In diesem Augenblick erhalte ich den äußerst geistvollen Plan zu Eurem Schattenspiel ; ich will alles so gut machen , als ich kann , aber ich erschrecke fast vor dem Plan , wenn ich nur Leichtigkeit genug besitze ; das Ende sei mir überlassen , sagt Ihr . So haben wir denn wirklich wie Brüder in der Ferne gearbeitet . Der Clausner steigt mit Winkelmann ein und fährt zu Brentano . Nun fällt der Vorhang Eures Schattenspiels , und nun laßt meine Szene angehn , die geht gleichsam bei Brentano vor , und das Edle , Rührende in ihr hebt das Komische wieder auf , so daß das Fest ganz den Eindruck einer freudigen Anmut bekömmt . Euer Schattenspiel ist dann ein himmlisches Vorspiel ; was ich entworfen , ist überhaupt äußerst leicht auszuführen , und wie glücklich wird Clodine durch die Berührung ihrer kindlichen Zärtlichkeit sein . - Schreibt mir doch gleich den Samstag , ob Euch mein angehängter Plan gefällt . In Tonis Stube unter der Treppe kann die Höhle der Zauberin sein , Ihr dürft nur um die Ecke herum eine spanische Wand stellen , so habt Ihr ein Theater , und in der Höhle ist ja noch dazu ein Eingang auf den Gang ; schöner könnte es nicht sein . Das Schattenspiel macht Ihr an der Saaltür und seid in Tonis Stube . Während es hinweggenommen wird , kleiden sich die Schauspielerinnen an , die Gesellschaft tritt in Tonis Stube und ist nun gleichsam mit dem Postwagen in der Sandgasse angekommen , und da geht das weitere vor . Den Gesang , den Tanz könnt Ihr ja weglassen , wenn es Euch zu viel wird . Aber mein Bild der Vestalin , meine kleine Szene mit der Zauberin , sie freut mich gar sehr , und ich weiß , es wird sehr herrlich auf das Komische wirken . Schreibt gleich umgehend , was Ihr wollt , an dem Schattenspiel fange ich heute schon an . Die Idee mit dem Postwagen und Winkelmann ist göttlich . Danke der Toni herzlich . Clemens Liebe Bettine ! Du hast mir einen schönen Ofenschirm geschickt , er entzückt alle Leute , die ihn betrachten , und ist jetzt der größte Schatz meines Mobiliarvermögens , außer Deinem Porträt , wie Deine Liebe überhaupt mein größter Besitz ist . Ich sende Euch hier das Schattenspiel , ich habe es in einem Tag geschrieben , das ist alles , was ich zu seiner Entschuldigung sagen kann . Die kleinen Cochonerien , die es enthält , habe ich genau nach dem übersendeten Plan verfaßt und mir darin keine Freiheit erlaubt ! - Soeben erhalte ich Euren Familienbrief , worin Ihr noch viele Umstände vorbringt von Theater und dergleichen , was ich von hier aus nicht begreife , ich habe Euch doch das Lokal bestimmt , könnt Ihr nicht fertig werden damit , so spielt das Schattenspiel und lacht womöglich , ich will versuchen , allein , ohne Hilfe die Claudine zu erfreuen ; die Posse hab ich geschrieben , das Edle will ich dichten ! - Auf den Schirm hat die Günderode mit Bleistift von ungefähr ihren Namen gekritzelt , auch dies Zufällige hat mich sehr gerührt . Schreibe bis Mittwoch wieder , Deine Briefe sind die einzigen , die ich jetzt habe ! - Adieu ! Clemens An Clemens Unser Teetisch hat sich in eine Pappfabrik verwandelt , George führt den englischen Phaëton aus mit Jockey und Pferden . Franz macht die Dekorationen , ich wollte die Schauspieler machen , es mißlang , ich wurde abgesetzt und darf nur immer noch das zweite Bein machen , den