, die im Hafen von Tschesme ankerte , und daß Freiwillige aufgefordert worden , dem Tode in ' s Auge zu schauen . Obschon kaum ein Entrinnen bei dem Wagniß zu hoffen stand , hatten sich am andern Morgen doch bereits zweihundert Männer gemeldet ; das Loos wählte Achtundvierzig aus . Michael Caraiskakis und Janos der Ipsarote waren unter ihnen ; dem Ersten übertrug Canaris die Leitung der Expedition , ich begleitete ihn . Von dem Augenblick an , da das Unternehmen bestimmt war , durfte keine Seele mehr bei Todesstrafe die Insel verlassen . Während die Achtundvierzig durch Beichte und Gebet sich vorbereiteten und ihre Waffen in Stand setzten , arbeitete Tag und Nacht die Bevölkerung des Hafens an der Herstellung der Brander . Am dritten Tage waren sie fertig ; drei Schiffe , von der Spitze des Mastes bis zum Kiel mit Pech und Theer getränkt , leichtes Werg um Spieren und Taue gewunden , der ganze Schiffsraum eine wandelnde Hölle von Schwefel , Pulver und Feuerstoffen , die nur des belebenden Funkens harrte . Die österreichische Brigg war bei uns geblieben ; ihr wackerer Capitain , empört von den geschauten und vernommenen Gräueln , hatte uns seine Hilfe zugesagt und versprochen , die Mannschaft aufzunehmen , wenn sie sich retten könne . Zu dem Ende führte jeder Brander ein großes Boot mit sich . Es war am Abend , als Alles zum Auslaufen bereit war und der fromme Bischof der Insel mit seinen Diakonen am Gestade erschien , uns den heiligen Leib des Herrn zu reichen und seinen Segen zu spenden . Auf den Knieen lagen die Hunderte und hörten das Wort des frommen Greises , dann , ehe wir die Hostie nahmen , schworen wir Alle auf sie einen heiligen Eid , unsere gemordeten Brüder zu rächen oder nimmer zurückzukehren vor das Antlitz eines Menschen . Die Menge umdrängte uns , als wir zum Schiff gingen . An der Rechten Deines Vaters ging der Seeheld Canaris , ihm die letzten Anweisungen gebend , an seiner Linken Eure Mutter , Dich , Gregor , auf dem Arm , Andreas an der Hand . Es war ein Heldenweib , und keine Thräne , kein Laut der Klage machte das Herz des Gatten schwer . Noch eine Umarmung , Canaris reichte Jedem die Hand , und die Boote führten uns zu den Schiffen , deren Segel bald lustig der Wind blähte . Durch die Nacht , durch die Wogen rauschte das Verderben gen Tschesme . Uns voran ging die Venetia , wir selbst führten die österreichische Flagge und Papiere , die uns als mit Taback beladen auswiesen , so gingen wir vor Thimania vor Anker , während die Brigg näher nach Tschesme zu kreuzte , wo das türkische Geschwader an derselben Stelle ankerte , an der , wie Dein Vater mir sagte , unter der Moskowiten - Kaiserin Katharina der griechische Capitain Lampros die ganze Flotte der Moslems verbrannt hatte . Zwei Tage lagen wir vor Thimania , der dritte war der 19. Juni , der Vorabend des Bairamsfestes , das die Türken mit Gelag und Jubel zu feiern pflegen . So war es auch diesmal . Als der Abend auf See und Land fank , kappten wir die Anker und liefen auf Tschesme zu . Schon in weiter Ferne konnten wir den Jubel hören , der von den Schiffen durch die Nacht drang , die Feuer schauen , die am Ufer brannten . Das Schiff , auf dem Dein Vater selbst das Steuer führte , war mit zwanzig Mann besetzt , die übrige Mannschaft auf die beiden andern vertheilt . Die strengsten Befehle waren gegeben . Jeder stand auf seinem Posten . Am Eingang des Hafens wurden die Segel eingezogen , so lagen wir , wie der Tiger auf seine Beute lauert , bis nach und nach auf den türkischen Schiffen Alles verstummt war . Es war zwei Uhr nach Mitternacht , als eine Rakete von unserm Schiff das Zeichen zum Angriff gab . In wenig Minuten flatterten alle Segel im Winde