, Glauke , « fuhr sie fort , indem sie die blendend weiße golddurchwirkte Chlamys aus der Kleiderpresse nahm und sorgfältig auf den Armen ausgebreitet hielt , bis die Gerufene ihr sie abnahm , mit Einem Wurf der Kaiserin in den schönsten Falten über die Schulter schlug , mit dem weißen Gürtel zusammenfaßte und das eine Ende mit einer Goldspange , die einst die Taube der Venus , jetzt aber im Gegenteil den heiligen Geist darstellte , über der weißen Achsel befestigte . Glauke , die Tochter eines athenischen Bildhauers , hatte jahrelang den Faltenwurf studiert , war deshalb von der Kaiserin um viele tausend Solidi angekauft worden und hatte den ganzen Tag über nur dies einzige Geschäft . » Duftige Seifenkugeln aus Spanien , « berichtete Zephyris , » sind wieder frisch angekommen . Ein neues milesiches Märchen ist erschienen , und der alte Ägypter ist wieder da , « setzte sie leiser hinzu , » mit seinem Nilwasser . Er sagt , es helfe unfehlbar . Die Perserkönigin , die acht Jahre kinderlos - - « Seufzend wandte sich Theodora ab , ein Schatte flog über das glatte Gesicht . » Schick ' ihn fort , « sagte sie , » diese Hoffnung ist vorüber . « - Und es war einen Augenblick , als wollte sie in trübes Sinnen versinken . Aber sich aufraffend trat sie , Galateen winkend , zu ihrem Lager zurück , nahm den zerdrückten Eppichkranz , der auf ihrem Kopfkissen lag , und gab ihn der Alten mit den geflüsterten Worten : » für Anicius , schick ' es ihm zu . - Den Schmuck , Erigone ! « Diese , von zwei andern Sklavinnen unterstützt , trug mühsam die schwere Kiste von Erz herbei , deren Deckel , in getriebnen Figuren die Werkstätte des Vulcanus darstellend , mit dem Siegel der Kaiserin an die Lade befestigt war . Erigone zeigte , daß das Siegel unverletzt und schlug den Deckel auf : neugierig stellte sich da manches Mädchen auf die Fußspitzen , einen Blick von den schimmernden Schätzen zu erhaschen . » Willst du noch die Sommerringe , Herrin ? « fragte Erigone . - » Nein , « sprach Theodora wählend , » die Zeit dafür ist um . Gib mir die schwereren , die Smaragden . « Erigone reichte ihr Ohrringe , Fingerring und Armband . » Wie schön , « sagte Antonina , von ihren frommen Versen aufsehend , » steht das Weiß der Perle zu dem Grün des Steins ! « » Es ist ein Schatzstück der Kleopatra , « sagte die Kaiserin gleichgültig , » der Jude hat den Stammbaum der Perle eidlich erhärtet . « » Aber du zögerst lange , « erinnerte Antonina , » Justinians Goldsänfte harrte schon als ich herauf kam . « » Ja , Herrin , « rief eine junge Sklavin ängstlich , » der Sklave vor der Sonnenuhr sagte schon die vierte Stunde an . Eile , Herrin . « Ein Stich mit der Lanzette war die Antwort . » Willst du die Kaiserin mahnen ? « Aber Antoninen flüsterte sie zu : » Man muß die Männer nicht verwöhnen : sie müssen immer auf uns warten , wir nie auf sie . Meinen Straußenfächer , Thais . Geh , Jone , die kappadokischen Sklaven sollen an meine Sänfte treten . « Und sie wandte sich zum Gehen . » O Theodora , « rief Antonina rasch , » vergiß meine Bitte nicht . « » Nein , « sagte diese , plötzlich stehenbleibend , » gewiß nicht ! Und damit du ganz sicher gehst , « lächelte sie , » leg ' ich ' s in deine eigne Hand . Meine Wachstafel und den Stift . « Galatea brachte sie eilig . Theodora schrieb und flüsterte der