. Scheiden und Meiden tut weh , heißts , das erfuhren sie , und besonders dann , wenn man voraus weiß , daß das nächste Treffen ein schweres ist und dessen Ausgang möglicherweise ein unglücklicher . Gerne hätte Resli sein Meitschi begleitet , aber es sagte es ihm ab . Die Felder hätten Augen , die Wälder Ohren , und wenn etwas Böses anzustellen sei , so führe der Teufel ungesinnet Leute in den Weg , die man hundert Stund weit weg glaube . So schieden sie beim Hause , nachdem das Stubenmeitli ihnen glückliche Reise gewünscht und manchmal geheißen hatte wieder zu kommen , und wenn sie was zu verrichten hätten und es bhülflich sein könne , so solle man es nur sagen . Resli wußte es , wie ein Fünfbätzler fünfzigfältige und ein gut Wort hundertfältige Früchte tragen kann , bei einem Stubenmeitli nämlich , bei Stallknechten ist es umgekehrt , darum kargte er mit beiden nie , war aber auch mit keinem von beiden verschwenderisch ; darum ward er allenthalben gerne gesehen und doch nirgends zum Besten gehalten . Anne Mareili hatte einen schweren Heimgang , denn wenn der Geliebte von ihrer Seite weicht , so kömmt den Mädchen gewöhnlich das Zagen an , selbst in geebneten Verhältnissen , geschweige denn , wenn Unholde drohen und Klüfte gähnen . Wer ist wohl , der nicht schon von der Teufelsbrücke gehört hat und von dem finstern Loch jenseits und wie jenseits des Loches ein wunderbar friedlich Gelände sei , wo sanft die Wasser fließen , sonnig die Wiesen glänzen , hell der Kühe Glocken läuten , fruchtbar die Berge zu Tale laufen , freundliche Menschen wohnen bei gutem Käse und herrlichen Fischen ? Aber wer diesseits der Teufelsbrücke steht in wildem Felsentale , eingeklemmt zwischen nackter Fluh , die gen Himmel strebt , zu seinen Füßen donnernd die wilde Reuß in schäumendem Zorne , hinter ihm kommen stäubende Wetter gezogen , und Not und Sehnen treibt ihn nach dem Tale des Friedens , auf ebner Bahn und weichem Rasen die müden Glieder zu sonnen , aber vor ihm fehlt die Brücke , gähnt die Kluft , und höher und höher spritzt der wilde Fluß seine gierigen Wellen , und ungestümer drängen die Gewitter sich nach , und oben geht die Sonne vorüber , ihre Strahlen verglimmen an der Felswand , und Nacht wird ff über dem Graus : der mag sich denken , wie es in Anne Mareilis Seele war . Es hatte einen Blick getan in der Ehe selige Gelände , wo des Gemütes Wogen friedlich rauschen , des Friedens Sonne scheinet , im Schwersten des Herrn Segen ist , der Liebe Läuten jede Stunde zum Sonntag macht , das Leben zum Sabbath des Herrn weiht ; aber vor seinen Füßen gähnt der Abgrund , und aus dem Abgrund empor streckt ein Unhold nach ihm seine Arme , über den Abgrund fehlt die Brücke , hinter ihm drängen die Wetter . Der elterliche Wille wäre die Brücke , dann ein Schritt , es wäre drüben über seinen Jordan , stände im Lande Kanaan , dem gelobten , dem ersehnten . Aber dieser Wille ist keine Brücke , hat vielmehr ins harte Wetter sich gewandelt , das ihns tückisch zum Abgrund drängt , aus dem empor des Kellerjoggis versüderete Augen näher und näher zwitzeren . Kann es aber nun etwas Gräßlicheres geben , als wenn in tückische Kobolde die Eltern sich wandeln , welche auf der gefährlichen Lebensfahrt neckisch und teuflisch ihre eigenen Kinder locken und drängen in Schlünde und Gründe , in denen die Hölle ihre Eingänge hat ? Ein einzig freundlich Wort , der Ausgang aus der Gefahr , der Eingang ins sichere Land wäre gefunden . Und wie muß so einem Kinde sein , wenn es klar seine Lage erkannt hat , das heilige Land , den schwarzen Abgrund , und es geht heim zu den Eltern , die mit einem Worte ihm