unschuldig , aber der hat ' s gethan ! Aus diesen Ketten seid Ihr los ; fragt nicht warum ? wie so ? woher ? Das sind die kleinen Krallen und Haken des Verderbers , mit denen er die Geretteten wieder langsam an sich zieht . Aus diesen Banden seid Ihr los , wißt Ihr , in welche neue er Euch reißt ? Nur der bleibt frei , der sich ganz gefangen giebt dem Willen des himmlischen Vaters , wie ihn die Kirche erklärt . Darum , mein lieber , theurer Herr von Bredow , laßt all das Andre hinter Euch , denkt nur an das vor Euch , wie Ihr mit gerührtem Herzen dem Ewigen danken wollt für das wunderbare Werk der Rettung , wie ein Strahl der Gnade grade den Lindenberger - « » Sagt mal , Dechant , der Lindenberger : I der Tausend , wer hätt ' s gedacht ! « » Das ist gar nicht an Euch ! Grübelt nicht nach über eines Andern Schuld . Ach ! hat nicht mit seiner eigenen Rechtfertigung der wahre Gläubige so viel zu thun , daß er eigentlich nie damit fertig wird , daß er noch Andere anrufen muß , ihm zu helfen . Schütten wir nun zusammen unser gerührtes Herz aus in einem brünstigen Gebet zu den heiligen Fürsprechern . « Dieses Gebet war vorüber , und man muß sagen , Herr Gottfried , als er einmal auf den Knien lag , hatte recht inbrünstig gebetet . » Der beredete Quell , der von Euren Lippen strömte , sagte mir , daß Satan sich nun nicht wieder nähern darf ! Möchte ich doch auch fast die Gelöbnisse lesen , die aus Eurer befreiten Seele aufsteigen . Ja , theurer Herr von Bredow , die Zeiten sind vorüber , wo es den frommen Ritter , wenn er aus schwerer Drangsal erlöst war , nach Jerusalem zog . Für das Kreuz stehen keine Kreuzfahrer mehr auf . In Euren Jahren , bei der ansehnlichen Beleibtheit , mit der Gott Euch bedachte , möchte Euch auch das Pilgern nach dem heißen Lande beschwerlich fallen . « » Ich pilgern ! « » Ich rathe es Euch auch nicht . Ihr müßt Euch den Eurigen erhalten . Was würde der lange Abschied die gute Frau Brigitte Thränen kosten . Wäre es noch eine kleinere Pilgerfahrt nach Wilsnack . « » Pilger sind Tagediebe . « » Gewissermaßen . Auch ist das heilige Blut in Wilsnack leider in Verruf , seit der Erzketzer Huß sein Buch dagegen schrieb . Das ist das Betrübte , daß eine jede Ketzerei , wie man auch meint sie ausgetilgt zu haben , immer doch etwas Gift zurückläßt . Nun ist Huß zwar , durch Gottes Gnade , verbrannt , aber haben nicht die Zweifel , die er hingestreut hat über das Wunder zu Wilsnack , so gewuchert , daß , man muß es mit Bedauern sagen , selbst der heilige Vater sich veranlaßt sah , die Andacht davor zu verbieten . Das Städchen hatte so hübschen Verdienst , und er blieb im Lande . « » Ja , dazumal schnappten Viele nach der Pfründe . « » Die Opferstöcke werden überall immer leerer , die Gottlosigkeit nimmt zu . Ich wollte Euch auch nicht anrathen , lieber Ritter , wie Mancher in Eurer Lage thäte , einen Stellvertreter nach Jerusalem zu schicken . Das ist nur halbes Werk , kostet sehr viel Geld , und wer weiß , ob der Mensch nicht schon unterwegs die Zehrung verpraßt und vertrinkt . « Darin war Herr Götz ganz einer Meinung mit dem Dechanten . » Was Ihr gebt , müßt Ihr durch sichere Hände gehen lassen . Es wird jetzt durch alle christliche Länder zur Restitution des Tempels in Jerusalem gesammelt ; der allerchristlichste König hat es beim Großtürken durchgesetzt . Ihr braucht Eure Scherflein nur nach Brandenburg zu schicken ; wir sammeln auch am Dome . « Herr Götz warf einen eignen fragenden Seitenblick auf den Sprecher : » Nach Jerusalem ? Das bleibt ja nicht im Lande ? « » Freilich