müsse er sich nicht alsobald lassen , sonst solle er lieber nicht gehen ; darauf solle er zählen , daß er da mit Aufbegehren mehr ausrichte als mit Ordelitue , bsungerbar beim Alte . Wer mit dem ordeli tue , den sehe er nur so für einen Schnuderbub an , mit dem er machen könne , was er wolle . Resli ließ sich brichten , nahm ein Vierpfünder-Zuckerstöckli und ein Pfund Kaffee in ein Säckli und marschierte gefaßt , als wie einer , der seine Seele Gott befohlen , mutig und todesgewärtig ins Feuer der Schlacht geht , dem Dorngrüt zu . Bald lag es vor ihm , halb alt , halb neu , halb grau , halb blank , und welches ihm besser gefiel , das wußte er nicht . So geht es noch Manchem mit Alt und mit Jung , daß man nicht weiß , was einem besser gefällt , und ganz besonders , wenn Alt und Jung unter einander ist wie Kraut und Rüben , wird einem das Urteil schwer . Indessen kömmts halt nicht aufs Dach , sondern auf die Leute an , obs einem unter einem Dache gefällt und wohl ist oder ds Kunträri . Es gibt strube Dächer , es ist einem wohl darunter , wenn nämlich biederherzige Menschen darunter hervor einem die Hand längen , und es gibt nagelneue Schieferdächer , die verflucht haltbar sein sollen , strenge Winter ausgenommen , und es wird einem darunter , daß man dem Teufel Götti sagen möchte , wenn die Leute eben auch halb und halb sind , alle Laster haben , aber schöne nagelneue Worte dazu . Oh , was so schöne nagelneue Worte glänzen und flimmern können , viel ärger als die Sterne am Himmel , und seit man im Kanton Bern kein eigenes Geld mehr schlägt , keine schönen Dublonen mehr , keine ehrenfesten Neutaler , hat man sich aufs Prägen von glitzerenden Wörtern gelegt , die so ganz frisch , so hagelnagelneu glänzen , daß man darob ds Teufels werden möchte . Mit der Zeit böset es ihnen freilich auch , aber dann prägt man neue , und kommod ists , daß man dazu kein eigenes Haus bedarf , jedes Wirtshaus und jedes Rathaus paßt dazu und den Stempel trägt jeder im eigenen Maul . Aber eben darum wußte Resli nicht , wie es ihm werden werde unter dem Dache , denn kein Mensch war sichtbar um dasselbe , kein Ringgi bellte , kein Hahn krähte , still war es rundum . Er doppelte an der Nebentüre , er doppelte an der Vordertüre , stille bliebs , nichts regte sich . So ein stilles Haus hat etwas Geheimnisvolles , Schauerliches , es wird einem , als müsse da innen was Wunderbares sein , und ob es sich kund gebe , ob zum Fenster hinaus , ob hinter der Türe hervor , das weiß man nicht . Je mehr man hoschet , desto ängster wird einem , denn um so Wunderbareres erwartet man . So ging es Resli . Er hoschete zum ersten Male , wartete , hoschete zum zweiten Male , wartete , wartete länger , endlich zum dritten , aber stark klopfte ihm das Herz , alle Sinne waren scharf gespannt . Stille bliebs im Hause ; aber wie er zusammenfuhr , als hinter ihm plötzlich eine Stimme fragte : » Was hest welle ? « Und als er sich umsah , war niemand hinter ihm , und schauerlich war es ihm , daß er da stand , nicht rückwärts , nicht vorwärts konnte , bis noch einmal die gleiche Stimme frug : » Wasd welle heygist ? « Da er diesmal dem Orte , woher die Stimme kam , das Gesicht zukehrte , so sah er unten im Garten zwischen grünen Bohnenblättern eine lange Nase und endlich der Bäuerin ganz Gesicht . Resli stellte sich vor , und langsam machte sich die Bäuerin los aus dem grünen Geflechte und langsam kam sie auf ihn zu , augenscheinlich ratschlagend in sich , wie sie