erschließen könnten seine Herrlichkeit , und es weiß , sie wollen nicht , und es weiß , es liegt in ihrem Sinne , daß es sich opfere dem Moloch , der aus dem Abgrunde die Arme reckt ! Da kann man sich wohl denken , wie es dem armen Kinde sein muß , und wenn es weinen muß , so recht des Herzens Grundwasser aus den Augen quellen , wer will es tadeln , wer will ihm sagen : » Schwyg ume , schwyg ume , das macht nüt , häb o Vrstang « ? Aber wie es Eltern geben kann , die mit einem Wörtlein ihre eigenen Kinder mit Leib und Seele retten können und tun es nicht , das kömmt Vielen unerhört und unbegreiflich vor , und doch ist dies nicht nur sehr faßlich , sondern sogar handgreiflich , alle Tage zu sehen . Man hört noch hie und da vom alten , grauen Heidentume , hört mit Schaudern , wie man Kinder geopfert , erwachsene Töchter , halbgroße Söhne , Sklaven zu Hunderten , ja wie von einem indischen Götterwagen noch dato alljährlich Hunderte Gott zu Ehren zermalmt würden , und wer das hört , macht , wenn er katholisch ist , ein Kreuz , und Reformierte fröstelet es einfach , und alle sagen : » Gottlob sind diese Zeiten vorbei und rollt der indische Wagen nicht auf unsern Wegen ! « Und doch ist das Heidentum mitten unter uns und Menschenopfer sind gäng und gäb , und da greuliche zermalmende Wagen des Gottes Unverstand rollt alle Tage über Tausende , nicht über Hunderte bloß . Schon so oft ist es ausgesprochen worden , daß sobald der Mensch einen Götzen habe , er demselben alles opfere , was er hat , und je klarer diese Wahrheit ist und alle Tage zutage tritt tausendfach , um so weniger faßt sie da Mensch . Ist einem Menschen Geld sein Götze , so opfert er ihm Leben , Ehre , Kinder . Hat einer die Ehr- oder Familiensucht , so opfert er derselben Leben , Geld , Kinder usw. , und klagen die Letztern , so schreit er Mordio über kindlichen Undank , wie er sie habe glücklich machen wollen , und sie tätens nicht begreifen , wie stockklar es auch sei . Das ist halt Götzendienst , und der will Opfer . Nun freilich verbergen sich diese Eltern zumeist hinter dem Vorwande , daß Kinder nicht wüßten , was ihnen gut sei , und daß Eltern für sie den Verstand haben müssen . Richtig ists , daß Kinder es oft haben eben wie Kinder , denen jeder Doggel den sie hinter den Fenstern eines Ladens sehen mit schönen Backen und langen Züpfen , zu Herzen geht , daß sie meinen ihn haben zu müssen . Da mag Wehren gut sein , aber einen andern ebenso argen Doggel dagegen ihnen aufzwingen , das ist unrecht , denn Götz ist eben Götz . Aber auch oft meinen es die Kinder recht , die Eltern unrecht , ihr starrer Wille ist Sünde und Unbarmherzigkeit . Der Unbarmherzigkeit der Eltern , der Torheit der Kinder ist aber durch kein Gesetz zu wehren , und wäre dasselbe aus der allerneuesten Fabrike , da mittelt alleine der christliche Sinn , der zu werten weiß ein jedes nach seinem Werte . Man mag sich aber denken , wie schwer das Gehen wird , wenn so schwer das Herz einem ist , wenn jede rinnende Sekunde näher dem Abgrund uns bringt , für das wölbende Wörtlein keine Hoffnung ist . Anders aber ging Resli heim , voll Mut und Freude , war doch das Mädchen sein und nicht nur dem Worte nach , sondern Inneres und Äußeres war , wie wenn Gott es apart für ihr Haus erschaffen , er ihm eine zweite Mutter hätte schenken wollen . Mit dem Laufen wuchs ihm der Mut , und als er heimkam , hatte er keinen Zweifel mehr , daß nicht alles gut gehen werde . Es werde doch wohl noch Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden sein , sagte er . Es war ziemlich spät , als er heimkam , aber noch schimmerte Licht durchs Fenster ; auf der