zweiten Arm , und die Zimmer darf ich möblieren ! - Auch soll ich alle Nähnadeln einfädeln . Günderödchen kommt zuweilen , weil ich nicht so oft zu ihr komme , und dann verschwinden wir ins kleine grüne Kabinettchen hinter der Treppe . Den Christian hatten wir erwartet , daß er uns würde helfen , er kam gestern an zu Pferde mit einem scharlachroten Mantelsack , einer Pelzmütze , einem Dompfaffen und einem zahmen Marder , den er mir schenkte ; dies Tierchen plagt mich sehr ! Aber weil es so sehr schön ist ; es will auf meinem Schoß schlafen , und wenn ich ' s herunternehme , dann knurrt es und fletscht mir die Zähne . Auch hat ihm der Christian tanzen gelehrt , es quält mich , aber es ist mir doch eine Gesellschaft ! - Die Proben vom Schattenspiel werden gemacht ; da ich keine Rolle dabei habe , so konnte ich gestern mit Marianne in die Oper gehen ! - Ich hab mich an Offenbach erinnert bei der Musik . Palmira ! - Diese Oper gibt mir die Empfindung , als läg ich auf duftendem Heu und schlief und hörte das Ganze nur mit halbem Ohr . Heute Morgen war so schöner Reif , ich bin mit Marianne bis auf die Gerbermühl gefahren , von dort ging ich zur Großmama ! - Sie war recht erfreut ; ich hab mit ihr ausgemacht , daß ich zum Frühjahr bei ihr sein will und die ganze Frühlingsarbeit im Garten machen , wie im vorigen Jahr noch ! - Ach , das ist jetzt für mich ein Erholungspläsier ! Beim Gärtner war ich und hab nach meinen Bäumen gesehen , alles sieht kernfrisch bei ihm aus und dem Frühling entgegenstrebend . - Er glaubte nicht , sagt er , daß es diesen Frühling so schön sein werde wie im vorigen Jahr ! - Die Witterung lasse sich nicht so gut an ; - ach Frankfurt , du liegst mir wie Blei auf dem Herzen ! In meinem Schreibschrank hab ich in Offenbach gewühlt und hab da den Anfang von einer Beschreibung meines Klosterlebens herausgefunden und dann auch ein Märchen , zu dumm - die Günderode hat ' s gesagt . Aber vom Kloster soll ich weiterschreiben , wenn das Schattenspiel vorbei ist . - Es ist hier im Haus kein einsam Winkelchen , wär die Günderode nicht , dann wüßt ich nicht , wo ich mich suchen sollte ! - Der Toni ihr Kind hat die Rötlen gehabt , da hab ich als abends gesessen . Heute Abend wird eine Hauptprobe des Zauberfestes vorgenommen . Ich mußte alle Rollen abschreiben , hin und wieder laufen , alles herbeiholen ! Am Samstag werde ich Dir die Einrichtung und Verfassung des Ganzen berichten und den nächsten Dienstag , wie das Ganze abgelaufen ist . Lieber Clemens , wann wirst Du denn kommen ? Schreib mir genau den Tag , rechne es aus , wenn es möglich sein kann , daß ich mich freue und jeden vorangegangenen Tag einen weniger zählen kann , bis plötzlich die Freude hereinbricht , daß Du da bist , und dann gibt es schöne Tage ! Ich werde die ersten Frühlingsgänge mit Dir machen , wir werden mit dem Günderödchen manche Stunde verbringen ; ach gestern war ' s schön bei ihr , da hatten wir ein klein Feuerchen in ihrem Ofen angemacht und ohne Licht waren wir da beisammen und sahen die Flammen spielen , die Günderode machte ein Märchen draus , sie legte alles aus , was die Flammen miteinander plauderten . - Das schöne Wetter duftet schon , wenn man vor ' s Tor kommt , die Hecken können die Veilchen nicht mehr verbergen , sie hauchen einen an , ganz vergnügt , daß