und die Aussicht gerade von diesem Punkt aus zu den schönsten hiesiger Gegend zählt . Beides veranlaßte die Anlage von Loggien neben dem Turm , die in solcher Höhe liegen , daß man , über die nächsten Bäume hinweg , das vielfach bewegte Waldterrain , das Flußgebiet mit zahlreichen Buchten und großen Wasserflächen , sowie die eine kleine Meile entfernte Residenz Potsdam mit ihren Schlössern und ihren rings um die Stadt gelegenen romantischen Villen übersieht . Die Loggien wurden außerdem noch durch Anordnung der Glocken motiviert , welche in dem kleinen Turm schwer Raum gefunden hätten und hier im Freien bei weitem besser geeignet sind , die auf eine halbe Meile entfernte Gemeinde zur Kirche zu rufen . « Daß diese Glocken – die nach dem Wunsche der Prinzessin Charlotte ( Kaiserin von Rußland ) » mit ihrem Feierklange die abendliche Stille durchbrechen sollten « – in zurückliegender Zeit die recht eigentliche Veranlassung zum Bau der Kirche von Nikolskoe gewesen waren , diese Tatsache war den beiden Baumeistern ( wenn sie je davon gewußt ) bei Niederschreibung ihres Rechenschaftsberichtes sehr wahrscheinlich aus der Erinnerung gekommen , dem Pastor Fintelmann aber bei seinem Amtsantritt sicher ganz unbekannt geblieben , er würde sonst schwerlich , und zwar nach verhältnismäßig kurzer Zeit schon , angefragt haben : » ob nicht das tägliche dreimalige Läuten in der Kirche zu Nikolskoe auf die Sommermonate beschränkt werden könnte ? « Worauf denn aus dem Hofmarschallamte der folgende , ziemlich ungnädige Bescheid erging : » Se . Majestät sind keineswegs mit der von Ihnen geäußerten Ansicht einverstanden und befehlen vielmehr , daß während des ganzen Jahres morgens , mittags und abends geläutet werde , und wollen auch , daß , wenn bisher in dem Filialdorfe Stolpe nicht geläutet wurde , dieses sogleich eingeführt werde . « Die Peter-Paulskirche zu Nikolskoe verfolgt also , um an dieser Stelle zu rekapitulieren , neben ihrer gottesdienstlichen Aufgabe vor allem zweierlei : sie soll als Bild in der Landschaft wirken und soll zweitens mit ihren Glocken die Stille romantisch-feierlichen Klanges unterbrechen . Und beides ist erreicht worden . Im übrigen gibt sich das Innere der Kirche ziemlich nüchtern . Welche Nüchternheit auch durch drei die Kanzel zierende Medaillonbildchen nur wenig gemindert wird , weil alle drei Bildchen , so hübsch und bemerkenswert sie sind , nicht unmittelbar und durch sich selbst , sondern erst durch ihre Geschichte zur Geltung kommen . Zwei davon , die Apostel Petrus und Paulus , sind wertvolle Mosaikarbeiten ( besonders Petrus mit dem Unterkleide von Lapis Lazuli ) , die Papst Clemens XIII. in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dem König Friedrich II. zum Geschenk machte . Beide Bildnisse gehörten der Bildergalerie zu Sanssouci an , von der sie , während des Baues der Kirche , hierher kamen . Das dritte Medaillonbild ist ein » Christuskopf mit der Dornenkrone « nach Guido Reni und rührt nicht von einem kopierenden italienischen Meister , sondern vom Lehrer und Küster Fischer her , der , während der letzten Regierungsjahre König Friedrich Wilhelms IV. , an der Schule von Nikolskoe amtierte . Fischer bat um die Erlaubnis , dies Bild machen und , wenn gut befunden , in das noch leere Kanzelfeld einsetzen zu dürfen . Nach erhaltener Erlaubnis begann er mit sorgfältiger Präparierung einer Tontafel . Dann schritt er zu einer majolikaartigen Bemalung derselben und brannte die Farben , unter Benutzung seines eigenen Backofens , ein . Einen ihm angebotenen Ehrensold lehnte er ab und bat nur um Bewilligung von » frei Arzt und Arznei « , welche Bitte mit dem Hinzufügen gewährt wurde , » daß diese Bewilligung nicht nur ihm , sondern , ein für allemal , allen Lehrern und Küstern an