nahen Verwandtschaft , als einem Akte ritterlicher Gesinnung . Thomas Günther von Jagow vermählte sich , in seinem Alter noch , mit Charlotte von Bismarck . Der Ruf der schönen jungen Frau wurde verdächtigt , was dem Vetter , Georg Otto Friedrich von Jagow , Veranlassung gab , den Verleumder seiner Anverwandten zum Zweikampf herauszufordern . Dies gewann ihm das Herz des Alten , der nun dahin testierte , daß seiner Frau das Barvermögen , dem Vetter aber der Güterbesitz zufallen solle . Nach dem Tode des so Testierenden kam es zum Ehebündnis zwischen Vetter und Muhme , was dann erfreulicherweise das kaum geteilte Gesamtvermögen wieder zusammenbrachte . Rühstädt wurde gekauft und das Monument in Dankbarkeit errichtet . – Was sich sonst noch an modernem künstlerischen Schmuck in der Rühstädter Kirche befindet , sind zunächst zwei Marmorbüsten auf Pfeilern oder Säulen von sehwarzem Marmor und ferner ein Marmorrelief . Die beiden Büsten von Professor Wichmann und Professor Cauer herrührend , sind Bildnisse des Georg Otto Friedrich von Jagow , gest . 1810 , und des Friedrich Thomas Achatz von Jagow , gest . 1854 . Das Marmorrelief , von Drake gefertigt und von ganz besonderer Schönheit ( selbst unter Drakes Werken noch hervorragend ) , ist dem Andenken der 1835 früh verstorbenen Berta von Jagow , vermählte von der Schulenburg , gewidmet . Es stellt eine schöne junge Frau dar , die , mit dem Ausdruck stillen Glückes , auf ihr Kind blickt , das ihr , der Mutter , ein kleines Kruzifix reicht . Sie starb jung , mit zweiundzwanzig Jahren , und war eine Schwester des gegenwärtigen Besitzers von Rühstädt . 19 Die Kirche zu Kletzke , nicht so wohl erhalten , wie die zu Rühstädt , war noch um 1750 reich an Quitzowgrabsteinen und Quitzowmonumenten . An ihrer Fülle ließ sich erkennen , daß Kletzke , durch Jahrhunderte hin , mit Quitzöwel und Rühstädt an Bedeutung gewetteifert , ja beide vielleicht übertroffen hatte . Daß neuere Historiker , im Gegensatz zu Klöden , davon ausgehen : Dietrich und Johann von Quitzow seien nicht zu Quitzöwel , sondern zu Kletzke geboren worden , habe ich schon an anderer Stelle hervorgehoben . Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts befand sich noch eine von Anna von Quitzow 1591 dem Gedächtnis ihrer Brüder und Schwestern errichtete Bretterwand in der Kirche , worauf neun Figuren – » vier Manns – und fünf Weibsbilder « wie Bekmann schreibt – in Temperafarben gemalt waren . Alle diese Figuren trugen Unterschriften , von denen die Mehrzahl im Jahre 1750 noch zu lesen war : Antonius von Quitzow war bei einem Feuer umgekommen , Köne von Quitzow in einer Schlacht in Frankreich gefallen . All dies ist jetzt fort und nur zwei Grabsteine sind geblieben . Letztere gelten dem Andenken Dietrichs von Quitzow , gest . 1605 ( ihm gewidmet von Achatz von Quitzow ) , wie dem Andenken Philipps von Quitzow , gest . 1616 , und erinnern lebhaft an die beiden in unserem vorigen Kapitel ausführlicher beschriebenen Quitzowdenkmäler von 1569 und 1593 in der Kirche zu Rühstädt . 20 Von der Eldenburg in seiner gegenwärtigen Gestalt , wie von fast allen Schlössern , Kirchen und Denkmälern , die dieser Quitzöwel-Aufsatz genannt hat , hat Hofphotograph David Schwartz , Potsdamer Platz ( Eingang Bellevuestraße 22 ) die verschiedensten Bilder angefertigt und die Gesamtheit derselben zu einem Album zusammengestellt . Es befinden sich darunter : die Wunderblutkirche zu Wilsnack in vier Aufnahmen , Einzelheiten aus der Kirche , Bildnis des Havelberger Bischofs Johann von Wopelitz , Blick von Quitzöwel auf die Elbe , Schloß Quitzöwel , die Kirche von Quitzöwel , die Ruinen der