allein an Deck . Noch war keine Angst in sein Herz gekommen , so toll es es auch im Wirbel ging , noch stand er fest , so glatt auch das Deck war , und so schwer auch die Wogen über den Setzbord schlugen ! Noch immer lachte er des Sturmes und wünschte seinen Jungen herbei , damit er ihm zeigen könne , was Klüsen heiße . Auch als die Fock knallend aus den Lieken flog , verzog er nicht das Gesicht , denn er hatte noch eine Fock . Ohne sich zu besinnen , sprang er die Treppe hinunter , riß das Segel aus der Dielenkoje und holte es mit zwei Reffen auf . So ging es wieder einige Stunden gut , bis es Abend wurde und die Nacht jählings hereinbrach , eine sternenlose , sargdunkle Nacht . Da ritt der Sturm mit elf bis zwölf Windstärken sein schweißbedecktes , mit weitgeöffneten Nüstern und fliegender Mähne einherbrausendes Roß , die Nordsee , und selbst die Sturmsegel , die winzigen Lappen , wollten nicht mehr halten . Wenn sie nicht alles Tuch in die Winde fliegen sehen wollten , mußten die Segel gänzlich weggenommen werden . Da wendeten sie das letzte Mittel an , das ihnen noch blieb , sie machten die Sturmanker zurecht . Backbords schäkelten sie einen unklaren Anker auf dreißig Faden Kette und steckten sie an siebzig Faden Kurrleine , steuerbords taten sie zwei von den eisernen Kurrenkugeln auf fünfzig Faden Kette . Dieses Notgewicht sollte den Ewer mit dem Kopf am Winde halten und verhüten , daß er schlüge und von den Seen kopfheister geworfen würde . Es ging auch alles klar : der Ewer lag gut am Winde . Dicht war er auch noch , wie die Peilung der Pumpen ergab . So jagte der Sturm sie die ganze Nacht ; er wirbelte den Ewer vor sich her wie der Jäger das Wild , das er lahmgeschossen hat . Die ganze Nacht trieben sie auf der wilden , hungrigen See , durchnäßt und ermattet , aber in eiserner Wachsamkeit . Sie waren allein auf der Doggerbank , nirgends war ein Schiff zu sichten , und sie sahen kein anderes Licht als die Strahlen des Elmsfeuers , das in Büscheln auf den Toppen der Masten und an den Blöcken der Gaffeln geisterhaft glomm , bis eine Hagelflage es verlöschte . Gegen Morgen , als sie etwas gegessen hatten und der Junge wieder mit an Deck stand , weil es schien , als flaute der Sturm ab , bekam der Ewer eine schwere Sturzsee über , die wie ein Felsen gegen den Steven schlug und verheerend über das Deck brandete und schäumte . Die Fischer fühlten sich emporgehoben und verloren den Grund unter den Füßen , sie mußten schwimmen und spülten hin und her , daß sie glaubten , der Ewer sei schon in die Tiefe gedrückt . Es war nichts mehr zu machen ! Klaus Mewes hatte sich gerade wieder aufgerichtet , - da schrie er gellend auf , denn eine schwere , kreißende , ungeheure See hing wie ein Berg , wie ein Eisberg steil über ihm und senkte sich ehern . » Holt jo fast , holt jo fast ! « rief er schrill , aber der Lärm des Wassers und des Windes drängte ihm die Worte in den Mund zurück und erstickte sie . Dann schleuderte die See ihn wie Gerümpel zur Seite und warf ihn gegen das Nachthaus , daß ihm Hören und Sehen vergehen wollte . Als der Ewer die Sturzsee überstanden hatte und sich wieder mit den kleinen Dwarsläufern abriß , hing Kap Horn mit zerrissenem Ölzeug und blutendem Gesicht in Lee an den Wanten , von Hein Mück war aber nichts mehr zu sehen , und mit ihm war auch das Boot vom Deck verschwunden : zerrissen lagen die Ketten auf den Luken . Sie suchten die See mit den Augen ab und warfen den Rettungsring über Bord , aber obgleich es schon einigermaßen hell geworden war , konnten