der Wunsch nach der Herrschaft ihn getrieben , er haßte sich und sein Unglück , das er sich selbst geschaffen hatte . Den Mord stellt das Bild dar . Zwölftes Bild Bald dachte der Graf auf seine Sicherheit und eilte nach seinem Schlosse , ehe irgend eine Kunde des Mords in das Land gekommen . Der große Zug der Waiblinger Pilger , welcher dem Königspaare nachgepilgert war , entdeckte die beiden Leichen beim Geschrei der beiden Vögel , und da jeder Versuch , sie zu beleben , vergeblich war , so zogen sie mit ihnen traurig und still der Kirche des Erlösers zu , wo die Geistlichen sie mit Balsam zu erhalten suchten , bis die feierliche Beisetzung angeordnet wäre . In der Hauptstadt war aber , ehe diese Trauerbotschaft einlief , eine allgemeine Verwirrung . Der Königssohn war verschwunden mit seinen zwölf Engeln , niemand erriet , wer ihn könne geraubt haben . Als aber die Kunde des Mordes anlangte , da erhob sich das Volk in Verwünschungen der Mörder , so daß der Graf von Glück zu sagen hatte , daß kein Verdacht auf ihn gefallen weil ihn viele kurz vorher bei seinem entfernten Bruder gesehen hatten . Zur Beerdigung des Königspaares versammelten sich alle Grafen und vieles Volk bei der wüsten Kirche , die Särge wurden geöffnet , der Graf , als Nachfolger , verfluchte da öffentlich die Mörder , sie sollten das Licht der Sonne nicht mehr sehen . In dem Augenblicke drangen die beiden königlichen Vögel , wie sie vom Volke genannt wurden , aus den Wolken nieder zu ihm und hackten ihm , ehe er sich ihrer erwehren konnte , beide Augen aus . Das Bild zeigt , wie die beiden Vögel auf ihn eindringen , im Hintergrunde ist das Hochamt und die Leichen , an der Seite das Volk zu sehen , die alten Reime sagen : » Mörder « , ruft der ganze Haufen , » Sieh , es ist erfüllt der Fluch ; Kannst du Licht der Augen kaufen Von dem Himmel durch Betrug ? « Und der Graf irrt in der Kirche , Ruft umsonst nach Freundeshand , Daß ein andrer ihn erwürge , Alle sind von ihm gewandt . Blind , nach einem Ausgang suchend , Stürzt die Stufen er hinab , Und so stirbt er , sich verfluchend , Sein Gebein bleibt ohne Grab . Dreizehntes Bild Nun begann ein bürgerlicher Krieg um den befleckten Thron . Jedes der Grafenhäuser machte Ansprüche auf den Thron , ohne es laut werden zu lassen , es äußerte sich aber darin , daß sie jeden stürzten , der die Absicht zeigte zu herrschen . So dauerte es wohl vierzehn Jahre , daß der königliche Palast von keinem aus Scheu der andern bezogen wurde , als die Hunnen , unter Attila bis Schwaben eindrangen . Gleich suchten einige der Grafen durch Attila zur Herrschaft zu gelangen , aber er benutzte sie nur , um alle gegenseitig durch einander aufzureiben . So kam er unter dem Zujauchzen derer , die immer noch Lohn von ihm erwarteten , von ihren Leuten gezogen , in die Hauptstadt , in den Schloßhof . Eins seiner ersten Geschäfte war , den alten , ehrwürdigen Palast teils aus Neugierde und Habsucht , teils aus Vorsicht und der Befestigung wegen in Augenschein zu nehmen . Die Beute war gering , die Raubsucht hatte ihm wenig Kostbarkeiten gelassen , aber endlich fand er in einem Zimmer , das mit Epheu grün berankt war , weil die Luft frei durch die offenen Fenster strich , einen starren , alten Mann , der auf eine geschriebene Rolle blickte und den einer der Begleiter , als den alten Sänger , den Vater der