Gast in dem Turme war , Dimut die Schwester Rownos trat herein . Sie trug aber kein dunkelblaues Kleid mit irgend einem Gürtel , sondern an ihrer Brust glänzte ein helles Waffenhemd , das wohlgereinigt schimmerte , und mit kurzen weiten Ärmeln über das Kleid ihrer Arme ging . Das andere Kleid außer dem Panzerhemde war schwarz und weitfaltig . An den Füßen hatte sie schwarze Stiefel . Ihr Haupt war mit einer schwarzen dicken Filzhaube bedeckt . Sonst trug sie eine Waffe nicht . Sie ging an den Männern vorüber zu Ludmila , und sagte : » Sei gegrüßt , Schwester . « Dann ging sie zu Rowno , und sagte : » Ich bringe dir den Morgengruß . « Und dann sagte sie zu Witiko gewendet : » Ich grüße Euch auch , Witiko , Ihr geht gegen Mähren . « » Ich gehe in den Krieg « , antwortete Witiko . » Du hast dich auch gerüstet « , sprach Rowno zu ihr . Dimut antwortete : » Ihr werdet alle , die ihr es könnt , in das Feld gehen , ihr werdet dort genau ergründen , wo das Recht ist , und werdet für das Recht mit eurem Leben streiten , und wenn es sein muß , euer Leben dafür lassen . Ich will tun , was ein Weib vermag , zu meinem Schutze soll wenigstens niemand benötigt sein . Das Rechte muß geschehen , wie es auf Erden und im Himmel gilt . « » Du wirst immer klug handeln , meine Dimut « , sagte Rowno . » So klug , wie es der Teil Klugheit verlangt « , entgegnete Dimut , » der mir geschenkt worden ist . « Dann ging sie zu den bewaffneten Männern , und reichte ihnen die Hände . » Ich muß jetzt fortgehen « , sagte Witiko . » So gehe , und wir werden dich vielleicht noch erreichen « , entgegnete Rowno . Witiko verabschiedete sich , verließ die Stube , suchte sein Pferd , und ritt über den Damm hinaus . Die Männer von Plan schlossen sich an , und gingen mit ihm . Als weit hinter Rownos Turm der Wald aus war , hörte der Schnee auf , und sie kamen am Abende in den Zupenort Daudleb . Dort kaufte Witiko für Raimund ein Pferd , besorgte noch manches für seinen Zug , und die Männer beschlossen , eine Zeit auf Kundschaft hier zu bleiben . Als Witiko in den Zupenhof ging , war er verschlossen , es wurde ihm das Tor geöffnet , und er wurde , weil ihm der Torwart gesagt hatte , daß Lubomir fort sei , zu Boleslawa geführt , die mit Männern in dem Hause war . Witiko begrüßte sie , und sagte : » So ist Lubomir in seinem Alter fortgegangen ? « » Ja , er ist fortgegangen « , sagte Boleslawa . » Da es an der Zeit war , kam , wie es sich gebührt , unser Erstgeborner Moyslaw mit seinen Männern von seinem Hofe Chlum zu uns , dann kam unser Zweitgeborner Pustimir von seinem Felde und Walde in Dauby mit seinen Männern , dann kam auch der Drittgeborne Radosta mit seinen Männern von Trebin , es kamen die Gatten Marias Euphemias und Boleslawas mit ihren Männern , Lubomir hatte seine eigenen Leute versammelt , der demütige Priester dieses Hauses hat sich auch zu trösten und zu helfen beigesellt , und sie gingen alle zu Wladislaw dem Herzoge . « » Zu Wladislaw dem Herzoge ? « fragte Witiko . » Zu Wladislaw dem Herzoge « , entgegnete sie . » Du bist auch auf dem Zuge , Witiko , sei eingedenk , das Rechte zu tun . « » Gehabt Euch wohl , erhabne Frau « , antwortete Witiko , » ich will das Rechte tun , das ich erkenne . « » So tue es « , sagte sie , » und sei in andern Zeiten wieder einmal hier unser Gast . « » Ich werde um Einlaß bitten , wenn alles vorüber ist , und sich das Tor mir nicht verschließt « , sagte er . Er verabschiedete sich , und wurde wieder ins Freie geführt . Die Männer des Waldes blieben zwei Tage in Daudleb . Am dritten zogen sie fort , und hielten ihre Nachtruhe in Podhrad , wo Sümpfe und Einöden waren . Am folgenden Tage gingen sie nach Austi in wohlbebautes