? « » Sind auch abgelehnt . « » Aber die Punkte wegen des Rezeßgeldes unserer altmärkischen Städte , « fragte Wigand Alvensleden , » und die Auseinandersetzung mit der Hanse ? « » Abgelehnt . « » Na die werden spuken und fluchen in Stendal und Salzwedel ! « » Ach aber in so väterlichem Tone ! « » In Summa also Alles abgelehnt , « rief der von Schlabrendorf . » Wozu waren wir denn beisammen ? « » Na , was denn noch ! « sprach ein Bardeleben , als der von Lindenberg dazu abwehrend ein erschrocken Gesicht gemacht . » Die Hundebrücke erklärt Kurfürstliche Gnaden sich bereit , aus höchsteigener Kasse neu aufzimmern zu lassen . « » Die Hundebrücke ! « wiederholten viele Stimmen auf einmal . » Ueber die der Prozeß neun und dreißig Jahr schwebt zwischen Kämmereikasse und Ritterschaft von Teltow . Versteht wohl , Ihr Herren , diesmal , ohne Präcedenz für künftige Fälle , will Kurfürstliche Gnaden die neue Bohlenlage und den Strauchzaun auf eigene Kosten fertigen lassen ; aber aus freien Stücken , nicht in Erwägung Eurer Gründe . Die Ritterschaft in Teltow kann dies als ein besonder Zeichen fürstlicher Huld und Gnade betrachten . « » Auch gut ! « sprach Fritz Kröcher und strich sich den rothen Bart. » Werden Kurfürstliche Hunde nicht mehr Gefahr laufen , zu ersaufen . « Ein ehrwürdiger Greis , der auf einen Stock sich stützte , schien etwas von dem Gespräch gehört zu haben und wandte unwillig den Kopf . Mehrere jüngere umstanden ihn , in ehrfürchtiger Anhänglichkeit , wie Stammgenossen ihr Altershaupt . Es war der Senior der Bredow . Die Familie stand hier fast allein . Einige waren der Meinung , die Bredow hätten sich gar nicht zeigen sollen . Der Herr von Lindenberg aber trat auf den alten Bodo zu und machte eine Bewegung , als wolle er die Hand zum Druck ergreifen ; doch als verstände er es nicht , hielt der Greis seine Hände fest auf den Stockknopf . » Die Sache wird sich ohne merklichen Schaden für uns alle ausgleichen , « sprach Lindenberg . » Wie ich eben höre , hat Euer guter Vetter von Ziatz schon eingeräumt , und was ist denn nun eigentlich so gefährliches in der Sache ? Er hat sich sein Recht verschafft , nur ein wenig zu rasch . « » Und ward in Ketten eingebracht , « knirschte der Senior . » Seine Durchlaucht , « sagte der Geheimrath leise , » wird zuerst auffahren . Da können wir uns gefaßt machen auf sehr schöne Reden . Er wird uns den Justinian auseinandersetzen , die Gränzen der erlaubten und unerlaubten Selbsthülfe . Er wird die Sache drehen und wenden , die Juristen des Alterthums citiren , uns deutlich machen , was davon auf ein christlich Reich paßt und was nicht , und wenn er sich gesonnt hat in unserer Verwunderung über seine Gelehrsamkeit , übergiebt er die Sache dem Geheimrathe zur Begutachtung . Dann wird unser Herr von Schlieben das Ganze erwägen und überdenken und mit höherer Weisheit in ' s rechte Schick bringen , das heißt , er wird mit andern und vielen Worten das für Recht erklären , was der Kurfürst will . « Der alte Bodo stieß mit seinem Stock auf die Diele : » Daß Gott erbarm , Herr ! Ich wünschte - der Kurfürst hätte nicht so kluge Räthe , « setzte er in den Bart murmelnd hinzu . » Der Kurfürst ! « es rauschte durch die Versammlung , die Federhüte und Barette flogen von den Köpfen . Joachim schritt durch die Reihen , die sich theilten , nach dem Thronsessel . Er musterte eine Weile die Anwesenden . Sein Gesicht war blaß , sein Auge so ernst und forschend , als man es lange nicht gesehen . Er sprach dann in wohlgesetzter Rede über Vieles , aber nicht mit dem jugendlichen Feuer , das man an ihm gewohnt war . Er sprach , wie von der schmerzlichen Ueberzeugung durchdrungen , daß was vor seiner