soll ein Wort sein ! Ich werde unbedingt gewinnen ! « » Gut , so setze ich noch zwanzig Pfund , daß du nicht gewinnen wirst ! « » Nein ! Doppelwetten sind verboten . Du wärst sonst im Stande , deine Einsätze in die Unendlichkeit hinein zu machen . Zwanzig Pfund und damit basta ! « Man kann sich denken , daß ich höchst neugierig auf die Jacht war . Ist es für den Kenner schon eine Freude , ein solches Fahrzeug zu sehen , wie groß muß diese Freude erst dann sein , wenn er mit ihm fahren kann , weil es das Eigentum eines Freundes ist ! Schon » Swallow « , die frühere Jacht Raffleys , war ein Muster von Eleganz gewesen , und so war es erklärlich , daß ich mir nun von der » Yin « bedeutende Vorstellungen in Beziehung auf ihre Ausstattung machte ; aber Alles , was ich gedacht hatte , wurde von der Wirklichkeit weit , weit übertroffen . Als wir an Bord kamen , stand die Mannschaft unter Tom , dem » Kapitän « , in Reih und Glied und hieß uns mit einem dreimaligen » Hip , hip , hurra ! « willkommen . Raffley wies mir meinen Raum selbst an . Dieser lag hinten am Stern , war hoch , geräumig , luftig und mit allem Komfort der Neuzeit versehen . Elektrisches Licht verstand sich ganz von selbst ; die Maschine lieferte es . Dann zeigte er mir seine eigene Wohnung , welche mittschiffs unter der Kommandobrücke lag . Sie war einfacher ausgestattet . Man sah ihr an , daß ihr Bewohner das Raffinement nicht liebe und diesen Raum nur der Arbeit und der zu ihr erforderlichen Ruhe gewidmet habe . Es gab keine teuern Möbel hier , aber eine kostbare Bibliothek füllte die Wände aus ; ein schwer beladener Ständer hatte die besten Karten aller Länder und aller Meere zu tragen , und auf einer Tafel lagen und standen alle erforderlichen nautischen Instrumente wohl geordnet . Der einzige Schmuck , den es hier gab , war ein Gemälde , aber ein wunderbar schönes , ein Meisterwerk allerersten Ranges , schön in Betreff des Sujets , meisterhaft in Beziehung auf die Ausführung . Es war ein Brustbild jener » Yin « , deren Marmorkopf den Bug des Schiffes zierte . Was der Marmor dort plastisch ahnen ließ , das wurde hier in diesem Farbengedicht entzückend ausgesprochen . Man redet so entschieden von morgen- und abendländischen , von italienischen , englischen , französischen , spanischen , polnischen , deutschen , nordischen , amerikanischen Schönheiten , von Schönheiten aller Länder . Dieses junge Weib hier war unbedingt eine Schönheit und ebenso unbedingt eine Chinesin . Wie kam es doch aber , daß es mir unmöglich war , zu behaupten , daß sie eine chinesische Schönheit sei ? Lag der Grund in den Zügen des Originales selbst , oder lag er in der Art und Weise , wie der Künstler diese Züge aufgefaßt und wiedergegeben hatte ? War dieser Künstler ein Chinese oder ein Europäer ? Beides nicht , und Beides doch ! Ein Talent auf jeden Fall , vielleicht noch mehr ! Der Rahmen war einfach , aus schmucklosem Holze , und verschwand fast ganz unter der Menge natürlicher , lebender Rosen , Blumen und Blüten , welche ihn bedeckten . Ich sah später den Schiffsraum , in welchem diese Kinder Floras gezogen wurden , um jahraus , jahrein als Schmuck für » Yin « zu dienen . Das Bild fesselte mich in ganz ungewöhnlicher Weise . Ich stand lange vor ihm , in Anschauen versunken , und sagte nichts . Ich hatte das Gefühl , daß man Worte hier zu vermeiden habe . Als ich mich endlich abwendete , fiel mein Blick auf Raffleys Augen , welche mit einem unbeschreiblich glücklichen Ausdrucke auf das Porträt gerichtet waren . Nun sah er mich an - - und ich ihn . Beide schwiegen wir ; dann nickte er mir zu ; er hatte mich verstanden . Als wir wieder auf das Deck traten , legte eben das Boot an , welches Mary