kein lahmes mitgebracht . Nicht weniger gefiel ihm der Kuhstall und absonderlich die junge Kuh , die Uli in Bern gekauft , die jetzt zu kalben stand und wenigstens drei Dublonen mehr wert war als vor drei Monaten , so gut hatte sie getan . » Ätti , was fangst du an in deinem Alter ? « sagte der Sohn , » fangst erst jetzt recht an dich zu rühren ? Hast die schönste War , und es ist allenthalben wie an einem Sonn , tage . « » Gefällt es dir ? « sagte Joggeli kurz . Aber die Mutter konnte sich nicht enthalten , zu sagen : » Wir haben einen gar guten Meisterknecht , der nimmt sich der Sache an , wie wenn sie sein wäre , und versteht alles wohl wie ein alter Bauer , es ist jetzt auch eine rechte Freude , dabeizusein . « Der Sohn sagte auch nicht viel darauf , aber er trappete mehr als sonst auf dem Lande herum , sah das letzte Korn laden und einführen , ging durch die Matten , daß der Alte sagte : Er könne nicht begreifen , was der Johannes habe , er laufe allenthalben herum und gschaue alles so wohl ; ob er wohl meine , er könnte den Hof vielleicht bald erben ? Aber er sei sich noch nicht Sinus , bald da dänne , und es hätte schon mancher Alte mit jungen Beinen Äpfel ab den Bäumen geworfen . Nicht daß er das begehre , aber nur so zu sagen . Als es dunkelte , sollte die Sichelten angehen , aber man hatte seine liebe Not , die Leute herzuzubringen . Vreneli , krebsrot von Kücheln und Kochen den ganzen Tag , war zuletzt zornig und sagte : Die Tüfels Schnürfline hätten den ganzen Tag schon die Finger geschleckt bis zu den Achseln und noch bas hingere , und jetzt wollte sich Keiner dafür halten , Keiner sich herbeilassen ; so könne man nicht anrichten , nicht mit der Sache ab Weg , und dann am Morgen sei Keiner vom Tisch wegzubringen und hockten da wie angebränntet . Man mußte diesem nachschicken und jenem , und am Ende war doch noch jemand nicht da , den man bei den Ohren hätte herbeireißen sollen . Da war eine gelbe Safferetsuppe in mehreren Kacheln auf dem Tische , wo das Brot so dick eingeschnitten war , daß man auf eine Kachel hätte knien können , ohne daß das Brot ein Dümpfi bekommen hätte . Dann kam Rindfleisch , grünes und dürres , Speck , Schnitze , Küchleni von drei Arten , alles hoch aufgebyget , und einige mäßige Flaschen stunden auf dem Tisch , und für alles war kaum Platz , daß die Auftragenden oft in der größten Verlegenheit waren , wo abstellen . Spatzen im Hirse muß es wohl sein , aber die wissen doch noch lange nicht , wie es einem an einem Sicheltentisch ist , der unter seinen Lasten sich biegt und unter dem man seine Beine gar nicht zum Stillehalten bringen kann , weil sie auch hinauf möchten und sehen , was da oben so herrlich riecht . Und doch war es nicht allen gut genug dort . Ds Elisi und Trinette mochten nicht zu den groben Leuten und Speisen . Im Stübli war ein besonderer Tisch gedeckt , auf dem war roter Wein , waren Fische an einer Sauce und Zuckererbse und Braten von Kälbern und Tauben , gebackene Fische , Hamme und Kuchen , Züpfen statt Brot und ein Kännchen voll süßen Tees für die Liebhaber und Dessert , den die Wirtin seit der vorjährigen Zehntsteigerung aufbewahrt hatte . Die Kinder gingen von einem Tisch zum andern , taten immer an einem Tisch wüster als am andern , bis sie endlich , zu voll von Speise und Trank , wie wüste kleine Teufelchen zu Bette gebracht werden mußten . Ds Elisi und Trinette erzählten einander , was sie alles erleiden möchten , was nicht , rümpften über alles die Nase und sagten , was ihnen dies mache und was jenes ; das Eine blähte sie und das Andere lag ihnen sonst im Magen , das Eine ließ sie nicht schlafen , das Andere brachte ihnen das Toggeli , das Eine schlug ihnen in die Augen , das Andere in die Ohren , das Eine verstopfte sie , das Andere machte ihnen den Durchlauf . Unterdessen aßen sie von dem , was sie verstopfte und was ihnen Durchlauf machte , das mußte sich ja gegenseitig aufheben , und auch dem Trinken sah man ihre Kränklichkeit eben nicht sehr an . Johannes hielt sich nicht lange am Familientische auf , sondern machte sich bald hinaus zum Gesinde und blieb dort bis der Morgen grauete und alles die Betten suchte . Er gab sich besonders mit Uli ab , setzte ihm zu mit Trinken , gab ihm Tabak und führte mit ihm Gespräche über allerlei , daß es Uli vorkam , der Wirt von Frevligen sei nicht halb so hochmütig , als man ihn verschreie . Am meisten aber verwunderte sich Uli , als derselbe schon morgens früh in den Stall kam , wo er alleine hantierte , während die andern Knechte noch schliefen . » So , bist du schon zweg und alleine ? « sagte der Wirt . » He ja , « antwortete Uli . » Die War hat gestern nicht Sichelten gehabt und hart arbeiten müssen ; da wäre es nicht billig , wenn sie länger auf ihr Fressen warten müßte . « » Es denken aber nicht alle so , « sagte der Wirt , » und darum habe ich dich etwas fragen wollen . Weißt du was , komm du zu mir ; ich hätte einen Platz für dich , wo du wenigstens zehn Kronen höher kömmst als hier , und all Tag mußt du deinen Wein und dein Schnäfeli Fleisch haben . « » Aber was sagt der Meister , wenn Ihr mich abdinget ? « » Was geht das dich an ? « sagte der Wirt , » da laß du mich sorgen . Du bleibst doch nicht lange da ; mein Alter ist viel zu wunderlich und mißtreu , er kann niemand behalten . Bei mir ist das ganz anders : ich bin viel nicht daheim und meine Frau ist ein Pflartsch , da muß ich einen Knecht haben , dem ich alles anvertrauen darf . Und wenn mir einer anständig ist , so hat einer bei mir einen Posten , wie im ganzen Land keiner mehr ist , er kann es haben wie ein Herr . Komm , du sollst dich nicht reuig sein . Sä , da hast du einen Neutaler Haftgeld . « » Behaltet nur Euer Geld , « sagte Uli , » das macht sich nicht so geschwind . Ich habe diesen Augenblick nichts zu klagen , vor vier Wochen wäre es anders gewesen . Man ist gut gegen mich , besonders die Meisterfrau , und dann halte ich nichts darauf , weiterszugehen , wenn es einem an einem Orte wohl ist . « Der Wirt ließ nicht nach mit Drängen , man hörte Geräusch am Brunnen , Uli sagte endlich , er wolle sich besinnen . Er mußte versprechen , in vierzehn Tagen den Bescheid zu geben . Als sie aus dem Stall traten , ging eben Vreneli mit einem Züber Wasser ins Haus . Am Mittag ging Essen und Trinken von neuem an ; nur Elisi und Trinette taten schmächtig , klagten über allerlei und taten , als ob sie kein Brösmeli hinunterbringen könnten , packten aber doch unvermerkt ziemlich ein . Im Nachmittag reisete der Besuch wieder ab , nachdem Johannes noch einen neuen , schönen Fünfbätzler dem Uli in die Hand gedrückt und mit den Augen bedeutsam zugewinkt hatte . Die Großmutter sah dem Schärbank lange nach und sagte endlich : » Die Kinder sind mir lieb , aber wüst tun die doch , es hat keine Gattig ; die müßten mir noch anders drässiert sy , wenn ich immer um sie sein sollte . « Drinnen sagte sie zu Vreneli : » Dr Johannes macht doch je länger je mehr dr Groß ; denk doch , het dä schießig Narr nit dem Uli einen neuen Fünfbätzler zTrinkgeld gä ! « » Er wird wohl wissen , warum er das getan hat , « sagte Vreneli . » Dr Herr wott er mache u zeige , daß er weiß , was unter dr Herrschaft dr Bruch