Bsetzi traf er den Vater an mit seinem Pfeifchen , in der Stube las die Mutter in der Bibel , hinter dem Tische nähte Annelisi an einem Göller , und auf dem Ofen erhob sich schlaftrunken der Bruder . Gäb wie er sagte , er möge nichts , sie sollten nicht Mühe haben , er sei nicht hungerig , war im Hui der Tisch gedeckt , stand Essen und Trinken vor ihm , und während er aß und trank , wurden gleichgültige Reden gewechselt : wie warm es heute gewesen , ob man am Roggenschneiden sei , ob Obst sei an den Bäumen und wie da unten die Kirschen gerieten . Erst als Annelisi abgeräumt , das Tischtuch weggenommen hatte , doch nicht eher , als bis Vater und Bruder noch anerboten worden war , was übrig geblieben , frug die Mutter : » Und jetzt , wie ists gegangen ? Bricht , ists cho , und was hets gseit ? « Nun gab Resli Bericht , wie er gewartet und wie sie einander gevettert und was das Mädchen geredet und wie es ihm immer lieber geworden sei und wie er ein grusam Bedauern mit ihm gehabt und was sie abgeredet und wie den ganzen Tag kein Mensch sich gezeigt , der sie verraten könnte . » So hats doch keinen Verdruß einstweilen « , sagte die Mutter ; » es hat mir immer Kummer gemacht , sie ließen es nicht gehen oder schicken ihm jemand nach . « » Ja aber denk , Mutter « , sagte Resli , » wie es ihm sein muß , wenn es gegen ihr Haus kömmt und es da erst recht verbergen muß , wessen sein Herz voll ist , ärger als ein Schelm gestohlene Habe . Und ists doch nichts Böses , das es im Herzen trägt , nichts , dessen es sich zu schämen braucht , sondern etwas , das Vater und Mutter zuerst wissen sollten und das es ihnen nicht sagen darf , weil sie meinen , ihres Meßtischs Herz sei ihr Holzschopf , wo nichts drein und draus darf ohne ihr Vorwissen , und kömmt die Liebe an , man weiß nicht wie und kann selbst nicht wehren , wenn man schon wollte . Ich habe nicht genug denken können , wie anders ich es habe , wenn ich heimkomme . Da werde man mir warten , habe ich gedacht , akkurat wie ich es getroffen , der Vater auf der Bsezi , die Mutter hinter der Bibel , und ich habe gar nicht warten mögen , bis ich heim war , um alles sagen zu können , was ich gehört und gesehen . Es het mih mengist düecht , mi ziehy mih fry am ene Welleseil . Oh , ihr glaubt nicht , was das für ein lustig Heimkommen ist und wie ruhig man dann ins Bett geht , wenn man alles hat brichten können , fry ds ganz Herz ablade . « » Ja , Kinder , so ists lustig « , sagte der Vater , » und jetzt hey mrs und jetzt bheyt mrs , sinnet dra , wies angers ist . Wir wollen es haben wie Leute , denen das Haus hat angehen wollen aus Unachtsamkeit , die es noch haben löschen können , die können auch nicht Sorge genug tragen zum Feuer ihr Lebtag lang . « » Ja « , sagte Annelisi , » so ists , da ist es lustigers Drbysy . Aber warten mag ich nicht , bis ich das Meitschi sehe ; das nimmt mich wunder , was das für eins ist , welches es dir hat antun können als wie ghexet . Ich bin doch auch nicht das Leidist , aber ich mag tun wie ich will , so zweg bracht , wie dich dein Meitschi , habe ich Keinen . Die , welchen ich den Tätsch gebe , hängen sich nicht , und die , welche fragen , was der Vater mir wohl Ehesteuer gebe , und ich sage , ich traue eine trägene Aue und halbrystige Hemli bis gnue , die gehen und sehen sich nicht mehr um , gäb wie ich ein Büschelimüli mache und Auge wie Fürsprützerädli . Und wegen Keinem habe ich mich gehängt , gäb wie Mancher auch schon gegangen ist , und Keinem wäre ich eine Stunde weit nachgelaufen , die Schuhe hätten mich gereut . Da nimmt es mich doch wunder , wie das sei mit der Liebe , ob sich die Leute