, als er sagte : » Geh sieh , ob der Kolder noch daheim ist , er soll hinüberkommen ! Dem will ich sagen , was Manier ist und was gekoldert . « » Ich kann gehen , aber ich will mich dann nicht dareingemischt haben , hörst , will nicht schuld sein , wenns doch Lärm gibt , « sagte die Frau . » Und wer sollte dann daran schuld sein , « sagte Joggeli , » etwa ich ? « Darauf gab die Frau keine Antwort , sondern ging , Joggeli aber ärgerte sich ingrimmiglich über die verfluchten Weiber , welche alles zwängen wollten und doch an nichts schuld sein . Das komme auch immer ärger , dachte er . Seine Mütter hätte es dem Vater so machen sollen , wohl der würde er die Faxen vertrieben haben ! Es ging eine Zeitlang , ehe Uli kam . Seine erste Antwort war gewesen , Joggeli hätte so weit zu Uli als Uli zu Joggeli , und wenn der etwas von ihm wolle , so könne er herkommen . Dem setzte aber die Alte den Kopf zurecht und wusch ihm denselben mit scharfer Lauge , daß Uli begriff , was Waschen heißt . Er hatte vor der Alten Respekt und wußte , daß sie es gut meinte , wenn er auch wohl darüber klagte , sie hielte es immer mit seiner Frau und gebe ihr alle Listen und Ränke an , welche je von Weibern gegen ihre Männer ersinnet worden seien . Als die beiden Männer wieder zusammengebracht waren ging es gegen alles Vermuten sehr ruhig zu . Joggeli sagte : Es sei dann nicht halb so bös gemeint gewesen , und ehe man so zornig werde , sollte man doch erst recht sehen , ob es Ernst oder Spaß sei oder halb Ernst und halb Spaß , besonders wenn man schon so lange beisammen gewesen . Uli entschuldigte sich nun auch : Kurz zuvor hätte er etwas nachgerechnet und sei erschrocken , wie böse das Jahr gewesen ; er wisse nicht , ob er den Zins aufbringe oder nicht , allweg habe er umsonst sich halbtot gearbeitet . Und jetzt noch mehr Zins ! Das sei ihm zu Haupt gefahren , von wegen wenn man sich solche Gedanken mache wie er , so denke man nicht an Spaß , sondern nehme die Sache ernsthaft . So gab ein Wort das andere . Joggeli ließ eine Flasche Wein holen , sagte , wie er dran sei mit dem Gelde und es ihn dünke , Uli könnte in bessern Jahren wohl etwas mehr tun , doch begehre er ihn nicht zu drücken und sehe wohl , daß das vergangene Jahr nicht das beste gewesen , aber Uli solle an die zwei frühern denken , daß Uli zugab , er begehre nicht weiter , es sei ihm hier recht , und wenn wieder gute Jahre kommen , so wolle er sehen , was etwa billig und recht sei . Jetzt wüßte er wirklich nicht wie machen , um den Zins zu geben , er habe ihn noch nicht vorrätig . » Wirst aber einzuziehen haben « , sagte Joggeli , dem es angst zu werden anfing . » Das wohl , « antwortete Uli , » und ziemlich viel . Aber es sind gute Leute , welche mir schuldig sind , plagen mag ich sie nicht ; wenn ich was zu verkaufen habe , gibt mir niemand darum was sie , und dazu ohne Markten , und wenn es abgeliefert ist , sind sie zufrieden damit und klagen nicht noch sieben Jahre hinterher , wie sie an der Sache verspielt , auch wenn sie das Halbe daran gewonnen , wie es Andere zu treiben pflegen . « » Weiß wohl , wen du meinst , « sagte Joggeli , » sind gute Leute , stark im Handel , kehren ihr Geld ; ich muß sagen , anständiger als der Wirt ist mir nicht bald einer , und wenn dir der schuldig ist , so kann ich dies , mal vielleicht etwas warten , es ist mir vielleicht sicherer in seinen Händen , als wenn ich es selbst hätte , daneben sieh was du bekommen kannst , die Welt ist schlimm , man weiß fast nicht mehr , wem trauen . « So kamen sie in die schönste Einigkeit , gaben sich die besten Worte , kurz kamen in die friedseligsten Stimmungen hinein , in welchen man sich das