? - Ach - so deutlich steht es geschrieben in meiner Brust ! - Gefaßt und besonnen muß der Geist sein , - das weiß ich - und das Herz ist oft ein ungeduldiger Kranker , aber der Geist wird auch alles für es aufbieten , und eine Höhe muß es geben , wo grade durch den Geist es mit allem Leiden versöhnt werde . - Das denke , wenn es zu hart Dich bedroht , lasse Dir nicht schwindeln und denk , daß Begeistrung immer das höchste Erdenschicksal ist , und daß die aus dem Schmerz sich erzeuge , wie aus der Freude . - Und mag ' s kommen , wie ' s will , so sollen zu Helden wir uns bilden , mit der Freude wie mit dem Schmerz unsre Freiheit erkaufen . - O kommt mir das Feld der Schicksale doch vor wie der Blumengarten Gottes , wo jede Knospe in ihren eigentümlichen Farben sich erschließt , der weise Gärtner gibt Schatten den einen und Kühle und harten Boden , den andern Sonne und fruchtbare Erde , so wie jedes bedarf zum Blühen . - Und das Blühen ist ja die Erfüllung aller Sehnsucht . Drum lasse uns das Leben lieben , weil es uns zu dieser Blüte bringt , und denken , die Wolke über uns schütte sich aus , den Staub von uns abzuwaschen , und daß dann die Sonne aufs neue uns anglänzt . Ich bin traurig - ich kann nicht von Dir los - Dein Lied schmerzt mich - ja es weckt Melodien - aber so schmerzliche - daß ich in ihrem Gesang den Widerhall Deines Wehs empfinde und mich schäme , daß ich so heiter war diese Zeit über , an jedem Weg mir Blumen sammelte und Dir zuwarf in Scherz und Übermut , und das war schlecht lieben gelernt von mir , wo ich doch herausgezogen war , um dieser Schule mich ganz zu widmen . Was werd ich dem Clemens sagen , wenn er auf meine Bildung zu sprechen kommt ? - Ich freu mich sehr auf den Clemens , das wird mich für Dein Fortlaufen trösten , ich mag gar nicht dran denken , daß Du mit so viel Menschen umgehen kannst , mit denen ich kein ungescheut Wort zu sprechen vermag . - Wie ist mir doch Hören und Sehen verkürzt durch Dein Weggehen ! - Gestern abend noch blies mir die hundertjährige Cousine das Licht aus , ich solle nicht die ganze Nacht durch schreiben , meinte sie , oder sie wolle es der Großmama sagen , daß ich meine Gesundheit verderbe , ich hatte einen Schachteldeckel vors Licht gestellt , daß sie ' s nicht sehen sollt durchs Schlüsselloch , aber sie bemerkte den Widerschein ; - ich sagte : » Sie alte Hundertjährige , was will Sie mit mir auf der Welt , Sie kann doch unmöglich noch einmal hundert Jahr leben , dann gehen wir zusammen . « - » Nein , wenn Du ' s so machst , dann kannst Du mir nit e mal Quartier bestellen , ich überleb Dich hundertmal . « Ich mußt mir ' s gefallen lassen , das Licht war aus , ich nahm sie aber dafür auf den Arm und trug sie mitsamt ihrem Laternchen hinunter auf ihren Ledersessel . Sie schrie erst , ich werde sie die Treppe herunterwerfen , aber mitten in der Todesgefahr war sie vor Angst ganz still , unten auf dem Sessel wollte sie anfangen zu zanken , ich nahm aber ihr Federbett und warf ' s ihr auf den Kopf und lief fort . - Jetzt kommt sie gewiß nicht wieder . - Obschon ich müde war , hätt gern noch geschrieben , was ich jetzt nicht mehr weiß , heut schwärmt mir ' s nur vor Augen und Ohren , daß Du nicht mehr auf Deinem alten Plätzchen meine Briefe bekommen sollst . Die Großmama hatte gestern einen Anfall von Schwindel , ich mag nicht nach Frankfurt verlangen , und auch mag ich nicht hin , was soll ich dort , wenn Deine Haiden , Deine Holzhausen , Deine Nees Dich in Beschlag nehmen ! - Ich glaubte , ja wahrhaftig , ich glaubte , ich wär Dir lieber wie die andern und es wär Dir Ernst mit unsrer religiösen Weltumwälzung , wie ' s auch mir