den großen Heerkörper . Eine Woche später empfand jeder : nun geht es wirklich auf Paris , und am 19. standen die Spitzen unserer Armeen angesichts der französischen Hauptstadt . Das Yorksche Korps hatte beim Vormarsch die Tete gehabt , die ihm zukam , denn bei ihm war der eigentliche Ernst des Krieges . So kam der 30. Schlacht vor Paris , 30. März Schon um sechs Uhr hörte man Kanonendonner von Pantin und Romainville her , und um zehn Uhr stand die Avantgarde des Yorkschen Korps in Höhe von Pantin . Eine feindliche , hinter der Meierei Le Rouvray stehende Batterie beherrschte die Straße , darauf wir anrückten , und unser Musketierbataillon Blücher wurde zur Unterstützung der Avantgarde vorgezogen . Im Laufschritt , um dem Kartätschfeuer der bei Le Rouvray feuernden Batterie möglichst zu entgehen , ward eine eiserne , über den Ourcqkanal führende Brücke passiert und Le Rouvray selbst von unserem Bataillon Blücher besetzt , während andere Bataillone in Pantin einrückten . Die feindliche Batterie ging zurück . Mit ihr verschiedene Bataillone , die bis dahin die Position gehalten hatten . In diesem Augenblick erhielt Major Blücher Befehl , dem sich zurückziehenden Feinde zu folgen . Aber dieser war minder erschüttert , als man diesseits erwartet hatte , kam zum Stehen und empfing die Nachstürmenden mit mehreren Salven . Gleichzeitig eröffnete eine jenseits des Kanals aufgefahrene Batterie ihr Feuer gegen die Unseren und so in Front und Flanke zusammengeschossen , blieben im Nu 210 von 343 Mann . Fast zwei Drittel also waren tot oder verwundet . Der Rest , zurückeilend , suchte das schützende Vorwerk ( Meierei Le Rouvray ) zu erreichen . Der Feind nach . Da rafften Hauptmann von Rathenow und Leutnant von Johnston ein paar Gruppen Fliehender zusammen , warfen sich den Verfolgern entgegen und retteten dadurch die Meierei . 49 Das andere Bataillon unseres Regiments , Major von Borcke , nahm nur mit einem Schützenzuge an den mehr nördlich sich hinziehenden Kämpfen teil und hatte geringe Verluste . Tags darauf , am 31. März , war » Einzug in Paris « . Linie und Landwehr blieben bekanntlich davon ausgeschlossen . Unsere Bataillone besetzten an diesem Tage die Barrieren de l ' Etoile und du Bassin . Am 30. Mai Friedensschluß . Bald darauf Rückkehr der Truppen in die Heimat . Das 24. Infanterieregiment 1815 Unser Regiment – damals noch unter seinem alten Namen : 12. Reserve-Infanterie-Regiment – war am 8. Juli 1814 in die ihm zugewiesene Garnison Luxemburg eingerückt . Major von Laurens , von seiner Verwundung hergestellt , übernahm wieder das Kommando . Nicht eben zum Vorteil des Regiments wurden viele Rheinländer eingestellt , was sich jetzt , nachdem sie aus » Muß-Preußen « längst zu loyalen Alt-Preußen geworden sind , ohne besonderen Anstoß sagen läßt . Sie wollten damals keine guten Preußen sein . Die Reorganisation war nur erst oberflächlich beendet , als eine kurze Meldung das Friedenswerk unterbrach : » Napoleon zurück von Elba ! « Also wieder Krieg . Am 27. Mai 1815 , verließ unser Regiment – das seit dem 1. Mai letztgenannten Jahres den Namen 24. Infanterie-Regiment führte – Luxemburg und marschierte in die Niederlande hinein , um seine Stellung innerhalb der 1. Brigade des I. Korps einzunehmen . Die Stärke des Regiments belief sich , alles in allem , auf etwa 2200 Mann und zwar : 1. Bataillon 21 Offiziere und 717 Mann , 2. Bataillon 19 Offiziere und 727 Mann , Füsilier-Bataillon 20 Offiziere und 694 Mann , Summa 60 Offiziere und 2138 Mann . Die 1. Brigade , General von Steinmetz , bestand aus dem Brandenburgischen Infanterieregiment Nr.12 , und dem 24. Regiment und dem 1. Westfälischen Landwehrregiment . Dazu das 6. Ulanenregiment und eine Fußbatterie . Am 7. war Revue der Brigade , am 8. Vorlesung der Kriegsartikel , am 9. kündigte sich der Feind an , aber sein Erscheinen verzögerte sich . Am 14. Aufstellung auf der großen Straße nach Binche ; am 15. fanden bereits einzelne Rencontres statt . So kam der Tag von Ligny , der auch unserm Regiment erhebliche Opfer auferlegte . Ligny , 16. Juni Napoleon stand bei Fleurus mit vier Korps : Grouchy , Gérard , Vandamme und den Garden , Blücher eine Meile weiter nördlich , hart links an der von Fleurus auf die Chaussee Brüssel-Namur führenden Straße . Er hatte nur drei Korps zur Hand ; das vierte Korps ( Bülow ) war noch zurück . Im Vertrauen auf die Unterstützung Wellingtons – die später , nach Lage der Sache , ausbleiben mußte – nahm er die Schlacht an . Diese hat man sich einigermaßen ähnlich vorzustellen wie die Schlacht bei Vionville : drei an einer Chaussee liegende stark besetzte Dörfer , gegen die sich von Süden her drei Angriffskolonnen richten . Was am 16. August 1870 die Dörfer Mars la Tour , Vionville und Rezonville waren , das waren am 16. Juni 1815 die Dörfer St. Amand , Ligny und Sombreffe . Gegen die rechten Flügeldörfer geschah an beiden Tagen nichts Erhebliches ; wie sich der eine Tag bei Mars la Tour und Vionville entschied , so der andere bei St. Amand und Ligny . St. Amand , Ligny , Sombreffe – so folgten die Dörfer einander von West nach Ost . Da wir mit Front gegen Süden standen , von wo Napoleon angriff , so war St. Amand unser rechter , Sombreffe unser linker Flügel ; Ligny Zentrum . St. Amand war durch das Zietensche , Ligny durch das zweite , Sombreffe durch das Thielemannsche Korps besetzt . Um zwei Uhr ging Napoleon vor . Vandamme , französischer linker Flügel , gegen St. Amand , Gérard , Zentrum , gegen Ligny , Grouchy , französischer rechter Flügel , gegen Sombreffe . Nach mehrstündigem Hin-und Herschwanken entschied sich der Kampf dadurch , daß Napoleon , die Garden zur Unterstützung Gérards vorziehend , mit diesen unser Zentrum bei Ligny durchbrach . Blücher , sich an die Spitze einiger Kavallerieregimenter setzend , suchte die Schlacht wieder herzustellen . Aber vergeblich . Geworfen , entging er nur wie durch ein Wunder der Gefangennahme . Soviel über den Gang der Schlacht überhaupt . Unser Regiment stand am diesseitigen rechten Flügel ( Zietensches Korps ) teils bei St. Amand , teils tausend Schritt weiter nördlich bei dem Dorfe St. Amand la Haye . Hier nahm es an den erbitterten Kämpfen dieses Nachmittags teil . Wir geben nur einige Details . » Um einundeinhalb Uhr durchschritt der greise Feldmarschall das Biwak der 1. Brigade : 12. und 24. Infanterieregiment und ermunterte die Soldaten mit ein paar kräftigen Worten : › Seht dort bei Fleurus , da zieht sich ' s zusammen . Nun gilt es , Kinder . ‹ Um dieselbe Stunde erhielt unser Füsilierbataillon , Major von Blücher , Order , in St. Amand einzurücken . Bis dahin hatte das Bataillon in einem Garten in Front des Dorfes gelegen . In Gemäßheit dieser Order war man eben damit beschäftigt , die südwestliche Lisiere von St. Amand mit Tirailleurs zu besetzen , als der Gegenbefehl eintraf , statt in das Dorf , in die Reserve zu rücken . Das Bataillon verließ St. Amand und marschierte bis St. Amand la Haye , wo es östlich neben dem Dorfe Stellung nahm . Hier befand sich ein Backofen , von dessen Höhe aus , über St. Amand hinweg nach Fleurus zu , unsere Offiziere die Einleitungen zum Gefecht , wie sie auf französischer Seite stattfanden , deutlich verfolgen konnten . Inzwischen sahen unsere auf einem Höhenzuge unmittelbar nördlich von St. Amand stehenden Musketierbataillone ebenfalls über dies Dorf hinweg und nahmen gleicherweise das Vorrücken der Vandammeschen Kolonnen wahr , die