bis ich irgendeine Explosion gemacht habe ; dann schreie : hätte ich mir das gedacht ! - Obschon auch dies nach geschehener Tat nichts helfen kann ! - Aber dann hat doch Dein Nachseufzer einen Grundton und kann daher schon eine Melodie aus sich entwickeln . - Du hast mich nach Frankfurt promoviert - jetzt , wo ich da bin , läufst Du wie eine Glucke am Ufer , wo das Entchen schwimmt , und glucksest Dich ganz müde vor Angst . Aber ich schwimme gar auf keinem gefährlichen Element , es ist lauter Einbildung von Dir ! Deine Illusionen hüpfen wie die Heuschrecken in Deinem Brief herum ; ich weiß nicht , welche ich zuerst erwischen soll . - Die allerledernste Heuschrecke ist mir die , wo Du mich mit Gewalt willst auf den großen Unterschied hinweisen zwischen einem vortrefflichen Weib und einem braven Manne . Mögen sich diese zwei beiden zusammenfinden auf irgendeinem glücklichen Stern , nur das einzige bitte ich mir aus , daß Du es mir nicht zu wissen tust ; und ein für allemal will ich von diesem Heiligtum gänzlich ausgeschlossen sein ! - Und zweitens - Deine Warnung vor aller männlichen Gesellschaft ! Die Günderode sagt zu mir , sie kenne keine männliche Gesellschaft , außer die meine . Ich , lieber Clemens , kenne auch keinen männlichen Umgang als den mit den Hopfenstecken , die mir die Milchfrau besorgt hat für den kommenden Frühling , sie sind die derbsten unter meinen Bekannten , auch gehe ich zwar mit ihnen um , aber nicht zart ; ich schneidle dran zurecht kleine Rinnen , an denen die Bindfäden hin und her sich flechten . - Manchmal hab ich die ganze Stube voll Hobelspäne und Schwielen in der Hand . Die nicè ingrata , obschon sie Dein Universitätsfreund ist , und nachdem Du ihr den Doktorschmaus bezahlt hattest , mit Deinen besten Kleidern durchging , hat zwar einen Bart und möchte vielleicht auch für einen Mann gehalten sein ; aber sie sieht in den Spiegel und singt nicè bella , und wer zweifelt , daß sie eine Nicè ist . Gerne fliehe ich sie , soweit der Schall ihrer Stimme trägt . Clemens , vor Ärger kann ich das Schöne in Deinen Briefen nicht würdigen , ich will im ursprünglichen Geist mit Dir eins sein , aber mich faßt eine Ungeduld , Deine Belehrungen zu überspringen ; - es ist ein wahrer Schiffbruch mit der Moral , sie ist wie ein Uhrwerk , an dem die Kette gesprengt ist , sie rasselt sich aus , und auf einmal steht die Uhr still , und so tot sind mir diese Werke der Belehrung ! Ich laufe zur Günderode , sie liest mit mir Deinen Brief ; wir sind beide drüber hinaus , wir zanken einander , wir lachen einander aus , wir kommen auf keinen grünen Zweig ! - Gestern gingen wir bei schönem Frost um die Tore , Günderödchen und ich - es war schon dämmerig und die Allee ganz leer ; ich war aufs Glacis gesprungen und wollte das Kunststück machen , von einem Tor zum andern zu kommen , ohne herabzufallen ; da trat der Mond hervor , und ein leiser Wind machte ihm durch die Wolken Bahn , da sprang ich wieder herab und zog es vor , mit der Günderode einen sanften philosophischen Schritt zu halten . Adieu ! - Noch einmal ! Dein mitgeteilter Brief ist voll Unkraut der Lüge . Bettine St. Clair ist hier , - erste männliche Unterhaltung in der Ecke des Fensters , - ich könne eine Jeanne d ' Arc sein , in mir läge Stoff zur Heldennatur , die