Quitzowburg in Kletzke , die Kirche zu Kletzke , verschiedene Quitzowepitaphien in der Kirche zu Kletzke , die Kirche zu Rühstädt , Quitzowepitaph in der Kirche zu Rühstädt , Marmorbildnisse der Familie von Jagow ebendasselbe , Quitzowdenkmal auf der Dorfstraße zu Legde , die Eldenburg bei Lenzen , der Quitzowturm in der Eldenburg , Schloß Plaue , das Kreuz am Cremmer Damm , der Marktplatz zu Angermünde u.a.m. 21 Das dem Georg von Waldenfels verliehene Privilegium knüpfte sich übrigens an allerlei Bedingungen , unter denen die Wiederherstellung des Schosses die wichtigste war . Es heißt in der betreffenden Urkunde , daß das alte Schloß , » das sehr zerbrochen , verfallen und ungefestigt sei « , zu Nutz und Frommen der Herrschaft wie des Landes » wieder aufgebracht , gefestigt und gehaut und in gutem Zustande gehalten werden solle « . Dem allen unterzog sich der von Waldenfels auch wirklich und stellte den Bau ( wenigstens partiell ) wieder her , was sich insoweit ohne sonderliche Mühe tun ließ , als das vierzig Jahre früher angeordnete » Brechen und Schleifen « der vierzehn Fuß dicken Schloßmauern nur sehr unvollkommen ausgeführt worden war . Dies vergleichsweise Neue hieß nun zum Unterschiede von der ehemaligen Quitzowburg » der von Waldenfelssche Bau « , war aber im wesentlichen nichts anderes als das alte Schloß , das man in einem Einzelteile – der übrigens noch immer groß genug war – wieder fest und wohnlich gemacht hatte . 22 Dieser Turm war 1717 , also fünfzig Jahre vor Pastor Löseckes obiger Beschreibung , noch so gut erhalten , daß ihn Friedrich von Görne dem im Sommer genannten Jahres auf der Reise nach Magdeburg in Plaue vorsprechenden Könige Friedrich Wilhelm I. als eine Sehenswürdigkeit zeigen konnte . Der König liebte dergleichen aber nicht . Alles was an Adelsmacht erinnerte , verdroß ihn , und so fragte er den in nicht geringen Sehreck und mindestens in große Verlegenheit geratenden Schloßherrn , » ob er den Turm etwa habe stehen lassen , um auch einmal einen Markgrafen darin festzusetzen « . Das war zu deutlich , um nicht verstanden zu werden , und so ließ denn von Görne den Turm bis auf die Höhe von acht Fuß abtragen . Auch dieser Rest verschwand gegen das Ende des Jahrhunderts unter General von Anhalt . Nur das unterirdische Gefängnis , also das Haupterinnerungsstück , blieb und hat sich bis diesen Tag erhalten . 23 Als Wilhelmi dem Könige diese Einwilligung überbrachte , entspann sich folgende Gespräch : » Hat Er Geschwister ? « » Ja , Majestät ; noch einen Bruder . « » Wo ist der und was ist er ? « » Er lebt in Offenbach und ist Barbier . « » Wie kann einer so dumm sein und ein Barbier werden ? Schreib ' Er ihm gleich und laß Er ihn herkommen . « Dieser jüngere Bruder , Philipp , traf denn auch wirklich aus Offenbach ein , wurde von dem älteren Bruder in den Militärwissenschaften unterrichtet und machte gleichfalls Karriere , wenn auch nicht voll so glänzend wie der ältere ( Wilhelm ) . Philipp von Anhalt starb als Generalmajor . 24 Mirabeau war , bei Personalangaben wie diese , regelmäßig auf Hofklatsch angewiesen und konnte Wahres von Falschem nicht sichten . so läuft denn auch hier viel Falsches mit drunter . Aber all dies Falsche betrifft nur nebensächliche Dinge . Das Gesamtbild , das er hinstellt , ist richtig . 