nicht , indessen - « Es schien , als habe Herr Götz mit einem Male den Schlaf abgeschüttelt . Er sah fast pfiffig den Geistlichen an : » Es bleibt doch Manches im Kasten kleben in Brandenburg , nicht wahr ? Da ist ' s besser , ich schick ' s gar nicht erst nach Jerusalem . « » Wenn ich Euch riethe , eine neue Lampe in unserm Dome zu stiften , sähe es wie Eigennutz von mir aus . Aber wir finden schon etwas zur Beruhigung Eures Gewissens . Das fällt mir ein , es thun sich in Rom fromme Leute zusammen , die das Kreuz den Heiden predigen wollen in der neu entdeckten Welt und in Asien . Für diese Bekehrer wird gesammelt . Was müssen sie leiden , diese heiligen Männer , unter den Teufelsdienern : Qualen , Martertode , Hitze , Kälte , Hunger und Durst . Wenn wir nur an ihr Dürsten in der Wüste bei jedem Becher dächten , ach mein Herr von Bredow , der Tropfen Wein würde uns auf den Lippen zum Gifte . Wer spendet da nicht aus vollem Herzen , was er kann . Was Ihr geben wollt - « » Will ' s mit meiner Frau überschlagen . « » Die gute Frau , wenn sie nur die Noth dort kennte , wie sie barfuß durch den glühenden Sand laufen müssen , die armen Kindlein zu ihrem Heil , sie zöge ihre eignen Strümpfe aus . « » Barfuß ? « » Alle barfuß , die in Indien und bei den Tartaren , und wollen Christen werden ! Ist das nicht schrecklich ? « » Laufen bei uns auch genug ohne Strümpfe rum . « » Die gute Frau von Bredow wird gewiß ein hübsches Päckchen schnüren , aber es braucht auch Geld , und mein Freund Götz wird gewiß mit Freuden - « » Ne , « sagte Herr von Bredow , mit einem ganz besonderen Lächeln den Dechanten anschielend , » dazu geb ' ich nichts . « » Gar nichts , ei , mein theurer - « » Wollen erst warten bis die Jungen und Mädel bei uns im Dorfe Strümpfe haben . Aber wißt Ihr was , Dechant ? - Wollen Eins mit einander trinken auf das Wohlsein der armen Leute , die da dürften , auch auf die , die barfuß laufen . « Aber der Dechant trank diesmal nicht mit dem Ritter , den der Voigt von Hoym in die Halle geführt , wo der Imbiß für ihn angerichtet stand . Herr Götz aß und trank allein , was indeß seinem Appetit gar keinen Abbruch zu thun schien . Zwar war Herr Götz der Meinung , daß gute Gesellschaft zu einer guten Mahlzeit sich schicke , wenn aber eines von beiden fehlen sollte , hielt er dafür , daß man darum die Mahlzeit nicht im Stich lassen muß , weil die Gesellschaft uns im Stich gelassen hat . Er ließ es sich vielmehr wie ein rechtschaffener Mann schmecken , der nicht absieht , warum Einer , der schwer gekränkt ist , drum noch hungern soll . Der Voigt von Hoym aber sah wie Einer aus , dem ein Leidwesen widerfahren und er kann sich noch nicht fassen : » Bitt ' Euch um aller Heiligen Willen , und der Lindenberger ? « Der Dechant zuckte die Achseln . » Solch ein Herr , und hat ' s eingestanden ? « » Er dürft ' es doch nicht auf ' die Beweisprobe ankommen lassen ! Der Krämer war schon bereit dazu mit seinen Zähnen ! « » Mir gehts wie ein Mühlrad im Kopf rum . Der Lindenberg war doch so eigentlich Alles . « » Und ist nun weniger als nichts . « » Ich bitt ' Euch , was soll draus werden ! Wen er befahl , steckte ich ein , wen er loslassen wollte , ich ließ ihn los . Ich wußte , ich that immer recht . Der kurfürstliche Befehl kam hinterdrein . Hatte mich so hineingefunden in seine Art und Launen . Und nun soll ' s wieder anders werden ! Wer meint man denn , daß dran kommt ? « » Man will behaupten , der Kurfürst wolle allein regieren . « Mit einem verwunderten Blicke sah der Voigt ihn an : » Ihr wollt