Auriflamme zu ergreifen , für die Erhaltung der Freiheit und Menschheitsrechte . Diese Unterhaltung hat mir geschmeichelt , - ich liebe Kriegestaten ! - Kühn ! Entschieden ! - Das sind Eigenschaften , die ich in meiner Seele ausbilden möchte , - aber der Sklavenmarkt der Gesellschaft ist dazu nicht . - Wohin fliehen ! - Überall triffst Du auf einen Boden , der der Saat der Drachenzähne nicht günstig ist . An Bettine Meine liebe Schwester , Dein letzter Brief hat mir einen recht traurigen Tag gemacht , weil ich so etwas nicht erwartete . Der Brief , den ich Dir anvertraute , ist einer der liebevollsten Briefe , deren ich mich erfreute , Du erklärst ihn für eine offenbare Lüge ! Wer so lügen kann , liebe Bettine , der ist sehr geistvoll und sehr liebenswürdig , ich hab diesen Brief nochmals gelesen und mich trotz Deiner Beschuldigung wieder von ihm hingerissen gefühlt ; - und wenn Du seinen Inhalt ebenso verstehst , wenn ich ihn nicht unrecht erkläre , so sind unsre Meinungen verschieden . Übrigens will ich Dir nicht Unrecht geben , da Du wissen mußt , was Du schreibst ; nur mußt Du mir erlauben , mich für Dein Recht hierin nicht zu interessieren . Ich sage nur so viel noch von jenem Brief , was ihn mir durch und durch unschuldig macht : erstens fängt er damit an sich selbst zu beschuldigen , dann erzählt er eine Abfahrt zum Ball , die wohl nicht wahr sein muß , weil Du mir von ihr gar nichts geschrieben hast . Ein Ball , wo Dich die Leute alle ansahen und Du allen auffällst , ist ja auch nichts Merkwürdiges in Deinem Leben . - Sonst enthält er nichts als innige Rührung über Deine Liebe zu Franz und zu den Kindern , ja er tadelt sogar Franzens Neckerei und erkennt , wie Du Dich schön dabei beträgst . Was von Deinem Gemüt darin gesagt ist , das ist nach meiner Kenntnis Deiner nicht nur wahr , sondern sogar geistvoll dargestellt . Über den ganzen Brief ist Innigkeit , Begierde nach der Liebe eines würdigen Wesens und nach schöner Eintracht verbreitet . Jetzt will ich aus dem Briefe das ausziehen , was allein gelogen sein kann , weil es allein Tatsache ist , weil der übrige Teil nur die Empfindung des Schreibers darstellt . - Erstens : Bettine war schön ! Das ist nun freilich gelogen und muß Dich ärgern ; sie sprach viel auch wohl in den Tag hinein ! Das halte ich nicht ganz für gelogen , da ich es sehr oft bei ähnlichen Gelegenbeiten mit einer unangenehmen Empfindung an Dir bemerkt habe . Ich weiß , wie leicht Du in unendliche Lebhaftigkeit übergehst , und um so auffallender aus einer traurigen Stummheit hervor . - Das Unschuldige darin kenne ich auch , aber das kennen nicht alle Menschen , nicht dieser oder jener , der gegenwärtig ist , und dem Du dadurch frei oder töricht oder kokett vorkömmst . - Ob und wann Ihr vor oder nach der Ankunft von Leuten retiriertet , ein Umstand , dem Du mit Unrecht einige Widerlegung widmest , ist ganz uninteressant . Genug , daß Ihr Euch zurückzieht , da Ihr wißt , daß Franz , dem wir nur seine Vortrefflichkeit danken können , Euch gern sieht , er , der mehr wert ist , als wir alle , hat die paar Freistunden nicht die Freude der Geselligkeit , er liebt uns so innig , und wir danken ' s ihm nicht . Ihr , die bei ihm wohnt , solltet ihm noch treuer anhängen , und er klagt so bescheiden über das , was