sie doch weder Hein Mück noch das Boot entdecken . Nur wilde , graue See war ringsum : der Junge war weg ... » Dat duert bloß een Ogenblick , denn ist ut « , sagte Kap Horn tröstend , der nach achtern gekommen war und sich bei seinem Schiffer hingestellt hatte . Klaus Mewes gab keine Antwort , er blickte immer noch über die See und suchte seinen Speisemeister . Was sollte er sagen , wenn die Mutter angeweint kam und ihn fragte , wo er ihren Jungen gelassen hätte ? * * * » Goh man dol , Kap Horn , hier up Deck ist nix mihr « , rief Klaus , aber Kap Horn schüttelte den Kopf und blieb bei ihm . Wenn es zum Sterben gehen sollte , - und es sah ja so aus , wollte er nicht in der verschlossenen Kajüte ersticken , sondern frei in der See ertrinken : bis es aber so weit war , wollte er bei seinem Schiffer ausharren . Klaus Mewes gab noch nichts verloren , wenn er auch nicht mehr lachte , sondern ein ernstes Gesicht machte . Wie ein Wiking trotzte er der See , wie ein Löwe verteidigte er seinen Posten am Ruder , wie ein Hagen hielt er aus . Er verband seinem Knecht die blutende Stirn und streichelte Seemann das nasse Fell , er sah von Zeit zu Zeit die Pumpen nach und tat alles , was sich noch tun ließ bei solcher Gelegenheit . Er dachte an Hein Mück und dessen arme Mutter , an Störtebeker und an Gesa , aber an Bleiben dachte er nicht . Ein englischer Trawler kam in Sicht , ein Huller , das erste Schiff seit zwei Tagen . Aber der lag beigedreht und hatte genug mit sich selbst zu tun . Dennoch hätte er vielleicht geholfen , wenn Klaus Mewes die Notflagge gezeigt hätte , aber Klaus Mewes dachte nicht daran . Sich von einem Ingelschmann ins Schlepptau nehmen lassen ! Gott schall mi bewohren , dachte er und ließ John Bull stiemen , der dann auch wieder aus den Augen kam . Sie trieben ja gut , ins Skagerrak hinein ! Nördlich genug , um von Jütland freizuscheren , hatten sie nur mit der norwegischen Küste zu tun , - und die war noch weit weg . » Ik gläuf , wi kommt dorch « , sagte der Knecht . Etwas verwundert sah der Schiffer ihn an . » Wat schullen wi ne dörkommen ! « antwortete er , » wi wöt doch ne blieben ! « Und er ging in die Kajüte , um etwas zu essen und zu trinken . Danach mußte Kap Horn hinunter , damit er nicht flau würde . Am späten Nachmittag aber wurde der Wind , der zeitweilig etwas schwächer gewesen war , zum Orkan . Das Fahrzeug arbeitete gewaltig und steckte mehr unter als über dem Wasser . Von allen Seiten sauste die wilde Dünung über Deck . Und siehe : eine Grundsee , die der Sturm in der Tiefe aufgerüttelt hatte und die mit Sand geschwängert und mit Muscheln und Steinen beladen war , schoß herauf , richtete sich urgewaltig auf und lief dem Ewer nach , der nicht von der Stelle konnte . Bleischwer stürzte sie sich auf das Achterdeck und drückte es nieder , daß der Steven steil aus dem Wasser sprang und die Ketten rissen , dann packte sie den Ewer mit ihren Tigerkrallen an den Seite und warf ihn dermaßen auf das Wasser , daß er nicht wieder aufstehen konnte . Kap Horn kam nicht wieder an die Oberfläche , er fühlte , daß er den einen Arm nicht bewegen konnte , und sank langsam in die Tiefe . Da gab er den Kampf und das Leben auf , der alte Janmaat , und legte sich in seines Gottes Hände : er hätte noch mit seinem Schiffer fischen und segeln können , hätte bei Hochzeiten am Deich auf seiner Harmonika spielen und den kleinen Klaus Störtebeker mit zu einem rechten Fischermann machen können , aber wenn es sein mußte , ging es wohl auch ohne ihn . Er hörte nicht mehr das Sausen