als ob er mit einem unzeitigen Lachen zu kämpfen habe . Ich konnte beide nicht sehen , wußte aber , daß ich ihn an seiner Sprache sofort erkennen würde . Er sprach die gutturalen Spiranten mit mehr als gewöhnlicher kurdischer Schärfe aus und hatte ein so uvular schnarrendes Rrrrrr , als ob er an einer bösartigen Zäpfchenkrankheit leide . » Ich weiß sogar , weshalb er diesmal kommt , « fuhr er fort . » Er will mit dem Ustad sprechen , und weil dieser nicht hier ist , mit dem fremden Effendi , da es nicht aufzuschieben ist . Ich ahnte nichts von der Anwesenheit dieses Stellvertreters , und es hat sich erst zu zeigen , ob sie gut oder nicht gut für uns ist . Dein Aschyk muß unbedingt als Gast im Hause des Ustad aufgenommen werden . Es war bezweckt , er solle in den Räumen wohnen , welche euer Herr sein Grab zu nennen pflegt . Leider habe ich von diesem Tifl erfahren , daß dort der Fremde aufgenommen worden ist . Dafür sind aber nun die eigenen Stuben des Ustad frei geworden , und es würde uns genügen , wenn dein Aschyk nun wenigstens doch diese bekäme . Du bist die Herrin dieses Hauses , Pekala . Das weiß ich ganz genau . Und deiner Freundlichkeit kann Niemand widerstehen . Dein Aschyk wird den Effendi unbedingt bewegen , ihn bei sich aufzunehmen , aber wo ! Ich hörte , daß du diesen Mann durch deine Holdseligkeit ganz für dich gewonnen habest . Nun sag : Glaubst du , ihn bewegen zu können , den Beglücker deines edlen Frauenherzens in den Räumen des Ustad wohnen zu lassen ? « » Sogleich , sogleich wird er es mir erlauben ! « jubelte sie so unvorsichtig auf , daß er ihr in schnellem Zorne befahl : » Schweig , unvorsichtige Katze ! Dein falsches Maul hat schon genug verraten ; mich aber soll es nicht - - - « Er hielt mitten im Satze inne und fuhr mit vollständig verändertem Ausdrucke fort : » Mein Herz begreift die Größe deines Glückes , den Aschyk als geliebten Gast hier bei dir zu haben , du treue , schöne Blume seines Lebens , aber ich bitte dich , dieses Glück tief und schweigsam in dich zu verschließen , bis die ersehnte Zeit gekommen ist , in welcher du es nicht mehr zu verheimlichen brauchst ! Du weißt ja , daß das Leben des Aschyk von deiner Verschwiegenheit abhängt , und das deinige wahrscheinlich auch ! « » Chodeh ! Auch mein Leben ? Mein eigenes ? « fragte sie erschrocken . » Ja . Seine Feinde sind auch die deinigen , und wenn sie ihn töten , können sie dich nicht leben lassen ! « » Wer aber sind sie denn ? Er hat sie mir noch nie genannt . « » Um den Blick deiner strahlenden Augen nicht zu trüben , der ihm über alles Andere geht . Darum schweige auch ich . Dein Herz soll rein und unbefangen bleiben . Den Ustad kenne ich , doch den Effendi nicht . Was ist er für ein Mann ? Welcher ist der klügere von beiden ? « » Kein Mann ist klug . Man hat sie alle zu erziehen . Ich habe da eine ganze Menge von Geheimnissen , die ich den meisten Menschen nicht sage , denn ich denke , daß sie es verraten . Zu dir aber habe ich Vertrauen . Darum will ich dir eines davon mitteilen : Der Ustad ist mir lieber als der Effendi . « » Aus welchem Grunde ? « » Weil der Effendi mich fortjagen will . « » Warum ? « » Wenn ich es Jemandem verrate , daß er mit meinem Aschyk sprechen wird . « » Oh Allah , welche Dummheit sondergleichen ! Und so ein Weib will Männer erziehen und - - - « Wieder brach er mitten im Satze ab , um sie nicht zu beleidigen . Dieser Mann verstand es nicht , sein Temperament zu beherrschen . Oder nahm er sich nur deshalb nicht besser in acht , weil er wußte , es mit einer » leeren Null « zu tun zu haben ? Wie freundlich und gelassen