ich erschienen , daß der arme Georg durch irgendeinen bösen Zauber aus deinem Herzen verdrängt worden wäre ; es ist ja doch alles möglich auf der Erde ! « » Möglich ? « unterbrach ihn Marie , und jener Stolz , den Georg oft mit Lächeln an der Tochter des Ritters von Lichtenstein betrachtet hatte , schien sie allein zu beseelen . » Möglich ? wenn Ihr nur einen Augenblick so Arges von mir für möglich gehalten hättet , ich wiederhole es , Herr von Sturmfeder ! so habt Ihr mich nie geliebt ; ein Mann muß sich nicht wie ein Rohr hin und her bewegen lassen , er muß fest stehen auf seiner Meinung , und wenn er liebt , so muß er auch glauben . « » Diesen Vorwurf habe ich von dir am wenigsten verdient « , sagte der junge Mann , indem er unmutig aufsprang ; » wohl bin ich ein Rohr , das vom Winde hin und her bewegt wird , und mancher wird mich darum verachten - « » Es könnte sein ! « flüsterte sie , doch nicht so leise , daß es sein Ohr nicht erreichte , und seinen Unmut zum Zorn anblies . » Auch du wirst mich also darum verachten , und doch bist du es , was mich hin und her bewegt ! Ich habe dich auf bündischer Seite gesucht , ich war selig als ich dich dort fand . Du batest mich davon abzulassen , ich ging ; ich tat noch mehr ; ich kam zu euch herüber , es kostete mich beinahe das Leben , und doch ließ ich mich nicht abschrecken ; ich ergriff Württembergs Partei , ich kam zu deinem Vater , er nahm mich wie einen Sohn auf und freute sich , daß ich sein Freund geworden - aber seine Tochter schilt mich ein Rohr , das vom Winde hin und her bewegt wird ! aber noch einmal will ich mich - zum letztenmal von dir bewegen lassen ; ich will fort , weil du meine Liebe so vergiltst , noch in dieser Stunde will ich fort ! « Er gürtete unter den letzten Worten sein Schwert um , ergriff sein Barett und wandte sich zur Türe . » Georg ! « rief Marie mit den süßesten Tönen der Liebe , indem sie aufsprang und seine Hand faßte ; ihr Stolz , ihr Zorn , jede Wolke des Unmuts war verschwunden , selbst die Tränen hemmten ihren Lauf , und nur bittende Liebe blickte aus ihrem Auge , » um Gottes willen , Georg ! ich meinte es nicht so böse ; bleibe bei mir , siehe ich will alles vergessen , ich schäme mich , daß ich nur so unwillig werden konnte . « Aber der Zorn des jungen Mannes war nicht so schnell zu besänftigen , er sah weg , um nicht durch ihre Blicke , durch ihr bittendes Lächeln gewonnen zu werden , denn sein Entschluß stand fest , das Schloß zu verlassen . » Nein ! « rief er ; » du sollst das Rohr nicht mehr zurückwenden . Aber deinem Vater kannst du sagen , wie du seinen Gast aus seinem Hause vertrieben hast « ; die runden Fensterscheiben zitterten vor seiner Stimme , sein Auge blickte wild umher , er entriß seine Hand der Geliebten , gefolgt von ihr schritt er fort , er riß die Türe auf , um auf ewig zu fliehen , als ihn auf der Schwelle eine Erscheinung fesselte , die wir im nächsten Kapitel näher beschreiben werden . IX Herrengunst , Aprillenwetter , Frauenlieb und Rosenblätter , Würfel , Karten , Federspiel , Verkehren sich oft , wer ' s glauben will . Altes Sprichwort Als Georg die Türe öffnete , richtete sich aus einer sehr gebückten Stellung die hagere , knöcherne Gestalt der Frau Rosel auf . Es war dies eine jener alten Dienerinnen , die , wenn sie von früher Jugend an in einer Familie bleiben , sich einbürgern , in die Familie verwachsen und gleichsam ein notwendiger Zweig davon werden . Sie hatte ihre Nützlichkeit besonders nach dem Tode der Frau von Lichtenstein erprobt , wo sie Marie mit großer Sorgfalt pflegte und aufzog . Sie war so von einer Zofe zur Kindsfrau , von der Kindsfrau zur