es mir nicht sagen . Lieber Herr Dechant , ich bin ein alter Mann , möchte auch in Ruhe leben ; bitt Euch , gebt mir aus alter Freundschaft ' nen Wink , wenn Ihr ' s erfahrt . Einmal geht ' s noch , einmal find ich mich noch zurecht , aber wenn ' s wieder und wieder wechseln sollte - das wär zu viel . Aber was Ihr sagt , er wollte allein steh ' n , hochwürdiger Herr , dazu bin ich zu alt , um ' s zu glauben . Einer muß doch sein , der ' s für den Fürsten thut , und hinter ihm steht , ob er nun Hinz heißt oder Kunz , ob er ' s grob oder fein , heimlich thut oder vor aller Welt ; Einer thut ' s , Einer ist ' s. An Einen muß man sich halten können , und wenn Jeder es weiß , ist ' s besser , als wenn Jeder es rathen muß . « » Das ist ein braver Mann ! « - » So müßten alle Ritter sein ! « riefen die Bürger Herrn Gottfried noch lange nach , wenn sie ihn mit lautem Zuruf und Mützenschwenken begrüßt hatten . Durch alle Hauptgassen beider Städte ging der Zug , und die sechs Trompeter schmetterten in die Luft , daß es für alle Bredow ' s wie eine Hochzeit war . Nur einmal hieß Herr Gottfried sie inne halten , als ein Wagen vorüber fuhr , in dem ein Gefangener auf Stroh saß . Der Herr Lindenberg ward nach dem Schloß gebracht , der Eine , geschlossen und bewacht , zu Verhör und Gericht , der Andere , mit Freunden und Musikern , zu Ehren und Freiheit . So begegnen sich Menschen wohl öfters im Leben ; der früher den Hut zog und tief sich bückte , geht aufrecht und nickte kaum , und der sonst den Kopf im Nacken trug , schleicht , das Kinn in der Brust , froh , wenn der Andere ihn nicht erkennt . Götze Bredow hatte den Lindenberg nie gemocht , aber ihm schien ' s unrecht , daß Einer sich laut freue , wenn ein Anderer tief trauert . Darum hieß er die Trompeter schweigen und hob sich im Sattel , und hielt den Hut gelüftet , bis der Wagen vorüber war . Der Lindenberger grüßte nicht wieder . Vor ihrem Haus am hohen Steinweg hielt die Sippschaft an . Da ward Herrn Gottfried ein Ehrentrunk aus goldenem Pokal gereicht , und der alte Bodo schüttelte ihm die Hand und sagte , daß er sich herzlich freue . Die jüngern Vettern und die Trompeter gaben ihm aber noch das Geleit zum Spandauer Thor hinaus bis an ' s Weichbild der Stadt . Er hatte gedacht noch heut Abend bis Ziatz zu kommen , aber jeder Vetter verlangte und er mußte es versprechen , daß er bei ihm einspreche . Da dachte er , Frau Brigitte wird wohl warten müssen bis morgen . Wer bei allen Bredows im Havellande einsprechen will , der kommt auch morgen und übermorgen nicht nach Haus . Der alte Schlieben hatte es nicht gut geheißen , daß der Kurfürst den Ritter Lindenberg noch einmal sehe , er wollte ihn denn nicht richten lassen . Des Fürsten Angesicht und Zuspruch sei für den Verbrecher Gnade . Er hatte eifrig widersprochen , wie es eines guten Dieners Pflicht ist ; Joachim hatte ihn ruhig angehört : » Hast Du nun ausgesprochen ? « - » Ich hab ' s , gnädiger Herr , und da Ihr ihn richten wollt , könnt Ihr ihn nicht vor Euch lassen . « - » Er ist gerichtet , « antwortete Joachim , und ein seltsames Lächeln lag auf seinen Lippen , und sein Blick war der , den der alte Rath gar nicht mochte , als er die Hand auf die Brust schlug . » Aber ich will ' s ! « Der Lindenberger stand unfern der Thür , wo er eingetreten , der Kurfürst an seinem Sessel , die Arme verschränkt . Als er zu ihm sprach , waren seine Blicke halb zum Fenster , halb auf die Wand gerichtet . » Ich ließ Dich rufen , damit Du mich nicht anklagst , daß ich einen alten Freund ungehört von