Land . Da blieben sie wieder zu kundschaften fünf Tage . In den Häusern waren wenige Männer , und die Leute , welche da waren , blieben in den Stuben . Auf den Wegen waren Bewaffnete und allerlei Volk , das gegen Mitternacht zog . Ctibor , der sonst bei Austi auf einem Hofe wohnte , war mit seinen Männern zu dem Herzoge Wladislaw gegangen . Als sie erfahren hatten , daß nach Mitternacht hin die Kriegsheere stehen müssen , zogen sie in dieser Richtung weiter . Es begegneten ihnen Leute , die ihr Vieh nach dem Mittage und gegen die Wälder trieben . Sie hielten die Nachtherberge an dem Hofe Nacehrad . Am nächsten Tage begegnete ihnen sehr viel Volk . Es säumte meistens seine Güter auf Pferden oder Ochsen in fernere Gegenden , oder es trug , was ihm gehörte , auf dem eigenen Rücken . Da es Nachmittag geworden war , sahen sie in der Richtung von Abend her viele Menschen auf einem Wege kommen , der in den ihrigen ging , und sahen , daß sie ihnen den Weg verstellten . Es waren Männer , welche in hochgeschürzten Faltengewändern gingen , sie hatten schwere Stiefel an den Füßen , und auf den Häuptern hatten sie dicke Filzhauben , welche kaum die Augen sehen ließen , und dann mit einem Lappen über die Wangen und den Bart hinab gingen . Sie trugen Schwerter und Spieße . Wo die Wege sich vereinten , hielten sie an , sammelten sich auf dem Wege und dem Felde , und blickten auf Witiko und seine Schar . Sie wurden immer mehr . Dann kamen auch Reiter hinter ihnen , die Beinbekleidungen kürzere gegürtete Röcke und Filzhauben mit einer geraden Feder trugen , wie die Männer gekleidet waren , die den scharlachroten Prinzen begleitet hatten , ehe er Herzog geworden war . Einige hatten feine Gewänder andere gröbere und unscheinbarer an Farben . Sie trugen keine Lanzen aber alle hatten Schwerter , und viele trugen Schilde . Es waren mehrere sehr große und starke Männer unter ihnen . Sie sammelten sich ebenfalls neben den Fußgängern auf dem Felde . Endlich sprengte einer an den Reitern vorwärts , der eine graue Falkenfeder auf der schwarzen Haube und grüne Kleider hatte . Er ritt gegen Witiko und rief : » Was versperrst du hier den Weg , daß unsere Leute im Weiterziehen gehindert sind ? « » Ich versperre nicht deinen Weg « , rief Witiko entgegen , » siehst du nicht , daß unsere Richtung von Mittag nach Mitternacht geht , und daß ihr von Abend herein gekommen , und daß ihr es seid , die uns den Weg versperren ? « » Du hast deine Leute aufgestellt , daß sie uns betrachten « , rief der andere , » wir müssen uns also auch ordnen , daß wir gerüstet sind , wenn ihr uns etwas anhaben wollt , und das ist es , wodurch du uns hinderst . « » Du erkennst wohl , daß wir die wenigen euch die so vielen nicht angreifen werden « , entgegnete Witiko , » wenn du uns aber anfällst , so werden wir unsern Körper verteidigen , so gut wir es können . Diese aber sind nicht meine Leute , ich weiß nicht , was sie in der Zukunft tun werden , jetzt sind sie nur neben mir gegangen , weil wir aus der nämlichen Heimat sind . « Während dieses Rufens waren immer mehr Reiter gekommen , und hatten sich neben den grünen Mann gestellt . Jetzt kamen zwei Saumpferde , eines vorn und eines hinten , sie trugen eine offene Sänfte , und in derselben saß ein Mann in ein sehr weites braunes mit Pelzwerk verbrämtes Kleid gehüllt , und unter der schwarzen Haube drangen weiße Haare herab , und auf das braune Kleid floß ein sehr langer weißer Bart. Der Mann war sehr alt , und sein Haupt war nach vorwärts geneigt . Da er zu dem grünen Reiter gekommen war , hielt die Sänfte an , der grüne Reiter stellte sich neben sie , und sagte : » Hochehrwürdiger Großvater , dort steht der Bote , welchen der