ermordeten Königin erkannte von dem niemand seit ihrer Abreise etwas erfahren hatte , denn in der Bestürzung jener Zeit war niemand in dies abgelegene Zimmer eingedrungen . Der Attila meinte , es sei ein alter Zauberer , der immer noch lebe , die andern dachten auch , er läge nur noch immer in der Verzückung , so wenig hatte der Tod ihm anhaben können . Nun wollte Attila wissen , was in der Schrift , die vor ihm lag , woran er zuletzt geschrieben , stehe und befahl einen der Eingebornen , weil er der Schrift unkundig , dies Blatt ihm vorzulesen . Ein Geistlicher las aber folgende Worte zu einem im Heldenspiel beschriebenen Triumphzuge : Wer lebendig blieb , schreit Sieg aus , doch die Toten schweigen still , Triumphierend zieht der Feldherr auf den blutbefleckten Thron Und die Narrn , die ziehn den Karrn ihm , und er lacht der Narren schon ; Denn er sinnt schon im Triumphzug , wo er die verbrauchen will , Die mit ihm zerstört den Weltteil , und beim Raub nun möchten ruhn . Seht , er treibt sie frisch zum Krieg fort , treibt sie schlau zum Todesnetz , Denn er erbt auch ihre Diebsbeut , erst ihr Tod ist ihm der Sieg ! Dann erst feiert Friedens Heimkehr , wenn er einsam kehrt zurück Und von jedem tapfern Mordknecht trägt die Schuld und das Geschick , Daß an einem Haupt übt Strafrecht , Gott vom ungerechten Krieg , Daß bei einem Namen Eis läuft über uns in Lust verwirrt , Daß in dieser Qual die Richtscheit jeder Kraft , die sich verirrt . Als Attila diese prophetischen Worte vernommen hatte , glaubte er , sie seien ihm zum Trotze geschrieben und gelesen , und spaltete zuerst das Haupt des Geistlichen , der sie gelesen , wobei zum Schrecken aller , der Körper des Alten von der Erschütterung in einen kleinen Aschenhaufen zusammenstürzte . Er und seine treue Geliebte waren längst der Erde entschwunden . Das Bild zeigt , wie Attila das Schwert zweifelnd erhebt , welchen von beiden er zuerst erschlagen möchte . Vierzehntes Bild Attila selbst fühlte sich durch dieses Ereignis erschüttert , auch seine Anhänger mochten ihm zweifelhaft scheinen , er wollte deswegen etwas Festes begründen , und wo er kein ererbtes Recht hatte , doch in seinem Mut ein Recht der Erwerbung begründen . Er ließ öffentlich ausblasen , daß er im Schwarzwalde am Grabe des letzten Königs mit jedem um die Krone Schwabens kämpfen wolle , die dann dem Sieger unweigerlich zufallen solle , und zu dem Kampfe bestimmte er einen Tag . - Was bisher aus dem königlichen Kinde geworden , ist noch nicht berichtet , so aber verhielt es sich damit . Die zwölf fliegenden Boten erhielten schnelle Kunde durch die zum Himmel fliegenden Eltern von der Ermordung , sie hoben den Königssohn im Schlafe aus den Betten und trugen ihn zu einem Adlerneste in der Nähe der Erlöserkirche . Da nährten sie ihn mit der Milch der Hirschin , bis er kräftig war , an der Erde zu gehen . Dann brachten sie ihn zu einem Einsiedler bei der wüsten Kirche , sie sorgten für des Kindes Nahrung , der Einsiedler für dessen Erziehung . Er zeigte dem Kinde früh , wie das Bestehen des Glaubens vom Wohl der Staaten abhänge , denn seit der allgemeinen Verwirrung sei kein Stein zum Bau der Kirche angefahren worden . Der Knabe wuchs in sichtlichem Gedeihen seine dunklen Augen spiegelten Ernst und Mutwillen , sein Mund wechselte in Würde und Milde und seine Stirne trat hervor von