dem Schmaus , Was treibt dich in die weite Welt , Wo bist du kleiner Mann zu Haus ? « Er spricht » Ich bin ein Narr fürs Geld , Ein Narr ist überall zu Haus , Ich bleibe , wenn es Euch gefällt , Ich gehe , wenn mein Witz zu kraus . Beim Herrn von Limpurg war ich lang , Der war zu sanft , ich sprach zu hart , So machte ich zu Euch den Gang , Um mich zu freun an Heldenart . « Der König ruft nun seine Narrn , Um ihn zu prüfen , ob er klug , Und ihn zu fangen in dem Garn , Mit einem list ' gen Narrenzug ; Zwei alte Tölpel stolpern her , Mit buntem Kleide angetan , Doch ihre Zungen sind so schwer , Sie greifen an den kleinen Mann , Mit lahmen Späßen ohne Mut Und wären lieber wieder fort , Doch unser Kleiner gar nicht ruht , Er schenket ihnen gar kein Wort . Der Kleine übermeistert sie , Im fremden Land gilt der Prophet , Er fürchtet keinen , scheut sich nie , Er weiß es nicht , wie es dort steht . Die großen Tölpel werden stumm , Der König nimmt ihr hölzern Schwert Und spricht : » Ihr Narren seid zu dumm , Der Kleine ist des Schwertes wert , Ihr geht , der Mann im roten Kleid , Wird eure Löhnung zahlen aus ! « Der Kleine schmückt sich voller Freud , Die beiden gehen voller Graus . Der Kleine höhnt sie wacker aus , Ein jeder Einfall neue schafft , Nie dauerte so lang der Schmaus , Wie mundet heut der Rebensaft , Der König sagt zu allen laut , Daß er noch nie so lustig war , Dem Kleinen hat er ganz vertraut , Er sagt , was wahr , er trinkt , was klar , Der Narr belehrt den klügsten Rat Und wendet jeglichen Verdruß , Der Kleine denkt : » Es ist ein Staat , Wo mir ein jeder gut sein muß . « Da bringt der Mann im roten Kleid Noch eine Schüssel seinem Herrn , Der sieht hinein mit Schadenfreud , Und tut sie wieder dann versperrn . Doch unser Narr ist schon so dreist , Er blicket durch den Spalt hinein , Obgleich der König es verweist , Der Narr fängt kindisch an zu schrein . » Herr « , spricht er , mit gebrochner Stimm , » Zwei Menschenhäupter liegen drin ; Wer reizte Euren edlen Grimm , Mit Frevel oder Eigensinn ? « » Mit nichten « , spricht der König kalt , » Die beiden hab ich nicht gehaßt , Sie wurden mir nur allzu alt , Und haben hier nicht mehr gepaßt , Es sind die Narren , die allhier Dein guter Witz schnell überwand , Was sollten sie nun ferner mir , Du hast sie in ihr Nichts gesandt , Ein kluger Mann , wenn er verdummt , Erweckt noch aller Narren Witz ; Was ist ein Narr , der je verstummt , Er ist auf Erden nichts mehr nütz . « Das läuft dem Narren kalt wie Eis Durchs Rückenmark zu Zung und Mund , Dann wird ihm wieder glühend heiß , Er spricht aus bangem Herzensgrund : » Der Teufel sei hier Narr fürs Geld , Denn wagte ich mein Leben gern , So wär ich auch ein großer Held Und nicht ein Narr für große Herrn , Ich spring zurück in meinen Fisch , Der Narren Blut löscht allen Witz : Wer junge Narren braucht am Tisch , Der gönn den alten ihren Sitz . « . Bei den letzten Worten fing Grünewald zu lachen an : » Ich will dem alten Stadtpfeifer gern seinen Platz gönnen , dies liebe Städtlein hat kaum eine Straße und auch die ist nur halb gepflastert , ich möchte hier nicht begraben sein , wenn Anna nicht bei mir läge . Das Fest ist auch jetzt vorbei , sie kommen herunter und ich bin schon hier . Anna soll leben , hoch , hoch und immerdar hoch . « Der Fackelzug führte sie eben nach ihrem Hause vorüber , ein seliger Anblick . Als alle vorüber waren und nur der Abfall der Fackeln von der leuchtenden Erscheinung noch am Boden verglühte , sang Grünewald zu den Fenstern Annens hinauf : Nun kenne ich die Nacht Und ihre Flammenspur , Und hemme meine Uhr , Daß spät der Tag erwacht , Und schließt die Läden dicht , Dem ersten