kranke Herzog Sobeslaw einmal in die Versammlung auf den Wysehrad gesendet hat , er richtet seine Leute gegen uns , daß er uns etwa schädige . « Der alte Mann hob sein Haupt empor , wendete sein Angesicht und seinen Körper gegen die Stelle , auf welcher Witiko stand , und sagte : » Sohn des Wok , ziehe deiner Wege , gehe zu Wladislaw dem Sohne Sobeslaws oder zu andern Feinden des Herzoges , wir werden dich dort bekämpfen , hier ist nicht Zeit , daß wir dich vertilgen . Rühre keinen der Männer an , die um mich sind . « Dann wendete er sich an den grünen Reiter , und sprach » Dalimil , sage den Leuten , daß sie weiter ziehen , und eine Säumnis nicht mehr eintreten lassen . « Der grüne Reiter ritt gegen die Fußgänger vorwärts , der alte Mann in der Sänfte aber nahm sein braunes Kleid fester an sich , und neigte sein Haupt wieder nach vorne , wie er es früher gehabt hatte . Die Fußgänger und Reiter fingen an , sich wieder zu bewegen . Witiko aber rief : » Hochehrwürdiger Leche Bolemil , ich rühre keinen deiner Männer an , und wer weiß , ob unsere Wege nicht die gleichen sind . « Bolemil antwortete nicht , sondern nickte nur mit dem Haupte . Der Zug bewegte sich schneller , und die Pferde mit der Sänfte fingen zu gehen an . Hinter ihr kamen wieder Reiter . Witiko aber blieb stehen , bis alle vorüber waren , und man endlich auf dem fernen Wege kaum mehr einen der Männer erblicken konnte . Dann setzte er sich in Bewegung , und zog ihnen nach . Er kam mit den Männern , die bei ihm waren , an dem Abende dieses Tages zu einem Hofe , der nicht weit von den Häusern stand , die den Namen Suchdol hatten . Sie beschlossen , da zu ruhen . In dem Hofe war kein Mensch , es waren die Türen und Tore eingeschlagen , es waren keine Vorräte da , kaum Futter für Witikos und Raimunds Pferd . Und als die Nacht gekommen war , erblickte man gegen Morgen die roten Scheine von entfernten Feuersbrünsten . Die Männer lagerten in dem Hofe , und aßen von den Nahrungsmitteln , welche sie in den Päcken mit sich geführt hatten . Als der Tag angebrochen war , sahen sie die Häuser von Suchdol deutlich ; aber einige waren verbrannt , und andere zerstört . Von Suchdol gegen den Hof war ein Berg , beinahe gegen die Mittagseite gelegen , weit gedehnt und gestreckt , hie und da mit einigem Gebüsche und dann mit Wiesen und Feldern bedeckt . Er hieß Wysoka . Von ihm konnte man in entfernten Morgengegenden Rauchsäulen aufsteigen sehen , und in der Richtung zwischen Mitternacht und Abend sah man auch Rauch zu dem Himmel ziehen . Die Männer versammelten den Hof , stellten in ihm Wachen auf , und sandten mehrere fort , um Kundschaft einzuziehen . Die Kundschafter kamen zurück , und sagten , daß vier oder sechs Wegestunden weit zwischen Mitternacht und Abend der Herzog mit seinem Heere sei , daß er es sammle und ordne , und daß gegen Morgen hin eine Tagereise oder mehr entfernt die Lechen , welche sich zusammen getan hatten , lagern , und daß sie Zuzüge und Verstärkungen rufen . Der Leche Nacerat , der ein hoher Herr bei dem Herzoge Wladislaw gewesen sei , stehe an ihrer Spitze . Alle Häuser rings herum sind leer , viele sind verbrannt oder zerstört , die Menschen sind mit ihrem Vieh und ihrem Gute fortgezogen . Hie und da zeigen sich Bewaffnete , und manches Mal ein Mensch , der etwa ein Dieb oder ein anderer dieser Art sein kann . Die Männer von Plan beschlossen , in dem Hofe zu bleiben , bis sie genauer erkundet hätten , was sich begebe . Sie gingen daran , das Gebäude besser zu befestigen . Es waren indessen die milderen Tage des Lenzes gekommen , die Gesträuche , welche auf dem Berge Wysoka standen , bekamen grüne Blättchen , die Wiesen erhielten Gras , und die Wintersaaten