und ' s will ihr kein Doktor helfen können . Da fallt mer dö Tag bei , wendt mer sich halt an Gott und dö liebn Heiligen , wann schon kein Menschenhilf mehr is . « Er verzog dabei lächelnd den Mund , ohne daß er selbst darum wußte , ebensowenig begriff der Holzschnitzer , was für ein Anlaß dazu wäre . » Ein Bild will ich schnitzen lassen « , fuhr der Bauer fort , » und ' s drüben in Schwenkdorf , im Geburtsort der Mein ' n , in der Kirchen , wo sie gtauft und kopuliert wordn is , aufstelln . Verstehst mich ? « Muckerl nickte . » Das Ganze soll gleichsam a Säuln sein , oben mit der heilign Dreifaltigkeit drauf und unt z ' Füßen links der heilige Antoni , rechts die heilig Rosalia , unsere zwei himmlischen Namenspatronen , so gwisserweis , als möchten s ' just für uns fürbitten . Verstehst mich wohl schon ? « » Ja , ja . « » Unterhalb käm in einer schön verzierten , breiten Rahm a Taferl , wo mer anschreiben könnt , wem und für was d ' Fürsprach gelten soll . So - so hab ich mir ' s halt ausdenkt . Ich weiß nit , bin ich deutlich gnug gwest ? « Der Herrgottlmacher schüttelte den Kopf . Er fühlte sich gedrückt , von dem Manne gegenüber kam ihm vor , als sei derselbe verlegen und täte sich beim Reden Gewalt an , nur Helene ging so unbefangen ab und zu , als sähe sie den jungen Bauer heute zum ersten Male in ihrem Leben . Das machte den Muckerl , er wußte nicht warum , so nachdenklich , daß er die Bestellung überhörte und Toni sie wiederholen mußte . Fürs erste erklärte der Herrgottlmacher , daß er sich aufs Schnitzen von Zierat nicht verstünde ; der Bauer möge also zusehen , woher er den breiten Rahmen nehme ; dagegen brauche er sich um die Figuren nicht zu sorgen , die würden schon recht ausfallen , aber die Säule müsse ganz wegbleiben , da käm die heilige Dreifaltigkeit ' n Leuten völlig aus den Augen , und derwegen schnitze man doch keine Bilder , daß sie keiner zu sehen vermöge . Der Bauer befürchtete , es könne wider ' n Respekt verstoßen , wenn man die Heiligen so auf gleichem Fuße mit der Dreifaltigkeit verkehren ließe , auch möchte es sich nicht schön machen , wenn letztere den ersteren fast auf die Köpfe treten würde . Muckerl schalt das ein einfältig Reden . Im ganzen lieben , weiten Himmel oben gebe es keine Säule , des sei er gewiß , die wäre ja schon längst durch die Wolken auf die Erde herabgefallen , und die Heiligen genössen doch ihre Seligkeit in der Anschauung der Dreifaltigkeit und verkehrten als Nothelfer der Menschen mit ihr ; werden sie doch nit beim Anschauen sich die Hälse verrenken und beim Fürbitten die Lunge herausschreien sollen ? Ein ganz unschicksams , lächerlichs Vorstellen , das ! Die drei göttlichen Personen würden auf einen Wolkenthron zu sitzen kommen und die beiden Heiligen davor , etwas darunter , knien , und das werde sich ganz gut machen und rechtschaffen schön aussehen , darauf könne sich der Bauer verlassen ! Je , ja - je , ja ! Der Bauer erklärte , er sehe das schier schon selber ein und merke wohl , daß er zum rechten Manne gekommen sei ; nur möge der nun auch machen und trachten , das Ganze in Bälde fertigzubringen . Muckerl kraute sich hinter dem Ohr . » Ich kann ' s nit gleich angehn , es fehlt mer an einm tauglichn Holz dazu , muß mir erst eins beschaffen , wann ich wieder nach der Stadt fahr . « » Ich hab morgen dort z ' tun « , sagte der Bauer , » wär mir lieb , du fahretst mit mir , so hätt ' s dann weiter kein Anstehn . « » Ich bin dabei . « » Abgmacht . Ich hol dich morgen . D ' Stund weiß ich noch nit . Hitzt will ich nit länger afhalten . Gute Nacht , Leuteln ! « Neben dem Sessel an der Stubentüre , auf welchem das Kind saß , kniete Helene . » Na , sag : Dank schön und bhüt Gott ! Babah ! « sprach sie ihm vor und ergriff , ohne aufzusehen , das runde Ärmchen des Kleinen und bewegte es wie grüßend . Der Holzschnitzer gab seiner neuen Kundschaft bis zur Haustürschwelle das Geleit , dort nickte er mit dem Kopfe , und der Bauer griff an den Hut . Am andern Vormittag kam der junge Sternsteinhofer angefahren . Er sprang vom Wägelchen und trat grüßend in die Hütte . » No , sein wir ' s ? « fragte er . » Gleich « , antwortete der Herrgottlmacher und lief in die Stube , um sich » sonntäglich « anzukleiden . Die Kleebinderin lehnte an dem Herde , zu ihren Füßen spielte der kleine Muckerl . Toni rückte die Küchentüre , die nach der Straße offenstand , halb zu , dann faßte er Helene an der Hand . » Vergelt dir ' s Gott « , flüsterte er , » daß d ' doch ' m Kind lernst freundlich gegn mich sein . « » ' m Kind kann ' s Freundlichkeitbezeign nur nutzen und kein Schaden bringen . « » Dir auch nit , Leni , dir auch nit . Wie ich mir hab sagen lassen , so is ja gwiß - « Er deutete hinter sich nach der Stube , aus welcher man Schranktüren und Schubladen kreischen hörte . Helene zuckte mit den Schultern . » Es is a Schickung , sag ich dir « , fuhr er , mit halblauter Stimme eifrig auf sie einredend , fort , » vom Anfang war mein Denken , es müßt a solche dabeisein . Daß ' s selb Zeit um allzwei andere gleicherweis bstellt is , was wär das sonst , wenn kein Schickung ? « » Und wann - so wär Vorgreifen nur sündhaft und ruhig Zuwarten am Platz . Was sich schicken soll , das schickt sich dann schon . « » Ja , weißt , Leni « , stotterte er , » mitm Zuwarten is ' s so a eigene Sach ! « Das junge Weib stieß ein paar helle Lachlaute heraus , dann hielt es sich erschreckt den Mund zu und sah plötzlich ernst . » Das laß dir vergehn . Verlang dir zlieb weiter kein Dummheit mehr , es war an der ersten übergnug . « » Leni , ich wär gwiß nit af dich verfallen , und ' s Ganze hätt nimmer kein Sinn , wenn wir uns nit schon gern ghabt hätten - « Helene runzelte die Brauen ; mit einer kurzen Wendung des Kopfes und einem Winke der Augen nach der Türe lispelte sie : » Pst ! Es ist alls still drin « , und auf das Kind weisend : » Auch der hört und weiß schon z ' schwätzen . « » Geh , sag ihm , er soll mir a Bußl gebn . « » Bewahr ! Er möcht schrein ! Er is ' s nit gwohnt . Er küßt neamd . « Sie schob den Bauer , der sich niederbeugte , zurück und trat selbst einen Schritt zur Seite . » Bleib uns vom Leib . « » Leni , ' n Bubn bedenk , der wird noch mal - « Da trat der Herrgottlmacher aus der Stube , und der Sternsteinhofer rief ihm entgegen : » Grad wollt ich sagn , noch mal so lang wie ich brauchst du zun Angwanden ! Ich bin viel flinker . Na , komm ! « Die beiden Männer fuhren hinweg . Bald wußten die Zwischenbüheler den Grund der plötzlichen Eintracht zwischen dem jungen Sternsteinhofer und dem Herrgottlmacher . Sie fanden es ganz verständlich und verständig , daß der arme Handwerker dem reichen Bauern nichts nachtrage ; was denn auch , jetzt , Jahre hinterher ? Sie legten sich zurecht und reimten zusammen , was sie eben davon wußten und nicht wußten . Wohl hat der Bauer einmal d ' Helen ' m Kleebinder abwendig gemacht , aber nun ist sie dem sein Weib , und es wär nicht klug von ihm , sich den Kopf schwer zu machen über so ein Geschehnes , das lang vorbei sei und wovon sich viel bereden , aber nichts erweisen lasse ! Oder sollte er einen Groll aufbehalten , weil sich der Sternsteinhofer damal an ihm vergriffen ? Je , du mein , was wär das für eine unfruchtbare Feindschaft ! Was