sah ihnen nach , mein Blick war ganz trunken vom Flammenwind , der da durchbrauste . Schreib dir ' s ins Herz , sagt ich mir heimlich , das ist dein Leben , wie ein fliegender Feuerdrache ist dein Geist , er leuchtet die heilige Natur an , ihre dunklen Räume ; mit heißer , durstiger Zunge leckt er an ihr hinauf , aber er versehrt sie nicht - der Drache ist nicht wild und giftig , nein ! zahm und sanft auch ; er schwingt sich in zärtlicher Unruh im Kreis und strömt seine Feuer in sanften Laven in die Bäche am Weg , und sein glühender Atem erlischt in den Nachtnebeln . Ja , der Drache ist zärtlich und liebend auch , nicht giftig und tötend , nur will ihn keiner verstehn , und alle fürchten sich vor ihm , aber nicht Du , meine Günderode , Du scheust den Drachen nicht , Du kosest ihm und legst seinen Flammenrachen zärtlich in Deinen Schoß . - Jetzt war ich aufgewacht aus meinen Träumen , ich nahm dem Reitknecht an meiner Seite die Zügel und jagte durch die breite Ebne , ganz im Mondlicht schwimmend . - Ach , wie lustig ! - Allerlei Glücksempfindung ! - Mit Dir hab ich den Pindar gelesen , Du hast auf Deinen Lippen die Begeistrung aufgefangen und mir auf die Seele geträufelt . Wenn der Sänger mit sausenden Schwingen dahinflog , an uns vorüber ! - Weißt Du ' s noch ? - » Dahin raste der heißbrausende Hymnensturm Latonens Sohn zum Preis ! « - Weißt Du ' s , Günderode , noch ? - Das Licht war ausgebrannt , Du lagst auf dem Bett , die Seele voll Klang , und wiederholtest die Verse in fester prägenden Rhythmen , wo ich das Versmaß sinken ließ , und bei der Nachtlampe las ich weiter : Hört mich , ihr Söhne stolzer Helden und der Götter ! - Denn ich verkünde diesem meergepeitschten Land , Einst werde Epaphus ' Tochter eine Städtewurzel pflanzen Auf des Hammoniers Boden , den Sterblichen zur Wonne , Die kurzbefiederten Delphine vertauschen alsdann Mit schnellen Rossen werden sie , die Ruder mit Zügeln , - Und fahren auf sturmfüßigen Wagen dahin . Ich nahm diese letzten Zeilen zwischen die Lippen von Zeit zu Zeit und stieß sie im Gesang hinausrufend in die weit schlafende einsame Weite , und der Mond eilte mit hinter leichtem Gewölk hervor . » Hörst du auch wieder die alten Hymnen , Latone , deinen Söhnen gesungen ? « rief ich , - und so füllten sich allmählich meine Sinne und rauschten auf , als seien sie von einem Harfenrührer erschüttert mit goldnem Plektron und jugendbrausendem Mut . - Glückliche Nacht , wo die Gedanken wie Blüten im Südwind sich auftun fröhlicher Hoffnung voll - und ein Gefühl heitern Geschickes wie glänzende Strahlen aus den feurigen Blitzen sich ergießt , die der Drache in die kühlen Mondlüfte spie ! So kamen wir nach Offenbach , ich wendete links ab , statt in die Domstraße zu fahren , der Reitknecht wollt mir in die Zügel greifen , weil ich den Weg verfehle , ich wehrte ihm , und so fuhr ich rasch am Boskett vorüber , wo die Pappeln so anmutig sich neigten , so schüchtern rauschten , als wollten sie mich grüßen . Ich lenkte in den engen Weg nach des Gärtners Haus , ich hatte gesagt , um halb zwölf Uhr , es war drei Uhr in der Nacht , der Tag war im Aufwachen , der Gärtner stand vor seiner Tür und nahm die Mütze ab , als er mich kommen hörte . » Guten Morgen , « sagte ich , » heut werd ich nicht in den Garten kommen , ich will ausschlafen , da ist Euer Kranz , « und lenkte wieder um voll Vergnügen , daß ich ' s durchgeführt hatt mit dem Kranz , denn ich war unterwegs voll Zweifel , ob ich ' s tun solle oder nicht . - » Dem Moritz den Gürtel , dem Gärtner den Kranz , « sagte ich mir immer ; aber eine innere Stimme sagte mir , warum soll der Gärtner den Kranz entbehren , er gehört doch