sproßten . Die Felder , auf welchen die Sommersaaten stehen sollten , waren nicht bestellt worden . Es war nun auch Rowno mit seiner Schar in die Gegend gekommen , und da die Männer von Plan streiften , trafen sie ihn , er ging mit ihnen samt den Seinen in den Hof , und vereinigte sich mit ihnen . Auf diese Art kam auch Osel mit seinen drei Knaben , Diet von Wettern , dann ein Mann , der an der Moldau in dem Hofe Attes wohnte , dann der von Hora , dann Wolf von Tusch und Wernhard von Ottau . Jeder hatte eine Schar mit sich . Es kamen dann auch die von Friedberg , von Horec , die Hlenici , und da sie Diet von Wettern und die aus dem Turme Rownos erfragten , gingen sie in den Hof , es kamen von denen , die im neuen Kirchenschlage reuteten , die vom schwarzen Bache , vom Wangetschlage , vom Eckschlage , vom Rathschlage , dann kamen , die an der Moldau hinab saßen , wo bei Friedberg gereutet wurde , dann die von den Häusern an dem Moldaufelsen , welcher der Rosenberg geheißen wurde , wo Witiko einmal mit Florian ein Mittagsmahl gehalten hatte , dann einige von den Hütten , die mittagwärts von der Waldblöße des heiligen Thomas lagen . Von dem Häuschen im Wangetschlage , das Witikos Stamme gehörte , kam der Knecht Jakob mit einem lahmen Pferde . Sie versammelten sich alle bei dem Hofe , und versprachen , zusammen zu halten . Sie lebten von den Nahrungsmitteln , die sie mitgebracht hatten , und richteten zu ihrem Getränke wieder den Brunnen des Hofes zurecht . Zugleich begannen sie , um den Raum Gräben zu machen , und sich durch Pfahlwerke zu schützen . Eines Tages kam eine Schar schöner Reiter gegen den Hof . An ihrer Spitze war ein Jüngling in himmelblauem Gewande mit einer weißen Feder auf dem Haupte . Er ritt näher , und betrachtete den Hof und die Befestigungen um ihn . Witiko bestieg sein Pferd , ein Tor der Pfähle wurde geöffnet , und er ritt von einer großen Schar Fußgänger begleitet hinaus . Da er zu dem Jünglinge gekommen war , rief er aus : » Wladislaw , der Sohn des Herzogs Sobeslaw ! « » Ja , ich bin es , den du genannt hast « , rief der Jüngling im blauen Kleide entgegen , » Witiko , der treue Freund meines Vaters , Witiko , den meine Mutter geehrt und beschenkt hat , wie freut sich mein Herz , daß ich dich sehe ! « Es kamen noch mehr Fußgänger aus dem Hause heraus , und alle stellten sich halbkreisartig hinter Witiko auf . Das gleiche taten die Reiter hinter Wladislaw . » Nun ist die Zeit gekommen , Witiko « , sprach der Prinz , » daß wir die Schmach auslöschen , die uns geschehen ist , daß wir den Hohn tilgen , der meinem Vater angetan worden ist , daß wir den Schmerz vergelten , den meine Mutter leiden mußte , und daß wir alles , was recht ist , wieder herstellen . Du und die Männer , die dir gehorchen , sind mit dazu erlesen . « » Und wie wird das geschehen ? « fragte Witiko . » Es ist alles wohl geordnet und zum Gelingen bereit « , antwortete Wladislaw , » höre mich . Der uns den Herzogstuhl geraubt , und mich in die Untertänigkeit gestürzt hat , der nämliche hat mir auch meine Habe entrissen . Er hat mir das Herzogtum Olmütz , das ich besaß , genommen , und hat es Otto dem Sohne des schwarzen Otto gegeben , den er aus Rußland gerufen hatte . Mich zwang er nach Prag zu sich . Aber ich bin in dem vorvorigen Winter entflohen , und bin bei meinen königlichen Sippen in Ungarn gewesen . Indessen hat der , welchen sie noch bei dem Leben meines Vaters des ruhmreichen Herzoges Sobeslaw gegen ihren Eid auf dem Wysehrad zum Herzoge gewählt haben , die Rechte aller großen Lechen gekränkt , er hat sie bei Seite gesetzt , und hat ohne ihren Rat und Beistand gehandelt . Sie sind von ihm abgefallen , und die ihn eifrig