klang es dagegen , als er fortfuhr : » Fühlst du denn nicht , daß dieser Effendi dafür nicht zu tadeln , sondern zu loben ist ? Ich weiß , daß du einen scharfen Verstand besitzest . Du wirst also einsehen , daß er nur in der besten Absicht Verschwiegenheit gefordert haben kann . Auch ich bitte dich , nichts zu verraten . Er konnte dir nur drohen , dich fortzujagen ; ich aber weiß , daß es dein sicherer Tod ist , wenn du plauderst . Die Feinde deines Aschyk sind erbarmungslos , besonders gegen dich . Darum hüte dich , und schweig ! Ich habe von diesem Effendi schon oft gehört , werde ihn aber heut zum erstenmale sehen . Ist er gutmütig ? « » Sehr ! « » Scharfsinnig ? « » Ganz und gar nicht ! Er glaubt Alles , was man sagt ! « » Kennt er die hiesigen Verhältnisse ? « » Nein . Da ist mein Tifl hundertmal gescheiter ! « » Wie steht es mit seiner Religion ? « » Der hat gar keine . Es gibt hier gewiß Niemand , der ihn schon einmal beten sah . « » Ist er ein schöner Mann ? « Sie schwieg , wahrscheinlich um über diese Frage nachzudenken . Der sie aussprach , war ganz gewiß kein schlechter Menschenkenner , und die Köchin ahnte nicht , was er mit dieser höchst überflüssig erscheinenden Erkundigung eigentlich bezweckte . Dann antwortete sie : » Er ist nicht schön und auch nicht häßlich . Er hat ein ganz gewöhnliches Gesicht . Ich glaube , wenn er kein Fremder wäre , würde man ihn gar nicht beachten . « » Maschallah ! Das klingt nicht gut ! Mir wäre es lieber , du hättest ihn schön genannt . Doch antworte mir weiter : Hat er Eigentümlichkeiten ? In der Stimme , in der Sprache , in der Haltung , im Gange oder sonst irgendwie ? « » Nein , gar nicht . Er ist ein Mann wie alle andern Männer . Du brauchst dich ganz und gar nicht vor ihm zu fürchten . Er ist nicht halb so vornehm wie du ! « » Woher weißt du das ? « » Ich sehe es dir an . Du brauchst nur andere Kleider anzulegen , so ist der Pascha fertig ! « » Meinst du , meine liebe Pekala ? « Das klang geschmeichelt . Der Mann war also eitel ! Das bestätigte sich durch seine folgenden Worte : » Ich muß jetzt fort und sage dir , daß du mir gefallen hast . Ich möchte dir das durch ein Geschenk beweisen , welches ich dir durch deinen Aschyk sende . Ich weiß , du liebst den Schmuck und schöne Kleider , die du einstweilen in den Ruinen aufbewahrst , bis bessere Tage kommen . Wünsche dir Etwas ? « » Sehr gern ! Aber was ? « fragte sie da schnell . » Was du willst ! « » Ja , bist du arm oder reich ? « » Wünsche nur ! Dann sage ich dir , ob du es bekommst oder nicht ! « Das klang wieder so kalt , so gebieterisch , als ob er sie nicht soeben seine » liebe Pekala « genannt hätte . Dieser Mann wurde mir immer interessanter . » Schicke mir eine goldene Naddara37 ! « bat sie in ihrem süßesten Diskante . » Eine Naddara ? Wozu ? « fragte er erstaunt . » Es sieht so vornehm aus und so gelehrt . Ich sah in Isphahan sehr oft eine Madama aus Rußland . Die hatte stets zwei Gläser vor den Augen , wenn sie aus der Sänfte stieg . Das war so stolz . Man konnte sie für die Kaiserin von Rußland halten . Darum will ich auch eine Naddara . Aber von Gold muß sie sein , sonst nicht ! « » Weib , du bist verrückt ! Es wohnt ein böser und dabei ungeheuer lächerlicher Geist in dir , den ich zerdrücken werde , sobald - - - « Er wurde in diesem Ausbruche des Zornes , der zugleich verächtlich klang , unterbrochen . Tifl kam und meldete : » Der Scheik ul Islam sendet mich . Er läßt dich bitten , zu kommen . Ich führe dich . « » Sogleich ! « gab der Andere streng zurück . Und ebenso streng oder noch strenger klang es weiter : » Du