ist , und so war ' s auch recht von Gott angeordnet , daß wir beide nicht beisammen und doch so nah waren , daß jeden Tag unsere Briefe sich erreichten , so kam es doch zu Papier , sonst hätten wir ' s verschwätzt . Was hilft ' s ! - Übermorgen gehst Du bis Würzburg , das liegt außer der Welt , und läßt mich hier auf dem Dach vom Taubenschlag schmachten . - Wenn Du gut sein willst , so komm morgen früh um sieben Uhr auf die Gerbermühl ; hierher komme nicht , weil die Großmama unwohl ist , da ich jetzt immer in ihrem Vorzimmer bin , aber bis morgen um zehn Uhr , wo ich erst zu ihr gehe , kann ich mit Dir sein , um sechs Uhr geh ich auf die Gerbermühl , der George läßt Dich hinfahren , ich hab ' s ihm geschrieben . Hinter der Mühl in dem langen Heckengang auf dem Stein am Kreuz wollen wir uns ein bißchen hinsetzen zusammen , Du kannst nach der Stadt zurückfahren , Du kannst auch das Kabriolett zurückschicken und zu Wasser heimfahren , das wär mir lieber , damit Du nicht ängstlich sein sollst , ums Kabriolett halten zu lassen , solang mir beliebt . Ach , am Sonntag hab ich auch eine Wasserfahrt gemacht mit Jeannot und Dorwille auf Bernhards Nachen hinter dem Schiff mit der Harmonie , alles war in Scherz und Liebesreden begriffen , wenn die Musik pausierte , ich aber hatte keinen Anteil dran , der Gärtner saß am Steuer , dem wollt ich nicht Leid tun , er hatte schöne feine Hemdärmel und mein Schnupftuch um den Hals geknüpft . An die Günderode nach Würzburg Weil ich jetzt weiß , daß Du außer der Welt bist , so hab ich ein ganz ander Leben angefangen , und mein Sinn hat sich ganz geändert . - Ich möcht auch fort in die Welt , ja ich möcht fort ! - Ich bin doch in meinem Leben noch auf keinen Berg gestiegen , von wo aus man die ganze Welt übersieht , und in meiner Seel überseh ich doch die Welt . - Du zankst , daß ich alles besser wissen will , und ich weiß doch alles besser , und ich kann doch nichts davor , daß mir ' s anders und besser einfällt . - Ja mir kömmt vor , als sei mein Bewußtsein ein Gesang meiner Seele , dem ich mit Vergnügen zuhör , denn wenn ich einmal etwas nicht weiß , so ist es nur , als hätt ich ' s vergessen gehabt , aber ich hatte es doch schon einmal gewußt . - Nur bei kleinen Dingen steht mir manchmal der Verstand still , zum Beispiel gestern bei einer wilden Kastanie , die ich aus ihrer grünen Hülse losmachte , da lagen drei Kastanien ineinandergefügt , noch unreif , blendend weiß , da mein ich immer , ich müßt mit Gewalt wissen lernen , was alle diese Formen sprechen , denn gewiß ist ' s , alles Geschaffene ist durch den Heiligen Geist erzeugt . Es ist unmöglich , daß eine Form sei , sie ist denn durch Gottes Wort » Es werde ! « hervorgegangen . Nun , was durch den ewigen Erzeugungswillen hervorgeht , das muß doch eine Selbstsprache haben , das muß sich nämlich aussprechen und sich auch beantworten . Dein Leben muß doch eine Sprache führen , denn sonst ist es ja nichts . Also , wen Gott liebt , mit dem führt er Gespräche , also bloß Liebesgespräche , - ja was ist auch Gespräch als bloß die Liebe , - so ist denn alle Form in der Natur ein Ausdruck der Liebe . Die Sprach der Lieb ist also Sprach Gottes . Gott ist der Liebende - ist denn Gott persönlich ? - Hat er ein Antlitz ? - Kann ich ihm die Hand reichen ? - Wo find ich ihn , daß ich Liebesgespräch mit ihm führ . - Meine Lieb zu Menschen ist Mitleid , ich muß um sie trauern , daß es so und nicht anders ist . - Liebe ist , glaub ich , nur Göttergespräch . - Weil ich weiß , daß ich alles weiß , nur kann ich ' s nicht finden , so such ich alles in mir , das ist ein Gespräch mit Gott . Das ist also Liebesgespräch , wenn ich mich aufs Gesicht leg im Schatten und hör den Bach rauschen neben mir , was der redet alles und Antwort drauf geben muß ! Und streck die Ärm aus im kühlen Gras überm Kopf und frag in meine Seel hinein alles , was ich wissen will . Da wird mir Antwort , ich kann sie aber nicht gleich in Worte übertragen . Aber es gibt auch ein Gespräch ohne Worte . Aber Liebe ist doch wohl bloß Gottheitsgespräch ? - Ja was soll sie anders sein ? - Frage und süße Antwort ; könnt ich aufhören , danach mich ewig zu sehnen ? - Ich wär mir selber gestorben . Und die Seele , die mich am tiefsten versteht - mir am sehnsüchtigsten Antwort gibt , mich wieder frägt um Antwort , die muß ich lieben . - Wissen wollen , ist ja schon Wissen , es ist Anschauen ; und wenn ich anschaue , so nehm ich ein Bild in mich auf , und das ist Wissen . Wie kann sich doch der Mensch nicht enthalten , irgendwas anders sein zu wollen als ein Liebender ? - Wie komm ich doch darauf ? - Das ist von heut früh auf der Gerbermühl unser Gespräch ; - ich sag Dir , wenn ich geschwiegen hab , so ist das , weil mir die Worte nicht wohltönend genug vorkamen , ich seh mich im Geist um nach Klang , wenn ich etwas sagen will , da find ich keinen Ton , der stimmt , und Du kannst mir ' s glauben , manches lass ' ich ungesagt , weil ich ' s nicht edel genug auszusprechen vermag , durch Musik hab ich ' s herausgefühlt , daß aller Geist im Menschen liegt , daß er aber nicht die Melodie dazu findet , ihn auszusprechen . Denn jeder Gedanke hat eine Verklärung , das ist Musik , die muß Sprache sein , alle Sprache muß Musik sein , die erst ist der Geist , nicht der Inhalt , der wird nur Liebesgespräch durch die Musik der Sprache . - Geist ist größer wie der Mensch , immer will der an ihm hinaufragen , spricht er ihn aus , so hat er selber sich in den Geist übersetzt , Geist ist Musik , so muß auch die Sprache , durch die er uns in sich aufnimmt , Musik sein . Wie könnten wir ihn begreifen mit den Sinnen zugleich , in unwürdiger Gestalt ! - Nein ! - Geist ist verinnigt mit Schönheit , er ist nur dann Geist , wenn er Schönheit ist . - Durch den Dichter spricht er sich aus , denn der hat ' s Gefühl , daß Geist nur Schönheit ist . Alle schöne Handlung , alles Große ist ein Gedicht des Geistes . - Ach ich streck die Händ zum Himmel und möcht was anders , als was die Menschen tun . Denn ich fühl wohl , mein Nichtstun ist Sünde . - Aber was soll ich tun , was mich weckt ? - Die Kunst , meint der Clemens ! - So ist ' s bloß , weil er mich innerlich nicht kennt , mit was ich alles zu tun hab . - Denn das muß wohl meine größte Anlage sein , was mich am schnellsten aufregt und mich ganz mit sich fortnimmt . - Nun , obschon ich keine Weltgeschicht studieren mag und bei dem Zeitunglesen vor Ungeduld mich kaum zusammennehmen kann , so ist ' s doch die Welt , die ich regieren möcht , und mich reißt ' s hin , darüber nachzudenken . Wenn Du an den Clemens schreibst , so sag ' s ihm , das scheine mir mein entschiedenstes Talent , die Welt regieren ; weiß er Gelegenheit , mich darin zu üben , so will ich fleißig sein Tag und Nacht . Schon jetzt nehmen mir die Regierungsgedanken den Schlaf , von allen Seiten , wo ich die Welt anseh , möcht ich sie umdrehen . Eine Zeitlang hat alles , was ich im Leben erfahren hab , wie eine hölzerne Maschine auf mich gewirkt . So der ganze Religionsunterricht , der machte mich völlig dumm . - Zum Beispiel die Lehre , mit welchen Waffen die Ketzer zu bekämpfen , mit welchen Grundsätzen sie bekämpfen ? - Da kam mir Ketzer und Waffe und Glaube alles wie ein Unsinn vor , und hätt ich nicht meine Zuflucht dazu genommen , gar nicht zu