Haushälterin , von diesem Posten zu Mariens Oberhofmeisterin und Vertrauten avanciert . Sie hatte aber wie ein kluger Feldherr sich den Rücken gesichert , sie hatte jene Posten , aus denen sie in die höheren Stellen vorgerückt war , nicht wieder besetzen lassen , sondern verwaltete sie alle zusammen , wie sie behauptete , mit großer Gewissenhaftigkeit , und weil es doch sonst niemand verstehe . Sie hatte durch diesen Kunstgriff und durch ihre lange Dienstzeit die Zügel der häuslichen Regierung an sich gebracht , das Gesinde ging und kam nach ihrem Blick und sie gab zu verstehen , daß sie beim Herrn alles gelte , obgleich seine ganze Gnade nur darin bestand , daß er sie nicht in Gegenwart der übrigen auszankte . Mit dem Fräulein lebte sie in neuern Zeiten nicht mehr im besten Verhältnis . Sie hatte in den Tagen der Kindheit und ersten Jugend ihr ganzes Vertrauen besessen ; noch in Tübingen war sie wenigstens halb ins Geheimnis ihrer Liebe gezogen und Frau Rosel nahm wirklich so tätigen Anteil an allem , was ihr Fräulein betraf , daß sie gesagt hätte : » Wir lieben den Herrn von Sturmfeder aufs zärtlichste , oder - uns will das Herz beinahe brechen , weil wir scheiden müssen . « Diesem Vertrauen machten aber zwei Dinge ein Ende . Das Fräulein bemerkte , daß Frau Rosel zu gerne schwatze , sie war ihr auf der Spur , daß sie sogar von ihrem Verhältnis zu Georg geplaudert habe . Sie war daher von jetzt an kälter gegen die Alte , und Frau Rosel merkte den Augenblick , warum dies so geschehe . Als aber bald darauf die Reise nach Ulm angetreten wurde , als Frau Rosel , obgleich sie sich einen neuen Rock von Fries und eine köstliche Haube von Brokat hierzu verfertigt hatte , auf höheren Befehl in Lichtenstein bleiben mußte , da wurde die Kluft noch weiter , denn die Alte glaubte , das Fräulein habe es beim Vater dahin gebracht , daß sie nicht nach Ulm mitreisen dürfe . Das Vertrauen wurde nicht hergestellt , als Marie von Ulm zurückkehrte . Frau Rosel zwar , die gerner mit der Herrschaft als dem Gesinde lebte , suchte einigemal Erkundigungen über Herrn Georg einzuziehen , und so das alte Verhältnis wieder anzuknüpfen , doch Mariens Herz war zu voll , die Amme ihr zu verdächtig , als daß sie etwas gesagt hätte . Als daher der geächtete Ritter nächtlicherweile ins Schloß kam , als das Fräulein so geheimnisvoll Speisen für ihn bereitete und , wie Frau Rosel glaubte , mit ihm allein war , als sie auch hier nicht mehr ins Geheimnis gezogen wurde , da schüttete sie ihr Herz gegen die Frau Wirtin in Pfullingen aus , und es war Georg nicht so ganz zu verdenken , daß er jenen Worten traute , kannte er ja doch Frau Rosel nur als Vertraute ihres Fräuleins , wußte er ja doch nicht , wie dieses Verhältnis indessen so anders sich gestaltet habe . Frau Rosel war im Sonntagsstaat mit ihrer Dame diesen Morgen in die Kirche gewallfahrtet . Sie hatte ihre Sünden , worunter Neugierde ziemlich weit obenan stand , dem Priester gebeichtet , auch Absolution dafür erhalten und war mit so viel leichterem Herz und Gewissen auf den Lichtenstein zurückgekehrt , als sie vorher schwer und unter der Last der Sünden seufzend , hinabgestiegen war . Die salbungsvollen Worte des Paters mochten aber doch nicht so tief gedrungen sein , um ihre Sünden mit der Wurzel auszurotten , denn als sie in ihr Kämmerlein hinaufstieg , um Rosenkranz und Sonntagsschmuck abzulegen , hörte sie ihr Fräulein und eine tiefe Männerstimme heftig miteinander sprechen , es wollte ihr sogar bedünken , ihr Fräulein weine . » Sollte er wohl bei Tag hier sein , weil der Alte ausgeritten ? « dachte sie ; die natürliche Menschenliebe und ein zartes