Morgenlicht . Eh ' Licht kann werden , bringt die Nacht , Der Schöpfung dunkle Freuden sacht ; Ich kenne die Geschichte Und nehme die Gewichte , Die Räder und die Glocken , Aus meiner Uhr bedacht , Sonst schlägt sie in der Nacht , Und ich fahr auf erschrocken . Nun steht die Zeit ganz still , Des freu sich , wer da will , Des freuet sich alsbald Der treue Grünewald . Anton sah verwundert den Mann an , der so in einem Atem lachen und weinen , belustigen und rühren wollte , aber er trug ein brüderliches Herz zu ihm und nötigte ihn , da er ohne Obdach , sein Lager mit ihm zu teilen . Zweite Geschichte Das Bild am Giebel Anna , die schöne , junge Frau , wurde spät von der Sonne erweckt , die über den wolkenlosen Himmel in voller Klarheit hinzog und ihre Strahlen in den runden Scheiben des Fensters sammelte , um mit einem Kusse ihrer Art die geschlossenen , weichen Augenlider der Müden zu erwärmen , die sich gern dem Tag verleugnet hätte , nachdem sie den Morgen verschlafen hatte . Endlich rief sie leise ihren Berthold , um ihn nicht zu erwecken , wenn er noch schliefe . Als sie aber keine Antwort erhielt und die Blendung ihr gestattete umzuschauen , da sah sie , daß Berthold nicht mehr im weiten Bette zu finden , daß er sich fortgeschlichen habe , - und das kränkte sie . Sie wollte nun nicht eher aufstehen , bis er ihr selbst die neuen goldnen Strumpfbänder gereicht hätte , nachdem ihre silbernen Strumpfbänder beim letzten Tanze feierlich zerrissen und jedem Gast ein Stücklein zum Andenken geschenkt worden war . Mit diesem Gedanken beschäftigt , sah sie nach dem Boden des Zimmers , weil die Fenster ihr zu hell entgegen leuchteten , und bemerkte das Schattenbild einer Leiter , auf welcher zwei Beine standen . Mit vorgehaltener Hand suchte sie zu entdecken , woher dieses seltsame Schattenspiel sich durch die Fenster sehen lasse , und fand bald , daß eine Leiter ans Fenster gelehnt sei , auf welcher die Beine eines Menschen ständen . Erst glaubte sie , es sei ein Scherz Bertholds oder eines mutwilligen Bekannten , und schämte sich , aber die feste Ruhe dieser Beine zeigte bald , der Gebeinte müsse seine Neugierde an der Mauer über und neben dem Fenster befriedigen , und sie hielt ihn für einen Arbeitet , der irgend etwas an dem Hause zu verrichten habe . Sie wollte eben mit Vorsicht aufstehen , fest versichert , der Mann könne nichts von ihr durch die blinkenden Scheiben wahrgenommen haben , da öffnete sich der obere Fensterflügel , und sie erinnerte sich mit Schrecken , daß Berthold diesen der Hitze wegen am Abend geöffnet hatte . Es bückte sich ein Antlitz nieder , das zu den Beinen gehören mochte , sie sah es aber nicht , denn sie war unter die Decke gefahren . Was war zu tun ? Unter der Decke war es zu heiß und nicht allzu lange auszuhalten ; ihr Vorzimmer , wo Kleider lagen , war etwa zehn Schrittchen entfernt , die Zeit mußte benutzt werden , wenn der Mann nicht hineinblickte . Aber konnte er nicht in der Zwischenzeit sich wieder niederbeugen , ehe das Vorzimmer erreicht war ? Endlich war der Entschluß gefaßt : in der Decke eingehüllt , hatte sie ohne umzublicken das Vorzimmer erreicht , wo sie in Eile die bequemen Morgenkleider anlegte . Nun kehrte ihr gewöhnlicher Mut zurück , sie schämte sich der kleinlichen Besorgnis und wurde neugierig , die Ursache dieses Schreckens näher kennen zu lernen . » Gewiß ist es Meister Sixt « , dachte sie , » die Mutter Hildegard gelobte , die heilige Mutter am Giebel neu aufmalen zu lassen , wie hat mich der gute , alte Mann so erschrecken können ? « Sie trat nun dreist ans Fenster , um dem Meister , den sie gern in allen Sprachen welschen hörte , einen guten Morgen zu