sie gebrochen werden ! Die Luft , sie kommt geströmt aus wärmeren Landen , man möchte mit sich aufschwingen , wenn sie den süßen Atem der Pflanzen davonträgt . - Bettine Liebe Bettine ! Soeben hab ich Deinen Brief erhalten ; es freut mich , daß meine schlechte Arbeit Euch genügte ; die Kürze der Zeit usw. - Beiliegenden Brief gib am Morgen ihres Geburtstages der Claudine , er enthält ein Gedicht von mir , gedruckt für sie , Du sollst niemand im Hause davon sagen , ehe Du es ihr selbst gegeben hast ; dann aber kannst Du ein Paket mit etlichen fünfzig bis sechszig Exemplaren dieses Gedichtes , welches ich heut mit dem Postwagen schickte , öffnen , dem George fünf Exemplare zum Verteilen geben , der Toni ebensoviel , ebensoviel der Großmutter schicken ; der Gundel auch soviel , auch schicke jeder Günderode eins , die übrigen gibst Du der Clodine für ihre Freunde . Ich bitte Dich aber , das Paket vom Postwagen nicht eher zu öffnen , als die Clodine den inliegenden Brief erhielt , denn es ist unschicklich , daß Du es eher gelesen hättest , als sie , auch liegt in jenem Paket keine Zeile von mir an Dich , ermäßige daher Deine Neugierde und hebe es auf bis zur rechten Stunde , dann gehst Du auf Dein Zimmer und teilst die Exemplare ein und gibst jedem das seine . So geschwind habe ich noch nichts gedichtet . Seit meinem letzten Brief bis heut gezeichnet , geschrieben , gedruckt ! - Ich wünsche sehr , daß Du mir alles schreibst , wie es gegangen , besonders ob sich Schwab erfreute . Am Geburtstage einer Freundin von Clemens Brentano , den 19. März Durch grüne Auen wollt ich mit dir schweifen , Wärst du des süßen Maien frohes Kind , Und wollte sinnreich nach den Blumen greifen , Zu flechten dir ein zärtliches Gewind , Wir Blüten werden all in Liebe reifen , So spräch der Kranz , weil wir dir ähnlich sind . Doch keine Blume ist vor dir entsprungen , Der ungeteilten Kraft bist du gelungen . In leisem Schlummer träumend sinnt die Erde , Wie sie die junge Zeit erfreuen soll , Da sieht sie sich , in züchtiger Gebärde Stehst du vor ihr so sinnend , liebevoll , Und jungfräulich begrüßte dich ihr Werde , Der keine Blume noch am Busen schwoll . Doch bald die Einsamkeit dir zu versüßen , Läßt als Gespielen sie dich Veilchen grüßen . So fehlen Blumen , Blume dich zu kränzen , Die selbst des Jahres frühste Blume blüht , Doch in des Lebens Garten ohne Grenzen , In dem der Frühling ewig kehrt und flieht , Seh eine edle Blume fern ich glänzen , Die bis zum Namen selbst dir ähnlich sieht , Das Herrliche kehrt ewig zu dem Leben , Und jeder Sommer muß uns Lilien geben . Dich Römerin , Vestale seh ich wieder , Dich Claudia , die treu den Vater ehrt , Keusch hüllt ein reiner Schleier dir die Glieder , Die aller Liebe reine Flamme nährt . Es priesen uns noch keines Sängers Lieder Den hohen Sinn , den uns dein Leben lehrt , Bescheidne , zürne nicht , laß es gelingen , Die Römerin will der Barbare singen . Da Claudius , der Feldherr , siegreich kehrte , Will er , als Sieger soll ihn Roma sehn , Der in der eignen Tat den Römer ehrte , Will im Triumphe auch die Tat erhöhn , Doch ein Tribun , der tiefen Haß ihm nährte , Will , ungepriesen soll sein Werk vergehn : Es läßt der Mächtige dem Sieger sagen , Du sollst durch Rom nicht deine Lorbeern tragen . Doch achtet , trotzend