Mitgefühl zog ihr Auge und Ohr ans Schlüsselloch und sie vernahm in abgebrochenen Worten den Streit , dessen Zeugen auch wir gewesen sind . Der junge Mann hatte die Türe so rasch geöffnet , daß sie nicht mehr Zeit gehabt hatte , sich zu entfernen , sondern kaum noch aus ihrer gebückten Stellung am Schlüsselloch auftauchen konnte . Doch sie wußte sich zu helfen in solchen mißlichen Fällen , sie ließ Georg nicht an sich vorüber , ließ beide nicht zum Wort kommen , sie ergriff die Hände des jungen Mannes und überströmte ihn mit einem Schwall von Worten : » Ei , du meine Güte ! hätt ich glaubt , daß meine alten Augen den Junker von Sturmfeder noch schauen würden . Und ich mein , Ihr sind noch schöner worden und größer , seit ich Euch nimmer sah ! Hätt ich das gewußt ! Steh da wie ein Stock an der Tür , denke , ei ! wer spricht jetzt mit der gnädigen Fräulein ? Der Herr ist ' s nicht ; von den Knechten ist ' s auch keiner ! Ei was man nicht erlebt ! jetzt ist ' s der Junker Georg , der da drin spricht ! « Georg hatte sich während dieser Reden der Frau Rosel vergeblich von ihr loszumachen gesucht . Er fühlte , daß es sich nicht gezieme , vor ihr zu zeigen , daß er auf Marien zürne , und doch glaubte er keinen Augenblick mehr bleiben zu können . Er rang endlich eine Hand aus der knöchernen Faust der Alten , aber indem er sie frei fühlte , hatte sie auch schon Marie ergriffen , hatte sie , ohne auf Frau Rosels höhnisches Lächeln zu achten , an ihr Herz gedrückt ; er war bei dieser Bewegung einem ihrer Blicke begegnet , die ihn auf ewig zu bannen schienen . Jetzt aber erwachte in ihm ein neuer Kampf , eine neue Verlegenheit . Er fühlte seinen Unmut schwinden , er fühlte , daß es Marie nicht so bös mit ihm gemeint habe - wie sollte er aber jetzt mit Ehren zurückkehren ? wie sollte er so ganz ungekränkt scheinen ? Wäre er mit Marien allein gewesen , so war es vielleicht noch eher möglich , aber vor diesem Zeugen , vor der wohlbekannten Frau Rosel umzukehren , sich durch einen Händedruck , durch einen Blick erweichen lassen und gefangengeben ? Er schämte sich vor diesem Weib , weil er sich vor sich selbst schämte , und wir haben gehört , daß dieses Gefühl der Scham , die Ungewißheit , wie man , ohne zu erröten , zurückkehren könne , schon oft aus einer kurzen Trennung in Unmut , eine dauernde gemacht und die schönsten Verhältnisse gebrochen habe . Frau Rosel hatte sich einige Augenblicke an der Angst , an dem Gram ihres Fräuleins geweidet , dann aber siegte die ihr angeborne Gutmütigkeit über die kleine Schadenfreude , die in ihr aufgestiegen war . Sie faßte die Hand des Junkers fester : » Ihr werdet uns doch nicht schon wieder verlassen wollen , nachdem Ihr kaum ein Stündchen auf dem Lichtenstein verweilt habt ? Ehe Ihr etwas zu Mittag gegessen , läßt Euch die alte Rosel gar nicht weiter , das ist gegen alle Sitte des Schlosses . Und den Herrn habt Ihr wahrscheinlich auch noch nicht begrüßt ? « Es war schon ein großer Gewinn für Mariens Sache , daß Georg sprach : » Ich habe ihn schon gesprochen , dort stehen noch die Becher , die wir zusammen leerten . « » Nun ? « fuhr die Alte fort , » da werdet Ihr wohl noch nicht von ihm Abschied genommen haben ? « » Nein , ich sollte ihn im Schloß erwarten . « » Ei , wer wird dann gehen wollen « , sagte sie , und drängte ihn sanft in das Zimmer zurück ; » das wär mir eine schöne Sitte . Der Herr könnte ja wunder meinen , was für einen sonderbaren Gast er beherbergte . Wer bei Tag kommt « , setzte sie mit einem stechenden Blick auf das Fräulein hinzu , » wer beim hellen Tag kommt , hat ein gut Gewissen und darf sich nicht wegschleichen wie der