Freundin zu : » Der Präfekt des Hafens ist einer meiner alten Freunde . Er gehorcht mir blind . Lies , was ich schreibe : An Aristarchos den Präfekten Theodora der Kaiserin . Wenn Severius , des Boëthius Sohn , das Schiff des Belisarius besteigen will , halt ' ihn , nötigenfalls mit Gewalt , zurück und sende ihn hierher in meine Gemächer : er ist zu meinem Kämmerer ernannt . Ist ' s recht so , liebe Schwester ? « flüsterte sie . » Tausend Dank , « sagte diese mit leuchtenden Augen . » Aber wie , « rief die Kaiserin laut , plötzlich an ihren Hals fassend , » und die Hauptsache hätten wir vergessen ? Mein Amulett , den Mercurius ! Bitte , Antonina , dort liegt es . « Hastig wandte sich diese , den kleinen goldnen Merkur , den besten Geleitsmann , der an seidner Schnur an dem Bette der Kaiserin hing , zu holen . Inzwischen aber strich Theodora schnell das Wort » Severinus « mit dem Goldgriffel aus und schrieb dafür » Anicius « . Sie klappte das Täfelchen zusammen , umschnürte und siegelte es mit ihrem Venusring . » Hier das Amulett , « sagte Antonina zurückkommend . » Und hier der Befehl ! « lächelte die Kaiserin . » Du magst ihn selbst im Augenblick der Abfahrt an Aristarchos übergeben . Und jetzt , « rief sie , » jetzt auf : in die Kirche . « Zwanzigstes Kapitel . In Neapolis , derjenigen Stadt Italiens , über welcher die zu Byzanz aufsteigenden Wetterwolken sich zuerst entladen sollten , ahnte man nichts von einer drohenden Gefahr . Da wandelten damals Tag für Tag an den reizenden Hängen , welche nach dem Posilipp führen , oder an den Uferhöhen im Südosten der Stadt , in vertrautem Gespräch , alle Wonnen jugendlich begeisterter Freundschaft genießend , zwei herrliche Jünglinge , der eine in braunen , der andre in goldnen Locken : die Dioskuren , Julius und Totila . O schöne Zeit , da es die reine Seele , umweht von der frischen Morgenluft des Lebens , noch unenttäuscht und unermüdet , trunken von der Fülle stolzer Träume , drängt , hinüberzufluten in ein gleich junges , gleich reiches , gleich überschwängliches Gemüt . Da stärkt sich der Vorsatz zu allem Edelsten , der Aufschwung zu dem Höchsten , der Flug bis in die lichte Nähe des Göttlichen wird in der Mitteilung gewagt , in der seligen Gewißheit , verstanden zu sein . Wenn der Blütenkranz in unsren Locken gewelkt ist und die Ernte unsres Lebens beginnt , mögen wir lächeln über jene Träume der Jünglingszeit und Jünglingsfreundschaft ; aber es ist kein Lächeln des Spottes ; es ist ein Ausdruck von jener Wehmut , mit der wir in nüchterner Herbstluft der süßen , berauschenden Lüfte des ersten Frühlings gedenken . - Der junge Gote und der junge Römer hatten sich gefunden in der glücklichsten Zeit für einen solchen Bund und sie ergänzten sich wunderbar . Totilas sonnige Seele hatte den vollen Schmelz der Jugend bewahrt : lachend sah er in die lachende Welt : er liebte den Menschen und der Glanz seines wohlwollenden Wesens gewann ihm leicht und rasch alle Herzen . Er glaubte nur an das Gute und des Guten Sieg : traf er das Böse , das Gemeine auf seinem Pfad , so trat er es mit dem heilig lodernden Zorn eines Erzengels in den Staub : durch seine sanfte Natur brach dann , den Helden verratend , die gewaltige Kraft , die in ihr ruhte und nicht eher ließ er ab , bis das verhaßte Element aus seinem Lebenskreise getilgt