er Dir befehlen könnte , daß Du nicht herunterzubringen bist . - Du mußt viel von Gundel zu lernen , mit ihr auszutauschen haben , da Du selbst die paar Minuten dem Franz nicht gönnen kannst . - Ich habe immer gefunden , daß mit mir zusammen Du nicht viel zu erzählen hattest , da wir keine große Abenteuer haben , warum mußt Du nun der Familie die Abendstunden rauben , um sie wieder da zu verbringen , wo man auch Dich nicht wünscht , und wo Du beschwerlich fällst , was Du aus dem folgenden Brief ersehen kannst , in dem dargelegt ist , daß Gundel ihren ganzen Tag opfert , Dich anzuregen , daß Du Deine Schuldigkeit tust ( ich hoffte , Du würdest sie von selbst tun ) . Ich finde es daher sehr indiskret von Dir , ihr diese Stunden , in denen sie allein sein möchte , auch noch zu stehlen . Wenn ich in Frankfurt bin , so lese ich oft abends vor ; alle hören mir gern zu und sind zufrieden mit diesen Stunden , warum kannst Du das nicht auch ? - Ich verlange nicht von Dir , daß Du dem einen in der Familie mehr anhängst , wie dem andern ; man soll keinem Menschen anhängen , insofern er Partei macht ! In Deinem Wesen sollte sich vielmehr jede zufällige Trennung vereinigen , jedes Mißverständnis lösen . Im Wesentlichen hat nach meiner Ansicht einer so wenig mit Dir gemein als der andre ; und Du sollst Dir selbst vertrauen und dem , was Dein Herz am liebsten beschäftigt . - Erinnere Dich , daß man Dir sagte , Du würdest Dich an mir betrogen finden , und daß man Dir Dein Vertrauen zu mir vorwarf . - Du äußerst oft Ausdrücke von Charakterstärke ; diese sind zum wenigsten , wenn Du sie auch noch nicht erprobt hast , doch ein Beweis , daß Du auf diese Eigenschaften den höchsten Wert legst ; ich hoffe daher , daß Du nichts zwischen unsere Liebe kommen läßt , was sie erkälten könnte . Wie der Hunger der beste Koch ist , so ist auch die Langeweile der beste Kuppler . - Ich bin nicht vortrefflich , es sind daher nicht meine Verdienste , die mich Dir interessant erhalten können , oder das neue Überraschende in mir , es ist Deine Treue , wenn die nicht zur Lüge in Dir soll werden , wodurch alles in Dir zur Lüge werden müßte , was wir in diesen Jahren miteinander erlebt haben an guten und bösen Stunden , so kann der nächste Wind dies Band , das dann nur ein Strohband ist , zerpflücken und es als Spreu in die Lüfte zerstreuen . - Wenn Du , wie ich hoffte , jene Erkenntnisse , die ich Dir immer gepriesen , wirklich liebtest , wenn Du Dich dem eigentlichen Wesen der Kunst und Poesie hingeben wolltest , so würdest Du Ruhe , Friede und Glück genießen , ohne Dich den andern zu entziehen ; Du würdest als wahr empfinden , was ich Dich immer gelehrt habe , daß nur der Mensch kann geliebt werden , insofern er ein wahrer und reiner Spiegel des Ewigen und Göttlichen wird . - Und Du würdest selbst Deiner Liebe zu mir ihren Wert und ihr Gesetz geben können , insofern ich jener Voraussetzung entspreche . Ich habe Dir nie das Einzelne geraten . Ich habe Dir immer das Ganze zu zeichnen gesucht , wie ich es begriff ; - um Deiner Persönlichkeit keine Gewalt anzutun . Ehre Deine Persönlichkeit und bilde sie zum Schönen für alle , dann wirst Du glücklich sein ; werde nicht zur Törin , wie die andern , bilde Dir nichts ein ! Arnim läßt Euch grüßen ; er schriebt mir von