sich von Fleurus aus gegen St. Amand dirigierten . Dieses war nach Abzug unseres Füsilierbataillons durch das 29. Regiment besetzt worden . Vandamme griff mit Übermacht an , bemächtigte sich des Dorfes und warf die Neunundzwanziger hinaus . Als er indessen von der nordöstlichen Lisiere her in Kolonnen debouchieren wollte , ging ihm unsere 1. Brigade , rechts das 12. , links das 24. Regiment , entgegen und drang mit einer glücklichen Attacke in das Dorf ein . Kaum war dieser Erfolg errungen , als frische feindliche Streitkräfte St. Amand wieder zu nehmen trachteten . Dies versagte jedoch . Unsere Musketiere gewannen sogar Terrain , nachdem sie dem Feinde , der sich mit der größten Erbitterung schlug , Gehöft nach Gehöft und Hecke nach Hecke hatten abringen müssen . Aber der Feind führte jetzt abermals neue Bataillone gegen St. Amand vor . Unser Regiment mußte die südwestliche Lisiere wieder aufgeben , da es an Patronen zu mangeln begann , und das Gefecht im Dorfe selbst erneuerte sich nunmehr . Endlich traf unsererseits die 2. Brigade Pirch zur Ablösung ein . Schwierig war es , die in lauter Trupps zerstreuten Mannschaften aus dem wütenden Kampfe herauszuziehen . Endlich gelang es . Laurens bestimmte als Sammelplatz einen tief gelegenen Punkt zwischen Ligny und St. Amand la Haye . Leider sicherte diese Vertiefung nicht ausreichend gegen das Einschlagen von Geschossen , und beide Musketierbataillone erlitten hier noch erhebliche Verluste . Dem Leutnant von Wulffen riß eine Granate den Kopf weg , eine andere rasierte fünf Mann vom rechten Flügel der 5. Kompanie , eine dritte traf Laurens Pferd und schleuderte diesen aus dem Sattel . Was nun noch folgte , war , soweit unser Regiment in Betracht kommt , ein Hin- und Hermarschieren . Es ging nach Sombreffe und wieder zurück . Auf diesem Rückmarsch indes war es unsern Vierundzwanzigern noch beschieden , an dem in gewissem Sinne wichtigsten Moment des Tages teilzunehmen . Blücher selbst , um Ligny wiederzugewinnen , führte zum Schluß des Tages , wie schon erwähnt , ein paar Kavallerieattacken aus . Aber sie mißglückten , Blücher stürzte und lag unterm Pferde . Die französischen Reiterungewitter donnerten über das Feld hin . In diesem Augenblicke trafen wie durch glücklichen Zufall unsere Musketierbataillone an dem Wasserlauf ein , der hart an Mont Potriaux vorüberfließt . Laurens ließ Karree schließen und kommandierte : » Zweites Glied , Feuer ! « Dies wechselte darauf mit dem dritten Glied die Gewehre und eine zweite Salve folgte . Beide hatten ihre Wirkung , die Reitermasse stob seitwärts und wurde von dem Punkt abgedrängt , wo Blücher unterm Pferde lag . Vielleicht wandten diese Salven eine Gefangennahme ab , die , nach allgemeiner Annahme , verhängnisvoll gewesen wäre . Der Rückzug – Gneisenaus unsterbliches Verdienst – ging auf Wavre , das heißt den Engländern entgegen . Der Gesamtverlust , den unser Regiment an diesem Tage erlitt , belief sich auf 14 Offiziere und 340 Mann , die zur Hälfte auf das 2. Bataillon entfielen . Belle-Alliance , 18. Juni Wie bei Ligny an tapferer Verteidigung , so nahm unser Regiment bei Belle-Alliance an der siegreichen Offensive teil , die die letzten Stunden dieses Tages brachten . Es gehörte zu den Truppen , die recht eigentlich die Schlacht entschieden . Ihr bloßes Erscheinen bedeutete den Sieg . Es war etwa sechs Uhr , als die 1. Brigade von Steinmetz auf dem Schlachtfelde eintraf . In diesem Moment waren die Engländer im Zurückweichen und getrennt vom Bülowschen Korps . Die 1. Brigade ( und in ihr unser 24. Regiment ) stellte dadurch , daß sie zum Angriff vorging , den Feind warf und die Engländer zu neuem Vorrücken veranlaßte , die Verbindung wieder her und entschied