wünschen , trat aber mit neuer Verwunderung zurück , als sie die Beine ins Auge faßte . So riesenhafte Beine mit breiten Waden , knorrigen Knöcheln und wohl gepolsterten Zehen , welche durch die zerrissenen Schuhe blickten , konnten dem dürren , kleinen Sixt nicht passen , auch war die Bekleidung für den geschniegelten , alten Niederländer allzu nachlässig . Die langen , roten Tuchhosen waren nicht aus Mode , sondern von der Hand der Zeit aufgeschlitzt , doch hatte der Eigentümer die List gebraucht , die unvermeidlichen Lücken , die sein Bein füllte , mit roter Farbe zu überstreichen , wodurch aber die Mücken keinesweges getäuscht wurden , denn sie nötigten oftmals die mit dem Pinsel bewaffnete , rechte Hand , die wohl zweimal so dick , als gewöhnliche Hände war , gegen sie niederzuschlagen , als müsse sie das Gemälde auffrischen . Anna meinte , es sei ein fremder Meister , der hier seine Kunst an ihrem Hause zeigen wollte , und sie hielt sich für verpflichtet , ihm zum mühsamen Werke in der Sonnenhitze einen guten Morgen zu bieten . » Guten Morgen Meister ! « sagte sie . - » Ich bin nicht der Meister « , antwortete ihr eine mächtige , tiefe Stimme , » ich bin aber sein Junge . « - » Wenn Ihr auch noch nicht Meister seid « , antwortete Anna , » so steht Ihr doch auf Eurem Platz fest und geht auf einem großen Fuße einher , in jedem Eurer Beine hat ein Meister Sixt Platz und wenn Eure Kunst Euer Maß hält , so könnt Ihr einer der größten Meister werden . « - » Es würde schon etwas aus mir werden « , entgegnete er mit einem lustigen Grundton , daß die Balken mitbrummten , » aber der Meister gibt mir mehr Schläge als Essen , wenn ich ein Körnchen in der Farbe nicht fein abgerieben habe , dabei kommt niemand zu Kräften , besonders wenn einem die Sonne wie hier beständig auf den Buckel brennt . « - » Wie macht er das , Euch Schläge zu geben « , fragte Anna , » ich dächte , er langte kaum zu Eurer Halskrause herauf , wenn er sich auch auf die Zehen stellte . « - » Der Meister ist ein listiger Mann « , sagte er und blickte durch das Fenster wie vorher , als Anna noch im Bette lag , indem er aus dem Farbentopf , der an der Leiter hing , den Pinsel füllte . Sie sah ein fröhliches Gesicht , das wie der Vollmond im Aufgange den Fensterflügel fast füllte , von großen , blauen Augen durchstrahlt , mit einem dichten Bart von Milchhaaren umglänzt , erschien er , wie ein Engelskopf unter dem Vergrößerungsglase sich darstellen möchte . - » Wie ist denn der Meister so gar listig ? « fragte Anna und beschaute das junge Blut mit Freude , wie es in dem erhitzten Halse pulsierte . - » Der Meister ist ein listiger Mann « , sagte er , » das sieht ihm keiner an . Wenn er nur jetzt käme , da schnippte ich ihn mit meinem Finger in die Ecke , aber da wartet er ganz ruhig , wenn ich etwas ausgefressen habe , was er für sich zurückgelegt hatte , bis zum andern Morgen und wenn ich im besten Morgenschlaf liege und für keinen Preis mich rühren mag , da haut er auf mich herum , als wäre ich ein staubiger Wams daß ich es wohl noch fühle , wenn ich erwacht bin . « - » Vaterhand schlägt nie zu hart ; das Kind , welches sie am liebsten hat , schlägt sie am meisten « , sagte Anna . - » Gott behüte « , sprach Anton , » daß die kleine Heuschrecke mein Vater wäre , ich bin nur so in der Not zu ihm gelaufen , als ich noch ein dummes Kind war , und weil er mir damals etwas Gutes angetan hat , dafür muß ich ihm mein lebelang eigen sein . Ich wollte , ein Koch wäre mein Pflegevater , so könnte ich doch essen , was ich zusammenreibe und koche , aber so muß ich die Wände und die Leinewand damit beschmieren ; zu einem Weinküper taugte ich auch besser . « - » Einen frischen Trunk kann ich Euch schon geben « , sagte Anna , und reichte ihm eine hölzerne Kanne mit dem Abendtrunk heraus . Er dankte kaum , sondern kippte sie wie eine Nußschale über , sie dachte nur , daß er einen Zug daraus tun sollte . Anna sah ihn verwundert an , konnte aber nicht böse werden , sie dachte : Es gehört wohl etwas in den breiten Hals , auf welchem der Adamsapfel wie ein Ziehbrunnen auf und nieder steigt , und dann sind ihm auch so viele Tropfen in seinem Milchbart hängen geblieben , daß sich die Fliegen darin ersäufen ; will doch sehen , ob er nach solchem mächtigen Zuge noch Platz für das Essen behält . - » Will Euch doch etwas zum Zubeißen bringen « , sagte sie , holte aus dem Nebenzimmer eine gebratene Hammelkeule und schnitt eine Scheibe davon ab . » Wie heißt Ihr ; « fragte sie , » hier ist die Gabel , langt zu ! « - » Ich heiße Anton « , sagte der Maler , » sage Euch schönen Dank , bin heut vor Tage aufgestanden und habe kein Frühstück bekommen , weil mich der Alte mit dem Hunger zum Fleiß antreiben wollte . « - Ohne Verlegenheit steckte er die Gabel durch das abgeschnittene Stückchen in den ganzen Braten und wie ein guter Heulader schwenkte er die Gabel , ohne etwas von der Ladung zu verlieren , in die obere Region , wo sich am Menschen der Mund öffnet . Frau Anna rief : Ob er nicht Brot dazu esse , das Fleisch sei fett . - » Dank Euch « , sagte Anton , » mein Magen verträgt Kieselsteine , wenn ich nichts andres habe ; wo ich aber gute Fracht finde , da mach ich ' s wie Schiffer in den Niederlanden und nehme keinen Ballast auf , gebt Euer Brot den Hühnern . « - Mit Verwunderung sah ihm Anna zu , wie er so eifrig essen und malen konnte , sie bekam selbst Eßlust bei dem Anblicke und wollte zum Frühstück fortgehen , als Anton sie bat , noch einen Augenblick zu verweilen , weil er den Kopf der Maria gleich beendet habe , sie möchte aber die Augen niederschlagen , wie sie im Bette getan , denn mit fast geschlossenen Augen habe er sie gemalt . Frau Anna schämte sich , daß er sie im Bette gesehen habe , und verbarg das hinter dem Unmute , wie er dem heiligen Bilde ihr sündliches Angesicht geben könne . - » O « , sagte Anton , » ich male nur das Schöne an Euch , das Häßliche lasse ich weg . Die Menschen sind recht sonderbar , uns Malern trauen sie zu , daß wir das heiligste Bild aus nichts schaffen und malen können , aber nicht unserm Herrgott , der die ganze Welt zwar aus nichts , aber den Menschen nach sich als sein Ebenbild geschaffen hat , wir müssen von unserm Herrgott , aus seinen Menschen lernen . « - » Aber es wäre mir doch lieber gewesen « , sagte Anna , » wenn Euer Meister mich abgemalt hätte , wenn ich einmal gemalt sein sollte . « - » Der hätte sich hier längst aus Schwindel den Hals gebrochen « , antwortete Anton , » auch geht ' s ihm nicht so von der Hand , wie mir und auf der Mauer will alles schnell gemalt sein , sonst stimmen die Farben nicht , wenn alles getrocknet ist . « Während des Gesprächs förderte sich die Arbeit und Anton suchte die Unterhaltung deswegen immer noch zu verlängern . » Ich muß Euch doch « , sagte er , » ein Hochzeitlied übergeben , das der arme Grünewald auf Euch zurückgelassen hat , der gestern von den Stadtpfeifern ist herausgedrängt worden , er hat die ganze Nacht geweint , denn er sagte , daß er Euch so lange nachgegangen und nun er Euch gefunden , so unehrlich behandelt sei , daß er sich aus Gram nicht mehr wolle sehen lassen . « - » Ist er denn schon fort ? « fragte Anna . » Ganz früh zog er fort « , antwortete Anton , » aber sein Hochzeitlied habe ich unten in meiner Tasche . « - » Zeigt es mir « , sagte Anna , » es tut mir recht