der Kraft guter Gedanken und fester Entschlüsse . Früh reifte er zum männlichen Jüngling und übte sich selbst in jeder ritterlichen Kunst , so weit es die Einsamkeit und der Mangel an Kampfgenossen ihm gestatten wollte , denn die geflügelten Boten , wenn sie ihm ein Turnier unter einander vorstellten , daß er es daraus kennen lerne , waren nur wie die Gedanken zu betrachten , die wir uns als Kind von einer Schlacht machten . So hatte er sein funfzehntes Jahr erreicht und fragte ebnen die kleinen Boten aus , was es sei , das ihn so schwermütig mache , als der wilde Attila mit dem Volke sich der Kirche nahte . - Da sprach der älteste von den Zwölfen : » Königssohn , die ganze Welt ist noch ein Geheimnis für dich und das Leben ein ritterlicher Kampf mit ihr , nur nach ernstem Kampfe wird sie sich dir enthüllen und das Gleichartige wird dir eigen werden und eine neue Jugend aus dir hervorgehen . Sohn der Könige , rüste dich , nicht der Tag der Liebe , sondern des Kampfes mit dem Räuber deines Landes ist erschienen . Sohn der Könige , du kennst Ritterpflicht , wir dürfen dir nur mit unserm Gebete im Kampf beistehen , besteig dies Roß , bestreite den fremden König , der jeden ausfordert , der ihm die Krone , deine Krone streitig macht , siegend oder fallend wirst du uns über dir wie eine Wolke sehen , unsre Tränen in Lust und Schmerz werden auf dich fallen , auf Erden suche uns nicht mehr . « - Sie erhoben sich , die lieben Zwölfe , der Königssohn dankte ihnen und war so zornig , daß er sie auf Erden nicht wieder sehen sollte , daß er sich gern in die Lanze des Fremden gestürzt hätte . Vergebens hatte der König Attila seine Gegner ausgefordert , keiner der Grafen wagte sich gegen den Riesenmann in die Schranken ; da trat der gerüstete Jüngling auf und der König lächelte seiner schlanken Gestalt . Aber der Jüngling rannte auf ihn in so zornigem Sinne , daß seine Lanze durch die Ringe des Brustharnisches in König Attilas Herz drang . Der wilde Attila stöhnte sein Leben aus , da blickte der Jüngling dankbar zum Himmel , zu der glänzenden Wolke , die Freudentränen auf ihn fallen ließ , dann öffnete er den Helm und nannte seinen Vater und führte das Volk zu dessen Grabe , und der Einsiedler beschwor , daß er des Königs Sohn , des Reiches Erbe sei , und setzte auf dessen Haupt die Krone , die er dem ermordeten König abgenommen und heimlich bewahrt hatte . Das Volk schwor ihm Treue als König und er schlug die Hunnen , die mit ihnen da versammelt waren . Das Land war frei , der König weise , die Kirche wurde vollendet . Das Bild zeigt die Krönung des jungen Königs und das Erschlagen der hunnischen Ritter ; die alten Reime schließen mit den Worten : Doch die Zeit will neue Taten Und erzählt ist schon genug , Gott im Himmel wird uns raten , Schützt uns vor des Teufels Trug , Wird uns seine Sänger senden In des Schmerzes Einsamkeit , Daß wir ahnden , wie zu ende Das Beginnen dieser Zeit . Drittes Buch Erste Geschichte Die Hochzeit Die ewige Lampe vor dem Bilde der heiligen Mutter , welche Frau Hildegard bei der Genesung Bertholds gestiftet hatte , war schon sichtbar , auch die messingenen Kronen glänzten durch die offenen Fenster des Rathauses , als eine neue Erleuchtung bei dem großen Röhrbrunnen des Marktes für die armen Frauen eingerichtet wurde , die dort mit großer Emsigkeit zinnerne Schüsseln und Teller