G ' richt umi und dös sag ' n , daß i koan roten Spenser it hab ' ? I hätt ' s scho glei g ' sagt , aba i hab ' mi nimmer auskennt , weil da Xaver gar so unverschämt g ' log ' n hat . Moanst it , mir soll ' n umi geh ' und dös schreib ' n lassen , daß i koan roten Spenser überhaupt it hab ' ? « » Dös hat jetzt koan Wert it . « » Net ? « » Dös ko ' st bei da Verhandlung fürbringa , da hoscht no Zeit g ' nua . « » D ' Muatta ko ' s aufweisen , und der Vater aa . « » Den laßt aus ' n G ' spiel ! « » Aba er kunnt do an Zeug ' n macha , ob er mi scho amal g ' sehg ' n hat mit an roten Spenser . « » Moanst , der stellt si mit ' n Xaver vors G ' richt ? Na , mei Liaba , und wann i du waar , redet ' i dahoam ganz weni von da Verhandlung . « » Bal d ' Weßbrunner Dirn ' so frech is und sagt , sie hat mi kennt an mein ' roten Spenser ! « Der Haberlschneider zahlte , und bald rasselte sein Wagen über das Nußbacher Pflaster . Beim Unterbräu saßen Leute am Fenster . Sie wandten die Köpfe , als sie das Fuhrwerk hörten . Einer öffnete das Fenster und pfiff gellend durch die Finger . Die anderen schrien und lachten . » Dös is da Xaver g ' wen , « sagte Ursula . » I hab ' n scho g ' sehg ' n , « erwiderte der Haberlschneider , » den Lausbuab ' n. Schaug ' it um , sinscht plärren s ' no besser ! « Er ließ seinen Schimmel einen guten Trab anschlagen und hielt fleißig Umschau , wie die Wintersaat keime . Die Ursula hielt ihren Korb auf dem Schoße und dachte darüber nach , wie ihr der Xaver jetzt allen Spott antue . Und allmählich kamen ihre Gedanken wieder auf die Weßbrunner Dirn , die gar so frech log und gewiß eine Absicht dabei hatte . Hinterhalb Pettenbach holten sie einen städtisch gekleideten Mann ein . » Dös is ja der Herr Mang , « sagte der Haberlschneider . » Öh , brr ! « Er wartete , bis Sylvester herankam . » Grüß Gott ! Mögen S ' net aufsitzen ? « » Ich dank ' schön , Haberlschneider , es is nimmer weit . « » Wie S ' moana . Nacha adje ! « Als Sylvester auf die letzte Höhe kam und Erlbach vor sich liegen sah , ging er frischer voran . Beim ersten Haus grüßte er den Weiß Flori , der im Garten arbeitete . Dann bog er in die Dorfgasse ein . Es war ihm , als hätte er seit Jahren die Heimat nicht mehr gesehen . Alles war so , wie er es vor wenigen Monaten verlassen hatte , und doch schien es ihm gänzlich verändert . Da vorne war das Schulhaus ; an der Gartentüre standen zwei Männer . Wie er näher kam , erkannte er sie ; den alten Lehrer und Herrn Sitzberger . Jetzt sahen sie ihn . Stegmüller winkte ihm ; der Kooperator aber wandte sich um und ging eilig in die Nebengasse . » Ja , Grüß Gott , Herr Sylvester ! Sieht man Sie auch mal wieder ? « » Grüß Gott , Herr Lehrer , und wie geht ' s Ihnen ? « » Wie ' s halt geht , wenn man alt ist . D ' Mutter hat ' s auch bös g ' habt , gelt ? « » War sie krank ? « » Hamm Sie das net g ' wußt ? « » Nein , kein Wort . « » Sie brauchen net erschrecken , es geht ihr schon wieder besser , aber eine Zeit war ' s net gut d ' ran . « » Ja , dann entschuldigen ... « » Ich darf Sie net aufhalten . Adieu und b ' suchen S ' mich die nächsten Tag ' ! « Sylvester eilte weg . Die