auf diese Weise die Niederlage des französischen rechten Flügels . Auf einer von einem französischen Generalstabsoffizier herrührenden Zeichenskizze finden wir an einer Stelle , wo zwei Bataillone an der Spitze des heranziehenden Zietenschen Korps in den Plan eingezeichnet sind , zugleich die Worte : Arrivée du corps du Général Zieten , qui decida la défaite de l ' aile droite . Diese » zwei Bataillone « sind die Musketiere unseres 24. Regiments . Der Feind wich , setzte sich aber noch einmal auf den dominierenden Höhen südwestlich von Smohain . Unsere Musketierbataillone , unter Laurens persönlicher Führung , folgten . Sie hatten die französische Garde gegenüber , die jetzt mit höchster Anstrengung unsere so gut wie vollzogene Vereinigung mit den Engländern wieder zu lösen trachtete . Die diesseitige Tirailleurkette wurde verstärkt und wieder verstärkt , bis zuletzt die halben Bataillone aufgelöst kämpften . Alles umsonst . Der heftige Widerstand der alten Garde brachte den Angriff ins Stocken ; ein Wanken begann , das ein Weichen zu werden drohte . In diesem Augenblick trat Laurens , wie es in den Berichten heißt , » mit seiner kräftigen Gegenwart « ein , schob das Füsilierbataillon nach links , um dadurch Verbindung mit dem rechten Flügel des 4. Korps zu gewinnen , nahm gleichzeitig die Soutiens der Musketierbataillone zusammen und führte sie , durch die Tirailleurschwärme hindurch , zu neuem Angriff vor . Im Vorgehen wurde nach rechts hin Verbindung mit den Bergschotten gewonnen , die an dieser Stelle standen und kämpften . Vorwärts ! Wohl erkannte man die Gefahr , als es so gerade im Sturmschritt auf die alte Garde losging , die noch dazu durch eine vorteilhafte Stellung begünstigt war , aber siehe da , es gelang . Der Feind wurde geworfen . Seit Beginn dieses Angriffs war kaum eine halbe Stunde vergangen . Von Position zu Position in den Kessel zurückgedrängt , zog sich die Garde von Frichermont auf la Belle – Alliance zu . Der Nebel hatte sich inzwischen gänzlich geteilt . Noch einmal sah man die feindliche Kavallerie anrücken , jedoch bald Halt und Kehrt machen . Endlich verschwanden die französischen Kolonnen hinter Planchenoit . Die prächtigste Sommernacht zog herauf und ein glänzender Vollmond beleuchtete das Schlachtfeld , auf welchem die Engländer und Preußen nunmehr als Sieger vereint ruhen durften . Unser Regiment vereinigte sich bei la Haye-Sainte und bezog daselbst ein Biwak , dicht neben ihm einige Bataillone Hochländer . Als man sich einigermaßen eingerichtet hatte , ließ Laurens die Hautboisten und Sänger vor die Mitte des Lagers treten und zuerst » Nun danket alle Gott « , dann » Heil Dir im Siegerkranz « anstimmen . Als die Hochländer diese Melodie hörten , die wie bekannt zugleich die der englischen Nationalhymne ist , fühlten sie sich freudig überrascht , fielen ein und sangen ihr » God save the King « mit , indem sie mit tränenvollen Augen ihren preußischen Waffengefährten in die Arme stürzten . Dann wurde noch lang in die Nacht hinein gejubelt und getanzt , obgleich der Boden von dem furchtbaren Regen der vorigen Nacht sehr aufgeweicht und durch die Kavallerieattacken gräßlich durchknetet war . Vierundzwanziger und Bergschotten im frohsten Durcheinander . Die Verluste des Regiments waren mit Rücksicht auf das große Resultat gering zu nennen 50 : 137 Mann an Toten und Verwundeten , die , wie bei Ligny so auch hier , größerenteils auf die beiden Musketierbataillone entfielen . Die Friedensjahre Von 1815 bis 1848 Am 2. November 1815 trat das Regiment den Rückmarsch in die Heimat an ; es marschierte über Brüssel , Köln , Braunschweig , Magdeburg nach Breslau und Neisse . In diesen Garnisonen wurde die Demobilisierung ausgeführt . 