leid , daß er schon fortgegangen , wir hatten ihn gestern vergessen in dem Gewirr , er sang sehr kunstreich . « Anton stieg die Leiter hastig herunter , um das Lied zu holen daß sie an der Mauer ausgleitete , denn sie stand zu flach . Aber zum Glück faßte er den Fensterrahmen , wo Anna stand , und so kamen beide mit dem Schrecken davon ; er schwang sich unversehrt in das Zimmer , während die Leiter niederstürzte . - » Gott sei gedankt « , rief Anna einmal über das andre , » Euch fehlt doch nichts ! « - » Es war mein Glück , daß das Fenster offen war « , antwortete er und wollte schon fortgehen , um die Leiter aufzurichten da hörte er Schritte und laute Worte im Vorzimmer . » Es ist der Ehrenhalt « , sprach Anna , » er wird von mir Abschied nehmen wollen . « - » Um Gottes willen verbergt mich « , sprach Anton in großer Verlegenheit , » der darf mich nicht sehen , er möchte mich wieder kennen , ich bin ihm entflohen , helft mir , ich bin verloren . « Anna war so überrascht , daß sie nichts zu sagen wußte , sondern halb unbewußt Anton in ihre Kleiderkammer schob , sie fühlte ein unwiderstehliches Mitleiden gegen ihn , denn Berthold hatte ihr schon so mancherlei von der Gewalt verlauten lassen , mit der die Kronenwächter wirkten . Er trat mit Apollonien ins Zimmer und überbrachte der jungen Frau einen kleinen , vergoldeten Schrank , wie ein Münster ausgedreht und geschnitten , in welchem ein gar schönes Muttergottesbild stand . Das übergab er im Namen der Grafen von Hohenstock , riet ihr sorgsame Pflege , wenn sie der Himmel mit einem Kindlein segnete , und daß sie sich von den gewaltsamen Ereignissen der Zeit , die jetzt bald eintreffen müßten , in der Pflege und Sorge nicht möchte stören lassen , endlich nahm er mit einer Herzlichkeit Abschied , wie keiner dem rauhen , alten Manne zugetraut hätte . Anna , von dem seltsamen Vorfalle mit Anton zerstreut , hörte nur unaufmerksam dem Alten zu und blieb noch unbequemer in ihrem Gefühle , als die Mutter den Ehrenhalt nur bis zur Türe begleitete und dann zu ihr umkehrte , um sie schnell anzukleiden , weil Berthold bei dem Brunnen mit einer Festlichkeit auf sie warte . Anna geriet in große Verlegenheit , weil die Festkleider in der Kammer lagen , wo Anton sich versteckt hatte . » Was soll die Mutter denken , wenn ich ihn heraus führe « , meinte sie , » oder soll ich mich hier ankleiden , wo er mich durch die Tür erblicken kann ? « Aber die Mutter machte diesen Zweifeln schnell ein Ende , indem sie ungeduldig die Türe öffnete , aus welcher ihr Anton mit der ruhigen Anfrage entgegentrat : » Also ist der Alte fort , Gott sei gedankt , ich dachte , er hätte mich am Kragen ! « - Die Mutter staunte , Anna war verwirrt , was sie denken möchte , und Anton sprach wieder : » Nun will ich Euch das Hochzeitlied des guten Grünewald holen , es hätte Euch gewiß gejammert , wie er von seiner Liebe zu Euch die ganze Nacht geklagt hat . « - Mit diesen Worten ging er zur Stube hinaus und Apollonia brachte erst nur unvernehmliche Töne heraus , dann aber rief sie : » Wäre ich doch so ruhig entschlafen in dieser Nacht , wie Frau Hildegard , sie weiß nichts mehr von deiner Schande , sie hat dich zum Feste geschmückt , das den lieben Sohn ihr von der Seite nahm , die Einsamkeit hat sie nicht überlebt , und wie dankst du ihr , daß sie so ihr lang gewohntes Leben , den guten Sohn dir abtrat ! Du verrätst ihn an einen Liebesboten , der wohl gar selbst dich verführte , hätte ich mein Messer , ich könnte dich mit kaltem Blute umbringen ! « - » Liebe Mutter « , unterbrach sie Anna , » übereile dich nicht ; um eine Kleinigkeit , an der ich gar keine Schuld habe , mir zu fluchen ! Sieh das Malergerüst