sich zu gebärden hätte . Langsamkeit ist eine schöne Sache ; wer sie recht zu ratsamen weiß , wird sich selten anders verfehlen , als daß er Andern höllisch lange Weile macht . Resli machte sich so höflich , als er konnte , aber die Bäuerin hieß ihn nicht hineinkommen , sondern bloß abhocken auf dem Bänklein vor der Küche . Dort gab er ihr sein Säcklein , sie solle es leeren , er sei in der Nähe vorbeigekommen und hätte gedacht , er wolle ein Zeichen tun für die Müh und Kosten , welche sie seinethalben gehabt . Die Bäuerin sagte : » E , aber nei ! Daran hätte ich doch nicht gesinnet , das hat sich nicht nötig , bhäbs . « Aber Resli setzte nicht ab und brachte die Bäuerin bald dahin , daß sie sagte : » He nu so de , weds zwänge witt , aber es hatt sih notti nüt brucht . « Sie ging hinein ; bald darauf hörte man es lustig knistern In der Küche , und als die Bäurin wieder kam , hatte sie ganz freundliche Augen es war , als ob sie ihr der Zucker so süß gemacht hätte . Er müsse warten , sagte sie Resli , ohne etwas Warmes lasse sie ihn nicht fort . Aber so sich zu verköstigen , das heig afe ke Gattig ! Resli pressierte nicht ; die Bäuerin setzte sich neben ihn und rüstete Bohnen , und wie eine Bohne um die andere aus dem Schoße der Bäuerin ins Körbchen zurückfiel , gab ein Wort das andere , und nach und nach kam Resli aufs Weiben und wie es eine bei ihm haben müßte , wenn er eine fände , die ihm anständig wäre ; e wüeste Hung gegen eine Frau mochte er dann nadisch nicht sein , sich nicht etwas aufs Gewissen laden , da gehe das Aufladen wohl ring zu , aber mit dem Abladen könne man nicht mehr zwegkommen . » Allem an « , sagte die Bäuerin , » hätte dann eine Frau nicht bös bei dir ? « » Wäger nit « , sagte Resli , » öppe wegem Reichtum will ich nicht sagen , daß es eine nicht besser machen könnte , aber mehr als genug kann eine doch nicht essen und mehr als gut es doch nicht haben , und genug fände sie so Gott will bei uns , und wegem Guthaben , traue ich , würde es eine kaum besser machen .. « » He ja « , sagte die Bäurin und seufzte , » es wär gut , es wäre allenthalben so , aber Guthaben und Reichsein ist zwei . Manche Arme hat es so gut oder besser als manche Reiche . « » He ja « , sagte Resli , » es ist so , und schon Manche , wo Geld genug hatte , aber e Hung vo Ma , hat mich grusam duret , und es het mih düecht , ih möcht dä Uflat ungspitzt dur e Bode niederschla . Wenn ich eine bekommen könnte , gerade so wie Euer Meitschi eins ist , es düecht mich , ich wollte ihm den Geiger haben , so oft es wollte , und barfuß lief ich ihm , wohin es wollte , und sollte es über ein Dornhag sein bis ga Basel abe . Wenns z ' mache wär , das möcht ich , und ich traue , auch meinen Leuten wäre es bsunderbar anständig . Gesehen haben sie es zwar nicht , aber viel Grühms von ihm gehört . « » Sövli ernst wirds dr nit sy , wird tuest « , sagte die Bäuerin , » u de wärs z ' spät . Anne Mareili hat schon einen , dSach ist richtig , sust gfielst mir noch , und ich glaubs , ds Meitschi hätt nit sövli bös bei dir . « » Es freut mich « , sagte Resli , » wenn Ihr das glaubt , und deswegen , hoffe ich , werdet Ihr ein gutes Wort für mich einlegen . DSach wird doch wohl zu ändern sein , und dem Meitschi wärs auch recht , wie ich Grund habe zu glauben . « » Es tut wüst , ja , ich weiß es wohl , aber es hilft ihm nichts , als daß es nachher um so böser hat « , sagte die Alte . » Sie machen es einem so , die Donnstigs Grännine ; nimmt man