Genua , Nizza und Paris . - Mein Lustspiel wird jetzt zugleich mit einem Buch von Arnim in Göttingen bei Diedrich gedruckt . Schreibe Deinem Clemens Grüße die Günderode , sage , daß ich schreiben würde , aber ihre Antworten sind nicht auffordernd , nicht erschließend , sondern vielmehr abschließend . Weiß Gott , warum wir alle aus dem Paradies des Vertrauens herausgeworfen sind , und keiner findet irgendeinen Schleichweg dahin zurück . - An Clemens Die Weck- und Schreckposaune ! Ist aber nichtsdestoweniger das Kämpfende . Achtes Kapitel , sechster Vers : Jakob hatte lange mit dem ihm unbekannten Manne gerungen ; alle seine Kräfte angewandt und noch nicht genug , ob ihn gleich das Gelenk seiner Hüfte verrenkt war ; daher sagte jener : » Laß mich gehen , denn die Röte des Morgens bricht an . « Aber Jakob antwortete : » Ich lass ' dich nicht ; es sei denn , Du segnest mich . « Er will den Segen , der den Segen in Armen hat ! - Er hält den , der ihn und alles hält . Dein Brief ist so voll sorgender Liebe zu mir und doch so ohne Zutrauen , daß ich eigentlich nicht weiß , ob ich mich freuen soll oder nicht . Wie kannst Du glauben , daß dch witzig und kokett werde , um Deine Liebe zu verspielen ; ich werde alles tun , um sie unberührt zu behalten ; ich will einfach bleiben und gut . - Ich will auch auf den vergangenen Streit nicht zurückkommen und nichts entscheiden über Recht oder Unrecht . Nur allgemeine Bemerkungen lasse mich hier oben ansetzen ; nämlich : Erstens : Empfindung ist grade gelogen und Tatsache wahr . Zweitens : Wer klagt , ist nicht unschuldig ! Drittens : Einen Ball , wo die Leute mich ansehen , wie die Kuh das neue Scheuertor , ist mir gar nicht wichtig , von ihm zu erzählen . Viertens : Man kann mich loben , aber auch lügen . Fünftens : Die unendliche Lebhaftigkeit , aus der ich oft plötzlich aus einer traurigen Stummheit übergehe , und die Dir oft unangenehm aufgefallen ist , hat sich auf jenem Ball nicht ergossen ! - Soll ich Dir sagen , wie es mir ergangen ist an jenem Abend ? - Als wir eintraten in den Saal , da stand ein ganzer Trupp langer , dünner , kurzer , dicker , breiter , alle schwarzgekleideter Tanzherrn in der Mitte , die soviel Raum zum Tanz ließen zwischen sich und den Wänden , an denen die jungen Mädchen zwischen Mamas aufgereiht waren wie allerlei Marktfrüchte , worunter Schoten , Rüben und Zwiebeln nicht die wenigsten waren , hier und da ein angenehmer Blumenkohl , nur selten ein Borsdorfer Apfel , worunter ich zu zählen ; jetzt holten die Herrn diese Rübchen , Zwiebelchen und Schotenbukettchen zum Tanz . Alle hatten Uhrketten mit allerlei Berlocken , manche zwei aus der Tasche hängen ; diese Berlocken machten ein Glockenspiel wie eine Herde . Ich saß da dicht am Musikantenbalkon und vertrieb mir die Zeit , mit beiden Händen meine Ohren zuzuhalten , um nichts von der Musik zu hören ; dabei sah ich mir die Menschen an , die da herumhüpften , und hatte die Empfindung , als ob sie alle toll seien , und endlich mußte ich lachen , ich ließ die Hände los , da brauste mir der Walzer seinen vollen Strom ins Gehör ! - Dann machte ich ein zweites Experiment ; ich klappte die Ohren auf und dann wieder zu , so kam ich stückweis zu einer ganz aparten Musik , die ich mir aneinanderflickte , wie eine Harlekinjacke ! - So vertrieb ich mir die Zeit . Endlich kam Grunelius , der lange , und tanzte einen Walzer mit mir , ich aber nicht mit ihm , denn er hielt mich schwebend , und ich kam nicht dazu , eine Fußspitze auf die Erde zu setzen . Zu diesem Kunststück mit mir wie mit einer Porzellanurne herumzutanzen , brauchte er alle Kneifgewalt seiner langen Finger , die er wie Krallen in mich einschlug ; denn wär ich heruntergefallen , so konnte ich den Hals brechen ; da hätte man ihm vielleicht Vorwürfe machen können . Wer war froher als ich , da ich wieder an meinem Platz war ; nun schob ich mich ganz unter den Balkon , hinter einen Haufen Schals und Flöre ; ich lehnte mich in ein Eckchen und hatte ein heimatliches Gefühl , noch ein Weilchen konnte ich mit Mühe mich wach erhalten , aber wie es kam , daß ich dem Drang zu schlafen nachgab , weiß ich nicht zu sagen , genug , der Kampf war kurz , der Schlaf siegte , aber als edler Feind , denn nie hab ich süßer geschlafen , die Musik war wie Goldfrüchte , die ein duftender Wind von den Zweigen löste da oben auf dem Berg und mir alle in den Schoß rollte ; alle die Lichter waren Sterne am Himmel . Auf einmal erwachte ich , zu meinem Erstaunen da zu sein , wo ich bin ; statt dem Berg mit Orangenbäumen besetzt lauter närrische Gesichter , die im Schweiß ihres Angesichts Baßgeige und Fidel streichen oder mit aufgeblasenen Backen trompeten ! - Statt dem klaren Nachthimmel mit Sternen Staubwolken , die sich mit der Erleuchtung um den ersten Platz streiten . - Eine Pause tritt ein , toute la masse des mâchoires en mouvement , mehrere Erfrischungen zu verkauen . Es machte diese Bewegung , die immer zwischen den Kinnladen und den Schläfen korrespondierte , einen so fatalen Eindruck auf mich , daß mir schwindelte , und ich fühlte , daß ich eine Art mal au coeur bekam ! - Ach Clemens , kann man so physisch unglücklich werden , wie ich in diesem Augenblick war ? - Ach hätte ich doch in jenem Augenblick in Offenbach in unserm Hof können meinen Kopf unter die Pumpe halten , wo ich mir schon manchmal ähnliches Weh vertrieb , wenn mich ein Ekel überkam über irgend etwas , das mir unerträglich war . - Ach Gott ! - Ach lieber Gott , Du hast so viele geflügelte Boten , schick mir doch einen , der mich hier wegträgt auf mein Kopfkissen in die Sandgasse , - das war mein inneres Stoßgebet ; ich wagte nicht den Kopf umzudrehen und nach dem Engel umzuschauen , aus Furcht vor dem Schwindel . - Da steht plötzlich der Franz Chameau vor mir , ob ich den Kehraus wolle tanzen ? - Da ich als vierjähriges Kind oft mit ihm gespielt hatte , wo wir uns oft einander den Wall heruntergestoßen hatten , so machte ich diesmal keine Komplimente mit ihm und sagte : » Ach , gehen Sie Esel und machen Sie mir nicht schwindlig mit Ihren Uhrketten . « Diese Worte können höchstens das gewesen sein , was ich in den Tag hineingeredet soll haben ; mehr ist mir nicht bewußt , den ganzen Ball hindurch gesprochen zu haben , den ich noch verwünsche ! - Ich muß fort , ich muß wieder nach Offenbach , in die dunkle , reine Nachtluft dort meine Seufzer verhauchen . Die weißen Wände meines Stübchens mit den gelben Streifen , die Diele von Holz , der grau angestrichene Tisch und Schrank ! - Ach , ich sehne mich dahin ! - Ach , ich kann die Teppiche nicht