der Schule bzw. Kirche von Nikolskoe zugute kommen solle « . So wurde sein Fleiß und seine Kunst zum Segen auch für seine Nachfolger , die sich , bei zufällig viel Krankheit , ihres Amtsvorgängers in besonderer Dankbarkeit erinnern . * In der Kirche von Nikolskoe blieb durch vierzig Jahre hin ( von 1837 bis 77 ) so ziemlich alles beim alten . Erst das letztgenannte Jahr führte Veränderungen herauf . Am 18. Januar 1877 war die Prinzessin Karl gestorben und hatte , wohl in Erinnerung an hier trostreich verlebte Stunden , in ihrem Testamente den Wunsch ausgesprochen , » in der Peter-Paulskirche zu Nikolskoe zu ruhn « . Im Einklange hiermit schritt man , nach einem Entwurfe des Hofbaumeisters Persius , zur Erbauung einer mit weißem , blauem und dunkelgrauem schlesischem Marmor getäfelten und zur Aufnahme von acht Särgen ausreichenden Gruft , 59 in der am 24. Mai früh sechs Uhr die Prinzessin – deren Sarg bis dahin in Charlottenburg gestanden hatte – beigesetzt wurde . Von dem Tage an war die Gruft zu Nikolskoe die designierte Begräbnisstätte der Karlschen Linie des Hauses Hohenzollern : am 24. Januar 1883 wurde der alte Prinz Karl 60 hier beigesetzt , am 18. Juni 1885 Prinz Friedrich Karl . Und an den Geburts- und Sterbetagen legen Dankbarkeit und Liebe hier ihre Kränze nieder . Fußnoten 1 Die gegenwärtig übliche Form des Namens ist Quitzöbel . 2 Dies 1381er Ereignis fällt in der Überlieferung mit einem gerade dreißig Jahre später stattfindenden , ebenfalls von einem von Bassewitz unternommenen Angriff auf Kyritz zusammen . Dieser zweite von Bassewitz , der des 1381 seitens der Bürgerschaft so tapfer abgeschlagenen Sturmes gedenken mochte , beschloß diesmal mittelst eines unterirdischen Ganges in die Stadt einzudringen . Es traf sich aber , daß ein schwerer Verbrecher im Stadtturme saß , der hörte das Wühlen und Klopfen und ließ dem Bürgermeister melden , daß er ihm etwas Wichtiges entdecken wolle , wenn man ihm das Leben schenke . Das wurde zugestanden . Und nun erzählte der Gefangene von dem Wühlen und Graben , das er in der Tiefe gehört habe . Zur Sicherheit ließ man eine Trommel bringen und streute Erbsen darauf . Da begannen diese hin und her zu springen von der Erschütterung , die die unterirdische Arbeit verursachte . Nun war man sicher und als bald danach der von Bassewitz , statt in der Kirche , wie sein Plan gewesen war , auf offenem Marktplatz zutage stieg , wurd ' er gefangen genommen , entwaffnet und mit seinem eigenen Schwerte hingerichtet . Schwert und Panzer aber befinden sich bis diesen Tag im Rathause , während die Stadt selbst alljährlich am Montage nach Invokavit ihr doppeltes Bassewitzfest feiert . 3 Diese drei Wunderbluthostien blieben der Wilsnacker Kirche bis 1552 erhalten , in welchem Jahre sie der erste lutherische Geistliche Johann Ellefeld als Teufelswerk und papistischen Unfug verbrannte . Von seinem Standpunkt aus mit Recht ; heute freilich würden uns die drei Hostien als » historisches Kuriosum « aufrichtig interessieren . Zugleich mit ihnen ( den Hostien ) ist vieles aus der alten Wunderblutzeit zerstört worden , anderes dagegen hat sich bis in unsere Tage hinein gerettet , darunter ein etwa zwanzig Fuß hoher Leuchter , der das Opferlicht der ungarischen Pilger zu tragen pflegte , die holzgeschnitzte buntfarbige Statue des Bischofs Wopelitz , die Sündenwaage , vor allem das ausgebrannte Kirchlein selbst , dessen , bei der Zerstörung von 1383 stehengebliebene Feldsteinwände , beim Bau der Neukirche mit in diese hineingezogen und zur » Wunderblutkapelle « hergerichtet wurden . Alle diese Dinge sind historisch interessant , ohne künstlerische Bedeutung beanspruchen zu können . Von künstlerischer Bedeutung ist nur eins : ein kleiner bronzener Klappaltar ( Bestimmung unbekannt ) , hinsichtlich dessen Professor Bergau darauf drang , daß er aus der Kirche , darin er sich befand , in die Sakristei genommen werde , weil sonst der Tag zu berechnen sei , wo dies bemerkenswerte Kunstwerk , Rarität und Bijou zugleich , der Leidenschaft eines Kunstenthusiasten zum Opfer fallen müsse . 