war . Aber im nächsten Augenblick war dann die Störung wie überwunden so vergessen und harmonisch wie seine Seele fühlte er ringsum Welt und Leben . Stolz und froh empfand er die Vollkraft seiner Jugend und jauchzend drückte er das goldne Dasein an die Brust . Singend schritt er durch die wimmelnden Straßen von Neapolis , der Abgott der Mädchen , der Stolz seiner gotischen Waffenfreunde , wie ein Gott der Freude , beglückend und beglückt . Der helle Zauber seines Wesens teilte sich selbst der stilleren Seele seines Freundes mit . Julius Montanus , zart und sinnig angelegt , eine fast weibliche Natur , früh verwaist und von Cethegus ' hochüberlegnem Geist eingeschüchtert , in Einsamkeit und unter Büchern aufgewachsen , von der trostlosen Wissenschaft jener Zeit mehr belastet als gehoben , sah das Leben ernst , fast wehmütig an . Ein Zug zur Entsagung und die Neigung , alles Bestehende an dem strengen Maß übermenschlicher Vollendung zu messen , lag in ihm und mochte sich leicht bis zur Schwermut verdüstern . Zur glücklichen Stunde fiel Totilas sonnige Freundschaft in seine Seele und erhellte sie bis in ihre tiefsten Falten so mächtig , daß seine edle Natur auch von einem schweren Schlage sich wieder elastisch aufrichten konnte , den eben diese Freundschaft auf sein Haupt ziehen sollte . Hören wir ihn selbst darüber an den Präfekten berichten : » Cethegus dem Präfekten Julius Montanus . Die kaltherzige Antwort , die Du auf den warmgefühlten Bericht von meinem neuen Freundschafts-Glück erteiltest , hat mir zuerst - gewiß gegen Deine Absicht - sehr wehe getan , später aber das Glück eben dieser Freundschaft erhöht , freilich in einer Weise , welche Du weder ahnen noch wünschen konntest . Der Schmerz durch Dich hat sich bald in Schmerz um Dich verwandelt . Wollte es mich anfangs kränken , daß Du meine tiefste Empfindung als die Schwärmerei eines kranken Knaben behandeltest und die Heiligtümer meiner Seele mit bittrem Spott antasten wolltest - nur wolltest , denn sie sind unantastbar , - so ergriff mich doch statt dessen bald das Gefühl des Mitleids mit Dir . Wehe , daß ein Mann wie Du , so überreich an Kräften des Geistes , darbest an den Gütern des Herzens . Wehe , daß Du die Wonne der Hingebung nicht kennst und jene opferfreudige Liebe , die ein von Dir mehr verspotteter als verstandner Glaube , den mir jeder Tag des Schmerzes näher bringt , die caritas , die Nächstenliebe , nennt : Wehe Dir , daß Du das Herrlichste nicht kennst ! Vergib die Freiheit dieser meiner Rede : ich weiß , ich habe noch nie in solchen Worten zu Dir gesprochen : aber erst seit kurzem bin ich , der ich bin . Vielleicht nicht ganz mit Unrecht hat noch Dein letzter Brief Spuren von Knabenhaftigkeit an mir gegeißelt . Ich glaube , sie sind seitdem verschwunden , und ein Verwandelter sprech ' ich zu Dir . Dein Brief , Dein Rat , Deine Arznei hat mich allerdings zum Manne gereift , aber nicht in Deinem Sinn und nicht nach Deinem Wunsch . Schmerz , heiligen , läuternden Schmerz hat er mir gebracht , er hat diese Freundschaft , die er verdrängen sollte , auf eine harte Probe gestellt , aber , der Güte Gottes sei ' s gedankt , er hat sie im Feuer nicht zerstört , sondern gehärtet für immer . Höre und staune , was der Himmel aus Deinen Plänen geschaffen hat . Wie wehe mir Dein Brief getan - in