vor dem Fenster , sieh die umgefallene Leiter , die der Junge eben wieder aufrichtet , und frag ihn , wie er in das Fenster gefallen , da sieh noch die eine Scheibe , die er eingebrochen hat . Und wie er hier war , da versteckte er sich vor dem Ehrenhalt . « - » Und solche freche Lügen kannst du gleich aus dem Stegreif ersinnen « , rief die Mutter , » wie oft magst du mich in Augsburg betrogen haben , aber du sollst den guten , den lieben Berthold nicht anführen . Er ist jeder treuen Liebe wert , ich will ihn trösten , er soll dich vergessen , wenn er fühlt , daß doch eine Seele ganz und ewig an ihm hängt , und in so langen Jahren sich ihm ungeteilt bewahrt hat . « - » Weh mir « , rief Anna , » du sagst zu viel , liebe Mutter , und dein unnützes Schelten über eine Schuld , die mit dem leisesten Hauche den Spiegel meiner Seele nicht trübte , eröffnet mir eine schwarze Tiefe naher Besorgnisse , du liebst ihn du gestehst es dir und mir , du glaubst mich bei ihm in Vergessenheit zu bringen , nie duldet das mein Herz , und mit aller Glut , wie ich ihn liebe , so will ich alle Netze verbrennen , mit denen du ihn zu dir zu ziehen strebst . « Der Streit wäre noch weiter gegangen , aber im Augenblicke klopfte Anton an das zugeschlagene Fenster . Die Mutter öffnete und er reichte ihr ein Blatt und sprach : » Dies ist das Hochzeitlied aber verzeihet mir , daß es ein wenig vom Firnis zusammenklebt die Leiter hat beim Herunterfallen die Firniskruke zerschlagen und bittet für mich beim Meister , daß er mich nicht dafür auch zerschlägt , Ihr saht ja , daß ich nichts dafür konnte . « - Der Vortrag geschah so natürlich und Anton sah ehrlich und offen in die Welt , daß die Mutter in ihrer Meinung irre wurde und sich endlich ganz von ihrem Irrtum überzeugte . » Der Morgen nach der Hochzeit « , sagte sie endlich , » ist nie ganz ohne Ärgernis , darum machen auch Freunde dazu gern allerlei Späße und Schauspiele , wir wollen auch dies dafür annehmen , als ob wir selbst mitgespielt hätten . Zieh dich schnell an ! Wer läßt denn hier am Hause malen , Berthold erzählte nichts davon . « - » Frau Hildegard hat dies Gelübde getan « , antwortete Anna . - » Die gute , selige Frau « , sagte Apollonia , » mag wohl durch meinen Zorn in dieser Morgenstunde gekränkt sein , sie wird mir nicht zürnen , ihr Gelübde hatte den Irrtum veranlaßt . Sei zufrieden Anna , werde nur nicht eifersüchtig auf mich , sieh dich im Spiegel , du blühende Rose , so freudig sah ich dich nie wie eben mitten in der Kümmernis unsres Streits , dann sieh mich an und du wirst deine Eifersucht beruhigen , selbst wenn du meiner Liebe zu dir nicht glauben wolltest . « - Anna küßte der Mutter die Hand und sprach : » Die gute Mutter Hildegard , nun kann ich ihr keine Liebe erweisen , aber du lebst doch noch recht lange , sollst dich recht lange mit erfreuen . Die arme Mutter Hildegard , sie hat es nicht überlebt , daß ihr Sohn fern von ihr schlafen sollte , ach da trage ich unschuldig die Schuld ihres Todes . « - Die Mutter suchte sie zu zerstreuen und sagte : » Wir wollen doch einmal lesen , was der bayerische Meistersänger dir zu Ehren gereimt hat , wahrscheinlich hat er es schon zu tausend Bräuten gesungen , denn darum läuft das Sängervolk immer so umher , daß sie an fremde Orte kommen , wo ihre paar Lieder noch für eine Neuigkeit gelten ; aber es ist schwer zu lesen vor dem Firnis , der daran klebt . « Hochzeitsterne sind verglommen , Und das schwarze Sonntagskleid Ist dem Himmel abgenommen , Alle Lust erwacht in Leid ; Freudig ist nun junges Leben hl den frischen Tag gestellt , Der gerührt des Blickes Beben Tauend über dich erhellt . Und du glaubst dem neuen