syg , das wott er , « sagte die Alte . » Nein , Base , « sagte Vreneli , » er will noch etwas anderes , ich darfs Euch fast nicht sagen , aber es ist ein wüstes Stücklein vom Johannes . Diesesmal hat er den Vetter weder um ein Roß noch um eine Kuh gebracht , aber den Uli will er ihm ab , dingen , darum hat er ihm auch das Trinkgeld gegeben . « » Was du nicht sagst , dä Uflat ! « sagte die Alte . » Wenn man den eigenen Kindern nicht mehr trauen darf , dann ist doch nicht mehr dabeizusein . Johannes , Johannes , was bist du doch für ein Umönsch ! Aber seine Frau ist schuld daran , sie macht ihn so , er ist allbets doch nicht so gewesen ! Aber woher weißt du das ? « » Ich holte am Morgen früh Wasser , es wollte aber keine Jungfrau auf . Da war Johannes , der sonst bis um zehn im Bett liegt , schon bei Uli im Stall , das wunderte mich . Während mir das Wasser in den Züber lief , loste ich der Sache ab und hörte , wie Johannes Uli drängesilierte und ihm einen Neutaler Haftgeld geben wollte . « » Uli , hat er ihn genommen ? « » Nein , er stellte sich recht brav , ich hätte es nicht von ihm geglaubt . Sie hörten mich wahrscheinlich und brachen ab ; ich vernahm nur noch , wie Uli vierzehn Tage Bedenkzeit nahm . Aber ich glaube , wenn der Vetter ihn zur rechten Zeit frägt ums Dableiben , so werde es keine Not haben . « » Er hat mich schon manchmal fast wild gemacht « , sagte die Alte . » Er will die Diensten nie fragen , er meint , es sei an ihnen . Aber seit wann frägt ein rechter Knecht selbst ? Dann sagt er , sie arbeiteten viel bräver , ehe man sie gefragt habe . Sobald man sie einmal wieder für ein Jahr gedungen , sie des Dienstes sicher seien , so werden sie ganz gelassen und sie dächten , es hatte es wieder für ein Jahr , ob sie nun etwas mehr oder etwas weniger arbeiteten . « » Ja , « sagte Vreneli , » dr Vetter nimmt immer alles in eine Wid , und weil er die guten wie die schlechten hält , so kömmt er nie zu guten . « » Er muß den Uli noch heute dingen « , sagte die Alte . » Aber verratet mich nicht , daß ich es gehört , sonst hingt mir der Vetter wieder ein Schlemperlig an ; er trauet mir auch nicht mehr als dem ärgsten Mönsch « , ermahnte Vreneli . Die Alte suchte ihren Eheherrn und brachte ihm vor : » Denk ume o , was dr Johannes für e Uflat isch , wott er is nit dr Ueli abdinge ! « Joggeli tat nicht halb so verwundert , sondern meinte , etwas müsse der Johannes immer verüben , entweder ihm etwas abstehlen oder abschwatzen ; er sei von Jugend auf so gewesen , aber er sei nicht schuld daran . Darauf wollte er wissen , wie seine Frau die Sache vernommen . Natürlich bekannte sie bald , daß sie es von Vreneli habe . » Ich kann dir nicht sagen , Frau , « sagte Joggeli , » wie mir das Meitli zwider ist ; es hat seine Nase in allem innen , und hinten und vornen heißts immer nur : Vreneli , Vreneli . Das hat ein Gschleipf mit dem Uli , zahl darauf . Was hätte es so früh beim Stall zu tun gehabt , wenn es ihm nicht hätte nachstreichen wollen ? Aber zähl darauf , sobald ich darüberkomme , so jage ich es fort . Es hat schon Schande genug in die Familie gebracht , es soll nicht noch mehr bringen , die wüste Täsche ! « Dann könne er selbst die Haushaltung machen , sagte seine Frau . Das sei nicht reche , daß Vreneli jetzt alles ausessen solle . Es hätte ihnen zGutem wollen , und jetzt wolle er es schlecht machen . Wenn sie von allen verraten und verkauft würden , so sei er selbst schuld daran . Sobald eins ihnen einen Dienst erweise , so hänge er ihm etwas an , statt ihm zu danken . » Aber mach meinethalb , was du willst , me isch umen