das nur so einbilden oder ob der liebe Gott apartige Herzen gemacht hätte , so brönnigi , wo selber gleich im Feuer sind und andere anstecken könnten , wie Kuderbützeni auch gleich angehen , wenn man mit Schwefelhölzern hineinfährt . So eine brönnige Liebe ist schön , ich muß es sagen , sie gefiele mir auch , aber eben wissen möchte ich , was man machen müsse , damit sie angehe , oder ob man dafür besonders beschaffen sein müsse . « » Du bist ein leichtsinnig Annelisi « , sagte die Mutter , » meinsts nit bös , aber über solche Dinge spottet man nicht ; auf jeden losen Spott kommt böser Lohn , und wie es dir mit der Liebe noch geht , weißt du nicht , das ist eine Sache , die nicht zu ergründen ist und vor der niemand sicher ist . An Liebestränke glaube ich nicht , obgleich einer in Solothurn sein soll , der verflümeret starchi und gueti Liebestränke gemacht , aber auch verflümeret teuer , doch heigs ihm afe böset damit , heißts . Aber gwüßni Stunde sinds , wo sie einen ankommt , als ob man einem einen Stein anwürfe , ich könnte auch etwas davon erzählen , und so eine Stunde wirds auch gewesen sein , als Resli mit seinem Meitschi zusammentraf . « » Mutter , was könntest du erzählen , Mutter , was ? « fragte Annelisi , und die Andern machten ebenfalls fragende Gesichter . » He , King « , sagte Änneli , » nur daß ihrs wißt , es weiß niemere , wie lang ich noch lebe , und daß ihr ein Beispiel daran nehmen könnt , so will ichs sagen . Wo der Vater um mich buhlet hat , habe ich anfangs auch nur mit ihm das Gespött getrieben ; ich bin ein lustig Meitschi gewesen , gerade wie Annelisi , und es het mih düecht , ich wollte all lieber als den , und den nehmte ich nicht um keinen Preis . Da habe ich einmal , an einem Langnaumärit wars , etwas gesehen , und da wars , als ob man mir einen Stein ans Herz würfe , und von Stund an ists mir anders gewesen und es het mih düecht , den oder keinen , und gäb wie ich mich geschämt habe und es habe verbergen , verwerchen wollen , es war alles nichts , und gäb es lang gegangen ist , haben wir verkünden lassen . « » Mutter , was hast du gesehen ? « fragten alle . » He , ich wills fry sagen « , antwortete sie , » sellig Sachen sollen nicht verborgen bleiben , wer weiß , zu was es dient , und wenn ich noch etwas sagen will , so darf ich nicht warten . Es ist Märit gewesen in Langnau und tanzet habe ich mit so einem ungschlachten Truber Bauernsohn und getan haben wir , welches ungereimter und wilder . Da wars mir auf einmal , als rufe mich jemand , ich sah mich um , aber es kündete sich niemand ; ich tanze zu , höre wieder rufen , und mit dem ists mir , als gehe jemand draußen am Fenster vorbei und winke mir dringelich dreimal . Ich wußte nicht , wers war , aber die Augen sahen mich so bekannt an , als wären es meine eigenen Augen . Ich vergaß Truber und Tanz , alles um mich , und mache mich hinaus . Draußen sehe ich niemand mehr kein Mensch , der dem glich , den ich gesehen , aber hinten in des Hauses Ecke sehe ich unsern Ätti , der kehrt mir den Rücken , aber ich sehe , wie er das Nastuch in der Hand hat . Anfangs glaubte ich , er blute nur , aber er wischte sich die Augen , und fry gschüttet hets ne . Da wars mir , als würfe man mir einen Stein ans Herz , und von Stund an mochte ich keinen Andern mehr ansehen , und wie gesagt , gäb wie ich mich wehrte , mein Herz sagte , der und kein Anderer , und was ich ausgestanden , bis er mir wieder nachgelaufen und die Sache richtig gewesen ist , das weiß niemand ; Tag und Nacht habe ich ihn gesehen , wie er die Augen wischte , und bis wir geheiratet waren , gabs wohl keine Nacht , daß ich nicht