sein , und er war ihm früher versprochen , und dann fühlt ich , wie weh es ihm tun werde , wenn ich mein Versprechen nicht halten würde , und wie das ohne Lüge nicht abgehen könne , ich müsse ihm sagen , der Kranz sei verloren oder zerrissen , und das wär eine doppelte Unachtsamkeit und müsse ihn doppelt verletzen , nein , ich mußt ihn ihm geben . Meine Seele war ordentlich leicht , als er hingeworfen war und er ihn mit der Hand auffing , er errötete so freundlich , grad mit der Morgenröte ! - die aufstieg . - Dem Moritz den Gürtel , ihm den Kranz ! Ja beiden gehört ' s. - Denn beide sind freundlich gesandt vom Dichtergenius , der in der lautlosen Stille , wenn ' s , von Menschen nicht gewußt oder nicht bedacht , mir durchs Labyrinth der Brust schweifet in der Nacht . - Zu Haus im Bett wie war mir ' s da ? - Letzt sah ich dem Franz sein Kindchen an der Amme trinken , da mußte es so schnell schlucken , es konnt nicht eifrig genug trinken , so strömte ihm die Milch zu . Grad so war mir ' s im Herzen , ich schluckte süße Milch , alle süße Erinnerung strömte , so wie meine Gedanken nur einen Augenblick wollten an ihr saugen , und wie ' s Kindchen sich von einer Brust zur andern wendet , weil sie zu voll strömen , bis es vor Ermüdung des Saugens einschläft , so wendete ich mich von einer Seite zur andern und schlief auch endlich vor Ermüdung des Genießens ein . - So hab ich geschlafen bis Mittag , da brachten sie mir einen Strauß , der war mir aus dem Boskett geschickt worden . - Hör nur , was das für ein Strauß war , und wie witzig der Gärtner ist ; und wie gebunden , und was das bedeuten mag , - in der Mitte eine Moosrosenknospe , da herum Vergißmeinnicht und Heidekraut , die einen Kranz bilden , dann rund herum höher herauf Wacholderzweige und Nesseln , die schirmt wieder allerlei Dornwerk und Laub , was höher steigt , so zierlich gebunden wie ein Kelch , in dessen tiefster Mitte die Moosrose glüht . Das lese ich so : Die Moosrose ist mein Geschenk , der Kranz ; das Heidekraut , was die Rose schirmt , das ist der bescheidne Gärtner , eine Blume , wie sie unzählig sich auf dem Feld ausbreitet , die Vergißmeinnicht , das ist das ewige Andenken ; er wird ' s nimmer vergessen , daß ich ihm den Kranz geschenkt hab , der Wacholder ist der schlichte Weihrauch , den er meiner Gabe als Opferrauch duftet , die Nesseln bedeuten , daß es ihm im Herzen brennt und schmerzt , das Dornwerk und das Laub , was rundum in Kelchform aufsteigt , die Rose zu verbergen , die sagen , daß es in seinem Herzen soll geheim bleiben , und daß er es im Herzenskelch vor aller Augen still bewahren wolle . - Der St. Clair ist wieder zurück , hat mir die Tonie gesagt . War er bei Dir ? - Was hat er vom Hölderlin erzählt ? - An die Bettine Der St. Clair war bei mir , er kam von Mainz , heut erst geht er nach Homburg , bleibt acht Tage oder länger dort , wenn er zurückkommt , das wird am Sonntag sein , will er nach Offenbach kommen , er glaubt , Du werdest dann am Morgen wohl ein paarmal mit ihm im Garten auf und ab gehen , da will er Dir vom Hölderlin alles erzählen . Am Mittwoch reise ich auf drei Wochen zur Nees auf ihr Gut bei Würzburg ; von dort will ich Dir deutlicher schreiben , hier im Augenblick von kleinen Reiseangelegenheiten gestört , kann ich nicht , wie ich wohl möchte , antworten auf Deine Liebe , der ich eben auch vertrau wie dem untadeligen Grund Deiner Seele . Schon fühl ich mich bewogen , Deine Empfindungen , Dein Tun ohne Einwurf gelten zu lassen , tue , wie Dir ' s der Geist eingibt , weil es das beste und einzige ist , wo keines Menschen Rat auslangt ; und auch weil Du so nur den unberufnen Vorkehrungen und