gewählt haben , stehen jetzt gegen ihn . Nacerat der große und mächtige ist jetzt in Mähren , eben so sein Sohn Dus und sein Bruder Znata . Dann ist der alte reiche Mikul , dann ist Jurata , dann ist der alte Rodmil , dann Groznata , Slawibor , Domaslaw , Kochan , Bohus , dann der junge tapfere Milhost , Strich von Plaka , der junge Mikul , Bogdan , Benes und die Mährer Drslaw , Mireta , Zibota , Soben , Treba , Stibor , und sehr viele andere . Ich bin zu ihnen gegangen , um Vergeltung zu üben . Sie haben einen Bund gestiftet , um eine andere Herrschaft einzuführen . Die Fürsten aus dem Stamme Premysls sind dem Bunde beigetreten : Wratislaw der Herzog von Brünn , Konrad der Herzog von Znaim , Otto der Herzog von Olmütz , welchen Wladislaw aus Rußland zurückgerufen hatte , dann die Söhne Boriwoys des Oheims Wladislaws Leopold und Spitihnew . Sie haben alle Konrad von Znaim zum Herzoge von Böhmen und Mähren gewählt . Sein Heer steht nicht zwölf Wegestunden von hier gegen Morgen . Immer kommen noch Züge zu demselben , und wenn es gerüstet ist , werden alle Häupter zu ihm kommen , und werden gegen Wladislaw vorrücken , und ihn , der die Herren schwächen , und sich mit den kleinen Leuten und mit dem Volke stärken wollte , vertilgen . « » Weißt du das ganz genau , und bist du nicht getäuscht worden , Wladislaw ? « fragte Witiko . » Die hier mit mir sind « , antwortete Wladislaw , » stammen aus den besten Geschlechtern , sie streifen , um die Lage und Begebnisse der Gegend zu erforschen , und sie können dir sagen , daß ich die Wahrheit rede . « » Der hohe Prinz spricht wahr « , rief ein Mann in dunkelroten Kleidern , der in der vorderen Reihe des Zuges stand . » Er spricht wahr « , riefen mehrere Stimmen . » Du wirst auch , wenn du bei uns bist , Witiko « , sagte Wladislaw , » die Schrift sehen , in welcher alles verzeichnet ist . Sie enthält die Namen , die ich dir nannte , und in ihr sind die Rechte aufgeschrieben , welche der künftige Herzog denen gegeben hat , die ihn wählten , und die für ihn streiten wollen . Wir werden nur noch über die Felder von Suchdol reiten , wo wir in der Richtung gegen Abend sehen können . Du kannst indessen deine Leute ordnen , und dann mit uns ungefährdet zum Heere ziehen . « » Du sagst , daß alle großen Männer der Länder mit euch sind ? « fragte Witiko . » So ist es « , entgegnete Wladislaw . » Du hast Zdik den Bischof von Olmütz nicht genannt , welcher der eifrigste in jener Versammlung auf dem Wysehrad war , um die Wahl Wladislaws zum Herzoge von Böhmen und Mähren zu bewirken . « » Zdik ist ein Verräter « , antwortete Wladislaw , » er hat schon wohl den Sinn und die Absichten meines Vetters Wladislaw gekannt , daß er die Herren unterdrücken , und die Kleinen und die Bischöfe empor bringen wird , darum hat er dessen Wahl so emsig befördert , und jetzt hat er seinen Bischofsitz und das Land Mähren verlassen , und ist in das Lager Wladislaws gegangen . « » Du hast den alten Lechen Bolemil nicht genannt « , sagte Witiko . » Der ist uralt , und führt keine Kriege mehr « , entgegnete Wladislaw . » Er ist mit einer großen Schar von Fußgängern und Reitern zu dem Herzoge gezogen , ich habe ihn selber gesehen , und habe mit ihm gesprochen « , antwortete Witiko , » der Zupan von Daudleb Lubomir ist mit seinen Scharen und mit denen seiner Söhne Moyslaw Pustimir und Radosta und mit denen seiner drei Töchtermänner zu dem Herzoge gegangen . Ctibor , welcher mit vielen Männern in den Gefilden von Austi wohnte , ist mit ihnen zu dem Herzoge gegangen . Weißt du etwas von Diwis , dem Zupane in Saaz ? « » Man erzählt , daß er bei dem Herzoge sei « , sagte Wladislaw , » allein das ändert nichts , wir werden sie alle