und die drei Schiffe fuhren grade auf die Flotte hinein . Zugleich wurde das am weitesten links in Brand gesteckt und die feurige Lohe , an dem Tauwerk emporleckend , flammte hoch auf gegen den Nachthimmel . Es war ein furchtbar schönes Schauspiel , als wir das brenende , flammende Schiff auf die dunklen Massen vor uns einstürmen sahen . Während ringsum sich der Lärm der Gefahr erhob , Trommeln wirbelten , der Ruf der Führer die trunkene wüste Mannschaft weckte und wildes Geschrei von Bord zu Bord scholl , fuhr das Boot an uns vorüber , das die Mannschaft des entzündeten Branders trug . Sie hatten meiner Meinung nach zu früh gezündet , ehe sie mitten zwischen den Schiffen waren , sonst hätte das Verderben noch riesiger sein müssen . Jetzt gab Caraiskakis das Signal für das zweite Schiff , und in wenig Augenblicken flammte seine Feuersbrunst empor und der Brander trieb mitten zwischen zwei Linienschiffen , die in kurzer Zeit von seinen Flammen erfaßt waren . Das Geheul , das Geschrei war furchtbar und überdröhnte den Donner der von allen Seiten gelösten Schüsse . Die Schiffe hieben die Ankertaue durch und suchten das Meer zu gewinnen , eines das andere mit vollen Lagen begrüßend , wenn man sich gefährdend zu nahe kam . Vier Linienschiffe standen in vollen Flammen , eben so mehrere kleine Fahrzeuge . Eine der brennenden türkischen Galeeren wurde von der Siegesfahne mit einer einzigen Salve in den Grund gebohrt , als das brennende Fahrzeug dem Admiralschiff zu nahe kam . Das aber war die Beute , die wir uns ausgesucht . Wie der Dieb in der Nacht waren wir im Dunkel herangekommen , dicht an der linken Batterie des Schiffes , ehe man uns bemerkte und anrief . Caraiskakis stand am Steuer , ich seines Winkes gewärtig mit der brennenden Lunte an der Hauptluke , die Mannschaft mit Haken und Seilen im Tauwerk . So fuhren wir auf , und im Nu waren die Enterhaken in dem Strickwerk des Feindes , die Taue geknüpft und eine Kette geworfen und am Bugspriet befestigt , daß wir unauflöslich an dem großen Koloß hingen . Zugleich flammte der Haufen Maisstroh empor , den ich in den Luken und unter den Wänden des Schiffes aufgethürmt hatte . Wie ein Blitzstrahl leckte die Flamme empor und lief an den Tauen und Segeln in die Höhe , daß bald Alles ein Feuerbogen war . Die Verwirrung , das Geschrei auf dem Schiff des Kapudana waren furchtbar . Er selbst war ein tapferer Mann , wenn auch ein Teufel in seiner Grausamkeit . Ich sah ihn auf der Puppe seines Schiffes stehen , wie er unerschrocken Befehle ertheilte und die Rasenden , in Furcht Verzweifelnden antrieb , die beiden Schiffe zu lösen . Caraiskakis und die Mannschaft waren bereits im Boot und riefen mir zu durch den Höllenlärm ihnen zu folgen , aber ich vermochte es nicht , mein Auge , mein Herz schien gebannt an das furchtbare Schauspiel , das sich rings um mich entwickelte . Zwei Mal hob ich das Pistol und zwei Mal traf meine Kugel die Offiziere , die sich an unsern Bord gewagt , um einen Versuch zum Absteuern der Schiffe zu machen . Dann sprang ich zur hintern Luke , von der ein Zünder gelegt war bis hinunter zur Pulverkammer . Ich schien mir selbst mehr einer der höllischen Dämonen , denn ein Mensch . Auf dem Schiff der Moslems wuchs die Verzweiflung mit jeder Minute , Viele sprangen in das Meer , um sich zu retten , Andere , darunter der Kapudan selbst mit eigener Hand suchten die Boote auf ' s Wasser zu bringen ; jede Disciplin , jeder Gehorsam waren geschwunden , - was da auf dem Schiff athmete , und es sollen ihrer , mit den Fremden zum Fest , zweitausend zweihundert und sechs und achtzig Seelen gewesen sein , dachte nur an die eigene Rettung . Da schien der Augenblick gekommen und