25 Man ist in der Tat bei Lektüre dieser » Tagebuchblätter « wieder und wieder erstaunt über die von vergnüglichster Laune getragenen Formen , immer unter denen das damalige Hofleben verlief , als ob die Frage nach der Fortexistenz des Staates gar nicht existiert habe . So stimm ' ich denn auch folgenden Bemerkungen durchaus bei . » Diese Tagebuchblätter aus dem Jahre 1760 und 1761 zeigen uns in beinahe rätselhafter Weise , wie man sich in derselben Zeit , wo der König inmitten schwerster Verluste mit um so größerem Heldenmute gegen die Übermacht seiner Feinde rang , wie man sich in eben dieser Zeit am Hofe seiner Gemahlin , seiner Schwester und Schwägerinnen die Langeweile mit kleinen Lustbarkeiten zu vertreiben suchte . Dies frappiert um so mehr , wenn man den damaligen äußerst bedrohlichen Gang der Ereignisse ( die Zeit vor und nach der Schlacht bei Torgau ) scharf ins Auge faßt . Es macht alles , um es zu wiederholen , einen befremdlichen Eindruck . Aber es würde ungerecht sein , den einzelnen Personen aus dem einen Vorwurf machen zu wollen , was in der Auffassung und Lebensweise der Zeit lag . « 26 Nicht besser als auf das Land war Mr. Harris auf den König selbst zu sprechen . Er schrieb über diesen : » Um bei seinem System verharren zu können , hat er sich der Moral und Religion entäußert . An die Stelle der Moral hat er eine gewisse Sentimentalität , an die Stelle der Religion den Aberglauben gesetzt . Nur so läßt sich jene buntscheckige Mischung von Barbarei und Humanität erklären , die seiner Regierungsart eigentümlich ist . « 27 Ich gebe aus dem Streit , der sich weithin zog , nur dies Wenige . Das Interessanteste daran ist , daß auch Elliot , aller seiner Shakespeare-Schwärmerei zum Trotz , so weit Kind seiner Zeit war , daß er die » Niedrigkeiten « Shakespeares , auf die Thiébault beständig rekurrierte , gelten ließ . In den hundert Jahren , die seitdem verflossen sind , hat sich das Urteil speziell über diesen Punkt total geändert , und wir finden die Szene zwischen Prinz Heinz und Franz ( » Gleich , gleich Herr « ) zwischen Falstaff und Dorchen Lakenreißer , ja selbst die zwischen den beiden Kärrnern zu Beginn des Stücks , gerade so » sublim « wie Hamlet und Macbeth . Wir haben uns von der Vorstellung befreit , daß das Komische , ja selbst das niedrig Komische , sobald es nur einer vollendeten Charakteristik dient , niedriger stehe , als das Tragische . 28 In einem anderen Briefe heißt es über diesen königlichen Dispens : » Sollte der geschiedenen Frau von Elliot , meiner mir seit 1. Oktober v. J. heimlich angetrauten Frau , dieser Dispens verweigert werden , so wird sie den König wissen lassen , daß die ganze Löwenbergsche Herrschaft in Folge dieser Verweigerung aller Wahrscheinlichkeit nach auf Miß Elliot übergehen , also Besitztum einer Engländerin werden wird . Und in der betreffenden Eingabe wird hinzugefügt werden , daß dies , nach allem in Erfahrung Gebrachten , auch dann noch geschehen wird , wenn die zur Zeit in England oder Schottland lebende Miß Elliot sterben sollte , da das aus Schwiegermutter und Schwiegersohn bestehende Komplott fest entschlossen ist , das Löwenberger Erbe lieber an ein untergeschobenes englisches Straßenkind als an meine Frau gelangen zu sehen . « Es scheint übrigens nicht , daß ein solches Skriptum tatsächlich an den König gerichtet wurde , die Verhältnisse machten es unnötig , jedenfalls aber war es sehr geschickt auf die Neigungen und Abneigungen des Königs berechnet . Ein solches Erbe gleichsam außer Landes gehen zu sehen , war ihm , dem König , ein unerträglicher Gedanke . 