eintreten zu sehen . Wäre Das möglich ? konnte erschreckend die Verlassene doch nun nicht umhin zu erwidern und ihren Schmerz noch deutlicher in den Mienen auszudrücken . Sie werden bald davon hören , gute Frau ! sagte Egon . Ohne Extrem geht es bei diesen Naturen nicht ab . Das ist die übliche deutsche Entwickelung , die Genialität , der Universitätsdünkel des aparten Geistes , dem die gegebene Welt nicht genügt und der sich luftige Bahnen baut , auf die leider , wie unsre ganze deutsche Geschichte zeigt , Kirche , Staat , Wissenschaft , Schule und Leben mit in die Lüfte nachgeschleppt werden ! In Kunst und Poesie derselbe Dünkel , dieselbe Kritik , die nur Das für genial hält , was entweder im Irrenhause endet oder sich eine Kugel vor den Kopf schießt . Zittern Sie nicht , liebe Frau ! Dieser Phantast endet so nicht , der endet behaglicher . Die ewig unbefriedigte Sehnsucht wird bei ihm zuletzt durch Würden , durch äußern Glanz , durch eine Art von Ruhestand , in den sich auch das Denken versetzt , befriedigt werden . Danken Sie Gott , liebe Frau , daß Sie von diesen Fesseln erlöst sind . In allen halben Dingen ist reine Rechnung das Sicherste . Sich hinschleppen zwischen der Erkenntniß und der Furcht vor ihr , hinschleppen zwischen Dem , was man sieht und nicht sehen will , sich das Leben verbittern durch ewige Befangenheit , die den Muth nicht hat , das für besser Erkannte wirklich zu wagen , das heißt den schönsten Theil des Lebens gradezu verlieren . Ergreifen Sie diese Nothwendigkeit des Bruches mit Heroismus ! Geben Sie Ihre gerichtlichen Depositionen mit der ganzen Würde einer tiefverletzten Frau ! Ich versichre Sie : Sie gewinnen sich ganz und verlieren nur Halbes . Mit diesen Worten trat der Fürst von der Mauer zurück und glaubte die überraschte Pfarrerin mit einer innem Erhebung , mit gewonnenem Muthe zurückgelassen zu haben . Und in der That ! Hätte er nur liebevoller gesprochen , die Wahrheit seiner Worte fühlte sie schon ; sie erwartete Ackermann , um sie ihm wiederzuerzählen und vielleicht nach ihnen zu handeln . Als Egon seinen Arm der Fürstin wieder gereicht hatte und mit ihr den Friedhof verließ , um sich dem Schloßgarten zuzuwenden , brach er , dann und wann hüstelnd und wie es schien , in einer andauernden Reizbarkeit , in die Worte aus : Dieser Elende ! Wenn mir irgend etwas den Geist der Konfusion , der in der ganzen Welt die Köpfe verwirrt , vergegenwärtigt , so ist es dieser wildgewordene , von Dünkel und lächerlicher Selbstüberschätzung aufgeblasene Halbpoet ! Unfähig , nur eine einzige dauernde Schöpfung hervorzubringen und wär ' es ein Gedicht von einigen Versen , zerschlägt er die ganze Welt in Trümmer und macht diese jeder Halbheit , jedem Verbrechen zu einer beschönigenden Anlehnung . Jede Partei , die seiner Eitelkeit schmeichelte , hatte ihn . Eine Zeit lang wünschte man , daß er die Kritik der schönen Künste übernahm . In jeder Schöpfung sah der Schwätzer nur den Verstand , nur die Kombination , immer schrie er : Offenbarung , Genie , Genie ! Jeder sich seiner Kraft bewußte und mit ihr harmlos spielende Geist war ihm ein Rechnenkünstler . Alles , was Logik und Zusammenhang hatte , wies er mit dem Wort zurück : Poesie fehlt ! Ah , dies Guido-Stromerisiren ist die deutsche Erbsünde . Der Kerl war dabei voll Eitelkeit wie ein Komödiant . Jede Schauspielerin , die ihn besuchte , jede Tänzerin , die ihm gestattete , ihre Hände zu küssen , wurde im » Jahrhundert « dafür gepriesen . Man mußte ihm , weil er vor Eitelkeit halb