denken , so wär ich ein Narr geworden . - Wie denn wirklich alle Menschen Narren sind , meine große Courage , dies zu glauben und ohne viel Sperenzien , sie auch danach zu respektieren , das hat mich freigemacht von der Narrheit . - Und wie sollt doch einer aus dem Schlamm des Philistertums herauskommen , als von frischem sich in die Hände Gottes geben , der hat nicht umsonst den Menschen aus Lehm gemacht , da er ihn nur anzuspeien braucht , daß er wieder feucht wird , um ihn von Grund auf neu durchzukneten und seine erste reine Gestalt wiederzugeben . - Woran erkennt man einen katholischen Christen ? - Am Zeichen des heiligen Kreuzes ! - Dies schlug mir den ersten widerspenstigen Funken aus dem Geist . Denn was braucht doch der natürliche Mensch ein katholischer Christ zu sein und sich bekreuzigen ? - Ist das der nächste Weg , Gott ähnlich zu werden ? - Ist Gott ein katholischer Christ ? - Oder ist er wie Du ein Ketzer ? - Und warum machen wir doch das Kreuz , als bloß um wie die Hunde dem Ketzer die Zähne zu fletschen . - Als wir aus dem Kloster zurückgeholt wurden ins väterliche Haus , da ließ uns die Frau Priorin vor sich kommen und schärfte uns ein , ja nicht den katholischen Glauben zu verlassen , wenn wir zu unsrer Großmutter kommen , die eine lutherische Dame sei , sondern wir sollten alles dranwenden , sie zu bekehren . Sie sagte das mit so viel Herzenswärme , ich hätte ihr die Hand drauf geben wollen , aber ich wußte nicht , was katholisch sei - ich half mir ; alles , was nicht lutherisch ist , das sei katholisch . Alles , was man lernen muß , hüllt den Verstand in eine Nebelkappe , daß die Wahrheit uns nicht einleuchte . Alles , was wir zu tun bewogen sind , ist Eselei . - Meinungen von geistreichen Männern zu hören , was der Großmama ihre Passion ist , das scheint mir leeres Stroh , liebe Großmama . - » Du kannst doch nicht leugnen , liebes Kind , daß sie die Welt verstehen und dazu berufen sind , sie zu leiten ? « sagte sie gestern . - » Nein , liebe Großmama , mir scheint vielmehr , daß ich dazu berufen bin . « » Geh , schlaf aus , Du bist e närrisch ' s Dingle . « Bei der Großmama wird jetzt abends allerlei Politisches unter den Emigranten verhandelt , da wird die Umwälzung des großen Weltkürbis von allen Seiten versucht , er deucht ihnen angefault . Außer Choiseil , Ducailas , d ' Allaris , die immer das Wort führen , kamen gestern noch ein Herr von Marcelange und Varicourt , dieser letztere besonders schön von edler Haltung , ritterlich , ich könnt keinen Augenblick glauben , daß ihm je etwas Unebenes in den Sinn komme ; er wendete sich immer zu mir , als ob er um meinen Beifall werbe - ai-je raison ? Seine Reden machten mir Eindruck , er war in Begleitung einer Herzogin von Bouillon ( Hessen-Rothenburg ) und einer Prinzeß Biron , die mittags auch die Großmama besucht hatten , durch Frankfurt gekommen , ein Graf Catälan hat ihn zur Großmama geführt , die litt nicht , daß die Emigranten wie gewöhnlich Politik sprachen , weil sie meistens geteilter Gesinnung sind , später erzählte sie , daß sein Bruder jener Varicourt sei , der als garde du roi am 6. Oktober 1790 in Versailles an der Tür der Königin ermordet wurde , als er ihr zurief : » Königin ! Retten Sie sich , es ist der letzte Dienst , den ich Ihnen leiste ! « Die Großmama erzählte mir von seiner Mutter , die sie kurz nachher in der Schweiz auf einem verfallenen Landsitz bei Nyon getroffen hatte in einer düstern großen Vorhalle , die zugleich Küche war , mit alten wollnen Tapeten so faltig behangen , ein altes Ruhebett , auf dem der Hut ihres Sohns mit weißer Kokarde lag , ein paar Strohstühlchen , ein ungeheuer