alter Gewohnheit des Gehorsams befolgte ich alsbald seinen Auftrag und suchte Deinen Gastfreund auf , den Purpurhändler Valerius Procillus . Er hatte bereits die Stadt verlassen und seine reizende Villa bezogen . Ich fand an ihm einen vielerfahrnen Mann und einen eifrigen Freund der Freiheit und des Vaterlandes : in seiner Tochter Valeria aber ein Kleinod . Du hattest recht prophezeit . Meine Absicht , mich gegen sie zu verschließen , zerschmolz bei ihrem Anblick wie Nebel vor der Sonne : mir war , Elektra oder Kassandra , Clölia oder Virginia stehe vor mir . Aber mehr noch als ihre hohe Schönheit bezauberte mich der Schwung ihrer unsterblichen Seele , die sich alsbald vor mir auftat . Ihr Vater behielt mich sogleich als seinen Gast im Hause und ich verlebte unter seinem Dach mit ihr die schönsten Tage meines Lebens . Die Poesie der Alten ist der Äther ihrer Seele . Wie rauschten die Chöre des Äschylos , wie rührend tönte Antigones Klage in ihrer melodischen Stimme ; stundenlang lasen wir in Wechselrede , und herrlich war sie zu schauen , wann sie sich erhob im Schwunge der Begeisterung , wann ihr dunkles Haar , in freie Wellen gelöst , niederfloß und aus ihrem großen runden Auge ein Feuer blitzte nicht von dieser Welt . Und - was ihr vielleicht noch tiefen Schmerz bereiten wird - eine Spaltung , die durch all ihr Leben geht , gibt ihr den höchsten Reiz . Du ahnst wohl , was ich meine , da Du seit Jahren das Schicksal ihres Hauses kennst . Du weißt wohl genauer als ich , wie es kam , daß Valeria schon bei ihrer Geburt von ihrer frommen Mutter einem ehelosen , einsamen Leben in Werken der Andacht geweiht , dann aber von ihrem reichen und mehr römisch als christlich gesinnten Vater um den Preis einer Kirche und eines Klosters , die er baute , losgekauft worden ist . Aber Valeria glaubt , daß der Himmel nicht totes Gold nehme für eine lebendige Seele : sie fühlt sich der Bande jenes Gelübdes nicht ledig , deren sie ewig , aber nur in Furcht , nicht in Liebe , gedenkt . Denn Du hattest recht als Du schriebst : sie sei durch und durch ein Kind der alten , der heidnischen Welt . Das ist sie , die echte Tochter ihres Vaters : aber doch kann sie der frommen Mutter entsagend Christentum nicht abtun : es lebt nicht in ihr als ein Segen , es lastet auf ihr als ein Fluch , als der unentrinnbare Zwang jenes Gelübdes . Diesen wundersamen Zwiespalt , diesen verhängnisvollen Widerstreit trägt die edle Jungfrau im Gemüt : er quält sie , aber er veredelt sie zugleich . Wer weiß , wie er sich lösen wird ? der Himmel allein , der ihr Schicksal lenkt . Mich aber zieht dieser innere Kampf mit ernsten Schauern an : Du weißt ja , daß in mir selbst der Christenglaube und die Philosophie in ungeklärter Mischung durcheinander wogen . Zu meinem Staunen hat in diesen Tagen des Schmerzes der Glaube zugenommen und fast will mich bedünken , die Freude führe zu der heidnischen Weisheit , zu Christus aber der Schmerz und das Unglück . Aber höre wie der Schmerz über mich gekommen . Anfangs , als ich diese Liebe in mir keimen sah , war ich froher Hoffnung voll . Valerius , vielleicht schon früher von Dir für mich gewonnen , sah meine wachsende Neigung offenbar nicht ungern : vielleicht hatte er nur das an mir auszusetzen , daß ich seinen Traum von der Wiederaufrichtung der römischen Republik nicht