könnte der arme Hascher tun ? Finster schauen , den Rücken kehren , die Faust im Sack machen und in einer Ecke maulen ; da ist es doch klüger , er spielt den Vergeber und Vergesser , sonderlich wenn sich noch obendrein die christliche Gesinnung durch einen handgreiflichen , baren Nutzen vergalt . Er wird nicht dumm sein und wohl zur Verrechnung mit dem Bauern doppelte und dreifache Kreide nehmen ! Man fand es ganz rechtschaffen und brav von dem jungen Sternsteinhofer , daß er für seines Weibes Genesung so ein » Heiligs « in die Kirche opfert ; um so mehr , da das Gesinde aussagte , wie er neuzeit gar nimmer wild tue gegen die Bäuerin und recht freundschaftlich mit ihr verkehre . Nun vermochte man sich auch zu erklären , was ihn zu der Zinshofer geführt . Gewiß war er um die Kleebinderische Hütte wie die Katze um den heißen Brei herumgeschlichen und suchte durch die Alte zu erfahren , in welcher Weis wohl dort seine Bestellung anzubringen , und nachdem ihm dies gelungen und ihm die Sache einmal im Kopf und am Herzen lag , nahm es nicht wunder , daß die Alte sich das zu Nutzen machte und ihm bis auf den Hof nachlief und Posten zutrug , für die er sie jedesmal entlohnte , und es war ganz natürlich , daß er nun selbst öfter bei den Kleebinderleuten einsprach , um nachzusehen , wie die Arbeit » fördere « , und wenn er dort nur kurz verweilte und lieber bei der Alten abrastete , so war das nach dem , was einst zwischen ihm und der Jungen vorgefallen , nur ehrbar und klug und wich jedem argen Schein und jedem Anlaß zu unbeschaffenem Gered aus . Woche um Woche , Monat um Monat verstrich , da hörten plötzlich die Zwischenträgereien der alten Zinshofer auf , sie ließ sich auf dem Hofe nicht mehr blicken , desto häufiger wurden die Besuche des jungen Sternsteinhofers in den beiden letzten Hütten am unteren Ende des Dorfes . » Nun wird ' s wohl Ernst « , sagten die Leute , » nun laßt ' s ihm keine Ruh mehr , der Herrgottlmacher legt wohl die letzte Hand an das Votivbild . « Niemand ahnte , daß es da wieder einmal ein schwacher Charakter über einen stärkeren davontrug , indem er , haltlos in sich zusammenbrechend , durch Erbärmlichkeit Erbarmen erweckte . Niemand wußte um den Tag , keiner sah es mit an , wie die Frau mit dem Buben auf dem Arme an dem Zaune des Vorgärtchens lehnte und , als der Bauer hart an ihr vorüberschritt , die andere stützende Hand von dem Kinde wegzog , daß dieses , vorneüber sinkend , sich an die Joppenklappe des Mannes klammerte und ihn daran zurückhielt . Er schmunzelte , und während sie den lächelnden Mund zusammenzog und die Lippen spitzte , als wolle sie spucken , sah sie ihn mit einem Blicke an , wie er nur dem Auge des Weibes eigen , der Unsagbares aussagt und zugleich belächelt . Keiner sah es , auch der Holzschnitzer nicht , da er hinter ihrem Rücken unter die Haustüre trat . Sie erschrak , als die beiden Männer sich unversehens grüßend anriefen , dann schäkerte und tollte sie erst noch eine Weile mit dem Kinde , ehe sie ihr flammend rotes Gesicht der Hütte zukehrte . Für die Sternsteinhofbäuerin kamen nach den bösen Tagen keine guten ; wohl war sie wieder auf die Füße gekommen , aber diese erwiesen sich als gar schwach , und bei recht üblem Wetter versagten sie fast ganz den Dienst und erlaubten ihr nur , sich morgens vom Lager zum Sorgenstuhle zu schleppen ; für sie , die dann den langen Tag über , in denselben gebannt , saß und grübelte und sich trüben Gedanken hingab , benamte er sich mit Recht so und nicht in dem freundlichen Sinne , der auf das müde Alter anspielt , das in ihm , die Sorge anderen überlassend , ausruht . Sie hatte vollauf Zeit , ihren Gedanken nachzuhängen , und diese führten immer hartnäckiger zu quälenden Vermutungen . - Ob ihr nicht lieber gewesen sein sollte , der Bauer hätte in seiner Ungeduld und Ungebühr gegen sie beharrt ? Es war das doch erklärlich ; worin aber hatte seine plötzliche Freundlichkeit ihren Grund ? - Der Mann sah und fragte ihr nach , aber er sah sie dabei kaum an und wartete auf manche Frage die Antwort gar nicht ab . Er sprach mit ihr wie mit jemandem , mit dem man sich öfter zwischen denselben Wänden zusammenfindet , Verträglichkeit halber , gleichgültig . - War denn dann das Stiften des Votivbildes ein Liebeswerk ? Und wem zuliebe wohl ? - Bringt er nun nicht seine meiste Zeit bei den Leuten da unten zu . Oh , und die soll schön sein , die da unten ! Was führte die alte Hexe - man hatte ihr wohl gesagt , wer die wäre - so häufig herauf , was läßt sie mit einmal wegbleiben ? - Erreicht war ' s ! Eingedrängt hatte sich eins an ihre Stelle . Sie erwehrte sich aus aller Macht dieses Denkens , sie klagte es vor sich selbst als eine leere Einbildung an , die nur durch die von ihrer Krankheit herbeigeführte Verlassenheit und Verdrossenheit entschuldigt werden könne ; aber es kam eine Nacht , wo die argen Vermutungen zur Gewißheit wurden und diese den Glauben , den das arme Weib bisher aufrechtzuerhalten versuchte und sich mit ihm , den Glauben an die Neigung des Mannes , erbarmungslos hinwegtilgte . Sie hatte stundenlange schlaflos gelegen , da begann plötzlich der Bauer drüben in seinem Bette zu murmeln und halblaut im Traume zu reden . Sie reckte erst den Hals und horchte , hierauf erhob sie sich leise und schlich mit schwanken Schritten ganz nahe hinzu ; sie beugte sich zu dem Schläfer herab , um kein Wort zu verlieren . Eine Weile stand sie lauschend , dann rang sie die Hände krampfhaft ineinander und brach in die Knie . So lag sie noch , als es schon lange in der Stube wieder stille geworden . Mit einmal kam Leben in sie , sie erhob sich rasch von der Diele , begann sich hastig vom Kopf bis zum Fuß anzukleiden und verließ die Stube . Erst als sie an der Treppe anlangte , stieß sie den bis jetzt mit übermenschlicher Anstrengung zurückgepreßten Schrei aus . Es klang gar eigentümlich heiser und schrill durch das nächtlich ruhende Haus . Dann tastete sie sich Stufe für Stufe die Stiege hinunter . Im Hofraume angelangt , stand sie einen Augenblick und sog tief Atem in sich , dann bog sie hurtig um die Ecke und strebte , beinahe laufend , dem Ausgedingehäuschen des Alten zu . Es war unverschlossen ; sie stieg nach dem Stockwerk empor und pochte dort an der Türe . Der alte Sternsteinhofer schlief einen gesunden Schlaf , eine geraume Frist verstrich , bis sie ihn innen murren hörte : » Eh , was gibt ' s ? « Auf erneuertes Pochen erst fragte er völlig ermuntert : » Wer is denn da ? « » Ich bin ' s , die Sali . « » Die Sali , ei , du mein . « Ein Schüttern der Bettstelle , dann ein hastiges Umherfegen , und der Alte , der Beinkleider und Joppe übergetan , erschien unter der sich öffnenden Türe . » Herr du mein Gott ! ' s wird doch kein Unglück auskommen sein ? ! Sali , was is ' s ? Was hast denn ? « Das Weib war in lauthalses Schluchzen ausgebrochen . » Komm hrein , komm hrein ! « Er faßte sie an der Hand und zog sie in die Kammer und nötigte sie auf einen Stuhl . » Fein gscheit , Sali , fein gscheit ! So verstehn wir sich nit . Nimm dich zsamm . Soll ich was erfahren , mußt auch reden . Nimm dich zsamm . Ich mach derweil Licht . « Wenige Augenblicke hernach saßen beim Scheine der flackernden Öllampe der alte Mann und das bleiche