e Göhl , we me dir zGuetem will . « Joggeli bedachte sich die Sache wohl , und sie ging ihm im Leibe herum wie ein Wurmpulver . Achtzehntes Kapitel Wie eine gute Mutter viel Ungerades gerade , viel Böses gut macht Am Abend ging Uli den Kirschbäumen nach , um zu sehen , wo noch gekirschet werden müsse ; unversehens war Joggeli bei ihm . Nachdem sie allerhand verhandelt , sagte Joggeli : Die Ernte sei gut gegangen , die Arbeit gut gelaufen , nur müsse er nicht meinen , daß man dem Weibervolk alles machen müsse , woran es sinne ; das Korn sei die Hauptsache , der andern Sachen hätte man sich nicht zu achten , wenn es nur mit dem Korn gut gehe . Zum Zeichen der Zufriedenheit wolle er ihm da etwas geben . Er drückte ihm einen Neutaler in die Hand . Uli dankte , sagte aber doch : Es sei ihm nicht wegen dem Weibervolk und er wisse wohl , daß das Korn die Hauptsache sei ; aber er meine , man müsse alle Sachen achten und womöglich gar nichts Schaden leiden lassen . Er hätte ihn auch gleich fragen wollen , ob er gedenke , zu bleiben , fragte Joggeli . Er wisse nicht recht , was er sagen solle ; es sei ihm zu , wider , fürers , aber er sei auch nicht gerne an einem Orte , wo man nicht mit ihm zufrieden sei , ihm nicht traue . Wenn er wüßte , daß noch etwas der Art geschehen würde wie letzt , hin , so wollte er gleich gehen , antwortete Uli . Er hatte es ja gehört , sagte Joggeli , daß er zufrieden sei , und so wolle er ihm gleich noch einen Neutaler Haftpfennig geben . Er hätte es sonst nicht im Brauch , wenn er wieder dinge , aber am Ende vermochte er es so gut als Andere . Er wolle lieber seine Neutaler selbst brauchen , wie er wolle , als Andere mit seinen Neutalern ihm Streiche spielen lassen . Da dachte Uli an diesen Morgen und sagte : Wer ihm das schon wieder gesagt habe ? » He , Uli , « sagte Joggeli , » es ist denen immer am mindesten zu trauen , wo vorwärts am meisten schlecken und einem nachstreichen . So machen es gewöhnlich die falschen Katzen , die geben einem hinterrucks den Talpen , « und damit höpperlete Joggeli an seinem Stecken gegen Üfligen zu , wo er gerne an einem Sonntage seinen Schoppen nahm . Die letzten Worte warfen Uli einen Stachel ins Herz , er wollte fast , er hätte den letzten Neutaler nicht genommen . Wem sollte er nicht trauen ? Wer hatte ihm den Talpen gegeben ? Doch wohl Vreneli ! Das war vom Brunnen weggegangen , mußte allem an die Verhandlungen gehört haben . Er hatte es mit allen gut gemeint , niemand etwas zuwider getan und glaubte sich namentlich mit Vreneli in einem gewissen zutraulichen Einverständnisse ohne alle Liebe . Die Bezüglichkeit , die mehr oder weniger zwischen einem hübschen Burschen und einem hübschen Mädchen , welche in einem Hause wohnen , entweder anziehend oder abstoßend stattfindet , merkt man oft lange nicht . Aber Vreneli war im Hause , was Uli außer dem Hause ; sie konnten einander viel zuwider , viel zu lieb tun . Uli hatte nun geglaubt , das Letztere getan zu haben , weil es auch der Meisterleute Nutzen war , daß sie einander in die Hand arbeiteten und gemeinsam das Gemeinsame förderten . Ulis schlichter Verstand begriff , wohin es kommen muß , wenn ein Departement hieaus will , das andere daaus und die Departemente ungefähr das vorstellen am Staate , was die unbändigen Hengste an einem Verbrecher , der zerrissen werden soll . Uli hatte in dieser Beziehung mehr gesunden Verstand als manches Departement in corpore , zum Beispiel als gegenwärtig das Departement des Auswärtigen in Paris . Nun war also Vreneli falsch an ihm und verklagte ihn hinterrücks , das tat ihm weh . Er haßte