eifrig genug teilte und nicht seinen Haß gegen die Byzantiner , in denen er die Todfeinde seines Hauses wie Italiens sieht . Auch Valeria war mir bald freundschaftlich geneigt und wer weiß , ob nicht damals die Verehrung gegen den Willen ihres Vaters und diese Freundschaft genügt hätten , sie in meine Arme zu führen . Aber ich danke - soll ich sagen Gott oder dem Schicksal ? - daß es nicht so kam : Valeria einer halb gleichgültigen Ehe opfern wäre ein Frevel gewesen . Ich weiß nicht , welches seltsame Gefühl mich abhielt das Wort zu sprechen , das sie in jenen Tagen gewiß zu der Meinen gemacht hätte . Ich liebte sie doch so tief - aber so oft ich mir ein Herz fassen und bei ihrem Vater um sie werben wollte , immer beschlich mich ein Gefühl , als tu ' ich unrecht an dem Gut eines andern , als sei ich ihrer nicht würdig oder doch nicht die ihr vom Schicksal zugedachte Hälfte ihrer Seele , und ich schwieg und bezähmte das pochende Herz . Einstmals um die sechste Stunde - schwül brannte die Sonne rings auf Land und Meer - suchte ich Schatten in der kühlen Marmorgrotte des Gartens . Ich trat ein durch das Oleandergebüsch : da lag sie schlafend auf der weichen Rasenbank , die eine Hand auf dem leise wogenden Busen , der linke Arm unter dem edeln Haupt , das noch vom Frühmahl her der schöne Asphodeloskranz schmückte . Ich stand bebend vor ihr : so schön war sie noch nie gewesen , ich beugte mich über sie und staunte die edeln , wie in Marmor gebildeten Züge an : heiß schlug mein Herz , ich beugte mich über sie , diese roten feingeschnittenen Lippen zu küssen . Da fiel mir ' s plötzlich zentnerschwer aufs Herz : es ist ein Raub , was du begehen willst . Totila ! rief unwillkürlich meine ganze Seele und still , wie ich gekommen , schlich ich fort . Totila ! Was war er mir nicht früher eingefallen ? Ich machte mir Vorwürfe , den Bruder meines Herzens über dem neuen Glück fast vergessen zu haben . Deine Prophezeiung , Cethegus , dachte ich , soll sich nicht erfüllen : diese Liebe soll mich dem Freunde nicht entfremden . Er soll Valeria sehen , gleich mir bewundern , meine Wahl lobpreisen , und dann , dann will ich werben , und Totila soll glücklich sein mit uns . Andern Tages ging ich nach Neapolis zurück , ihn zu holen . Ich pries ihm den Schimmer des Mädchens , aber ich vermochte es nicht über mich , ihm von meiner Liebe zu sprechen . Er sollte sie sehen und alles erraten . Wir fanden sie bei unsrer Ankunft nicht in den Zimmern der Villa . So führte ich Totila in den Garten - Valeria ist die eifrigste Pflegerin der Blumen - wir bogen , Totila voran , aus einem dichten Taxusgang : da schimmerte uns ihre Erscheinung plötzlich entgegen : sie stand vor einer Statue ihres Vaters und kränzte sie mit frischgepflückten Rosen , die sie , hoch aufgehäuft in der Busenfalte der Tunika , mit der Linken auf der Brust zusammenhielt . Es war ein überraschend schönes Bild : die herrliche Jungfrau , in dem Grün des Taxus gleichsam eingerahmt , vor dem weißen Marmor , die Rechte anmutvoll erhebend : und mächtig wirkte die Erscheinung auf Totila : mit einem lauten Ruf des Staunens blieb er sprachlos , ihr gerade gegenüber , stehen . Sie sah auf und zuckte erschrocken , wie blitzgetroffen , zusammen : die Rosen fielen in dichten Flocken aus ihrem Gewand : sie sah es nicht : ihre Augen