, san fünfadreiß ' g , ja . « Die Kellnerin schob das Geld ein , und die Haasin nahm den kleinen Vöst von der Tischplatte weg . Unter der Türe stieß sie auf die Schullerin . » I bin scho firti , Bäurin . I halt ' di net auf . « » Nacha geh ' ma hoam . « » Hast an Haberlschneider troffa ? « » Ja ; er geht heunt no umi . « » Gel , i hab ' d ' as g ' sagt ? Und paß auf , da kriagt er scho an Auskunft . « » Vielleicht . Geh a bissel g ' schwinder , daß ins neamd o ' red ' t ! « Die Schullerin ging eilig voran und sah vor sich hin auf den Boden . Ihr Gesicht war noch rot vom Weinen und von der Aufregung . Sie wollte nicht , daß es jemand bemerkte . Daheim schickte sie die Hebamme zur Ursula . » Gehst aufi dazua und sagst nix . Sie braucht ' s it z ' wissen . « » Bal ' s mi aba fragt , ob s ' Kind tauft is ? « » Sie fragt net . De denkt do it drauf , daß ' s da was geb ' n hat . Höchstens , daß s ' fragt , warum ma so lang ' aus g ' wesen san . Nacha sagst halt , daß da Pfarra so lang ' it in d ' Kircha kemma is . « Die Schullerin zog sich um und ging in den Stall . Sie stellte den Melkstuhl hinter die erste Kuh und nahm den Eimer zwischen die Knie . Zuerst wollte sie an ihre Sorgen denken , aber die Arbeit leidet es nicht , daß man den Kopf bei anderen Dingen hat . Da vergaß sie ihren Gram und strich aufmerksam die Milch in den Eimer . Es dämmerte stark , als der Schuller vom Felde heim kam . Er war müde und rief zur Küche hinein , daß er gleich essen und zeitig ins Bett gehen wolle . » Heut ' muaßt no a bissel aufbleiben , « sagte die Bäuerin . » Da Haberlschneider kimmt no her . « » Jetzt is do koa Zeit zum Hoamgarten . « » Er muaß dir was sag ' n. « » Mir ? Was denn ? « » Ja , weil er zum Pfarrer nach Aufhausen umi is . « » Was geht denn dös mi o ? « » Laß d ' as halt verzähl ' n. Z ' weng ' n da Urschula ihr ' n Kind is er umi . « » Um dös kümmer ' i mi gar nix . Dös geht mi nix o. « » Di geht ' s nix o ? Do hoscht recht . G ' rad i derf mi kümmern . « Und der Schullerin fielen alle Unbilden ein , die sie am heutigen Tage erfahren hatte ; sie kamen ihr noch größer vor , weil sie jetzt sogar daheim Härte und Ungerechtigkeit sehen mußte . Und sie weinte so heftig , daß der Schuller umkehrte . » Was hoscht nacha ? « fragte er . » Ja , was hoscht ! Allsammete treten auf mir ' rum , und du sagst , es geht di nix o ! Da freut oan ' s Leben nimma . « » I hab ' da ' s g ' sagt , um der Urschula ihr Sach ' kümmer ' i mi nix . « » I ko do aa nix dafür , daß sie so dumm g ' wen is ! Und gar so schlecht is ' s Madel aa net ! Und mit Füaßen braucht ma ' r it drauf ' rumtret ' n ! « » Red ' halt ! « » Ja , red ' ! Da Pfarrer hat ' s Kind it tauft ! « » Is der scho wieder im G ' spiel ? Net tauft hat er ' s Kind ? Warum it ? Zweg ' n meiner ? « - » Na . Lus halt zua ! « Und die Schullerin fing schluchzend ihre Erzählung an . » Wia ma ' r in d ' Kircha ganga san , is er recht lang ' it kemma , und nacha hat er g ' sagt , er muaß dös Kind Simpel oder so taufen , hat er g ' sagt , weil ' s am zwoaten März gebor ' n is , sagt er . Und nacha hab ' i g ' sagt , dös derf i net leiden , daß er an Kind an Spottnamen gibt , dös waar ja a Schand ' für uns aa , und nacha hat er g ' sagt , auf dös paßt er it auf , und bal ' s mir net recht is , nacha tauft er ' s überhaupts gar it , und dös is amal Vorschrift , daß da Bua Simpi hoaßen muaß . « » Was hoscht na du to ? « » I hab ' g ' sagt , dös derf i alloa net erlaub ' n , da muaß i z ' erscht dahoam