Tage , Endlos scheint er , weil er klar , Es versinkt in Lust die Klage , Daß kein Kranz in deinem Haar ; Sieh , dir blühen tausend Kränze , Dieser ach versank im Fluß , Führt des Lebens Wellentänze , Lebensflut im stillen Kuß . In der Kraft , die er gesegnet , In der Hoffnung , die er regt , Seid ihr beide euch begegnet , Selig , wem das Herz so schlägt ; Selig , denn die tät ' ge Ferne , Der Gedanken Unbestand , Und des Glückes Wandelsterne , Trennen nicht dies innre Band . Hochzeitmorgen ist gekommen , Trägt ein feurig Freudenkleid , Und die Welt erscheint vollkommen , Feiert euren schönsten Eid , Mit dem Licht vom ersten Tage , Als die Erde jugendgrün , Als zum heiligen Vertrage Gott dem Menschenpaar erschien . Dritte Geschichte Gute Hoffnung Das Fest am Brunnen , welches den Morgen nach der Hochzeit feiern sollte , war durch den Tod der guten Mutter Hildegard in seinem Wesen gestört worden , manches blieb unbeendigt , weil Berthold sich der geliebten Toten nicht entreißen konnte , und die scherzenden Masken sandte er alle zu dem Hause des Herrn Brix , wo Kugler seit der Hochzeitnacht eingezogen war . Auch verspätet war das Frühstück am Brunnen durch den langen Schlaf Annens , die Sonne schien dort zu heiß , und der Tisch mit den Sesseln wurde auf Annens Bitte , unter die uralte , schattige Linde gestellt , unter der Berthold einst den Schatz gefunden hatte . Er ward nachdenklich und sprach wenig , so daß ihm Anna Vorwürfe machte , wie er an solchem Tage fremden Gedanken Raum gebe und daß er sie am Morgen so früh verlassen habe . Unter mancher Zärtlichkeit erzählte er ihr nach und nach , was ihn gequält und erweckt hatte » Als wir vor dem Altare in der Nonnenkirche standen und der Geistliche Himmel und Hölle des Ehestands mit gewaltiger Stimme malte , da flossen meine Augen in Sorge und Seligkeit , in Vorahndungen des Lebens und des Todes , aber ich schämte mich dieser Tränen vor dir und wendete mich ab , um sie unbemerkt zu trocknen . Und wie ich so zur Seite blickte und meine Augen sich aufklären , da erblicke ich einen Kriegsmann von alter Tracht , der großen Anteil an der Feierlichkeit zu nehmen schien , da war mir , als sei es derselbe Alte , derselbe alte Herr , den ich immer für ein Schattenbild des Barbarossa auf Erden gehalten , wenn er in Wolken vorüberzieht , der mir hier die Kapelle der heiligen Könige zeigte , die ich bis jetzt noch nicht wieder fand , der mir den Schatz verlieh , der mich aufforderte , diese Baustelle zu erstehen , auf der ich allen Reichtum erwarb , und mit Schrecken erinnerte ich mich bei einem Worte des Geistlichen von der Wandelbarkeit des Irdischen , daß der Alte mir diesen Schatz mit allem , was ich dadurch erwerbe , nur auf so lange verliehen habe , bis er es zurückfordere . Ich wandte mich ab von dem Alten und blickte nach dem vergitterten Nonnenchore und sah ein Antlitz halb befreit vom Schleier , der sich zur Seite gedrückt hatte , und meinte die geliebte Mutter , meine rechte Mutter , sehr veralten , doch unverkennbar wieder zu sehen . Diese Erscheinungen kreuzten sich und verwirrten mich ; als ich wieder um mich blickte , waren beide verschwunden und ich fürchtete , daß die lebhafte Anregung des Tages mich um den Verstand bringe . Beim Gelag hatte ich das alles vergessen und bald war auch das Gelag vergessen und du weißt vielleicht , wie alles gekommen , aber ich schlief doch endlich ein , schlief lange ruhig , bis ich denselben Alten , der mich in der Kirche erschreckt hatte , wieder zu sehen glaubte . Er sagte mir , daß meine Zeit abgelaufen sei , daß ich ihm alles wieder erstatten solle , was er mir geliehen , ich sei jetzt gesund , ich kennte die Welt und