niederwerfen . « » Und Bozebor und Wsebor und Nemoy und Chotimir und der alte Preda und Jurik und der alte Milota ? « fragte Witiko . » Es können nicht alle bei uns sein « , sagte Wladislaw , » die mehreren und die besten haben wir . « » So wird der ehemalige Bischof Silvester , der deinetwegen Tränen in der Versammlung vergossen , und deinetwegen sein Amt niedergelegt hat , bei dir sein ? « fragte Witiko . » Silvester ist ein gebrechlicher Mann « , entgegnete Wladislaw , » und hat sein Kloster nicht verlassen . « » Wladislaw « , sagte Witiko , » von den Männern , die ihren Eid von Sadska gebrochen haben , sind nur diejenigen in Mähren , welche es nicht ihres Landes sondern ihres Nutzens willen getan haben , und sind nun ihrem neuen Eide wieder untreu . Ich habe es geahnt , da Nacerat in der Versammlung auf dem Wysehrad gesprochen hat , und ich habe es erkannt , als ich ihn bei einem Feste im Plakahofe sprechen gehört habe . Die Fürsten , die Söhne des Stammes Premysl , sind ihrem eigenen Stamme untreu , da sie gegen den obersten Sohn des Stammes , dem sie unterworfen sind , dem sie gehorchen sollen , aufgestanden sind , um für sich Vorteile zu gewinnen , Otto der Sohn des schwarzen Otto , den der Herzog aus der Verbannung zurückgerufen hat , dem er das Herzogtum Olmütz gegeben hat , ist zur Untreue auch noch undankbar , Konrad , welcher gar keine Rechte auf den Fürstenstuhl besitzt , hat ihn zu kaufen versucht , weil er seinen Helfern , wie du sagst , in einer Schrift Zugeständnisse versprochen hat , die sie für ihren Beistand erlangen sollen , und du aber , Wladislaw , hast dich selber preisgegeben . « » Witiko , du treuester Diener Sobeslaws , du willst doch nicht von ihm abfallen ? « rief der Prinz . » Nicht von Sobeslaw falle ich ab , ich bleibe ihm treu « , sagte Witiko , » dein Vater hat mich rufen lassen , als er auf dem Totenbette gesagt hat : Mein erstgeborner Sohn Wladislaw , du bist von dem deutschen Könige Konrad mit den Ländern Böhmen und Mähren belehnt , und von den Herren beider Länder auf dem Tage in Sadska anerkannt worden . Jetzt aber haben sie auf dem Wysehrad deinen Vetter Wladislaw den Sohn meines verstorbenen Bruders des Herzoges Wladislaw für meinen Tod zum Herzoge gewählt . Unterwirf dich ihm , und gehorche ihm , daß die Sünden nicht werden , welche in meiner Jugend gewesen sind . Nacerat wird gegen Wladislaw nicht siegen . Ich habe mir die Worte tief in mein Gedächtnis geprägt , weil sie mir sehr merkwürdig erschienen waren . Dein Vater hat die Wahl seines Neffen anerkannt , und hat dir den Rat gegeben , dein Recht auf die Nachfolge in der Herrschaft der Länder hinzugeben , daß das Heil des Reiches nicht zerstörst werde . Du konntest den Willen deines Vaters nicht erfüllen , du hast ihm damals nichts zugesagt , du konntest mit den Waffen gegen deinen Vetter aufstehen , dein Recht aufrecht halten , das Heil des Landes in die Schanze schlagen : viele wären an deiner Seite gestanden , wahrscheinlich die besten , die jetzt gegen dich sind , und ich wäre gewiß unter deine Fahnen gegangen ; du aber hast dein Recht selber hingeworfen , weil du in die Dienstbarkeit eines andern gegangen bist , der Herzog sein will . Jetzt lebt die Anerkennung deines Vaters für Wladislaw als Recht auf , das haben sie alle , welche für dich und das Recht auf dem Wysehrad gesinnt gewesen waren , erkannt , der edle Diwis , der treue Freund deines Vaters , der ihm vor den Verschwörern das Leben gerettet hat , Bolemil der weise alte Mann , der vor den Greueln der Nachfolgekriege so ängstlich gewarnt hatte , der gute Lubomir , der mir dem Boten deines Vaters Gehör von der Versammlung erbeten hatte , dann Wsebor , der die Leiden