das Keßlerwesen , wo immer Feindseligkeit herrscht , bald die Einen verbündet sind und bald wieder die gestern Verbündeten als Feinde sich gegenüberstehen , er war daran nicht gewohnt . Je länger die Sache ihm im Herzen wurmte , desto ärgerlicher wurde er ; er war oft darauf und daran , den Haftpfennig wiederzugeben und expreß zu Johannes zu gehen . Natürlich war er dabei mürrischer als sonst , hatte sein fröhliches Aussehen nicht , war einsilbig über Tisch , ließ hier und da einen Trumpf fliegen und tat manchmal , als hörte er etwas nicht , das ihm gesagt wurde . Die Mutter fragte mehr als einmal : » Was hat doch auch Uli , er ist ganz ein Anderer ; was ist ihm über den Weg gelaufen , oder wer hat ihm etwas zuleid getan ? « Es wußte niemand etwas . Sie fragte Joggeli : Ob er ihm etwas getan und ob er ihn eigentlich gedinget oder nicht ? Der lächelte und sagte : Sie solle nicht Kummer haben , es sei alles im Reinen . Sie sagte Vreneli , was doch wohl das sei und es solle mit Uli reden . Aber Vreneli sagte : Das tue es nicht . Es hätte Uli nichts zuleid getan , und doch sei er gerade gegen ihns am wüstesten . Wenn es ihm etwas sage , so tue er , als höre er es nicht , und handkehrum lasse er etwas fliegen , das ein Trumpfsein solle , aber es wisse nicht , auf was . Sie solle selbst mit Uli reden , es schicke sich für sie am besten . So sei allerdings ein langweilig Dabeisein und es wollte lieber , das währte nicht zu lange . Die Mutter ging einmal wieder zur Kirche , es war ein Ereignis zu Üfligen . Die gute Mutter hatte so viel zu sehen : die Kanzel war neu angestrichen worden , einige Bänke hatten Lehnen bekommen , junge und alte Menschen waren da , die sie nicht kannte , daß die Predigt aus war , ehe sie daran dachte . Sie hätte ihr Lebstag noch nie so kurze Zeit in einer Predigt gehabt , sagte sie , es müsse ihr künftig wahrhaftlich mehr gegangen sein . Der Pfarrer könne es wie Schnupf , nur mache er es wohl kurz , sagte sie . Nach der Predigt ging sie zum Krämer , kramete allerlei , unter anderm auch ein seidenes Halstuch mit schönem Rande . Als sie heimkam , wartete alles mit Verlangen auf sie zum Essen , denn die gute Frau hatte gar lange beim Krämer sieh aufgehalten . Dort war ja fast noch mehr zu sehen als in der Kirche , dazu mußte man noch märten und konnte darüber ein noch manches fragen , das man in der Kirche gesehen . Sie konnte sich nicht satt erzählen von ihren Genüssen während diesem Morgen und sagte auch : Das müsse ihr künftig wäger fleißiger in die Kirche gegangen sein . Wenn der Pfarrer nur nicht so exakt läuten ließe , sie glaube , sie ginge alle Sonntage . Nachmittags , als das Volk verflog , sah sie unvermerkt nach Uli , wo der hinginge . Als sie ihm nach einiger Zeit in sein Stübchen folgte , fand sie ihn in der Bibel lesend . » Du siehst ja nichts hier , « sagte die Frau , » warum kommst du nicht mehr hinab in die Stube ? Du tust seit einiger Zeit so wunderlich , ich kann mich nicht auf dich verstehen , und sonst wäre ich so zufrieden mit dir . Du hast mir so schon zum Flachs und zu den Kirschen gesehen , und deswegen habe ich dir nur so als ein Zeichen ein Halstuch gekramet ; aber jetzt möchte ich auch wissen , was du hast . Hat dir jemand etwas in den Weg gelegt oder dich aufgereiset , oder was ists ? « Das hätte sich nicht gebraucht , sagte Uli , das Halstuch mit Wohlgefallen betrachtend , er hätte nichts Apartes gemacht . » Aber was dublest , was hast dann ? « He , so wolle er es geradeaus sagen . Böse sei er über Vreneli . Das hätte ihn nicht gebraucht beim Meister zu verrätschen und anzuschwärzen , als Johannes ihn hätte dingen wollen , er hatte sich dessen nichts vermocht und nichts gesagt , was nicht alle Leute hätten hören dürfen ; aber was es dazu gelogen habe , das wisse er nicht . » Wer hat dir gesagt , daß Vreneli dich angeschwärzt ? « sagte die Frau . » Das ist gar nicht wahr . « » Es wird doch wohl wahr sein , « sagte Uli , » der Meister hat es selbst gesagt , freilich nicht gerade heraus , aber er hat es merken lassen , daß man es mit dem Zwilchhändschen greifen konnte . « » Er ist doch geng der wüstest Hung , verzeih mir Gott meine Sünde , « antwortete die Frau . » Vreneli hat ihm ja gar nichts gesagt , sondern bei mir den Johannes verklagt und dich noch gerühmt dazu ; du bist aber auch nicht der Witzigist , daß du gleich alles glaubst . Du weißt ja , wie er ist . Du solltest doch wohl sehen , daß Vreneli dir nichts in den Weg legt , sondern daß du ihm gar anständig bist . « » Was weiß man , « sagte Uli , » es ist sich bös auf das Weibervolk zu verstehen , und es ist doch auch traurig , wenn man dem Meister nicht glauben darf . « » Was willst ? « sagte die Frau » es ist einmal so , und ich meine , wenn man wolle , so sei es sich auf das Weibervolk besser zu verstehen als auf das Mannenvolk ; von dem sagt man ja , es sei falscher als Galgenholz . Und dann möchte ich auch wissen , wer den Heiland verraten hat , ob ein Mann oder eine Frau ? Sei wieder zufrieden aber sage es dem Vreneli nicht , was du gehabt ; es hassete sonst meinen Alten noch mehr als jetzt , täte wüst mit ihm und bekehrte ihn doch nicht . Er ist ehemals nicht so gewesen , aber seit alles ihn betrügen will und an ihm saugen , ist er so miß , treu geworden und trauet keinem Menschen mehr . Herr Ises , selbst mir nicht ! Anfangs han ih pläret , daß es mir den Kopf fast obenabgesprengt . Ich habe gemeint , das müsse nicht sein , das könne ich nicht leiden . Aber so nach und nach habe ich mich darein ergeben ; ich weiß jetzt nichts anderes mehr , und ich lebe doch und , ich will es gerade heraus sagen , nicht böser als ehemals . Wo das nit gsi isch , da isch öppis angers gsi . Öppis mueß me geng ha ; ists nit das , so ists öppis angers , und das ist geng am schwersten , wo me grad het . Da kömmt es nur darauf an , ob man sich darein schicken kann oder nicht und ob man annehmen kann , was man nicht wehren kann : das ist dKunst . Uli , das laß dir gesagt sein , an allen Orten ist etwas , und Meiner ist noch nicht der Böste . Wenn du immer bleibst , wie du bist , so hast du ihn ja nicht zu scheuen , und er plagt sich am meisten selbst . Er hat mich manchmal duret , daß ich pläret ha seinetwegen . Ich habe gedacht , er müsse viel mehr leiden seinetwegen als kein anderer Mensch . Mit den Meisterleuten müssen die Dienste auch Geduld haben , es haben ja alle Menschen ihre Fehler . Aber sag doch dem Vreneli nichts , ich glaube , es liefe fort oder sagte meinem Alten wüst . Es ist ein freines Meitli , aber Solches verträgt es nicht und kann dann wüst tun , daß es einem übel gruset . « Uli versprach es , und die Meisterfrau hatte im Treppeabgehen eine Ausrede bei der Hand für das fragende Vreneli . Als der Friede wieder , kehrte , die Spaltung aufhörte , welcher der Alte mit Freuden zugesehen hatte , wunderte er sich sehr , aber er fragte mit keinem Worte . Ebenso wenig verriet ihm seine Frau , daß sie ihm über seine Schliche gekommen und den Friedensstifter gemacht . Diesmal ging alles so diplomatisch zu , daß selbst Louis Philipp sich darob verwundert hätte . Nun lief die Arbeit wieder freudig fort wie gesalbet . Denn wenn man einig ist und zufrieden