treu an deiner Meinung gehalten hast , und weil du so standhaft dem Tode entgegen gesehen hast , den dir der wilde Milhost gedroht hat « , entgegnete Mikul , » so haben mich einige Männer an dich gesendet . Sie werden am vierten Tage des Heumondes in dem Plakahofe eine Versammlung abhalten , in welcher sie über die Dinge des Landes sprechen werden , und in welcher manche sich näher werden kennen lernen . Sie laden dich zu der Versammlung ein . « » Ich weiß es nicht , ob ich zur Versammlung kommen werde « , sagte Witiko , » aber ich danke dir für die Reise zu mir . Lasse deinen Gefährten die Pferde herein bringen , und genießet in dem Hause , was es hat . « » Ich muß dir den Dank für dein Erbieten aussprechen « , antwortete Mikul ; » aber unsere Zeit ist sehr kurz , und wir müssen ohne Aufenthalt weiter reiten . « » So tut nach eurem Ermessen « , sagte Witiko . Bei diesen Worten stand Mikul auf , und verabschiedete sich . Witiko geleitete ihn vor das Haus zu den Pferden . Mikul schwang sich auf das ledige , das sein Gefährte hielt , beide Männer grüßten noch einmal gegen Witiko , und ritten dann einer hinter dem andern auf dem schmalen Wege gegen die Häuser des oberen Planes . Am dritten Tage des Heumondes rüstete sich Witiko , und ritt auf dem Wege , auf welchem er von Prag in den oberen Plan herein geritten war , mitternachtwärts in den Wald . Er ritt durch manche Baumbestände , über manche Waldblöße , und übernachtete in einer Hütte . Am nächsten Tage , welcher der vierte des Heumondes war , langte er nach Sonnenaufgang in dem Plakahofe an . Derselbe lag am Saume des Waldes auf einer sumpfigen Wiese , und war ein sehr langes Gebäude . Witiko ritt auf dasselbe zu . Als er zu dem Tore gekommen war , fand er es offen . Vor demselben und innerhalb desselben im Hofraume waren hölzerne Stände für die Pferde . Manche hatten ihre Tiere auch an Bäume des Waldes vor dem Gebäude angebunden . Im Innern desselben gingen Männer hin und her , und sprachen mit einander . Witiko kannte manche . Es war Bogdan gekommen , der an dem Tage auf dem Wysehrad der erste nach Witikos Eintritt in den Saal über ihn gesprochen , und angetragen hatte , daß er zu einem Gerichte in den Turm geworfen werde , es war Benes da , der ihn sogleich gerichtet haben wollte , es war Domaslaw gekommen , der ihn zu einem Gerichte für den künftigen Herzog aufbewahren wollte , es war Milhost zugegen , welcher ihn sogleich auf einen Pfahl hatte aufhängen lassen wollen , es war Kochan da , der ein strenges Gericht gegen ihn empfohlen hatte , es war Bohus da , der die Übel angeführt hatte , welche dem Lande von allen Herzogen widerfahren waren , es war der Mährer Drslaw gekommen , der auch über Witiko ein strenges Gericht ausgesprochen hatte , es war Jurata da , der alte Mikul , der alte Rodmil , und noch mehrere , welche Witiko nicht kannte . Mit jedem schienen noch Leute und Anhänger zu sein . Witiko führte sein Pferd , nachdem er abgestiegen war , in einen leeren Stand , band es an , und sorgte für dasselbe . Dann wandte er sich einem großen Raume zu , der in der Länge des Gebäudes zu einer Empfangshalle hergerichtet worden war . Er mochte sonst zur Aufbewahrung von Geräten des Hofes so wie anderer Dinge dienen ; jetzt war er geräumt , und hatte einen sehr langen Brettertisch , an dem Bretterbänke hinliefen , und auf dem Bier Wein und Speisen standen . Auf den Bänken saßen Männer , und aßen von den Speisen und tranken von den Getränken , andere gingen hinzu , erquickten sich , und verließen die Stelle wieder . Witiko aß ein Stückchen Brod , und trank einen Trunk Bier . » So läßt dein Herr auch im Sommer in seinem Walde jagen , wo die Jagd nichts nützig ist ? « fragte ein Mann in einem groben