sollst die Naddara haben , Pekala , und zwar eine so scharfe , daß dir die Augen übergehen ! Der Effendi hat Recht gehabt mit der Verschwiegenheit . Auch ich fordere sie von dir , von Euch . Für den Verrat gibt es weiter nichts als nur den Tod . Das merke , Tifl , du auch dir ! Und nun führe mich zu meinen Leu - - - zum Scheik ul Islam , doch ohne daß man merkt , wo ich jetzt war ! « Er ging mit Tifl fort . Dann hörte ich , daß auch Pekala sich entfernte . Wer er war , das wußte ich nun . Er hatte es selbst verraten , und zwar durch das nur halb ausgesprochene Wort : » Führe mich zu meinen Leu - - - . « Leuten hatte es heißen sollen . Er war der Scheik ul Islam selbst , und der Andere , der nach ihm geschickt hatte , sollte diese Rolle mimen . Ich wartete nur ganz kurze Zeit , dann verließ ich meinen Platz , schob mich zwischen den Tamarisken wieder hinaus , und als ich sah , daß Niemand hier war , ging ich nach dem Garten und durch diesen auf den Hof . Da standen die Pferde der Perser , die Diener dabei . Auf den Stufen lehnte Tifl an einer der Säulen ; an einer andern der kurdisch gekleidete Reiter des Hellbraunen mit den weißen Vorderstiefeln . Beide sprachen miteinander und sahen nicht , woher ich kam . Ich grüßte die Reitknechte freundlich und blieb bei den Pferden stehen , um sie zu betrachten . Ich wünschte aber nicht , für einen Kenner gehalten zu werden , und verhielt mich also dementsprechend . Da sah mich Tifl und machte den Kurden auf mich aufmerksam . Dieser schaute zu mir her und betrachtete mich scharf . Er war von hoher , schön gebauter Gestalt . Sein lang herabwallender , grauer Vollbart war sehr , sehr dünn , als ob die Natur nicht genug guten Willen vorgefunden habe , das auszuführen , was sie wollte . Er sah , daß ich bei den minderwertigen Pferden länger verweilte , als bei den guten , und an dem Stiefelbraunen so gleichgültig vorüberging , als ob er ein ganz gewöhnlicher Gaul sei . Da machte er eine Bemerkung gegen Tifl , die jedenfalls keine hochachtungsvolle war , denn er warf dabei den Kopf verächtlich nach hinten auf die Seite . Auch die Diener lächelten über mich , wenn auch nicht so auffallend , daß ich es hätte bemerken müssen , wenn ich nicht besonders aufgepaßt hätte . Mir war das recht . Je weniger man uns zutraute , umsomehr hatte man dann zu bereuen . Als ich nun langsam auf die Stufen zuschritt , stand Kara Ben Halef auf , der oben auf dem Dache der Halle gesessen hatte . Er rief mir seinen Morgengruß herab . » Komm herunter , Kara ! « forderte ich ihn auf . » Ich höre , daß der Scheik ul Islam gekommen ist . Auch du sollst ihn begrüßen . « Ich sagte das so laut , daß man es in der Halle hören mußte . Meine Absicht war , der Pedehr möge kommen . Sie wurde erreicht . Er erschien sogleich , kam sämtliche Stufen zu mir herunter und meldete mir den Besuch in ganz der Weise , als ob ich nichts davon gewußt habe . » Du kennst den Scheik ul Islam also nicht persönlich ? « fragte ich ihn halblaut , und wendete mich dabei so ab , daß Tifl und der Kurde meine Worte nicht verstehen konnten . » Nein , « antwortete er . » Welcher Dschamiki hat ihn schon gesehen ? « » Ich weiß keinen . Der Scheik ul Islam war früher in Feraghan und wurde erst vor noch nicht einem Jahre in die Nähe seines Stammes versetzt . Nur der Ustad kennt ihn genau . Er ist nicht so bescheiden , wie ich dachte , aber höflich . Daß der Ustad verreist ist , hat er erst in unserem Grenzduar erfahren . « Während er das sagte , deutete er mit der Hand nach dem Tempelberge hinüber , um glauben zu machen , wir redeten von etwas vollständig