Nachricht hatte ihn bestürzt . Die Mutter schrieb ihm so selten , daß er sich keinen Gedanken darüber machte , als in der letzten Zeit die Briefe ganz ausblieben . Da hatte er jetzt immer um sich gesorgt , und derweil lag seine alte Mutter schwer krank daheim . Scham und Angst überkamen ihn , und sein Herz schlug rascher , als er in das kleine Haus trat und die Stubentüre aufklinkte . » Ja , kimmst du jetzt daher ? « Die Mutter stand schwerfällig vom Stuhle auf und ging ihm entgegen . » I hab ' mir denkt , du kimmst auf ' n Abend mit der Post ? « Die Stimme hatte den alten Klang nicht mehr ; und wenn die Augen auch lachten , konnte sie doch die Müdigkeit nicht verbergen . » Mutter , warum hast du mir keine Nachricht geben ? « » Wegen der Krankheit ? Ach , geh ! Dös is scho wieder rum . Bist z ' Fuaß raus ganga , weil d ' Stiefel so staubig san ? « » Ja . Aber setz ' dich doch ! Warum hast mir nicht schreiben lassen ? « » Es is ja wieder gut wor ' n. I bin froh , daß d ' net früher kemma bist ; da hätt ' i dir gar it recht Grüß Gott sag ' n kinna . « » Von fremde Leut ' muß ich hören , daß du krank warst ! « » Es is ja nix g ' wesen . Des sell hon i scho öfter g ' habt , daß mir d ' Füaß aufg ' schwollen san . Heuer is halt a bissel stärker g ' wen . Jetzt sag amal , hast koan Hunger ? « » Nein , Mutter . Und was sagt denn der Doktor ? Darfst du schon auf sein ? « » Freili . Im Bett bin i überhaupts bloß zwoa Wochen lang g ' legen , und wenns Wetta schö g ' wen is , hab ' i mi außi setzen derfen . « - » Du schaust aber so müd ' aus . « » Dös vergeht scho . Mit sechz ' g Jahr ' bringt ma r ' a Krankheit net so schnell weg . « Die Weberin trat ein . » ' ß Good , Herr Sylvester , dös is recht , daß S ' da san . Was sagen S ' zu der Muatta ? « » So schwach kommt s ' mir vor . « » Dös hoaßt jetzt nimmer viel , aber vor drei Wocha hätten S ' as sehg ' n müassen ! « » Geh , red it a so daher ! « unterbrach sie die Mangin , » muaßt du ' s no ärger macha ? Hamm mir nix dahoam zum Essen ? Er is z ' Fuaß außaganga . « » I müaßt eahm halt an Schmarr ' n kocha . « » Dös tuast . « » Aber ich brauch ' wirklich nichts , Mutter . « » Du magst scho was . Geh zua , Weberin , und schleun ' di a bissel ! « Wie sie nun wieder allein war mit ihrem Sohn , sagte die alte Veronika : » So , Bua , jetzt setz di her zu mir ! Wia geht ' s dir denn ? Es kimmt mir g ' rad so vor , als wenn ' st no g ' wachsen waarst . Und so ernst bist wor ' n. Es feit dir do nix ? « » Nein , Mutter , was soll mir fehlen ? « » Junge Leut ' könna aa krank wer ' n , und studieren hast aa fleißi müassen . Z ' Weihnachten hast gar it hoam derfen . « Sylvester wurde rot . Da meinte die Mutter , es sei ihm doch recht warm geworden beim Gehen . Und ob er sich nicht erhitzt habe . So fragte sie ihn weiter , und aus jeder Frage klang die herzliche Freude , daß er nun dasaß , ihr gegenüber in der kleinen Stube . Sie legte ihre Hand auf die seine , und Sylvester sah traurig , wie sie abgemagert war . Aber sie wehrte seine Fragen ab und ließ es nicht gelten , daß ihre Krankheit gefährlich war . » Und bist no allaweil guat aufg ' hoben bei da Frau Rottenfußer ? Und der Herr wohnt aa no dort , von dem ' s d ' ma g ' schrieb ' n hast ? Der a Freund vom Herrn Held g ' wen is ? « Wie hätte Sylvester jetzt sein Geständnis ablegen können ? Er dachte nicht mehr daran . Über den Sorgen um die Mutter hatte er die eigenen vergessen . Und wie er nun allmählich die Hoffnung schöpfte , daß sie wirklich auf dem Wege der Besserung sei , überkam ihn ein rechtes Behagen an der Heimat . Und eines fiel ihm auf . Die Mutter erkundigte sich nach allem ; aber was sonst ihre erste Frage war , ob er nun bald die Weihen erhalte , und wie lange es noch dauere bis zur letzten , die ihn zum Priester mache , die Frage stellte sie heute nicht . Ja , manchmal schien es ihm , als vermeide sie es absichtlich , davon zu reden . Er hütete sich vor jedem Wort , das darauf hinführen konnte , und freute sich der Stunde , die ihm die Liebe seiner alten Mutter zeigte . » Und jetzt laß dir ' s schmeck ' n , Bua , « sagte sie , als die Weberin das Essen brachte . Er griff tüchtig zu . Der Marsch hatte ihm Hunger gemacht . Wie er fertig war , lachte sie fröhlich . » No , vergelt ' s Gott , Bua , an guat ' n Appetit hast allawei no . « Die Weberin mahnte sie , daß ihr der Doktor ein paar Stunden Schlaf für den Nachmittag verordnet habe , und Sylvester bat eifrig , sie müsse folgen . Er wolle im Dorf herumgehen und Bekannte grüßen . Am Abend könnten sie wieder miteinander reden . Die Mutter gab nach , und Sylvester ging . Als er durch den Garten schritt , lief ihm die Weberin nach . » Heut ' is sie guat beinand , « sagte sie , » aber Obacht muaß s ' geb ' n , hat der Doktor g ' sagt . ' s Herz is so schwach . « » Aber er sagt , sie wird wieder ? « » Ja . Bal ' s im Fruahjahr so weiter geht , ko sie si z ' sammklaub ' n , sagt er . « » Ich geh ' morgen zu ihm , und frag ' ihn selber . « » Und reden S ' der Muatta recht zu , daß s ' folgt ! Sie will ' s allawei net glaub ' n. « » Warum haben Sie mir keine Nachricht geben ? « » I hätt ' an Herrn Stegmüller bitt ' , daß er Eahna schreibt , aber sie hat ' s durchaus net erlaubt . « » Hat sie Schmerzen ausstehen müssen ? « » G ' sagt hat s ' nix . Sie is überhaupts so dasig g ' wen . « » Müd ' sieht sie aus . « » Gel ? So verzagt ! D ' Bäcker Ulrich Marie moant , de Nachricht , wo ihr der Herr Sitzberger geb ' n hat , hätt s ' so verzagt g ' macht . « » Welche Nachricht ? « » I bin net dabei g ' wen , natürli . Aber von Eahna soll er g ' red ' t hamm . « » Von mir ? « » Ja , daß Sie nimmer geistli wer ' n. « » Das hat der Herr Kooperator gesagt ? « » I hab ' s selm net g ' hört , aber er is öfter im Haus g ' wen und d ' Bäcker Ulrich Marie sagt , sie woaß ' s g ' wiß . « » Und was hat meine Mutter g ' sagt ? « » Zu mir nix . Sie hat bloß so für si hin g ' redt , aber staad , daß i nix g ' hört hab ' . Is denn dös wahr , bleib ' n Sie net dabei , Herr Sylvester ? « Die Weberin erhielt keine Antwort . Sylvester ging weg , stillschweigend und ohne Gruß . Jetzt wußte er , daß seine Mutter mit Absicht die Frage vermieden hatte . Wollte sie an der Hoffnung festhalten und sie nicht zerstören lassen ? Und meinte sie , das sei nur eine vorübergehende Laune