darob erwachte . Darum , Annelisi , spotte nicht , du weißt nicht , wie es dir geht . Und denk , wie grüslig , wenn man einen ausgespottet hat , und wie er weitergeht , fährt uns der Stein ans Herz , aber jener kehrt nicht um , geht jetzt einer Andern nach . « » Und ich weiß nicht « , sagte Annelisi , » ob ich , und wenn man mir mit zentnerigen Steinen das Herz zerbenggelt hätte , daß es ein Grus wäre , daß es wurde wie ein lötiger Heitibrei , einem nachliefe . Bstellet hat mich schon Mancher , aber gekommen bin ich Keinem , wenigstens expreß nicht . « Resli ward rot , aber rasch sagte die Mutter : » Los , red nicht , wennd dSach nicht verstehst . Du mahnst mich an einen , der im heißen Sommer über die lachet , die im Winter auf den Ofen sitzen und wollene Strümpfe tragen . Und was eins nicht mag , daß dies dann auch niemand tun soll , das ist noch lange nicht gesagt . Wie viele Bestellungen hiehin , dorthin werden nicht gemacht , und Mädchen , welche unbsinnt gehen , sind sicher eine größere Zahl , als solche sind , welche nicht gehen . Und warum sollte man in ein ehrbar Wirtshaus nicht gehen dürfen , und was ist da unanständig , Es ist Landsbrauch , und wer einen ehrbaren Sinn ins Wirtshaus trägt , bringt sicher einen ehrbaren Leib wieder hinaus . Dann , Meitschi , was meinst , was tätest , wenn wir dich verkuppeln wollten einem alten Sünder , wenn wir dich verspotteten und verlachten , der Vater dir abputzte , die Mutter des Vaters Meinig wäre und die Brüder auf dir wie der Teufel auf einer armen Seele , und ein rechter Bursche machte dich und du ihn , und im Hause wäre keine Ecke zu einem vertraulichen Wort , und du hättest doch das Herz voll und es hieß : Entweder nimm dBestellig an oder ergib dich dem grauen Unflat - Meitschi , was tätest ? Jetzt hast du gut krähen , aber sinn , was ich gesagt , und jetzt , wenn du Anne Mareili wärist , Meitschi , was tätest , Meitschi , was meinst ? « » Ach Mutter , nichts meine ich « , sagte Annelisi , » ich täte , was du mir raten würdest . « » Du bist es Täschli « , sagte die Mutter . » Aber jetzt , Kinder , geht ins Bett und danket Gott , daß er gemittelt hat , daß wir wieder mit einander reden können in Liebe und Friede , und betet , daß es immer so bleiben möge . « » Zürn nüt « , sagte Annelisi zu Resli , » aber was witt , ich bin schalus über das Meitschi , welches du lieber hast als mich , und das wird so bleiben , bis ich einen finde , der mir auch lieber wird , als du mir bist . Sehen möchte ich das Meitschi doch , es nähmte mich wunder , obs denn auch so ein Ausbund ist , daß kein anderes ihm zu vergleichen wäre ; das wäre bös für alle , wo es nicht bekämen . « » Dank dem lieben Gott auch dafür , lieb Annelisi « , sagte die Mutter , » daß er jedem Menschen apartige Augen gegeben hat , es wäre bös , wenn es anders wäre . So ist mir jetzt mein Mann der liebste , brävere Kinder als meine sehe ich nicht , und es wird sich wohl noch einer finden mit solchen Augen , welchem du als das schönste und beste Meitschi erscheinst auf Gottes liebem Erdboden . « Resli wartete nicht lange , die Abrede auszuführen , aber es ging ihm doch dabei , wie es gewöhnlich geht , wenn zwischen dem Entschluß und der Tat eine Zeit liegt , und auch nur eine kurze . Das Fassen des Entschlusses hat Kraft verzehrt ; als der Entschluß geboren war , hatten die Geburtskräfte sich abgespannt , und Ruhe ist eingetreten . Nun steht der Mensch da , wie von hoher Höhe herabgefallen ins tiefe Tal , und vor ihm steht als eine neue Höhe die Tat da ; da ist nicht ein Schreiten , ein Satz von einem zum andern , sondern ein neuer Anlauf tut not , ein