Unverfänglichem . » Wer ist der Kurde , welcher bei Tifl steht ? « erkundigte ich mich noch . » Der Katib38 des Scheik ul Islam . Er hat bei ihm an seiner Seite zu sitzen , doch blieb sein Platz bisher leer . « » So komm ! « Wir gingen die Stufen hinauf . Da kreuzte der Katib die Arme und verbeugte sich höflich lächelnd vor mir . » Der Morgen sei dir gesegnet ! « grüßte ich , indem ich ihm freundlich zunickte . » Und dir der ganze Tag ! « antwortete er . Ah , diese Stimme ! Und dieses uvulare Schnarren ! Er war es , der mit Pekala gesprochen hatte , also der Scheik ul Islam ! Er kam gleich hinter uns her und begab sich nach seinem Platze . Die Perser standen auf , als ich erschien , verbeugten sich sehr höflich und blieben hierauf stehen , um meine Anrede zu erwarten . Ich ging bis auf die von der Sitte vorgeschriebene Entfernung auf sie zu , breitete die Arme aus , verbeugte mich , verschlang sie auf der Brust , verbeugte mich wieder , breitete sie mit einer dritten Verbeugung abermals aus , ließ sie hierauf sinken und erhob nur die rechte Hand , um eine verbindliche Geste zu machen und dabei zu sagen : » Der Mensch kennt nie das Glück des nächsten Tages . Allah allein weiß , was er senden will . Ist er es , der uns mit euch überrascht , so habe ich ihm zuerst und dann auch euch zu danken . Vor dem Scheik ul Islam gibt es nie verschlossene Türen , denn Allah will , daß sein Priester überall nur Freude bringe . Setzt Euch , und weilt , so lange es Euch beliebt ! « Sie verbeugten sich , wie eingeübte Statisten , und der Träger des Riesenturbans sprach : » Der Scheik ul Islam bin ich , Effendi . Du sollst erfahren , wer meine Begleiter sind . « Indem er auf jeden Einzelnen deutete , sagte er Namen und Stand desselben . Die geistlichen Herren nannte er vorerst , die Offiziere hinter ihnen . Es war ein Ahalyj-y-Dschennet39 , ein Wehlijullah40 , ein Imam-y-Dschuma41 , ein Särtib-y-Aewwäl42 , ein Särtib-y-Duwwum43 , und zuletzt kam noch der Schreiber ! Man sieht , der Glanz war da . Ich verbeugte mich vor Jedem , wie auch er sich vor mir ; dann setzten wir uns nieder . Die hohen Herren bildeten eine Linie . Nur der Schreiber saß ein wenig zurück , neben dem Scheik ul Islam . Er raunte ihm sehr häufig zu , was er sagen solle . Zwar suchte er die Bewegung seiner Lippen unter dem Barte zu verbergen , doch war dieser so dünn , daß ich sie doch bemerkte . Ich saß grad vor ihnen , rechts von mir der Pedehr , links der Chodj und etwas zurück Kara Ben Halef . Die ersten beiden hatten sich den Persern schon vorgestellt . Kara konnte ich gelegentlich nennen . Ich schwieg , denn ich hatte meine Pflicht getan , und nun erforderte es die Höflichkeit , den hohen Gast beginnen zu lassen . Er ließ auch gar nicht auf sich warten . » Ich bin gekommen , mit dem Ustad der Dschamikun zu sprechen , « sagte er . » Mein Wohlwollen leuchtet über ihm . Da hörte ich , er sei verreist und ein Effendi aus dem Abendlande vertrete seine Stelle . Ich kenne weder dich noch deine hohen Würden und Titel und möchte doch nicht , daß ich dir etwas vorenthalte . Darum verzeihe mir , wenn ich vor allen Dingen einige Fragen ausspreche . Welchen geistlichen Rang bekleidest du daheim in deinem Lande ? « » Keinen , « antwortete ich . » Welche hohe militärische Charge führest du ? « » Keine . « » So nenne deinen Rang bei der Regierung deines Volkes ! « » Ich habe keinen . « » Aber was bist du sonst ? Was hast du dann ? « » Ich bin nur ich und habe nur mich , sonst weiter nichts . « Die Absicht , in welcher er seine Erkundigungen ausgesprochen hatte , war leicht zu durchschauen . Ich