abscheuerten , welche von den Hochzeitgästen auf dem Rathause geleert waren . » Wie der steinerne Ritter sein Laternchen so schön über den Brunnen hält , als ob er drin krebsen wollte ! « sagte die eine der Frauen . - » Das war noch ein guter Einfall von dem Anton « , meinte die andre , » dafür schenk ich ihm das große Stück Schinken , das hier auf der Schüssel blieb . « - » Und ich schenke ihm den Backfisch « , sagte die andre , » aber er muß mir einen Kuß geben . « - » Ich gebe keinen Kuß ! « brummte Anton und begnügte sich mit dem Schinken . - » Was das für ein Junge ist « , sagte die andre , » es gäbe mancher etwas darum , wenn ich ihm einen Kuß anböte , und der nähme lieber einen Backenschlag dafür an . Was treibst du dich bei den Weibern herum , wenn du nicht willst geküßt sein , Anton ! « - » Ihr denkt wohl , ich komme euretwegen hieher « , sagte Anton , » mein Alter hat Weidenruten in den Brunnen gelegt , damit sollt ihr gestrichen werden , wenn ihr die Schüsseln nicht reiner abwascht , schreit nur nicht , - die Weidenruten braucht er zum Flechten der Ehrenpforte an Bertholds Haustor , und die Ehrenpforte , um das Gerüst zu verstecken , das wir auf Befehl der Frau Hildegard heimlich erbauen , um morgen in aller Frühe das Bild der heiligen Mutter aufzufrischen , wie sie zur Vermählung ihres Sohnes gelobt hat . Denkt euch , bis Mittag soll das alles fertig sein . « - » Das ist recht « , sagte eine Frau , » so verdient Ihr doch auch was und die heilige Mutter war gar nicht mehr zu kennen . « - » Mir ist ' s nicht recht « , sagte Anton , » denn meinem Alten schwindelt da oben auf dem kleinen Gerüste und da muß ich früh auf und muß alles allein pinseln . « - » Ich geb dir auch einen Kuß dafür « , sagte die eine Frau . - » Lieber lauf ich gleich davon « , antwortete Anton und ging mit seinen Weidenruten und grünen Zweigen nach Bertholds Hause , aus welchem die Waisenknaben jetzt wieder eine Reihe der seltsamsten Backwerke nach dem Rathause unter Fackelbeleuchtung trugen . Die Weiber liefen vom Brunnen , ließen ihre Eimer überlaufen unter den Röhren und ihr heißes Wasser kalt werden , um diese Wunderwerke , die Türme und Gebirge aus Teig und Früchten zu bewundern . - » Gott ist mein Zeuge « , sagte die eine , » aber wie die Brautmutter mit dem Teige umzugehen weiß , das geht nicht mit rechten Dingen zu : das läuft ihr unter den Händen auf , da bleibt nichts sitzen , das hat sie noch im Kloster von der vorigen Äbtissin gelernt , die jetzige weiß um so weniger davon , da kochen sie jetzt zum Erbarmen und die Nonnen sehen aus , wie Gespenster . Die werden sich freuen , über die guten Gerichte , die ihnen heut die Brautmutter ins Kloster geschickt hat . « - » Hat sie denn alles allein gekocht ' « fragte eine andre . - » Warum nicht gar , wie kann ein Mensch so einfältig fragen « , sprach die andre , » ich habe gesehen , wie sie sich unter einander in der Arbeit geteilt haben . Die Braut hatte die Aufsicht über alle Braten , Meister Kugler schlachtete alles aus , Frau Hildegard besorgte die Suppen und das gekochte Fleisch , Frau Apollonia gab sich allein mit dem Backwerke , mit Pasteten und Kuchen ab , und der Meister Sixt kochte die Fische nach seiner niederländischen Art , bloß aus Wasser und Salz , und bereitete aus tausenderlei Zeugs die Tunken , ich konnte ihn gar nicht ansehen , wie