auf des Sieges Flügel , Der Feldherr nicht des Richters ernsten Stab , Im Heeresprunk grüßt er die sieben Hügel Von seines Wagens goldner Höh herab , Und tausendfach in heller Waffen Spiegel Grünt ihm der Lorbeer , den der Sieg ihm gab , Es lenket durch des Volkes laute Mitte Der Zug zum Kapitole hin die Schritte . Da öffnet zweien sich das Volksgedränge , Erzürnt tritt der Tribun zum Sieger hin , Ihn , dem er untersagt des Siegs Gepränge , Will er gewaltsam von dem Wagen ziehn : Auch Claudia dringt durch der Bürger Menge Zu ihrem Vater und umfasset ihn . Besiegt muß der Tribun zum Volke kehren , Den sie berührte , muß er zürnend ehren . Die Jungfrau gab dem Sieger das Geleite , Der mit dem Adler nun die Taube trug , So stand sie schüchtern an des Vaters Seite , Und um die Tochter er den Purpur schlug , In schönerm Sieg trug sie aus schönerm Streite Zum Kapitole hin der laute Zug : So Heldenmut und Schönheit sich gesellten , Es triumphiert die Holde mit dem Helden . Wer auf der Erde gleich den Göttern handelt , Dem öffnet sich der hohen Götter Kreis , Auf Erden sind sie menschlich einst gewandelt Und waren edel , sinnbegabt und weis ' , Zu Göttern hat der Glaube sie verwandelt , Denn Göttlichkeit ist aller Schönheit Preis , So wollte Rhea gern , da du gebeten , In deiner Heimat Götter Mitte treten . Zu Schiffe auf der gelben Tiber Wogen Führt man Cybelens Bild von Pessinunt , Schon nahet sich des Segels voller Bogen , Der Göttin Ankunft eilt von Mund zu Mund , Sie zu empfangen kommt das Volk gezogen , Doch plötzlich faßt den Kiel des Flusses Grund , Und wie sich auch der Schiffer Arme regen , Fest ruht das Schiff und läßt sich nicht bewegen . Da flehet kniend Claudia am Strande Der hohen Götter gute Mutter an , Löst dann den keuschen Gürtel vom Gewande , Und zu dem Schiffe führet sie der Kahn , Den Gürtel knüpft sie an des Kieles Rande , Und gütig folgt Cybele ihrer Bahn . Stumm sieht das Volk sie durch die Wellen gleiten , Von Reinen lassen Götter gern sich leiten . So in des Vaterlandes großer Sitte Lebt Claudia , die Römerin , auch groß , Nun teilst du , Claudia , in unsrer Mitte , Ein frommes treues Kind des Vaters Los . Was göttlich noch auf Erden , folgt dem Schritte Der Jungfrau gern nach in des Hauses Schoß . Strebt ihr zu gleichen , der wir uns verbanden , Ich liebe sie , die früher ich verstanden . Liebe Bettine ! Diesem Brief tue nicht so viel Ehre an als allen meinen vorhergehenden , denn ich schreibe in einer wunderlichen Stimmung und scheine mir gar nicht vernünftig zu sein . Seit einigen Tagen ist es so schönes Wetter hier wie im Sommer ; ich sitze nicht mehr meinem schwarzen Ofen gegenüber ; alle Fenster meiner hellen Stube stehen auf ; ich habe keine Rast und keine Ruhe , ich gehe in dem Haus aus und ein , kleide mich alle Augenblicke anders an und empfinde eine ganz wunderbare Angst , so als harre ich am Fenster ein geliebtes , schönes Mädchen vorübergehen zu sehen ; oder als müsse mich jemand heimlich lieben , ich wüßte nicht wer , und wünschte dieser oder jener , kurz ich kann Dir ' s nicht sagen , wie mir es ist , und ich muß mich recht zusammennehmen , nicht weichherzig zu werden . Es ergreift mich alle Frühling so ein Hinausweh ! - Heimweh darf ich es nicht nennen , - und was mich dann betrübt , das ist , ich weiß , daß