hatten sich getroffen , ihre Wangen erglühten - ich sah mit Blitzesschnelle ihr Geschick und mein Geschick entschieden . Sie liebten sich beim ersten Anblick . Schmerzlich , wie ein brennender Pfeil , durchdrang die Gewißheit meine Seele . Aber doch nur einen Augenblick herrschte der Schmerz ungemischt in meiner Brust . Sofort , wie ich die beiden betrachtete , die herrlichen Gestalten , empfand ich neidlose Freude , daß sie sich gefunden : denn es war , wie wenn die Macht , die der Sterblichen Leiber bildet und Seelen , sie aus Einem Stoff füreinander geschaffen : wie Morgensonne und Morgenröte schimmerten sie ineinander und jetzt erkannte ich auch das dunkle Gefühl , das mich wie ein Vorwurf von Valeria fern gehalten , das mir seinen Namen auf die Lippen geführt hatte : sein sollte Valeria werden nach Gottes Ratschluß oder dem Gang der Sterne und ich sollte nicht zwischen sie treten . Erlaß mir , das Weitere zu berichten . Denn so selbstisch ist mein Sinn geartet , so wenig Macht hat noch die heilige Lehre des Entsagens über mich gewonnen , daß - ich schäme mich , das zu gestehen - daß mein Herz auch jetzt noch manchmal schmerzlich zuckt , statt freudig zu schlagen für das Glück der Freunde . Rasch und unscheidbar , wie zwei Flammen ineinander lodern , schlugen ihre Seelen zusammen . Sie lieben sich und sind glücklich wie die seligen Götter : mir ist die Freude geblieben , ihr Glück zu schauen und ihnen beizustehen , es noch vor dem Vater zu verbergen , der sein Kind wohl schwerlich dem Barbaren schenken wird , solang er in Totila nur den Barbaren sieht . Meine Liebe aber und ihren Opfertod halt ' ich vor dem Freunde tief verborgen : er ahnt nicht und soll nie erfahren , was sein glänzend Glück nur trüben könnte . Du siehst nun , o Cethegus , wie weit ab von Deinem Ziel ein Gott Deinen Plan gewendet . Mir hast Du jenes Kleinod Italiens bringen wollen und hast es Totila zugeführt . Meine Freundschaft hast Du zerstören wollen und hast sie in den Gluten heiliger Entsagung von allem Irdischen befreit und unsterblich gemacht . Du hast mich zum Manne machen wollen durch der Liebe Glück - ich bin ' s geworden durch der Liebe Schmerz . Lebe wohl und verehre das Walten des Himmels . « Einundzwanzigstes Kapitel . Wir unterlassen es , den Eindruck dieses Schreibens auf den Präfekten auszumalen , und begleiten lieber die beiden Dioskuren auf einem ihrer Abendspaziergänge an den reizenden Ufergeländen von Neapolis . Sie wandelten nach der früh beendigten Coena durch die Stadt und zur Porta nolana hinaus , die in schon halb verwitterten Reliefs die Siege eines römischen Imperators über germanische Stämme verherrlichte . Totila blieb stehen und bewunderte die schöne Arbeit . » Wer ist wohl der Kaiser , « fragte er den Freund , » dort auf dem Siegeswagen , mit dem geflügelten Blitz in der Hand , wie ein Jupiter Tonans ? « - » Es ist Marc Aurel , « sagte Julius und wollte weitergehen . - » O bleib doch ! Und wer sind die vier Gefesselten mit den langwallenden Haaren , die den Wagen ziehn ? « » Es sind Germanenkönige . « - » Doch welches Stammes , « fragte Totila weiter - » sieh da , eine Inschrift : Gothi extincti ! Die Goten vernichtet ! « Laut lachend schlug der junge Gote mit flacher Hand auf die Marmorsäule und schritt rasch durch das Tor . » Eine Lüge in Marmor ? « rief