Waller geholt hatte . Raffley empfing sie in seiner wohltuenden , dankerweckenden Weise und geleitete sie nach dem für sie bestimmten Logis , welches die ganze Breite des erhöhten Vorderplatzes einnahm . Sie hatte ihre Toilette vervollständigt ; eine englisch sprechende Chinesin , welche für diesen Zweck vorhanden zu sein schien , sonst aber in der Küche beschäftigt war , wurde ihr als Dienerin beigegeben . Der Governor hatte es sich auf einem Liegestuhl bequem gemacht . Er rauchte eine kurze Pfeife von der Art , welche in englischen » Traveller « -Kreisen jetzt so beliebt ist , und schien dieser Beschäftigung seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen . Tsi war schon vor uns an Bord gekommen . Ich kam an der Kabine , welche ihm von Tom angewiesen worden war , vorüber und sah ihn hinter dem halbzurückgeschlagenen Vorhang sitzen . Da trat er heraus und fragte mich , wann der Anker gelichtet werde . Soeben zog die Maschine die Kette an ; ich brauchte also nicht zu antworten , hielt es aber für geboten , ihm aus einem anderen Grunde eine Bemerkung zu machen . » Sie meiden das Deck , wie es scheint , « sagte ich . » Sie haben keine Veranlassung , auf freie Bewegung zu verzichten . « » Ich will den Governor nicht stören , « antwortete er . » Bitte ! Dem fällt es gar nicht ein , sich von irgend einem Menschen stören zu lassen ! Seien Sie aufrichtig : er stört Sie ! Und das lassen Sie sich einfach nicht gefallen ! Habe ich Recht ? « Es kämpfte sich ein halb verlegenes Lächeln auf seine Lippen , und ehrlich , wie er immer war , gab er zu : » Ja ; es ist richtig , was Sie sagen . Ich habe ihm sein Verhalten übelgenommen , und also nicht so edel gedacht , wie unsere Religion es von uns fordert . Verzeihen Sie ! Wie kann ich es dem Einzelnen entgelten lassen , daß er nicht anders denkt , als seine Allgemeinheit denkt ! Ich werde ihm Abbitte leisten . « » Abbitte ? Das halte ich denn doch nicht - - - « » Natürlich nicht so , wie Sie es auffassen wollen , « unterbrach er mich . » Der Wunsch nach Verzeihung braucht nicht grad über die Lippen zu gehen , um sich verständlich zu machen . Darf ich fragen , als wen und was mich die beiden Gentlemen kennen ? Selbstverständlich sind Sie nach mir gefragt worden . « » Sie sind Dr. med . Tsi , der in Deutschland und Frankreich studiert hat . Ihr Vater hat Sie dort abgeholt und ist Ihnen , weil Ihr Beruf Sie veranlaßte , hier zu bleiben , nach China vorausgereist . Ich habe Sie und ihn in Kairo kennen gelernt . Hoffentlich stimmen Sie dieser Auskunft , welche ich gegeben habe , bei ? « » Es ist die mir liebste , welche Sie geben konnten . Ein junger Arzt ist ein Mann , mit dem man sich nur dann abgibt , wenn man ihn braucht ; ich werde hier also zurückgezogen leben können , und das ist mir lieb . Ich sah Mary Waller an Bord kommen . Weiß sie , daß ich auch mit hier bin ? « » Nein . « » Sie - - Sie - - - Sie haben ihr nichts , gar nichts davon gesagt ? « stotterte er beinahe . » Kein Wort . « » Aber , ich bitte Sie ! Was soll sie denken , wenn sie sieht , daß ich - - daß - - - daß - - - « Er sprach den angefangenen Satz nicht aus . Das Lächeln , welches ich nicht ganz unterdrücken konnte , machte ihn irr . Er errötete sogar . » Ja , was soll sie denken ? « fragte ich . » Daß sie Ihnen Dank schuldet , weiter nichts ! Sie haben sich keinen Augenblick besonnen , sondern alle Ihre Verpflichtungen liegen lassen , um mit uns zu gehen und Ihren Vater zu retten . Meinen Sie etwa , daß sie darüber zürnen soll ? « » Nein , das nicht ; aber ich hätte sie fragen sollen , ob sie es mir erlaubt . « » Jede gute Tat ist erlaubt ; ja , man soll sie sogar ohne Erlaubnis tun ! Aber es gab ja auch gar keine Zeit zur