Dieb in der Nacht . « Marie errötete und drückte die Hand des Jünglings und unwillkürlich mußte dieser lächeln , wenn er an den Irrtum der Alten dachte und die strafenden Blicke sah , die sie auf Marien warf . » Ja , ja , wie ich sagte « , fuhr Frau Rosel fort , » braucht Euch nicht wegzustehlen wie der Dieb in der Nacht . Wäre vielleicht besser gewesen , Ihr wäret schon früher gekommen ; im Sprichwort heißt es : Sieh für dich , irren ist mißlich ; und wer will haben Ruh , bleib bei seiner Kuh ! Aber ich will nichts gesagt haben . « » Nun ja « , sagte Marie , » du siehst , er bleibt da ; was willst du nur mit deinen Reden und Sprüchlein ? Du weißt selbst , sie passen nicht immer . « » So ? aber bisweilen treffen sie doch einen , dem es nicht lieb ist ; aber Reu und guter Rat ist unnütz nach geschehener Tat . Ich weiß schon , Undank ist der Welt Lohn , ich kann ja schweigen ; Wer will haben gute Ruh , der seh und hör und schweig dazu . « » Nun so schweige immerhin « , entgegnete das Fräulein , etwas gereizt ; » übrigens wirst du wohl tun , wenn du den Vater nicht geradezu merken läßt , daß du Herrn von Sturmfeder schon kennst ; es wäre möglich , er könnte glauben , er sei wegen uns nach Lichtenstein gekommen . « Frau Rosel kämpfte zwischen guter und böser Laune . Es tat ihr wohl , daß man sie brauche , daß man Stillschweigen von ihr erbitten müsse ; auf der andern Seite war sie noch unwillig darüber , daß das Fräulein seit neuerer Zeit so wenig Vertrauen in sie gesetzt habe . Sie murmelte daher nur einige unverständliche Worte vor sich hin , indem sie die Stühle wieder an die Wände stellte , die Becher von dem Tisch nahm und die Flecken abwischte , die der Wein auf der Schieferplatte , womit der Tisch eingelegt war , zurückgelassen hatte . Marie gab Georg , der sich an ein Fenster gestellt hatte und noch nicht völlig mit sich und der Geliebten ausgesöhnt schien , einen Wink , den er nicht unbeachtet ließ . Ihm selbst war viel daran gelegen , daß Mariens Vater noch nichts um ihre Liebe wußte , er fürchtete , jener möchte es als einziges Motiv seines Übertritts zu Württemberg ansehen , er möchte ihn darum weniger günstig beurteilen , als er bisher getan . Dies erwägend , näherte sich Georg der alten Frau Rosel ; er klopfte ihr traulich auf die Schultern und ihre Züge hellten sich zusehends auf . » Man muß gestehen « , sagte er freundlich , » Frau Rosalie hat eine schöne Haube ; aber dies Band paßt doch wahrlich nicht dazu , es ist alt und verschossen . « » Ei was ! « sagte die Alte etwas ärgerlich , denn sie hatte sich wohl auf eine freundlichere Rede gefaßt gemacht , » was kümmert Euch meine Haube , ein jeder fege vor seiner Tür . Sieh auf dich und auf die Deinen , darnach schilt mich und die Meinen . Ich bin ein armes Weib und kann nicht Staat machen wie eine Reichsgräfin . Wenn alle Leute wären gleich , und wären alle sämtlich reich , und wären all ' zu Tisch gesessen , wer wollt auftragen Trinken und Essen ? « » Nun , so habe ich ' s nicht gemeint « , sagte Georg besänftigend , indem er eine Silbermünze aus seinem Beutelein zog ; » aber mir zu Gefallen ändert Frau Rosalie schon ihr Band ; und daß meine Forderung nicht gar zu unbillig klingt , wird sie diesen Dicktaler nicht verschmähen ! « Wer hat nicht an einem Oktobertag trotz Sturm und Wolken die Sonne durchdringen , und Gewölk und Nebel verjagen sehen ? So ging es auch am Horizont der Frau Rosel freundlich auf . Die artige Weise des Junkers , ihr Lieblingsname Rosalie , der ihr viel wohltönender dünkte , als das verdorbene Rosel , und endlich der Dicktaler mit dem Krauskopf des Herzogs und dem Wappen von Teck - wie konnte