Ratgebern kannst ausweichen ; das ist , was hier zu befahren ist ; - nicht Dein kühner Sinn ; Dein sicher abwägendes Gefühl haben wir nicht zu befahren , aber das Messen mit dem Maßstab , der nirgendwie mit Dir zusammenstimmt . Ich selber weiß oft nicht , mit welchem Winde ich steuern soll , und überlasse mich allen . Hab Geduld mit mir , da Du mich kennst , und denke , daß es nicht eine einzelne Stimme ist , der ich zu widersprechen habe , aber eine allgemeine , die wie die lernäische Schlange immer neue Köpfe erzeugt . Was Du sagst und treibst und schreibst , geht mir aus der Seele oder in die Seele ; ich fühle zu nichts Neigung , was die Welt behauptet ; und mustere ich gelassen ihre Forderungen , ihre Gesetze und Zwecke , so kommen sie allesamt mir so verkehrt vor wie Dir , - aber Deine absurdesten Demonstrationen , wie sie Deine Gegner nennen , habe ich noch nie in Zweifel gezogen , ich hab Dich verstanden wie meinen eignen Glauben , ich hab Dich geahnt und begriffen zugleich , und doch muß ich in die Sünde verfallen , Dich zu verleugnen ; es ist mir nicht gleichgültig , daß ich diese Schwäche habe , kannst Du sie mir ausrotten helfen , so bin ich willig zur Buße . Das sei Dir genug zum Fühlen wie die Vorwürfe , die Du Dir um mich machst , mich nur drücken können . Das Produkt jener Stunde , wo Deine Liebe dieser gewaltsamen Stimmung in mir so streng entgegentrat , leg ich Dir hier bei . - Dichten in jedem Herzensdrang hat mich immer neu erfrischt , ich war nicht länger gedrückt , wenn ich mein Verstummen konnt erklingen lassen . Des Wandrers Niederfahrt Wandrer Dies ist , hat mich der Meister nicht betrogen , Des Westes Meer , in dem der Nachtwind braust . Dies ist der Untergang , von Gold umzogen , Und dies die Grotte , wo mein Führer haust . - Bist du es nicht , den Tag und Nacht geboren , Des Scheitel freundlich Abendröte küßt ! In dem sein Leben Helios verloren Und dessen Gürtel schon die Nacht umfließt ? Herold der Nacht ! Bist du ' s , der zu ihr führet , Der Sohn , den sie dem Sonnengott gebieret ? Führer Ja , du bist an dessen Grotte , Der dem starken Sonnengotte In die Zügel fiel . Der die Rosse westwärts lenket , Daß sich hin der Wagen senket , An des Tages Ziel . Und es sendet mir noch Blicke Liebevoll der Gott zurücke , Scheidend küßt er mich ; Und ich seh es , weine Tränen , Und ein süßes stilles Sehnen Färbet bleicher mich ; Bleicher , bis mich hat umschlungen , Sie , aus der ich halb entsprungen , Die verhüllte Nacht . In ihre Tiefen führt mich ein Verlangen , Mein Auge schauet noch der Sonne Pracht , Doch tief im Tale hat sie mich umfangen , Den Dämmerschein verschlingt schon Mitternacht . Wandrer O führe mich ! Du kennest wohl die Pfade Ins alte Reich der dunklen Mitternacht ; Hinab will ich ans finstere Gestade , Wo nie der Morgen , nie der Mittag lacht . Entsagen will ich jenem Tagesschimmer , Der ungern nur der Erde sich vermählt , Geblendet hat mich trügrisch nur der Flimmer , Der Ird ' sches nie zur Heimat sich erwählt . Vergebens wollt den Flüchtigen ich fassen , Er kann doch nie vom steten Wandel lassen , Drum führe mich zum Kreis der stillen Mächte , In deren tiefem Schoß das Chaos schlief , Eh , aus dem Dunkel ew ' ger Mitternächte , Der Lichtgeist es herauf zum Leben rief . Dort , wo der Erde Schoß noch unbezwungen In dunkle Schleier züchtig sich verhüllt , Wo er , vom frechen Lichte nicht durchdrungen , Noch nicht erzeugt dies schwankende Gebild , Der Dinge Ordnung , dies Geschlecht der Erde , Dem Schmerz und Irrsal ewig bleibt Gefährte . Führer Willst du die Götter befragen , Die des Erdballs Stützen tragen , Lieben der Erde Geschlecht . Die in seliger Eintracht