leiden ! Die rotseidenen Vorhänge rauschen mich noch ganz krank - und ich kann jetzt nicht fortschreiben , weil ich ganz übel bin , bloß von der Erinnerung . - Lieber Clemens , seit zwei Tagen liegt der angefangene Brief da , und ich mochte nicht wieder drangehen aus Furcht vor dem Schwindel , lasse uns über die anderen Punkte jenes Briefes schweigen , aus Furcht vor diesem Schwindel ! - Ich weiß Dir ja auch was Besseres zu sagen , jetzt kommt der Frühling bald ; denn in Erwartung des März hab ich keinen Respekt mehr vor dem Winter , und meine Sehnsucht , die grüne Saat bald herauskommen zu sehen , stellt ihn mir auch näher , ach ja gewiß , der Frühling ist ein Knabe aus weiter Ferne , in so reiner klarer Luft kommt er herangezogen , daß man ihn schon von sehr weit her sehen kann . Heute habe ich einen Brief von Dir wieder gelesen , den Du mir im letzten Frühling schriebst , er ist so schön ; wenn ich die Zeit mir ihm so entgegeneilend denke , wie die Felder und Wiesen dann auch bei Euch grün werden , und dann fangen die Obstbäume an zu blühen , und der Himmel wird ganz blau ! Vielleicht schreibst Du mir dann auch einen blühenden Brief wieder , wenn die Sonne auf Deinen Schreibtisch scheint . Ich habe dann zwar noch eine Beschäftigung mehr , denn die Altane wird ganz mit Bohnen und Hopfen bepflanzt . - Das wird ein grünendes Zelt , das ganze Haus wird lustiger aussehen . Die Stangen hab ich mit dem Dominicus schon geordnet ; - Kasten haben wir mit guter Erde gefüllt , da sollen die Sonnenblumen zu einer erstaunlichen Höhe drin wachsen ; auf die Mauer kommen erstens ein Aurikelflor , zweitens Ranunkeln - meine liebsten Blumen ! - Wenn diese sind abgeblüht , dann kommen die Grasblumen ! Nein , diese sind mir die liebsten ! - In die Mitte mache ich einen Sitz , auf beiden Seiten kommen meine zwei großen weißen Rosensträuche hin , die der Gärtner in Offenbach mir überwintert , und den Granatbaum und den Feigenbaum , unter dessen Schatten man ganz gedeckt ist ! - Adieu , lieber Clemens ! Ich bin und bleibe wie ich war , Du tätest mir das größte Unrecht , wenn Du nur vermuten könntest , daß ich anders werde . - Ach , ich kann ja meine Seele nicht abwerfen wie ein schlechtes Gewand ! - Bettine Lieber Clemens ! Eben ist mein Brief schon fort , und da kommt George mit einem nachträglichen Anliegen an Dich . Am 19. März ist dem Clausner sein Geburtstag ; George will , daß wir ihm etwas vorzaubern , um sein langes Alleinsein ein bißchen mit vergnügten Augenblicken zu unterbrechen , er meint , Du würdest gewiß etwas Schönes erdenken , - wo wir alle mitwirken könnten . - Was könnten wir machen , Clemens , besinne Dich , in der Übereilung fällt mir gar nichts ein : vielleicht ein Schattenspiel in der Tür vom Saal angebracht , das gibt ein Familienpläsier , wenn wir am Abend alle beisammen sind und die Dekorationen malen und die Figuren dazu ; und mach fort , schüttel ' s aus dem Ärmel ! An Bettine Ich kann Dir nur ein paar Worte schreiben , da die Post spät ankam . Dein Brief hat mich recht gerührt , schreib mir doch ausführlicher und hüte Dich vor aller Überreizung . Du hättest eine Ohnmacht gehabt , schreibt mir die Toni , und an die Wand Dich gestoßen und ein tiefes Loch dicht unter dem Aug ! - Ich fühl es an meinem Aug , so sehr leid tut