neues Aufraffen , was gewöhnlich menschlicher Trägheit so schwer wird . Taten vollbringen sich schwer und selten , wie die Weiber auch nicht alle Tage gebären , der Himmel nicht alle Tage donnert ; des Menschen Tun ist meist nichts als ein tägliches Abhaspeln der täglichen Gewohnheiten . Eine Braut abfordern , absonderlich unter solchen Umständen , ist eine Tat , und wenn man schon dazu den Entschluß gefaßt hat , so ist sie damit nicht vollbracht , sondern mit jedem Tage , der zwischen der Ausführung liegt , wächst die Lust , dieselbe jemand anders in den Sack zu schieben . Mehr als hundertmal ward Resli reuig , daß er nicht nach , gegeben , als Anne Mareili meinte , er solle den Vater senden ; er empfand es , wie im Übermut eine Rute sitzt , die unbarmherzig geißelt . Ists doch eigentlich Übung , daß Väter Brautbitter bei den Eltern der Braut sind , daß sie hingehen und sagen : » My Bueb möcht dys Meitschi , du wirst doch öppe nüt drwider ha , es wird dr recht sy ? « Manchmal macht man es schöner , wie zum Beispiel jener Ätti , der am Läufterli doppelte des Abends spät , bat , der Alte möchte unters Fenster kommen , und als er erschien , anhub : » Es ist Gottes Wille , daß mein Bub und dein Meitschi zusammenkommen sollen , und da habe ich mich darein ergeben , du wirst wohl auch müssen . Aber fragen hätte ich dich doch mögen , was du Ehesteuer geben willst , öppe drütusig Pfung , düecht mih , nit ? « » D ' Sach ist mer recht « , antwortete der Andere , » aber mehr als hundert Kronen gebe ich allweg nit . « » Wird nit Ernst sy « , antwortete der Erste . » Wohl ists « , sagte der Andere , » nit e Chrüzer meh chan ih gä , selb ist no zviel . « » So wirds nicht Gottes Wille sein « , sagte der Erste , » daß die Zwei zusammenkommen , des Herrn Ratschläge sind unerforschlich und seine Wege wunderbar . Adie wohl und zürn nüt . « » Ds Kunträri « , antwortete der Andere und machte satt das Läufterli zu . Und warum es Übung ist , daß Väter gehen , kömmt erstlich noch aus dem alten schönen Grundsatze , daß Eltern für das Wohl ihrer Kinder sorgen sollen in jeglicher Beziehung , und aus jener alten schönen Zeit , wo die Kinder nicht mit der Muttermilch sich emanzipiert glaubten und auf die Eltern stark herabsahen , sobald sie die Nase selber schneuzen konnten . Zwischen unbarmherzigem Zwang und frommer Sorge ist ein unendlicher Unterschied , denn es ist ein Unterschied zwischen Eltern , die Geldsack mit Geldsack kuppeln , ein Pöstlein aufs andere Pöstlein pfropfen , einen Namen mit einem andern Namen paaren wollen , und solchen , die es verhüten möchten , daß ihre Söhne nicht heidnische Weiber nehmen aus dem Lande der Moabiter und Kananiter , sondern sie wählen aus den frommen Töchtern des Landes . Nebenbei tun , sobald die Sache ihnen recht ist , die Väter nicht ungern diesen Gang , ja manchmal streiten die Mütter um den Vorzug , ihn tun zu dürfen . Das ist so ein Anlaß , wo ohne Ruhmredigkeit Vater und Mutter Zeugnis ablegen dürfen von ihren Kindern , von ihrem ganzen Hauswesen , und wohl dem Vater , Heil der Mutter , die bei dieser Gelegenheit aufrichtig sagen dürfen : » Noch kein Herzenleid hat mir mein Kind gemacht , mit uns und unsern Kindern war Gott für und für « ! Dabei werden wohl , das heißt wo aus aufrichtigem Herzen die Worte kommen , die Augen tränen , werden zu heiligen Altären werden , auf denen freudige Dankopfer erglühen . Mutter und Vater wären Resli gegangen , aber er hatte es anders gewollt und hielt sich jetzt nicht dafür , seinen Kleinmut zu bekennen und zu sagen : » Ätti , gang du , ih darf nit . « Er nahm den zweiten Anlauf wirklich und ging . Aber