29 Frau von Arnstedt wird hier Luise von Arnstedt genannt , in der Knyphausen-Zeit hieß sie Charlotte . Widersprüchen und Abweichungen derart begegnet man beständig , und Kirchenbücher , Grabdenkmäler und Hausinschriften , an deren Zuverlässigkeit man zu glauben gewöhnt ist , lassen einen gerade so gut im Stich , wie Mitteilungen und Briefe der Hinterbliebenen . Das schöne Fräulein von Voß ( später Gräfin Ingenheim ) heißt im Bucher Kirchenbuche Amalie , in den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Tante der Gräfin von Voß aber heißt sie Julie ; am Herrenhause zu Lichterfelde wird auf einem über der Tür angebrachten Inschriftsteine Herr » Joachimus de Roncha ex Italia de Manila « als Baumeister genannt , ein nie dagewesener Name , zu dem sich ein geographischer Unsinn gesellt ; auf dem Bilde des berühmten Otto Christoph von Sparr in der Marienkirche zu Berlin ist 1605 als Geburtsjahr von Sparrs angegeben , eine Zahl , die mindestens einem Zweifel unterliegt ; an dem berühmten Scharnhorstdenkmal auf dem Invalidenkirchhofe erweisen sich Geburtsort und Geburtsjahr als falsch , und der Maler Wilhelm Hensel , der sein Grab auf dem alten Dreifaltigkeitskirchhof hat , wurde nicht in Linum ( wie der Grabstein angibt ) , sondern in Trebbin geboren . Die Reihe solcher Beispiele ließe sich leicht fortsetzen , und in aber – hundert Fällen bestätigt es sich in der Tat , daß nichts schwerer ist , als einfach festzustellen , welche Namen Personen führten , wann und wo sie geboren wurden und wann und wo sie starben . 30 Alles dies ist Dorferfindung , in der sich übrigens deutlich erkennen läßt , daß etwas von der Vorgeschichte der Frau von Arnstedt in Hakenberg bekanntgeworden war und zwar ihr damals dreißig Jahre zurückliegendes Verhältnis zu Baron Knyphausen und die Wegführung ihres Töchterchens durch Elliot . Es ist selten , daß solche Dorflegenden ohne jede Spur von Anlehnung entstehen , aber das Volk macht von seinem Geschichten- und Märchenerfindungsrecht Gebrauch und gestaltet das Übernommene mit einer an Willkür grenzenden Freiheit . 31 Ein Jahr vorher , im Juli 1784 , war ein Sohn geboren worden , Karl Wilhelm Tido . Derselbe starb vierjährig ( 1788 ) , und ward in der Familiengruft zu West-Ekelbur in Ostfriesland beigesetzt . – Der oben im Text zitierte Name » Oriane « der fünfzig Jahre vor Tennyson noch ein Fremdling in unserer Mark war , war augenscheinlich verwirrend für die damaligen Pastoren des Löwenberger Landes und findet sich deshalb als » Organe « in ihre Kirchenbücher eingetragen . 32 Um diese Zeit soll Wülknitz einem Anverwandten die Lebensregel mit auf den Weg gegeben haben : » Wenn du einem Bredow begegnest , so wisse , er ist dein Feind . « Ob die Bredows ebenso summarisch verfahren sind weiß ich nicht . In jedem Falle war ihnen stark mitgespielt worden . 33 Ich entnehme den Wortlaut dieser » Warnungsanzeige « der am 29. April 1837 ausgegebenen Nummer des von Dr. C. W. Spicker redigierten » Frankfurter Wochenblattes « . Diese Nummer ist aus bloß drei Stücken sehr merkwürdig komponiert . Sie beginnt mit einem Nekrologe des wenige Tage vorher , 77 Jahre alt verstorbenen Majors Wenzel , des Großvaters des von Arnstedt erschossenen Leutnants Wenzel . Dann folgen drei Spalten » Sentenzen und Erzählungen aus Rückerts Weisheit des Brahmanen « , an welche Weisheitssentenzen sich die › Warnungsanzeige ‹ mit dem Bericht über die Arnstedtsche Hinrichtung unmittelbar anschließt . In den Weisheitssentenzen heißt es gleich zu Beginn : Im Meer gen Süden wohnt auf Inseln ein Geschlecht , Reich in Zufriedenheit , in Einfalt schlicht und recht ; Und über alle herrscht die Inselkönigin , Die hat nicht Waffenmacht und friedlich ist ihr Sinn , Ihr Waffen ist Gebet usw. 34 Seine Mutter , eine noch sehr schöne Frau , war von Sorau nach Frankfurt gekommen , um von hier aus Schritte zur Rettung ihres Sohnes zu tun , oder wenigstens eine Strafmilderung durchzusetzen . Bei dem großen Interesse das die Stadt , namentlich die Frauenwelt , an dem Hergange nahm , kam