es mir draußen auch nicht wohler wird . Wenn Du es nicht wärst , die mir das Leben zu erfreuen suchte , so wüßte ich nicht , wie mich anstellen . Bin ich nicht recht undankbar gegen Dich , Du opferst mir Dein ganzes Leben auf , und ich bringe den größten Teil des Jahres fern von Dir zu ; Du zählst die Minuten bis zu meiner Ankunft , und ich halte mich noch ein paar Tage in Wetzlar auf . Aber schreiben mußt Du mir nach Wetzlar , bei Herrn von Bostell werde ich wohnen , mit der nämlichen Post , mit der Du sonst hierher schreibst . Dienstag abend mußt Du mir schreiben , damit ich gleich aufbreche und zu Dir laufe . Den ersten und zweiten Tag wird es nun zwar sehr herrlich sein , wenn wir zusammen sind , aber die ganze Woche , wie wird es dann sein ? - Und den Monat ? - Werden wir uns nicht im Hause langweilen , während draußen im Wald jeder Sperling es besser hat ? - Wir wollen recht viel spazierengehen , und morgens früh , wenn noch alles schläft , schon vor den Toren herumlaufen . Soeben erhalte ich Deinen Brief , der ebenso abgeschmackt vom schönen Wetter spricht wie der meinige , ich hoffe doch , dieser soll Dich mehr freuen , als mich der Deinige ! Ich fand einen fremden Ton drin , oder vielmehr ermüdet und abgespannt , was ich sonst gar nicht an Dir gewohnt bin , Deine Unruh treibt Dich auch umher , vielleicht ist das schöne Wetter dran schuld . Bis den Sonntag werde ich gewiß bei Dir sein , lebe wohl . - Clemens Von Minchen Günderode hast Du lange nicht geschrieben ; wenn die Günderode Dein Märchen nicht gut findet , so ist ' s doch nicht gesagt , daß ich ' s nicht erst sehen will , ehe Du es ins Feuer wirfst , wie Du es schon mit manchem gemacht hast . Wenn sie aber sagt , daß Deine Klostergeschichte gut ist , so freue ich mich unendlich darauf , sie mit Dir zu lesen . Ist sie denn schon so weit , oder hast Du vielleicht noch Platz in dem Heft , das Du dazu wirst geheftet haben ? Wie schön wär ' s , wenn Du mir alle Tage ein einziges Blatt wolltest davon vollschreiben , bis ich komme , noch acht Tage nach Empfang meines Briefes . Liebe Bettine ! Claudinens Brief war mir die schönste Belohnung , und doch ist mir ein ganz gewöhnlicher von Dir immer viel lieber als ein solcher ungewöhnlicher . Daß Du mir heute nicht geschrieben , ist mir ordentlich ganz schmerzlich gewesen ; Du hast mich verwöhnt mit Deinen Briefen . Ich werde nun nicht mehr lange ausbleiben ; Bostell ist hier , mit dem werde ich einige Tage nach Wetzlar gehen , dann komme ich nach Frankfurt , aber eher mußt Du nicht aufhören , mir hierher zu schreiben , bis ich Dir sage , daß ich nach Wetzlar fort bin , bis zum Sonntag hab ich gewiß einen Brief noch von Dir . Ach , es ist mir eine so große Wohltat , wenn ich Dich zufrieden weiß , daß ich am Freitag mit Begierde dem Postwagen entgegeneilte , weil mir Christian geschrieben hatte , er werde kommen ; ich hab zum wenigsten erfahren , daß Du heiter und vergnügt bist , auch hat er mir die Relation vom Fest gebracht . Robinson ist mit Christian gekommen ; ein guter Kerl , eine Art von wunderlichem Leonhardi . - Ich kann heute Dir nicht mehr schreiben , es genüge Dir , daß ich seit Tagen mehr als je an Dich denke , und besonders seit ich von Arnim aus Bern einen schrecklich langen Brief erhielt , in dem er von Dir kein Wort spricht . Nein , das ist nicht wahr ; er grüßt Dich herzlich und denkt oft an Dich . - Wie steht ' s um Deine Klostergeschichte ? - Schreib mir ! Es ist keine rechte Ruh mehr hier im Hause : der Pfarrer Bang liegt oben und schnarcht , Christian bläst immer lamentable Flöte und Winkelmann exzerpiert die Lesebibliotheken . Nun kommt dieser Welthanswurst , der Robinson und will von mir profitieren , und nun bin ich schon ganz zusammengeworfelt und finde mich zwar zusammen , aber nicht aus mir heraus . Clemens Lieber Clemens ! Hier ein Brief von Md . Mereau , der an mich adressiert war ; Du hast sie vielleicht jetzt schon gesehen und mit ihr gesprochen , sage mir , ob sie noch schön ist , oder vielmehr , ob Du sie noch lieb hast . Ich war auf der Gerbermühle und hab der Marianne von Deinem Lied erzählt , nun mußt Du ihr es auch schicken , sie ist sehr begierig darauf wie natürlich , ich soll Dich grüßen von ihr . Ich hab gefragt , warum sie so wenig mit uns war während Deinem Hiersein ; ach , sie wußt es nicht warum ! - Und ich weiß auch nicht , warum ich hiersitze und der Zukunft den Rücken drehe und in den Spiegel einer weit zurückgezogenen Zeit schaue und auf einen kleinen Fleck nur schaue . Das ist der Beginn unseres Briefwechsels ! - Weil Du jetzt fort bist , so hab ich mich gar nicht mehr besinnen können , wie ich Dir sonst schrieb , der Mereaubrief will doch zu Dir , ich muß ihn schicken und schreiben ! - Da suche ich nun in Deinen früheren Briefen , wie es sonst mit uns war , so ganz gedächtnislos bin ich und finde ein Lauffeuer verbundener Gefühle und Gedanken , ein Morgenrot , ein Morgenlicht , ein Aufblühen , ein Mittagsglühen , ein unermüdliches idealisches Tragen und Heben , ein Lehren in Liebe verwandelt und endlich eine schöne reine Lebenskühle ! - Ich bin ermattet , sie tut mir wohl , diese Frische ! - Meine Sinne wollen schlafen ein wenig , es war ein zu heißer Frühling . Knospe an Knospe blühen alle , - Du gehst voran ; ungeduldig , da machst Du die Tür auf vom nächsten Revier , wo die Blüten freudig herumtanzen , und wie es da weitergeht mit Befruchten und Reifen , das ergreift Dich . Das Leben will keine Zeit verlieren ! Ich aber bleib noch hier , das schmale grüne Fleckchen des Unvergeßlichen ! - erster Geschwisterliebe , erster Erscheinung des Lebens , der ich mich verbunden habe ; das braucht ja keiner Rosenglut , keiner glühenden Früchte , das Hoffnungsgrün ist so rein , so einladend immer , auch im Nebel lebendig durchschimmernd . - Das ist mein Plätzchen . - Es ist jetzt sehr still bei mir , weil Du nun fort bist , ich werd mich aber bald wieder dran gewöhnen . - Du wirst doch wohl nicht mit Deinem Freund Wrangel nach Rußland gehen ! - Ich rate herum ! - Sonst hast Du mir alles gesagt , diesmal gingst Du mit einem Geheimnis auf dem Herzen ! - Ich seh Dich in Gedanken über ' s Meer forteilen ; das gebührt Dir ja auch . - Ich ging in andre Weltteile und machte da jede Hütte auf an Deiner Stelle . - Wie ist das dumm , daß man wie ein eingesperrter Vogel von einem Stängelchen zum andern hüpft , von Marburg nach Frankfurt , wieder nach Marburg , zur Abwechslung nach Jena oder Weimar ! - Für was lernt man Geographie und kann die Welt auswendig auf den Tisch malen ! - Und bleibt hinterm Tisch sitzen , kommt nie in sie hinein . O , welche