das war ein Stolpern und Studieren , bis er im Dorngrüt war ! Wer hat nicht schon einen Studenten stolpern sehen mit seiner ersten Predigt im Kopf , in der Tasche , in beiden Händen , allenthalben , um und um , daß er selbst zu einer lebendigen Predigt ward über eines Studenten nebelhaftes Heldentum in der Einbildung und wie er aber nichts ist als ein kleiner Nebel in der Wirklichkeit , der stolpern muß über Steine und Steine , bis er selbst , wenn er ächtes Korn hat , erhärtet zum Felsen , an dem Nebel streichen , Wellen sich brechen , die Luft sich läutert . Aber noch ganz anders stolpert ein Schulmeister , Schullehrer will ich sagen ( von wegen die Demut kömmt ; Meister sich zu nennen , schämen sich die Herren Lehrer mehr und mehr , besonders die unbärtigen ) , wenn er am Pressen der ersten Kinderlehre ist , wo es gerade ist , als wenn man mit dem Kopfe aus den Steinen eine lebendige Quelle schlagen wollte oder aus Thuner Trauben in harten Jahren was Nasses . Und doch weiß Keiner , was Stolpern ist , wenn er nicht einen Dito gehört hat stolpern an einer eidgenössischen Rede an einem eidgenössischen Schießet , daß man mit Kanonen schießen mußte , damit er nicht Leib und Seele verstolpere . Da machen es die Fürsprecher besser ; die reden zu , mags nun kommen wie es will , und wenn einer dem Volke ein Kompliment mache und sagt : » O Volk ! O edles Volk ! Bald wirst du aufstehen , wirst aber nicht wissen warum « , so meint er noch , was er gesagt . Es gibt halt unverschämte Leute ! Und doch stolperte Resli noch viel ärger an allem dem , was er reden sollte im Dorngrüt , und je näher er demselben kam , desto häufiger stolperte er . Wie richtig er auch alles gesetzt hatte , was er sagen wollte : das , wenn es dä Weg gang , jenes , wenn es dr anger gang : wenn er wieder von vornen anfangen , repetieren wollte , so hatte er den Anfang vergessen , und wenn er den neu erdichtet halte , so kam ihm das Übrige krausimausi durcheinander , daß er ärger daran zu erlesen hatte , als wenn er Flachssamen aus einem Heufuder herauslesen sollte . Meinte er es auseinander zu haben , wollte es überblicken , hutsch , war alles ärger als zuvor , und je näher er dem Hause kam , desto krauser ward alles , aber desto mehr schwitzte er . Aber Resli war nicht der , welcher sich leicht von einer Sache begwältigen ließ . Stille stand er und sagte zu sich : So geht das nicht , das muß anders vorgenommen sein , so wie ein Bub willst du doch dort nicht aufmarschieren . Was ich reden soll , wird mir schon kommen , wenn ich sehe , was Trumpf ist , und vielleicht ist das zu vernehmen , ehe ich dort bin . Sagt ' es , bog ein , und nicht lange darauf saß er hinter einem Schoppen in dem Wirtshause , wo seine Eltern ihn abgeholt hatten , und vor ihm auf dem Vorstuhl die Wirtin . Die Wirtin wußte ihm nicht viel Tröstliches zu sagen . Das Mädchen rühmte sie , es sei sich dr wert , anzusetzen für dasselbe , seiner Person wegen , aber öppe wegem Reichtum könne man es leicht anderswo besser machen , denn öppe viel würden die Meitleni nicht erhalten , wenn man es nicht mit Prozedieren zwänge . Aber streng rede man davon , daß es nächsten Sonntag verkündet werden werde mit Kellerjoggi , und Wehre werd dem Meitschi wenig helfen , was der Alte wolle , das zwäng er düre und wärs durch sieben eiserne Türen durch . Aber z ' probiere werde nicht z ' töten gehen , fressen werde man ihn nicht , aber wenn sie ihm raten könne , so solle er etwas kramen , das gehe dort allweg wohl an und mach , daß man öppe manierlicher gegen ihn sei , wenn man schon nichts von ihm wissen wolle . Das wolle sie ihm sagen , erschrecken