Frage . Als Sie zu mir in das Hotel kamen , war Miß Mary soeben von uns gegangen , und wir haben sie nicht eher wiedergesehen , als bis sie vorhin an Bord kam . Es war also unmöglich , ihr zu sagen , daß sie außer mir noch einen zweiten Gefährten aus Kairo hier treffen werde . Wünschen Sie , daß ich sie auf diese Ueberraschung vorbereite ? « » Ich bitte sogar darum ! Es würde mir außerordentlich peinlich sein , sie in einer für mich nicht erfreulichen Weise überrascht zu sehen . Auch hege ich meines Namens und Standes wegen gewisse Bedenken . Sie weiß da nicht , woran sie mit mir ist . « » Nicht ? Nun , das soll sie sofort erfahren ! « Mary war soeben aus ihrem Raume getreten , um einen Scheideblick auf Penang zu werfen , denn die » Yin « begann , sich zu bewegen . Ich wendete mich von dem Chinesen ab , um zu ihr zu gehen , und hatte meine Worte selbstverständlich nur im Scherze gemeint ; da ergriff er meinen Arm und sagte ängstlich : » Was wollen Sie ? Wie wollen Sie zu ihr , zu - - zu - - - - « » Ich werde ihr Alles sagen , Alles ! « fiel ich ihm in die Rede und machte meinen Arm frei . » Aber ich bitte Sie um - - - ! « Mehr hörte ich nicht , weil ich mich schnell von ihm entfernte . Mary kam mir auf halbem Wege entgegen . Sie wollte irgend eine Bemerkung , eine Frage aussprechen ; ich ließ ihr aber keine Zeit dazu , sondern erkundigte mich bei ihr : » Haben Sie vielleicht grad jetzt grausam viel zu tun , Miß Waller ? « » Nichts , gar nichts , « lächelte sie . » Ich möchte Ihnen einen Herrn vorstellen . « » Welchen , wo ? « » Bitte , kommen Sie ! « Ich führte sie nach Tsis Kabine , in welche er wieder geschlüpft war . Er sah uns kommen und war also gezwungen , wieder herauszutreten . Welch eine Ueberraschung für die Amerikanerin ! » Das ist Herr Doktor Tsi , welcher Medizin studiert hat und ein untrügliches Mittel gegen Dysenterie kennt , « sagte ich ernst und feierlich , als ob ich überzeugt wäre , daß sie einander noch nie gesehen hätten . » Dieser junge Arzt , « fuhr ich fort , » ist auch den beiden Englishmen , deren Gäste wir sind , als Doktor Tsi bekannt . Mehr ist wohl auch nicht nötig . « Hierauf verbeugte ich mich und ging fort . Ich war mir bewußt , Tsi in eine unendliche Verlegenheit gebracht zu haben , doch aber so vollständig gefühl- und gewissenlos , mir nichts daraus zu machen . Die letztere Bemerkung hatte ich nicht unterlassen wollen , weil Mary Waller doch wissen mußte , als was unser chinesischer Freund hier auf dem Schiffe zu gelten hatte . Nun wendete ich meine ganze Aufmerksamkeit dem letzteren zu . Raffley kommandierte selbst . Er war der Mann welcher bei der Ankunft der » Yin « den großen Strohhut auf dem Kopfe gehabt hatte ; er trug ihn jetzt wieder , um seine Augen gegen die Strahlen der schon schief-stehenden Sonne zu schützen . Es war eine wahre Pracht , wie willig das schöne Fahrzeug jeder Silbe gehorchte , welche er in das Sprachrohr hauchte . Die See war heute ziemlich unruhig , aber diese » Yin « machte sich nichts daraus ; sie nahm die Wogen mit solcher Leichtigkeit , daß von einer Erschütterung ihres Körpers fast nichts zu spüren war . Man pflegt , wenn man von Penang nach Uleh-leh geht , nach Durchquerung der Malakkastraße in Edi , Lo-Semaweh und Segli anzulegen . Das sind Militärstationen , welche an der fieberhauchenden Küste angelegt sind , um bei den Kämpfen gegen den Herrscher von Atjeh den kriegerischen Vorstößen in das Innere als Stützpunkte zu dienen . Infolge dieses dreimaligen Anlegens sind zwei Tage notwendig , um von Penang nach Uleh-leh zu kommen . Unsere kleine » Yin « aber konnte die direkte Linie nehmen , und da sie pro Stunde zehn Knoten mehr als die » Coen « meines Freundes machte , so brauchten wir nicht einmal einen vollen Tag , um hinüberzukommen . Das Wetter war geradezu herrlich ; die Luft stand fest ; die See ging in langgestreckten Wogen , von denen die eine genau der andern glich . Unsere » Yin « lag ein wenig auf die Seite geneigt und ging so leicht , so frei , so scharf wie der zur Wirklichkeit gewordene Wunsch ihres Besitzers über die Straße . In jenen Gegenden , so nahe dem Aequator , wird es regelmäßig kurz nach sechs Uhr Nacht . Als sich nach zweistündiger Fahrt die Sonne zum Untergange neigte , stieg Mary Waller die Stufen empor , welche auf die Decke ihres Salons führten . Ich befand mich in ihrer Nähe , und sie winkte mir , ihr zu folgen . Da oben , beim Marmorkopfe » Yins « sitzend , konnte man den Uebergang des Tages in die Nacht am besten beobachten . Wir sprachen zunächst über ihre Freude , Tsi so ungeahnt hier wiederzusehen . Sie war gerührt von seiner , kein Opfer scheuenden Bereitwilligkeit , sofort mit nach Uleh-leh zu gehen , vermied es aber , viele Worte darüber zu machen . Dann beschrieb sie mir ihre jetzige Wohnung . Sie tat dies mit wahrem Entzücken und erklärte mir , so Etwas noch nie gesehen zu haben . Die Einrichtung sei echt chinesisch , reich aber schön , voller köstlicher Gedanken , ein Gedicht , unbedingt von einem chinesischen Weibe gedichtet , so klar im Ausdrucke und im Reime so rein , keine Silbe zu viel und aber auch keine zu wenig , jede Falte ein wohlklingendes Wort , jeder Sessel ein traulicher Vers , jeder einzelne Gegenstand ein Zeichen höchsten Geschmacks und in seinem Verhältnisse zum Ganzen ein Beweis zwar angeborener , aber durch die Ausbildung auch vollendeter Künstlerschaft . » Ich möchte die Frau kennen , welche diese wunderbare Wohnung , die ihres Gleichen nicht findet , gedichtet hat ! « wünschte Mary am Schlusse ihrer Beschreibung . » Sie muß ein schönes , wonniges , harmonisch empfindendes und aber doch scharf und ernst denkendes Wesen sein ! « » Tapezierer ! « warf ich hin . » Diese Arbeiten machen in China die Männer , welche sogar waschen und plätten . « » Tapezierer ? « wiederholte sie mein Wort . » Ich begreife allerdings , daß Sie das sagen können ; aber kommen Sie , und sehen Sie ; dann werden Sie anders sprechen . Ich halte es zwar nicht für unmöglich , daß es ein Tapezierer so weit bringt , in Möbelstoff , in Sammet oder Seide dichten zu können ; hier dieses Gedicht aber ist so deutlich fühlbar das Werk einer echten , reinen , edlen Weiblichkeit , daß es fast wehe tut , nur daran zu denken , ob von einem Verfasser anstatt einer Verfasserin , also von einem männlichen Wesen die Rede sein könne . « Jetzt berührte die Sonne das Meer , und da flutete in einem einzigen Augenblicke eine solche Fülle goldenen Lichtes auf den Wassern zu uns her , als ob der Ball dort im Westen sich aus Liebe aufzulösen beginne . » Erinnern Sie sich noch des Sonnenunterganges auf dem Dschebel Mokattam damals ? « fragte Mary . » Den Sie gar nicht gesehen haben , « antwortete ich . » Sie ritten zu zeitig fort . Das war die Folge des bösen Wüstenwindes . « » O nein , sondern die Folge von etwas ganz Anderem . Ich fühlte ihn ja nicht . « Sie blickte in die golddiamantene Glut , welche den ganzen Westen bis zu uns her überflammte . Dann sah sie mir mit ihren lieben , ehrlichen Augen so offen und herzlich in das Gesicht und fügte hinzu : » Wollen Sie mir jetzt eine Bitte erfüllen ? « » So gern ! « » Aber gleich ? Ganz gewiß ? Ohne sich zu weigern ? Ohne zu fragen und zu zögern ? « » Ja . « » Nehmen Sie sich eine Zigarre aus dem Etui , welches ich da in Ihrer Tasche sehe . Bitte , brennen Sie an ! « Es war ihr ein Herzensbedürfnis , in Erinnerung an das damalige Verhalten ihres