er sich dabei hatte ; als er kostete , habe ich ihn mit der Nase unversehens hineingestoßen , daß die ganze Küche lachte . Aber hört , etwas muß ich euch erzählen , das wird mir keiner glauben , in dem Hause ist ein Kobold , Gott weiß , ob es die Seele des armen Bergmanus ist , der im Brunnen liegt , aber ich ginge um keinen Preis an den Brunnen . Hatte gestern allerlei Kessel und Eimer , die wir beim Schlachten brauchten , an den Brunnen im Garten gestellt , in der Küche war kein Platz , nun blieben aber die Herrschaften am Brunnen bis zur Nacht , so konnte ich nichts abscheuern : heute morgen finde ich alles so blank gescheuert , wie es kein Mensch auf Erden zu Stande bringt ; das war böse Teufelsarbeit , aber ich dankte Gott dafür , denn wir hatten keine Zeit . « - » Der Teufel kann immer schon ein Stück Arbeit für uns tun , wenn wir nur nicht dabei sind « , meinte eine andre , » Narrenpossen sind ' s , in dem Hause gibt ' s viel Leute , wer weiß , welcher sich über die Kessel hergemacht hat . « - Die andre stemmte beide Arme in die Seite und wollte eben zanken , da wurden aber die großen Schüsseln herunter getragen ; was jeder Gast für die Seinen nach Hause schickte , das wollten sie alle sehen . Da hieß es : » Der Vogt hat sich am besten bedacht , der Alte kann auch nur wenig essen , begnügt sich mit der Tunke , da wird sich die alte Ausgeberin freuen . « - » Dafür hat er uns auch die Straße nach dem Bleichplatz zubauen lassen « , sagte die andre , » das vergebe ich ihm und dem Berthold nimmermehr ! « - » Dafür läuft jetzt das Wasser durch den Bleichplatz « , sagte die andre , » das ist mir mehr wert als ein paar Schritte , die ich umlaufen muß , eine Liebe ist der andern wert ! « - » Wir könnten aber beides haben « sagte die andre , » die Bürgerschaft hätte es nicht leiden sollen , aber die Einladung zum Hochzeitschmaus hatte alle zu stummen Hunden gemacht , die vorher so laut klafften . « - » Und beim ersten Kinde will er zur Taufe einen gleichen Schmaus geben « , sagte die andre , » das kratzt er alles vom Tuche ab , davon ist es auch so dünn , daß einer jetzt Mohn durchsäen kann . Wenn es nur bald ein Kind gäbe , aber die reichen Leute müssen immer eine Weile darauf warten , wo es uns Armen immer zu früh kommt . Was sie wieder blasen ! Das ist eine rechte Gesundheit ! Da zerschmeißen sie alle Gläser ! Nun , das ist auch recht , so ein Glas , woraus eine ordentliche Gesundheit getrunken ist , soll auch zu nichts anderm gebraucht werden , sonst schadet ' s ; der Teufel weiß überall sich einzuschleichen , er hat einen spitzen Kopf und ist wie die Schlange beschaffen , wo die mit dem Kopf durchkommt , da zieht sie den Leib nach . Hört nur , ich glaube , die Stadtpfeifer schlagen sich mit den fremden Fiedlern und sie haben doch alle zu essen , an den Tag will ich mein lebelang gedenken , von der Hochzeit werden noch Kinder und Kindeskinder reden ! « Unsre Stadtleute sprechen von großen Festschmäusen , als von einer Fronarbeit , der nur ein Fremder durch anders gefärbte Einfälle Reiz verleihen kann . Dieser Überdruß kommt aber vom Überfluß solcher Feste , die in manchen Kreisen zum Alltäglichsten gehören , so daß jeder Leichnam schon aus der Gewohnheit voraus weiß , wie viel beschwerter er sich am Schlusse des Festes , als im Anfange fühlen werde . Wie können sie sich in Festlichkeiten