schwere Verdammnis , die angeschaffnen Flügel nicht bewegen zu können ; Häuser bauen sie , wo kein Gastfreund Platz drin hat ! - O Sklavenzeit , in der ich geboren bin ! - Werden die Nachkommen nicht einst mitleidig mich belächlen , daß ich mir ' s mußte gefallen lassen , wenn wir vielleicht als Geister einstens sklavische Natur uns vorwerfen ! - Wie ! Ihr habt den Geist eingesperrt und einen Knebel ihm in den Mund gesteckt und den großen Eigenschaften der Seele habt Ihr die Hände auf den Rücken gebunden ? - Ach Clemens , gehe Du doch nur immer aufs Meer , wo jede Welle in die andere fließt ! wo nichts noch feste Gestalt hat , wie gewonnen , so zerronnen ! Besser , daß alles zerfließe , als daß Gestalt gewinne , was nicht ganz Großmut und Freiheit wäre ! - Das sind so nachwehende Töne aus meinen Unterhaltungen mit der Günderode , die auf drei Wochen nach Hanau ist . Gestern waren wir bei Bethmann zu einer Lektüre vom Hamlet , die Szene zwischen ihm und Ophelia unterbrach die Vorlesung , jeder hatte sie allein für sich gelesen , aber laut sie zu lesen , das wollte keiner . - » Ich will ' s vorlesen , « rief ich , und glaubte , nur die Schwierigkeit dieser Szene , Charakter und Doppelklang der Ironie wiederzugeben , verhindere das Weiterlesen . » Wie , Sie wollen ' s lesen ? « schrien alle ; ich war schon aus meiner Ecke hervor am Tisch und las mit lauter Stimme die ganze Szene trefflich , ja trefflich , denn die ganze Zeit hatte ich eine Umwälzung aller Sinnen erlitten , und nun kam die Rache , und die Lenznacht meiner Empfindungen stieg aus meiner Brust empor wie eine Feuersäule , und ich las fortstehend und freute mich am Widerhall meiner Stimme , und - siehe da , alle waren fort in die andren Zimmer , ich war allein gelassen worden . - Was sie dachten , weiß ich nicht . Auf mich hatte es eine glückliche Wirkung ; zum erstenmal wieder eine Nacht wie die in Offenbach sonst waren , wo der Schlaf so leicht mich deckte , als sei es ein Erwachen in eine höhere Sphäre . - Es weissagt etwas in mir , daß eine Kraft in dieser Welt sei , die mit Leidenschaft mich liebt . Bettine An Bettine Weimar bei Friedrich Meier Ich ging so hastig von Frankfurt ; mein eiliges Entlaufen , mein gehemmtes Gehen und Wiederkehren , das mußte Dir , geliebtes Kind , wie das Tun eines Nachtwandlers vorkommen , und so war ' s auch ; ich war wie ein Schlafender , der sich gern seines Traumes erledigte , wenn er nur könnte ; nun hab ich bei diesem Abschied von Dir gefühlt , daß ich träume , daß ich wohl erwachen werde , wenn ich im Traumwahn von Deiner Seite weiche , daß ich dann in nichts Ersatz finden werde für die Heimat bei Dir . - Aber der Traum gibt einem andre Hoffnungen , die allergrößten vom Erdenleben ! - Und führt einem durch die allerunbesonnensten feurigsten Lebensepochen ; ist man erwacht , so sitzt man tief in der leeren Erdenschererei , und alle prophetischen Klänge der hohlen Baßgeige Erfahrung begrüßen einem mit dem fatalen : Hab ich dir ' s nicht gesagt ? Bis jetzt bin ich dahin noch nicht gekommen , meine Hoffnung im Steigen , meine Erwartung vom Zusammenleben mit viel bedeutenden wunderlichen , liebenswürdigen Menschen hier , aufs höchste gespannt ! - Der Park steht in seinem edelsten Grün . Du hast solchen üppigen Rasen , so belaubte Kronen noch nicht