wahnwitzig wurde , diese Branche förmlich mit Gewalt nehmen . Er wollte nun zur Politik , zu mir , zu Pauline ' n zurückkehren . Aber keine einzige positive Thatsache war ihm anzuvertrauen . Er hatte nichts , was ihm treu blieb , nichts als seinen Styl . Eine Mischung von Naivetät und Erhabenheit , von Bildern und von Abstraktionen war ihm immer das einzig Gegenwärtige , wie einem Arzt sein Latein , auch wenn er noch gar nicht weiß , welche Krankheit er vor sich hat . Mit diesem Styl , den zuletzt auch Pauline wegen seiner Indiskretionen verwarf , lief er in allen Zirkeln , die sich ihm durch uns eröffnet hatten , wie ein herrenloser Hund umher , der ein Halsband sucht , und klagte uns der Undankbarkeit an , drohte sogar . Seinen Styl bot er dem Meistzahlenden an und in der That hat der Ritter Rochus vom Westen gut daran gethan , ihn für die Sophistik seines Kabinets zu gewinnen . Er wird dort viel Geld verdienen , es durchbringen mit den Frauen , deren Schönheitslinien er seit Jahren zu studiren vorgibt , mit Bildern , die er vielleicht kauft , mit Gourmandise und wird im Übrigen jede Sache mit scheinbarer Gluth vertheidigen , sie mag noch so schlecht sein und innerlichst ihn noch so kalt lassen . Ah pfui ! Die Lüge dieser Menschen ist fürchterlich und vielleicht fängt bei diesem Stromer für die Welt und ihr Urtheil die Wahrheit damit an , daß er uns , die wir ihn emporzogen , nun haßt , nun verfolgt , nun in verzerrten Schattenrissen an die Wand malen wird . Meine Feinde , die Äußersten , haben ihm auch schon Offerten gemacht . Sie würden ihn gewonnen haben , wenn dieser Präsident von Flottwitz , diese Excellenz von Trompetta in der Provinz nicht so arm wie die Kirchenmäuse wären und der Hof sich zur Zeit noch schämte , Geld herzugeben , um mich bekämpfen zu lassen . Rochus hat mit seinen Dukaten mehr Glück gemacht und nur Schade , daß man dem Hofrath unsrerseits nun nicht noch offen mit dem Staubbesen ein Buon viaggio ! nachrufen kann . Melanie erwiderte auf diesen Zornausbruch nichts . Sie gedachte , zum Schlosse aufblickend , jenes Abends , wo sie durch eine ihrem Haar entnommene Rose , die sie von den kleinen Ohren des Intendanten zuletzt als Preis gewinnen ließ , in Guido Stromer die Geister des irren Schönheitsdranges und einer noch einmal vor dem Ende sich sammelnden Idealität weckte und sie selbst es war , die ihn , ohne es zu wollen , in die Residenz lockte . Mit den Gedichten hatte ihr Gemahl Unrecht . Melanie besaß einen Stoß gereimter Verherrlichungen ihrer Schönheit von diesem Musenpriester ; selbst nach ihrer Verheirathung noch empfing sie anonym , doch mit leicht erkannter Handschrift , Apotheosen ihrer Vollkommenheit , z.B. diese humoristische , als sie sich lange nicht hatte im Theater blicken lassen , mit der doppelsinnigen Aufschrift : An eine Schönheit ersten Ranges . Von einem jetzt gehaßten kritischen Opponenten . Wie Venus stieg aus weißem Wellenschaume , Vom Rosenlicht Auroren ' s überhaucht , Halb noch den Fuß in Meeresfluth getaucht , Halb siegend schon auf festem Muschelraume , So schienst du mir , als ich am rothen Saume Der Loge ( leider ist der Sammt verbraucht , Die Muschel viel zu Lampenrußbehaucht ! ) Dich endlich wiedersah fast wie im Traume ! O strahlte mir gleich Licht aus gold ' nen Thoren Entgegen doch aus Deiner Formen Hülle Wie einst der hold ' sten Zaubereien Fülle ! O könnt ' ich wieder Deinen Lippen lauschen ! Wie wollt ' ich , Schaumgeborne , Dich umrauschen Als Welle , fließend , ewig so verloren ! Die Fürstin