1817 trat das Regiment aus dem 6. ( schlesischen ) Armeekorps in das 3. ( brandenburgische ) über und wurde nach Frankfurt a. O. hin gelegt . In Frankfurt und Umgegend stand das Regiment drei Jahre und rückte erst im September 1820 in seine neuen Garnisonen Ruppin und Prenzlau ein . Die Regimentskommandeure der Vierundzwanziger waren von 1815 bis 1848 die folgenden : Oberstleutnant von Laurens bis 1816 , Oberst von Romberg bis 1821 , Oberst von Petery bis 1834 , Oberst von Wulffen bis 1838 , Oberst Chlebus bis 1844 , Oberst Ehrhardt bis 1848 . – 1824 wurde der Erbgroßherzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin Chef des Regiments , 1842 der Sohn Paul Friedrichs , der jetzt regierende Großherzog Friedrich Franz . Das 24. Regiment im Jahre 1848 und 1849 Am 24. Februar 1848 erfolgte die » Februarrevolution « und in weniger als drei Wochen zog das revolutionäre Wetter über ganz Europa hin . Überall fand es reichlichen Zündstoff und überall schlug es ein . Auch bei uns . Es war eben nicht alles so , wie es sein sollte . Die Zusagen von 1815 waren unerfüllt geblieben , ein Druck war da , eine Luft , die das freie Atmen hinderte . Auch die Besten , wenn sie nicht Unzufriedene waren , waren wenigstens unbefriedigt . Aus dieser Stimmung heraus erwuchs unser » 18. März « . Ohne den stillen Vorschub , den das gesamte Volksgefühl den Krawallern von Fach leistete , wäre dieser Tag nicht möglich gewesen . Die junge Freiheit war geboren . Aber sie konnte ihren unmittelbaren Ursprung nicht verleugnen , und mit jedem Tage wurde es klarer , daß sie von der Gasse stammte . Das vielzitierte » Schaumspritzen « eines freiheitlichen Geistes wurde mehr und mehr unbequem und die hohe Libertas trug das Kleid des Rehbergers . Unser Regiment war es , dem damals die Aufgabe zufiel , die Ausschreitungen der Hauptstadt im Zaume zu halten , weniger durch direktes Eingreifen , als einfach durch seine Gegenwart . Die Übermütigsten wußten , daß wenigstens ein loyaler Faktor da war , mit dessen 3000 Bajonetten gerechnet sein wollte . Sehr bald nach dem » 18. März « waren unsere Vierundzwanziger in die Hauptstadt eingerückt und hatten in den Kasernen des 2. Garderegiments und der Gardeartillerie Quartiere bezogen . Speziell diese Kasernen waren wohl mit Rücksicht auf die nahe gelegene » Oranienburger Vorstadt « gewählt worden . Der Sicherheitsdienst befand sich in den Händen der Bürgerwehr und nur einige wichtigere Punkte wurden unseren Vierundzwanzigern zugewiesen . Unter diesen das Zeughaus . Eben dieses war auch am 14. Juni wieder durch eine Füsilier-Kompanie Vierundzwanziger besetzt worden , als sich am Nachmittage genannten Tages jene Ereignisse vorbereiteten , die unter dem Namen der » Zeughaussturm « bekanntgeworden sind . Ein sehr lehrreiches Kapitel in der Geschichte der Revolutionen , zugleich ein treffliches Beispiel dafür , daß Unternehmungen von einer nicht wegzudisputierenden historischen Bedeutung oft nicht bloß durch die zweifelhaftesten , sondern auch geradezu durch die kümmerlichsten Mittel in Szene gesetz werden . Hundert oder zweihundert verwegene Bursche , Bursche , die , was auch kommen möge , nur zu gewinnen haben , rottieren sich zusammen , und in weniger als einer halben Stunde sind aus den zweihundert zwanzigtausend geworden . Aber diese zwanzigtausend sind au fond nichts als eine Täuschung . Jeder will sehen und hören , und vielleicht hinterher ein wenig renommieren , das ist alles ; er denkt nicht daran , Hand anzulegen , wenn es ernst wird , er will nicht kämpfen oder sich persönlich Gefahren aussetzen , er will nur mit schreien und möglichst mit unnütz sein , während die andern die Kastanien aus dem Feuer holen . Diese » andern « aber sind