Vaters diese Bitte auszusprechen . Dennoch entgegnete ich : » Da steht die See in Sonnenglut . Denken wir nicht an das Glühen eines Tabakblattes ! « » Und doch ; grad jetzt ! Ich bitte Sie ; Sie haben es mir versprochen . Es liegt in meinem Wunsche kein Gegensatz zu dieser Schönheitsfülle , die wir sehen ! « Ja , wahrlich nicht ; sie hatte Recht ! Wie leicht und doch wie schwer ist ein Frauenherz zu verstehen ! Was uns Männern als Widerspruch erscheint , kann schönste Harmonie bedeuten , und was wir für oberflächlich halten , stammt vielleicht aus der tiefsten , verborgensten Seelenfalte . Das Weib weiß es selbst wohl nicht , wie also kann der Mann es wissen ! » Jetzt brennt es , « lächelte sie so liebenswürdig zufrieden , als ich ihrem Wunsche nachgekommen war . » Nun erzählen Sie mir , wie Sie mit ihrem braven Sejjid Omar nach hier gekommen sind ! Ich schau dabei gegen West , wo Aegypten liegt , und während Sie erzählen , geht hier die Sonne vollends unter , und dort steigt vor meinem geistigen Auge der Mond hinter den Pyramiden auf und zeigt mir fünf Menschen , welche am Wüstenrande rund um den Tisch sitzen , um von dem zu sprechen , welcher Sonne und Mond über Meer und Wüste führt . « Ich tat es . Sie sah mich nicht an , aber ihre Seele folgte meinen Worten . Ich legte ihr die ganze , weite Route vor , welche ich mit Omar verfolgt hatte und von der ich für die vorliegenden Blätter bisher nur Aegypten und Ceylon herausgegriffen habe , weil die anderen von uns berührten Punkte zu den Personen und Ereignissen dieser Erzählung in keiner Beziehung stehen . Ceylon aber erwähnte ich des Professors Garden und meines Gedichtes wegen nicht . Es war mir , als ob das auch weiter ein Geheimnis bleiben müsse . Grad als ich fertig war , wurde mit dem Gong das Zeichen zum Abendessen gegeben , welches auf dem freien , luftigen , elektrisch erleuchteten Deck eingenommen werden sollte . Mary saß als einzige Dame natürlich obenan . Tsi zögerte , zu kommen . Ich wollte wieder aufstehen , um ihn zu holen ; da fragte mich der Governor , warum ich meinen Platz verlasse . Ich teilte es ihm mit . » Ist ihm gesagt worden , daß er bei uns speist ? « erkundigte er sich bei Raffley . » Nein , « antwortete dieser . » Selbstverständliches sagt man nicht . « » So bin ich schuld , daß er es nicht für selbstverständlich hält . Habe ihn also zu holen , kein Anderer ! « Er ging . Raffley warf mir einen bedeutungsvollen Blick zu ; er dachte an seine Wette mit dem » dear uncle , « dessen für Andere verborgene Eigenschaften er gar wohl kannte . Der Letztere kehrte in etwas feierlicher Haltung mit dem Chinesen zurück , den er sogar bis zu seinem Stuhle führte . Der wahre Adel bricht , wenn es geboten ist , durch jede , auch die rauhste Schale ! Ueber das Menu sage ich nichts . Was reiche Leute in jenen Gegenden speisen , das ist ja allgemein bekannt . Hoch über allen diesen Delikatessen stand mir der Ton , in welchem das sehr belebte Gespräch die verschiedenen Gänge begleitete . Besonders hatte ich mich , wenn auch nur im Stillen , über Tsi zu freuen . Er aß nur wenig , aber mit Geschmack , und er sprach auch nicht viel , aber was er sagte , das hatte Hand und Fuß . Ueber China wurde geschwiegen ; es lag da ein stilles Uebereinkommen vor . Darum mochte der Governor erwartet haben , daß Tsi die für unsere Unterhaltung nötigen geistigen Fonds nicht besitzen werde . Aber da kam , so was man im Volkston einen » Schlager « nennt , bei nächster Gelegenheit noch einer und hierauf wieder einer ! Der » uncle « begann , zu staunen , sagte aber nichts . Er hatte gar keine Ahnung gehabt , daß das materielle Wissen dieses jungen Mannes weit , weit über das seinige ging und daß es dann