gesehen wie hier , wo ein rascher , kühler Fluß mit unendlicher Geschäftigkeit alles Leben nährt und in seinem Verband hält , er gibt der irdischen Lust allhier einen himmlischen Anstrich von Kraft , von Poesie , von Lebensfülle . Einbrüche , Wortbrüche und noch speziellere Brüche stürzen alle die Verhältnisse ein , die nicht unter des Wonnemonats heiliger Gerichtsbarkeit stehen . Er teilt Hirtenbriefe aus zu Schäferidyllen ; Ablaßbriefe , Beichtzettel , Schmutztitel von Erbau- und Predigtbüchern im Wonnemonat gehalten , findest Du an den heimlichen Ufern der Ilm hingestreut , alles vom Wonnemonatheiligen unterschrieben . Du findest aber auch in diesem Park die schönsten Altargeländer zum Anbeten der Heiligen ! - Gerichtsschranken zum Verurteilen , Ketten und Fußblöcke zum Fesseln . Und da liegt mancher , der sich nicht kann helfen , da sind Prüfstände des tentamen und examen rigorosum des Lebens , Krieg , großer Kampf , kleine Hinrichtungen , Missetäter , die ihr Leben lang an einer Kette schleppen , Gaudiebe und Gaudiebinnen , die leicht von Hand zu Hand gehen lassen , was sie ewig zu bewahren geschworen hatten . Aber auch mitten unter diesem Gewühl findet sich der Schlüssel zu dem stilleren Garten des Eden , in dem zuerst das stille , milde Erfreuen über das Sein einem anwehet , - wo man zuerst es sich sagt , welch beglückend Gefühl dieses Sein ist , das die Entzückung unterbricht , um aufs neue wieder den Segnungen der Ruhe sich hinzugeben . Der Morgen geht auf ; - unter dem Baumschatten auf der Haustürbank ruhig hingelagert , sich und die Welt anschauen , das deucht einem das perennierende Vergißmeinnicht des Genusses . - Ich könnte so fortträumen , um Dir zu beweisen , daß ich träume ! - Es ist ein wahrer Tauschimmer von Lebensblüten , und alle meine Empfindungen sind ein blumiges Spielgärtchen , in dem die erfrischte Welt in der Morgenröte liegt ! - Und die Vergangenheit ? - Ich wohnte unter vielen vielen Leuten Und sah sie alle tot und stille stehn , Sie sprachen viel von hohen Lebensfreuden Und liebten , sich im kleinsten Kreis zu drehn ; So war mein Kommen schon ein ewig Scheiden , Und jeden hab ich einmal nur gesehn , Denn nimmer hielt mich ' s , flüchtiges Geschicke Trieb wild mich fort , sehnt ich mich gleich zurücke . Und manchem habe ich die Hand gedrücket , Der freundlich meinem Schritt entgegensah , Hab in mir selbst die Kränze all gepflücket , Denn keine Blume war , kein Frühling da , Und hab im Flug die Unschuld mit geschmücket , War sie verlassen meinem Wege nah ; Doch ewig ewig trieb mich ' s schnell zu eilen , Konnt niemals nicht des Werkes Freude teilen . Rund um mich war die Landschaft wild und öde , Kein Morgenrot , kein goldner Abendschein , Kein kühler Wind durch dunkle Wipfel wehte , Es grüßte mich kein Sänger in dem Hain ; Auch aus dem Tal schallt ' keines Hirten Flöte , Die Welt schien mir in sich erstarrt zu sein . Ich hörte in des Stromes wildem Brausen Des eignen Fluges kühne Flügel sausen . Nur in mir selbst die Tiefe zu ergründen , Senkt ich ins Herz mit Allgewalt den Blick ; Doch nimmer konnt es eigne Ruhe finden , Kehrt trübe in die Außenwelt zurück , Es sah wie Traum das Leben unten schwinden , Las in den Sternen ewiges Geschick , Und rings um mich ganz kalte Stimmen sprachen : » Das Herz , es will vor Wonne