frag ' n. Und jetzt sagest du , es geht di nix o , und du kümmerst di gar nix drum ! « » Hör mit ' n Woana auf ! Dös is für gar nix . Also is ' s Kind it tauft wor ' n ? « » Freili net . Mir san wieder a so hoam . « » Und was hat da Haberlschneider dabei z ' toa ? « » D ' Haasin hat g ' moant , i soll zum Pfarra von Aufhausen umi . Der saget ma ' s g ' wiß , ob ma de Tauf ' verweigern derf . Da bin i zum Haberlschneider und ho ' mir denkt , vielleicht schickt er wen umi . Aba er hat g ' sagt , er geht liaba selm , weil er an Pfarra Gabler kennt . « » Was soll denn dös helfen ? « » Ja no , daß mir halt hör ' n , ob dös sei ' derf oder net . « » Sei ' derf ! Hoscht du scho g ' spannt , daß der aufpaßt , was G ' setz und Recht is ? Bal er net derf , tuat er ' s mit Fleiß . Aba i schaug nimma zua . I nimma ! « Die letzten Worte schrie der Schuller mit lauter Stimme . Er nahm einen irdenen Topf vom Herd und warf ihn auf den Boden , daß die Scherben klirrten . Die Bäuerin wehrte ihm erschrocken ab . » Schrei do net so ! Hör ' n di ja d ' Leut ' bis auf d ' Straßen außi ! « » Vo mir aus ! De hör ' n no mehra . Bin i a Hund , den ma tratzt , daß ' s an Spaß gibt ? Wenn alles erlaubt is und gar nix verbot ' n , nacha probier ' i ' s aa und schlag ' den Kerl , daß er verzagt ! « » Sei do staad ! « » Net bin i staad . Der Herrgottsakrament , der will ' s it anderst ! Der gibt koan Ruah , bis mir z ' viel werd , bis i ' n schlag ! « » Sag do so was it ! « » Du werst scho sehg ' n , ob i dös it tua ! Und dös mirkst da , tauft werd ' s Kind net ! « » Z ' letzt muaß halt do tauft wer ' n ! « » Auf den Nama net ! « » Dös werd scho recht wer ' n. Wart no , bis da Haberlschneider kimmt ! « » Dös geht mi nix o , was der von Aufhausen sagt . Des sell g ' schiecht amal net , daß ins da Pfaff an Spottnama aufhängt . Eh ' nder muaß d ' Urschula aus ' n Haus und aus ' n Dorf . Nacha ko sie ihr ' n Bankert wo anderst tauf ' n lassen . « » Bal i dös g ' wißt hätt ' , daß du so narret werst ! Da waar ' s mir liaba , i hätt ' nix g ' sagt ! « » Da werd ' s no viel zum sag ' n geben ! Hätt ' dös Weibsbild de Schand ' it herbracht ! Moanst vielleicht , daß nix mehr nachkimmt ? Da Pfaff hat o ' g ' schoben , und der Hierangl schiabt nach ! « » Grüaß Good beinand ! « sagte eine tiefe Stimme , » Ös habt ' s an laut ' n Diskurs . « » ' ß Good , Haberlschneider . Weil ' st no da bist ! Da Bauer is ganz ausanand . « » Ja no , dös helft aa nix . Wia geht ' s Schuller ? « » Dös woaßt scho . An ganz ' n Tag schinden und plag ' n und auf d ' Nacht an Verdruß . So geht ' s bei mir . « » Dös kimmt scho wieder anderst aa . « » Bei mir net . I derf ja koan Ruah hamm . Wenn ' s a Zeitlang staad is , fangt da Pfaff ' s Hetzen o. « » Hoscht an Aufhauser troffen ? « fragte die Schullerin . » Ja , er is dahoam g ' wen . « » Was sagt er ? Müassen mir dös leid ' n ? « » Da Herr Gabler sagt , inser Pfarrer hat dös Recht net , « erzählte der Haberlschneider in seiner ruhigen Art. » Er hat an Kopf beutelt , wia ' r i eahm de Sach ' g ' sagt hab ' , und nacha hat er g ' moant , dös gibt ' s net , daß inser Pfarra dös Kind anderst hoaßt , als sei Muatta will . Allerdings , sagt er , ma soll ' s im Guat ' n abmacha , natürli , weil ma ' n an Pfarra net mit ' n Schandarm zwinga ko , daß er ' s Kind tauft . Dös müaßt ' s Ordinariat o ' schaffen , und dös dauert vielleicht z ' lang . « » Aha ! « rief der Schuller , » geht ' s wieder a so ? G ' rad so hamm s ' g ' red ' t , selbigsmal . Eigentli hat er ' s Recht net , und uneigentli kann er toa , was er mag . « » Dösmal richt ' n ma ' s scho , « erwiderte der Haberlschneider . » I net . I geh ' net von da bis über d ' Straß ' umi weg ' n dera Sach ' . « » ' s Kind kriagt sein richtigen Nam ' , werst sehg ' n ! « tröstete die Schullerin . » Was pass ' i auf dös auf ! Du muaßt it moan , daß i mi z ' weg ' n dem Kind ärger ! Aba daß der scheinheilig ' Tropf wieder o ' fangt geg ' n mi , und bohrt und hetzt . Da wer i narret . Weil er moant , i muaß wieder dasitzen und all ' s ei ' schiab ' n ! « » Du hoscht dir dös ander aa ' r a bissel z ' hart ei ' bild ' t , Schuller . I hab ' oft mit dir reden woll ' n , aba du nimmst nix o und arbet ' st di g ' rad allawei mehra in d ' Wuat eini . « » Und du red ' st di leicht , Haberlschneider . I bin net so wehleidig , dös woaßt , und i bin net glei ob ' n außi . Mi hat scho oft oana beleidigt , und i hab ' s net g ' acht und hab ' mir denkt : Geh zua , desweg ' n bin i do , was i bi . Aba jetzt bin i ja nix mehr , als wia ' r a Hadern , an den si jeder sei dreckate Hand hiwischt . « - » Laß dir amal sag ' n ... « » Dös Trösten hat koan Wert . Dös macht ' s net anderst . Probier ' s du und laß dir an Unrecht g ' schehg ' n , und du glaabst , es braucht nix , als wia d ' Lug aufdecken , und nacha mirkst , daß d ' nirgends außi find ' st , daß dir d ' Händ ' bunden san ! A jed ' s Wort von dir is nix , und der ander schaugt dir zua , wia ' st zappelst , und lacht di brav aus ! Und du muaßt ' s runterfressen , und bal ' st derstickst ! Mach dös amal durch , und nacha sag ' no mal , daß i mir ' s z ' hart ei ' bild ' ! « » I glaab da ' s , daß ' s di verdriaßt . « » Ja , verdriaßt ! Seit an Vierteljahr geh ' i umanand , und jed ' n Tag werd ' s ärger . Was bin i denn ? A Lausbua , der red ' n derf , was er mag , und koa Mensch paßt auf . Wenn d ' Arbet net g ' schehg ' n müaßt , i tat koana mehr ; freu ' n tuat ' s mi nimma . « » So plagst di g ' rad selm . Es waar g ' scheiter , du tatst as amal vergessen . « » Dös laßt si net o ' schaffen . Wann i wirkli bei der Arbet drauf vergiß , brauch ' i bloß ins Dorf eina kemma und de spöttischen G ' sichter sehg ' n. « » Es gibt Leut ' g ' nua , de auf deiner Seit ' n san . « » Dös müassens recht hoamli sei , i spann ' nix davo . « » Du gehst ja nirgends hi und hörst d ' Leut ' net red ' n. « » Is scho recht . Und was willst denn ? Wann i wirkli den Brocken abi g ' schluckt hätt ' , nacha gibt ma ja der Pfaff ' an neuen z ' fressen ! « » Dös vo heunt werd no guat . Dös braucht di net z ' kümmern . « » Net , moanst ? Daß er si dös überhaupts traut hat ? Daß er mir zoagt , er derf si d ' Stiefeln an mir o ' putzen ? Aba paß auf ! Lang ' treibt er dös nimma ! Und jetzt geh ' n i ins Bett . Guat Nacht ! « » Du hoscht ja no gar nix g ' essen ! « sagte die Schullerin . » I mag nix mehr . « Er ging und zog die Türe hinter sich zu . Die Bäuerin seufzte . » Er is wieder ganz aus ' n Häusel . « Der Haberlschneider schaute schweigend vor sich hin . Nach einer Weile stand er auf und sagte : » Dös is amal g ' wiß , daß er an Vormunder net macha derf . Wann er da Verhandlunga hätt ' mit ' n Pfarra , und danach mit ' n Hierangl , dös waar it guat . Da kunnt was passier ' n. « » Jessas Marand Josef ! I kimm nimmer aus der Angst . « » Jetzt red ' st mit eahm nix mehr d ' rüber , und an Vormunder mach ' i. I bin kälter bei dera Sach ' und ko ' s eh ' nder richten . « » Da tuast ma ' r an großen G ' fallen . « » Dös sell g ' schiecht gern . Morg ' n schaug i wieder her zu dir , und für heunt guat Nacht , Bäurin ! « » Guat Nacht und schön ' Dank ! « Als die Schullerin allein war , setzte sie sich neben den Herd und schaute in die Glut . Warum das alles über sie kam ? Jetzt ging die Kümmernis nicht mehr aus , als wenn es ihr so aufgesetzt wär ' . Sie wollte nicht viel vom Leben . Von Kind auf war es nur Arbeit , und erst recht wieder Arbeit , wie sie Schullerin wurde und ihrem Bauern das Haus in Ordnung hielt . Sie hatte nicht lauter Schönes gehabt und die Hände nicht oft in den Schoß gelegt . Aber so war sie zufrieden damit , und so war es ihr recht . Es waren Sorgen , die sich jedes gefallen läßt . Aber das , was jetzt über sie kam , scheuchte den Frieden aus dem Hause und nahm ihr den Mut zur Arbeit . Eine weinende Kinderstimme tönte von oben herunter . Erst leise , dann immer stärker . Da war niemand bei der Ursula , der das Kind zur Ruhe bringen konnte ! Die Schullerin seufzte noch einmal und dann ging sie müde und schwerfällig die Stiege hinauf . Siebzehntes Kapitel Als Sylvester in Nußbach ausstieg und mit langsamen Schritten den Bahnhof verließ , sagte er sich die Rede vor , welche er seit Monaten ausgedacht hatte . Sie sollte die Kraft haben , die alte Veronika Mang von ihren Wünschen abzubringen . Darum war sie sehr lang , hatte eine schöne Einleitung und einen guten Schluß und war auch mit Beispielen und Beweisen ausgestattet . Sylvester hegte oft Vertrauen zu den wohlgefügten Sätzen , und ebenso oft verzweifelte er an ihnen . » Ich habe dir eigentlich schreiben wollen , aber ich meinte , es läßt sich besser mündlich sagen . Ich habe einen Entschluß gefaßt , der für mein Leben entscheidend ist , und du mußt das Vertrauen zu mir haben , daß ich ihn gut überlegt habe . « Wenn er so anfing , was würde die Mutter tun ? Wahrscheinlich erschrecken über den feierlichen Ton und schon nach den ersten Worten den Kopf verlieren und nichts von dem verstehen , was später käme . Oder wenn er ihre Hand in der seinigen hielt und sagte : » Gelt , Mutter , ich war dir alleweil ein folgsamer Sohn , und du weißt , daß ich dir dankbar bin , und daran mußt du denken , wenn ich dir etwas gestehe . « Dann würde sie hastig sagen : Ja , ja , und um Gottes willen , ist dir was geschehen ? Und aus allen Worten und Beweisen würde sie nur das eine heraus hören , daß ihre geträumte Welt der Herrlichkeiten versinke . » Aber , wenn nur der Anfang gemacht war ! « dachte Sylvester . Ihre Vorwürfe wollte er gerne hinnehmen , und er würde sie überzeugen , daß sein Glück nicht ihr Unglück machen könne . So ging er in Gedanken verloren über den Nußbacher Marktplatz zum Sternbräu . Er bat den Hausknecht , daß er ihm den Koffer an der Bahn abhole und mit einer Gelegenheit nach Erlbach schicke . » Is scho recht , « sagte der Martin . » Woll ' n Sie net nausfahren ? Der Haberlschneider is herin ; der hätt ' g ' wiß an Platz . « » Dank ' schön ; ich geh ' lieber bei dem Wetter . « Sylvester lüftete den Hut und schritt in den schönen Tag hinein . Er sah nicht rechts und nicht links und nicht auf die Stelle , wo Jakobos Prantl stand . Der sah ihm mit finsterer Miene nach . » Aha ! Grüßt mich auch nimmer ! « sagte er . » No , von mir aus ! « Und doch tat es ihm leid , daß dieser Jüngling achtlos an ihm vorüberging . Denn er hatte eine freundschaftliche Neigung zu ihm gefaßt . Vor Jahren , als der Gymnasiast Mang in seine Werkstätte kam