nur des Geistes bedarf , um das zu sein , was selbstbewußte Menschen bei Andern als » nicht unbedeutend « zu bezeichnen pflegen . Und diesen Geist besaß der Chinese ; das bemerkte der Governor immer deutlicher . Sein Benehmen gegen den jungen Mann wurde , ohne daß er es beabsichtigte , immer achtungsvoller . Ich sah , wie Mary sich darüber freute . Sie bemühte sich nach kluger Frauenart , Tsi durch Fragen und Gesprächswendungen Gelegenheit zu geben , zu zeigen , daß er den Andern geistig gewachsen sei , und er benutzte das in so bescheidener und diskreter Weise , daß ich wünschte , sein Vater könne bei uns sitzen , um sich über diese schönen Resultate seiner Erziehung mit mir zu freuen . Nach Tische steckte sich der Governor sofort wieder seine Pfeife an und spazierte auf dem Decke auf und ab . Als ich mich ihm da für einige Minuten zugesellte , fragte er mich : » Ist dieser Tsi wirklich nichts als Arzt ? « » Ich weiß nichts Anderes , « antwortete ich ausweichend . » Schreckliche Menschen , diese Mongolen ! Falsch , hinterlistig , treulos , alles Edlen bar und dabei rückständig im höchsten Grade . Kann also gar nicht glauben , daß er einer ist ! Habe ihn daraufhin angesehen . Augen nur ganz wenig schief ; Backenknochen nur ganz wenig markiert ; dazu dieses reiche Wissen und diese Gewandtheit , gradaus zu sagen , was er sagen will , weil Andere es nicht wissen ! Bin darum an dieser Rasse ganz irre geworden . Muß mich genau erkundigen , ob er zu ihr gehört . Muß unbedingt einige Tropfen kaukasisches Blut in den Adern haben ! Man hört diese Tropfen ja ganz deutlich heraus ! Und - - ach , wollte unter vier Augen fragen : haben Sie das Gespenst gesehen ? « » Welches Gespenst ? « antwortete ich , obwohl ich wußte , was er meinte . » Das Bild - - - in der Kajüte . « » Ja . « » Wie ist ' s ? « » Zum Entzücken schön . Sie haben es doch jedenfalls wie oft gesehen ! « » Noch nicht ! Komm nie hinein , weil ich weiß , daß es drinnen hängt . Mag es nicht sehen , nie - - nie - - nie ! Das heißt , offiziell ! Hm ! Wollte zwar schon einmal - - - ! Werde vielleicht auch - - - ! Raffley aber dürfte es nicht wissen - - - dürfte es nicht einmal ahnen ! Hm ! Ich weiß , Sie können schweigen . Sagen Sie nichts ! Kein Wort ! Aber auch nicht , daß dieser Mongole mir gefällt ! Raffley würde sonst gleich denken , daß er die Wette gewinnen werde ! Fällt mir aber gar nicht ein ! Nicht einmal im Schlafe ! Bin Englishman , Sir . Wette nur dann , wenn ich ganz sicher weiß , daß ich gewinne . Muß Euch also bitten , ja nicht daran zu zweifeln ! « Hiermit wendete er sich von mir ab und ging nach seinem Stuhle . Die Verschiedenheit der Anredeworte bei ihm ebenso wie bei Raffley erklärt sich aus dem Umstande , daß sie sich bald der englischen und bald der deutschen Sprache bedienten . Im Deutschen wurde » Sie « im Englischen aber » you , « also » Ihr « gesagt . Es kam im lebhaften Gespräche sogar nicht selten vor , daß ein Satz in der einen Sprache angefangen und in der anderen zu Ende gesprochen wurde . Man war das so gewöhnt , daß man nicht einmal mehr darüber lächelte . Vielleicht hatte Raffley darauf gerechnet , daß sich irgend Etwas ereignen werde , was geeignet sei , das Urteil seines Onkels über den Chinesen umzustimmen ; aber nach dem , was ich jetzt gehört hatte , schien ein solches Ereignis gar nicht nötig zu sein . Wir befanden uns ja erst einige Stunden in See , und doch sprach der Governor schon jetzt in einer Weise von ihm , welche er selbst gewiß für unmöglich gehalten hatte . Raffley saß mit Tsi beisammen . Sie waren in ein Gespräch vertieft , welches ich schon aus Höflichkeit und sodann auch aus dem Grunde nicht stören wollte , weil ich wünschte , daß der