rotbraunen Kleide , das er mit Lederriemen gebunden hatte , indem er eine Hand auf seinen Bierkrug legte . » Ja , du Gauch « , sagte ein anderer , der auf einem großen Holzblocke saß , neben dem ein Krug mit Wein stand , » der Herr des Plakahofes braucht seine Tiere nicht zu zählen , und wie du Bier trinkst , so trinken wir Wein , und wie dein Herr Hasen hat , so haben wir Luchse und Wölfe und Füchse und Bären , und die darf man auch im Sommer und zu Ostern und zu aller Zeit jagen . Und darum hat unser Herr die reichen Freunde und die mächtigen Männer zu diesem Jagen geladen , das du nicht begreifst . « » Bei uns sind noch ganz andere Jagen « , sagte der erste . » Ja , auf Fliegen und Hummeln « , antwortete der zweite . Witiko achtete nicht weiter auf ihr Reden . Bisher hatte niemand zu ihm gesprochen . Jetzt näherte sich ihm aber der junge Mikul in demselben braunen Kleide und mit derselben weißen Feder , die er gehabt hatte , als er bei ihm in dem steinernen Hause in Plan gewesen war . Er grüßte ihn , und sagte : » Es ist gut und recht von dir , Witiko , daß du gekommen bist , es haben mehrere Männer dich sicher hier erwartet . Strich , der alle zu sich geladen hat , ist draußen in dem Walde , um mit ihnen zu jagen ; aber sie müssen bald zurückkehren . Du siehst , wie geehrte Gäste er beherbergt , daß er in dieser Zeit jagt . « Es traten nun mehrere Männer zu Witiko : der rothaarige Benes der blonde Drslaw der schwarze Bogdan Domaslaw und Jurata , und grüßten ihn . Er dankte . Sie nahmen Speisen und Wein . Es kamen andere herzu , sprachen etwas , und gingen wieder weg . Als die Hälfte des Vormittages vergangen war , näherte sich eine Schar Reiter dem Hofe . An der Spitze war ein Mann auf einem braunen Pferde , er hatte ein weites dunkelblaues Gewand mit einem stählernen Gürtel und einem Jagdspieße . Auf dem Haupte hatte er eine schwarze Haube mit einer grauen Feder . Er hatte braune Haare und um das Kinn einen braunen Bart. » Das ist Strich , der Herr des Plakahofes « , sagte Mikul zu Witiko . Hinter dem Manne kamen die andern . Sie hatten auch weite Gewänder mit Gürteln , und trugen Jagdspieße . Diener und Hunde waren nicht bei ihnen . Sie ritten bei dem Tore herein , ihre Pferde wurden in die Stände verteilt , und sie gingen in die Halle . Als sie sich dort verteilt und Speise und Trank genommen hatten , stieg ein Mann in einem schneeweißen wollenen Gewande und einen langen blauen Stab in der Hand haltend auf eine Bank , und rief : » Die Diener hinaus ! « Männer von verschiedenen Gestalten und in verschiedenen Bekleidungen verließen auf diesen Ruf die Halle durch die zwei Tore an den zwei Enden derselben , und an jedem Tore stellten sich drei Männer mit Speeren auf . Da dieses geschehen , und einige Zeit darauf vergangen war , stieg ein Mann in einem dunkeln weiten sammetnen Gewande , das ein aus Silber gearbeiteter Gürtel zusammen hielt , auf die Bank . Er hatte weiße Haare und einen weißen Bart. An seiner Seite hing ein Schwert , und auf seinem Kopfe war keine Haube . Witiko erkannte in ihm Nacerat , der in der Versammlung auf dem Wysehrad das dunkelpurpurne Gewand getragen hatte . Als es in der Halle stille geworden war , sprach der Mann : » Liebe Getreue , Ansehnliche ! Es sind mehrere darin überein gekommen , daß ich , weil ich vielleicht der älteste an Jahren bin , unserem Wirte den Dank abstatte , daß er uns ein so freundliches Fest und ein so schönes Jagen auf seinem Hofe Plaka gegeben hat . Ich bin von Prag , wo ich viele Arbeit verlassen habe , dazu her gekommen . Und wenn auch andere besser geeignet wären , auf dem Platze zu stehen , auf dem ich jetzt stehe , so will ich doch reden , weil mich einige Freunde hieher gedrängt haben , und