Weib sich gegenüber . Der Bauer starrte die Klagende mit emporgezogenen Brauen an , sie sprach in abgerissenen Sätzen und mit schüttelnden Gebärden , und sooft sie die Rede unterbrach , mit der Rechten die Schürze aufgreifend und darunter schluchzend , während die Linke über dem Tische zuckte , faßte der Alte mit seinen breiten Tatzen nach dieser kurzfingerigen Hand und drückte und streichelte sie . - - Es war gegen Morgen , als der alte Sternsteinhofer die Bäuerin nach dem Hause zurückgeleitete . Er blieb unten an der Treppe lauschend stehen , als sie dieselbe hinangestiegen war . Oben rührte und regte sich nichts . Er lugte scharf um sich ; auch vom Gesinde ließ sich keines verspüren . Er kehrte nach seinem Ausgeding , kopfnickend und die geballten Fäuste vor sich schüttelnd . Als nach des nächsten Tages Arbeit Toni wieder seinen gewohnten Weg gegangen war , berief die Bäuerin die alte Kathel zu sich , daß diese ihr beim Ankleiden behilflich wäre , es gelte einen Besuch . » Je , wo willst denn gar hin ? « fragte die Schaffnerin neugierig . » Nit weit « , antwortete kurz die Bäuerin . » Schau mal , ob der Schwieher schon hat einspannen lassen . « Die Alte guckte zum Fenster hinaus und erklärte , weder einen Schwieher noch einen Wagen zu sehen , die besten Augen von der Welt würden ihr nicht dazu verholfen haben , es müßte denn der Schupfen , in welchem der Wagen untergebracht war , von Glas gewesen sein , dann hätte sie an dessen Rückwand auch den alten Sternsteinhofer wahrgenommen , der dort lehnte , seine Pfeife schmauchte und die Zwischenbüheler Straße im Auge behielt . Oben in der Stube saß die Bäuerin in vollem Staat , lange vor der Zelt fertig ; sie wollte sich nicht rühren , aber doch spielte sie unablässig das Taschentuch von der einen in die andere Hand , und dann hatten immer die Finger derjenigen , die gerade frei war , an einem Kleiderfältchen , an Krause oder Bändern der Haube zu zupfen oder an dem Scheitel zu glätten . Über eine geraume Weil kam der alte Sternsteinhofer um die Ecke in den Hof geschritten und betrieb die Instandsetzung des Wägelchens ; er schob selbst von rückwärts nach , als dasselbe aus dem Schupfen gerollt wurde , er klopfte dem Braunen auf den Rücken und gab ihm paar gute , aufmunternde Worte , dann ging er hinauf nach der Stube und sagte zur Bäuerin : » Mo , fertig wärn wir , laß uns gehn ! « Er leitete sie ein paar Schritte . » Je , du mein , dir zittern ja d ' Knie , kaum vermagst dich afn Füßen z ' halten . Komm her , wird gscheiter sein . Nimm mich um ' n Hals . « Er hob sie wie ein Kind auf seine Arme und schritt mit ihr grätschbeinig über den Gang , die Stiege hinunter , durch den Flur und hob sie auf den Wagen . Er nahm an ihrer Seite Platz , ergriff den Leitriemen , und sachte und bedächtig setzte sich das Gefährt in Bewegung . Das Gesinde blieb nur so lange in Ungewißheit , wohin die Fahrt ginge , bis man den Wagen jenseits der Brücke dem unteren Ende des Dorfes zulenken sah , dann galt es für ausgemacht , daß die Bäuerin zum Kleebinder führe , um sich auch mal das Votivbild anzusehen . Schon von weitem nahm der alte Bauer die Zinshofer wahr , welche mit dem Kinde auf dem Arme die Strecke zwischen der vorletzten und der letzten Hütte , gleich einem Wachposten , auf und nieder schritt . Als die Alte den Wagen herankommen hörte , blieb sie stehen , einen Augenblick lugte sie unter der vorgehaltenen , flachen Hand scharf nach den Herankommenden aus , dann ließ sie das Kind zu Boden gleiten , schob es in das Vorgärtel des Holzschnitzers und lief eilig ihrer Behausung zu . Der Bauer lächelte hämisch . Vor