Seele leuchtend stand , den Andern fremde , ferne , gleichgiltige Dunstbilder seien , daß seine tönenden Worte nur dumpfe Klänge für die Mehrzahl blieben ; er sprach für sich , nicht für die Andern , wie vor einer unsichtbaren Macht , welche von ihm Rechenschaft forderte . Er sprach von der Universität , die er zu Frankfurt gründen wolle , daß nun endlich alle Hindernisse gehobelt seien , die diesem hochwichtigen Werke im Wege gestanden . Sie solle das Siegel werden , so hoffe er zu Gott , gedrückt auf die Mission seines Hauses : die Mark Brandenburg , dieses alte , durch theures Blut dem deutschen Gesammtvaterlande erworbene , dieses ehemals blühende , reiche , herrliche Land , wieder zu erheben aus der Verwilderung und Zerrüttung zu einem gesunden kräftigen Gliede des deutschen Reiches . Nicht durch Fehde und Krieg , nicht durch wilden Trotz und gesetzlose Freiheit , nicht durch Festhalten an der alten Unsitte werde der Märker aus der Barbarei sich erheben , sondern durch friedfertige Unterwerfung unter das Gesetz und durch liebevolle Aufnahme der Männer , welche er berufen , durch Lehre und Wort , durch Beispiel und edle Sitte die alte Unwissenheit und böse Art zu bändigen und den Geist zu lösen , daß er auf edleren Bahnen vorschreite . Er nannte die Männer , die er gewonnen , deren Ruf durch ganz Germanien strahle . Er hoffe , daß ihr Licht von den Wellen der Oder über Spree , Havel und Elbe nur heller in das Reich zurückstrahlen werde . Vor allem sei er bedacht gewesen , Männer zu finden , in denen der Geist der heiligen Kirche lebendig , und die durch tiefe Gelahrtheit das Licht des allein selig machenden Glaubens nur heller leuchten machten in dieser Finsterniß . Denn dieses Licht sei vor allem nöthig , und der Geist , der durch die umnachtete Wildniß allein seinen Weg sich suche , verirre und gerathe auf gefährliche Abwege . So hätten es auch die Väter der Väter erkannt , die alten Regenten , unter denen Milch und Honig in der Mark geflossen und die Rebe geblüht und Früchte getragen . Er wies hin auf die hohen Thürme und ehrwürdigen Kirchenbogen , die für die Ewigkeit in den lockeren Fußboden gesetzt , auf die stolzen Klöster von Chorin und Lehnin , auf die Münster und Dome von Brandenburg , Angermünde , in Prenzlow , Havelberg , Tangermünde und die Andern . Gedächtnißsäulen wären sie der gottergebenen Kunst , der frommen Wissenschaft , die noch den späten Enkel in Erstaunen setzen würden ; diese Kunst und Wissenschaft sei erloschen seit zwei Jahrhunderten . Nun sei es die Aufgabe derer , die leben , mit dem zurückgekehrten Frieden seine Künste zu pflegen , das Verfallene wieder aufzurichten und Neues zu bauen , damit auch sie der Nachwelt Zeugnisse und Documente ihres edlen und gottgefälligen Daseins hinterließen . » Denn eine Zeit , die nichts an Werken hinterläßt zur Erbauung und Stärkung und Nacheiferung denen , die nach ihr leben , ist wie ein todtes Glied an einem gesunden Körper , es wäre besser , wenn es ausgeschnitten würde . Wer nur Gott lebt und seinem Erlöser in der Stille hin , den darf ich nicht tadeln , denn er lebt für das Himmelreich ; aber wen Gott niedersetzte auf dieser Erde und gab ihm Stärke und Ansehen und Mittel , der soll es nicht verprassen und vergeuden , sondern schaffen für sein Reich auf dieser Erde , und seine Stunden , seine Worte , seine Gedanken und seine Handlungen sind gezählt , wie die Haare auf seinem Haupte . « Wie suchten da umher des Fürsten Blicke ! Einige schlugen die Augen nieder , Andere sahen ihn groß an ; sie verstanden nicht , was er meinte . Er sprach weiter . Loben konnte er seine getreuen Märker nicht , aber schelten mochte er sie auch nicht , daß sie