man ihr vielfach entgegen und unterstütze sie mit Rat und Tat . Auch mit Geld , denn sie war unbemittelt . Eine von ihrer Hand geschriebene Quittung liegt mir vor . Dieselbe lautet : » Vier Doppel-Louisdor zur hülfreichen Verwendung für meinen unglücklichen Sohn von edlen Menschenfreunden anonym erhalten zu haben , bescheinige ich hiermit , und sage den edlen Gebern meinen heißesten , gerührtesten Dank . Frankfurt , 28. Dezember 1836 . Verwitwete von Arnstedt , geb . von Aldobrandini . « 35 In diesem Briefe war auch ein kaum zwei Finger breiter Zettel mit Fräulein Franziskas jüngster , an von Arnstedt gerichteter Dichtung eingeschlossen . Diese lautete : Ewig wird die Freundin Dich lieben , Mit Dir sterben will sie , bei Dir ruhn . Immer mag die Welt mich auch darum verdammen , Leben kann ich ohne Dich nicht mehr . Nur um eine Zeile von Ihrer Hand bittet Franz .... ( Darunter hatte von Arnstedt mit Bleistift geschrieben : äußerst dumm . ) 36 Geheimrat Serre , einer Refugié- oder vielleicht auch Emigré-Familie zugehörig , lebte jahrelang in Kalisch , und hatte mit Graf Dankelmann , als dieser in Sachen der polnischen Grenzregulierung tätig war , in Warschau Freundschaft geschlossen . Ein Sohn des Geheimrats trat in die Armee , war lange Zeit Adjutant des Artilleriegenerals von Blumenstein zu Glogau , und starb als Major in Dresden . Er ist derselbe , der die Schillerstiftung ins Leben rief . Über den hier genannten General von Blumenstein möge folgendes eingeschaltet werden . Er war auch Emigré , hieß eigentlich Rochefleur und hatte sich schon 1794 in der Schlacht bei Kaiserslautern den Pour le mérite erworben . 1806 war er Ordonnanzoffizier im Fürst Hohenloheschen Hauptquartier , in welcher Eigenschaft ihn Marwitz kennenlernte . Beide wurden gute Kameraden und waren einige Tage vor der Jenaer Schlacht beim Herzog von Weimar zur Tafel geladen . Die Gesellschaft bestand , ihrem Kerne nach , aus sechs Personen , einerseits aus dem Herzoge selbst , der zwischen dem Prinzen Louis Ferdinand und dem General von Grawert saß , und andrerseits ( diesen Dreien gegenüber ) aus Goethe , dem der Hauptmann von Blumenstein und von Marwitz als Nachbarn gegeben waren . Als sie schon saßen , erschien Generalleutnant von Holtzendorf , ein Freund Goethes , an den nun Marwitz seinen Platz überließ und mehr abwärts rückte . Von hier aus konnte er erkennen , daß das anfänglich lebhafte Gespräch zwischen Blumenstein und Goethe rasch ins Stocken kam , auf welche Wahrnehmung hin er , nach Aufhebung der Tafel , seinen sonst so redseligen Kameraden interpellierte . » Sagen Sie , Blumenstein , warum sprachen Sie denn nicht ? « » Ei , der verfluckten Kerlen hatten ja wie ein Peckpflaster auf seinen Maulen . Wollten nick antworten . Schweigen ick auck stille . « » Wovon sprachen Sie denn ? « » Wovon kann man sprecken mit einem Poet , von seinen Werken hab ick gesprocken . « » Und das war falsch . Sie mußten von Verwaltungsangelegenheiten mit ihm reden . « » Ist er so hockmütig ? Nach meine Meinungen issen ein großer Poet ein ganz andere Kerlen als ein klein Minister . « » Und von welchem seiner Werke redeten sie denn ? « » Ah , das war ein verfluckter Streicken . Wollte sie vor Tischen noch fragen , was der Kerlen eigentlick hat geschrieben , und nun sitzen ick da und kann mir partout nix erinnern . Aber zum größten Glücken fallt mir noch ein : Die Braut von Messina . « So verlief die herzogliche Tafel und das Gespräch , das ihr folgte . – Marwitz kommt auch noch anderwärts auf Blumenstein zurück und urteilt im ganzen sehr günstig über ihn . Er war lebhaft , geistreich , unterrichtet und ganz und gar Franzose , trotzdem er es abgeschworen hatte , es zu sein . Er wollte nie französisch verstehen , wenn ( bei der Blockade von Glogau ) Parlamentäre von der Festung her erschienen , und sagte dann immer : » Ick bin ein Deutscher ! Ick verstehe den verfluckten Kerlen ihre Sprake nick . Wollen sie mit einem deutschen Offizieren reden , müssen sie lernen deutsch . « 37 Es mag an dieser Stelle hervorgehoben werden , daß Goethe hinsichtlich seines einzigen Sohnes ( August ) ebenso fühlte und handelte . November 1813 trat der Herzog von Weimar zu den Verbündeten über und erließ einen Aufruf . Goethe , den die politischen und kriegerischen Vorgänge der Zeit ohnehin in fieberhafteste Unruhe versetzt hatten , geriet in eine doppelte Aufregung , als , infolge dieses Aufrufs , sein Sohn August sich zu den Waffen meldete . Er liebte den Sohn über alles und der Gedanke war ihm unerträglich , ihn in der Blüte der Jugend auf dem Schlachtfelde zu verlieren . Deshalb wandte er sich persönlich an den Herzog und wußte es durchzusetzen , daß August nicht vor den Feind kam , sondern nur auf kurze Zeit mit dem Kammerrat Rühlemann in das Hauptquartier zu Frankfurt a. M. entsendet wurde . Dieses Eingreifen eines allzu zärtlichen Vaters soll ( wie Holtei im vierten Bande seiner » Vierzig Jahre « behauptet ) den Grund zu August von Goethes seelischer Zerrissenheit gelegt haben . Denn als , nach glorreichen Taten , die Sieger später wieder in Weimar einkehrten und auch August von Goethe sich unter die Beglückwünschenden drängte , habe er überall nur spöttische Zurückweisung gefunden . 38 Jetzt sehr anders geworden . Die Garden sind im ganzen genommen noch um einen Grad affabler und umgänglicher als die Linie . Kann auch kaum anders sein . Es zeigt sich dabei der Einfluß der großen Stadt , die jedem seine Stelle gibt und auch dem Selbstbewußtesten Bescheidenheit predigt . 39 In einer Nachschrift obigen Briefes findet sich , übrigens ohne jeden Zusammenhang mit dem vorstehend Erzählten , eine Bemerkung , die , um ihrer selbst willen , hier stehen mag . » Ich ersah aus Deinem Briefe , daß ich wegen der Du Troussel anfragen und namentlich auch bei unserer guten Kolonie-Manon Erkundigungen einziehen soll . Ich habe es aber unterlassen , weil es bei den Kolonisten ein für allemal Sitte ist , alles zu loben , was zur Kolonie gehört . « ( Jetzt nicht mehr ; tempi passati . ) 40 Zu dieser Anklage war der alte Friedrich Leopold von Hertefeld nur zu berechtigt . Es kam vor , daß die gute Sitte nicht bloß verletzt , sondern in einer gewissen infernalen Freude geradezu brüskiert wurde . So findet sich in einem späteren Briefe das Folgende : » Geheimrat Graun ( er arbeitet am Appellhofe des Kammergerichts ) hat vor einigen Tagen einen öffentlichen Skandal gegeben . Er soupierte bei Dallach , Unter den Linden , in Gesellschaft seines Sohnes , eines jungen Referendarius , und hatte zur Belebung der Tafelfreuden eine › freudige junge Person ‹ aus der Abtei der Madame Bernard mit eingeladen . Ihr Benehmen , in Sonderheit das des Alten , war derart , daß seitens der anderen Gäste Klage geführt wurde . Daraufhin ersuchte Dallach den Geheimrat Graun , › das Lokal , das für solche Dinge nicht da sei ‹ , zu verlassen , was aber nur zu schnöder Abweisung führte . Das wiederholte sich , als Polizei requiriert wurde , bis zuletzt ein höherer Beamter erschien und einen schriftlichen Befehl vorzeigte . Nun erst gehorchte der Alte . Der Sohn ( etwas klüger als der Vater ) hatte sich schon vorher aus dem Staube gemacht . Ich brauche nicht hinzuzusetzen , daß Kammergerichtspräsident von Braunschweig den Fall an den Justizminister gemeldet