großer Kamin mit einem kleinen Feuer von einigen Rebenreisern , wo ein Kesselchen mit Teewasser für die kranke alte Frau kochte , eine schlafende Katze zu ihren Füßen , ein einziges schmales hohes Fenster in diesem zerfallenen Wohnsitz einer ausgestorbenen Familie , da habe die Frau den Hut ihr gezeigt und gesagt , es war eine Zeit , wo das weiße Band ganz Frankreich zum Gehorsam für seinen König aufrief usw. - Ich hörte der Großmutter gern zu , solang sie dies erzählte , dabei brachte sie aber noch so manches andre vor , was keinen Zusammenhang damit hatte , so sprach sie von einer Herde mehrerer hundert Kühe , die man damals an einem Ort zusammengetrieben , wo sie wegen einer Seuche alle totgeschossen wurden ; - sie jammerten und tobten bei den ersten Schüssen , als aber der Bulle niedergeschossen war , hat keine Kuh sich mehr gewehrt , alle haben ruhig den Tod erwartet , vergleiche : Emigranten und ihren König - , dann hat die Großmama noch Unendliches von unschätzbaren Leuten erzählt ; von Seidespinnerei , von 360 Kokons , eine Unze Seide , von 2893 ein Pfund , soviel Simmer Seidenwürmer spinnen an 5 Pfund Seide - fraßen zu viel Maulbeerblätter , man gab ihnen Latuk , Spinat und Blätter von Johannistrauben , welches sie mit Vergnügen fraßen , recht gut Seide spannen , nur daß sie etwas grüngelb wurde , zuletzt erzählte sie mir noch aus dem Leben der heiligen Jutta , welche Naturgeschichte und Seelenlehre studiert hatte , und dies führte sie auf den Mirabeau ; als ich zu Bett ging , war ich ganz verwirrt und konnt an nichts Liebes mehr denken , ich mußt gleich einschlafen . - Wie ' s doch in der Großmama ihrem Kopf aussehen mag ? - So viel aneinandergehängt , wozu kein Mensch die Lösung fände , ob ich wohl auch so bin ! - Das Haus wird jetzt nicht leer an merkwürdigen Leuten , alle französischen Journale werden gelesen und besprochen , ich muß wider Willen Anteil nehmen an ihren Witzen über Hof und Hofstaat , Kostüm , Livreen , Uniformen , Schmuck und Spitzenbehänge des weiblichen Personals , alles wird durchgemustert , dann die allgemeine große Ablaßannonce von dreißig Tagen , um die Franzosen aus des Teufels Sklaverei zu befreien . Ich stehe unter den Disputierenden wie unter einer Traufe ; Protestant , Philosoph , Enzyklopädist , Illuminat , Demokrat , Jakobiner , Terrorist , homme de sang , alles regnet auf mich herab , worunter man immer dasselbe versteht . » Von oben herab verkennen sie alles , « sagte der Varicourt , » von unten ist alles Bosheit und Lüge der Hinanklimmenden « , und sprach noch über die ungeheuren Schmeicheleien , die Bonaparte einschlucke : » Ce n ' est pas du bon style que d ' avaler de si gros mensonges , la véracité est le seul moyen de cultiver la nature humaine ; pour la grandeur il y fait faute , il n ' a point le sens céleste pour l ' avenir pour lequel seul s ' immolera un grand coeur ; il est le grand monstre de la médiocrité encombrant un monde qui s ' ignore soi même . « Die Emigranten hörten ihm feierlich zu , als spreche er von der Kanzel herab . » Nous n ' avons que trop bien pu comprendre ce que c ' est que l ' esprit régénérateur , ce n ' est que l ' âcheté que de nous soumettre à une tyrannie , qui a recours aux moyens puérils dont se sert Buonaparte pour captiver une nation qui a sacrifié son meilleur sang pour la liberté . C ' est une juste punition pour avoir attenté au sang inviolablement sacré des rois , que de n ' avoir pas reconnu ce que le grand génie de Mirabeau nous avait prophétisé . La révolution faite , la première des lois était d ' honorer la loi , mais point cet expédient des têtes bornées , qui pour maintenir leur pouvoir , ne font que faire trembler ; il faut gagner les coeurs , et puis c ' est si facile ! - Le peuple est déjà reconnaissant si ses supérieurs ne lui font pas tout le mal qui est en leur pouvoir ; ce n ' est que la bêtise , qui punit , la véritable grandeur prévient les fautes ; c ' est abuser du pouvoir que d ' agir autrement , il est maladroit de ne point se servir des hommes tels qu ' ils sont , c ' est la sagesse qui est souveraine , elle exploite le bien du mal , mais non pas en tranchant les têtes ! ! - Les lois doivent être tracées par le génie de l ' humanité , ce que Buonaparte ne sera jamais . « - Und ich möchte auch über allen Plunder von menschlichen Zurüstungen hinausstiefeln können , ihre Zankäpfel ihnen aus den Händen winden und ihnen dafür Selbstbeschauung , Selbsterzeugung empfehlen . Ja ! Ist ' s nicht der einzige Zweck der menschlichen Natur , daß sie lerne sich selbst erzeugen ? - Und ist die Wahrheit nicht das Geheimnis , aus der die Selbsterzeugung hervorgeht ? - Und wenn ein Herrscher aus sich hervorgehen könnte ins reine Licht der Wahrheit , würde er nicht die ganze Menschheit regenerieren ? - Ich frag Dich ! - Besinn Dich - hab ich nicht recht , es schwebt mir so dunkel vor , als ob aus dem Geist des einen die Wiedergeburt aller hervorgehen müsse . - Ach , ich würde gar nicht drum verlegen sein , dies keck anzugreifen , denn verderben kann man nichts , alles was noch grünt und zu blühen scheint , steckt doch im Sumpf der Dummheit und ist es eine so große Sache , klüger zu sein ? - Wie soll einem da nicht der Verstand aufgehen , wenn man rund um sich her sieht , wie alles Narrheit ist ! - Und liegt es nicht in der gesunden Menschennatur , die Idee einer göttlichen Menschheit in sich zu entwicklen ? - Und was ist doch alles Denken als bloß diese ideale Richtung ? - Und ist doch ein Mensch geboren , dessen Aufgabe es nicht wär , sein eignes Ideal zu erzeugen ? - Und wenn das ist , wie soll mir da nicht jeder unschuldige Mensch wichtig sein , ihm meine Gedanken mitzuteilen ? - Man braucht mich auch nicht zu beschuldigen , daß ich alles durcheinander werfe und von einem zum andern spring , es gibt etwas , was andre gar nicht fassen , von dem spring ich eben nicht ab , mein Geist bildet sich selbst seine Übergänge . - Sobald der reine Wille in uns liegt , das Göttliche zu suchen , so ist die Religion da , von der ich meine , daß sie den Menschen allein entwicklen könne , denn ohne sein Zutun ist es der ihn erfüllende Gott , der aus ihm redet , und dies eine ist es allein , was mir Religion deucht ; und wie aus einem edlen Samen alles sich bildet , wie es organisch muß , so bin ich gewiß , daß aus einem Geist , der bloß das Göttliche denkt um sein selbstwillen , auch alles folgerecht sich entwickelt und in der menschlichen Handlung nichts mir ein Anstoß sein würde . Denn gegen Denken ist das Handlen nichts , denn der Gedanke selbst ist Gott , hingegen Handlen ist nur sich nach Gott richten , wenn ich also Gott durch mein Denken suche , empfinde , erlebe , wie sollt ich da verlegen sein ums Handlen , ums Regieren ? - Ei nein ! Das ging ganz von selbst , ich würd mich auch keinen Augenblick besinnen , denn wer den Geist der Wahrheit einatmet , wie sollte der ihn nicht auch aushauchen ? - Nebenabsichten muß der Menschengeist gar nicht haben , er muß eine heilige Richtung haben . - Der Mensch ist sich immer eine Hauptnebenabsicht , drum muß er sich ganz verleugnen , sonst erreicht er sich selber nicht , das lautet zwar ganz verkehrt und ist doch wahr . Das wahrhafte Ideal des Menschen ist die lautere Selbstverleugnung , aus ihr auch allein kann alle Weisheit hervorgehen