sie so vielen Reizen widerstehen ? » Ihr seid doch der alte freundliche Junker ! « sagte sie , indem sie , sich tief verneigend , den Taler in die ungeheure lederne Tasche an ihrer Seite gleiten ließ , und den Saum von Georgs Mantel zum Munde führte . » Gerade so wußtet Ihr es in Tübingen zu machen . Stand ich am Jörgenbrunnen , ging ich von der Burgsteig hinab auf den Markt , richtig rief es hinter mir , Guten Morgen Frau Rosalie , und wie geht es dem Fräulein ? und wie oft und reich habt Ihr mich dort beschenkt ; wenigstens zwei Dritteile von dem Rock , den ich hier trage , verdank ich Eurer Gnade ! « » Laß das , gute Frau « , unterbrach sie Georg . » Und was den Herrn betrifft , so wirst du - « » Was meint Ihr ! « erwiderte sie , indem sie die Augen halb zudrückte . » Habe Euch in meinem Leben nicht gesehen . Nein , da könnt Ihr Euch drauf verlassen . Was ich nicht weiß , macht mich nicht heiß , und was mich nicht brennt , das blase ich nicht ! « Sie verließ bei diesen Worten das Zimmer , und stieg in den ersten Stock hinab , um dort in der Küche ihr Regiment zu verwalten . Dankbar und freudig zog sie den Taler aus der Ledertasche , und besah ihn hin und her ; sie pries bei sich die Freigebigkeit des wackern Junkers , und bedauerte ihn im stillen , daß seine Liebe so schlecht vergolten werde , denn daß es ihr Fräulein mit einem andern habe , war ihr ausgemachte Sache . Vor der Küche stand sie gedankenvoll still . Sie war im Zweifel mit sich , ob sie der Sache ihren Lauf lassen solle , oder ob es nicht besser wäre , dem Junker einige Winke über den nächtlichen Besucher zu geben ? » Doch kommt Zeit , kommt Rat , vielleicht sieht er es selbst und braucht mich nicht dazu . Überdies -Ein Rater in zweier Feinde Mitten , kann es leicht mit beiden verschütten ; man kann warten und zusehen , denn Hitz im Rat , Eil in der Tat , gebären nichts als Schad . Wer will haben gute Ruh , der seh und hör und - schweig dazu ! « Solchen Rat pflog mit sich selbst Frau Rosel vor der Küche ; die Liebenden aber , denen diese Beratung galt , hatten sich nach ihrem Abzug bald wieder gefunden . Georg vermochte nicht den bittenden Blicken Mariens zu widerstehen ; und als sie mit den süßesten Tönen der Liebe ihn fragte , ob er ihr wieder gut sei , da vermochte er nicht nein zu sagen , und der Friede war , was selten der Fall ist , in kürzerer Zeit wieder geschlossen , als die Fehde begonnen hatte . Mit hohem Interesse hörte Marie auf Georgs fernere Erzählung , und es gehörte der feste Glaube des jungen Mannes an die Geliebte und sein Vertrauen in das Wort des Geächteten dazu , um nicht von neuem außer Fassung zu kommen . Denn als er beschrieb , wie er auf den Ritter getroffen , und sich mit ihm geschlagen habe , da errötete sie , sie richtete sich stolzer auf und drückte die Hand des Geliebten , sie gestand ihm , daß er einen wichtigen Kampf bestanden habe , denn jener Mann sei ein tapferer Kämpe . Und als er erzählte , wie sie hinabgestiegen in die Nebelhöhle , wie sie den Geächteten besuchten , wie er tief unter der Erde in ärmlicher Umgebung doch so groß und erhaben geschienen , da stürzten Tränen aus ihren Augen , sie blickte hinauf zum Himmel , als bete sie im stillen , er möchte das traurige Geschick dieses Mannes wenden , und als er fortfuhr und sagte , was sie gesprochen , und wie der Mann der Höhle sich seinen Freund genannt , wie er sich zu Württembergs Sache , zu der Sache der Unterdrückten und Vertriebenen mit Wort und Handschlag verpflichtet habe , da strahlte Mariens Auge von wunderbarem Glanze , sie sah Georg lange an , er glaubte eine Begeisterung in ihrem Auge , in ihren Zügen zu