meine Hand hielt ohne zu zucken , den Feuerbrand an die Leitung , die zum Pulver führte , dann sprang ich auf der andern Seite des Schiffes über Bord und versank in ' s Meer . Noch ehe ich wieder empor kam , hörte ich ein dumpfes Dröhnen über meinem Haupte , und als ich auftauchte aus den Wellen , da stob und regnete es um mich her aus den Lüften , Flammen und Balken , Trümmer , brennende Segelstücke und zerbrochene Spieren . Wie durch ein Wunder entkam ich der Gefahr , und um mich blickend , sah ich das Admiralschiff , jetzt ein großer unrettbarer Flammenberg . Ich wußte die Richtung unseres Bootes und schwamm darauf zu , aber es kümmerte mich wirklich wenig , ob ich es erreichte oder nicht , so stolz war ich in dem Gefühl der vollbrachten Rache . Doch die Hand der Heiligen war über mir - bald stieß ich auf die Freunde , die mit Angst meiner harrten und schon , mich verloren gebend , davon fahren wollten ; nur Caraiskakis , mein Herr , war dem Drängen nicht gewichen . Erschöpft warf ich mich auf den Boden nieder und sah nach dem in immer furchtbarerer Herrlichkeit sich entfaltenden Schauspiel zurück , während wir eilig entflohen . Unnütze Eil ' - Niemand dachte an unsere Verfolgung , Jeder hatte mit sich selbst genug zu thun . Nach allen Seiten stoben die Schiffe auseinander , wie den Pestkranken die fünf Flammensäulen fürchtend , welche die Nacht zum Tage erhellten . Auf zwei Linienschiffen- gelang es zwar , den Brand zu löschen , zwei andere aber brannten bis zum Spiegel nieder , nachdem man die Pulverkammer unter Wasser gesetzt . Rechts und links , nach allen Seiten donnerten die Kanonen der brennenden Schiffe , die sich von selbst entluden , und bildeten nicht die geringste Gefahr für die Flotte . Wir waren bereits am Ausgange des Hafens und näherten uns der Brigg , die uns erwartete , als ein Krachen die Luft zerriß , ärger denn zehn Donner . Das Meer schien sich in Flammenwogen gen Himmel zu wälzen - das Admiralschiff des Kapudana mit all ' seinen geraubten Schätzen , mit den Hunderten blutgetränkter Mörder war in die Luft geflogen ! Das Zischen der Brände , der durch die Luft fliegenden Gegenstände , der Erzmassen , die bis weit in ' s Meer hinaus niederfielen , und die tiefe unheimliche Stille der Nacht , die urplötzlich darauf folgte - war grauenvoll . Wir Alle ließen die Ruder fallen , schlugen ein Kreuz und beteten , dann aber brach einstimmig ein wilder rasender Schrei durch die Luft , aus der tiefsten Tiefe der Brust und jubelnd wurde er von den Genossen beantwortet , die bereits am Bord der Venetia unserer harrten . Der Kapudan schien das Schiff erst kurz vor dem Auffliegen verlassen zu haben , als es unrettbar sich zeigte . Ein brennender Balken hatte das Boot getroffen und zertrümmert , das ihn zum Ufer führte ; seine Leute brachten ihn schwimmend dahin und legten ihn unter einem Felsen nieder - eine lebendige Leiche , denn seine Glieder waren halb verkohlt ! Dort starb er , ohne von der Stelle gebracht werden zu können , am zweiten Tage unter den furchtbarsten Schmerzen . Von der ganzen Besatzung der Siegesfahne retteten kaum Zweihundert das Leben . Gott ist gerecht ! « Eine tiefe Stille war rings umher , als der Kameeltreiber seine furchtbare Erzählung schloß . Der Räuber , der Bandit war vergessen - nur der Held , der Palikare stand vor ihnen , dessen Hand Chios gerächt . Das eben ist das Eigenthümliche des griechischen Volkes , die erhabene Opferung , das antike Heldenthum für die Freiheit , bei der tiefen sittlichen Versunkenheit seiner Lebensgewohnheiten und seines Thuns und Treibens ! feurige glühende Diamantenstrahlen unter dem verächtlichen Schmutz der Falschheit , des Lasters und der Gemeinheit . Welland erhob sich und drückte schweigend dem Freund und dem Räuber die Hand - dann schied er , von Mauro und einem der Männer zurückbegleitet . Wie anders trat ihm hier die Idee der Revolution , der Erhebung des Volks zum Kampf für die Freiheit entgegen , als dies früher im Vaterlande der Fall gewesen ! - Ein unheimlich beschämendes Gefühl überkam ihn bei der Erinnerung . Doctor Welland hatte mehrfache Gründe , die Entwickelung der Costa - Angelegenheit abzuwarten und wollte unter allen Umständen seinen Weg nach Constantinopel nicht fortsetzen , ohne nochmals den Versuch gemacht zu haben , denselben zu sprechen . Da Gregor bei dem , was er beschlossen , der Hilfe des Freundes bedurfte , verschob er gleichfalls die Verfolgung des Briten bis zur gemeinschaftlichen Abreise , die nach dem Rache des mit allen smyrnaer Verhältnissen so wohl vertrauten Räubers mit einem der vielfach kreuzenden griechischen Handelsschiffe geschehen sollte . Die Vorgänge in Smyrna hatten unterdeß ihren weiteren historisch merkwürdigen Verlauf genommen . Die mehrfachen Klagen der Consuls und Gesandten bei dem Divan über die Unthätigkeit und Unfähigkeit des gegenwärtigen Gouverneurs von Smyrna , Ali Pascha , hatten in Constantinopel endlich Früchte getragen , und die Nachricht seiner Absetzung traf in Smyrna ein , vorangehend seinem Nachfolger Ismael Pascha , der den Ruf eines energischen , zuverlässigen und wortgetreuen Mannes genoß . Das Ende des laufenden Gouvernements sollte aber noch durch verschiedene Akte der gränzenlosen Schwäche und Apathie bezeichnet werben , welche , verbunden mit Tyrannei und Willkür , die Regierung der türkischen Provinzen charakterisiert . Die Namen der Mörder des jungen Hackelberg waren bereits am anderen Morgen in ganz Smyrna bekannt ; mehrere Tage gingen sie frei und triumphirend mit ihren Genossen durch die Straßen , und als endlich der General-Consul von Weckbecker so weit sich vor den persönlichen Gefahren gesichert hatte , um die Pflichten seines Amtes erfüllen zu können und von Ali Pascha die Verhaftung der Mörder verlangte , war Fumagalli verschwunden , von Bassitsch aber verlautete , daß er in Diensten des englischen Predigers Louis sich befinde . Der erste Dragoman des Pascha begab sich daher zur Verhaftung des Ungars zum englischen Consul , der ihm auch den freien Zutritt in das Haus des Predigers Louis gestattete . Dieser erklärte jedoch nach vielfach versuchten Ausreden , daß sein Diener allerdings noch bei ihm sei , aber vorgebe , unter amerikanischem Schutze zu stehen , er könne ihn also nur dem amerikanischen Consul ausliefern . Anstatt sich nun unter allen Umständen des Meuchelmörders zu versichern , begab sich der Dragoman zum amerikanischen Consul , der unbedingt Bassitsch für einen amerikanischen Bürger erklärte , endlich aber nach vielem Hin- und Herreden seinen Kanzler Griffith zur vorläufigen Verhaftung des Mannes mit zum Prediger Louis sandte . Dort erhielten sie die Mitteilung , Bassitsch kleide sich eben um ; als man aber dessen Zimmer öffnete , war es leer . Herr Louis behauptete , das Verschwinden sei ihm unerklärlich und höchst wunderbar , der Kanzler Griffith stimmte hierin ein , und der türkische Dragoman zog sich im stolzen Bewußtsein seiner Pflichterfüllung zurück . Auf gleiche Weise entgingen alle Betheiligten der Strafe . Fumagalli und Bassitsch suchten auf der amerikanischen Corvette Aufnahme und Ueberfahrt nach , Capitain Ingraham ließ ihnen jedoch sagen , sein Schiff sei nicht für Meuchelmörder eingerichtet . Es war ein englisches Handelsschiff , die » British Queen , « das sich zu ihrer Aufnahme bereit erklärte und sie vorläufig nach England führte . Die österreichische Brigg » Hussar « war unterdeß durch die Ankunft einer Galeotte verstärkt worden , die sofort Befehl erhielt , sich neben die Brigg zu legen . Die drei Schiffe ankerten gegenüber dem preußischen und österreichischen Consulat in der Entfernung von ungefähr 800-1000 Schritt vom Lande . Am Morgen des 2. Juli - es war ein Sonnabend - bemerkte man plötzlich besondere Vorbereitungen auf den Schiffen und vom amerikanischen Consulat aus verbreitete sich die Nachricht , daß es zwischen ihnen zum Kampf kommen werde . Eine große Menschenmenge versammelte sich sofort am Ufer und hundert Gerüchte kreuzten sich . Von dem Kanzler Griffith erfuhr endlich Welland Folgendes . In Folge einer am Abend von Constantinopel zugleich mit der offiziellen Bestätigung der Absetzung Ali Pascha ' s eingetroffenen Ordre der amerikanischen Gesandtschaft hatte Capitain Ingraham dem Commandanten des Hussar mittelst einer Note angezeigt , daß er die sofortige Auslieferung des amerikanischen Bürgers Costa verlangen oder ihn mit Gewalt holen solle . Die Antwort des Majors Schwarz war die eines ächten Soldaten : Sein amerikanischer Kamerad möge das Holen versuchen , das Nichtabgeben sei seine Sache , es sei denn , daß ihm hierüber Ordres seiner Vorgesetzten zugingen . In Folge dieser Antwort sah man alsbald die Schiffe sich zum Kampf fertig machen . Die Corvette zählte ein Drittheil Kanonen und Mannschaft mehr , als die beiden österreichischen Schiffe , die Uebermacht war also auf ihrer Seite und Major Schwarz traf demgemäß seine Anstalten . Er legte sich möglichst nahe dem Feind und setzte seine Mannschaft in Bereitschaft , sofort bei dem ersten Kanonenschuß zu entern . Zugleich ließ er den Gefangenen aus seiner Haft holen und erklärte ihm mit männlichem Bedauern , daß er genöthigt sei , sein Schicksal an das des Schiffes zu knüpfen . Costa wurde auf dem Mitteldeck an den Mast gebunden und eine doppelte Wache an seine Seite gestellt , die den strengen Befehl erhielt , sobald ein Amerikaner den Bord des österreichischen Schiffes betreten werde , dem Ungar eine Kugel durch den Kopf zu schießen . Die Amerikaner , welche einsahen , daß es einen Kampf auf Leben und Tod gälte , da Major Schwarz zugleich erklärt hatte , daß er im Fall des Unterliegens sein Schiff in die Luft sprengen werde , fertigten ihre Testamente aus und sandten sie durch ein Boot an das Land . Hier wurden unterdeß die Verhandlungen eifrig betrieben . Der amerikanische Consul hatte dem General - Consul von Weckbecker ein Ultimatum überbracht , welches die Entscheidung auf vier Uhr Nachmittags aussetzte . Diese Frist benutzte der preußische Consul , um zu dem türkischen Gouverneur zu eilen und hier einen energischen Protest gegen die in einem neutralen Hafen unerhörte und gegen alles Völkerrecht verstoßende Handlung der Amerikaner einzulegen , welche die nahe belegenen Theile der Stadt und die Consulate mit bedeutender Gefahr bedrohte . Ali Pascha that , als höre er jetzt erst von dem ganzen Vorgang , und schlug vor , bei dem amerikanischen Consul zu protestiren und ihn für alle Folgen verantwortlich zu machen . Erst als ihm entschieden erklärt wurde , daß es seine Pflicht sei , in dem eigenen Hafen dergleichen nicht zu dulden und bewaffnet zu interveniren , erklärte er sich bereit , denjenigen Theil zu schützen , welcher sich unter die Kanonen des Kastells legen würde . Mehrere der Consule traten jetzt zusammen und Herr von Weckbecker willigte darein , um unnützem Blutvergießen und der Gefahr für die Stadt vorzubeugen , daß bis zur Erledigung des Competenzconflicts durch die beiderseitigen Regierungen Costa dem französischen General-Consulat übergeben werde , das sich zu seiner Detention innerhalb des französischen Lazareths bereit erklärte . Um drei Uhr Nachmittags wurde die Convention unterzeichnet , um vier Uhr ward Costa ausgeschifft und nach dem französischen , von hohen Mauern umgebenen Lazareth gebracht . Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich am Ufer und in den Straßen versammelt und begrüßte sein Erscheinen mit lautem Jubel , die Flüchtlinge schienen halb wahnwitzig in ihren Exclamationen und Freudenbezeugungen . Am selben Abend fand man in einer Straße die Leiche des Schankwirths Andrea , von vielen Dolchstichen durchbohrt . Nach zwei Tagen war die Haft Costa ' s bereits eine sehr milde und es gelang Welland , durch Vermittelung des amerikanischen Consuls eine längere Unterredung mit dem Ungar zu haben , in Folge deren er den Freunden auf dem Pagus mittheilte , daß er zur Abreise bereit sei . Am 6. Juli führte sie eine griechische Barkasse nach Tenedos und Dardanelli . Fußnoten 1 Lange Rohrpfeife von Weichsel- oder Jasminholz . Nargileh ist die biegsame Wasserpfeife . 2 Hauptmann der Polizeisoldaten , Khawassen . 3 Die heiligen Stätten sind Kirchen ( 9 an der Zahl ) , welche an den Orten , wo die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben Christi vorgefallen , erbaut wurden . Der Streit über den Besitz derselben zwischen der römischen und griechischen Kirche , die von Frankreich und Rußland vertreten werden , ist sehr alt . Die von Frankreich beanspruchen Anrechte datiren von einer im 16. Jahrhundert zwischen Franz I. und Soliman dem Großen abgeschlossenen Capitulation , von dem Hattischeriff von 1690 und der Capitulation von 1740 ; die der griechischen Kirche gründen sich auf andere Dokumente . 4 Die Schlußerklärung seiner Note , die wegen der darauf basirten späteren Kriegsereignisse wichtig ist , lautet : » Daß die Verweigerung einer Bürgschaft für die griechisch-russische Kirche der kaiserlichen Regierung in Zukunft die Pflicht auferlege , sie in ihrer eigenen Macht zu suchen , und daß der Kaiser jede Verletzung des Status quo der griechischen Kirche als eine Verletzung des Geistes und des Buchstabens der bestehenden Verträge und als eine feindselige Handlung gegen Rußland betrachten werde , welche Sr. Majestät die Pflicht auferlege , zu Mitteln zu greifen , die er in seiner beständigen Sorge für die Stabilität des türkischen Reiches und in seiner aufrichtigen Freundschaft für Se . Majestät den Sultan und dessen erhabenen Vater stets gewünscht habe , vermeiden zu können . « 5 Möge der Leser nicht etwa in der Wahl der nachfolgenden Erzählung eine Parteilichkeit , eine Absicht und Tendenz erblicken . Der weitere Verlauf des Buches wird ihm zeigen , wie weit der Verfasser von jeder einseitigen Auffassung und Parteinahme entfernt ist und wie er seine Aufgabe darin gefunden hat , nach beiden Seiten einen tiefen Blick auf die Höhen und Tiefen zu gewähren . Er hat die hohe Pflicht , Wahrheit zu geben , Thatsachen , welche die Erscheinungen der Gegenwart erläutern , und die Erzählung , die hier vorliegt , ist eine solche Thatsache , ein Stück Historie , das die gegenseitige Stellung der beiden Völker genügend charakterisiren und erläutern kann . Wer zweifelt an den Details , der lese die englischen und französischen Zeitungsberichte vom Frühjahr 1822 , und er wird die Wahrheit bestätigt finden . - Auf der eben beendeten großen Kunstaustellung in Paris hat ein mit der goldenen Medaille gekröntes großes Bild von Delacroix die Schrecken dieser Scenen , » Die Massacre von Chios , « mit entsetzender Schilderung in das Gedächtniß des Publikums zurückgerufen . D.V. 6 Das Harz der Mastixbäume , das , mit Zucker versetzt , die beliebteste und in großen Quantitäten consumirte Näscherei der türkischen Frauen bildet . Auf Chios werden überhaupt die feinsten und beliebtesten Confitüren des Orients gefertigt und in den Handel gebracht , z.B. eingemachte Rosenblätter , Geranium , Weichseln , Limonen , Cedern , Quitten etc. 7 Silber , ungefähr 60,000 Thlr . Ein Beutel Gold gegenwärtig 10,000 Thlr . 