des Wassers : eine große , tiefe Stille legte sich um ihn ... ganz in der Weite klangen Glocken ... Klaus Mewes war es gelungen , die schweren Seestiefel loszuwerden , die ihn in die Tiefe ziehen wollten wie seinen Knecht . So tauchte er wieder auf und versuchte zu schwimmen . » Kap Horn , neem büst du ? « schrie er in den Sturm hinein und rang schwer mit der Dünung , die ihn furchtbar hin und her warf . Beständig liefen ihm die Seen über den Kopf , so daß er viel bittres Wasser schlucken mußte . Er sah , wie der Ewer versank , wie die Masten sich noch einmal aufrichteten und dann untertauchten , daß kein Topp und kein Flögel mehr zu sehen waren . Blasen schossen steil aus dem Wasser , dann aber strich der Sturm mit unwirscher Hand über die Stelle hin und machte sie wieder so kraus , wie die ganze See war . Klaus Mewes war allein : sein Knecht und sein Junge , sein Hund und sein Ewer waren ertrunken , er trieb in der wilden Dünung von Skagen : nirgends war ein Schiff , nirgends ein Halt . Er dachte , eine Luke oder ein Brett des untergegangenen Ewers zu finden und sich daran festzuhalten , aber er konnte nichts sehen . » Geef di , geef di , Klaus Mees ! « brüllte die See , aber er gab sich nicht , mit aller Kraft hielt er sich oben , denn er wollte noch nicht sterben , und er konnte noch nicht sterben . Was sollte aus seinem Jungen werden , den keiner verstand als er ? Wie die Sturzseen über den Ewer hergefallen waren , so würden sie am Deich über ihn herfallen und alles zerstören wollen , was er in ihm erbaut hatte : die schöne Furchtlosigkeit , die Liebe zur Seefischerei , das Vertrauen auf die eigene Kraft , die Freude am Sturm : alles würden sie ermorden wollen ! Ob Störtebeker schon stark genug war , alles zu ertragen ? Oder ob er wie ein armer Hase den vielen Hunden erlag , ob er den Sommer auf See vergaß und sich zu einem Schneider oder Schuster machen ließ ! » Gesa , Gesa , lot mi den Jungen ! « rief er in den Sturm hinein . Er sah seine Frau vor sich , jung und blühend , und dennoch keine Fischerfrau , ewig bange und ewig unruhig : Sie hatte nicht viel von ihm gehabt , weil sie nicht mitkonnte . Der einsame , ringende Schwimmer sah auch seine Schuld , er wußte , daß er oft hart mit ihr gewesen war , als er mondelang nach der Weser fuhr und ihr den Jungen abwendig gemacht , als er ihre Angst verlacht hatte , - aber Reue fühlte er nicht . Sie würde weinen , aber die Ruhe würde in ihr Herz kommen , und sie würde ihren Mann erkennen lernen . Brot hatte sie : einen Zeugladen , wie ihn die andern Witfrauen aufmachen mußten , um sich zu ernähren , brauchte sie nicht . Klaus Mewes fühlte , daß seine Arme ermatteten , und daß er es nicht mehr lange machen konnte . Noch einmal ließ er sich von einer Wogenriesin emporheben und blickte von ihrem Gipfel wie vom Steven seines Ewers über die See , die er so sehr geliebt hatte , dann gab er es auf . Es paßte nicht zu seinem Wesen , sich im letzten Augenblick klein zu machen und mit den Seen um die paar Minuten zu handeln . Er konnte doch sterben ! Er schrie nicht auf , noch wimmerte er , er warf sein Leben auch nicht dem Schicksal trotzig vor die Füße wie ein Junge . Groß und königlich , wie er gelebt hatte , starb er , als ein tapferer Held , der weiß , daß er zu seines Gottes Freude gelebt hat , und daß er zu den Helden kommen wird . Mit einem Lachen auf den Lippen versank er , denn er sah einen glänzenden , neuen Kutter mit leuchtenden , weißen Segeln und bunten Kränzen in den Toppen vor sich , der stolz dahinsegelte , und am Ruder stand ein lachender Junggast , sein Junge , sein Störtebeker ... grüßend winkte er mit der Hand ... fahr glücklich , Junge , fahr glücklich , sieh zu , daß du dein fröhliches Herz behältst , fahr glücklich ! Guten Wind und moi Fang , mien Jung ! ... Dann ging die gewaltige Dünung des Skagerraks über ihn hinweg . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Thees , der Segelmacher , hat es nachher oft genug erzählt , wie es an demselben Tage unsichtbar an dem Segel gerissen hätte , bei dem er gerade zu tun hatte . Als er genau zusah , war es Klaus Mewes ' Fock , an der unsichtbare Hände wie in höchster Not zerrten . Thees sah eine Weile zu , dann fragte er erschüttert : » Brukst du dat Seil , Klaus ? Is de anner Fock di woll tweireten ? « und versuchte , das Tuch glatt zu ziehen , als das aber nicht gehen wollte , legte er die Arbeit hin und ging hinaus . Der Wind blies wie nichts Gutes , und die hochflutende Elbe ging wie eine breite See in Schaum und Gischt . In Seestiefeln und Ölzeug , den Südwester im Nacken , liefen die Seefischer hin und her und steuerten der gemeinen Not : sie zogen die Boote und Jollen auf den Deich , damit sie nicht voll Wasser schlügen , sie kämpften sich nach den Ewern und Kuttern hinaus , auf denen niemand an Bord war , und steckten mehr Ketten aus , damit die Fahrzeuge nicht vertrieben , sie schleppten Sandsäcke herbei und verstopften die Löcher im Deich , damit das Land keine Havarei hätte . » Is Klaus Mees bihus ? « fragte der Segelmacher . » Ne , de is buten « , erwiderte Jan Lanker , der lustige . » Denn weet ik genog « , sagte Thees nickend und ging langsam nach seinem Boden zurück . Als er das Segel wieder übers Knie legte , lag es ganz still , - das Zerren hatte aufgehört . » Brukst du dat Seil nu ne mihr , Klaus ? « fragte er leise und wollte weiternähen , aber da brach ihm die Nadel ab . Seine Augen weiteten sich , als wenn er etwas sähe , dann stand er auf , rollte das Segel schweigend zusammen , legte es in die Ecke und ging an Hinnik Külpers Besan . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gesa stand in der Küche hinter der Waschbalje und rubbelte Störtebekers Kleibüxen , die voll Schlick und Schmeer saßen und gar nicht rein zu kriegen waren . Ihr Herz war voll Angst und Sorge , und sie horchte bange auf den Sturm , der das Haus vom Deich werfen wollte , denn sie wußte nicht , ob Klaus einen Hafen hätte oder ob er draußen sei . Wie wehte es ! Plötzlich fuhr sie zusammen und drehte sich jäh um , denn an der Tür hatte es gescharrt , sie hatte es deutlich gehört . Stand der Hund , der Seemann , draußen und begehrte Einlaß ? war er davongelaufen , und kam Klaus nach , lag der Ewer schon am Bollwerk ? Hastig trocknete sie die Hände ab , um die Tür zu öffnen , da stand ihr das Herz still , und ihre Knie bebten , denn die Tür war von selbst aufgegangen , und auf der Schwelle stand ihr Mann , als wäre er dem Wasser entstiegen . Sein Gesicht war totenweiß , sein Haar war wirr , und seine Augen waren müde und glanzlos . Niemals hatte Gesa ihn so gesehen . In starrer Angst sah sie ihn an . Sie wollte ihm entgegengehen und ihm die Hand geben , aber sie vermochte nicht , die Füße voreinander zu setzen , sie wollte ihn fragen , ob etwas passiert wäre , ob er Havarei gehabt hätte , aber ihre Zunge war gelähmt , und sie konnte keinen Laut herausbringen . » Gesa « , sagte die furchtbare Gestalt leise und hob die Hand , da schrie Gesa laut auf und sank zu Boden . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Störtebeker hatte es hild : er war mit den andern Jungen am Westerdeich zugange , mit einem großen Knüppel bewaffnet , und schlug die Ratten und Mäuse und Maulwürfe tot , die angeschwommen kamen , als das Wasser den niedrigen Katendeich überflutete und das weite Land des Neßbauern überschwemmte , der auf seiner Wurt wie auf einem Eiland saß und im Kuhstall Fische fangen konnte . Diese Rattenjagd war etwas für Störtebeker , dazu hatte er Lust . Eifrig lief er am Deich auf und ab und befreite ihn von den Plagegeistern . Junge , Junge , dat wür wat ! Just stand er auf dem Feekstreek und lauerte auf eine Ratte , die gleich mit dem Stubben , auf den sie sich geflüchtet hatte , zu Wasser mußte , da rief es mit einem Male hinter ihm : » Höh , Störtebeker ! « und als er sich schnell umdrehte , sah er seinen Vater auf dem Deich stehen und winken . » Hödjihöh , Vadder ! « rief er freudig , sah noch einmal nach der Ratte , dann aber warf er den Staken hin , denn das Takelzeug ging ihn nun nichts mehr an : sein Vater war gekommen ! Wo war er geblieben ? Eben stand er doch noch oben und lachte , - nun war er weg ? Störtebeker lachte und glaubte , daß er sich versteckt hätte , wie er es immer machte , er sprang den Deich hinan und suchte ihn im Binnendeich hinter den Eschen und Rosenbüschen , aber er konnte ihn nicht wieder ausfindig machen . » Vadder , neem büst du ? « rief er , aber er bekam keine Antwort . Da nahm er an , er wäre schon nach Hause gegangen , und lief in Sprüngen nach dem Neß . Er guckte über das Wasser , - der Ewer war nicht da , aber das hatte nichts zu sagen , denn er konnte ja noch an St. Pauli liegen , oder sein Vater konnte von Cuxhaven oder von der Weser mit der Eisenbahn übergereist sein . » Mudder , is Vadder ne hier ? « rief er schon auf der Diele und stürmte suchend in die Küche , überholte hastig die Schlafkammer und suchte die Dönß ab . » Och , mien arme Junge , woneem schull dien Vadder woll wesen « , klagte seine Mutter und sah tränenüberströmten Gesichts von ihrem Psalmenbuch auf , in dem sie gelesen hatte . » Eben wür he annen Westerdiek « , lachte er und stieg auf den Stuhl , um aus dem Fenster in den Hof hinunter zu sehen . » Ik will em woll gewohr wardn , den Versteekspeeler den ! « Da wurde sie aufmerksam . » Keen wür annen Westerdiek ? « fragte sie tonlos . » Vadder ! « rief Störtebeker , » he stünn boben uppen Diek un lach un wink . As ik to rupleep , wür he batz weg . « Da zog sie ihn jäh an sich , daß er sich nicht wehren konnte , und jammerte : » Vadder is bleben , Klaus , du hest keen Vadder mihr , mien Jung ! « Er schüttelte den Kopf . » Dat is ne wohr , Mudder « , sagte er bestimmt , » dat hest du dräumt . Vadder kann ne blieben und bliwt ne , dat hett he sülben to mi seggt . Vadder kummt jümmer wedder ! « Sie weinte nur noch heftiger . » Stopp , ik will em woll finnen « , rief er und lief wieder in den Wind hinaus , um seinen Vater zu suchen , den er doch ganz gewiß auf dem Westerdeich gesehen hatte . Gesa rief ihm nach , aber er hörte nicht darauf . * * * Auch die Uhr war stehen geblieben . Auf halb fünf stand sie : das war die Todesstunde von Klaus Mewes . Gesa hat die Uhr niemals wieder aufgedreht , niemals wieder angestoßen . Wie die unsichtbare Hand sie angehalten hat , ist sie stehen geblieben . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zufall ? Gaukelei der Sinne ? Alle Seebevölkerung weiß , daß die Fahrensleute in der Stunde , in der sie auf See ertrinken , mächtig sind , an Land , in ihrem Hause , zu rufen oder zu schreien , zu klopfen oder zu scharren , auf dem Nebelhorn zu blasen , die Bilder an der Wand zu Boden zu werfen , die Uhr anzuhalten oder in Lebensgestalt zu erscheinen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - H.F. 7 , Jan Sloo , kam den andern Tag von der Hoof , das heißt von Cuxhaven , übergereist , wo sein Ewer mit zerrissenen Segeln und gebrochenem Großmast hinter der Alten Liebe lag , und erzählte , daß er ein solches Wetter noch nicht erlebt hätte , auf See wenigstens noch nicht , es wäre ganz furchtbar hart gewesen . Als Gesa aber in der Dämmerung zu ihm ins Haus kam , mit einem dunkeln Tuch um den Kopf , mit bleichen Backen und verweinten , geröteten Augen , und ihn nach ihrem Mann fragte , sprach er anders ; da war es draußen gar nicht so schlimm gewesen , sie hatten nur etwas krauses Wasser gehabt und so was Gutes . Ihren Klaus hatte er zwar nicht gesehen , und er hatte auch nichts von ihm gehört , aber da war alles in der Reihe , der fischte gewiß mit einem Reff im Segel weiter , um erst die Eiskisten zu füllen und dann gleich eine gute Reise zu machen . Da brauchte sie sich keine Gedanken zu machen : der kam wieder , so gewiß wie zwei mal zwei vier waren , wenn nicht heute noch , dann morgen oder übermorgen . Wenn er den Wind ausgehalten hatte , hatte Klaus mit seinem viel größeren Ewer ihn siebenmal ausgehalten . Da konne sie ganz geruhig sein . So tröstete der Seefischer sie in seiner Unbeholfenheit , bis sie kopfschüttelnd hinausging , denn sie merkte , daß er nicht die Wahrheit sagen wollte . Er sah lange Zeit aus dem Fenster auf das Wasser hinaus , dann sagte er langsam zu seiner Frau : » Inne Nurd schallt noch mihr weiht hebben , as neem wi wesen sünd , - un ik gläuf , Klaus Mees is inne Nurd wesen . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als ein schwarzer Tag mit Kreuzen steht der Tag im Kalender der Wasserkante , denn er hat viel Unglück und Haverei gebracht . Die Eiderdeiche waren an drei Stellen gebrochen , weite Strecken der Marsch standen tief unter Wasser , viel Vieh war in den Fluten ertrunken , Häuser waren abgedeckt , Scheunen waren umgeweht , starke Bäume waren entwurzelt . Auf Scharhörn war eine große , englische Bark gestrandet und mit Mann und Maus spurlos verschwunden , beim zweiten Feuerschiff war ein Lotsenschoner umgekippt , und dwars von der Kugelbake guckte der Mast einer gesunkenen Jalk aus dem Wasser , Cuxhaven aber lag bis an den Leuchtturm voll haverierter Schiffen . Von Finkenwärder wurden noch sieben vermißt , fünf Kutter und zwei Ewer , darunter Klaus Mewes . Tag für Tag lauerten sie am Deich auf sie und sprachen von nichts anderm als von ihnen : alles andere mußte zurücktreten , bis sie Gewißheit über das Schicksal der sieben Fahrzeuge , der einundzwanzig Menschen hatten . Um den sie sich am wenigsten sorgten , das war Klaus Mewes , denn ein Mann wie Klaus Mewes , ein Fischermann wie kein zweiter , mit dem großen , seetüchtigen Ewer unter den Füßen und guten , befahrenen Leuten an Bord , der blieb nicht so leicht , der mußte ja wiederkommen ; der hatte schon viele , schwere Stürme bestanden und sich immer oben gehalten . Mehr bangten sie um den andern Ewer mit den geflickten Segeln und um die Kutter mit ihren blutjungen , dreisten Schiffern und den wenig befahrenen , butenländischen Leuten : die mochten ihre Last gehabt haben , nicht aber Klaus Mewes . Es kam aber anders , als sie dachten , denn der alte Ewer und die Kutter kamen nach und nach alle binnen , wenn auch kein Fahrzeug ohne Haverei war . Nur der eine Ewer , Klaus Mewes , wollte sich nicht wieder angeben , weder auf der Weser noch auf der Elbe . Tag um Tag verging , und aus Tagen wurde eine Woche , wurden Wochen , und Klaus Mewes kam nicht wieder . Drei Sonntage tat Bodemann von der Kanzel herab Fürbitte für ihn und die beiden Leute , und er betete stark und ergreifend , daß es wie ein großes Weinen durch die Kirche ging , denn der Untergang dieses großen , fröhlichen Seefischers ging ihm sehr nahe . Wer mag noch Fischer sein , wenn solche Männer bleiben , dachte er . Dann mußte die Hoffnung aufgegeben werden : Klaus Mewes war verschollen . Sie mußten es endlich glauben , daß sie seine Flagge nicht mehr flattern sehen würden , daß er nicht mehr lachenden Gesichts den Deich entlangkommen konnte , daß Kap Horn nicht mehr bei den Hochzeiten aufspielte , und daß Hein Mück nicht mehr mit den Mädchen tanzte . Was für ein Mann Klaus Mewes gewesen war , merkten die meisten erst jetzt ! Gut und fröhlich war er gewesen , jedem hatte er ein freundliches Wort gegönnt , auf Fische war es ihm nie angekommen , wo er helfen konnte , da hatte er geholfen , mit Rat und Tat , vielen war er in ihrer harten Fischerei ein Trost gewesen , der junge , lustige Fischermann , der lachend gefahren war , singend gefischt hatte und jubelnd aufgekommen war . Bei ihm an Bord hatte die Lebensfreude das Wort gehabt ; er war ein Seefischer aus Lust gewesen , nicht aus Gewohnheit , Zwang oder Not , wie so manche es waren . Auf dem Neß war es nun wirklich so , wie Klaus Mewes damals auf den Watten gesehen hatte : alle Fenster waren dicht verhängt , und vor der verschlossenen Tür , auf den Stufen , auf der Bank und auf den Kastellen standen der Hahn und die Hühner und warteten hungrig auf ihr Futter . Im Hause war es halb dunkel , kein Sonnenstrahl kam mehr in die Stuben , die Klaus Mewes mit seinem Lachen erfüllt hatte . Verhängt waren der Spiegel und das große Bild des Ewers . Gesa schlich nur noch wie ein Gespenst durch die totenstillen Räume . Meistens saß sie in der dämmerigen Küche und starrte vor sich hin oder sie weinte . Ihre Tür schloß sie zu , denn sie wollte keinen Menschen sehen . Die vielen Frauen , die Tag für Tag kamen , nach ihr zu sehen und sie zu trösten ( denn nun Gesa schwarze Kleider trug und Witfrau geworden war , galt sie für eine Finkenwärderin ) , mußten gewöhnlich umkehren , ohne sie gesehen und ihren Kaffee geschmeckt zu haben . Auf dem Deich ließ sie sich selten sehen , denn sie konnte den Anblick des vielen Wassers nicht mehr ertragen , konnte keine Ewer mehr vorbeisegeln sehen , ohne daß ihr die Augen übergingen . * * * Und Klaus Störtebeker ? Der saß wohl bei ihr , in der dunkeln Küche , und weinte mit ? Nein , das tat er nicht ! Er weinte nicht , denn er glaubte nicht , daß sein Vater untergegangen war , daß der Ewer nicht wiederkommen konnte , daß er Kap Horn und Hein Mück und Seemann nicht wiedersehen sollte ! Sein Vater war nicht weg , der lebte und fischte noch ! Der kam wieder , ganz gewiß kam er wieder , die Reise dauerte diesmal nur etwas länger , weil sie so viel vor Wind hinter Wangeroog liegen mußten , aber wieder kam er ganz gewiß , er hatte es ja selbst gesagt . Felsenfest war das Vertrauen des Jungen auf dieses Wort seines Vaters , und unerschütterlich war sein Glaube . » Störtebeker , dien Vadder is bleben « , sagten die andern Jungen zu ihm , aber er schüttelte ruhig den Kopf und antwortete : » Wat weet ji dorvan af ? « - » Doch , Vadder hett dat seggt ! « - » Denn segg dien Vadder man , dat is ne wohr . Vadder kann