hat ; es bleibt aber traurig und unfaßlich , daß ein in Amt und Jahren stehender Mann einer solchen Auflehnung gegen Sitte und Gesetz überhaupt fähig war . « 41 Nach einer mir gewordenen Zuschrift muß es heißen : » den 27. Februar « . Ich lasse diese Zuschrift , die mir auch nach andrer Seite hin bemerkenswert erscheint , hier folgen . » Dieser Karl von Hertefeld ( so heißt es darin ) starb am 27. Februar 1867 und wurde den 3. März in dem am Ostgiebel der Kirche befindlichen Familiengewölbe beigesetzt . Die letzten von ihm geschriebenen Zeilen aus der Nacht vom 25. zum 26. Februar sind an mich gerichtet , und ich bewahre dieselben als einen Schatz . Ebenso werd ' ich den Sterbetag des von mir hochverehrten Herrn von Hertefeld , dessen Beamter ich von 1843 an bis zu seinem Tode war , immer als einen Trauertag ansehen . Ottermann , Rechnungsführer ; Priemern bei Seehausen in der Altmark . « – Es hat etwas Erquickliches dergleichen zu lesen , weil es Zeugnis ablegt , von einem in unsren alten Provinzen immer noch vorhandenen gesunden Sinn , der sich freimütig zu Dank bekennt , und die Ordnungen Gottes als das hinnehmend , was sie sind , auf Nivellierung und » Egalité « verzichtet . Jeder ist was an der Stelle wo er ist , wenn er überhaupt was ist . Bescheidenheit und Demut hindern keinen . 42 Von diesen zwei Fällen , in denen Angehörige des Hauses Eulenburg in nähere Beziehungen zu Brandenburg-Hohenzollern traten , gehört der eine Fall dem 15. , der andere dem 17. Jahrhundert an . Über den ersteren finde ich im Urkundenbuche das Folgende : » 1410 wird Wend Herr von Ileburg zum Hauptmann der ganzen Mark bestellt ; 1411 erhält er das Dorf Kriele ( Havelland ) zu Lehn und die Lehnsanwartschaft auf Golzow . Im selben Jahre noch ernennt ihn König Sigismund zu seinem Botschafter bei den Ständen der Mark , welche letzteren bald darauf angewiesen werden , ihm , dem Wend von Ileburg , als Unterhauptmann des Burggrafen Friedrich von Nürnberg Gehorsam zu leisten.Vergl. das Kapitel » Quitzöwel « Seite 37. – Der zweite Fall ist dieser . Im Juli 1656 ( dieselbe Zeit , in der die dreitägige Schlacht bei Warschau geschlagen wurde ) wurde der Kammerherr , Geheime Kriegsrat , Oberst und Chef eines Infanterieregiments , Landrat und Landvogt zu Schaken in Ostpreußen , Jonas Kasimir , Herr zu Eulenburg , seitens des Großen Kurfürsten zum außerordentlichen Gesandten beim moskowitischen Zaren ernannt . Jonas Kasimir traf im September in Moskau ein und vereinbarte mit dem Zaren ein Freundschaftsbündnis zwischen Rußland und Brandenburg . Er blieb auch noch während des Monats Oktober und beantragte beim Zaren die Bestrafung des russischen außerordentlichen Gesandten für Ungebührlichkeiten , die sich derselbe bei der Audienz vor dem Großen Kurfürsten hatte zuschulden kommen lassen . « ( Jonas Kasimir starb 1667 . Er war mit einer von Brandt vermählt . Sein Regiment focht mit in der Schlacht bei Warschau ; sein Bildnis befindet sich im Schloß in Prassen . ) 43 Es gibt immer nur zwölf oder dreizehn Eulenburgs , in vollkommenem Einklange mit der Familiensage . Nach dieser trat ein Liliputchen vor die Schloßfrau von Schloß Prassen und bat um den großen Saal , » weil man eine Hochzeit anrichten wolle . « Der Saal wurde auch gewährt , und die Hochzeit begann . Als aber die Lust am höchsten war , erschien ein Sohn des Hauses , der von der Verabredung nichts wußte , mitten unter ihnen und störte die Freude des kleinen Volks . Am andern Tage brachte das Liliputchen einen Ring und bedankte sich für den Saal . Aber sie seien gestört worden und dafür sollten nie mehr als dreizehn Eulenburgs am Leben sein . Der Ring existiert noch und ist ein mittelgroßer Diamant in einfachster Fassung . 