und sich das Maß zu einem Paar Stiefel nehmen ließ . Damals hatte er zum Erstaunen des Lehrlings lateinische Worte mit ihm gewechselt . Er fragte ihn nach der altitudo , wie hoch er die Schäfte haben wolle , und nach der latitudo , wie breit die Absätze sein sollten . Als er merkte , daß der junge Mensch über so viel Gelehrsamkeit staunte , sagte er : » Ego eram discipulus . « Auch ich war ein Schüler . Und er zeigte ihm die erste Seite des Maßbuches , worauf mit griechischen Buchstaben geschrieben stand : Iakobos Prantl , sxoyster . Wenn es schön ist , in den Augen eines andern zu lesen : » Du bist verkannt und gehörst an einen besseren Platz , « so genoß damals Prantl diese bittersüße Freude , und er hielt sie fest bis zum Schlusse . Bis Sylvester mit einer höflichen Verbeugung die Tür öffnete und er ihm nachrief : » Vale , amice ! « Leben Sie wohl , mein Freund ! Seit jenem Tage blieb Prantl dem Erlbacher Gymnasiasten ein wohlgeneigter Gönner . Wenn dieser in die Ferien ging oder aus den Ferien kam , führte ihn sein Weg durch Nußbach , und da niemand durch Nußbach gelangte , ohne dem gelehrten Schuhmacher zu begegnen , so hatte Prantl oft Gelegenheit , Sylvester nach dem Stande der Wissenschaft zu fragen . Und jetzt ging dieser junge Mensch ohne Gruß vorbei und tat , als hätte er sich niemals treffliche Ratschläge von ihm erholt . Natürlich , weil er Geistlicher wurde und den Haß teilte , mit dem alle Kleriker den Nußbacher Volksmann heimsuchten . » Aber mir is wurscht , « sagte Prantl . Er steckte die Hände in die Hosentaschen und schaute über den Marktplatz . Aus dem Amtsgerichte kamen Leute ; etliche Burschen , die sich lärmend unterhielten . Einer sagte : » Dem Weibsbild hon i ' s hing ' sagt . De hat g ' schaugt ! De hat g ' moant , es braucht nix , wia klag ' n. « Es war der Hierangl Xaver mit seinen Freunden . Prantl achtete nicht auf ihn ; er sah einen Bekannten , den Haberlschneider von Erlbach . Der kam auch aus dem Amtsgerichte , und neben ihm ging ein junges Frauenzimmer . Prantl grüßte . » Du , hast net Zeit ? I hab ' was z ' reden mit dir . « Der Haberlschneider sagte zu dem Mädel : » Gehst zu ' n Sternbräu eini , Urschula ; i kimm glei nach . « Und dann fragte er den Schuster . » Was willst ? « » Was is denn mit eurer Markgenossenschaft ? Hamm sie neue Leut ' eing ' schrieben ? « » Net , daß i woaß . Jetzt is koa Zeit für so was . Hat a jeder z ' viel Arbet . « » Ja no , i hab ' aa Arbet ! Und da Schuller ? Is er no net dabei ? « » Na , mit dem is jetzt nix z ' macha . « » Er is do von de Bündler zum Bürgermoasta g ' wählt wor ' n ! « » Dös is er nimmer . Du woaßt , was da geb ' n hat . « » Warum hat er die Sach ' net der Presse übergeben ? « » So was hängt koana an de groß ' Glocken . « » Das is eben . Überhaupts is die Stimmung zu lau . Hast mein ' Artikel g ' lesen ? « » Welchan ? « » Über die politische Gleichgültigkeit des Bauernstandes . Daß darin die ganze Macht des Klerus liegt . « » Dös hab ' i net g ' lesen . I les ' jetzt koa Zeitung . Für dös is der Winter do . « » Mit solchene Ansichten soll ma was ausrichten ! « » Dös muaßt ei ' sehg ' n , Prantl , bal du den ganzen Tag g ' ackert hätt ' st , mög ' st auf d ' Nacht aa nix mehr lesen . « » Was soll aber dös wer ' n ? Mir könna net in a paar Monat den Einfluß des Klerus bewältigen . Für was schreib ' n denn mir de Artikel ? « » De andern lesen aa nix ; de , wo schwarz san . « » Da Klerus braucht die Presse nicht , der hat d ' Kanzel und an