nicht eifriger ihn unterstützt . Etwas Bitteres kam über seine Lippen aber er verschluckte es wieder . Denn wozu Bitterkeiten ; sie sind Gift , das nicht heilt , das die Wunde nur schlimmer macht und ein eignes feines Gift , das meist dem mehr schadet , der es ausstreut , als dem , welchem es zugedacht ist . Er sprach auch von dem neuen hohen Gericht , das er mit des Kaisers Willen in seinen Erblanden stiften werde , allwo in der Kammer alle Streitigkeiten , die früher an Kaiser und Reich gingen , sollten geschlichtet werden , die Schöffen , die er setzen werde , halb aus Gelehrten , halb aus Edelleuten , sollten dort Recht sprechen , sonder Ansehen von Stand und Person , ja gegen ihn selber , wenn sie ihn im Unrecht befänden . Und er gelobte für sich und hoffe es zu Gott für all ' seine Nachkommen , daß er keinen darum absetzen wolle , noch entfernen , weil er ein Urtheil gefunden , das ihm , dem Fürsten , mißbehage , und weil er das für Recht gehalten , was er , der Fürst , für Unrecht halte . » Denn wo der Richter dienstbar würde eines Menschen Willen , und sei es des Kaisers selbst , das ist kein Recht mehr , das vor Christus bestehen kann , noch ist es dann ein deutsches Recht , sondern ein türkisch Recht , davor uns Brandenburger der liebe Gott bewahre ! Es soll aber ein wahrer Richter fest stehen und unantastbar wie der Priester des Herrn , und wie der soll er vor keinem gewaltigen schrecken . Aber « rief er mit kräftiger Stimme und stand von seinem Sessel auf - » ich will auch , daß die Richter gegen jedweden Uebertretenden der Gesetze , die da sind , sprechen nach ihrem vollen Klang . Der Wahlspruch des gelehrten Henning Göde , der in Wittenberg das Recht lehrt , ist auch meiner : Gesetze , auf welche nicht gehalten wird , sind Glocken ohne Klöppel1 ! Wie ich nicht dagegen fehlen darf , soll es keiner meiner Unterthanen , er stehe so hoch und fest er will , und meinem Herzen so nahe , als mein liebster Blutsfreund . « Darauf war er von den Stufen des Thrones herabgestiegen und winkte Einigen näher zu treten , darunter auch dem alten Bodo . » Was mir die Stirn in Falten legt , was meinen Sinn vergiftet , Ihr wißt es . Es ist was Arges geschehen , Gott verzeihe mir , wenn ich dem nimmer verzeihen kann , der es that . Wer es auch sei , ausgestrichen sei er aus dem Buche der Gnade . Denn mit der Schande keinen Vertrag und gält es mein Leben ! Doch wen es traf , und er wird überwiesen , den allein straf ich nicht sein Blut und seine Sippschaft . Darum braucht keiner die Augen niederzuschlagen , der einen Blutsfreund in der Schuld weiß ; wenn er ein guter Mann ist vor dem Recht , ist und bleibt er auch vor mir ein guter Mann . « Auf seinen Wink nahte sich ihm ein Edelknabe mit einem Kissen und ließ sich vor dem Fürsten nieder auf die Knie . » Die Kettenträger unsrer lieben Frauen treten vor ! « sprach der Fürst . Nur drei oder vier alte Männer traten vor . » So wenige nur , und es war ein so guter Orden ! Ist die Zucht so schlecht worden , daß meine Väter so Wenige werth hielten , oder ist die Zeit eine andere worden , daß was gut war , jetzt nicht mehr gut ist ; und es sind noch nicht achtzig Jahre um , daß mein erlauchter Großohm , Friedrich der Andere , den Schwanenorden gestiftet ! Wo sind die Burgsdorfe , « rief er , sich umschauend , » die Hoym , die Arnim , die Bartensleben und Bodenteich , die Bredow , die Jagow , Schlieben , Kerkow , die Alvensleben , Krummensee , die Schenk , die Waldow , die Schulenberg und Schlabrendorf , die so oft gewürdigt waren das Bild der allerheiligsten Jungfrau mit den Sonnenstrahlen um ihr Haupt , den Mond zu Füßen , auf ihrer Brust zu tragen ? Ist Keiner mehr , der trachtet , daß er sich ehrlich und füglich für schämliche und schändliche Missethaten , für Unfug und Unehre treulich bewahre , verschwiegen sei und der Mitgenossen Ehre auf alle Weise rette ? Möchte Keiner mehr geloben , daß er , so oft die Sonne aufgeht und untergeht , zur Mutter Gottes bete , trachtet Keiner mehr nach dem Bilde , das ihn erinnere , dankbar zu sein zu jeder Stunde für die Gnade Gottes , der ihn durch seinem Sohn Jesum erlöset hat ? « Es war still umher . » Da sei Gott für , « hub er weiter an , » daß die Zeit um sei und nicht wiederkehrte daß meine Ritter nach christlicher Ehre trachten ! Ist die Stiftung veraltet , stifte ich sie neu . « Und er winkte dem Kanzler . Der alte Schlieben entrollte ein Pergament und verlas die Urkunde . Joachim schaute sich wieder um und winkte den Bürgermeister von Berlin zuerst heran . » Knie nieder ! « sprach er . » Dein frommes Walten ist mir nicht entgangen . Ein Siechenhaus hast Du gestiftet und ewige Renten geschenkt den Spitälern zu St. Georg und an den drei Linden . Da nun die Zacken , die zusammengepreßten Herzen in dieser Kette die mancherlei Gebreste des menschlichen Lebens vorstellen , so muß der sie tragen , der täglich den Gebrestigen den Arm reicht und den Hungrigen Brod giebt . Stehe auf Mathias , als Ritter des Schwanenordens . « Ein Murmeln ging durch den Saal : » Wo sind seine vier Ahnen ! « - » Er ist kein Edelmann . « » So sind meine Ritter , « sprach Joachim , » doch noch vertraut mit den Satzungen des Ordens . Aber Ihr vergeßt , daß ich die alte Stiftung neu gemacht . Meine im Uebrigen , daß der ein besserer Schwanenritter ist , der die Geschlagenen am Wege aufhebt , als der sie schlug und liegen ließ . « Da ward es wieder still , Mancher ließ den Kopf sinken . Der Kurfürst winkte den Altermann der Bredows : » Die Ernte war schlecht im Havelland ? « Bodo sah ihn verwundert an , die Andern auch . » Und Deine Aussaat gut , « fuhr der Fürst fort . » Du kannst nicht dafür , daß sie nicht aufging . « » Der Roggen trug gut aus , gnädigster Herr , und wenn Nässe und Stürme den Hafer und die Gerste verdarben - « » Du sätest Besseres aus als Roggen und Hafer « , fiel Joachim ein und legte seine Hand auf des alten Bodo Schulter . » Wenn Zucht und Sitte nicht aufgingen , ist ' s nicht Deine Schuld . Der beste Vater kann nicht dafür , wenn nicht alle seine Söhne gerathen . Und doch entging mir ' s nicht , wie Du in Deinem Haus gewaltet , wie Du der rohen Lust der Deinen gewehrt hast . Bodo Bredow knie nieder , « sprach der Fürst und nahm die zweite Kette vom Kissen . Wie da Aller Blicke auf dem alten Bodo und dem Fürsten hafteten ; das hatte Keiner erwartet . Der polnische Abgesandte hatte vorhin , da er die vielen Bredows im Saal gesehen , verwundert gefragt , ob man ihnen denn die Waffen nicht abnehme ; wenn so etwas bei ihm zu Haus sich ereignet , daß ein Glied eines großen Hauses gekränkt worden , wie hier , würde man sich vorsehen , die Sippschaft nur zu Hof zu lassen . Fritz Rohr , der ihn herumführen mußte , hatte gelacht : » So schlimm ist ' s bei uns nicht ; « jetzt aber flüsterte er dem polnischen Herrn in ' s Ohr : » Paßt Acht , er will ihn kirr ' kriegen . Bin doch neugierig , ob der Alte in die Falle geht . « » Durchlauchtigster Herr Markgraf , ich bin zu alt zum Knieen , « sprach der Senior . » So neige deinen Hals , ich weiß keinen würdigern Kettenträger . « Der Alte blieb aufrecht stehen ; ein leises Zittern sah man doch an den magern Händen , die den Stock hielten . » Hilf mir Gott , mein Markgraf , ich kann nicht . Spare die Kette für die , so nach Ehre dürsten . Liegt doch meine im Grabe . Wie soll ich sie tragen , sonder Scham , die mir ' s