahes , böses Wetter verkündigte . Sollte dies aber aus einer Weltgegend kommen , so mußte es zunächst von Frau Itha ausgehen , die im Hintergrunde den geschundnen , blutigen Körper eines Hasen spickte . Dies Ungewitter mit starken Schlägen traf aber ein etwas erwachsenes Mädchen , das sich an Anna heran geschlichen hatte und ihr die Röcke sacht von der Seite ein wenig aufhob um zu sehen , von welchem Zeuge ihre Unterröcke wären , denn das erklärte sie jetzt unter der peinlichen Backengerichtsordnung der Mutter , als einzigen Grund ihrer heimlichen Bestrebungen . Der alte Rappolt wollte gern Frieden stiften , drückte aber dabei vorsichtig wie eine Katze , die Schläge fürchtet , die Augen zu , auch wurde seine Vermittelung abgewiesen . Dagegen stiftete sich sogleich Friede , als ein junger , derber Bursche Frau Ithen mit den Worten in die Hände griff » Mutter , Sie ist verrückt , was sollen die fremden Leute von Ihr denken , Sie meint noch immer , daß Sie die Schweine unter sich hat , geh Sie mit Ihrem Küchenschmutz in die Küche . « Frau Itha entschuldigte sich und ging fort , der alte Rappolt sah mit dankbarer Rührung den höflichen Jüngling an und erklärte sich offner gegen Berthold . Die gute Frau sei sehr heftig , aber sie sei sein einziger Trost , er müsse beherrscht werden , Gram nehme ihm die Besinnung , und ohne ausgezankt zu werden , komme er zu keinem Entschlusse . Sie sollten sich vor den Kronenwächtern in acht nehmen , fuhr er nach kurzem Stillschweigen fort , eben so auch vor den andern . Er habe einen schönen Sohn von seiner verstorbenen , geliebten Frau gehabt , mit Namen Friedrich , den hätten sie zuerst auf der Kronenburg erzogen , der sei von einem fremden Ritter in das Wasser gestürzt worden , er habe es unter der Hand erfahren . Darauf er nach langen Jahren Zwillingssöhne , Anton und Konrad bekommen . Bald hätten ihm die Kronenwächter seinen kräftigen , hell gelockten Anton genommen und der sei entflohen , kein Mensch wisse wohin , nun sei ihm nur noch Konrad übrig , der sei ein dürrer Neidhart von Jugend an gewesen und werde jetzt auf der Kronenburg erzogen , wolle da nicht mehr gut tun , sie würden ihn auch bald bei Seite schaffen . Als er dies beendet , fiel er in ein Weinen und der Bastard riet Berthold fortzugehen , » denn « , sagte er , » kommt Vater auf die alten Geschichten , da weiß er nicht mehr , was er will , da kann die Mutter kaum mit ihm fertig werden , da will er Waffen anlegen und darf doch nicht heraus . Er hat einmal in seinen frühern Jahren die Kronenburg verraten wollen , ist im unterirdischen Gange im Sperrwasser gefangen und aufgefischt worden , seitdem mußte er hier hocken . Sie wollten nur Söhne von ihm haben , dann , sagten sie , wollten sie ihn hinrichten . Wie ginge er so gerne auf die Jagd , aber er darf nicht heraus , da sieht er drüben die Hirsche am Gebirge sich sonnen , seht Ihr , wie er hinsieht , er kennt alle am Geweihe , er darf aber nicht heraus . Das hat ihn so unsinnig gemacht . « - » Aber hört er denn nicht ,