hütete sich wol , Guido Stromer ' s Dichterehre zu retten . Sie hätte sonst fürchten müssen , Egon so zu reizen , daß er wie Plato alle Poesie aus seinem Staate verbannte . Litt sie nicht genug an seiner scharfen Kritik des Lebens , an seiner zersetzenden , wenn auch oft sehr wahren Auflösung aller Charaktere ! Sie hatte seit dem Jahre , daß sie Egon kannte , seit den drei Monaten , daß sie seine Gattin war , die Maxime angenommen , ihm nur dann zu widersprechen , wenn er zum Seherze aufgelegt war . Diese Stimmung kam selten bei ihm . Sie ließ den reizbaren , von Nachtwachen , von Krankheit , Gemüthszerrüttung geschwächten Fürsten in seinen heftigen Invectiven sich nach Lust ergehen und gab nur zuweilen eine scherzende Ergänzung zu Dem , was ihn mit bitterm Ernst erfüllte . So jetzt , indem sie aufsteigend zum Schlosse , an dem Pavillon , an den Marmorvasen , an der Springkaskade vorüber , wo sie bebend Dankmar ' s gedenken mußte , plauderte : Ja ! Ja ! Der Hofrath wäre , wenn du ihn nicht so tragisch ansähest , die spaßhafteste Episode eines Lustspiels . Ich will von seinen Umgebungen nicht sprechen , die er eben so wunderlich zu bilden sucht , als wenn wir den Versuch machen wollten , Doretten die Schönheiten von Goethe ' s Fischer beizubringen oder den westöstlichen Divan zu erklären , den sie jetzt noch für ein Tapeziererhänden entstandenes Möbel halten würde . Er läßt sich seine Mühe nicht verdrießen . Aber drollig ist gewiß , daß Stromer im Winter heimlich tanzen lernte . Er wollte auf den Bällen nicht zurückstehen und den lateinischen Zuschauer machen . Whist zu spielen unter den Herren und gesetzten Damen schien ihm mit Recht langweiliger , als sich unter den tanzenden Paaren zu tummeln und schon Wochen lang vor einem Ball bei jungen Damen durch Huldigungen aller Art sich eine Française , eine Polka zu erbitten . Mit größerem Triumph hat Guido nie auf seine neuesten Artikel geblickt wie auf die Tourenkarte , die er beim Eintreten in die Säle , alle jungen Männer fast umreißend , triumphirend vorzeigte ; denn jede Tour war ihm besetzt . Man denke sich Hofrath Stromer auf seinen heimlichen Tanzübungen ! Der Balletmeister des Hoftheaters , den er dafür überrühmend anerkannte , mit der Violine , die dieser glücklicher Weise selber spielte - sonst hätte sich der strenge Recensent auch bei der Kapelle kompromittirt - der Balletmeister Befehle gebend : Glissez ! Marchez ! En avant ! und unser Guido mit den langen blondgelben Haaren und der ganzen Wucht seines gelehrten Wissens hopsend , walzend , chassirend , springend bis zum Entrechat ! Die Fürstin lachte selbst . Egon schüttelte nur den Kopf ... Inzwischen aber waren schon Diener , Sekretäre , ihnen entgegengekommen . Wo man des Allgewaltigen nur ersichtlich wurde , gab es sogleich zu fragen , Befehle zu holen , Mittheilungen zu machen . Eben so ging es der Fürstin , die schon einige Damen der Umgegend vorfand , die ihre Aufwartung zu machen wünschten . Ohne zu wissen wie , war das hohe Paar auseinander und Jedes in die Zimmer getreten , die in gewähltem Geschmack für sie neu hergestellt waren . Die Fürstin bewohnte die so verhängnißvoll gewordenen Zimmer der Mutter Egon ' s und fand sich in der gebliebenen gothischen , kirchlichen , ihren Neigungen sonst nicht entsprechenden Ausschmückung bald zurecht , da sie schon nach ihrem Sinne befriedigt war , wenn sie nur Eignes , Ungewöhnliches , Gepflegtes sah . Da gab es denn Visiten und kleine Plaudereien , Glückwünsche und Verheißungen , versicherte Hingebung