er rückwärts blickend . » Das hat der Imperator nicht gedacht , daß einst ein gotischer Seegraf in Neapolis seine Prahlereien Lügen straft . « - » Ja , die Völker sind wie die wechselnden Blätter am Baume , « sagte Julius nachdenklich ; » wer wird nach euch in diesen Landen herrschen ? « Totila blieb stehen . » Nach uns ? « fragte er erstaunt . - » Nun , du wirst doch nicht glauben , daß deine Goten ewig dauern werden unter den Völkern ? « » Das weiß ich doch nicht , « sagte Totila langsam fortschreitend . - » Mein Freund , Babylonier und Perser , Griechen und Makedonen und , wie es scheinen will , auch wir Römer hatten ihre zugemessene Zeit : sie blühten , reiften und vergingen . Soll ' s anders sein mit den Goten ? « » Ich weiß das nicht , « sagte Totila unruhig , » ich habe den Gedanken nie gedacht . Es ist mir noch nie eingefallen , daß eine Zeit kommen könnte , da mein Volk « - - er hielt inne , als sei es Sünde , den Gedanken auszudenken . » Wie kann man sich dergleichen vorstellen ! ich denke daran so wenig wie - wie an den Tod ! « » Das sieht dir gleich , mein Totila ! « » Und dir sieht es gleich , dich und andre mit solchen Träumereien zu quälen . « » Träumereien ! Du vergißt , daß es für mich , für mein Volk schon Wirklichkeit geworden . Du vergißt , daß ich ein Römer bin . Und ich kann mich nicht darüber täuschen , wie die meisten tun : es ist vorbei mit uns . Das Zepter ist von uns auf euch übergegangen ; glaubst du , es lief so ohne Schmerz , ohne Nachsinnen für mich ab , in dir , meinem Herzensfreund , den Barbaren , den Feind meines Volkes zu vergessen ? « » Das ist nicht so , beim Glanz der Sonne ! « fiel Totila eifrig ein . » Find ' ich auch in deiner milden Seele den herben Wahn ? Blick ' doch nur um dich ! Wann , sage mir , wann hat Italien herrlicher geblüht als unter unsrem Schilde ? Kaum in den Tagen des Augustus . Ihr lehrt uns Weisheit und Kunst , wir leihen euch Friede und Schutz . Kein schöneres Wechselverhältnis läßt sich denken ! Die Harmonie zwischen Römern und Germanen kann eine ganz neue Zeit erschaffen , schöner als je eine bestanden . « » Die Harmonie ! aber sie ist nicht da . Ihr seid uns ein fremdes Volk , geschieden durch Sprache und Glaube , durch Stammes- und Sinnesart und durch halbtausendjährigen Haß . Wir brachen früher eure Freiheit , ihr jetzt die unsre ; zwischen uns gähnt eine ewige Kluft . « - » Du verwirfst den Lieblingsgedanken meiner Seele . « » Er ist ein Traum ! « - » Nein , er ist Wahrheit , ich fühl ' es und vielleicht kömmt noch die Zeit , dir ' s zu beweisen . Das Werk meines ganzen Lebens bau ' ich drauf . « - » So wär ' s auf einen edeln Wahn gebaut . Keine Brücke zwischen Römern und Barbaren ! « - » Dann , « sagte Totila heftig , » begreif ' ich nicht , wie du leben kannst , wie du mich - « » Vollende nicht , « sagte Julius ernst . » Es war nicht leicht : es war die schwerste der Entsagungen ! Erst nach hartem Widerstreit der Selbstsucht ist sie mir gelungen : aber endlich hab ' ich aufgehört , in meinem Volk allein zu leben . Der heil ' ge Glaube , der jetzt schon - und er allein vermag ' s - Römer und Germanen verbindet , der meinen widerstrebenden Verstand durch lauter Schmerzen - Schmerzen , die Freuden sind - allmählich immer mächtiger umschlingt , er hat mir auch in diesem Zwiespalt Friede