sollte mich ihm gegenüber so klein wie möglich fühlen ! Direkte Unhöflichkeiten aber sucht der gebildete Perser so viel wie möglich zu vermeiden . Darum warf er mir zwar einen sehr deutlich mitleidigen Blick herüber , fuhr aber in gütigem Tone fort : » Du hättest verschweigen können , daß du so gar nichts bist . Ja , du hättest dir hohe Ehren beilegen können , ohne daß wir an Lüge denken durften . Du bist aber wahr und offen gewesen , und das hat dir bei uns diejenige Achtung gewonnen , die Jedem gebührt , der sich zu lügen scheut . Unsere Würden sind unveräußerlich . Indem wir zu dir niedersteigen , nehmen wir sie mit herab zu dir und ehren dich durch sie . Aber wir möchten doch gern wissen , wie weit die Vollmacht reicht , welche der Ustad dir erteilte . « » Diese Vollmacht ist die volle Macht . Es ist genau , als ob er selbst vor Euch säße . « » Du kannst über Alles entscheiden , wenn es dir beliebt ? « » Ja . « » Und er wird es bestätigen ? « » Unbedingt . « » So freut es mich , dir mitteilen zu können , welch ein großes , reiches Geschenk ich Euch heut mitbringe . Schon als ich noch in Feraghan war , hörte ich von den Dschamikun sprechen und lernte ihren Ustad am Hofe des Schah-in-Schah kennen . Seit ich mich nun in Chorremabad befinde , habe ich Euch unausgesetzt beobachtet . Ihr strebt nach hohen Zielen . Ihr wollt die Menschen nicht erst dort , sondern auch schon hier glücklich sehen . Und Ihr greift zum besten Mittel , dieses Ziel zu erreichen . Ihr hebt das Volk empor durch guten Unterricht und haltet in jeder Beziehung , auch im Glauben , mit allen Menschen Frieden . Wenn jeder Stamm das täte , so wie Ihr , dann würde es wohl bald den längst ersehnten achten Himmel geben , den Himmel Allahs hier auf dieser Erde ! In andern Ländern wird ein solches Bestreben , wie das Eurige ist , verfolgt . Wer Anteil nimmt , muß der Feindschaft unterliegen . Die Priesterschaft verdammt jeden Andersgläubigen und will nichts vom religiösen Frieden wissen . Und wer hoch steht , der haßt die Aufklärung des Volkes , weil sich nur Dumme dumm regieren lassen . Bei uns in Persien aber ist das anders . Wir wissen , daß es nicht nur einen Himmel gibt , und wollen alles Volk durch Schulen und Moscheen zur Ueberzeugung bringen , daß Jedermann des Andern Bruder ist . Bei uns gibt es also keine Verfolgung , sondern Unterstützung . Wir hassen nicht ; wir lieben . Hältst du das für richtig ? Oder nicht ? « » Ich stimme vollständig bei , « antwortete ich . » Das habe ich erwartet ! Es beweist mir , daß du würdig bist , den Ustad zu vertreten . Ich sagte , daß ich nicht verfolge , sondern unterstütze . Ich weiß , was er von seinen Widersachern erduldet hat . Sie taten Alles , um ihn zu vernichten . Ich aber komme , um ihn zu erheben . Ich will diesen Feinden zeigen , wer der Mann ist , den sie einst von sich stießen . Er soll ein Arbeitsfeld bekommen , welches seiner würdiger ist , als dieses kleine , rings von Gegnern eingeschlossene Gebiet der Dschamikun . Ich will ihm viele Tausende zu Untertanen machen , die er auf seinen Wegen zu seinen Zielen führt . Ich bringe ihm Gewalt und hohe Ehre , viel größer noch , als er sich jemals träumen lassen konnte . Sein Ruhm , sein Glück liegt hier in meiner Hand . Soll ich sie wieder an mich ziehen , ohne daß du nach ihr greifst , Effendi ? « Er hatte mir die Hand mit einer unendlich herablassenden Gebärde entgegengestreckt . Ich ließ ein sehr dankbares Lächeln sehen und antwortete : » Warum sollte ich eine so gütige Hand von mir stoßen ? Aber du sagtest mir noch nicht , welche Gabe es ist , die du für den Ustad