von ihm , und wenn man nicht davon rede , komme er selbst davon ab ? Der Gedanke ließ ihn nicht los . Ohne es zu merken , ging er zum Dorfe hinaus , immer weiter die Weblinger Höhe hinauf . Da setzte er sich auf den Rasen und blickte herum . Hier war er vor Jahren mit seinem Freunde gestanden . An dem schönen Sommertag . Er sah wieder alles lebendig vor seinen Augen . Wie sich die Halme im Winde beugten , und wie der alte Held so fröhlich auf den reichen Segen blickte . Und er hörte die leise Stimme neben sich . » Heute verstehst du mich nicht , parvule . Später einmal , wenn du weißt , daß aus dem Fluche ein Segen wurde . Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen . « Lag nicht Reue in seinen Worten ? Hatte nicht der Alte am Abend seines Lebens gemeint , es wäre ihm besser gewesen , wenn er seine Tage in Arbeit verbracht hätte ? Sylvester holte tief Atem . Ihm selber drückten die Worte eine Sehnsucht aus , über die er nicht mehr Herr werden konnte . Er wußte , daß er mit schaffen wollte . Daß er kein Glück darin fand , wie ein Fremder neben den Menschen zu wandeln , über ihren Mühen und Sorgen zu stehen und sie zu vertrösten auf eine andere Welt . Nicht unehrerbietig dachte er darüber . Aber sein Herz schlug dem Leben entgegen , und nichts in ihm redete von Verzichten . Hier , so mitten in der Heimat , stand ihm der Entschluß klar vor der Seele ; losgelöst von heimlichen Gedanken . Nicht ungewisse Hoffnungen durften ihm die Zukunft gestalten . Er handelte frei und tat das Notwendige . Und das wußte er hier . Sylvester stand auf . Die Bangigkeit hatte er überwunden . Er dachte nicht mehr daran , zögernd um die Wahrheit herumzugehen , als hätte er Schlechtes im Sinne . Gewiß mußte er Rücksicht haben auf seine alte Mutter . Aber die zu allererst , daß er offen mit ihr redete . Er trat rüstig den Heimweg an . Vor dem Dorfe holte er einen Mann ein , der hinter seinen Pferden herging . » Grüß Gott , Schuller ! Alleweil g ' sund ? « » Tuat ' s scho . « » Wie geht ' s daheim ? « » Muaß scho toa . « Sylvester wunderte sich über den abweisenden Ton . Er war in früheren Zeiten häufig beim Schuller eingekehrt . » Die Ursula hab ' ich heut ' g ' sehen , « begann er wieder . » Sie is an mir vorbeig ' fahren . « » So ? « » Was haben Sie denn , Schuller ? « » Nix . Derf i Eahna an Rat geb ' n , Herr Mang ? Gengan S ' alloa und lassen S ' Eahna mit mir net sehg ' n. Mir passen net zuanand . « » Ich versteh ' Sie nicht . « » Sie wer ' n mi scho no versteh ' . I bin so oana , dem a Geischtlicher aus ' n Weg geh ' muaß . Und Sie g ' hören do dazua . « Er hielt die Pferde an und machte sich am Geschirr zu schaffen . Sylvester ging kopfschüttelnd weiter . Die Mutter hatte ihm einmal geschrieben , daß es beim Schuller Verdruß gegeben habe , und daß er als Bürgermeister hätte abdanken müssen . Damals hatte er flüchtig darüber weg gelesen . Jetzt erinnerte er sich daran . Aber warum war der Schuller so unfreundlich gegen ihn ? Das verstand er nicht . Es brannte schon Licht in der Stube , als er heimkam . Die Mutter saß am Tische und lachte ihm freundlich zu . Er schaute sie ängstlich an . Beim Kerzenschein