Himmelreich nicht bloß verspricht , sondern verschreibt und nicht daran denkt , was für Stimmungen eintreten könnten , wenn es ans Halten käme . Achthundert Taler sind ein schönes Geld , und im Raume eines Jahres muß gar mancher Batzen zum andern gelegt wer , den , bis man es beisammen hat . Uli hatte es nicht beisammen , bei weitem nicht , aber allerdings bei Müller , Wirt usw. bedeutende Summen einzuziehen , das heißt nach seiner Rechnung . Wunder nahm es ihn , ob die andern Rechnungen mit seiner übereinstimmten . Er setzte durchaus keinen Zweifel in ihre Ehrlichkeit , aber er hatte die Erfahrung , daß er im Aufmachen noch kein Hexenmeister sei , daß es sich ihm in den eigenen Rechnungen nie so recht treffen wollte . Darum nahm es ihn wunder , wie seine Rechnung zu den Rechnungen der Andern paßte : er hoffte , da werde es besser gehen . Aber der gute Uli kam einstweilen nicht aus dem Gwunder . » Ja freilich , « sagte ein jeder , » wann du willst , es ist alles aufgemacht , punktum , habe nicht Kummer . Doch die nächste Woche schickt es sich mir nicht . « Der eine mußte um Korn aus oder um Hafer oder um Vieh oder um Bauholz oder hatte sonst was , aber in vierzehn Tagen , drei Wochen oder gar den oder den Tag sollte er mit seinem Buche kommen , da wollten sie sehen , wie sie stünden . » Aber da habe keinen Kummer , keinen Kreuzer wird es fehlen , einmal wenn du recht aufgemacht hast , was allweg sein wird . « Aber vor jenem abgeredeten Tage kam Bescheid , der Müller habe ungsinnet Bescheid bekommen und könne an jenem Tage nicht daheim sein . Oder Uli kam zum Wirte , da hieß es , es sei ein Herr gekommen , ein Weinkäufer , und er habe mit ihm müssen trinken , er habe mögen wollen oder nicht . Es sei ein gar grausam guter Herr , den er nicht habe böse machen dürfen . Nun ging es wieder lange , bis neue Termine bestimmt waren , und als die wieder kamen , gings mit allerlei Variationen wieder so und Uli kam nicht zur Rechnung . Als er endlich ungeduldig ward und sagte , er müsse auch zu sich sehen , sein Zins sei verfallen und wenn er ihn nicht auf den Tag gebe , so wisse kein Mensch , wie es ihm gehe , lachten sie ihn aus und sprachen ihm gar herzlich zu , er solle doch nicht so dumm sein und meinen , er müsse exakt zahlen . Dem alten Geizhals tue es nur wohl , wenn er ein Jahr oder zwei auf den Zins warten müsse , und kein vernünftiger Mensch meine mehr , daß er alles auf den Tag zahlen müsse , was er schuldig sei . Seit Mannsdenken sei das nicht mehr der Gebrauch , und wer es tue , werde nur ausgelacht . Ja , sagte Uli , hier sei eine Sache so , dort anders ; Joggeli sei mißtrauisch , zahle er nicht , so werde er geplagt . » Dem wollte ich das Plagen vertreiben , der müßte mir lernen , was Brauch ist « usw. , hieß es von allen Seite ; man machte Uli den Kopf so groß , daß er kaum zur Stubentür aus kam . Indessen so ganz z ' leerem abspeisen wollte Uli sich doch nicht lassen . » Ja , « hieß es , » Geld kann ich dir wohl geben , Geld , bewahre , habe ich immer im Hause , wenn ein guter Schick einem zuhanden kömmt , daß man ihn machen kann . Aber meine Meinung ist eben die , daß man das Geld nutzen soll , so gut man kann . So einem alten Geizhals schuldig bleiben , kostet nichts ; je mehr man auf diese Weise schuldig bleibt , desto mehr Geld kann man im Handel abträglich anlegen . Hat einmal so ein Batzenklemmer das Geld zwischen seinen fünf Fingern , so ist nichts mehr damit zu machen . Das mußt du lernen , Uli , dein Schade soll es nicht sein , von einem wie du möchten wir den Profit nicht nehmen , bewahre , du sollst deinen Teil dar , an auch haben . Aber was man so einer hundshärigen Bauernseele ausdrehen