immer nur wenige . Wer dies im Auge hat , der wird solcher Bewegungen in der Regel leicht Herr werden und meistens ohne große Opfer hüben und drüben ; aber an diesem freien Blicke gebricht es in revolutionären Zeit fast immer . Jeder ist angekränkelt , jeder erkennt der Auflehnung ein bescheidenes Maß von Berechtigung zu , oder setzt auch wohl Mißtrauen in die Mittel und Wege , mit denen er in den Kampf eintreten soll . So wird die Entschlußkraft gebrochen . Das Schlimmste tun dann schließlich noch die » Berater « . Unter diesen sind immer einige , die mit der Angst des eigenen Herzens die Herzen derer , bei denen die Entscheidung liegt , anzustecken wissen . Mitunter sind es auch Mitverschworene . So war es am 14. Juni . Geschwätz , Zureden und , als alles nicht ausreichte , direkte Lüge , brachen , ohne daß ein Schuß gefallen wäre , den Widerstand der Zeughausverteidiger und die jubelnde Menge trat ein . Aber nicht lange sollte sie sich dieses Sieges erfreuen . Das mittlerweile gesammelte 1. Bataillon Vierundzwanziger erhielt Befehl , das Zeughaus wiederzunehmen , und vom Kupfergraben , wie zugleich vom Kastanienwäldchen aus , rückten alle vier Kompanien gegen dasselbe vor . Die Menge wich und durch sie hindurch drangen jetzt die Hauptleute von Brause und von Stülpnagel in das Zeughaus ein , säuberten den Hof , nahmen in der obersten Etage dem Gesindel die bereits geraubten Waffen wieder ab und jagten dasselbe die Treppe hinunter oder zu den Fenstern hinaus . In Zeit von zwei Stunden war alles beendet und die Ordnung der Dinge wiederhergestellt . So der Juni 1848 . Ernster , bedeutsamer waren die Mai-Ereignisse des folgenden Jahres , insonderheit der Straßenkampf in Dresden . Hier stand man einer wirklichen revolutionären Macht gegenüber . Auf diese Kerntruppe der Revolution paßte nicht mehr das , was ich vorstehend von bloßen Krawallern und Tunichtguten gesagt habe , hier befehdeten sich zwei Prinzipien , von denen jedes seine Truppen ins Feld stellte . Die Ereignisse von damals sind halb vergessen , sie sollten es nicht sein . Sie gaben uns einen Vorgeschmack von dem , was kommen wird . Am 3. Mai war der Aufstand in Dresden ausgebrochen . An der Spitze standen Tschirner , Todt , Heubner , Bakunin . Die Barrikaden ( so wird erzählt ) waren nach Anleitung Sempers errichtet , die revolutionäre Armee selbst aber bestand aus Turner- , Künstler- und Studetenkorps , aus Teilen der Schützengilde , der Bürgerwehr , aus formierten Abteilungen militärisch eingeübter Bergleute und aus Umsturzmännern von Fach , namentlich Polen . Es handelte sich also nicht um » Gesindel « , das bekämpft werden sollte , sondern , wie schon hervorgehoben , um eine Elitetruppe , die nach Intellekt , Wissen und bürgerlicher Stellung erheblich höher stand , als die uckermärkischen Füsiliere , die hier unsererseits in den Kampf eintraten . Je bestimmter ich auf seiten dieser letzteren stehe , desto freier auch darf ich es aussprechen , daß nichts falscher und ungerechter ist , als auf die Scharen des Maiaufstandes verächtlich herabzublicken . Die Schuld lag bei den Führern . Und auch hier ist noch zu sichten . Neben Ehrgeizigen und Böswilligen standen aufrichtig begeisterte Leute . Eine Republik herstellen wollen , ist nicht notwendig eine Dummheit , am wenigsten eine Gemeinheit . Das sächsische Militär war nicht stark genug , den Aufstand zu unterdrücken . Am 5. oder 6. Mai gingen deshalb von Berlin aus das 1. und das Füsilierbataillon vom Alexanderregiment nach Dresden ab , um die sächsischen Truppen in ihrem Kampfe zu unterstützen . In der Nacht vom 7. auf 8. folgte unser vierundzwanziger Füsilierbataillon . Am 8. früh traf es in Neustadt-Dresden ein und rückte um ein Uhr mittags