sah ihr Gesicht leidender aus als am Tage . Und er fragte sie : » Hast du gut g ' schlafen ? « » Ja , ganz guat . Und wo bist du derweil g ' wen ? « » Auf der Weblinger Höh ' . « » Hast koan B ' suach g ' macht ? Beim Lehrer ? « » Nein , ich bin lieber ins Freie hinaus . « » Da hast recht g ' habt . ' s Wetter is ja so schö . « » Du , Mutter , ich muß dich was fragen . « » Was nacha ? « » Der Kooperator hat dir was erzählt von mir ? « » Woher woaßt du dös ? « » D ' Weberin hat mir ' s g ' sagt . « » De hat do ihre Ohr ' n überall ! « » Aber es ist wahr ? « - » Ja . « Beide schwiegen , und es war still in dem kleinen Zimmer . Nur die Uhr hörte man ticken . Nach einer Weile sagte die Mutter : » Magst it wart ' n bis nach ' n Essen ? Sunst kimmt d ' Weberin wieder eina , und de paßt oamal z ' viel auf . « » Hast du noch nicht gegessen ? « » I scho . I kriag bloß a Supp ' n auf d ' Nacht . Aber du ! « » Ich kann nichts essen . « » Nacha sag ' s der Weberin . Sie is in der Kuchel . « Sylvester ging hinaus . Als er zurück kam , saß die Mutter unbeweglich und schaute nachdenklich in das Licht . » Er hat dir erzählt , daß ich nicht mehr dabei bleiben will ? « » Dös hat er g ' sagt , ja . Und daß du heirat ' n willst , und daß d ' Musiker werst und zum Theater gehst . « » Wie kann er so lügen ? « » Net so laut ! D ' Weberin hört ins . « » Ja , und du , Mutter ? « » I hon net all ' s glaabt , g ' rad , weil er so viel daher bracht hat . « » Nicht alles , aber das vom Weggehen ? « » Dös scho . Weil i ' s schon lang ' kennt hab ' , daß ' s di net freut . « » Du hast das g ' wußt ? « » Ja ; wia ' s d ' im Herbst dag ' wen bist , hon i ' s kennt . Und davor scho . Du hoscht oft so g ' spaßig drei g ' schaugt , wenn i g ' red ' t hab ' , wia ' s amal werd . Und du hoscht mir nia recht o ' geb ' n. « » Warum hast du nie was g ' sagt ? « » Ja mei ' ! Selbig ' smal hon i ' s glaabt , und hon ' s net glaabt . I hab ' mi selber vertröst ' und hab ' mir denkt , du b ' sinnst di vielleicht wieder anderst . Nacha hat mir da Herr Sitzberger dös g ' sagt . « » Hast d ' dich in deiner Krankheit so kümmern müssen ! « » Nix leicht ' s war ' s mir it , Bua ! Aber je mehra , daß i d ' rüber nachdenkt hab ' , desto besser hon i ' s ei ' g ' sehg ' n , daß dös erst recht nix waar , wenn ' s d ' net gern dabei waarst . Jetzt is ' s no koa Sünd ' , bal ' s d ' weggehst . Aber danach waar ' s oane , wenn ' s d ' amal ausg ' weiht waarst . « Sylvester schwieg . Da war nun die Stunde , die er so lange gefürchtet hatte . Und seine Mutter machte ihm keine Vorwürfe . Er hatte die Freiheit gewonnen ohne Kampf . Und er konnte sich nicht darüber freuen . Die schlichten Worte erschütterten ihn . Wie manche Nacht hatte die alte Frau keinen Schlaf gefunden , bis sie ihrem Herzenswunsch entsagte ! Und jetzt sagte sie nur , es sei ihr nicht leicht geworden . Sie unterbrach die Stille . » Warum hoscht net früher was g ' sagt ? « » Ich hab es selber nicht gewußt . Das ist so gekommen , nach und nach . « Er griff nach ihrer Hand , und sie ließ sie ihm . » Schau , Mutter ! Ich wär ' dabei geblieben , dir zulieb . Aber es geht nicht . Ich kann