weil ich aus Alter ein wenig geschwätzig geworden bin . Ihr werdet mir es schon nachsehen . Strich der mächtige ansehnliche und gute hat uns hieher auf einen seiner Höfe , der den Namen Plaka führt , geladen , daß wir erfahren , wie sein Wild sein zahmes Getier seine Kuchen sein Bier und sein Wein schmecken , daß wir die Wälder sehen , die er da besitzt , und daß wir in diesen Wäldern jagen . Wir haben seit dem grauen Morgen gejagt , und sind jetzt hieher zurückgekehrt , damit wir die Hitze des Tages nicht zu sehr empfinden , die sich nun erheben wird . Ich sage ihm mit meinen Freunden den besten Dank dafür , und alle werden ihm gewiß so danken wie wir . Die Geladenen können sich nun in ihre Heimat begeben , und nehmen eine Freude und ein Vergnügen mit sich auf den Weg . Sie haben sich hier gesehen , und haben freundschaftliche Bande geknüpft , und werden nun gewiß einander , wie es die Lage ihrer Wohnungen gibt , besuchen , bald hier , bald dort , bald anders wo , um ihre Freundschaft fortzuführen , ihre Bündnisse fester zu machen , und von dem zu reden , was ihnen im Herzen ist . Wenn unser guter erlauchter Herzog Wladislaw , den wir erwählt und eingesetzt haben , sich nicht so sehr von uns zurückzöge , so könnte er in unserer Mitte sein , könnte unser Vergnügen teilen , und würde unsere Freude erhöhen . Haben nicht die Herzoge früherer Zeiten mit den Lechen gejagt und getafelt ? War es anders ? Sind nicht die Lechen ihre Gefährten und ihre gesetzlichen Gesellschafter ? Sind sie nicht durch die Lechen eingesetzt und erhalten , und sind nicht die Lechen für die Handlungen derselben verantwortlich , und lastet nicht ihre Wahl , wenn sie verfehlt war , verderblich auf dem Lande ? Aber hat unser guter Herzog Wladislaw das Vergnügen eines Lechen oder Wladyken geteilt , und ist er auf seinem Hofe gewesen , oder an seinem Tische gesessen ? Ihr schweigt , er hat es also nicht getan . Er würde das Vergnügen vermehrt haben , er würde selber Vergnügen genossen haben , wenn er es getan hätte , und wir würden heute noch freudiger sein , als wir sind , wenn er da wäre . Wir bedauern ihn , daß er sich diese Lust versagt , und kehren ohne ihn in unsere Wohnungen zurück . Ich kümmere mich um diese Dinge wenig , ich bin alt , und trage die Sorge für das Land ; aber die Jugend will Freude . Unser erlauchter Herzog , ehe wir ihn auf dem ehrwürdigen Schlosse Wysehrad zum Ersten unter uns gewählt haben , ist immer mit unseren Kindern und mit der Jugend des Landes gewesen , und hat ihre Fröhlichkeit mitgenossen . Er tut es jetzt nicht mehr , und darbt an Vergnügen , obwohl er jung ist . Er liest einige Leute aus , die ihm folgen müssen , wenn er in das Land reitet , wie wir den Unsrigen sagen , daß sie mit uns sein sollen , wenn wir jagen . Er ritt mit mehreren nach Hostas Burg , und redete mit der erlauchten Adelheid der Witwe unseres ruhmreichen verstorbenen Herzoges Sobeslaw . Da ich ihm wohlwollend sagte , daß er sich die Mühe auflade , die sonst der Rat übernähme , spottete er meiner . Er ritt mit mehreren jungen Männern in die Burgen des Landes , und machte Anordnungen , die die Räte und Herren des Reiches nicht kannten . Als er zurückkehrte , schlossen wir , nämlich mein Bruder Znata , Milota , dann der ältere Mikul und Domaslaw , die bei diesem Feste , das uns unser lieber Wirt gibt , anwesend sind , und ich mit manchen unserer Leute , die wir zusammenbringen konnten , uns ihm an , damit wir seinem Zuge den Glanz gäben , der ihm gebührte , und den er sonst nicht gehabt hätte , weil keiner der alten Lechen dabei gewesen wäre . Oder lebt unser erlauchter Herzog , wenn er schon die Fröhlichkeit unserer Jugend nicht teilt , sonst mit ihr zusammen ? Ich glaube es