zur Pflicht macht , der Mitgenossen Ehre auf alle Weise zu retten , derweil ich meinen nächsten Blutsfreund in Ketten und Schmach weiß und darf ihn nicht retten . « Vorhin waren die von der Sippschaft gemieden worden , wie man solche meidet , die mit Aussätzigen zusammenkommen . Als der Fürst Bodo vorrief , trat Mancher an die Vettern und drückte ihnen verstohlen die Hand und sie nickten ihnen zu mit freundlichen Blicken . Jetzt fuhren sie zusammen und ängstlich schauten sie auf den Fürsten und auf den alten Mann . Die Reden hatten die Wenigsten gekümmert ; sie nahmen sie hin wie etwas , das sein muß , weil es eine Mode ist ; auch daß er den Matthias zum Ritter gemacht , kümmert sie eigentlich wenig . Er war ein Ritter des Fürsten , aber nicht ihrer . Aber , daß ein Vasall sich unterstand , Ehren auszuschlagen , die ihm sein Fürst bot , das , meinten sie , würde den Zorn des Markgrafen wecken . Aber Joachim sah den Alten nur ernsthaft an , dann winkte er ihm fast freundlich : » Du thust Recht . Der gute Mann muß froh sein mit den Seinen , und wenn sie traurig sind , mit ihnen trauern . « Er legte die Kette wieder seitwärts auf das Kissen , als wolle er sie für den noch aufheben , der sie von sich wies . » Wilkin Lindenberg ! « rief er , das dritte Band aufnehmend . Ein leises Athmen ging durch die Versammlung , als habe man ' s erwartet . Schwer wär ' s zu sagen gewesen , ob auf den Gesichtern nur lauter Freude oder auch der Neid mitsprach . » Was lächelt Ihr ? « fragte leis sein Nachbar den Dechanten von Altenbrandenburg , der mit einer eigenen Bewegung die Hand über das Gesicht brachte . » Ich lächeln ! « und die Hand fuhr schnell zur andern , und beide hoben sich gefaltet zur Brust . » Das Glück lächelt so selten denen , die es verdienen , sagen die Kinder der Welt ; wir Andern freuen uns daher , wenn es einmal nach Gottes unerforschlichem Rathschluß einen Würdigen trifft . « » Das ist der Lindenberger . « Ein stiller Händedruck bestätigte es : » Wenn Ihr ihn erst kenntet , wie ich ihn kenne . - Still , er redet . « » Lindenberg , ich will Dich nicht erröthen machen , noch die Andern , indem ich Dich vor ihnen lobe . Was Deine Stimme im Rathe gilt , was Du gethan für Deinen Fürsten , das mögen sie sich sagen lassen von denen , die in meinem Rathe oft auf Deine Worte lauschten . Aber was Du mir gewesen bist , die Säule , an die ich in den Stunden der Mutlosigkeit lehnte , der frische Lufthauch , wenn des Tages Hitze mich niederwarf , der kalte Wind , der mich aufrüttelte , wenn ich ermattend in Schlummer sank , wo ich wachen sollte , der einzige Geist , « setzte er leiser hinzu , » unter so vielen Schemen , der mich versteht , das mögen sie Alle hören , mögen sie Dich darum neiden , solcher Neid ist gut , er weckt Nachahmung . Du , der einzige , den ich ganz wahr erfunden , weil Du mir Wahrheit , die volle Wahrheit ins Gesicht sagtest . Das ist Rittertugend , die nicht der Ehrenketten bedarf , sie lohnt sich selbst . Darum schlinge ich diese hier um Deinen Hals , nicht als Lohn , sie soll die Kette sein , die Dich und mich , will ' s Gott , auf ein langes Leben zusammenfesselt . Knie nieder , Freier von Lindenberg . « Auf des Fürsten Lippen schwebten noch die Worte : » So gedenke ich der Stunde gestern , « aber er sprach sie nicht aus ; denn Lindenberg kniete nicht vor ihm . Er war vorhin um einen Schritt näher getreten , aber plötzlich war er stehen geblieben , und blaß , mit halb übergebeugtem Oberleibe , stierte er , nicht auf Joachim , sondern wie auf einen Geist , der , aus der Erde aufgeschossen , ihm den Weg verträte . Die Andern sahen einen kleinen , nicht schönen Mann , von gemeinem Wesen und niederer