und lauschende Prüfung genug . Von dem forschenden Blicke , wie diese Standeserhöhung hätte kommen können , warum sie kam , ob sie sich zum Guten anließ , ob nicht , war Niemand frei und die Fürstin hielt ihm mit ruhiger Selbstbeherrschung Stand . Sie war die unruhige , von sich selbst hin- und hergejagte Melanie nicht mehr . Ihr Gemahl aber , dem es schon zur andern Natur geworden , nach solchen Dingen , die ihn quälten , immer mehr zu suchen , als nach solchen , die ihm wohlthaten , hatte sich von ihr bis zur Tischzeit mit dem täglich wiederholten Bedauern entfernt , daß ihn nichts so verstimme wie die Abwesenheit des Generalpächters , eines Mannes , dessen Rückkehr er mit Ungeduld erwartete und dessen so unendlich werthvolle Bekanntschaft , da er Alles , was Ackermann hier unternahm , bewunderte , ihm wol gar verloren gehen könnte , wenn ihn , was er nicht hoffe , dringende Depeschen zeitiger vom Schlosse Hohenberg abriefen , als zu bleiben seine Absicht gewesen war . Die Fürstin fand nach den mannichfachen Konversationen über Nichts , in denen sie bei solchen Standesbesuchen Meisterin war und nur zu lange , zu bezaubernd die Menschen fesselte , kaum noch Zeit , ihre Mittagstoilette mit Muße und Umsicht herzustellen . Sie hatte neue Umgebungen . Von jener Jeannette , die einst hier gewaltet hatte und bei dem jetzt arrangirten Lasally Faktotum geworden schien , war hier keine Rede mehr . Neue Verhältnisse , neue Menschen . Und neue Kleider ! Die Putzsucht war Melanien geblieben . Der Fürst bestärkte sie darin , da ihm ihre Metamorphosen gefielen . Sie verrieth auch durch ihr Wesen nie , wenn sie ein neues Kleid trug . Sie kam mit Stoffen , die eben noch fast schon am Körper von den Nätherinnen fertig geworden waren und wo noch möglicherweise irgendwo zum Entsetzen der Kammerjungfern ein Seidenfädchen konnte unausgezogen geblieben sein , aber sie kam so in den Salon , als wenn diese neue Tracht schon längst mit ihr verwachsen war , ja als wäre sie mit ihr auf die Welt gekommen . Dieser letztere Ausdruck gehörte ihrer guten Mutter , Johanna Schlurck , geboren Arnemann . Diese brave Frau war in der Erziehung ihrer Tochter immer nach dem Prinzip verfahren : Einem Mädchen muß man es ansehen können , ob es mit Glaçeehandschuhen auf die Welt gekommen ! Diese guten Justizraths ! Sie existirten für Hohenberg nicht . Fürst Egon schloß sie von allen Beziehungen zu sich , zu seinem Palais , zu seiner Existenz radikal aus . Die Mutter litt darunter und zwar furchtbar , entsetzlich . Nicht deshalb , weil ihre Tochter eine Fürstin war : an alles Außerordentliche gewöhnt sich der Mensch sehr rasch ; sondern weil die Fürstin nicht mehr , wie sonst , ihre Tochter sein durfte . Aber Franz Schlurck fand diese Trennung ganz in der Ordnung . In dem Briefe , den seine Tochter nach abgehaltener Tafel z.B. heute von Hause vorfand , sagte er ihr : » Mein gutes Kind ! Dein Leben wird von tausend vereinzelten Kleinigkeiten so in Anspruch genommen sein , daß du solche Gedankenstriche und Ausrufungszeichen , wie sie in deinem letzten Briefe vorkamen , ganz aus deinem Systeme der Interpunktion entfernen solltest . Du hast nie gegrübelt , warum willst du es jetzt thun ? Du bist die Fürstin von Hohenberg , Durchlaucht . Basta ! Den Groll der Mutter , die nach ihrem sonst vernünftigen Naturell sich mit der Zeit in ihre Zurücksetzung finden wird , ertrage als eine vorübergehende Frauenlaune und sei versichert , daß ich dich in dem großen und wahrhaft philosophischen Lehrgange , den du mit