mir stieß . « » Von meinem Herrn und Kurfürsten konnt ich mich deß versehn . « Joachim unterbrach ihn : » Das Recht geht seinen Weg , täusche Dich nicht . Nur dem Freunde von ehemals gestattet der Freund von ehemals ein letztes Wort . « » Dies Band mußte gesprengt werden , gnädigster Herr . Meine Ahnung trog mich nicht . Es lastete etwas seit Wochen auf meiner Brust . - Doch nichts davon ! Mein Glück war zu groß , der Neid zu mächtig . « Joachim warf ihm einen ernsten Blick über die Schulter zu : » Ich ließ Dich rufen , damit Du Dich vertheidigen könntest . Vor mir , nicht vor dem Gesetz . « » Vor dem hab ' ich gefehlt . Fern sei es , wie ein gemeiner Sünder leugnen zu wollen . Das ist das Arge in dieser Welt , das Einer vor sich im Rechte sein kann , und doch vor dem Gesetze sündigt . « » Bist Du ' s vor Dir , sollst Du ' s vor mir sein . « » Um gerecht zu werden vor Joachim dem Gerechten , müßte ich mit viel Besserem als einem Fastnachtsschwank sein Ohr ermüden . Mein gnädiger Herr kennt den Bredow , den Gottfried mein ich . Daß ich ihm von der landkundigen Geschichte erzählen muß , von seinen Elennshosen ! Wäre mir scherzhaft zu Muthe , sagte ich , von ihm könne man nicht sagen , sein Herz steckt in den Hosen , weil der ganze Mann drin streckt . Ich will ihn gewiß nicht verreden ; er ist ein trefflicher Mann ; aber wer schützt uns vor einer Grille , einer Schrulle ! Und das Verdrießlichste , daß solche Grille anstecken anstecken kann ! Ihm sind sie ein Talisman , sein Amulet , wie anderen Familien ein Waffenstück , ein Ring , ein Becher , eine alte Fahne . Nein gnädigster Herr , gewiß , wenn ich ernsthaft darüber nachdenke , weiß ich keinen Zusammenhang zu finden zwischen leblosen Gegenständen und dem Schicksal , das unser Herr Gott und die Heiligen über uns bestimmt . « » Um Kindermährchen stehst Du nicht hier . « » Ach gnädigster Herr , sind wir nicht Alle zuweilen Kinder ; unser Sinn klebt sich an ein Spielzeug . Wir meinen zu vergehen , wenn es uns fehlt . Gottfried Bredow könnte uns Allen eine Mahnung sein an die eigne Schwäche . Was Andern eine Puppe , ein Spielzeug ist , ein Wahn , dem jagen wir nach . Hättet Ihr nur den Wirrwar gesehen , die Bestürzung - « » Wo ? « » Vergebt , ich rede in Sprüngen . Mein Blut ist noch erhitzt von dem Gedanken , in falschem Licht vor meinem Fürsten zu erscheinen . In Ziatz war ' s. Sie waren ihm gestohlen , auf der Wäsche , glaub ' ich . Er schlief ; Ihr hättet sie zittern sehen sollen , die wackere Frau , die armen Töchter , wenn er erwachte , ehe sie wieder da waren . Ich gestehe es war dumm von mir . Man hatte mir stark zugetrunken ; der Wein , die Erschöpfung , die Nacht ; ehe ich es wußte , saß ich auf dem Sattel , und dem Dieb nach . - Vernünftige Leute würden sagen , ich handelte unvernünftig , das Alles hätte ich Andern überlassen können , und dann wäre das und auch das nicht nöthig gewesen , und das gar unrecht . Diese vernünftigen Leute sollen in ihrem Recht bleiben , und ich im Unrecht . Aber die Hitze hat mich übermannt ; auch der Aerger , ich leugne es nicht , über diesen Lumpenkrämer , der in Saarmund mit meinem Herrn sich zu handeln unterstand . Ja der Schurke zählt noch das Geld nach , er fühlte heimlich ob die Silberstücke gerändert waren . Himmel und Hölle , es überlief mich da schon , daß ich fast meines gnädigen Fürsten Gegenwart vergessen und ihm ins Gesicht geschlagen hätte . Ich weiß , das wär ' ein Frevel gegen die Majestät gewesen , aber ich habe Tage , wo es überkocht . « » Ist das Deine Vertheidigung ? « » Ich könnte