nicht . Hat nicht Wladislaw der älteste Sohn unseres höchst ruhmreichen verstorbenen Herzoges Sobeslaw , der , wie er auch die Herren unterdrückte , doch der gute und der weise war , in diesem Winter von Prag nach Ungarn fliehen müssen ? Ich bedaure unsern guten erlauchten Herzog Wladislaw , daß er sich die Vergnügungen entzieht . Er nimmt die Arbeiten und die Beschlüsse an sich , welche sonst dem obersten Kämmerer und dem Hofrichter und dem Kanzler und dem obersten Truchsesse und den Herren und Räten des Reiches gebührten , und hat der Sorgen und Plagen genug , daß keine Freude Raum findet . Es sind nicht zwölf Wochen vergangen , daß er Kriegsknechte versammelt , und alle , die Räuber genannt wurden , verjagt oder vertilgt hat . Und weil er dazu Macht braucht , so sitzt er , statt unseren Festen beizuwohnen , und brütet in seinen Gedanken , wie er seine Macht vermehre . Ich bedaure unsern guten Herzog , daß er nicht bei uns ist , und unsere fröhliche Lust teilt . Boleslaw der Grausame , welcher seinen Bruder den heiligen Wenzel erschlagen hat , ist genötigt worden , daß er seine geraubte Macht erhalte , die Lechen und die Herren des Landes zu unterdrücken . Bis zu ihm waren sie Führer des Volkes wie die Herzoge , und der Herzog war unter ihnen nur der Erste unter seinesgleichen . Es war ein Glanz durch das ganze Land , und keiner war in Knechtschaft . Dann wurde es so , daß er sie durch seinen Anhang zwang , ihm zu dienen , daß sie seine Krieger waren , und seine Geleiter . Selbst ihr Name Führer verschwand , und wird nicht mehr gehört . Und alle späteren Enkel Premysls sahen es so , und mußten bedacht sein , ihre Macht , durch die sie herrschten , zu erhöhen . Ich bedaure unsern guten Herzog , daß er nicht unter uns ist . Auch den Umgang und den Beistand seiner Angehörigen entbehrt er . Die erhabene Witwe des preiswürdigen Sobeslaw Adelheid von Ungarn mußte nach dem Tode ihres hohen Gemahles in der einsamen Burg Hostas bleiben , und starb aus Gram und Kummer in dem vergangenen Herbste . Ihre kleineren Kinder , die er in seine Hut nahm , können ihm nichts gewähren , und so ist er allein , und beschließt allein über das Land , und wir werden später sehen , ob es demselben fruchtet . Ihr erfahrt nun , daß es wahr ist , was ich gesagt habe , daß ich geschwätzig bin . Ich rede immer von allerlei anderen Dingen , und sage immer nicht unserem sehr guten Wirte unseren Dank für sein heutiges Fest , das er uns so gastherrlich gibt , und kann immer nicht davon wegkommen , zu bedauern , daß unser erlauchter Herzog nicht gegenwärtig ist . Lasset uns also nur das Fest genießen , und wenn die Jugend daran Gefallen hat , so lade ich sie auf den Laurentiustag in meine Burg Ruden , daß dort ein gleiches gefeiert werde . Ich weiß nicht , ob ich werde anwesend sein können ; aber ich werde mich bestreben , und gewiß wird alles zum besten Empfange in Bereitschaft sein . Ich steige von der Bank herunter , damit ich nicht von ihr herab gefordert werde , weil ich sie schon zu lange inne habe , und weil ich den Fortgang des Festes störe . Ich fordere nur die Anwesenden , die es vermögen , zu Gleichem mit unserem freigebigen Wirte auf , und sage ihm noch einmal unsern Dank , unsern großen Dank , unsern aufrichtigen Dank , dessentwillen ich auf diesen Brettern stehe . « » Unsern Dank « , » unsern großen Dank « , » unsern ehrlichsten Dank « , riefen die meisten Stimmen in der Halle . Nacerat stieg von zwei Männern unterstützt , von der Bank herab , ordnete sein dunkles durch das Herabsteigen verschobenes Sammetgewand , und ging zu seinem Sitze neben Strich dem Herren des Hofes . Nun stieg Znata der Bruder Nacerats in hellblauem Sammet auf seinen Sitz , und rief : » Von heute