deinem hohen Herzens- und Pflegebefohlnen befolgst , immer unterstützen werde . Den tiefern Sinn deines Wahlspruches : Entweder ein Bettler oder ein Fürst ! hab ' ich nie ergründen mögen , die Alternative war so schroff gestellt , daß ich jedenfalls lieber der zurückgesetzte Schwiegervater eines Fürsten , als der geliebkoste eines Bettlers bin . Also ! Weiter im Text ! Die Gedankenstriche , die bei der Stelle über meine Lage stehen , hab ' ich eher verstanden . Doch waren deren drei nicht nöthig . Ich hielt schon den einen für überflüssig . In meiner juristischen Praxis , wenn ich alte Briefschaften und Familiennachlässe zu durchstöbern hatte , waren mir als die gemeinsten Briefe immer die erschienen , wo Väter und Mütter an ihre gutverheiratheten Kinder um Unterstützung schreiben . Du wirst sie auch in keinem gedruckten Briefsteller verzeichnet und in etwaigen Schematen dazu vorgemerkt finden . Und doch werden sie unglaublich oft geschrieben , was wiederum nicht für die Armuth mancher Eltern , wol aber für die Herzlosigkeit vieler Kinder ein schlimmer Beweis wäre . Bei uns ist Das anders . Ich weiß , meine Melanie ließe mich , wie es irgendwo heißt , mit Kapaunen und Nichtsthun auffüttern , selbst wenn beide , weil sie zu fett machen , überhaupt meine Sache wären . Herzenskind , laß das Alles gehen , wie ' s geht ! Ordne dein überraschendes Verhältniß , wappne dich gegen die neidische Welt , schmiege dich unter deinen erzwunderlichen Gatten , ohne seine Sklavin zu werden und lausch ' ihm die kleinen Lichtschimmer seiner mir eigentlich wie der Saturn so dunklen , aber ohne Zweifel doch großen Natur ab , für das Übrige müssen unsre unfreiwilligen guten Grundsätze sorgen . Die Mutter war von jeher für das Wasser und ein gewisser Pindar schon , ein alter Odensänger , der die irdische Belohnung der Dichter bereits zu kennen schien - trotz Guido Stromer ' s neulicher Anstellung im Süden mit 5000 Silbergulden - Pindar schon sagte : Wasser bleibt immer das Beste ! Er hatte Recht . Der Mensch ist Erde und nichts ist der Erde nothwendiger als Wasser , wenn sie nicht - Staub werden soll . Sieh , die verdammten Gedankenstriche ! Da mach ' ich eben selber einen und einen recht kläglichen . Noch aber ist Das nichts als dumme Koketterie von mir . Ich denke nicht an ' s Sterben ; ich lebe , wenn auch nicht vom Wasser , wie die Mutter , doch von der Luft . Die Luft ist klar und blau und hell , ich gehe viel spazieren . Schulden machen will ich nicht . Meine Prozesse haben abgenommen . Entweder ist die Welt friedlicher geworden oder die jungen Advokaten verstehen noch mehr Einreden als in den Pandekten und im Schmidt stehen . Mit meiner mündlichen Vertheidigung hab ' ich Fiasko gemacht . Meine Jungfernrede vor den Assisen war Kinderlallen . Ich weinte , als ich nach Hause kam , obgleich mein Klient freigesprochen wurde . Die Qual , die ich letzten November ausstand , als die angeschwollenen , polnischen Zins-auf-Zins-Summen der Äbtissin Sibylle vom Kloster zum Herzen Jesu da sein sollten , dieselben Summen , die Jahre lang entweder Max Leidenfrost oder Jagellona Kaminska heben konnten , aber nicht heben wollten , weil Einer sie ganz dem Andern gönnte , Werdeck arm ist und der tolle Maler , der dich einmal verspottet hat , nicht reicher - lebendiges Beispiel , daß Großmuth und schrankenlose Tugend nur Unheil in der Welt stiften - ich sage , die Qual , die ich ausstand , weil diese Summe nicht da war und doch nur möglicherweise , furchtbare Hypothese ! möglicher Weise