gebracht . In diesem Einen darf ich mich jetzt schon rühmen , ein Christ zu sein : ich lebe der Menschheit , nicht meinem Volk allein , ein Mensch , kein bloßer Römer mehr . Darum kann ich dich , den Barbaren , lieben wie einen Bruder : sind wir doch Bürger Eines Reichs : der Menschheit . Darum kann ich es ertragen , zu leben , nachdem ich mein Volk gestorben sehe . Ich lebe der Menschheit : sie ist mein Volk ! « » Nein , « rief Totila lebhaft , » das könnt ' ich nimmermehr . In meinem Volk allein kann ich und will ich leben : meines Volkes Art ist die Luft , in der allein meine Seele atmen kann . Warum soll ' n wir nicht dauern können , ewig : oder doch solang diese Erde dauert ? Was Perser und Griechen ! Wir sind von besserem Stoff . Weil sie dahinsiechten und versanken , müssen darum auch wir siechen und versinken ? Noch blühn wir in voller Jugendkraft ! Nein , wenn ein Tag kömmt , da die Goten sinken - mög ' ihn mein Auge nicht mehr sehn . O all ihr Götter , laßt uns nur nicht dahinkranken jahrhundertelang wie diese Griechen , die nicht leben können und nicht sterben ! Nein , muß es sein , so sendet ein furchtbar Kampfgewitter und laßt uns rasch und herrlich fallen , alle , alle und mich voran ! « Der Jüngling hatte sich in die wärmste Begeisterung gesprochen . Er sprang empor von der Marmorbank auf der Straße , darauf sie sich niedergelassen , den Lanzenschaft hoch gen Himmel erhebend . » Mein Freund , « sagte Julius , ihn liebevoll anblickend , » wie schön steht dir dieser Eifer ! Aber bedenke , ein solcher Kampf würde mit uns , mit meinem Volk entbrennen und sollte ich - ? « » Zu deinem Volke sollst du stehn mit Leib und Seele , das ist klar , wenn es jemals zu solchem Kampfe kömmt . Du glaubst , das würde unsrer Freundschaft Eintrag tun ? mit nichten ! Zwei Helden können sich knochentiefe Wunden hau ' n und dabei doch die besten Freunde sein . Ha , mich würd ' es freuen , dich in einer Schlachtreihe mir entgegenschreiten sehn mit Schild und Speer ! « Julius lächelte . » Meine Freundschaft ist nicht so grimmiger Art , du wilder Gote . - Diese Fragen und Zweifel haben mich lange und bitter gequält und all meine Philosophen zusammen haben mir nicht den Frieden gebracht . Erst seit ich ' s in Schmerzen erfahren , daß ich dem Gott im Himmel allein zu dienen habe und auf Erden der Menschheit und nicht Einem Volk - « » Gemach , Freund , « rief Totila , » wo ist denn die Menschheit , von der du schwärmst ? Ich sehe sie nicht . Ich sehe nur Goten , Römer , Byzantiner ! Eine Menschheit über den wirklichen Völkern , irgendwo in den Lüften , kenn ' ich nicht . Ich diene der Menschheit , indem ich meinem Volke lebe . Ich kann gar nicht anders ! ich kann nicht die Haut abstreifen , darin ich geboren bin . Gotisch denk ' ich , in gotischen Worten , nicht in einer allgemeinen Sprache der Menschheit ; die gibt es nicht . Und wie ich nur gotisch denke , kann ich auch nur gotisch fühlen . Ich kann das Fremde anerkennen , o ja . Ich bewundre eure Kunst , euer Wissen , zum Teil euren Staat , in welchem alles so streng geordnet ist . Wir können vieles von euch lernen - aber tauschen könnt ' ich und möcht ich mit keinem Volk von Engeln . Ha , meine Goten ! Im Grund des Herzens sind mir ihre Fehler lieber als eure Tugenden . « » Wie ganz anders empfinde ich , und bin doch ein