sie gerne , so halten sie einem vor , man sei ihnen nachgelaufen , und wehrt man sich und muß doch anekneue , so treiben sie es einem ein , daß man anfangs vergehen möchte vor Plären , nachher bessert es einem . Ich habe es auch erfahren und weiß , wie es geht . « » Darum « , sagte Resli , » seid eine Mutter am Meitschi , legt ein gut Wort für ihns ein , macht die Sache mit dem Alten krebsgängig , Ihr sollt Euch Euer Lebtag nicht reuig sein ; ds Meitschi will ich auf den Händen tragen und Euch auch . « » Hör chäre « , sagte die Frau , » es hilft nüt . Mein Mann hat einen Gring wie ein Landvogt , was er einmal darin hat , das bringt man ihm nicht mehr daraus . Nun setzt er an die Heirat mit dem Kellerjoggi , es ist ihm wegen den Buben . Das sei das Einzige , für was man die Meitscheni brauchen könne , daß man sie reich heiraten mache und öppe , daß die Buben noch zum Erben kämen , so mehre sich die Sache , statt daß sie sonst mindere und die Buben durch die Meitscheni zuletzt über nichts kämen . Und es ist wahr , Kellerjoggi ist reich , und wenn alles öppe kömmt , wie man denkt , so können da einmal üser Buebe Hung usenäh . « » Aber « , fragte Resli , » sind dann eigentlich nur die Buben Euere Kinder , und soll einem nicht eins sein was das Andere ? « » Was weiß ich « , sagte die Bäurin , » es ist der Brauch diese Weg , und wie es der Brauch ist , so macht mans . Ich will nicht sagen , daß das Meitschi mich nicht dauert , aber was will man , es muß es haben wie die Andern auch . Dafür ist man auf der Welt . Sonst , wenn das nicht wäre , hättest du mir nicht übel gefallen . Wenn unser Ätti tot ist , so könnte ich zu euch kommen . Machen tut er es nicht mehr lange , er muß des Nachts manchmal husten , daß es einem übel gruset , und ganz Stunde muß er aufhocken . Öppe gut habe ich es bei ihm nicht gehabt , und wenn ich einen Kreuzer habe brauchen müssen , öppe zUnnutz nit , selb wär mr selber nit zSinn cho , so hat er für zwei mit mir aufbegehrt , und wenn ne üse Herrgott öppe bald will , su kehre ih mih nit lätz , was hilfts ? Mi mueß sih i dSach wüsse z ' schicke . Aber notti reut er mich , denn nachher habe ich es noch böser . Die Buben sind schon jetzt so wüst gegen mich , daß sie nicht wüster sein könnten , und wenn dSach erst ihre ist , so bekomme ich es , wies kein Hund hat in der ganzen Gemeinde . Da nehmen sie alles , und was sie mir geben sollen , geben sie mir nicht , und wenn ich schon dene Manne klage , so nützt es nichts , ich kriegs nur böser . Es hats ein jeder auch so gemacht , und was ist so an einer alten Frau gelegen , wo man je eher je lieber unter dem Herd hat ! Da , hatte ich gedacht , könnte ich zu euch , wenn üse Ätti greiset wär , und bruchte meinen Schleiß dort ; du würdest notti schon sehen , daß ich ihn bekäme , und mich davon brauchen lassen , was ich öppe nötig hätte ; öppe alles nicht , es bliebe immer noch übrig , was ihr nehmen könntet . Es hat mir wohl gefallen , bsunderbar , wie deine Mutter hat könne kramen und bifehle , es het mih düecht , wenn ich es einmal so haben könnte , nur einen Monat lang , ich wollte zufrieden sein , aber mein Lebtag habe ich nie bifehlen können und werde auch nie dazu kommen , daß Gott erbarm ! Aber vrsprenge hets mr ds Herz scho mängist welle , wenn ich daran gedacht , daß mein Mann vierzigtausend Pfund von mir hat können nehmen , so gut als wie einen Batzen , und wie ich davon nichts gehabt , aber habe können Hund sein fast vierzig Jahre lang ; von wege , ich bin noch gar jung gewesen , wo ich ihn habe nehmen müssen und schier nit welle ha . Es hat mich auch düecht , ich möchte noch ein wenig ledig und lustig sein und so einen finde ich immer noch , wenn ich auch zehn Jahre noch warte . Jetzt macht es Anne Mareili doch besser , es muß Seinen , so Gott will , nicht vierzig Jahre haben , auf das allerhöchst kömmt es mit zwanzig Jahren daraus , und dann hat es notti ein Schönes verdient ; aber zwanzig Jahre sind lang und e alte Uflat e wüesti Sach . « Unterdessen war in der Küche etwas Warmes zustande gekommen , der Mittag näher , und vom Felde her hörte man Stimmen und Hundegebell . Die Bäurin nötigte ihn hinein und sagte , es sei drinnen neuis zweg , und daß das Volk ihn sehe , sei eben nicht nötig . Resli gehorchte und ward ins bekannte Stübchen gewiesen , wo er krank gelegen und wieder erwacht war ; es war Anne Mareilis Stübli , das sicherste im ganzen Hause , denn des Meitschis Stube betritt nicht leicht ein anderer Fuß als solche , welche es eigenhändig einläßt . So ein Mädchenstübchen , sei es groß oder klein , schön oder schlecht , ist immerdar ein Geheimnis oder wenigstens die Hülle eines Geheimnisses ; manchmal birgt die Hülle ein Heiligtum , selig dann die Hand , welche die Hülle hebt , manchmal birgt sie das Gegenteil , und besser wäre der Hand , welche die Hülle gehoben , gewesen , sie wäre verdorret , ehe sie den unglücklichen Griff getan . Resli achtete sich der Suppe nicht , welche auf dem Tische stand ; er sah rings im Stübchen sich um , betrachtete alles in einer Andacht , die inniger und heiliger war als die englische , mit welcher die weißhaarigen Vögel alles betrachten , was in ihren Reisebüchern steht , und jegliche Stube eines Berühmten , in die sie gewiesen werden , andächtiger betrachten , als jener Engländer die Jungfrau vom Rugen hinüber im Laternenschein . Er war nämlich am Abend bei Nacht nach Interlaken gekommen , wollte vor Tag am Morgen fort und wollte doch die Jungfrau sehen , ließ an lange Stangen Laternen binden und zünden in die Nacht hinaus , und was er gesehen , weiß man nicht , aber er sagte : » Byutiful ! Encore un moment « , schrieb etwas auf , dann ging er heim , trank Tee , aß dazu anderthalb Pfund Anken und anderthalb Dutzend harte Eier und strich sich am folgenden Morgen wieder . Und wie er da so herumschaute , Resli nämlich , von einem zum andern , ging die Türe auf und Anne Mareili trat herein ; die Mutter hatte ihm einen Wink gegeben , daß neuer seiner warte . Es schlug die Hände zusammen , als es ihn sah , ward bald rot , bald weiß , und als es ihm stumm die Hand längte , zitterte sie . » Die Mutter meints nicht bös « , sagte er . » Ja , gschauet einander nur « , sagte diese , rasch eintretend , » und esset schnell , und je eher du gehst , dest besser ists . Aus der Sache gibt es doch nichts , und wenn der Alte dazukäme , so wär das Wetter los für nichts und aber nichts . « » Aber Mutter « , sagte Anne Mareili , » du wirst doch nicht begehren , mich so unglücklich zu machen , häb auch ein Gefühl für mich ! « » Hör chäre « sagte die Mutter , » du weißt ja , wie dr Ätti ist und was ich zu einer Sache zu sagen habe . Und so wegem Manne ists wäger nit dr wert , ds Wüestist alles z ' mache . Am End kömmts aufs Gleiche hinaus , nehme man den oder diesen , öppe e chly besser oder e chly böser , es ist e gringe Unterschied , und wenn es schon nicht nach dem geht , was man im Kopf hat , deswegen fährt einem der