gestohlen sein konnte - Melanie , als Alles verkauft werden mußte , was man sich entziehen kann , ohne daß es die Menschen sehen und darüber mit häßlichen schwarzbeflorten Redensarten kondoliren , wie man mir bei Abschaffung unsrer Equipage kondolirte und ich mit Anspielung auf Lasally sagte : ich habe das Kapitel des Pferdestalles satt und will nicht mehr an den Hufbeschlag erinnert werden , da - sieh , meine Perioden verwickeln sich - immer wenn vom Gelde die Rede ist , verläßt mich die Kraft des Styles - ganz im Gegensatz zu Hofrath Stromer , dem der Styl grade recht erst kommt , wenn das Geld im Kasten klingt - damals , damals , Melanie , als alles Das da war und nicht da war , damals hab ' ich mir eine Empfindsamkeit zugezogen wie einen nicht endenden Katarrh . Ich bin wehmüthig gestimmt , selbst wenn ich Prozesse gewinne . Den Johanniterprozeß hab ' ich halb und halb verloren , noch nicht für die Stadt - denn propinqui equites bleiben ein Räthsel . » Ritter und Reisige als Verwandte ! « - aber verloren für mich . Die Administration wird neu beschaffen und wer weiß , was in Tempelheide jetzt aus dem großen Straußenei schlüpft , das dort von einem Kater , Namens Bafomet , ausgebrütet werden soll ! Wenn die Wildungen wirklich gewönnen ? ... Denkst du noch an den Morgen damals in meinem Zimmer ? ... Neueres aus dieser Residenzwelt weiß ich nicht , als daß man sagt : Unterschlagen in diesem Prozesse wurden von Schlurck vielleicht einige Kommata , aber kein einziges Dokument fehlte - ich küsse deine süßen Hände , Kind - verschmitzt benutzt hat er sie und manchen absichtlichen Sprachschnitzer sich zu Schulden kommen lassen , der alte Lateiner ... sagt die öffentliche Meinung ! Was öffentliche Meinung ! Frage den Fürsten , was öffentliche Meinung ! Von Politik nichts - du sitzest ja in ihrem Centrum . Rathe dem Fürsten , sich mit dem Heidekrüger Justus und seiner Sorte auszusöhnen ! Die Politik der Landwirthe , die nicht mehr und nicht weniger als circa 100 Morgen haben , entscheidet die Welt , d.h. die Mittelsorte ! Oder darfst du nicht über das Rad sprechen , mit dem dein Ixion sich quält , es den Berg hinan zu wälzen ? Neues ? Unsre Katze hat wieder Junge und die Mutter sträubt sich jetzt gegen das Ersäufen . Ach , Kind , wo sind die Zeiten hin ? Wenn Mietz sonst Junge hatte ! Das Laufen und Rennen im Hause ! Diese Freude und dieser Kummer ! Es war als sollt ' es Kindtaufe geben und als zankte man sich über die Namen und die Pathen . Jetzt aber - Mutters alte Art , diese Streitigkeiten durch einen Kübel Wasser und ein gründliches erstes und letztes Bad der jungen Brut zu enden , hat uns verlassen . Frau von Trompetta will die Mutter für einen Thierquälerverein gewinnen , in den die Mitbegründerin der deutschen Flotte sich zu stürzen beabsichtigt , seitdem sie eine Anwesenheit des Hofes in Tempelheide verpaßte und ihr Vetter immer noch nicht Minister ist . Der Hof besuchte die Akademie in Tempelheide , an einem Tage , wo grade Frau von Trompetta abwesend war ! Das sagt Alles , was ein Leben in Verzweiflung stürzen und zum Thierquälerverein reifmachen kann . Sie hat sich erkundigt , was Alles die Königin in Tempelheide äußerte . Man hatte von der Thierseele gesprochen . Das war ihr genug , sich mit Propst Gelbsattel zu vermitteln , der kürzlich ersucht worden ist , die Initiative eines Vereines zum Schutze der Thiere zu übernehmen . Da man ihn über Nichts mehr um Rath frägt , den guten Propst , da er selbst beim Kunstverein das Präsidium verloren hat , so wurde