mir ' s ! So sind wir denn wieder recht einig ; ach Gott , ich bin doch so ängstlich ! - Sei doch nur recht vergnügt , so wirst Du gewiß nicht mehr solche Anfälle haben ! Ich habe Dich gekränkt zwei Wochen lang mit dummen Briefen , und dann kamst Du auf den Ball und warst im Herzen nicht freudig dazu , da war Dir die ganze Welt ein Ekel , da mußte Dir wohl wüste im Kopfe werden ! - Warum muß ich denn allein nur so dumm sein , hätte ein anderer so von Dir gedacht , ich hätte ihm den Kopf zurechtgesetzt und hätte Dich geschützt gegen jeden Vorwurf ! - Ach ich bitte Dich , sei glücklich . Ostern komme ich nach Frankfurt , da wollen wir uns recht ausschwätzen . Grüße die Gundel , sage ihr mein Mitleid mit ihrem Unwohlsein wie auch , daß ich einen großen Brief von der Mereau habe , und daß zwischen uns ein artiger Briefwechsel , eine Art Präliminär-Friedensartikel sich zu erheben scheint . - Grüße die Toni , aber Dein Aug , Dein Aug ! Das scharfe Eisen , was so dicht daran Dich verwundete , leidet doch Dein Aug nicht ; ich fühle , wie ich Dich liebe voll Angst ! Tut es denn noch sehr weh ? - Und eine Ohnmacht , gut , daß ich nicht dabei war . Ich bitte , halte Dich gut ! Ergib Dich keiner Betrübtheit , wenn es vielleicht eine böse Narbe wird ! Wenn ' s doch erst besser Wetter wär , so könntest Du doch die frische Luft genießen , sie ist Dir sehr notwendig , sie ist Dein Element . - Du mußt alles Traurige vermeiden ! - Es könnte Dir schädlich sein . Lebe wohl , lieber Engel . Clemens Liebe Bettine ! Ich erhalte Deinen kleinen Brief wieder zu spät , um viel zu schreiben , grad noch fünf Minuten . Kannst Du ' s mir genauer noch beschreiben , das Geburtsfest betreffend ? Illumination ? - Ölgetränkt ? - Wohin ? - Wie groß ? So will ich Euch viele Ideen angeben , wenn Du mir umgehend bestimmter schreibst und Ihr noch nichts angefangen habt ; - so kann ich Euch bis zum 19. noch ein kleines Lustspiel dichten für die Schattenpersonagen . Braucht Ihr etwa auch Verse ? Schreibe bestimmt darüber . Clemens Liebe Bettine ! Euer Fest auf Claudinens Geburtstag liegt mir so am Herzen , daß ich wünschte , Ihr möchtet etwas recht Schönes und Edles vorstellen , das Euch Ehre machte , Du weißt , wie oft auch das Ölgetränkte , wenn es noch so gut angelegt war , verunglückt . - Ich habe daher nachgedacht und etwas ziemlich Artiges erfunden , was sich auch gut ausführen läßt und bis auf ein Härchen paßt . Das Ganze ist ein kleines Drama in einer Szene , daß ich Euch schreiben will , und das Ihr , wenn Ihr mir augenblicklich schreibt , ob Ihr meinem Vorschlag folgen wollt , schon den nächsten Mittwoch haben sollt . Ich will es Euch hier näher beschreiben : Einige Mädchen haben eine Freundin , die sie sehr lieben , und deren Geburtstag sie feiern wollen ; sie wissen aber nicht wie , denn ihre Freundin ist so vortrefflich , daß sie nicht wissen , wie sie ihr recht Ehre erweisen sollen . Da sie über ihre Anschläge sinnend in den Wald gehen , finden sie eine Matrone , der sie ihr Anliegen vorbringen ; diese ist eine Zauberin und verspricht den Jungfrauen zu helfen . Sie sagt : » Ich will eurer Freundin die Taten des edlen Weibes zeigen , das an ihrer Wiege stand , sie unsichtbar wiegte , ihre Träume bildete und ihr , ohne daß sie es weiß , Vorbild und Schutzengel