Englishman den Chinesen nicht nur achten , denn das tat er schon , sondern auch lieb gewinnen lerne . Mary war wieder auf das Deck ihres Salons gestiegen . Sie konnte so hoch und so ganz vorn sitzen , weil sie nicht zur Seekrankheit geneigt war . Ich wollte sie fragen , ob ich mich zu ihr gesellen dürfe , doch forderte sie mich selbst dazu auf , als sie mich kommen sah . » Ich möchte Ihnen Etwas erzählen , « sagte sie ; » Etwas , was ich den Anderen nicht mitteilen will , weil sie meinen Vater vielleicht falsch beurteilen würden . « » Wohl den Grund , warum man ihn gefangen nahm ? « fragte ich , um ihr die Ausführung ihrer Absicht zu erleichtern . » Ja . Er war so gut , so lieb , so mild geworden , fast ganz so , wie Mutter ihn gern hatte . Da kam die Krankheit , welche ihn mürrisch machte , ihm die Lebensfreude raubte und seine Empfindlichkeit verdoppelte . Je schwächer er körperlich wurde , desto mehr gab er sich Mühe , geistig kräftig aufzutreten . Ich will den Vater ja nicht tadeln ; er war ja krank ! Er sprach wieder von Heidentempeln und von Säulen . Die vier indochinesischen Träger , welche wir mit in die Berge nahmen , hatten keine Religion . Sie hörten ihn an und gaben ihm Recht , weil sie von ihm bezahlt wurden . Ich warnte ihn ; er aber hörte nicht auf mich , weil er überzeugt war , daß er ihre Bekehrung in kurzer Zeit vollenden werde . Die Bergmalaien stellten sich feindlich zu uns . Niemand nahm uns auf . Wir fanden kein Unterkommen , bis wir ganz hoch oben ein Kampong36 erreichten , dessen Bewohner mit den Weißen noch so wenig in Berührung gekommen und also so friedlich gesinnt waren , daß sie uns gastfreundlich aufnahmen und uns , nicht für Geld , sondern aus reiner , dort gewohnter Gastlichkeit , Alles boten , was in ihren Kräften stand . Wie froh war ich darüber ! Aber diese Freude währte nur einen einzigen Tag . « » Die Malaien von Sumatra sind in den Küstengegenden und ziemlich weit in das Land hinein Muhammedaner , « bemerkte ich . » Welcher Religion gehörten die Bewohner dieses Kampong an ? « » Der des Konfuzius . Es stand ein Tempel da , nur von Holz gebaut , aber mit mühsamen Schnitzereien verziert und im Innern reich vergoldet , was man der Armut dieser Leute eigentlich nicht zutrauen sollte . « » Sie sind nicht wirklich arm , sondern nur bedürfnislos . Die überreiche Natur bietet ihnen Alles , was sie brauchen , umsonst . Und was die Vergoldung betrifft , so wird das Gold ja auf Sumatra selbst gefunden . Die Berge des Innern , wo Sie waren , bestehen aus vorkarbonischem Schiefer , welcher von goldhaltigen Quarzgängen durchzogen ist . Aber bitte , erzählen Sie weiter ! « » Ich hatte gehört daß in chinesischen Ortschaften , wo es keine besonderen Gasthäuser gibt , die Fremden in den Tempeln aufgenommen werden . Ganz dasselbe war hier in diesem sumatranischen Kampong der Fall . Man führte uns in den Tempel , welcher zwei Abteilungen hatte , die eine für die Opferungen und die andere für die Besucher . In dieser letzteren sollten wir wohnen . Ich wollte , man hätte uns lieber in die allerkleinste Hütte gesteckt ! « » Ah , ich errate ! Heidentempel ! « » Ja . Ihre Vermutung ist leider richtig . Die guten Menschen schleppten Alles herbei , um es uns so bequem wie möglich zu machen ; sie brachten mehr als reichlich Speise und Trank , und man sah ihnen an , daß sie es gern taten . Verstehen konnten wir sie zwar nicht , weil wir nicht malajisch sprachen . Unsere Träger übersetzten uns , was gesprochen wurde , so gut sie eben konnten . Aber von dem Augenblicke an , wo wir uns in dem Tempel befanden , bemächtigte sich des Vaters eine Aufregung , welche mir Angst bereitete . Er sprach von nichts als vom Zertrümmern , vom