dem Häuschen des Herrgottlmachers zog er die Zügel an , noch einen Schritt ließ er das Pferd tun , damit er vom Kutschbocke in die Stube zu blicken vermochte , und als er dort den Mann am Arbeitstische stehen sah , rief er ihn an : » He , Kleebinder , kimm a weng hraus ! D ' Bäuerin hätt mit dir z ' reden . Sie erweiset dir wohl gern selbn d ' Ehr , aber sie is so schwach afn Füßen . Sei also so gut . « Damit stieg er ab , warf der jungen Frau das Leitseil zu und ging nach der letzten Hütte ; als er dort eintrat , stand inmitten der Stube der junge Bauer , die Hände in den Hosentaschen , und murrte : » No , was soll ' s ? « » Nix nit « , sagte mit höhnischer Freundlichkeit der Alte . » Gar nix nit , Tonerl . Nur a End machn mer dein unsaubern Gängen . Dein Weib redt just drent mitm Herrgottlmacher . « Ein Griff , schmerzend und unabschüttelbar wie der Druck einer eisernen Klammer , hielt Toni , der aus der Türe stürzen wollte , zurück . » Kein Aufsehn ! Aufsehn wolln wir keins dabei . Is ja auch für dich ' s gscheiteste , Lump ! « » Welcher Schuft « , knirschte der Vergewaltigte , » hat mich verraten ? « » Nit allmal is einer , was d ' Leut vor Unheil warnt , damit ' s ihnen nit gar übern Kopf wachst , a Schuft ! Dösmal aber trifft ' s zu ; du selber hast , mehr als dir und andern lieb , im Schlaf ausgsagt . « Der junge Bauer sah den alten erschreckt an , dann schlug er ein kurzes , verbittertes Gelächter auf und murmelte : » Wahr is ' s , ich hätt mich auch solln ein Stubn weiter ziehen . « Indes war der Kleebinder vor das Haus und an den Wagen getreten . » Bist du a Mon « , empfing ihn die Bäuerin , » so hüt auch , wie sich ghört , dein Weib . Weißt du , wo die hitzt is ? « Der Holzschnitzer starrte sie an . Sie neigte sich von ihrem Sitze gegen ihn und begann ihm zuzuflüstern , und je länger sie sprach , je bleicher wurde der Mann , je krampfhafter umschlossen seine Finger den Eisenstab , der am Kutschbocke angebracht war , bis das Weib , immer häufiger vom Schluchzen unterbrochen , nichts mehr zu sagen wußte und , das Gesicht mit dem Tuche verhüllend , zurücksank ; da zog der Mann die bebenden Hände von der Stütze , kehrte sich ab und taumelte in das Haus . Der alte Sternsteinhofer führte den jungen am Arme aus der Zinshoferschen Hütte . » Hitzt komm « , sagte er , und beim Wagen angelangt : » Setz dich ins Grät . « » Wer is der Herr ? « knurrte Toni . » Setz du dich hnein . « » Ich weiß « , höhnte der Alte , » dir is nit unlieb , mich drein z ' sehn , dösmal aber schickt sich ' s wohl besser für dich da rückwärts . « Toni erwiderte nichts , er schwang sich hinten auf den Wagen und saß mit herabbaumelnden Beinen , den Rücken dem Vater und dem Weibe zugekehrt , und fort ging es . Helene war , als der alte Sternsteinhofer der Hütte ihrer Mutter zuschritt , herausgeflüchtet nach ihrem Garten und hatte lauschend in der Laube gestanden , ohne daß sie aus den einzelnen Lauten , die von dem kurzen Wortwechsel herüberdrangen , oder aus den zeitweise vor dem Hause hörbaren Schluchztönen klug zu werden vermochte ; die Deutung des Vorganges blieb somit ganz ihrem bösen Gewissen überlassen , und ein solches schließt meist überraschend schnell und richtig . Sie hörte den Wagen fortrasseln ; noch blieb sie , wie gebannt , gleich reglos an der nämlichen Stelle , plötzlich machte ein klägliches Kindergeschrei im Hause sie zusammenschrecken , sie huschte nach der Küche und lugte scheu um den Türpfosten in die Stube , da sah sie den kleinen Hans Nepomuk heulend neben dem großen stehen , der wie tot am Boden lag . Sie stürzte hinzu , hob den Mann auf , brachte