Kopf doch nicht ab , darauf chast zele . Ih hätt sust scho dryßig Jahr kene meh . « Man gewöhne sich an alles . Dreißig Jahre sei es nie gegangen , wie sie gewollt , deretwegen würde es ihr jetzt gar ungewohnt vorkommen , wenn es einmal ginge , wie es sie düeche , daß es ihr anständig wäre . Und wenn dr Ätti einist abgehe , und sövli lang gehe es nicht mehr , sie sage es noch einmal , so hätte sie den Glauben zu ihnen , daß sie es bei ihnen nicht am bösten hätte . Aber was nicht sein könne , müsse man nicht zwangen wollen , und wenn man zuweilen ein gutes Tröpfli Kaffee habe , so lerne man sich in manches schicken , wo man anfangs geglaubt , es wolle einen in die Luft sprengen . So tröstete die Mutter , aber dieser Trost schlug nicht ein . Trost und Gemüt verhalten sich gar seltsam zusammen , und gar selten weiß ein Mensch , ob er mit seinem Trost Öl oder Wasser ins Feuer gießt . Die Einen trösten und haben selbst den Glauben nicht zu ihrem Troste , und Andere trösten , nach dem es sie düecht , und denken nicht , daß es den Andern ganz anders düecht . So faßte auch der Bäurin Trost bei ihrer Tochter nicht . Resli zu trösten , erachtete sie nicht für notwendig ; wahrscheinlich meinte sie , einer , der nur einen Finger zum Fenster hinauszustrecken brauche , damit Zehn ihm daran hingen , werde sich nicht hängen , wenn er die nicht kriege , die ihm angfähr ins Gesicht geschienen . Es war ihr , wenn er nur fort wäre . So aber war es Resli nicht . Er saß neben Anne Mareili und rückte mit Essen nicht fort , gäb wie die Mutter sagte : » Seh iß doch , nimm doch , es kaltet ja . « Das Kacheli mit dem gleichen Kaffee stand noch immer vor ihm , und mit dem ersten Stück Eiertätsch war er auch noch nicht fertig . Und Anne Mareili machte auch keine Anstalt zum Gehen , als die Mutter die Nachricht brachte : » Seh mach und gang , si göh wieder , und was würd dr Ätti säge , wenn er dich nicht auf dem Felde sähe ! Der geht dort vorbei , wenn er heimkömmt . « Aber Anne Mareili war nicht ab Platz zu bringen . Der Ätti hätte in der letzten Zeit so oft mit ihm wüst getan , sagte es , daß einmal mehr oder weniger ihm gleich sei . Und so darin hangen zwischen Leben und Sterben möge es nicht länger , aber wunder nähmte es ihns , ob dann ein Ätti das Recht hätte , mit einem so umzugehen , daß es gerade so sei , als tötete er einen , das möcht es doch erfahren . » Du guets Tröpfli « , sagte die Mutter , » probiers mit ihm , wennd darfst ; du wirsts erfahren , was ein Ätti kann und was ein Meitschi kann . « » Ja , Mutter , das will ich , von wegen ich glaube , es komme da aufs Couragi an , und wenn ein Meitschi fest in ihm selber ist und öppe es paar Wort und es paar Kläpf nit schücht , su wird öppe so e Ätti nit alles zwänge . Und tut er z ' wüst , so laufe ich fort , und wohin , weiß ich wohl . « Da ward der Mutter himmelangst ; sie hatte das Couragi längst verloren und begehrte die Suppe nicht mit auszuessen , welche Anne Mareili einbrockete , sie begehrte nicht Schläge , und fortlaufen konnte sie nicht , sie wußte kein Haus , wo sie Gottwilche gewesen wäre . Sie bat ihns , es möchte gehen ; zu Resli sagte sie , es düeche sie , es sollte ihm lieb sein , nicht Ungelegenheit zu haben , und wenn sie ihm zu Gutem raten könne , so solle er gehen , so streng er möge . An ihrem Meitschi würde er doch eben nicht alles erobern , dSach sei den Buben , und von der Haushaltung verstehe es nichts , es hätte dSach geng alles a seye gla , es