er um so eher Präsident jener Verbindung , als die bevorstehende Entscheidung des Johanniterprozesses ihn um die von der Stadt ihm gehaltene Equipage und selbstredend dadurch allein schon um die Gelegenheit , Pferde zu quälen , bringen wird . Bartusch hat eine Anstellung im Rathhause . Der Alte ist bei der Statistik der Getauften , Gebornen und Verstorbenen angestellt . Sein Sprichwort : » Allerlei Gemenschel « kommt in glorreiche Anwendung . Seit ihm nicht gelang , den Taufschein eines gewissen Paul Zeck aufzufinden , der in der Biographie deiner hohen Gönnerin , deines Glücksschmieds Pauline eine Rolle spielt - ich kitzelte sie schon oft mit dem Namen Zeck , da ich weiß , daß Das ein Blitz über ihre dunkelste Lebensphase war - seitdem hat auch unsre Verbindung mit den Geheimnissen der hohen Aristokratie aufgehört . Sie wendet sich an jüngere Rechtsbeistände , die nichts erlebt haben , nichts von den Antecedentien wissen und blindlings glauben , wenn Matronen die Hände falten und von dem Rufe sprechen , wie von einem Spiegel , den ein Hauch trüben könne . O der Ruf ! Dieser unsichtbare Galgen , an dem die zartesten Hände nach Herzenslust die Menschen stranguliren und lustig von unten nach oben rädern ! Von wem willst du sonst hören ? Von der Mutter ? Sie projektirt , dir ein Opfer zu bringen . Sie will , daß wir auf ' s Land ziehen und dort Kinderzeug nähen . Wäre dein Gatte so grausam , unsre Verbannung zu wünschen ? Es thäte mir leid , wie ein alter Pensionär in die Provinz zu ziehen . Aber sprich es aus , wenn es sein muß ! Es ist auch vielleicht besser , ich läse nicht mehr an den Läden die nun erst gar mit den Eisenbahnen frisch angekommenen Austern und sähe nicht auf den Straßen sogar , denke auf unsern Straßen ! - Seefische , die man auch sonst nur in unsrer Komthurei zuzubereiten verstand ! Von Hackert erfuhr ich lange nichts . Ich hätt ' ihn gern nach einem gewissen Ringe gefragt . Er lebt meist in der Brandgasse , jagt Mäuse und Ratten . Pax wird ihn so lange an sein Herz drücken , bis er sich seinen Henker und Nachfolger in ihm großgezogen hat . Der Lauf der Welt ist so . Auf dem Markt seh ' ich immer in die Körbe der Krebsfischer ! Wie ' s darin wimmelt , so ist die ganze Erde . Aber was Krebse ! Der September hat ein R ! Es gibt jetzt keine Krebse . Adieu , mein Kind ! Amor schütze dich ! « Wehmuthsvoll , das Haupt gebeugt , zerrissen von dem in diesen Zeilen durch tiefen Schmerz aufschreienden Humor , angekettet an ein freudenarmes Loos , das der Welt so beneidenswerth erschien , saß Melanie und hing den trübsten Empfindungen nach . Es war ihr schon lange manchmal wie einem Wandrer auf einsamer felsiger Höhe , den nie von ihm gesehene dunkle Vögel umkreisen und ihm zuzurufen scheinen : Wende um , du findest in diesem Trümmermeere keinen Ausweg und die Nacht wird dich überfallen ! Was zur Fürstin sie erhoben , sah Melanie wohl im Zusammenhange vor sich , aber räthselhaft blieb ihr die Folge dieser Umstände , die Kette dieser Zufälle doch . Sie konnte sich sagen , daß sie die Männer fesselte , blendete , aber nie hatte sie Vertrauen fassen dürfen auf die Dauer der Neigungen , die sie einflößte . Sie hatte mit zu bittrer Erfahrung erlebt , daß man sich in der Liebe zu ihr beherrschen , bekämpfen , sich ganz überwinden konnte selbst dann , wenn man ahnen mußte , daß sie selbst liebte . Immer nur der Augenblick hatte ihr wie ein flüchtiger Genius , ein lachender Engel mit Schmetterlingsflügeln schwankend auf einer Blume oder gar einer großen bunten