kann , das ist sicherlich Gott und Menschen wohlgefällig . « Uli erhielt Geld auf Abschlag , doch ohne zu rechnen , und als er von Rechnen sprach , sagte man ihm : » Du hast nun für einmal Geld , deine Sache ist all aufgemacht , und sobald es sich mir schickt , will ich dir Bescheid machen ; dann bring deinen Kalender , die Sache wird bald fertig sein , und viel fehlen wird es kaum zwischen uns . « In solchem Aufschieben des Rechnens liegt allerdings Spekulation , aber ebenso sehr eine große Schlaffheit der Seele , ein Widerwille , zu irgend einem bestimmten Resultat zu kommen . Ach , und das ist so begreiflich ! So eine gemästete Menschenseele , gehöre sie nun einem Wirte , einem Müller oder sonst einem zweibeinigen Geschöpf , welch Schlußresultat soll sie ziehen , und soll es ihr nicht grauen vor demselben , muß sie nicht den Gedanken daran zu entfernen suchen so lange als möglich ? Unwillkürlich muß immer als Resultat der Spruch sich vor Augen stellen : Wer auf das Fleisch säet , wird vom Fleisch das ewige Verderben ernten . Und weil es ihnen vor der allerletzten Rechnung graut , graut es ihnen vor allen übrigen ; sie mögen nicht , ehrlich können sie nicht bestehen , müssen alle betrügerisch stellen , und am Ende hilft doch alles nicht . Der Krug geht zum Wasser , bis er bricht . Ach es ist so merkwürdig , einen zwei bis drei Zentner schweren Wirt tanzen zu sehen auf allen Ästen herum , dem aller , besten Eichhörnchen zum Trotz ! Verwegener werden nach jedem Sprünge die spätern Sprünge ; pauz , glaubt man ihn am Boden , auf dem dicken Rücken , aber husch ist er wieder auf den Beinen , tanzt lustiger als nie , bis es doch endlich sein muß und patsch er auf dem Rücken liegt ; denn geht der Krug so lange zum Wasser , bis er bricht , so tanzt auch ein Wirt nicht länger , als bis er liegt . Uli brachte nicht den ganzen Zins auf , wenn er auch alle Schubfächer ausräumte , aber weil Joggeli getan hatte , als sei ihm dies mehr als halb recht , brachte er getrost , was er hatte . Diesmal war die Stimmung bei Joggeli aber anders , er machte ein sauer Gesicht und sprach von nicht warten können , das Geld nutzen zu wollen , denn ihm trage es auch Zins , wenn er es anlegen täte usw. Uli merkte , Joggeli meine , er ziehe Zins von seinen Ausständen , wie es allerdings Manche treiben , tapfer schuldig bleiben und das Geld anderwärts gebrauchen und nutzen . Es treiben dieses schmähliche Spiel große Herren , und zwar mit armen Handwerkern und andern Arbeitern . Die arme Handwerksfrau muß oft das Schlechteste kaufen auf dem Markte , muß die günstigste Zeit zum Einkaufen unbenutzt vorüberlassen , weil das Geld rar ist bei ihr und die Batzen spärlich in ihrem Beutelchen . Den Koch oder die Köchin eines großen Herrn sieht sie das Köstlichste kaufen an Fischen und Geflügel , Geld auswerfen , als ob es Kieselsteine wären , und das Geld gehört eigentlich dem armen Handwerksmann ; der große Herr ist ihm schuldig , aber der Mann kann nichts vom Herrn kriegen als grobe Worte , muß darben , während jener schwelgt . Was das Weib denken muß , wenn es die Hände voll Geld sieht und aus seinem Beutelchen den letzten Groschen drückt ! Wenn es ein keck Weib ist , so vernimmt es der ganze Markt , wie ein großer Herr am armen Manne den Schelm macht . Wie muß es einem Schneider oder Schuster oder Bäcker zumute sein , der eine bedeutende Ausgabe machen sollte für das Gewerbe , sein Haus , seine Kinder , und die bedeutendsten Ausstände bekommt er nicht ein , denn die Herren spekulieren in Staatspapieren , gerade jetzt sind die Zeiten günstig , wer Geld hat , ist glücklich , spekuliert jetzt , um seine Gläubiger kümmert er sich nicht , und um so weniger , je ärmer sie sind , je nötiger sie das Geld selbst hätten , denn je kleiner die Götter sind , desto weniger sehen sie die , welche niedrig gehen . Die armen Schelme alle können warten ; gewinnt der Vornehme , kriegen sie nichts , und verliert er , so kriegen sie noch nichtser , haben ihre Gesellen bezahlt , haben Zeit versäumt , Arbeit gehabt und können dem Herrn nachseufzen , der an der Sonne herumspaziert im Glanze ihres Geldes und ihres Schweißes . Und solch Pack schämt sich nicht , solch Pack tut vornehm , solch Pack begehrt auf , wenn man es an seine Schulden mahnt , ja solch Pack tut sogar auch fromm , aber wahrlich auf eigene Rechnung ! Und wie viel Seligkeit wirft den armen Tröpfen die eigne Rechnung ab ! Ach , das sind nicht die Unmündigen , denen Gott im Geiste sich geoffenbaret , sonst würden sie wahrlich die faßlichen Worte fassen : Was ihr einem von diesen tut , das habt ihr mir getan . Doch Uli gehörte unter diese Schächerkinder nicht , er war zu jung und zu arm dazu . Wenn mit dem Gelde , welches Joggeli zu wenig erhielt , spekuliert wurde , taten es reifere Füchse . Übrigens hatte Uli von diesem Mangel an Barschaft viel größeren Schaden als Joggeli , er war ihm ein Hemmschuh in Handel und Wandel . Uli wußte eigentlich wohl , daß ein Bauer immer mit etwas Geld versehen sein muß , wenn es gut gehen soll . Behalten und kaufen können und immer zur gelegenen Zeit ist eine Hauptsache in bäuerischer Staatswirtschaft , aber es ging Uli wie Vielen : Wissen und Halten sind zwei , man kann die besten Grundsätze haben und doch ganz entgegengesetzte Wege gehen . Die sogenannten Grundsätze haben halt keine Kraft , die bewegende Kraft wird entweder durch eigne Triebe regiert oder durch fremde Personen . Uli sollte seinen Kuhstall instand stellen , er hatte den Winter durch weniger Kühe gehabt als sonst , weil er das Heu sparen mußte . Zweihundert Gulden bedurfte er zu gehöriger Ergänzung , zu verkaufen hatte er nichts Erkleckliches ; Korn und Hafer hatte er wohl noch , aber er hielt ratsam , bis nach glücklich eingebrachter Ernte nicht zu verkaufen . Es war ihm , als seien Hände und Füße ihm gebunden , ja als liege er krummgeschlossen in einem Loche . Er ward sehr böser Laune , alle Welt sollte schuld daran sein , und wenn alle Welt an einer Sache schuld sein soll , so muß es das Weib entgelten . Eigentlich billig und von Rechts wegen ! Denn ist nicht durch das Weib die Sünde in die Welt gekommen und dadurch dieselbe so schlecht und miserabel geworden , daß ein Mann wie Uli nicht einmal zweihundert bare Gulden hat , um mit denselben den Kühen nachgehen zu können nach Herzenslust ? Uli war oftmals in der Laune welche die Suppe kalt haben will , wenn sie heiß ist , und heiß , wenn sie kalt ist ; da braucht es wirklich einer eignen und leider noch nicht erfundenen Kunst , wenn man es jemanden recht machen will . Diese Laune ist gewöhnlich der erstgeborne Sohn der Unzufriedenheit mit sich selbst , die man begreiflich nicht an sich selbst ausläßt , das wäre ja dumm , sondern an allen , welche einem über den Weg laufen . Vreneli litt bitter ; es war in der Aufklärung und Bildung weiter gekommen nicht bloß als mancher Schulmeister , sondern sogar als Professoren , es begriff , daß wenn man Mißgeschick habe , mit bösen Launen und Zanken mit Leuten , die dessen sich nicht vermögen , man demselben nicht abhelfe , im Gegenteil neues schaffe . Wie bei unfreundlicher , naßkalter Witterung aller Wachstum stockt , so mehr oder weniger auch die Arbeit bei bösen Launen und launenhaftem Gezänke . Vreneli hatte voll , wie man zu sagen pflegt . Das ist ein eigentümlicher Zustand : das Herz ist voll , die Seele ist voll , der Kopf ist voll , es will zu den Augen aus , man fühlt es im Halse , man fährt mit der Hand bald an die Stirne , bald auf die Brust , als ob man was halten wolle , was zerspringen möchte . Es war an einem wüsten Apriltage , sie hatten ackern wollen , aber Sturm , Schnee und Regen hatten sie heimgejagt , denn draußen war es nicht zum Aushalten . Sie hatten alten Grasboden auffahren , die Furchen gründlich hacken wollen , denn bei schwerem Schweizer Lande muß man gründlich bis auf den Boden die Furche hacken , wenn ein zahm Gewächs gesund wachsen soll , sie ist zäh und schwerfällig , eben wahrhaft die Schweizer Natur . Sie wird auch krank , tut , als ob sie am Sterben wäre , zu nichts mehr tauglich als zu Schling , und Schmarotzerpflanzen ; aber dann kömmt sie ein Winden und Drehen an , wilde Wehen rühren alles durcheinander wie die Köchin eine Krautsuppe , dann kriegt sie ein schrecklich Erbrechen , gibt von sich zum Grauen und Erstaunen ganze Knäuel Ungeziefer von allen Sorten , die wir nicht nennen mögen , kleines , großes , und ist das mal aus dem Leibe und da , wo es hingehört , da stillen sich die Wehen , das Grimmen , Winden , Krümmen hört auf und frisch und gesund ist wieder die alte Natur , den hohen Alpen gleich , wenn die wilden Stürme verrauscht sind , der holde Frühling , der immer junge Frühling vom Himmel wieder auf die hohen Alpen steigt . Je nach der Länge der Furche steigt die Zahl der Hacker , steigt wohl auch auf großen Gütern bis auf ein volles Dutzend an , vielleicht noch darüber . Jagt nun der liebe Gott die hackende Truppe mit scharfem Geschütz vom Acker dem Bauer heim über den Hals , so muß der sehen , was er mit den Leuten anfängt . So ein harthölziger Bauer , mit Schweinsleder überzogen , macht es kurz , er schickt die Taglöhner nach Hause , unbekümmert darum , haben sie dort was zu beißen und zu brechen , berechnet ihnen den Lohn nach den Stunden , welche sie gearbeitet , und da nicht er , sondern Gott das Wetter gemacht , so überläßt er auch diesem die allfällige Entschädigung . Warum nicht machen , was man kann , und dümmer sein als nötig ? Sorge der Vater im Himmel für die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels , so werde er um so viel mehr für einen Taglöhner mit Weib und einem halben Dutzend Kinder sorgen , wenn der Bauer ihm statt zwölf Kreuzer Taglohn bloß die Hälfte oder ein Drittel gibt , und werde seinen Segen der Mahlzeit geben , welche eigentlich für die Kinder bereitet war , an welcher jetzt aber auch der Vater , der bei dem Bauer sich hungrig gearbeitet hat , teilnehmen will . Nun , Andere machen es auch nicht so ; wenn unser Herrgott die Leute heimschneit oder heimhagelt , überlassen sie ihm dieselben nicht , daß er sie jetzt auch speise und tränke , dieweil er sie angehagelt oder angeschneit , sondern tun dies selbst und geben ihnen was zu tun , bis der Tag ganz um ist . Es gibt Zeiten , wo das geht , man sogar froh ist über einen wilden Nachmittag , um Arbeiten zu verrichten , die man des schönen Wetters wegen immer verschoben hatte . Es gibt andere Zeiten , wo man wirklich nicht recht weiß , was mit machen , und fürs Zähnetrocknen im Winde gibt man doch nicht gerne den Taglohn . In solcher Zeit eben war Uli mit seinem Volke nach Hause gejagt worden ; er sandte die Taglöhner nicht fort , wußte für sie aber auch nichts zu tun , welches viel abtrug , rechnete , wie manchen Batzen er ausgeben müsse um nichts und wieder nichts , und ging gegen das Haus , um Vreneli mit Brummen und Klönen zu unterhalten . Dort stund Vreneli im Gespräch mit einem Mannli , der einen Hut auf dem Kopfe hatte . » Es ist gut , daß du kommst , « sagte Vreneli , » da ist einer , er will mich zur Gotte , seine Frau ging mit mir in die Unterweisung , wir saßen neben einander und waren bsunderbar wohl für einander . Ich sagte ihm zu , doch behielt ich dich vor . Was sagst dazu ? « » Ho , « sagte Uli , » wenn du zugesagt hast , so wird wenig mehr zu sagen sein , « und ging weiter . Vreneli zuckte zusammen , aber mit angeborner adeliger Art begabt , faßte es sich alsbald , hieß das Mannli hinein , kommen , wartete ihm nach üblicher Sitte mit Speise und Trank auf . Eine schöne Sitte , die aber manchem ausgehungerten Kindbettmannli gefährlich wird , besonders wenn er dazu noch das Reden liebt . Man denke , was das kann , wenn so ein arm Mannli , der selten einmal im Tag sich satt ißt , nun in einem Tage dreimal genötigt wird , zu essen und zu trinken , bis er genug hat . Das bringt Manchem die Beine in Verlegenheit , wenn er vom dritten Gevatter wegstolpert . Aber noch in viel größere kömmt schließlich der Kopf , wenn er endlich zum Pfarrer stolpert und dort die Namen der Gevattersleute angeben soll . Da wird manchmal das Denken bedenklich , und je länger einer denkt , desto weniger kann er an einen Namen kommen , und doch hatte er ihn noch gewußt , als er zur Türe hereingekommen , sagt er . Es ist bedenklich , wie Fleisch und Geist in die seltsamsten Kollisionen kommen bei den ernsthaftesten Gelegenheiten . Wo Gott ein Zeichen seiner Huld gibt , legt der Teufel einen Stein des Anstoßes . Das Mannli war bereits am dritten Orte und glücklich innen und außen . Er hatte nirgends eine Abfertigung erhalten , sondern guten Bescheid und tapfer zu essen und zu trinken . Solchen glücklichen Menschen wächst ein eigenes Redwerk im Munde , und dieses liefert Lob , Ruhm und Preis für sich und seine Frau und all das Seine in einer Stunde mehr als manche St. Galler Baumwollenspinnerei Garn in einer Woche . Die St. Galler sollten , wären sie gescheut , mit dem Maul zu spinnen anfangen ; in diesem Gliede sind sie stark , ganz verflucht , ja brauchen nicht einmal Most , geschweige Wein , um ganze Ballen Eigenlob , -ruhm , -preis tschuren zu lassen in die Welt hinaus , siehe Tagsatzungsprotokolle . Vom schmählichsten Renommage wollen wir nicht einmal reden . Das Männlein war nun freilich kein St. Galler , aber es konnte doch nicht fertig werden mit Rühmen , wer er sei und was sein Fraueli sei und wie er Kinder habe und was sie täten und wie sie sich erzeigen wollten in der Welt , daß man weit und breit von ihnen reden müsse , man möge wollen oder nicht . Vreneli ward wind und bange , aber es konnte nicht von ihm kommen , und gehen heißen mochte es ihn auch nicht . So viel Mitgefühl hatte es , daß es niemand einen Kübel kalt Wasser über den Kopf goß , wenn er in süßen Träumen befangen lag . Solch Glück ist gar zu selten in der Welt , und wer ein gut Herz hat , jagt sicherlich niemanden , der in solcher Wonne liegt , süßer als in einem warmen Bette , daraus auf . Vreneli wußte , daß ihm ein Gewitter wartete , und je länger eine schwarze Wolke stocket , das heißt mit Elektrizität sich auf bläht , desto härter kracht es , wenn es mal losbricht . Der Mann aß nicht mehr , dann trank er auch nicht mehr , endlich gab er selbst das Sitzen auf und stund , so gut er konnte , aber das Reden wollte kein Ende finden ; es war akkurat , als ob er auch so ein auf ein Pfäfflein gepfropfter St. Galler Diplomat sei , und doch war er nur ein ganz gemein Knechtlein , schwatzte nicht einmal um den Taglohn , nicht einmal , um dann daheim sagen zu können : » Dunder , denen hab ichs gesagt , habt ihrs gelesen ? « , sondern wirklich von Herzen , und schwatzte und stund , und ging und stund und