noch von einem Spuk erzählen , es klänge aber zu albern . « » Was Dich vertheidigen kann , sprich . « » Seit ich mich bei Beelitz verirrte , gaukelte um mich ein fataler Spuk . An jedem Ast , wo ich hinsah , hing , Thorheit ! aber Ihr befehlt ' s zu sagen , das Kleid , was dem guten Götz gestohlen ist . Ich konnte mich täuschen , aber auch mein Pferd scheute . Ich riß es um , über die Haide , da flatterte es drüben an einer Kiefer . Ich wollte lachen , aber ich mußte zittern . Weiß Gott , ich hatte damals noch keine Ahnung von dem , was in Ziatz sich ereignet . Sollte es nur eine Vision gewesen sein ! Ich habe nie viel an Zeichen geglaubt , aber - « » Lindenberg , ist das Deine ganze Verteidigung ? « » Ich erwarte mein Gericht . « » Du hast Dich selbst gerichtet . Die Hosen hast Du dem Schelm gelassen ; sein Geld nahmst Du mit . « Der Kurfürst sah nicht die Blässe , die Lindenberg ' s Gesicht überzog , nicht wie die erzwungene Fassung ihn verließ , wie die Glieder zitterten . Er hatte sich in den Armstuhl geworfen und bedeckte mit den Händen sein Gesicht . Der Verurtheilte versuchte noch Unzusammenhängendes zu stammeln . Plötzlich verstummte er und stürzte auf die Knie : » Gnade ! « Als er die Augen aufschlug , stand Joachim drei Schritt vor ihm , und der kälteste Blick aus den blauen Augen sagte dasselbe , was der Mund jetzt tonlos sprach : » Von Gnade ist nichts zwischen uns ; Du wirst büßen den Lohn , den Du verdient . Stehe auf . « Lindenberg sprang auf : » Ernst ? « » Hab ' ich je mit Dir gespielt ? « » Wozu riefst Du mich ? « » Daß Du Dich , daß Du mich vor Dir und mir vertheidigtest . « » Himmels Donner und Blitze , ich will ' s nicht glauben , ich kann es nicht glauben . Um die Lumperei - « » Stirbst Du als Straßenräuber . « » Und Du - « » Drei Schritt zurück , Herr von Lindenberg . « » Und aus dem tiefsten Keller Deines Thurmes schrei ' ich Dir ' s zu ; es soll durch dicke Mauern in Deine Ohren gellen : Das wage nicht ! Du bist zu jung , wir sind zu alt . Das hätte Dein Vater nicht gewagt , und Johannes durfte viel wagen . Zog ich mein Schwert , Pflanzt ich auf das Banner der Empörung ? Brach ich in eine Stadt ? - Züchtige die Banden , strafe die gegen Dich rüsten und Pechkränze in die Städte schleudern , aber - « » Laß ungestraft die Wegelagerer , wenn meine Geheimräthe darunter sind . Ich bin nicht gesonnen , darüber mit Dir zu streiten . « » Es werden Andere für mich streiten . Das ist unerhört ! Um einen Schelm , einen Betrüger , um das freche Gesindel , diese Hausirer , diese Bauernschinder , diese Plage des Landes ; um den Kitzel eines tollen Augenblicks - « » Um der Gerechtigkeit willen . « » Ein lebloses Wort , das nicht Fleisch , nicht Blut , eine dürre Blase , in die man haucht , was man Lust hat . « » Genug , Herr von Lindenberg ! Deiner Todesangst sei die freche Drohung verziehen . « » Gerechtigkeit ! Bei meinem Schutzpatron , wer schreit nach Gerechtigkeit , und Ihr seid taub ? Wir ? Nun ist ' s heraus , Mann gegen Mann , Mund gegen Mund . Bilde Dir nicht ein , Joachim , daß Du es so zwingst . Um eines Krämers willen , Edelmanns Blut ! Wo ist die Gerechtigkeit , Das schwarze Blut , das allerwegs kocht , hat sich wieder gesammelt seit dem Cremmer Damm . Es wartet nur auf einen Ausbruch . Das ist zuviel , das ertragen sie nicht . Beim allmächtigen Gott , ich spreche jetzt als Dein Freund . Damals krachte die faule Grete Mauern auseinander ; wir gewöhnten unser Ohr daran . Treibst Du ' s auf die Spitze , so kann Anderes krachen . Scheuche Spatze mit einem Pustrohr , aber zitt ' re , wenn Männer aufstehen . « » Ich werde ihnen in ' s Gesicht sehen . - Hast Du nicht mehr zu sprechen ? « » Was Deine Ohren kitzelt ? Nein ! - Soll schön reden , daß es eine tragische Action gäbe , daß es Deinem Ohr schmeichelte , daß die Wimper naß würde , und Du , mit dem Finger sie streichend , Dir sagen könntest : Du wärst gerührt worden . Ich will Dich nicht rühren ; ich will nicht die Maus sein , mit der die Katze spielt , ehe sie sie erwürgt . « » Das wär ' ja nur Vergeltung , Lindenberg , für das lange Spiel , das Du mit mir gespielt . « » Verflucht der Augenblick , wo ich ' s anfing ! « » Mutter Gottes und Ihr Heiligen Alle , so gestehst Du ' s - Alle Deine schönen , tönenden Reden - « » Waren der Widerhall von Deinen . « » Beim Blut des Erlösers , so schamlos verdammst Du Dich selbst . « » Ich war ein Mensch , Du bist ein Fürst . Prätendirst Du Anderes ? « » Ich wollte Wahrheit hören . « » Das sagen Alle . Die Wahrheit ist ein bitterer Trank , schon für den gewöhnlichen Menschen , was mehr für Einen , der mit Schmeichelliedern eingelullt und mit Schmeichelliedern geweckt wird . Einmal , zweimal wagt man ' s. Wird man angefahren , sieht man das saure Gesicht , dann überzuckert man die bittere Pille , bis man den verwöhnten Kindern den Zucker allein giebt . Wir athmen nur ein Mal ; ein Thor , wer sich die Spanne Zeit vergällen wollte , wenn er mit der Lüge süßen Sonnenschein erkauft . « Joachim war wieder auf den Stuhl gesunken , und wieder verbarg er sein Gesicht : » Seine Puppe - ein Spielball in der Hand eines herzlosen Betrügers ! « » Verlange nicht Herzen , wo Du Gehorsam willst für Grillen . Schneide Dir Günstlinge , aus welchem Holz es ist , knete sie Dir , aus welchem Thon Dir behagt . Ein Günstling bleibt das Geschöpf des Meisters . Er wird pfeifen , blasen , athmen , sprechen , blicken , wie es dem Herrn gefällt , bis er selbst Herr wird . Glaubte es schon da zu sein , bis ein unbewachter Augenblick mich um die Frucht der langen Arbeit brachte . - « - « » Bis das zähnefletschende Thier zum Herrn ward über den gleißenden Betrüger . « » Sei ' s ! Meinst Du , ich wollte um nichts bei Dir dienen ! Die lange Qual , die es mich kostete , schön zu reden , lieblich zu duften , immer tugendhaft geschniegelt zu denken , die Glieder und Gedanken zu strecken auf ein Folterbett , das japste einmal nach Erholung . Nun ist ' s vorüber . « » Schäume aus die Rohheit . Mir wird wohl , daß ich endlich Wahrheit höre . « » Willst weiden Dich an Deiner eigenen Vollkommenheit , während Du Einen siehst den Träbern nachgehen , weil seine Natur ihn trieb . Aber vermeine nicht , wenn Du mich los bist , wär ' st Du frei . Nur vielleicht auf einen Klügern stößt Du , der zäher ist , und länger in die Schule ging , als ich , daß er sich auch im Schlaf bewacht . Wahrheit willst Du ? Sprich es nur aus , und er wird Dein Ohr mit plumper nackter Wahrheit , wie Du sie wünschest , täglich bewerfen . Frömmigkeit ? O sie werden in die Messe stürzen - vor Deinen Fenstern nämlich ; ihre Reden werden duften von Gottseligkeit , werden schaudern vor jedem gottlosen Wort , nämlich , wenn Du es siehst . Nichts leichter , als einen Fürsten betrügen , weil er immer betrogen sein will . Mein Gängelband riß ab , weil ' s an eine scharfe Ecke streifte . Ein Anderer wird es schlaffer halten und desto sicherer . « » Nein , Lindenberg , ich gehe fortan allein . - Lache nur in Dich . Der Herr des Weltalls , der die Würde auf meine Stirn drückte , wird mir auch die Kraft verleihen . Keinem mehr will