zur Ablösung der verschiedenen Detachements des Alexanderregiments über die Elbbrücke . Die halbe Altstadt war um diese Zeit bereits zurückerobert , aber in der im Besitz der Insurgenten verbliebenen Hälfte steigerte sich der Widerstand , besonders am Altmarkt und in dem zwischen der Wilsdruffer- , Scheffel- und Schloßgasse gelegenen Häuserkarree . Unsere Füsiliere begannen den Kampf sofort , aber der Hauptangriff wurde doch bis zum 9. morgens verschoben . Die 9. Kompanie ( rechter Flügel ) ging in der Frühe genannten Tages mit allen drei Zügen vor . Hauptmann von Malotki nahm das Postgebäude , Leutnant von Glasenapp das Englische Haus , Leutnant von Horn eine starke Barrikade an der Scheffel- und Wallstraßen-Ecke . Die 10. Kompanie ( linker Flügel ) setzte sich vom Neuen Markt her in den Besitz des Café français und avancierte von hier aus gegen die ebenfalls mit Insurgenten besetzte Kreuzkirche . Die 11. und 12. Kompanie ( Zentrum ) arbeiteten sich in den Häusern der Sporer- und Schössergasse gegen den Altmarkt vor , während andere Abteilungen , bei denen sich der Bataillonskommandeur Major Schrötter befand , die Hauptstraße hielten und die hier errichteten , mit der roten Fahne geschmückten Barrikaden wegnahmen . Die Hauptaktion hatte die 9. Kompanie . Noch geraume Zeit nachher bot das Postgebäude samt den angrenzenden Baulichkeiten ein deutliches Bild des Kampfes , der hier getobt hatte . Die Verluste der Insurgenten waren groß , der ganze Hergang aber , rein auf seinen militärischen Gehalt hin angesehen , hatte deutlich gezeigt , welches Widerstandes eine Stadt fähig ist , wenn sie den guten Willen hat , jeden fußbreit Erde zu verteidigen . Der Straßenkampf in Iserlohn 17. Mai 1849 Am 11. Mai verließ unser Füsilierbataillon Dresden und vereinigte sich mit den andern Bataillonen des Regiments , um den inzwischen an einigen Orten Westfalens ausgebrochenen Aufstand niederzuschlagen . Das führte am 17. Mai zu dem Straßenkampfe von Iserlohn . Unsere Bataillone stürmten von drei Seiten her gegen die Stadt , nahmen die Barrikaden im ersten Anlauf und drangen in den Straßen , trotz lebhaften Feuers aus den angrenzenden Häusern , ohne Aufenthalt vor . Eine der Barrikaden , die von der 4. Kompanie erstürmt wurde , war aus Postwagen erbaut , andere waren mit Geschützen versehen . An die Spitze der 12. Kompanie hatte sich der Kommandeur des Füsilierbataillons , Oberstleutnant Schrötter , gestellt ; seiner Truppe weit vorauf traf ihn eine Kugel und tödlich getroffen sank er aus dem Sattel . Diesen Schuß hatten die Aufständischen teuer zu bezahlen . Das Haus ward erstürmt und von drei Seiten her der Marktplatz erreicht . Die Feder sträubt sich , die Zahl der Opfer anzugeben . Auf seiten des Regiments waren nur zwei Tote , darunter Oberstleutnant Schrötter . 51 Der Feldzug in Pfalz und Baden Inzwischen hatten sich die badischen und auch zum Teil die bayrischen Truppen ( soweit sie in der Rheinpfalz standen ) dem Aufstande angeschlossen . An die Stelle ihrer Offiziere , die mit kaum nennenswerten Ausnahmen ihrem Eide treu blieben , traten vielfach Revolutionärs vom Fach . Mieroslwaski übernahm die Oberleitung . Drei Korps setzten sich zur Bekämpfung der Aufständischen in Marsch . Das erste dieser Korps wurde vom General von Hirschfeld , das zweite vom General Graf Gröben , das dritte , aus deutschen Kontingenten gemischte , vom Generalleutnant von Peucker kommandiert . Den Oberbefehl über die Armee übernahm der damalige Prinz von Preußen . Unsere Vierundzwanziger kamen zum Hirschfeldschen Korps . Es war mehr ein Marschieren als ein Bataillieren , und zuletzt , als die Murglinie seitens der Aufständischen erreicht war , setzten sie sich , um einen letzten