schwatzte , daß es Vreneli den Schweiß austrieb und es ihm , als es endlich dessen Rücken sah , leichtete , als hätte es wenigstens eine halbe Kindbetti glücklich überstanden . Nun mußte es ans Zweite hin , mußte die geschwollene Wolke sich entladen lassen . Das Ding ging aber nicht halb so leicht als eine andere elektrische Flasche , welche man nur mit einem Finger zu berühren braucht , um sie in allen Gliedern zu fühlen . Uli schmollte eine Weile , indessen endlich brachs doch los und wüst . Es habe sich alles gegen ihn verschworen , um ihn zu Boden zu machen , polterte er , sogar den Herrn des Regens und des Sonnenscheins rechnete er darunter . Der heutige Tag koste ihn wenigstens drei Gulden , nicht gerechnet , was die verspätete Arbeit schade . Wenn er genug hätte bis obenaus , so stehe noch so ein Hagel vor dem Hause und bitte zu Gevatter . Das sei sonst nicht erhört gewesen , daß man fremde Leute , welche ihr Brot mit Mühe verdienen müßten , zu Gevatter genommen , sondern reiche Leute , welche es hätten und vermöchten . Das käme aber nur daher weil Vreneli die vornehme Frau spiele ; da meinten die Leute , was dahinterstecke , und wüßten nicht , daß sie bald fertig seien . Das sei wieder so ein Spaß von zehn Gulden , nicht gerechnet , was später ausgerichtet werden müsse . Er hätte geglaubt , Vreneli hätte so viel Verstand , den Lümmel mit ein paar Batzen und einer langen Nase weiterzuschicken . Aber nein , da müsse das Gebettel angenommen sein ; die vornehme Frau habe es gemacht , werde gedacht haben , welche schöne Gotte es vorstellen werde . Nun könne es aber sehen , wie es es mache , er gebe keinen Kreuzer dazu , es wisse dann ein andermal , ob es zusagen solle oder nicht . Er hätte nie geglaubt , daß es es ihm so machen würde , aber wenn es nicht gute , so wolle er stoßen , wo es ziehe ; je eher der Karren über Bord fahre , desto lieber sei es ihm . Vreneli kam diese Rede über den Magen , die Augen blitzten , doch vergaß es die Manieren nicht . » Weißt du , wie die Base dem Vetter sagt , wenn er so wüst tut wie du jetzt ? « frug Vreneli . » Er sei der wüsteste Unflat unter der Sonne , und gute Lust hätte ich , dir auch so zu sagen . Ganz unbegründet fährst du über mich aus , und wenn was geht , das dir nicht recht ist , dreschest du es auf meinem Rücken aus . Daß du kein Geld hast , dafür kann ich nichts , ich habe weder Wirt noch Müller was verkauft , und wenn du mit ihnen zur Rechnung kämest , so würdest du sehen , wo dein Vermögen steckt . Heute habe ich weder hageln noch schneien lassen , und daß ich zu Gevatter gebeten wurde , ist nicht meine Schuld , und wenn du wieder bei dir selbst bist , so wirst du einsehen , wie wüst es gewesen wäre , wenn ich es ausgeschlagen hätte . Du weißt , wie es einem ist , wenn man zu Gevatter bitten muß , aber erfahren hast noch nicht , wie es einem tut , wenn man grob abgefertigt wird , und was meinst , wie hätte es dem armen Fraueli getan , wenn der Mann ihr den abschlägigen Bescheid heimgebracht Da hätte es geheißen , ich sei vornehm geworden und schäme mich seiner , und es hätte geweint , weil seine letzte Freundin ihm untreu geworden ; denn je weniger Leute man hat auf der Welt , desto weher tut es einem , wenn diese abfallen , und wenn man endlich niemanden mehr hat , dann sollte einem das Herz brechen , mir wenigstens würde es . Merke dir das ! Das gute Weibchen freut sich sicher , mich zu sehen , denn manch Jahr ist verflossen , seit wir als die besten Freundinnen uns getrennt , und wird auch nicht viele gute Freunde haben auf der Welt . Denk , Uli , wenn wir so wüst sein wollten , was mußten wir von andern Leuten erwarten , und wenn wir diesen