vrstang i Gottsname nüt , als so gradane dryzschla ; so ein Bursch , wie er sei , könne es hundertmal besser machen , und wenn sie ihn wäre , so wollte sie doch nicht so Mühe haben , wo es nichts als Verdruß gebe . Aber auch zu ihm redete die Bäurin wie an eine Wand , und je strenger sie redete , desto weniger achteten sich die Zwei ihrer , sondern führten Privatgespräche . Da ward die Alte endlich böse und sagte : » Ih sägen ech zum letztemal , göht ! U wenn dr nit ganget , su luegit de . Ob de dr Alt chunt oder dr Tüfel , es chunt ech i eys . « Da ging die Türe auf und der Alte trat ein . » Herr Jesis , er chunt , er chunt ! « rief die Bäurin und machte sich hinaus . » Das geht lustig « , sagte der Bauer , doch eben nicht zornig , » grad wie es im Spruchwort heißt : wenn die Katze aus dem Hause ist , so tanzen die Mäuse . Haben sie dich schon wieder gefunden hinter einem Hag ? « » Nein « , sagte Resli , » diesmal bin ich selbst gekommen . Mutter und Vater alten und sind schon lange an mir , daß ich weiben solle , aber es hat mich bisher nie düecht , daß ich möchte , bis jetz . Jetz habe ich wollen fragen , ob Ihr mir Eure Tochter geben wollt . Öppe bös haben soll sie nicht , und öppe bös machte sie es auch nicht . Wir haben eine styfe Sache , wo man dabei leben kann der Hof ist zahlt , Usgleues ist auch noch etwas , es sind unserer Drei , und ich bin der Jüngst . « » So , so , du machst nit viel Federleses , Bürschli , fahrst mit der Tür ins Haus , als wenn vom Himmel herab kämest , und wirst meine , ich solle jetzt gleich anekneue und Ja sagen und dir noch danken für die Ehr und das Zutrauen . Aber selb macht sich nicht so und so gleytig geht das nit , oder was meinst , Meitschi , soll ne klepfe und wotsch ne ? « » Mir wärs recht , Ätti « , sagte Anne Mareili , » ich wußte nicht , was ich darwider haben sollte . « » So , das wüßtest du nicht « , sagte der Bauer , » du wirst nicht mehr wissen , was abgeredet ist ? Allem an scheint das eine abgeredete Sache , und es mangelt nichts mehr , als daß ich schön nachsage , was ihr mir vorsagt . So , so , das geht afe lustig heutzutage . « » Nein , Vater « , sagte Anne Mareili , » so ists doch nicht , und es ist mir recht , daß Ihr gerade dazukommt , es wäre öppe niemand in Sinn gekommen , öppis hinter Euerem Rücken anzustellen . Aber das sage ich noch einmal und werde es immer sagen , den Kellerjoggi nehme ich nicht , einen Unflat mag ich nicht . « » Warum holst du mir kein Kacheli ? « sagte der Bauer , » oder ist dSach nicht auch für mich ? « , setzte sich an den Tisch und sagte dazu : » Es macht heute heiß . « Dann sprach er von diesem , von jenem , frug nebenbei , ob sie auch eine Käserei hätten , und ließ alles abwickeln , was an dasselbe sich knüpfen läßt , hielt so gleichsam ein verblümt Examen . Endlich frug er : » Wo bleibt die Mutter ? Sage ihr , sie solle einen Schlack Wein bringen , er düecht mich nie besser als auf den Kaffee . Ich habe heute noch keinen gehabt , ich habe pressiert , es het mih düecht , ih müeß hei . « Die Mutter war draußen und hatte sich wohl gehütet , in die Nähe zu kommen ; sie hatte es akkurat wie ein Knabe , der brennenden Schwamm auf einer Schlüsselbüchse hat oder auf einem Feuerteufel : er horcht ängstlich , obs nicht bald losgehe , aber das Gesicht hält er wohlweislich so weit als möglich vom Feuer ab . Als Anne Mareili hinauskam , erschrak sie und meinte , sie müsse vor Gericht , als es aber seinen Auftrag ausrichtete , frug sie