alter Zeit versetzen ? Die höchste Lust muß ihnen widrig erscheinen ! Auf dem Lande sind wir jener Zeit schon näher , die Speisen selbst haben eine geistige Berührung mit unsrer Tätigkeit und Einsicht , weil sie nur mit Klugheit der widerstrebenden Witterung abgewonnen , in ihr gezogen und geerntet werden konnten . Wer überdies Monate in seiner Hauswirtschaft zugebracht hat , der ist schon erfreut , andre fremde Gesichter bei sich versammelt zu sehen , das Gespräch scheint sogar störend , so lange der Genuß dauert , und nur der Tafelmusik möchte man ein Recht einräumen , das Herz unbewußt anzuregen . Solch ein Fest , durch bedeutenden Anlaß erzwungen , nicht müßig erdacht , hat auch seinen Zwang zur Lust und diese fehlt nimmer , niemand naht sich der Türe ohne mitzugenießen , und selbst die , welche zu Hause bleiben , erhalten ihren Anteil durch das Heimgesandte , und lassen dann auch Gott einen guten Mann sein . Aber neben der Lust sind auch Streitigkeiten nicht selten , keiner hat einen Grund , sich zu verschließen und da die Mitteilung selten ist , so ist sie auch heftiger , insbesondere wenn die Lebensfülle sich im Genusse scheinbar erhöht und über ihre Schranken steigt . So war es im Lande der Ditmarsen gewöhnlich , das Leichenhemde zu den Hochzeiten mitzunehmen , weil keine ohne Kampf und Mord endete . Auch Bertholds Hochzeitfest war nicht ohne Schimpf und Unfrieden . An dem Herrentische blieb es freilich bei einigen stachligen Reden , die ein trunkner Schuhmacher über den Brunnen und die verbaute Straße mit Anspielungen auf den Ehestand fallen ließ ; bei dem Tische der Stadtpfeifer ward es dagegen ernsthafter , denn da ging ' s zugleich um Kunst und Lebensunterhalt , auch gab sich keiner die Mühe , wie der Ehrenhalt am Herrentische , gute Ordnung zu bewahren , vielmehr hetzten manche Bürger die Stadtpfeifer , die fremden Meistersänger und die Fiedler gegen einander , weil sie sich in ihrer Tücke so grundlächerlich darstellten . Nun weiß jeder , daß ein Hauptunterschied zwischen den Menschen darin liegt , daß ein Teil durch den Weinrausch unbändig froh und der andre grundlos traurig wird ; wie ist da ein gutes , verständiges Vernehmen möglich , insbesondere wenn es sich gewöhnlich noch dabei findet , daß die nüchtern Lustigen trunken traurig werden , und die nüchtern Ernsten im Rausche an den Scherz jener heransteigen , die Leute fühlen sich unter einander ausgetauscht und schlagen sich , ihre Seele wieder zu gewinnen . So war zum Feste ein lustiger , ältlicher Sänger des Herzogs von Bayern , mit Namen Grünewald angekommen , der in Augsburg sich in Annen verliebt , wie es ihm mit allen schönen Mädchen erging , auch bald seine Liebe bei allen Banketten besungen hatte , ohne daß die Leute eigentlich wußten , auf wen seine Liebesnoten anspielten . Er hatte Annens Wohnung endlich ausgeforscht und in Verzweifelung , daß ihr Fenster sich nie seinem Gesange öffnete , weil sie längst fortgereist war , hatte er sich dem Weine , ohne Berechnung seiner Kasse so lange ergeben , bis der Wirt seine vollgekreidete Wandtafel überrechnete , Zahlung forderte und als er diese nicht leisten konnte , ihm den Mantel nahm . Das kümmerte den Sänger wenig , er setzte davon ein lustig Liedlein , schimpfte darin den Wirt wacker aus , dem er mit seiner Lustigkeit viel Gäste ins Haus gelockt hatte , ging mit dem