ich trauen , ich werde mein eigener Rath sein . « » Da wirst Du erst recht betrogen werden . Ja , wär ' st Du Dein Vater Johannes mit seinem Fischblut . Der nahm auch die Miene an , als achte er nicht auf unsere Reden ; in der Stille horchte er und wußte Alles . Er ging seinen graben Weg , und leckte nicht gegen den Stachel ; damit zwang er uns . Du hast Blut und Passionen , Visionen und Missionen , möchtest über unsere Köpfe spazieren geh ' n , Dich zu freuen an Deiner Höhe und unserer Niedrigkeit . Was nicht Alles besseres möchtest Du aus uns machen , nur nicht , was wir sind und bleiben wollen , Märker . Der Topf ist ausgeschüttet , nun kein Blatt mehr vor dem Mund . Meinst Du , daß Einer von uns an Deinem Spielzeug Lust hat ? Wenn er die Zunge spitzt , um entzückt zu reden , sag ihm dreist auf den Kopf : Du lügst ! Ruf mich zum Zeugen ! Uns schiert nicht Deine lateinische Gelehrsamkeit , Deine Universitäten , Deine Zollordnungen , Deine Kammergerichte , Erbconstitution , und was Alles in Deinem Kopfe rumgeht ; das mag gut sein , wo die Leute danach verlangen , in unserm Stande wächst kein Strohhalm mehr davon . Wer die Märker rumkriegen will , muß selbst ein Märker sein , ein Fleisch , ein Blut ; er muß mit ihnen schlagen und schlafen , auf ihren Schildern kann er sich tragen lassen , aber er muß auch mit ihnen zechen und schwatzen , mit ihnen lustig sein und traurig und sich nicht für zu hoch halten , daß er nicht auch mit ihnen irrt und sündigt . « » Wird Deine Schuld geringer , wenn Du einen Andern anklagst ? « » ' S ist Jeder unterthan seiner Grille . Wer sein Müthchen kühlt , handelt recht vor sich ; wer ' s durchsetzen kann vor den Andern . Du strebst nach hohen Dingen , ich nach geringen . Du gehst dem Wahn nach , Dein Volk zu corrigiren , ich dem Kitzel , daß ich nach eines Bettlers Ranzen griff . Ich seh ' nur einen Unterschied zwischen Dir und mir . Ich soll es büßen mit dem Hals , für Dich büßt Dein Volk . « Joachim stand auf . Es war ohne Leidenschaft , was er sprach , kein Zorn lag in seinem Blicke , mit dem er aushaltend den Andern anschaute : » So willst Du vor mir scheinen , jetzt , wie Du damals auch nur vor mir schienst . Was bist Du ? - Das laß mich wissen , ehe wir scheiden . Deine Verteidigung ist schlechter als Deine That ; ich will ein besserer Defensor sein : daran magst Du die Liebe erkennen , die Du mißbrauchtest . Auch die Lüge ist eine Lehrmeisterin . Wer so geschickt wie Du in ein besseres Selbst sich hineinlog , bekommt doch von dem Edleren einen Abgeschmack . Er kehrt nicht wieder freiwillig zur alten Rohheit zurück . Unwillkürlich impft sich ein die feinere Sitte , der adlige Gedanke . Ist ' s nicht das Herz , so arbeitet doch der Verstand , der Stolz , er dünkt sich besser als die Andern . Lindenberg , Du kannst es wieder gut machen ; laß mir ein besseres Bild von Dir zurück . Wenn abendlich Dein Schatten an der grauen Mauer dort vorübergleitet , wenn ich noch lausche auf die Tritte , die Wendeltreppe herauf , - laß mich dann zu mir sprechen dürfen : Er hatte ein besseres Loos verdient ! Laß nicht den giftigen Wurm zurück , daß ich so grauenhaft , so entsetzlich mich täuschte . « Lindenberg schwieg . » Wir sind alle Kinder der Sünde ohne die Heiligung , die nicht von uns kommt . Widerrufe es , was Du sprachst . Du warst besser , Deinen Verstand ruf ich als Richter an . Wilkin , es ist unmöglich , wer , wie Du , in Sitte und Bildung über ihnen allen stand ! Nur in einer unbewachten Stunde brach das Thier , die Bestie , heraus . Sage Ja . « » Soll