die Gemüter , so geht alles ds Halb ringer ; und es tat not , es war sehr viele Arbeit . Aber eben wenn am meisten Arbeit ist , dieselbe fast über den Kopf wachsen will , so bemächtigt sich ein gewisser Hast , eine Ungeduld des Menschen . Die läßt sich an den Umgebungen an den Mitarbeitenden aus ; die werden böse , hinterstellig , und der Schleiftrog ist untergeworfen . Der Herr hatte die Bäume gesegnet , daß man fast nicht wußte , wo mit diesem Segen hin . Es war viel Mist , viel Land bedurfte desselben : es war also viel anzusäen . Wildes , strubes Land kriegte man unter den Pflug , das doppelter Arbeit bedurfte . Nun war man aber in der Glunggen , wie schon gesagt , an ein Hacken gewöhnt , das dem Nidle ab der Milch Nehmen gleicht . Man schürpfte nur das Gras obenab , die zähe Furche und das darin befindliche Wurzelgeflecht blieb unverhauen , das Samkorn fand keinen mürben , uneingenommenen Boden zum Wurzeln und zur Nahrung , daher mageres , schlechtes Korn trotz allem Misten . Zu gleicher Zeit wurde der Pflug nicht tief geführt , trotzdem daß es in der Glunggen nicht steinichter Boden war . So mußte der Boden unfruchtbar werden . Tiefer gefahren , besser gehackt mußte er werden , wenn es eine gute Ernte geben sollte . Dazu es zu bringen , hatte Uli Mühe , man war der Sache halt nicht gewohnt . Es grusete Joggeli , als er die dichte Reihe der Hacker sah , als Uli sechs Haupt vorspannte , statt sonst nur viere , als der rohe , wilde Boden an die Sonne gekehrt ward . Das sei ja die dümmste Sache von der Welt , sagte er halblaut vor sich hin , die gute Erde zu verlochen und die böse , magere obenfürzumachen ; so mache man ja den Boden expreß wieder mager , wenn man den Mist untern fahre , daß er ganz gegen Amerika hinunterkomme und dort hervorgewässert werde , während man in den schlechten , wilden Boden pflanze . Das könne unser Lebtag nichts geben , das komme doch jedem Kind in Sinn . Glücklicherweise ging er mit seinem Sohn ins Welschland , um Wein zu kaufen oder vielmehr , um für den Sohn zu zahlen , was dieser kaufte . Er mußte also freie Hände lassen und war ganz verwundert , als er , zurückgekehrt , die junge Saat so schön erronnen sah im reingemachten Acker . Man werde es aber im Hustagen sehen , dachte er , wie das komme , der größte Teil werde im Winter dahintenbleiben . Indessen war vergnüglich eingeherbstet worden , denn wieder hatte man früher angefangen als Andere . Nichts mußte unter dem Schnee hervorgeholt werden ; man fand Zeit , bei schlechtem Wetter unter Dach zu bleiben , und fand dort auch immer Dinge zu tun , welche die Arbeit draußenförderten . Das Wetter mache freilich viel , sagte die Mutter , aber sie wisse Herbste , wo das Wetter noch schöner gewesen sei , und doch sei man später fertig geworden und habe nicht so viel angesäet und nicht so viel Mist auszutun gehabt . Da sehe man , daß man selbst auch etwas zwingen könne . Freilich , wenn das Wetter darnach sei , so könne man nichts zwingen ( im sechzehner Jahr stund der Hafer noch um Weihnacht draußen ) , aber sie wisse Leute , die nicht fertig würden , und wenn der Herbst bis Fasnacht dauern wurde . Die meinten , es sei eine Sünde , wenn sie nicht etwas den ganzen Winter draußen ließen , Kartoffeln , Rüben , Rübli , oder sollten es nur die Bohnenstecken sein . Die Matten kamen in Ordnung . Gräben , Wühre wurden aufgetan , der gewonnene Schlamm aufs Land geführt , ja Uli schlug sogar noch das Tonen vor in der nassen Matte . Tonen sind nämlich tiefe Graben im Boden , die nachher wieder zugedeckt werden , welche das Wasser sammeln und abfuhren , so daß