Liede zum reichen Fugger und erzählte darin zum Schlusse , daß dieser seinen Mantel ausgelöst habe . Der gute Fugger tat , wie von ihm erzählt worden , löste den Mantel nicht nur aus , sondern gab auch dem lustigen Grünewald ein Zehrgeld auf die Reise , aber mehr als Geld schenkte er ihm in der Nachricht , wohin die schöne Alma gezogen , was Fugger aus Fingerlings Handelsbriefen erfahren hatte . Grünewald küßte ihm die Hände aus Dankbarkeit , nahm ein Schreiben als Empfehlung und schritt stolz in seinem Mantel vor dem Wirtshause vorbei , dessen Wirt ihm so teure Zeche angekreidet hatte . Der Wirt sah sich eben nach Gästen um , als der Sänger vorbeizog , und gähnte , da erhob sich ein Windstoß , blies den Mantel gar stolz auf und warf dem Wirte den Flügel eines Fensters , das eben offen stand , auf die rote Nase . Dies Geschichtlein hatte Grünewald auf dem Wege einem Kunstgenossen vertraut , aber es ganz geheim zu halten gebeten , als er mit diesem zum Hochzeittage in Waiblingen ankam , wo er sich als ein reisender Sänger der Gesellschaft durch Lieder und der schönen Anna durch Fuggers Brief so gut empfahl , daß er von Berthold allen einheimischen Sängern vorgezogen wurde . Die Bayern und Schwaben sind aber nicht bloß in der Sprache , sie sind in ihrem ganzen Wesen sehr verschieden , jene trinken Bier , diese Wein , jene sind schwerer und ernster , diese lustig und schnell , es kam daher den Stadtpfeifern seltsam vor , daß ein bayerischer Sänger ihnen den Preis der Lustigkeit nehmen sollte . Die Schwaben sangen : » Unser Herrgott ist auch kein Bayer « und andres mehr , was dem Grünewald schon zu Kopf steigen konnte , aber er antwortete mit der » Schwabenbeichte « ; sie sangen von der vierbeinigten , bayerischen Nachtigall , er achtete dessen wenig , denn wie er mehr trank , ging es ihm immer trauriger zu Herzen , daß Anna sich an dem Tage vermähle und daß er nicht der Bräutigam sei . Kaum merkte der Oberpfeifer Haring , daß er traurig wurde , so hielt er das für Verzagtheit und rückte mit lustiger Bosheit gegen ihn an . Er hatte eben das Geschichtlein des Mantels von dem Kunstgenossen erfahren , gab sich das Ansehen , welsch reden zu können , indem er viel Schimpfworte aller Völker in allerlei fremdes Geschrei einmischte und sprach zu einem Schüler so erzählend , indem er abwechselnd auf den Mantel des Sängers hinwies , auch wohl den Mantel anfaßte , doch halb verstohlen , und Geld zählte . Grünewald merkte nun wohl , daß er verraten sei , die Beschämung erregte seine Galle . Um Haring zu ärgern , machte ihm Grünewald boshaft nach , wie er beim Blasen seine Backen dehne und nichts heraus bringe . Haring schlug ihm auf die Backen , daß der bayerische Wind hinaus fahre . Grünewald zog sein Messer , die Kunstpfeifer rissen es ihm fort , drängten auf ihn ein , er war zur Rathaustüre hinaus gedrängt , ehe er zur Besinnung kam . Der Stadtpfeifer warf ihm ein Becken auf den Kopf und rief ihm zu : » Gott geleite Euch . « Darüber lachten die Weiber am Brunnen gar unmäßig und Grünewald wollte wieder die Treppe hinanstürmen und neues Geprassel von Töpfen stürzte über ihn her , ehe Berthold und der Ehrenhalt es hindern konnten . In seinem Rausche , glühend und kühl durchnäßt , lief er hastig am Markte umher und regte alle Jammertöne seiner Zither , die ihm um den Leib hängen geblieben . Ernst sprachen