Tracht , der hinter dem Fürsten stand , sein Gesicht wie der Hahn , dem der Kamm schwillt , seine Augen funkelten , und aus dem grinsendem Munde leuchteten Zähne wie die eines Raubthiers , das sich zum Sprunge anschickt . So stand er da , halb gebückt , und streckte die Fäuste aus : » Er ist ' s ! « » Was ist Dir , Linderberg ? « » Ein Schwindel - Die zu große Gnade meines Herrn . Es ist nichts . « » Du zitterst . - Meinen Leibarzt ! « » Er ist ' s ! « kreischte der Krämer , » der mich fing , warf , band . So wahr Gott im Himmel lebt , der ist ' s , Herr Kurfürst . « Joachim erblickte jetzt erst den Mann , der wie ein Unhold aus der Erde geschossen , dessen Stimme wie Rabengeschrei in einer frohen Musika tönte . » Elender ! Du lügst - « Aber plötzlich verstummte er , als fehle ihm der Athem . Das dunkle Blut , das ihm ins Gesicht gestiegen , verschwand , und das Antlitz ward einen Augenblick weißer als seines Günstlings . Er brachte die Linke an seine Brust , er athmete auf und seine Augen hafteten auf dem Ritter , der seine niederschlug . » Das ist zu arg ! « schrieen viele Stimmen . - » Den Arzt ! Der Markgraf wird unmächtig ! « - » Bei den Haaren , bei den Füßen ihn rausgeschleift ! « schrieen Andere . Der Mann erhob sich auf seinen Zehen , er streckte die Arme in die Höh ' , er rieb die Hände , er zitterte . Aber da er den Kurfürsten ansah , sank er auf die Knie und faltete die Hände : » Laßt mich zerreißen , wenn ich nicht die Wahrheit rede . « » Dem Kurfürsten vergeht die Sprache . « » Er ist ein Hexenmeister ! « schrieen Andere . » Den Büttel her ! « Joachim winkte mit dem Arm . Er hatte die Sprache wieder gewonnen : » Gieb Antwort dem Manne ! « » Gottes Donner und Blitze ! « schrie Otterstädt , der das Schwert halb gezückt hatte . » Dem ! « » Der Dich verklagt . « » Soll der Mond antworten , wenn der Hund ihn anbellt ? « rief Otterstädt . » Ich entsinne mich nicht , den Mann gesehen zu haben , « stotterte Lindenberg . » Wilkin Lindenberg ! Drei Jahre meines Lebens d ' rum , wenn es so ist . Sieh ' ihn scharf an . « » Er hext , die Natterbrut ! « schrie Otterstädt . » Sieh ' ihn nicht an . « » Verschluck Deine Zunge , Hund , wo Dein Fürst spricht ! « schrie ein Anderer den Krämer an , der eben den Mund öffnete . » Du kennst ihn nicht , Lindenberg ? « » Nein . « Es kam wie ein hohler Ton heraus , der sich Luft macht nach langer Anstrengung . » Die Hand darauf ! « Da der Geheimrath nicht allzu rasch , schien es Einigen , den Arm erhob , wendete sich der Krämer mit einer sonderbaren Bewegung zum Fürsten . Er sprach kein Wort , aber öffnete den Mund und steckte den rechten Daumen hinein . » Den Handschuh aus ! « gebot der Kurfürst . » Deine Rechte wie Gott sie gemacht , leg ' in meine . « Der Ritter zog . Schien es doch als schüttele ihn ein Krampf ; der Handschuh flog ab und mit ihm ein blutiger Verband . Auch der Daumen blutete auf . Ein stiller , kichernder Schrei , wie aus einer höllischen Pfeife , wie aus einer Brust , krank von satanischer Lust , gellte durch die Luft . » Die blutende Hand in Deines Fürsten ! « Einen Augenblick schauten sich Beide an : dann schreckte der Ritter zusammen , wie ein von Gottes Strahl Getroffener . Er öffnete die Lippen , aber er brachte keinen Ton hervor . » In Ketten ! Zum Gericht ! « rief Joachim , und ohne Jenen eines Blickes zu würdigen , schritt er aus dem Saal . Fußnoten 1 Das Bild dieses ausgezeichneten Rechtsgelehrten , noch durch Meisterhand erhalten , fand ich in der Schloßkirche zu Wittenberg in der in Erz gegossenen Votivtafel : Die Krönung der Maria von Peter Vischer , m.E. einem der schönsten Werke des großen Künstlers . Henning Göde , als Votant , kniet mit