Seifenblase , unsichtbar zur Seite gestanden . Weil ihr der innere Glaube an sich selbst fehlte , weil sie sich eines Nixenlooses , eines gebundenen Sirenenschicksals fast mit Wehmuth bewußt war , hatte sie sich von dem Bedeutenden , das sie fürchtete wie das ihren Zauber lösende zerstörende Beschwörungswort , fast ängstend entfernt gehalten . Nun war ihr ein Schicksal gekommen , das sie äußerlich , ihre kühnsten Hoffnungen überflügelnd , emportrug , und innerlich schien ihr doch der Tod ihr Verhängniß zu sein , der Untergang ihr Schicksal . Sie hatte diesen Fürsten Egon , diesen ihren Beschwörer , bei der Geheimräthin kennen gelernt . Nie würde er sie gefesselt haben . Es fehlte ihm die herausfordernde neckende Elasticität , die die Frauen , selbst wenn sie wissen , daß solche Männerscherze und Männerspiele nicht immer und zu Hause am wenigsten getrieben werden , dem Charakter , der Solidität und den Tugenden der aufrichtigsten Ehrbarkeit vorziehen . Sie wollen nun einmal umflattert sein , sie wollen den Schein der Freude , sie wollen sogar die Verstellung , wenn sie nur nichts Anderes lügt als Ergebenheit und Huldigung . Dieser Egon von Hohenberg aber tändelte und scherzte so selten , er war so ernst , dabei doch so siegesgewiß , so kalt und dann doch zuweilen so seltsam heiß . Der Heiterkeit Maaß fehlte ihm dann . Sie hatte kein Vergnügen an seiner Bewerbung . Lange freilich währte es , bis sie diesen Eindruck selbst errieth . Sie gab sich Egon , wie sie sich Dankmar Wildungen , als sie ihn für Egon hielt , gegeben hatte . Der Unterschied war nur der , daß Egon gefesselt blieb , während Dankmar mistraute . Egon war der Fürst von Hohenberg , warum sollte er an Enttäuschung glauben ? Er war in der That nur glücklich bei Paulinen von Harder , der Feindin seiner Mutter , nur glücklich , wenn es hieß : Ist Melanie noch nicht da , wann kommt sie , wie bleibt sie so lange , jetzt rollt ein Wagen , das ist sie nicht , das ist sie ! Und dann ließ er diese beiden Frauen um sich leben und weben , walten und schalten , genoß mit Behagen , daß sie für ihn lebten und webten , für ihn walteten und schalteten . Er ruhte sich bei ihnen von seinen gewaltigen Geistes-Anstrengungen aus . Die gescheuteste und die schönste der Frauen in der Residenz gehörten ihm . Und für immer wollte er Beide an sich fesseln , nie wollte er Melanie in eines Andern Armen wissen . Aber seltsam ! Sein Ideal schwang sich , grade weil sie nicht liebte , zum Charakter auf . Sie verweigerte jede Gunst , die über die Grenze einer leichten Koketterie hinausging . Sie war , allein , gegen Egon nur so , wie sie es im Beisein Paulinen ' s sein durfte . Lange besann sich der Fürst , was da zu thun . Er wählte den Ausweg einer Standeserhöhung . Die vielgefeierte , allerdings für verlobt , verlobt mit einem zweideutigen Charakter geltende Melanie , Tochter eines seither hochangesehenen stadt- und landbekannten Mannes , konnte dieses Vorzugs nur gewürdigt werden , wenn damit zugleich ein glänzendes Zeugniß für Melanie ' s Sittlichkeit ausgesprochen wurde . Man würde eine illegitime Verbindung ewig verurtheilt haben , während man sich an die legitime in Kürze gewöhnte und sich ganz einfach sagte : Fürst Hohenberg ist arm , er will eine Häuslichkeit ohne ein Haus zu machen . Er hat eine Frau genommen , die er Niemanden zu zeigen nöthig hat und macht dabei die besten Geschäfte , er spart und hält die Hausfreunde ab . So die Welt . Egon aber ? Ob wol in ihm der Gedanke lebte : Nach Louison und Helene , nach