die Sterne zu ihm und mit Trauer die hohen Häuser , er hätte immer wieder zu Annen hinaufstürmen mögen , die Beine trugen ihn aber unsicher , wohin sollte er sich wenden ? Er sank an der Ehrenpforte nieder , über der Anton die letzten Bretter seines Malergerüstes befestigte . Da sich inzwischen nach Wegnahme der Tische in den Rathaussälen , alles zum Reihentanz geschickt hatte , also die Pfeifer und Fiedler vollauf zu tun hatten , die Weiber am Brunnen aber an die Fenster neugierig sich drängten , so hatte er Muße , seinem Geschicke nachzudenken , wenn er nur Vernunft dazu mitgebracht hätte , aber sein Nachdenken bestand immer nur im Erzählen . Erst sprach er mit sich selbst , dann stieg Anton vom Gerüste herunter , und er fand an dem Maler einen gutmütigen Zuhörer . Er berichtete diesem , daß er gar berühmt und geachtet sei , so wenig es ihm jetzt einer ansehe und so wenig Ehre ihm der verdammte Stadtfiedler übrig gelassen » Wenn ich so ein Glas zu viel getrunken habe « , sagte er endlich , » da kommt es mir immer vor , als ob ich ein Kaisersohn und einst in einem gläsernen Schlosse bei einem Löwen gewohnt habe , doch will mir das kein Mensch glauben . « - » Ich glaube es Euch wohl « , sagte Anton , » aber seid froh , daß Ihr aus dem Neste fortgekommen seid . « - » Warum das , was wißt Ihr davon ? « fragte Grünewald . - » Ich meine nur « , antwortete Anton , » das Schloß hätte in Stücken gehen und Ihr drein treten können . « - » Meinetwegen « , antwortete Grünewald , » mag es nur so ein Traum mit dem Schlosse sein , aber das ist gewißlich wahr , daß ich , wie Moses auf einem Baumaste schwimmend bei Bregenz ans Land getrieben bin und da hat mich leider keine Königstochter , sondern ein alter Hofnarr zu sich genommen , der hieß Konrad Naftsger aus Limpurg , von dem habe ich Zitherspiel und Meistergesang gelernt , habe schon dreimal im Wettgesang das Gehänge gewonnen und bin in Nürnberg zum Meister gemacht . Da gaben mir alle Ratsherren ein großes Fest und die Stadtpfeifer bliesen vor meinem Fenster . Oft ist der Herzog von Bayern Abends zu mir gelaufen , ein Buhlenlied sich zu bestellen , und manche Fürstin drückte mir die Hände . So schlecht , wie hier , ist ' s mir noch nirgends ergangen und ich kann nicht glauben , daß ihr hier sonderlich lustig seid . « - » Wir sind hier nach unsrer Art auch recht lustig « , meinte Anton , » aber grob sind wir auch ein wenig . « - » Es scheint mir « , sagte Grünewald , » als ob die Leute hier gar nichts von zierlichen , ritterlichen Festen wissen , ihr seid hier wie die Böhmen . « - » Wie sind die ? « fragte Anton . - » In Böhmen ist es noch schlimmer , davon hat Konrad , mein Meister erzählt , ich muß es Euch schon vorsingen , auf daß Ihr daraus erseht , wie es mir nicht allein bei solchen Freßgelagen übel ergangen ist , und daß ich armer Narr mich endlich auch trösten kann . « Der Böhmen König gibt ein Fest ; Auf goldnem , reichbesetzten Tisch Steht ein verstecktes Narrennest , Ein ungeheurer Riesenfisch . Der König schneidet in den Bauch , Da springt ein kleiner Kerl heraus , Bekleidet nach Prophetenbrauch Und gibt sich für den Jonas aus , Und küßt des Königs Gnadenhand , Die aus dem Fische ihn befreit , Das Kerlchen spricht so schlau gewandt , Daß es den König recht erfreut . » Wer bist du Zwerglein « , spricht der Held , » Sei mir willkommen bei