lesen , die nicht die Freude , daß er ihres Vaters Partie ergriffen habe , allein vorbrachte . » Georg ! « sagte sie , » es werden viele sein , die dich einst um diese Nacht beneiden werden . Du darfst es dir auch zur Ehre rechnen , denn glaube mir , nicht jeden hätte Hanns zu dem Vertriebenen geführt . « » Du kennst ihn « , erwiderte Georg , » du weißt um sein Geheimnis ? o sag mir doch , wer ist er ? Ich habe selten einen Mann gesehen , dessen Auge , dessen Miene , dessen ganzes Wesen mich so beherrscht hätte , wie dieser . Wo lagen seine Besitzungen , wo ist das Schloß , aus dem er vertrieben ist ? Er sagt , er wolle jetzt keinen andern Namen haben als der Mann , aber sein Arm , dessen Stärke ich gefühlt , sein heller Blick verbürgte mir , daß er einst einen berühmten Namen in der Welt gehabt haben müsse . « » Er hatte einen Namen « , antwortete Marie , » einen , der sich mit den besten messen konnte . Aber wenn er dir ihn nicht selbst gesagt hat , so darf ich ihn auch nicht nennen ; das wäre gegen mein Wort , das ich darauf gegeben . Herr Georg muß sich also schon noch gedulden « , setzte sie lächelnd hinzu , » so hart es ihn auch ankommt , denn er ist ein neugieriger Herr . « » Mir kannst du es ja doch sagen « , unterbrach sie Georg ; » sind wir nicht eins ? Darf das eine ein Geheimnis haben , ohne daß es der andere Teil wissen muß ? Schnell ! antworte , wer ist der Mann in der Höhle ? « » Werde nicht böse , siehe , wenn es nur mein Geheimnis wäre , so müßtest du es auch wissen und könntest es mit Recht verlangen , aber so - ich weiß zwar , daß es bei dir so sicher wäre als bei mir , aber ich darf nicht . « Sie sprach noch , als die Türe aufsprang und eine Dogge von ungeheurer Größe hereinstürzte.33 Georg fuhr unwillkürlich auf , denn einen Hund von solcher Größe und Stärke hatte er nie gesehen . Der Hund stellte sich ihm gegenüber , schaute ihn mit rollenden Augen an und fing an zu murren . Es tönte aus seiner breiten Brust herauf dumpf und hohl wie ein nahender Sturm und die wohlgeordnete Reihe scharfer Zähne , die er vorwies , zeigten ihn als einen Kämpfer , dessen Zorn man nicht reizen dürfe . Ein Wort von Marie reichte hin , ihn ruhig und besänftigt zu ihren Füßen zu legen . Sie streichelte seinen schönen Kopf , aus welchem die klugen Augen noch immer bald nach ihr bald nach dem Junker spähten . » Er hat Menschenverstand ! « sagte sie lächelnd . » Er kommt , um mich zu warnen , daß ich den Mann in der Höhle nicht verraten soll . « » Ein herrlicher Hund , wie ich nie einen gesehen ! wie er den Kopf so stolz aus dem goldenen Halshand hervorträgt , als gehöre er einem Kaiser oder König ! « » Er gehört ihm , dem Vertriebenen « , erwiderte Marie , » und weil ich auf dem Sprung war , den Namen seines Herrn zu nennen , kam er mich zu warnen . « » Warum aber führt der Ritter seinen Hetzer nicht mit sich ? wahrlich , ein Arm wie der seine , unterstützt von einem solchen Tier , darf sechs Mörder nicht fürchten . « » Das Tier ist wachsam « , antwortete sie , » aber wild , wenn er es in der Höhle unten hätte , so hätte er zwar einen sicheren Schutz ; wie aber , wenn durch Zufall ein Mensch in jene Höhle käme ? Sie ist so groß , daß man den Mann nicht darin ahnen kann , aber die Dogge würde ihn verraten . Sie würde knurren und anschlagen , sobald sie Tritte hörte , und sein Aufenthalt wäre entdeckt . Darum hat er ihm befohlen , als er wegging , hierzubleiben , er versteht dies Gebot und ich sorge für ihn . Er hat ordentlich das Heimweh nach seinem Herrn , und die Freude solltest du sehen , wenn es Nacht wird ; er weiß , daß dann sein Herr bald ins Schloß kommt , und wenn die