freudig : » Was , hat er zugesagt , ist dSach richtig ? « » Nichts hat er gesagt « , sagte Anne Mareili , » er tut , als ob er von allem nichts gehört , und redet da von Ziger und Käsmilch , daß man vor Ungeduld fast selber Ziger wird . Ich kann mich gar nicht auf den Ätti verstehen . « » Zähle darauf « , sagte die Mutter , » es hat etwas Ungerades gegeben mit Kellerjoggi . Die alte Säble ! Es wird einer den Andern betrügen wollen , und jeder wird meinen , der Andere solle es nicht merken . Üse Ätti wird öppis gmerkt ha und nit zwüsche Stüehl und Bänk welle , er het lieber Figge und Mühle . « » Weiß nit « , sagte Anne Mareili , » aber Figge und Mühle können auch fehlen , das erfährt gegenwärtig so manche stolze Tochter , die sich in ihren Ängsten die Beine abläuft um einen Mann und vor lauter Figge und Mühle zu einem unehlichen Kinde kömmt . Es ist jetzt afe eine Schande , eine Bauerntochter zu sein , und man nimmt bald alle in eine Wid . « » Ja « , sagte die Mutter , » dWelt ist afe schlecht . « » Ja « , sagte Anne Mareili , » aber noch manches Meitschi sinnete das Bessere , aber man läßt nicht lugg , bis es nicht anders als die Andern ist . « » He ja « , sagte die Mutter , » es geht all Weg « , aber der Tochter Sinn verstund sie nicht . Drinnen gings in lauter Friede , daß die Mutter sich gewaltig wunderte , als sie den Wein brachte und sah , wie der Alte mit Resli redete , freilich nicht wie mit seinesgleichen , denn der Dorngrütbauer war der Meinung , daß seinesgleichen nicht auf Erden sei , und kein Altadelicher konnte auf seine Weise stolzer sein als der Dorngrütbauer . Seine Einbildung stützte sich nicht nur auf seinen Reichtum , sondern auch auf seine Weisheit und Einsicht . Er hatte einige Händel gewonnen , und einmal war er fast Ratsherr geworden , hatte sich wenigstens bereit erklärt , daß er es annehmen würde ; zudem waren ihm einige Redensarten über Herren und Pfaffen geläufig , mit denen er regelmäßig alle Sonntage einige Handwerksbursche und an Gerichtstagen den Gerichtschreiber zu lachen machte . Daher behandelte er niemand als seinesgleichen ; wem er Ehrfurcht bezeigen sollte , den floh er , aus welchem Grunde wahrscheinlich er auch von unserem Herrgott keine Notiz nahm und tat , als ob derselbe nirgendwo wäre ; mit wem er zusammentraf und sich abgeben mußte , der mußte es wissen und empfinden , daß es der Dorngrütbauer sei , mit dem er rede . Und wenn er mit einem zusammentraf , der ihn nicht kannte , was noch hie und da geschah , obgleich seine Nase selten außerhalb seiner Kuhweid zu sehen war , so sagte er , das düeche ihn kurios , sust wüß öppe esn ieders King uf dr Welt , wer der Dorugrütbauer sei . Es wäre sehr merkwürdig gewesen , wenn der und Goethe sich einmal getroffen hätten , sie Zwei an einem Wirtshaustisch , zwischen Beiden etwa ein Kalbskopf an weißer Sauce , und hätte der Goethe nicht gewußt , wer der Dorngrütbauer sei , und der Dorngrütbauer ebenso wenig von dem Goethe : was die sich für Augen gemacht hätten und wie jeder bei sich gedacht hätte , der weiß afe nüt , wird ume son e Löhl sy ! Nun , über dieses Verwundern darf man sich bei solchen Notabilitäten nicht verwundern , geschah es doch sogar einem gewissen ( Löhl darf man nicht sagen ) Badbeschreiber in Deutschland , das heißt einem Solchen , der für Geld oder freies Logis mit Kost gewisse Bäder rühmt , daß er sich gröblich wunderte , wie auf irgend einer Straße irgend ein ordinärer Mensch nicht wußte , wer er sei .