bringst . « » So bist du also bereit , sie anzunehmen ? Wohlan , so sollst du es erfahren . Weißt du , daß ich ein Sohn der frommen Takikurden bin , die unverrückt auf Allahs Pfaden wandeln ? « » Ja . « » Und weißt du auch , daß dieser Stamm die schönsten Berge , die fettesten Weideplätze unsers Landes besitzt ? Daß dieser ihr Besitz von allerhöchstem Werte ist , weil er die größte strategische Bedeutung hat ? « » Auch das weiß ich . « » Nun , dieses reiche Gebiet mit Allem , was darauf wohnt und lebt , soll von heute an in die Hand des Ustad übergehen . « » In welcher Form ? « » Er soll der Ustad nicht nur der Dschamikun , sondern auch der Takikurden sein ! « Er sagte das langsam und mit ganz besonderer Betonung . Seine Begleiter ließen Ausrufe des Staunens und der Beteuerung hören , daß so ein Geschenk ein ganz außerordentliches sei . Er nickte ihnen wichtig zu und fuhr fort : » Ja , noch mehr , noch mehr : Der Stamm der Takikurden soll mit dem Stamm der Dschamikun vereinigt werden , und zwar unter dem ganz vortrefflichen Namen der Taki-Dschamikun . Und diese Vereinigung soll sich in der Hand und unter der Aufsicht des Ustad vollziehen . Er wird der Gebieter dieses neuen Stammes sein , den dann an Macht und Einfluß ganz gewiß kein anderer erreichen dürfte . Was sagst du zu diesem meinem Anerbieten , Effendi ? « » Daß ich mich keinen Augenblick bedenke , es anzunehmen , « antwortete ich . Ein gar so rasches Zugreifen hatte er denn doch wohl nicht erwartet . Er sah mich fragend an . » Ich bin bereit , auf deinen Vorschlag einzugehen , und zwar sofort , « wiederholte ich . » Wirklich , wirklich ? « fragte er . » Ja . « Er schien mir nicht so recht trauen zu wollen ; aber der » Schreiber « raunte ihm einen Befehl zu , und so sagte er : » So ist der Zweck meines Besuches hier erfüllt ! Aber wird der Ustad bestätigen , was du tust ? « » Ohne Zweifel . « » Und sich an die Spitze des vereinten Stammes stellen ? « » Gewiß . Ich gebe dir mein Wort . Das gilt , als hätten er und ich geschworen . « » So erhebe dich , und gib mir in seinem Namen deine Hand ! « Er stand auf , ich auch . Wir traten aufeinander zu und schüttelten uns die Hände . Er schien zu erwarten , daß ich mich nun in Versicherung unserer Dankbarkeit ergehen werde . Als ich das nicht tat , sagte er , indem sich nun auch seine Begleiter erhoben : » Ein solches Abkommen muß mit Salz und Brot bekräftigt werden . Bis jetzt haben wir noch nichts genossen . Willst du uns als deine Gäste betrachten , Effendi ? « » Wenn du es wünschest , unverweilt . Ich weiß , was Salz und Brot bedeuten . Wer dann zurücktritt , ist ein Schurke . Ueberlege also wohl , ob ich dies Beides kommen lassen soll ! « » Schicke nur ! Ich weiß genau , was ich tue ! « » So nehmen wir jetzt Salz und Brot , und dann erweist Ihr mir die Ehre , die Ghada44 bei uns einzunehmen ! « » Gern ! Und inzwischen reiten wir einmal hinüber nach Eurer Moschee , von welcher aus man eine wunderbare Aussicht haben soll . Ich hörte , daß du krank gewesen seist . Wirst du uns begleiten können ? « Es wäre ihm allerdings lieber gewesen , eine solche Begleitung nicht zu haben , doch antwortete ich : » Bis dort hinüber werde ich es im langsamen Schritte wagen können , weiter aber nicht . Dieser junge Mann wird mir satteln . Es ist Kara Ben Halef , der Sohn des Scheikes der Heddedihn vom Stamme der Schammar . « Kara verbeugte sich vor ihm , um dann zu den Pferden zu gehen . Ich rief ihm noch nach , für sich den Ghalib und für den Chodj-y-Dschuna den Bark zu nehmen . Die Gäste waren mit dem ungeahnt schnellen und skrupellosen Ausgange