nicht . « Er legte den Kopf auf den Arm und weinte . Sie zog sachte ihre Hand aus der seinen und strich ihm liebkosend über das Haar . » Geh , Bua ! « Aber sie ließ ihn gewähren und dachte , das täte ihm gut . Junge Leute weinen sich die Sorgen und Schmerzen weg . Als Sylvester sich wieder aufrichtete , sagte er noch einmal : » Dir zulieb ' hab ' ich dabei bleiben wollen . « » Dös hätt ' i gar it mög ' n. Wia ' r i so da g ' leg ' n bi , hon i oft denkt , du bleibst am End ' dabei , so lang i leb ' , und bal i amal g ' storb ' n waar , gangst du weg . Dös hätt ' mir koa Ruah it lassen . « Und dann fragte sie : » Was hoscht nacha jetzt im Sinn ? « Sylvester erzählte ihr von seinen Plänen . Erst stockend und unsicher . Allmählich wurde er lebhaft . Die Freude an der tätigen Zukunft regte sich , und er schilderte sie in rosigen Farben . Er komme schon bald zum Verdienst , sagte er . Der alte Schratt habe ihm eine Stellung verschafft in einem großen Handelshause in Frankfurt . Das habe Niederlagen in allen Ländern , und wer sich tüchtig zeige , komme bald vorwärts . Und wie wollte er arbeiten ! Keine Mühe sollte ihm zu viel sein , und je mehr es zu schaffen gäbe , desto lieber wäre es ihm . Er könne die Zeit kaum mehr erwarten , und er wolle der Mutter beweisen , daß sie der Entschluß nicht reuen dürfe . In zwei , drei Jahren wäre er so weit , daß er sie unterstützen könne , viel leichter , als wenn er Geistlicher würde . Die müßten warten , bis sie an die Reihe kämen , aber in einem solchen Geschäft brächte einen die Arbeit vorwärts , und weil er das wisse , sei ihm keine Arbeit zu viel . Die Mutter hörte ihn aufmerksam an . Sie konnte sich nicht alles zurecht legen und sah den Weg nicht klar vor sich , den er gehen wollte . Aber sein Eifer überzeugte sie , und sie ging daran , sich ein neues Bild von der Zukunft auszumalen . Im goldgestickten Gewande würde ihr Sylvester nicht vor dem Altar stehen , und in einem Pfarrhof würde er nicht sitzen . Das war vorbei . Aber einen großen Kaufladen würde er haben , einen größeren noch , als der Kramer Schießl in Nußbach . Bei dem es nach der Kirche immer gesteckt voll war , und der sich das Geld haufenweise verdiente . Und das war doch wahr . Bis einer Pfarrer würde , dauerte es lange , und als Kooperator hatte einer kaum genug zum Leben und mußte sich um sein Essen mit den Pfarrerköchinnen streiten . Wenn man alles betrachtete , hatte ihr Sylvester eigentlich das bessere Teil erwählt . So gewann ihre Vorstellung allmählich Form und Gestalt , und sie unterbrach den Eifrigen mit Fragen . Ob der Frankfurter Kramer ihn schon bald in ein Geschäft setzen würde ? Und an einen größeren Ort , vielleicht wie Nußbach oder Pfaffenhofen ? Und an einem schönen Platz neben der Kirche ? Weil solche Geschäfte den besten Besuch haben . Und zuletzt fragte sie : » Was is nacha dös für a Madel ? « » Welches Mädel ? « - » No dös , wo der Herr Kooperator g ' sagt hat , daß du heirat ' n sollst . « Sylvester wurde rot bis über die Ohren und lachte verlegen . » Geh , Mutter ! Was dir der g ' sagt hat ! « » Da Herr Stegmüller hat aber aa ' r amal a solchene Andeutung g ' macht . « Sylvester sah , daß seine Mutter ernsthaft an diese Sache gedacht hatte , und er meinte , sie habe es wohl verdient , daß er ihr alles Vertrauen schenke . Und er erzählte ihr , wie er das Mädchen kennen gelernt hatte , wie gut und brav es sei , wer die Eltern wären , und wie er in dem Hause aufgenommen wurde . Aber er habe nicht ans Heiraten gedacht , sagte er ; denn eine solche Hoffnung wäre ganz töricht . Die Mutter hörte zu und sagte nichts . Sie ergänzte im stillen ihr Bild . Und darin stand jetzt Sylvester im Kaufladen des reichen Herrn Sporner als Schwiegersohn und als der Mann der einzigen Tochter , der einmal alles erben und kriegen mußte . » Es wird no alles recht wer ' n , Bua ! « sagte sie . » Und jetzt gut ' Nacht ! « Achtzehntes Kapitel Am Gründonnerstag kamen drei lustige Soldaten ins Dorf . Der Zwerger Jackl und ein Knecht vom Lochmann und dem Schuller sein Ältester . Sie marschierten singend die Nußbacher Straße herein , und wenn ihnen ein Mädel in den Weg kam , schrien sie ihm kecke Worte zu , wie man sie beim Militär lernt . Beim Zwerger nahmen sie kurzen Abschied voneinander , und der Schuller Sepp ging im Gschwindschritt heim . Als er nahe am elterlichen Hause war , dachte er , es wäre ein guter Spaß , wenn er seine Leute überrasche . Er schlich um den Stadel herum und schaute zur Küche hinein . Die Mutter stand drinnen am Herd und färbte Ostereier , rote und gelbe . Sie nahm sie vorsichtig aus der Pfanne und legte sie in eine Schüssel . Da klopfte der Sepp ans Fenster , und sie fuhr erschrocken zusammen . » Jessas , aber du hoscht mi derschreckt ! « Er lachte , daß man alle Zähne sah . » Servus ! Da kumm i g ' rad recht zu die Osteroar . Gib no glei a paar her , Muatta ! « » Geh no z ' erscht ganz eina und sag mir Grüaß Gott ! « » Ja , was moanst denn , wia ' r i Kohldampf schiab ! « » Laß di amal o ' schaug ' n mit der Uniform ! Broater bischt wor ' n. « » Dös kimmt vom G ' wehr schmied ' n ; dös treibt oan ausanander . « Die Schullerin sah mit rechter Zufriedenheit auf ihren Sohn . Er war um ein weniges kleiner als der Vater , aber seine Schultern waren breiter , und wie ihm die blitzblaue Uniform prall ansaß , war er ein Bild von derber Kraft . Und das frische , kecke Wesen stand ihm gut . » Jetzt gib ma glei a paar Osteroar , weil i ' s so guat troffen hab ' , « wiederholte er . » Muaßt denn du g ' farbte hamm ? De g ' hören zu der Weich . « » So lang ' kann i net wart ' n. I friß de mein ung ' weicht . « » Da nimm da halt oa ! « Sie schob ihm die Schüssel hin , und er holte sich etliche heraus . » Wia lang ' hast denn Urlaub , Sepp ? « » Sieb ' n Tag . Am Mittwoch muaß i wieder ei ' passier ' n. « Er kaute mit vollen Backen . » Wo is denn der Vata ? « fragte er . » Er is it dahoam . « » Was ? Er werd do it arbet ' n an die Kartäg ? « » Na , er is zum Haberlschneider umi . Da Herr Mang is do g ' wen , und nacha san s ' mitanand furt . O mei , was da scho wieder geb ' n werd ! « setzte sie hinzu . Sepp überhörte ihren Seufzer . Er klopfte ein Ei an der Tischkante auf . » Und d ' Urschula ? Daß dir de it hilft ? « » Sie is beim Kind droben . « Sepp tauchte das Ei ins Salz