ihn zu Bette und begann ihm Stirne und Schläfen mit Essig zu waschen ; während sie noch um ihn beschäftigt war , ließen sich leise Tritte und ein ächzendes Atemholen in der Küche vernehmen , nach einer Weile zeigte sich hinter dem Türspalt das verstörte Gesicht der alten Zinshofer . » Jesus , Maria « , stöhnte sie , » was für ein Unglück ! « » Sei still « , flüsterte Helene . » Geh fort , geh in Gottsnam tort ! Ich will allein mit ihm sein , wann er wieder zu sich kommt . « » Dürft nit graten sein . « Helene zuckte ungeduldig mit dem Fuße , besann sich aber , damit aufzustampfen . » Wann ich dir aber sag , geh « , rief sie weinerlich , » so geh . « » Ich geh dir schon . Du weißt , bei der Hand bin ich , wenn d ' mich brauchst . « Helene rief nach der Türe : » ' s Kind nimm zu dir ! « Sie schob den kleinen Muckerl der Alten zu , und als sie an das Bett zurückkehrte , da erwachte der Mann , und als er ihrer ansichtig wurde , da streckte er abwehrend die Arme aus . » Weg , weg « , keuchte er , » weg du von mir . « Es kostete dem Weibe einige Anstrengung , mit beiden Händen seine sträubende Rechte zu erfassen und festzuhalten . » Muckerl , sei kein Narr , weil andere närrisch tun ! Der alte Sternsteinhofer is mir zeither feind , und die Bäuerin eifert wohl und bildt sich , Gott weiß was , ein - « Der Holzschnitzer kehrte sich der Wand zu . » Muckerl « , kreischte Helene , » das leid ich nit . Anhörn mußt mich ! « Sie rüttelte heftig an seinem Arme . » Schau mich an ! « Da wandte er langsam sein fahles Gesicht nach ihr . Jeder Tropfe Blutes war aus selbem gewichen , durch die Starre und Schlaffheit der Züge erschien es eingesunken , verzerrt , entstellt , nur die Mundwinkel zuckten kaum merklich , aber aus den im feuchten Glanze schimmernden Augen schoß ein stechender , durchdringender Blick : Was gilt noch die Red ? Und in diese Augen starrten nun mit leerem , nichtssagendem Blicke die des Weibes , dem es nur galt , die Lider nicht sinken zu lassen , wenn sie auch in leisem Krampte zuckten , und mit einer Stimme , so seelenlos im Ausdrucke und so rauh im Tone , als löse sich die klebende Zunge vom Gaumen , sagte es : » Weißt , ich war dir treu ! « Schmerz und Zorn , in einer Grimasse , verzogen dem Manne das Gesicht ; sein zornmütiges Lächeln nahm sich wie blöde aus , und er lallte , als er sprach : » Wann d ' dein Weiberehr auch gwahrt hättst - frag ich nit darnach ! Derweis treu is bald eine , auch was kein Herz hat , wie du keins für mich ; weiß nit , ob für ein andern ! - Gdacht hast , ich würd nimmer lang im Weg sein - wie ' s der von der Sein denkt ! - und daß d ' dadrauf wartst , darein liegt d ' Untreu , ob du ' s etwa nit mehr hast erwarten können - das vermag nit ärger weh z ' tun - weiß mer mal , daß unter einm Dach ' s eigene Weib ein ' n baldigen Tod wünscht ! « Helene brach in Tränen aus . » Was weinst ? « fragte er , sich emporrichtend . » Dazu , denk ich , wär wohl an mir die Reih ; aber den Gefallen erweis ich dir nit und die Freud mach ich dir nit ! « Er warf sich hinüber , den Kopf in die Pölster vergrabend , und schluchzte auf . Das junge Weib faßte mit beiden Händen ihn an den Schultern an . » Rühr mich nit an ! « schrie er emporschnellend . » Ausweinen will ich mich ! Fort ! Hinaus ! Schließ die Türen , draußen afm Torstaffel is dein Platz . Hab acht , daß niemand nah kommt und merkt , was da herum und herin vorgeht . Ich will kein Gefrag und kein Gespött . « Er winkte ihr heftig zu gehen . Sie kehrte sich ab und schritt hinaus , sie schloß die Türen hinter sich und setzte sich auf die Steinstufe vor dem Hause . Unbeweglich , die