8 Elpis , die Hoffnung , eine Abtheilung der großen Verbrüderung der Hetärie , welche sich über alle griechisch - slavischen Völkerschaften erstreckte und hauptsächlich die Erhebung von 1821 vorbereitete . 9 Der neugriechische Name für das Aegeische Meer . 10 Er meint die Donau . Fürst Alexander Ypsilanti , der in der russischen Armee als General - Major diente , überschritt auf den Ruf seiner Landsleute mit einigen hundert Mann am 6. März 1821 den Pruth und erhob die Fahne des Aufstandes in der Moldau und Walachei . 11 Im Treffen bei Dragachan ( 19. Juni ) . 12 Es ist Thatsache , daß der Divan damals damit umging , die ganze griechische Nationalität zu vernichten . Das energische Auftreten des russischen Gesandten Grafen Stroganoff , der am 31. Juli die diplomatischen Verbindungen aufhob und mit der Drohung eines Krieges nach Odessa abreiste , unterbrach allein dies Vertilgungssystem , das bereits die furchtbarsten Grausamkeiten hervorgerufen hatte . Erst Mitte des Jahres erlangten die europäischen Gesandten , namentlich Lord Strangford , daß dem Morden Einhalt gethan und die Muselmänner entwaffnet wurden . 13 Das Oberhaupt der orientalischen Kirche wurde am Osterfeiertage in seinem Festgewande vor der Hauptpforte seiner Kirche aufgeknüpft . 14 In den ersten Tagen des April . 15 Ali Pascha von Janina , der später von dem Pascha von Morea , Churschid Achmed , durch Verrath besiegt und erwürgt wurde . 16 Ortsvorstände . 17 Er wurde im Juni von der neugebildeten Regierung in Morea deswegen verbannt . 18 1822 . 19 Historisch , wie überhaupt alle hier folgenden Angaben . 20 Auch Chios streitet um den Ruhm , die Geburtsstätte Homer ' s zu sein . Außerdem waren der tragische Dichter Jon , der zur Zeit des macedonischen Philipp lebende Geschichtsschreiber Theopompus , der Sophist Theokrit und der Arzt Metrodorus Eingeborene von Chios . 21 Eine historische Scene unter den tausend ähnlichen jener furchtbaren Metzelei . 22 Eine - historisch - vielfach vorgekommene Marter ! 23 Ein auf dem asiatischen Ufer liegender nur durch eine Meerenge von Chios getrennter Hafen . 24 Der Smyrna ' er Spectateur oriental vom 24. Mai meldet , daß bis zum 20. Mai schon dreißigtausend Weiber und Kinder als Sclaven zollamtlich ausgeführt waren . - Es ist Thatsache , daß von einer wohlhabenden Bevölkerung von 120000 Seelen etwa neunhundert auf Chios zurückblieben . Die Flotten . Troja ! - welche Erinnerungen , welche Jahrtausend alte Historie knüpfen sich an diesen Namen ! Wo ist der gebildete Mensch Europa ' s , aus dessen Jugendstudien nicht jene sagenumgürtete Welt herüberklingt , der götterbevölkerte Olymp , die Peloponiden , Agamemnon , des Atreus Sohn , der lanzenschwingende zornige Held ; - Aias der Telamonier ; Nestor , das dritte Geschlecht der Menschen mit seiner Weisheit beherrschend ; - Diomedes , den Kampf mit den Göttern nicht scheuend ; - Odysseus mit seinen wunderbaren Fahrten , und endlich der schnellfüßige Achill , unwiderstehlich in der Schlacht und furchtlos im Rath , unbändig in seinem Zorn , mit dem er Patroklos , den geliebten Jüngling , rettet , und zärtlich in der Liebe zur schönen Sclavin Briseïs und der göttlichen Mutter , der Nereide . Und dort am meerumgürteten Strande das hohe Ilion selbst , - der mächtige Gipfel des Ida , auf dem Paris die schöne Griechin gewann und Aeneas das Geschlecht der Dardaner beherrschte . Priamos , Hekuba , Kassandra die Unheilverkündende und der Liebling Apollo ' s , der männerwürgende furchtbare Hektor , wie er in banger Ahnung von Andromache scheidet zum Kampf mit dem Peliden ! Sind das nicht Namen und Erinnerungen , die jede Phantasie bewegen ? Doch nicht allein die Erinnerungen des gebildeten Europäers sind es , die diese jetzt öde Stätte bevölkern : dem ganzen Volke der Hellenen sind die Gesänge seines großen Dichters wohl bekannt , und der niedere Grieche der Inseln , der Matrose , der auf der Tartane das Meer durchstreift , naht mit Ehrfurcht jener Stelle und fühlt sich in seinem Elend stolz auf die Namen der großen Vorfahren . Die Bucht von Troja - in der Zeitgeschichte bekannt unter dem Namen der Besika-Bai - liegt1 nordöstlich gegenüber der Insel Tenedos , sich in weitem Bogen in das kleinasiatische Ufer hineinziehend . Ein Hafen auf der Westseite der hohen und felsigen Insel wird als derjenige bezeichnet , in dem sich die griechischen Schiffe nach ihrem Abzug verbargen , um nach des Odysseus gelungener List im Dunkel der Nacht zurückzukehren . Die Meerenge zwischen Tenedos und dem asiatischen Ufer ist an den schmälsten Stellen etwa eine halbe deutsche Meile breit . Die Nordostseite der Bai wird von einem breiten Landvorsprung gebildet , dessen nördliches Ufer den Eingang der Dardanellen beherrscht . Von der hier gelegenen kleinen , mit starken Festungswerken versehenen Stadt Dardanelli erreicht das Auge noch die Bai . Alexandria Troas , von den Türken Eski Stambul genannt , liegt südlich an der großen Bucht und bietet noch , zum Theil mit einem Eichwald bedeckt , eine interessante und reiche Trümmerwelt . Hunderte von Säulen sind in allen Richtungen zerstreut um den alten Hafen , eine Reihe davon steht unter Wasser und schäumend bricht sich die Brandung an ihnen . Ungefähr zweitausend Schritt vom Meere ab erheben sich noch die großartigen Trümmer und schönen Bogen eines Gebäudes , das die Schiffer den Palast des Priamus zu nennen pflegen . Das alte Troja ist nordöstlich von der Bucht landeinwärts gelegen , im Thal des Skamander ( Mendere ) . Nur wenige Erdwälle und künstliche Hügel geben dem Alterthumsforscher hier einen Halt . Das Ufer ist am Meeresstrande flach und sanft aufsteigend . Dann folgen waldige Anhöhen , die zu einem Amphitheater von Bergen emporsteigend , unter denen der schneebedeckte Gipfel des Ida , das Thal des alten Skamander umkreisen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wiederum lag , von Westen gekommen , eine Kriegsflotte auf den blauen Wellen der Trojabai , - nicht jene zwölfhundert Schiffe , die einst von den ionischen und ägeischen Küsten die griechischen Helden hierhergeführt , sondern die riesigen hölzernen Rosse Alt-Englands , der Stolz des stolzen Großbritanniens , die kühn emporstrebende Seemacht Frankreichs , die alte Rivalin zu überflügeln drohend . Kinder eines andern Jahrtausends , einer neuen Zeit im Schaffen und Denken ! Die riesigen Kolosse mit den drei- und vierfach übereinander starrenden Reihen von Feuerschlünden , bewegt durch die dämonische Kraft des Dampfes oder der wallenden Segel , boten sicher einen andern Anblick als die griechischen Schiffe vor fast dreitausend Jahren , doch Land und Meer und Himmel und Felsen waren noch dieselben wie damals , als sie die Achaïer getragen und des Protesilaos Blut zuerst den Sand des trojanischen Ufers färbte . Am 23. Juni erschien die englische Flotte auf die Ordre des britischen Gesandten in Constantinopel , Lord Stratford de Redcliffe , unter Vice-Admiral Dundas am Eingang der Dardanellen und warf in der Besika-Bai Anker . Sie bestand aus zwei Dreideckern , vier Zweideckern , einer Segelfregatte und vier