wohnen , Ungeblendet von irdischen Sonnen , Ewig streng und gerecht ; So komm , eh mein Leben ganz verhauchet , Eh mich die Nacht in ihre Schatten tauchet . Horch ! Es heulen laut die Winde , Und es engt sich das Gewinde Meines Wegs durch Klüfte hin . Die verschloss ' nen Ströme brausen Und ich seh mit kaltem Grausen , Daß ich ohne Führer bin . Ich sah ihn blässer , immer blässer werden , Und es begrub die Nacht mir den Gefährten . In Wasserfluten hör ich Feuer zischen , Seh , wie sich brausend Elemente mischen , Wie , was die Ordnung trennet , sich vereint . Ich seh , wie Ost und West sich hier umfangen , Der laue Süd spielt um Boreas ' Wangen , Das Feindliche umarmet seinen Feind Und reißt ihn fort in seinen starken Armen : Das Kalte muß in Feuersglut erwarmen . Tiefer führen noch die Pfade Mich hinab , zu dem Gestade , Wo die Ruhe wohnt , Wo des Lebens Farben bleichen , Wo die Elemente schweigen Und der Friede thront . Erdgeister Wer hieß herab dich in die Tiefe steigen Und unterbrechen unser ewig Schweigen ? Wandrer Der rege Trieb : die Wahrheit zu ergründen ! Erdgeister So wolltest in der Nacht das Licht du finden ? Wandrer Nicht jenes Licht , das auf der Erde gastet Und trügerisch dem Forscher nur entflieht , Nein , jenes Ursein , das hier unten rastet Und rein nur in der Lebensquelle glüht . Die unvermischten Schätze wollt ich heben , Die nicht der Schein der Oberwelt berührt , Die Urkraft , die , der Perle gleich , vom Leben Des Daseins Meer in seinen Tiefen führt . Das Leben in dem Schoß des Lebens schauen , Wie es sich kindlich an die Mutter schlingt , In ihrer Werkstatt die Natur erschauen , Sehn , wie die Schöpfung ihr am Busen liegt . Erdgeister So wiss ' ! Es ruht die ew ' ge Lebensfülle Gebunden hier noch in des Schlafes Hülle Und lebt und regt sich kaum , Sie hat nicht Lippen , um sich auszusprechen , Noch kann sie nicht des Schweigens Siegel brechen , Ihr Dasein ist noch Traum - Und wir , wir sorgen , daß noch Schlaf sie decke , Daß sie nicht wache , eh die Zeit sie wecke . Wandrer O ihr , die in der Erde waltet , Der Dinge Tiefe habt gestaltet , Enthüllt , enthüllt euch mir ! Erdgeister Opfer nicht und Zauberworte Dringen durch der Erde Pforte , Erhörung ist nicht hier . Das Ungeborne ruhet hier verhüllet Geheimnisvoll , bis seine Zeit erfüllet . Wandrer So nehmt mich auf , geheimnisvolle Mächte , O wieget mich in tiefem Schlummer ein . Verhüllet mich in eure Mitternächte , Ich trete freudig aus des Lebens Reihn . Laßt wieder mich zum Mutterschoße sinken , Vergessenheit und neues Dasein trinken . Erdgeister Umsonst ! An dir ist unsre Macht verloren , Zu spät ! Du bist dem Tage schon geboren ; Geschieden aus dem Lebenselement . Dem Werden können wir und nicht dem Sein gebieten , Und du bist schon vom Mutterschoß geschieden Durch dein Bewußtsein schon vom Traum getrennt . Doch schau hinab , in deiner Seele Gründen , Was du hier suchest , wirst du dorten finden , Des Weltalls seh ' nder Spiegel bist du nur . Auch dort sind Mitternächte , die einst tagen , Auch dort sind Kräfte , die vom Schlaf erwachen , Auch dort ist eine Werkstatt der Natur . Der Tonie hat Clemens geschrieben , er komme in wenig Tagen - er hofft , mich hier zu finden , ich kann ' s nicht ändern , daß ich fortgehe , grade wie er kommt , es tut mir leid , wie gern ich ihn gesprochen hätte , - Du , sag ' s ihm doch , in drei Wochen bin ich zurück , bitte ihn , daß er so lange bleibe , ich werde gewiß um keinen Tag zögern , es liegt mir daran , ihn zu sehen , das einliegende Blatt gib ihm , er hat ' s von mir verlangt , es ist ein Gedicht , was ich schon früher gemacht habe . Clemens wird zu Dir hinauskommen , ich