geworden ist , nehmt die Blumen , die hier liegen , und windet Kränze ! « Da müßt Ihr Euch dann zusammensetzen und Kränze machen und während der Arbeit ein zweckmäßig sanftes Terzett oder Duett singen , wozu ich Euch , wenn Ihr mir irgendein Muster angebt aus einer Oper , einige Verse machen will , auch kann es Lied mit Chor- oder Wechselgesang sein , wie Ihr mir die Anzahl der Jungfrauen oder das Lied bestimmt . Wenn dann Eure Kränze fertig sind , so spricht die Zauberin : » Geht und holt eure Freundin und bekränzt sie ! « Dann geht Ihr auf Clodine zu , die unter den Zuschauern sitzt , hängt ihr die Kränze von weißen Rosen und Lilien um und führt sie zu der Zauberin ; diese nun hebt den Vorhang von ihrem Zauberspiegel , in dem die folgende Geschichte transparent gemalt und illuminiert erscheint . Claudia war eine römische Vestalin ; ihr Vater ein Feldherr . Nach einem Sieg wollte er einen Triumphzug in Rom feiern , aber ein Tribun , der sein Feind war , verbot es ihm ; Claudius triumphierte dennoch . Der Tribun , erzürnt über seine Kühnheit , näherte sich ihm von hinten und wollte ihn plötzlich vom Wagen reißen , Claudia bemerkte es und vergißt aus Liebe zu ihrem Vater die Ruhe und Majestät ihres geheiligten Standes ; sie springt dem Tribun vor , wirft sich in des Vaters Wagen , umfaßt ihres Vaters Knie und weist den Tribun zurück . Dieser muß nun von seinem Vorhaben abstehn , denn was eine Vestalin berührt , ist heilig , und sie ist dem Tribun an Macht gleich . Ich habe Euch die Szene mit der Feder skizziert hier beigelegt , wie sie am wenigsten Mühe zu malen kostet . Man sieht von hinten in den Wagen , der Triumphierende merkt es noch nicht , alles ist der Moment . Die Vestalin muß ganz verschleiert sein , in weiße Gewänder gehüllt ; auf dem Rande des Wagens steht eine Viktoria wie gewöhnlich bei dem Triumph , in der Ferne werden Trophäen getragen ; das Ganze ist in den kleinsten Raum gedrängt . - Wie schön paßt das auf Clodine , ihre treue Liebe zu ihrem Vater , ihre Zucht , ihr Name Claudia . Das wäre eine Szene . Eine andre aus dem Leben dieser Vestalin ist folgende : Die Römer wollten das Bild der Göttin Zybele nach Rom auf einem Schiffe über die Tiber fahren , aber das Schiff ging nicht von der Stelle ; da trat die Vestalin in einen Kahn , betete die Göttin an , band dann ihren Gürtel an das Schiff der Göttin und zog das Schiff ohne Mühe herüber als einen Beweis ihrer Tugend . Das wäre ein zweites transparentes Bild ; dann könnt Ihr um sie herum tanzen und sie küssen und drücken usw. Ihr müßt mir aber bestimmt die Arien schreiben und die Anzahl der Mädchen , damit ich die Verse schreiben kann , Ihr müßt mir dazu die Worte der Arie schreiben , und wie sie einfallen , damit ich meine ebenso einrichten kann . Ich meine Lotte die Zauberin , Kundel , Du die Mädchen , oder auch die Jung dabei , wenn Ihr wollt , wegen dem Tanz , oder wie es Euch lieb ist . Da hättet Ihr Euer ganzes Fest einfach , neu und schön ; spreche doch mit dem Georg gleich darüber , und wenn Ihr dann wollt , so habt Ihr am Mittwoch alles ; ich eile mich und bleibe ein paar Nächte auf . Die Bilder könnt Ihr ja nach der Skizze besser gezeichnet gleich von einem Maler zurechtpinseln lassen , sie müssen in der Form eines großen Spiegels gemacht werden .