Zugbrücke niederfällt und die Schritte des Mannes auf dem Hofe tönen , da ist er nicht mehr zu halten , er würde sechsfache Ketten zerreißen , um bei ihm zu sein . « » Ein schönes Bild der Treue ! doch ein schöneres noch ist der Mann , dem dieser Hund gehört . Hing er doch ebenso treu an seinem Herrn , und ließ sich verbannen und ins Elend jagen ; es ist töricht von mir « , setzte Georg hinzu , » ich weiß , Neugierde steht einem Mann nicht an , aber wissen möchte ich , wer er ist ? « » So gedulde dich doch bis es Nacht wird ! wenn der Mann kommt , will ich ihn fragen , ob du es wissen darfst ; ich zweifle nicht , er wird es erlauben . « » Es ist noch lange bis dahin , und jeden Augenblick muß ich an ihn denken ; wenn du mir es nicht sagst , so muß ich mich an den Hund wenden , vielleicht ist er gütiger als du . « » Versuche es immer « , rief Marie lächelnd , » wenn er sprechen kann , so soll er es nur gestehen . « » Hör einmal , du ungeheurer Geselle « , wandte sich Georg zu dem Hund , der ihn aufmerksam ansah , » sage mir , wie heißt dein Herr ? « Der Hund richtete sich stolz auf , riß den weiten Rachen auf und brüllte in schrecklichen Tönen » U-u-u ! « Marie errötete ; » Laß doch die Possen « , sagte sie , und rief den Hund zu sich , » wer wird mit Hunden sprechen , wenn man in menschlicher Gesellschaft ist ! « Georg schien nicht darauf zu hören . » U ! hat er gesagt , der gute Hund ? der ist darauf geschult , ich wollte alles wetten ! es ist nicht das erste Mal , daß man ihn fragt : wie heißt dein Herr ? « Kaum hatte Georg die letzten Worte gesprochen , so fing der Hund mit noch greulicheren Tönen als vorher , sein U-u-u ! zu heulen an . Aufs neue errötete Marie , sie hieß beinahe unwillig den Hund schweigen , er legte sich ruhig zu ihren Füßen . » Da haben wir ' s « , rief Georg lachend , » der Herr heißt U ! und fing das sonderbare Wort auf dem Ringe , den mir der Ritter gab , nicht auch mit U an ? Ungeheuer ! heißt dein Herr vielleicht Uffenheim ? oder Uxküll ? oder Ulm ? oder vielleicht gar - « » Unsinn ! der Hund hat gar keinen anderen Laut als U , wie magst du dir nur Mühe geben , daraus etwas zu folgern ; doch hier kommt der Vater den Berg herauf , willst du , daß es ihm verborgen bleibe , so nimm dich zusammen und verrate dich nicht . Ich gehe jetzt , denn es ist nicht gut wenn er uns beisammen antrifft . « Georg gelobte es ; er umarmte noch einmal die Geliebte , und versah sich von ihrem süßen Mund auf viele Stunden , um wenigstens an der Erinnerung sich zu erfreuen , wenn die Gegenwart des Vaters jede zärtlichere Annäherung unmöglich machte . Der Hund des Herrn U - sah verwundert auf die liebliche Gruppe ; doch , sei es , daß er wirklich Menschenverstand hatte , oder daß er bei seinem Herrn schon Ähnliches erlebt hatte und einsah , daß der Junker das Fräulein nicht umbringen wolle , er machte keine Miene , seiner Dame zu Hülfe zu kommen , und erst der Hufschlag , der von der Brücke heraufscholl , schreckte die Errötende aus den Armen des glücklichen Jünglings . X Der Herzog schaut hinunter lang Und spricht mit einem Seufzer bang : » Wie fern , ach von mir abgewandt , Wie tief , wie tief liegst du mein Land . « G. Schwab Karfreitag und Osterfest waren vorübergegangen , und Georg von Sturmfeder befand sich noch immer in Lichtenstein . Der Herr dieses Schlosses hatte ihn eingeladen , bei ihm zu verweilen , bis etwa der Krieg eine andere Wendung nehmen würde oder Gelegenheit da wäre , der Sache des Herzogs wichtige Dienste zu leisten . Man kann sich denken , wie gerne der junge Mann diese Einladung annahm . Unter einem Dach mit der Geliebten , immer in ihrer Nähe ,