glaube , Du tust wohl , noch so lang in Offenbach zu bleiben , bis ich wieder zurück bin , Du bist vergnügt dort , und niemand legt Dir was in den Weg , hier würden Sitten- und Splitterrichter Dich verdrießlich machen , Clemens würde dabei manche Frage an Dich tun , die Dir unlieb sein dürfte , und mir ist ' s unangenehm , wenn er Dich ins Gebet nimmt . Du schreibst mir doch ! - Schicke Deine Briefe ins Stift , dort ist am Samstag und den Donnerstag drauf Gelegenheit , etwas an mich zu schicken . - Ich wäre gern noch hinausgekommen , glaubst Du , daß George mich im Kabriolett hinausfahren ließe ? - Wolltest Du wohl bei ihm drum fragen ? - Was Dir die Großmama aus ihrem Leben erzählt , das merk Dir doch alles , wenn ' s auch nur mit wenig Zeilen ist , später ist es einem gar interessant . Adieu und bleib mir gut , ich will Dir ' s abzuverdienen suchen . Karoline Ist alles stumm und leer , Nichts macht mir Freude mehr , Düfte , sie düften nicht , Lüfte , sie lüften nicht , Mein Herz so schwer ! Ist alles öd und hin , Bange mein Geist und Sinn , Wollte , nicht weiß ich was Jagt mich ohn Unterlaß , Wüßt ich , wohin ? - Ein Bild von Meisterhand Hat mir den Sinn gebannt , Seit ich das Holde sah , Ist ' s fern und ewig nah , Mir anverwandt . - Ein Klang im Herzen ruht Der noch erfüllt den Mut , Wie Flötenhauch ein Wort , Tönet noch leise fort , Stillt Tränenflut . Frühlinges Blumen treu , Kommen zurück aufs neu , Nicht so der Liebe Glück . Ach , es kommt nicht zurück , Schön , doch nicht treu . Kann Lieb so unlieb sein , Von mir so fern , was mein ? - Kann Lust so schmerzlich sein , Untreu so herzlich sein ? - O Wonn , o Pein . Phönix der Lieblichkeit , Dich trägt dein Fittich weit Hin zu der Sonne Strahl - Ach , was ist dir zumal Mein einsam Leid ? An die Günderode Warum Du aufs Landgut grade gehst , wie wir im besten Verkehr sind , das begreif ich nicht , es war schon als hätt ich Wurzel gefaßt in diesem schönen Briefleben , wie die Erdbeeren beim Erröten fühlt ich einen aromatischen Duft in mir , wenn ich mich heiß geschrieben hatte , Du bist immer unterwegs , ich begreif nicht , wo Du Zeit hernimmst zu allem ! - Dies schöne Gedicht ! - Wann hast Du ' s geschrieben ? - Es dreht sich im Tanz und spielt sich selbst dazu auf - so leicht , als ob sich ' s so nur aus Deiner Brust atme ohne Anstoß . - Dein Gedicht , was Du in der klanglosen Stunde geschrieben , ist doch klangreich , es schöpft die Töne aus der Brust und stimmt sie zu Melodien . - Doch weile ich lieber bei dem ersteren , denn das hast Du doch später gemacht , nicht wahr ? Und fühlst auch wie ich , daß die Schmerzen im Geist immer mit auf die Pein der Langeweile gegründet sind . - Denn nehm ' s , wie Du willst ; bräche das Leben sich mit einmal eine neue Bahn und wär sie auch noch so uneben und holprig , die Verzweiflung hätt ein Ende . Denn alles Schmerzgefühl , alle Sehnsucht kommt doch nur daher , weil die grade Bahn des Lebens gehemmt ist . - Besinn Dich doch auf unsere Reiseabenteuer , die wir den Winter miteinander durchmachten , keiner von uns hatte eine trübe Minute den ganzen Winter nicht , Deine Sehnsucht ins Innere von Asien hinein brachte uns immer unter die wilden Tiere , Tiger und Löwen und Elefanten haben uns Schabernack gespielt . Was haben wir für Sonnenhitz ausgestanden mitten im Eis ; erst später merkte ich , wie sehr wir uns in dies Leben vertieft hatten , da alle Leute diesen Winter als einen der kältesten durchgehustet haben . Weißt Du , am Neujahrstag kam ich zu Dir ! Alle Räder pfiffen an den vielen Staatswagen , die gepuderten Kutscher mit den rotgefrornen Gesichtern ! - Da kam ich zu Dir in die Stube herein und sagte : Gott , es ist so heiß hier in Asien , daß wir nur so hinschmachten , und drauß vor der Tür in Frankfurt , da hängen dem Kutscher die Eiszapfen am Knebelbart . - Was haben wir gelacht , Günderode ; - und haben unter Zimmetbäumen eine Tasse Schokolade getrunken , die wir in Deinem Öfchen kochten mit wohlriechendem Sandelholz ; und da kam ein Salamander ins Feuer und färbte sich da in allerlei Farben und warf die Schokoladenkanne um , und wir melkten die weiße Elefantin , die ihr Junges in unserer Nähe säugte , und machten Elefantenbutter , ich wollt als immer Löwenbutter machen , das littest Du nicht , denn Du warst sehr vorsichtig , Du meintest , es sei zuviel Gefahr dabei , die Löwin könne mir einmal wild werden über dem Melken . - Und die Erlebnisse am Ganges und Indus . Die schönen Knaben , die uns da begegneten , wo wir uns versteckten und sahen sie vorübergehen und sich waschen in den heiligen Fluten und Gebete tun , da sagtest Du , es müssen wohl Tempelknaben sein , wir müssen nach dem Tempel hier in der Gegend suchen . Da führte eine Allee von großen Tulipanen hin , die hab ich entdeckt , wir brachten stundenlang hin mit der Bewundrung der Blumen , und da waren Goldfruchtbäume und Trauben und Melonen , alles das wuchs in schönster Fülle rund um die Säulen der Tempel , zu denen wir fremde Völkerstämme hinwallen sahen , da sagtest Du einen Hymnus her , den hätten sie gesungen beim Sonnenaufgang : Ätherwüste ! - So fing Dein Hymnus an , und ich machte eine Melodie drauf , die ließest Du Dir vorsingen zur Zither von mir , - und Du hörtest zu , so still , als wär es indischer Tempelgesang ; abends im Mondschein , das war unsre beste Zeit , wo wir phantasierten und hielten uns einander bei den Händen , wenn wir die Berge hinanstiegen , und ruhten unter Dattelbäumen aus , Du machtest immer die Reiseroute , weil Du die Kenntnisse des Landes hattest , und da stiegen wir auf einen Berg , der hieß Bogdo , von da aus , sagtest Du , könne man alle Gebirgsketten übersehen , da eilte ich mich voranzukommen , um zuerst oben zu sein , und da schrie ich Dir entgegen , ich sähe das rote Korallenmeer mit der Todespforte . Da hatte ich mich aber geirrt , denn Du bewiesest mir , daß man es von da aus nicht sehen könne , da es an der Grenze von Afrika liege , und der Bogdo liege in der Mitte von Hochasien . - Wir waren doch so glücklich , wie schwärmte mein Kopf von brennenden Farben der Blütenwelt , wie waren wir entzückt vom Duft , der uns umwallte ! - Das dauerte den ganzen Winter , und kein Mensch wußte , daß wir in einer südlichen Welt lebten , wir gingen grade in den Gärten von Damaskus spazieren , ganz entzückt von dem Blumenparadies und trunken von ihrem Duft , da kam der alte Herr von Hohenfeld und brachte Dir das erste Veilchen , was er auf seinem Spaziergang im Stadtgraben gefunden hatte . Ach , da verließen wir Damaskus und ließen uns von Hohenfeld hinausführen , wo er das Veilchen gefunden hatte , und suchten noch mehrere ; und von da an war der Zauber aufgehoben , und wir lachten recht , daß uns das Veilchen so schnell aus Asien herübergezaubert hatte nach Frankfurt auf die alten Festungswälle , denn wir gingen von nun an in den schönen Frühlingstagen jeden Mittag hinaus - und machten uns Kränze , die standen Dir so schön , so war die geringste Wirklichkeit schon wieder ein Paradies für uns . Sieben Spaziergänge haben wir so gemacht , Günderode , ich hab mir sie gezählt , sie kamen mir wie das Köstlichste im Leben vor . Du saßest immer unter der großen Eiche und bedauertest Deinen arabischen Renner , daß Du den nicht mit aus Asien herübergebracht hattest ; während ich am Abhang niederkletterte , wo Du immer Furcht hattest , daß ich hinunterfalle ; am Neujahrstag war ich wirklich da hinuntergekollert , ich war mit George da spazierengegangen , es war Glatteis , ich glitt aus und er den Augenblick , ohne sich zu besinnen , mir nach , da faßte er mich und hielt sich mit der andern Hand an einer Wurzel fest . Er war ganz blaß und wankte , denn er konnte schwer das Gleichgewicht halten . Oben sagte er : » Jetzt wären wir beide zerschmettert , hätte Gott mir nicht beigestanden , denn ich hätte mich Dir nachgestürzt . « - Ich war bis dahin gar nicht erschrocken gewesen , denn ich bin so faselig und merk nie Gefahr . - Aber das erschütterte mich , daß des Bruders Leben an dem meinen hing wie an einem Haar , und daß es Gott nicht reißen ließ . - Wie Geschwister doch aneinanderhängen wie Glieder eines Leibes , eins stürzt dem andern nach in den Abgrund ; eins rettet das andere . Möge ich ' s doch nie vergessen , daß Vater und Mutter mir den Bruder geschenkt haben . - Was wollt ich Dir doch sagen ! - Ja , daß damals mir zuerst der Gedanke kam , wie das Leben nur als Notbehelf vernutzt werde . Ich dachte , daß wir Gedanken haben , so rasch , und daß die Zeit hinten nachkommt und mag nichts erfüllen , und daß die Melancholie allein aus dieser Quelle des Lebensdranges fließt , der sich nirgend ergießen kann . - Die Welt muß voll dessen sein , was unser Leben entwickelt , kämen die Taten und überflügelten unsere Sehnsucht , daß wir nicht immer ans Herz schlagen müßten über den trägen Lebensgang , - nicht wahr , Du fühlst es auch - das wär die wahre Gesundheit , und wir würden dann scheiden lernen von dem , was wir lieben , und würden lernen die Welt bauen , und das würde die Tiefen der Seele beglücken . So müßte es sein , denn es ist viel Arbeit in der Welt , mir zum wenigsten deucht nichts am rechten Platz . - Und was ich niemand sage wie nur Dir , ich mein immer , ich müsse die ganze Welt umwenden , ja , ich sage Dir , es liegt mir so nah , daß ich oft in Träumen mich nach dem Szepter umsehe , wo Gott den für mich hingelegt hat , und würde gewiß die Verwirrung lichten . Nur ein einzig Ding , am rechten Ende angefaßt , zieht eine Menge andere nach sich , die von selbst dann ins rechte Geschick kommen würden . Die Menschen lernen dann allmählich auch das Rechte denken , wenn sie erst eine Weile das Rechte haben tun müssen . Denn ich sage nur immer so : konnten sie so fest in der Unnatur sich einwurzeln , wieviel fester und kräftiger dann im Boden , der ihre höhere Natur erzieht ? Sollt ich irren ? - Menschengeist horcht auf Göttergebot in der eignen Stimme ; horcht auf jene heilige Urphilosophie , die ohne Lehre als Offenbarung jedem sich gibt , der mit reinem Willen zur Wahrheit betet . - Das hast Du selber gesagt , es sind Deine eignen Worte . Wie oft hab ich doch einsam um Wahrheit gefleht ! - Und wie unermeßlich ist doch Vollendung über die Sterne hinauf , - und die Zeit darf nicht mehr sein , da , wo wir sie gegenwärtig fühlen . - O bessere Tage , wo seid ihr ? O kommt uns entgegen , laßt nicht immer nur harren auf euch , daß nicht auch wir nur wie Schattenbilder an euch vorübergehen . Lasset euch dienen , ihr Tage , die ihr den Geist der Liebe sollt hinüberschiffen ; still und heimlich euch landen helfen und den Genius aufnehmen , lehren die Menschen , daß sie ihn nimmer verschmähen , der in allem allein nur darf gelten ! - So red ich das Morgenlicht an , das mich weckt , und denke dabei Deiner und meiner . - Was sind Freundschaftsbande ? - Was ist Zusammenleben und Austausch der Gedanken , wenn der dritte nicht niedersteigt , der Göttliche - der herab sich läßt , um das Leben genesen zu machen