entschlossenen Widerstand zu versuchen . Dies führte am 29. und 30. Juni zu den ziemlich blutigen Gefechten bei Kuppenheim , von denen das eine diesseits , das andere jenseits der Murg geschlagen wurde . An dem Gefechte diesseits der Murg ( 29. ) nahmen unsere Musketierbataillone , an dem Gefechte jenseits der Murg ( 30. ) unsere Füsiliere teil . Besonders zeichnete sich am 29. das 2. Bataillon aus . » Das Erscheinen des 2. Bataillons 24. Regiment war entscheidend . Die Freudigkeit , mit der es ins Gefecht ging , ist über alles Lob erhaben , und bald war auch das verlorengegangene Terrain 52 und noch mehr gewonnen . Der Feind zog eilig über die Murg nach Kuppenheim ab . « Die verschiedenen Gefechte , die am 30. Juni stattfanden , entschieden über das Schicksal der Insurgentenarmee . Ein Teil warf sich nach Rastatt hinein , das sich bis zum 23. Juli hielt . Der Rest zerstob in alle Winde . Damit war der Feldzug abgeschlossen , unsere Vierundzwanziger aber wurden dem Okkupationskorps zugeteilt , das bis November 1850 in Baden verblieb . Die Verluste in allen Kämpfen des Jahres 1849 ( Dresden , Iserlohn , Baden ) stellten sich für unser Regiment wie folgt : Dresden : 6 Tote , 13 Verwundete . Iserlohn : 2 Tote , 4 Verwundete . Baden : 3 Tote , 18 Verwundete . Damals hatten diese Zahlen ein Gewicht ; jetzt blicken sie uns bescheiden an . Bei Vionville gab es Sekunden , die mehr kosteten als alle diese Kämpfe zusammengenommen . Das 24. Regiment im Kriege gegen Dänemark 1864 Eine Epoche der » Mobilmachungen « folgte den Kämpfen von 1848 und 1849 . Wer diese Mobilmachungen erlebt hat , weiß , daß es nichts Verstimmenderes und Lähmenderes gibt . Wer mobilisiert , muß auch schlagen . So wenigstens die Regel . Eine so große Rat- und Freudlosigkeit war über unser Volk gekommen , daß , als der Tod Friedrichs VII. und die sofort ausgesprochene Inkorporation Schleswigs in Dänemark zu neuen Mobilisierungen führte , niemand an den Ernst der Situation glauben wollte . » Es wird wieder nichts « hieß es . Nebenher ging die Befürchtung , daß alles , was etwa doch geschähe , zu Nutz und Frommen Dänemarks geschehen würde . Es kam jedoch anders . Eine Epoche glänzender Kriege nahm ihren Anfang . Anno 1864 kam unser Regiment zur Brigade Roeder . Am 2. Februar war es mit bei Missunde , rückte am 7. mit in Flensburg ein und stand am 11. im Vorterrain von Düppel , etwa eine Meile von den Schanzen entfernt . Am 22. Februar wurde die Büffelskoppel , am 14. März Wester-Düppel , am 17. März Kirch- und Oster-Düppel genommen . Endlich am » 18. April « erfolgte der so berühmt gewordene Sturm auf die Düppler Schanzen . Unsere Vierundzwanziger standen der Schanze V gegenüber . Die Formation der Angriffskolonne war die folgende : eine Schützenkompanie : Hauptmann von Salpius vom 64. , eine Arbeiterkompanie : Hauptmann von Lobenthal vom 64. ; eine halbe Pionierkompanie : Premierleutnant Lommatzsch . Zwei Sturmkompanien 24er unter Hauptmann von Hüllesem und Hauptmann von Sellin ; zwei Reservekompanien , 24er und 64er , unter Hauptmann von Goerschen und Hauptmann Windell . Alle stiegen mit dem Glockenschlag zehn rasch hintereinander aus der dritten Parallele hervor und avancierten in drei Linien . Die Kompanien von Sellin und von Goerschen , und ihnen vorauf die halbe Pionierkompanie unter Premierleutnant Lommatzsch , hatten nach drei Minuten schon den Graben in Front der Schanze erreicht . Hier aber geboten die Palisaden Halt . Es galt dieses Hindernisses Herr zu werden . Mancher überkletterte die Pfähle , die meisten aber stemmten sich dagegen und wuchteten sie heraus , wodurch Lücken entstanden , die nun den Stürmenden den Weg auf die Brustwehröffneten . Wie bei Schanze III , wo die Füsiliere