Beichtstuhl . « » Ja no ! « » Und daß da Schuller koa Vertrauen auf die Presse hat ! Mir hamm do de G ' schicht mit dem Kind ' sofort durchgedrückt . « » Du moanst dös weg ' n da Tauf ' ? « » Ja . Hat der Pfarrer vielleicht net nachgeben ? « » Dös hat er schon müassen . De Obern wer ' n ' s eahm g ' muckt hamm . « » Und de Obern fürchten eben die öffentliche Meinung . « » Vielleicht hast recht . Jetzt pfüat di ; i muaß zu ' n Sternbräu eini . « » Was hast denn für a Weibsbild dabei ? « » Dös is an Schuller sei Tochter . « » Von der dös Kind is ? Da sollt ' i eigentli mit ihr reden . Vielleicht schreib ' i no was ins Wochenblatt ! « » Na , tua dös it ! Da is scho g ' nua drin g ' standen . « » Wenn ' st net willst , laßt ' s as bleib ' n ! I hab ' nix davo . Höchstens d ' Arbet . « Prantl sah dem Haberlschneider nach . » Dös san bornierte Dickschädel ! « sagte er . » Da hat der Klerus freili a leicht ' s Spiel . « Der Haberlschneider traf die Ursula in der Gaststube . Sie saß am hintersten Tisch und hatte ihren Korb neben sich hingestellt . » Hast scho was o ' gschafft ? « » Na ; i hab ' ma denkt , i wart ' . « » Nacha zwoa Halbe , Kellnerin ! Und für a jed ' s a paar Stockwürscht ! « Er setzte sich . » Da wer ' n ma no öfter eina fahr ' n müassen , Urschula , « sagte er . » Ja . « » Der gibt it nach , bis er net verurteilt werd . « » Na . « » An Advokat ' n nimmt er , hat er g ' sagt . « » Ja . « Die Kellnerin brachte Bier und Würste . Ursula schnitt bedächtig eine Scheibe nach der andern ab . » Mir wern sehg ' n , was ma tean , « sagte der Haberlschneider . » Bal sei Advokat recht aufdraht , nehma mir aa oan . « » Ja . « Eine Zeitlang schwiegen alle zwei . Ursula trank ein paarmal und schaute nach jedem Schlucke geradeaus . Sie überdachte jetzt , was ihr den Vormittag geschehen war . Und wurde redseliger . » Wia ' r a sag ' n ko , daß i ' s mit ' n Zwerger Hans g ' habt ho ? Dös is ganz ausg ' schamt . Über de falsche Anschuldigung muaß er g ' straft wer ' n. I hon überhaupts mit ' n Zwerger Hans nia nix g ' habt . « » Und an Strixner Peter hat er aa o ' geb ' n , « sagte der Haberlschneider . » Mit dem bin i oamal von der Tanzmusi hoam ganga . Dös is aber scho a halb ' s Jahr g ' wen , vor da Xaver ans Kammerfenschta kemma is . Und überhaupts hon i mit ' n Strixner Peter gar nix sellas it g ' red ' t. I hab ' dös it denkt , daß i mi ei ' laß mit oan . Mit ' n Xaver aa net , bal er mir ' s Heirat ' n it g ' hoaßen hätt ' . Er is unter mein Fenschta g ' stanna und hat pfiffa , und i hab ' außa g ' schaugt und hab g ' fragt , wer is denn ? Sei staad , hat er g ' sagt , i bin ' s , und bal ' st ma ' r aufmachst , hat er g ' sagt , nacha brauchst di gar nix bekümmern , und ' s Heirat ' n is da g ' wiß , und bei da Hollerstaud ' n hat er g ' sagt , i brauch ' mi durchaus gar nix bekümmern , und jetzt bracht er an Strixner Peter daher und an Zwerger Hans ! « » De müassen schwören , Urschula . Und da wer ' n mir nacha scho sehg ' n , ob da Xaver dös behaupten derf . « » Er ko gar nix behaupt ' n. Und dös hat er aa fürbracht , daß mi d ' Weßbrunner Dirn ' bei der Dunkelheit g ' sehg ' n hat am Schneiderhölzl mit an Mannsbild . Und sie hat g ' sagt , sie hat mi kennt , an mein ' roten Spenser . Dös is ganz frech . I hab ' überhaupts koan rot ' n Spenser gar nia g ' habt . Dös muaß sie aufweisen , ob i scho amal an roten Spenser g ' habt hab ' . « » Jetzt zahl ' i ; mir müassen fahr ' n , Urschula . « » Soll ma net no ' mal aufs