deines Vaters zu ehren gefleht hatte , Jurik , Chotimir , der Feldherr Smil , und vor allen der untadelige Bischof Silvester , dem für dich sein lauteres Leben zerstört ist , sie haben es erkannt , und stehen jetzt zu dem Rechte , das neu geworden ist , und das du selber durch dein Tun hervorgerufen hast . Du sagst , daß ich nicht treu bin . Bist du der treue Sohn deines Vaters , der sich in seiner Herrschaft gemäßigt hat , daß nicht das Volk durch die Großen gedrückt wurde , und daß er es nicht selber drücke , und der sich im Tode noch mehr zu mäßigen gewußt hat , indem er das Land über seine Kinder stellte ? Er hat dir den Rat und , ich kann sagen , den Befehl gegeben , dich zu fügen , er hat ihn dir nicht umsonst vor so vielen Zeugen gegeben , weil er gewollt hat , daß dir keiner beistehe , wenn du dich erhebest . Bist du der treue Sohn deiner Mutter , die ihrem toten Gatten angehangen hat , bis ihr das Herz gebrochen ist , und bist du der treue Prinz deiner selbst , da du der Aftermann eines Aftermannes geworden bist ? Ich bin dem treu geblieben , was ich für meine Pflicht hielt . Ich sehe jetzt sehr klar , wo das Rechte und das Gute liegt , wie Boleslawa die edle Gattin Lubomirs gesprochen hat , ich sage mich auf immer los von dir , und bin von dieser Stunde an der Helfer und der Mann des Herzogs Wladislaw . Die hier um mich sind , haben mir nicht zu gehorchen , ich bin nur als ihr Heimatgenosse bei ihnen , ich bin nur ein einzelner für meine Beschlüsse , ich weiß nicht , was sie tun werden ; aber wenn sie meinem Worte folgen , so werden sie zu dem Herzoge gehen ; eines weiß ich aber ganz gewiß , daß , wenn du mir mit deinen Reitern nur ein Haar krümmen wolltest , sie mich als den treuen Heimatsmann nicht im Stiche lassen würden . « Es waren , als Witiko redete immer mehr Männer aus dem Hofe und seiner Nähe herzu gekommen , sie standen dicht hinter ihm , hielten ihre Spieße in den Armen , und hefteten ihre Blicke auf den Prinzen . Dieser aber rief : » So gehe zu Wladislaw , du treubrüchiger Hund , der du das Brod meines Vaters in Hostas Burg gegessen , und die Güte meiner Mutter erfahren hast ; aber wisse , wenn ich dich im Kampfe treffe , so soll nicht ein Tropfen Blut in deinen Adern bleiben , den nicht die Erde trinkt , und wenn du jetzt mit deiner Rotte die Reiter , welche um mich sind , beschädigen wolltest , so werden wir mit unsern kriegsgeübten Schwertern eher eine unermeßliche Schmach unter euch anrichten , ehe ihr uns nur ein kleines Unheil zufügen könnt . « » Sei ruhig , Wladislaw « , sagte Witiko , » wenn du mich in dem Kampfe triffst , so tue mit mir , wie du Macht hast ; wenn ich in den Kampf gehe , so ist es ja eben nicht , daß ich mir dadurch mein Leben sichern will ; hier aber will ich dich nicht ergreifen . Wenn diese da um mich zu dem Herzoge gehen , werden wir dich in der Schlacht finden , und weil du Blut und Flammen über das unschuldige Land hervorrufen geholfen hast , da du der Dienstmann eines Aufrührers geworden bist , so werden wir dieses Land im Kampfe verteidigen , so gut oder so schlecht wir es verstehen , die wir vom Walde gekommen sind . « » Das ist recht « , rief eine Stimme hinter Witiko . » Das ist recht « , riefen sogleich viele Stimmen . Wladislaw sagte nach diesen Rufen etwas auf seine Reiter zurück , sie machten eine halbe Wendung zur Seite , und ritten die Blicke auf Witikos Umgebung heftend fort . Als sie eine Strecke zurückgelegt hatten , wendeten sie ganz , und eilten davon . Sie ritten aber nicht gegen Abend , um , wie Wladislaw gesagt hatte , zu kundschaften , sondern gegen Morgen , von woher sie gekommen waren . Witiko aber war ruhig stehengeblieben , die Männer hinter ihm auch