44 Bensch war es auch , der , auf dem Gutshofe dieses Vorwerks Neu-Zehlendorf , zur Errichtung eines in einer Art Tudorstil gehaltenen Herrenhauses schritt . Dasselbe empfing , beinahe dreißig Jahre später , eine Marmortafel mit folgender Inschrift : » Durch die Gnade König Wilhelms I. wurde diesem vom Prinzen Friedrich Karl von Preußen im Februar 1859 gekauften Bauerngute Neu-Zehlendorf , auf Antrag der Teltower Kreisstände , zugleich auch in Anerkennung seiner Siege 1864 im Kriege gegen Dänemark , die Rittergutsqualität und die Benennung Rittergut Düppel laut Patent vom 13. Januar 1865 verliehen . « 45 Zu dem , was der Prinz hier ins Leben rief , gehörte , neben den im Text genannten Forstkulturen usw. auch ein auf der Neu-Zehlendorfer Feldmark errichtetes Gestüt : das Gestüt Düppel . Der Held der Situation – als ich im Sommer 1882 unter sachkundiger Führung dies Gestüt besuchte – war der Hengst » Wildling « , der , nach allem was ich bei der Gelegenheit sah und hörte , seinem Namen Ehre machte . Früher war er mit bei Königgrätz gewesen . Auf welchen Lebensabschnitt er persönlich mit mehr Befriedigung sah , auf den ehemaligen oder den jetzigen , muß ungesagt bleiben . Auch hier heißt es : wer sieht ins Herz ! Übrigens war es , die Wahrheit zu gestehn , nicht eigentlich der » Wildling « , was mich damals am meisten entzückte , sondern seine sich in verschiedenen Einfriedigungen umhertummelnde Nachkommenschaft , zu der er in den kompliziertesten und zugleich unzulässigsten Verwandtschaftsgraden stand . Die junge Nachkommenschaft selbst aber war sich dieser Unzulässigkeit so wenig bewußt , daß sie , grade umgekehrt , in der Lust und dem Übermut ihrer Bewegungen , nichts als einen Protest gegen alle schwerfälligere Weltanschauung auszudrücken schien . Alles an ihnen war Grazie , dabei zugleich von einer so intelligenten Koketterie , daß man sich versucht fühlen konnte , mit ihnen zu sprechen . Es war so ziemlich derselbe Eindruck , wie wenn man in England einer auf einer Waldwiese spielenden Mädchenpension begegnet .... All diese Fohlen erfreuten sich der besonderen Aufmerksamkeit des Prinzen , der ihr Wachstum mit derselben Lust und Liebe , wie das seiner Dreilindner Bäume verfolgte . Die Namen der Fohlen wurden z.B. durch ihn persönlich bestimmt . Unter diesen auch Namen aus den drei Kriegen zu begegnen , wird niemanden überraschen . Da waren : Alsen , Oberselk , Schleswig , Satrup , Oster-Düppel ; ferner Münchengrätz , Königgrätz , Benedek ; endlich aus dem siebziger Kriege : Le Mans , Vionville , Rezonville , Ladonchamp . Was sich sonst noch an Namen vorfand , gehörte freilich einer sehr andern , aber fast ebenso bestimmten Geschichtsepoche an : Attila , Kriemhild , Odoaker , Berengar . 46 Die Zahl und Reihenfolge der persönlichen Adjutanten des Prinzen war in dem langen Zeitraume von 1848 bis 82 die nachstehende : Leutnant von dem Büsche-Münch 1848 ; Leutnant Graf Waldersee 1849 und 50 ; Freiherr von Diepenbroick-Grüter 1850 bis 53 ; Leutnant von Zieten 1853 bis 56 ; Leutnant von Cosel 1854 bis 58 ; Rittmeister von Schöning 1856 bis 58 ( Bruder des 1870 als Kommandeur des 11. Regiments bei Mars la Tour gebliebenen Obersten von Schöning ) ; Premierleutnant von Alvensleben 1858 und 59 ; Oberstleutnant von Blumenthal 1858 bis 60 ( später Kommandeur des IV. Armeekorps ) ; Hauptmann von Witzendorff 1859 bis 64 ( zur Zeit Kommandeur des VII. Armeekorps ) ; Premierleutnant von Jagow 1859 bis 64 ; Premierleutnant Freiherr von Loë 1863 bis 66 ; Major von Bernuth 1864 bis 66 ; Major von Erckert 1866 bis 69