in allen Handlungen , die das Schicksal erheischt ; zu derselben Selbstverleugnung sind wir berechtigt , alle Menschen aufzufordern , denn sei das Resultat eines solchen Tun , was es wolle - sie handlen in Gott , und das ist Religion , und da mach ' s Kreuz oder sei Ketzer oder Heid oder Jud . - - - Himmlischer Sinn fürs Unsichtbare , Unendliche , aus dem allein die wahre Religion hervorgeht , weil dies allein zur Gottheit führt . - Das alles fällt mir so ein , wenn ich meine Gespräche mit dem Franzosen in Gedanken weiterführe . - Ich brauch nur auf eine Natur zu treffen , die mir liebreizend scheint , so bin ich gleich voller Gedanken , die mich belehren , als seien sie geweckt von jenem ; so jagt der Franzose in seinem adeligen Wesen jetzt eine Begeistrung nach der andern in mir auf , und ich glaub : keine Frage , die ich nicht beantworten könnte , sobald ich mir innerlich denke , er höre mir zu , keine Handlung , die ich nicht kühn genug wäre zu vollbringen , wenn er mir zusähe , und was das auch sein möge , was mich so anreizt - gewiß ist es was Großes , was ganz Göttliches , daß der Mensch , wo er das Göttliche ahnt , das Schöne und Große gewahr wird , gleich harmonisch mit einstimmt und alle Feuer in ihm aufflammen . Ach , ich denk mich schon in eine Schlacht auf einem Schimmel neben ihm herreitend zwischen allem Donner der Geschütze , Rauch und Pulverdampf , in der Verwirrung großer entscheidender Momente , wie seinem sicheren Blick vertrauend ich alles glücklich vollende , ich denk noch mehr , alles was glühender Ehrgeiz nur zu unternehmen wagt , das fährt durch meine Seele , ich erleb ' s - ich bin glücklich , freudig , jauchze im Gelingen , und alles Volk umringt mich mitjauchzend und harrt meiner , daß ich ihm Labung zutröpfle heiliger Freiheit . All dies erleb ich mit dem Franzosen , der sich vor meinen Augen zum Heros entwickelt . - Ich möchte doch wissen , wenn man alle Erlebnisse sich zusammenrechnet , ob da nicht diese eingebildeten auch gelten , sie glühen und damaszieren doch die Seele durch diesen feinen Stahl der Begeistrung , der mit ihr zusammengeschweißt , gebeizt und geätzt wird und mir edler deucht wie jede andre Politur und besser zu benützen , zäher , fester , der Kraft des Willens nachgebend und ihr folgend . Kühne feste Handlung , Tatkraft muß doch auch einen Samen haben in die Seele geborgen , ist dies nicht Same ? Mich deucht , etwas gedacht zu haben ist Samen im Boden der Seele , der ans Licht dringt und sich erschließt , heute oder morgen . Da ging die Tür auf , Clemens kam herein , große Freud ! - Sie stärkt - es blitzt innerlich . - Ist mein Verstand mir verloren und such ihn an der leeren weißen Wand und find ihn nicht , aber in dem schönen großen Aug von Clemens find ich ihn . Du sagst , Du kannst ihm nicht in die Augen sehen , weil er einen verzehrenden Blick habe , ich nicht , ich schöpf Freud drin , und ich weiß nicht was , von lebendiger Nahrung Unübersetzbares . - Vor allem möcht ich Herr werden über mein Denken ; daß ich nämlich die Zeit ausfülle mit lebendigem ( lebengebendem ) Denken . Es gibt ein Denken , was verlebt , und eins , was erlebt . - Wie mich sammeln , daß ich meinen Geist immer auf das Erleben richte ? - Dies eine nur ! und das Auffahren gen Himmel ist mir gewiß . Das Schlafen kann mit dem Denken im Rapport gesetzt werden , das Schlafen , was aus dem Denken entspringt , erzeugt wieder Denkkraft , - so kann sich der denkbeflissne Geist erschaffen . - Überall mit Geist durchdringen , so ist das Schlechte gesprengt , denn es hat keinen Platz mehr , denn es ist zu schwach und zu eng , um Geist zu fassen . Ich wundre mich über