ihres Anliegens überaus einverstanden . Sie wollten sich das freilich nicht merken lassen , doch war es ihnen deutlich anzusehen . Um so ernster war das Gesicht des Pedehr . Er begriff mich nicht . Darum warf ich ihm unbemerkt die Worte zu : » Nur keine Sorge ! Es steht Alles gut . Sie haben nicht mich , sondern ich habe sie gefangen . Schnell Salz und Brot ! Dann reitest du mit . « » Auf welchem Pferde ? Die Sahm hat mir der Ustad einstweilen entzogen . Und ein gewöhnliches Pferd kann ich als Scheik doch wohl nicht nehmen . « » So bleibe hier , und besorge das Essen ! « Nach Kurzem brachte Tifl auf einer Platte ein Häufchen Salz und kleingeschnittenes persisches Brot . Wir traten zusammen . Jeder nahm eines der Stückchen und tauchte es in Salz . Der Mann mit dem großen Turban sprach : » Das Brot , welches wir essen , wird zum Leibe . Das Wort , welches man uns gibt , wird zur Seele . Es ist nie wieder von uns zu trennen ! « Hierauf aßen wir jeder seinen Bissen und drückten uns abermals gegenseitig die Hände . Das Uebereinkommen war abgeschlossen und besiegelt . Bald hierauf brachten Kara und der Chodj die Pferde . Wir stiegen auf und ritten den Berg hinab . Ich bemerkte , daß ich heut kräftiger war als bei dem ersten Ritte , doch gab ich mir nicht die geringste Mühe , als guter Reiter zu erscheinen . Die Herren glaubten , erreicht zu haben , was sie hatten erreichen wollen . Darum hielten sie es nicht für nötig , ihre Rücksicht auf mich so weit zu treiben , daß sie im Trauertempo mit mir ritten . Sie wollten vielmehr zeigen , was für Pferde sie besaßen , und jagten durch den Duar und dann die jenseitige Höhe hinauf . Mir war das eben recht . Ich winkte Kara und den Chodj , ihnen nachzueilen und trottelte allein und langsam hinterher . Ich hatte wohl kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt , als ich den Hufschlag eines galoppierenden Pferdes hinter mir hörte . Mich umschauend , sah ich , daß es Tifl war . Er ritt die ungesattelte Sahm und jagte an mir vorüber , ohne anzuhalten und zu fragen , ob es ihm erlaubt sei , mit bei den Gästen zu sein . Er hätte das gewiß nicht gewagt , wenn er nicht von irgend Jemand aufgefordert worden wäre , unbedingt mit nach dem Beit-y-Chodeh zu kommen . An mir vorbeigeritten war er , weil er befürchtet hatte , von mir zurückgeschickt zu werden . Eigentlich war es richtig , dies nachträglich zu tun , und zwar vor aller Augen ; aber es lag ja in meiner Absicht , nicht für scharfsinnig und energisch zu gelten , und so hielt ich es für geraten , zu schweigen . Als ich oben ankam , stand der » Schreiber « mit Tifl an einer der Vordersäulen des Tempels . Der Letztere schien dem Ersteren die Gegend zu erklären ; sie schenkten mir keine Beachtung . Sonst sah ich von den Gästen keinen . Kara und der Chodj standen bei den Pferden . Ich ritt zu ihnen hin und fragte , wo die andern Perser seien . Der Chodj antwortete : » Der Heilige , der Selige und der Hauptpriester kriechen in den Rosen herum . Die beiden Generale fragten , ob es weiter oben eine schöne , freiere Aussicht gebe . Ich wies sie nach der großen Hochwaldlichtung ; sie sind dorthin . « Er deutete nach dem Waldwege , auf dem ich am Tage des Festes von Tifl zum Essen geführt worden war . » Gibt es noch andere Wege nach dieser Lichtung ? « erkundigte ich mich . » Ja . Es sind aber Umwege . Den besten sieht man von hier aus nicht . Man muß über diesen ganzen Platz hinüber und um die Buchenecke gehen . Dann führt er grad hinauf und unter den Tannen am obern Rande des freien Platzes hin . « » Kann man ihn reiten ? « » Er ist breit genug