seiner Familie zur Linken vor Gott . Vater , Sohn und Maria . Gestalten , in denen man Raphaelischen Adel und Schönheit zu erblicken glaubt . Sechszehntes Kapitel . Der Befreite und der Gerichtete . Sechs kurfürstliche Trompeter in ihrer Sonntagslivree und mit silbernen Mundstücken hielten vor dem Mühlenhofe , und vom Mühlendamm , von der Stralower Gasse und den Quergäßchen um Sanct Nicolas kamen sie in Schaaren , um zu sehen , wie der Markgraf den edlen Ritter Götze Bredow mit Ehren aus dem Gefängniß abholen ließ . Auch die Lehns-Vettern kamen auf stattlich geschmückten Pferden , ganz anders trabend als vorhin , da sie in die Stadt einritten . Der Vogt von Hoym hatte Mühe , daß er die Leute nur abhielt vom Gitterthor , die alle den trefflichen Mann mit Augen schauen wollten , der ohne Schuld wie ein Räuber und Mörder gefesselt worden und die Unbill über sich kommen ließ , fromm wie ein Lamm . Kaum ließen sie sich ' s in ihrer Ungeduld bedeuten , daß der Geistliche noch bei ihm sei , und er zum Unterschiede doch einen Imbiß und Trunk einnehmen müsse , Stadt und Gefängnis ; zu Ehren , und da er noch nicht selbst erschien , drängten sie um sein Roß und streichelten es , das , mit Federn und bunten Decken aufgeputzt , von zwei Stallmeistern geführt ward . Einige meinten , das sei noch nicht genug , der Kurfürst hätte selbst kommen müssen , ihn abzuholen , und nicht aus der Stadt hinaus müßte er solchen Mann mit Ehren geleiten lassen , sondern zu sich in ' s Schloß und dort eine Woche lang traktiren . Das waren ehrenwerthe Bürger , die es meinten , und von den Ritterbürtigen nickte Mancher dazu : Er hätte auch mehr thun können ! Von alledem sah , hörte und dachte der nichts , den es anging . » Den Seinen giebt er ' s im Schlafe « , hatte der Dechant gesagt . Das erinnerte Herrn Gottfried daran , daß er geschlafen hatte . Man hätte eher daran zweifeln können , ob er wirklich schon erwacht sei . » Wie kam ' s denn nun aber ? « » Wer sich selbst erhebt , der wird erniedrigt werden , aber wer sich selbst erniedrigt , der wird erhöhet werden . Grade dadurch , mein werther Ritter , daß Ihr Euch hergabt seinem Willen , wie ein Kind , das den Vater walten läßt , weil es weiß , daß der Vater Alles doch am besten macht , Eures blinden Glaubens willen hat Euch der Herr gerettet . Ja , wenn Ihr auf weltliche Klugheit gelauscht , wenn Ihr den Advokaten angenommen , den Euch Euer Schwager schickte , da hättet Ihr geleugnet , bestritten , da wäret Ihr verhört worden , wer steht dafür , daß Ihr nicht gar peinlich befragt wärt , und Ihr läget vielleicht jetzt unten im Thurm , auf faulem Stroh , Gott weiß , wo es noch ein Ende nähme . Aber Ihr wähltet das bessere Theil , Ihr gabt Euch Gott an Heim in den bangen Zweifeln Eurer Seele , die Kirche riefet Ihr um Hülfe an , und das Wunder war geschehen . « » Ein Wunder ! « » Ihr könnt doch nicht daran zweifeln ? Bei solchen Beweisen , bei Eurem eignen Eingeständniß - « » Ich hätt ' s eingestanden ! « Der Dechant warf ihm einen Blick zu , den Herr Götz nicht ertrug : » Die Kirche hat Mitleid mit den Schwachen . Lese ich nicht , was Satan Euch jetzt in ' s Ohr flüstert ! ein Anderer hätte es Euch eingeredet , so zu thun . Das wolltet Ihr mir eben antworten : man hätte so lange zu Euch geredet , bis Ihr nicht aus- und ein gewußt , da hättet Ihr unterschrieben und wüßtet gar nicht wie Ihr dazu kamt . Nicht wahr , so flüsterte er Euch in ' s Ohr , und Eure Lippen öffneten sich schon , es nachzusprechen . Forderte er Euch nicht auf , mich anzuklagen ? - Die Röthe Eures Gesichts sagt Ja . Wacht auf endlich ! O lieber Herr , weist den Verführer fort , der die Sündigen immer sprechen läßt : Ich war