ab in drei Wochen lade ich alle , die hier sind , und die sonst kommen wollen , in meine Burg Sturma zu einem Feste . « » Wir kommen , wir kommen « , riefen viele Stimmen . Darauf stieg er herunter . Nach ihm stieg der graubartige Domaslaw im roten Gewande , wie er es auf dem Wysehrad getragen hatte , auf seinen Sitz , und rief : » Und von heute ab in fünf Wochen lade ich alle , die da sind , und die sonst kommen wollen , auf meine Burg Krut nach Mähren zu einem Feste . « » Nach Mähren , nach Mähren « , erscholl ein dröhnender Ruf . » Nach Mähren , nach Mähren , in Mähren ist das Heil « , rief ein Mann mit mächtiger Stimme . Und ein Jubelgeschrei folgte diesen Worten . Domaslaw stieg von der Bank herunter . Nun wichen von dem unteren Tore der Halle die drei Bewaffneten zurück , und Männer in schneeweißen Wollgewändern , wie der hatte , der den blauen Stab trug , kamen herein , und stellten sich in eine Reihe , und begannen ein Sackpfeifen und Flötenspielen , daß der ganze Raum tönte . Und Rufe und Jauchzen der Anwesenden mischten sich hinein . Jetzt kamen viele Diener , und nahmen die Dinge , die auf dem Tische standen , weg , und brachten ein kostbares Mahl auf denselben . Das Mahl wurde sodann verzehrt , viel Wein wurde getrunken , viele Worte wurden geredet , und es brausten die Stimmen und das Klingen der Pfeifer in der Halle . Als das Mahl vorüber war , standen viele auf , gesellten sich zu Gruppen und Häuflein , andere suchten ihre Pferde , bestiegen sie , und ritten längs des Sumpfes oder des Waldsaumes ihre Wege nach der Heimat , und andere blieben sitzen , und sprachen oder aßen noch und tranken . Witiko erhob sich von seinem Platze , und ging durch das Gedränge der Männer gegen das Tor der Halle . Da traten der jüngere Mikul und Drslaw und der junge Milhost zu ihm , und Milhost sagte : » Witiko , du weißt es , wie ich mit Schnelligkeit in meinen Sachen vorschreite , du wirst uns gegen diesen Herzog , den du hassest , beistehen . « Witiko antwortete : » Ich bin nur ein einzelner Mann . « Da sagte Drslaw : » Viele einzelne Männer sind ein Heer . « » Du wirst zu den Festen kommen , die angekündigt sind « , sprach Milhost . » Ich weiß es nicht « , antwortete Witiko . » Er hat auch gesagt , er wisse es nicht , da ich ihn zu dem Feste Strichs geladen habe , und ist doch gekommen « , sagte Mikul . » Er wird kommen , er ist ein wackerer Mann und ein herrlicher Junge « , sagte Drslaw . » Er wird kommen « , riefen die andern zwei . » Jetzt muß ich mich verabschieden , da mich die Zeit drängt « , sagte Witiko . » Lebe wohl , wir sehen uns bald wieder « , rief Milhost . » Lebe wohl « , rief Mikul . » Lebet wohl « , sagte Witiko . Er schritt weiter . Er ging durch das Tor hinaus , er suchte den Stand , in welchem er sein Pferd angebunden hatte , band es los , untersuchte die Rüstung desselben , bestieg es , und ritt über die sumpfige Wiese in den Wald . Er ritt im Walde fort bis zu der Hütte , in welcher er beim Herreiten übernachtet hatte . Er blieb wieder in der Nacht in der Hütte , und ritt am Morgen fort . Er ritt durch dieselben Waldbestände und über dieselben Waldblößen , durch die er gekommen war , und gelangte am Abende den fahlen Wacholderberg vorüber nach Plan . Von diesem Tage an wohnte er wieder in dem steinernen Hause . Er ging nicht zu Znatas Feste nach Sturma , noch zu Domaslaws Feste nach Krut , noch am Laurentiustage zu Nacerats Feste nach Ruden , noch zu einem anderen Feste , das gefeiert wurde . Er sandte zuweilen Boten aus , und zuweilen kamen Boten zu ihm . Einige Male ritt er selber fort , und blieb mehrere Tage abwesend . Als der Lenzmonat nach dem Winter kam , und wieder mehrere Männer bei ihm an der Leuchte saßen , sagte er : » Liebe Männer , es kömmt eine ernsthafte Zeit . Ich habe genaue Kundschaft . So wie ich zu einem Feste nach Plaka geladen worden bin , so sind fortwährend Festlichkeiten der Herren gewesen , bald hier , bald dort , sie haben fröhlich gezecht und gejagt , haben einander Besuche abgestattet , Zusammenkünfte gehalten , sind öfter nach Mähren geritten , und nun sind alle Herren , welche in Böhmen große Landstriche besitzen , nach Mähren gegangen , haben dort ein zahlreiches Kriegsvolk aufgestellt , und werden gegen unser Land vordringen . Ich halte es für meine Pflicht , daß ich fortreite , um zu sehen , was es ist , und daß ich dort helfe , wo ich es für recht erkenne . Ich habe euch dieses gesagt , wenn etwa einer für das Rechte und Gute mithelfen will . « Es war im Jahre des Heiles 1142 gewesen , da Witiko so zu den Waldmännern an seiner Leuchte Besprochen hatte . Es antwortete Peter Laurenz der Schmied : » Das ist so , wie es bei unsern Voreltern gewesen ist , sie haben bei den Streiten mitgewirkt , daß das Land beschützt werde , und dem Herzoge kein Schaden geschieht , und haben sich und den Ihrigen durch die Kriegserwerbnisse aufgeholten . Ich meine , wir sollten schauen , was es gibt . « » Es kann nun nicht andere sein , wir müssen mitgehen « , sagte Tom Johannes der Fiedler . » Ja , wir müssen nach der Sache schauen « , sagte David der Zimmerer . » Die Feldarbeiten sind noch nicht vor der Tür , und wir können den Weibern auftragen , die Anordnungen zu machen « , sprach Stephan der Wagenbauer . » Wir sollten genauere Nachrichten einholen « , sagte Christ Severin der Wollweber . » Die werden wir auf dem Wege schon erfahren « , sagte Tom Johannes der Fiedler , » sonst versäumen wir die beste Zeit . « » Die Sache ist sehr gut « , sagte Maz Albrecht , » und so tun wir es . « » Ich glaube , daß wir in wenigen Tagen gerichtet sein können « , sagte Witiko , » und so sollten wir nichts aufschieben . « » Ja , ja , wer gehen will , ist bald fertig « , sagte Tom Johannes . » Ja , ja « , sagten mehrere . Und so verließen sie an diesem Abende Witikos Leuchte . Am fünften Tage darnach war Witiko gerüstet . Er und sein Pferd waren in den nötigen Stand gesetzt , die Reise zu erneuern , und er hatte Vorsorge getroffen , daß ihm von seiner Habe , was er brauchte , gefördert werde . An diesem Tage waren auch die Männer , die ziehen wollten , bereitet . Da war Christ Severin der Wollweber mit einem Ahornschafte dem Packe der Nahrungsmittel und einem Sacke für die Beute , Stephan der Wagenbauer mit Schwert und Spieß dem Packe der Nahrungsmittel und dem Sacke für die Beute , David der Zimmerer mit Schwert und Streitaxt dem Packe der Nahrungsmittel und dem Sacke für die Beute , eben so Paul Joachim mit einem Spieße , Jakob mit Spieß und Schwert , Tom Johannes der Fiedler mit einem Spieße und einem großen Sacke für die Beute , angleichen Maz Albrecht mit einem Ahornschafte , dann Peter Laurenz der Schmied , mit einer Eisenstange und einer eisernen Wurfkeule , dann Urban , Zacharias , Lambert , und Wolfgang mit Ahornschäften , Gregor Veit mit Schwert und Spieß , dann viele von den jungen Leuten , und Knechte , die entbehrt werden konnten . Sie hatten die groben grauen Wollkleider an , Stiefel mit den großen eisenbeschlagenen Sohlen an den Füßen , und dicke Filzhauben auf den Häuptern . Der Knecht Raimund hatte begehrt , mit Witiko zu gehen , und Witiko hatte eingewilligt . Weil Witiko erklärt hatte , daß er im Schritte reiten werde , sagten die Männer , man solle bei einander bleiben , und neben ihm gehen . Witiko hielt es für gut . Als sie versammelt waren , segnete sie der Priester mit den weißen Haaren , sprach zu ihnen , und machte das Zeichen des Kreuzes über sie . Die Weiber standen da , und weinten , und hielten noch Kinder zum Abschiede hin . Die Mädchen schauten verzagt und freudig auf die jungen Männer . Die Knaben hatten Stäbe und Stänglein als Lanzen in Nachahmung der Männer , und standen ganz vorne . Martin stand neben dem Pfarrer , und tröstete die weinende Lucia . Endlich zogen sie fort . Viele Weiber manche Mädchen und alle Knaben gingen hinter ihnen her , bis sie die strenge Weisung erhielten , zurückzukehren , und dann blieben sie erst noch stehen , bis die Männer im Walde waren . Da der Abend dieses Tages heran nahte , war der Zug durch den feuchten Schnee bis zu Rownos Turm gelangt . Dort sahen sie , daß Rowno sich und die Seinigen rüste . Es war eine große Bewegung in dem Turme und zwischen den Hütten . Als Rowno die Ankömmlinge erblickte , rief er : » Da ist Witiko von Plana , das ist recht , daß du dich rüstest . Witiko , wer hätte das gedacht ? Wir wissen nicht einmal genau , wer gegen den Herzog ist , und wer mit ihm . Wenn alle die Anhänger des verstorbenen Sobeslaw zu den Mährern gehen , der wilde Wsebor , und der alte Diwis , und der uralte Bolemil mit seiner großen Sippschaft und Untergebenheit , und der alte Lubomir , und der starke Bozebor , so kann ein schwerer Krieg werden , und der junge Wladislaw der Sohn Sobeslaws kann gegen den älteren Wladislaw , den wir erwählt haben , siegen . Wir wollen die Rechte der Wladyken schützen , daß sie nicht von den großen Lechen verletzt werden können , wir wollen für ihre Unabhängigkeit und Wohlfahrt streiten . Komme herein , und übernachte in meinem Hause . « Witiko ritt in den Turm , und die andern wurden in den Hütten aufgenommen , erwärmten sich , und erhielten Speise und Trank . Da der Morgen des nächsten Tages angebrochen , und Witiko in die große Stube gekommen war , standen viele Männer in derselben . Sie hatten das weite Kleid kurz geschürzt und gegürtet , hatten rauwollige Beinbekleidungen und grobe Stiefel , und auf den Häuptern dicke Filzhauben . Jeder hatte ein Schwert und eine Lanze , und viele trugen , wie es gelegentlich hervor schimmerte , Panzerhemden unter dem Überkleide . Rowno trug ein Panzerhemd und ein Schwert ; aber er war noch nicht völlig bekleidet , namentlich war sein Haupt unbedeckt . Es wurde Bier zum Frühtrunke gereicht , und an einige Männer , die noch in die Stube kamen , wurden Waffen verteilt . Ludmila die Gattin Rownos war mit ihrem Knäblein Mis und mit ihrem Töchterlein Durantia in die Stube getreten , um die Männer und Witiko zu begrüßen . Sie war blaß und stille . Rowno sagte zu Witiko : » Trink einen Frühtrunk , ehe du aufbrichst , und sage Ludmila einen Morgengruß . « Witiko tat einen Trunk aus einem Krüglein , in welchem Bier war , und schritt dann zu Ludmila , und sagte : » Seid gegrüßt , edle Frau , und es seien auch Eure Kindlein gegrüßet , wir werden einen Zug in das Feld bekommen . « » Der Beschluß der Männer wird geschehen « , sagte Ludmila , » und sie werden wahren , was ihnen gebührt . « » Ich werde im Felde sein « , sagte Rowno , » Bustin wird den Turm besetzt halten , der Turm wird gut versehen sein , es werden sich in ihm die nötigen Männer befinden , und die Knaben , die da sind , mögen in dem Walde Kundschaft treiben , und wenn etwas geschieht , das euch Gefahr droht , sendet schnell , und ich werde zurückkehren . « » Tue nach deinem Herzen , Rowno « , sagte Ludmila , » und Ihr Witiko seid gegrüßet , und habet Dank für den Gruß an die Kinder . « Da ging bei diesen Worten die Tür der Stube auf , und die Jungfrau mit den schwarzen Haaren den schwarzen Augen den roten Wangen und den kirschroten Lippen , die das dunkelblaue Kleid mit dem veilchenblauen Gürtel angehabt hatte , da Witiko einmal als