4 Jobst von Mähren , Neffe Kaiser Karls IV. und Vetter von König Wenzel und König Sigismund , war 1388 in den Besitz der ihm vom König Sigismund um Geldes willen abgetretenen Mark Brandenburg gekommen . Jobst war nun Landesherr , erschien aber nur selten in der Mark und ließ diese durch Statthalter oder Landesverweser , die man spöttisch » Landesverwüster « nannte , regieren . unter diesen waren Lippold von Bredow , Hauptmann der Mittelmark – und in Vertretung desselben zeitweise Johann von Quitzow – ferner Herzog Johann von Melckenburg , Graf Günther von Schwarzburg , Herzog Swantibor von Pommern und Kaspar Gans zu Putlitz , Hauptmann der Altmark und Priegnitz , die wichtigsten . Jobsts Interesse für die Mark beschränkte sich darauf , möglichst viel Geld aus ihr herauszuziehen und alle diejenigen Personen , die , wie die Quitzows ( besonders aber Dietrich ) bereit und in der Lage waren , ihm , gegen Pfand , in seinem Geiz oder seiner Geldbenötigung zu Diensten zu sein , waren ihm die liebsten . 5 Solche Parallelen zu ziehen , ist immer ein mißliches Tun , das leicht ins Komische fällt . Es läßt sich aber , wenn man über die freilich sehr verschiedenen Macht-und Größenverhältnisse hinwegzusehen vermag , von einer geradezu frappierenden Ähnlichkeit sprechen , in Charakteren , Daten und Zahlen , in Anfang und Ende . Von 1391 bis 1414 die Quitzow-Tragödie von 1793 bis 1814 die Napoleon-Tragödie . Folgendes sind die Hauptdaten aus der Quitzowzeit : 1391 erste Waffentat vor Schloß Kletzke , 1394 Vermählung mit Elisabeth von Schenk , 1400 Vermählung mit Agnes von Bredow und Einzug ( als Gast ) in Schloß Plaue , 1404 Besitznahme von Schloß Plaue , 1406 Eroberung von Saarmund und Köpenick , 1409 Erwerbung von Schloß Friesack , 1410 bis 1412 erste Zeichen des Niedergangs ; Bündnisse zum Sturz beider Brüder , 1414 wirklicher Sturz . Was dieselben Zahlen unter selbstverständlicher Zurechnung von vierhundert , innerhalb der Napoleonischen Ära bedeuten , ist bekannt . Auch das Waterloo-Nachspiel , der Versuch , das Verlorene zurückzugewinnen , findet sich in veränderter und doch ähnlicher Gestalt bei Dietrich von Quitzow . 6 Der Eindruck , den man von dieser überaus lebendigen Schilderung empfängt , ist der , als ob es sich um Dinge von heut , um moderne Menschen und Vorgänge handle . So würde Bismarck Anno 1866 und 1870 empfangen , umworben und bis zum Abgöttischen gefeiert worden seine , wenn er nicht im Gegensatze zu Dietrich von Quitzow ( der sich erst spät , und zwar in genanntem Jahre 1410 , zum Anti-Berliner ausbildete ) von Anfang an ein Gefühl starker und nicht einmal ausschließlich politischer Gegnerschaft gegen die Hauptstadt gehabt und gezeigt hätte . Gleichviel , damals wie heut etwas Nervöses und Exzentrisches . Ja , man ist geradezu frappiert , die Berlinerinnen des 15. Jahrhunderts den Berlinerinnen des 19. Jahrhunderts so ähnlich zu sehen . Oder war es immer und allerorten so ? 7 Es sind das die 100000 Goldgulden , die zu der Annahme geführt haben , Burggraf Friedrich sei lediglich auf eine Summe vorgestreckten Geldes hin , also wenn man so will als Pfandleiher in den Besitz der Mark gekommen . Das ist aber nicht richtig , wenigstens nicht in dem gewöhnlichen Sinne . Hunderttausend Goldgulden wurden allerdings , als eine Schuld Sigismunds an Friedrich , auf die Mark Brandenburg eingetragen , aber diese Summe war nicht ein zuvor empfangenes Darlehn , sondern um modern zu sprechen » ein nicht ausgezahltes Gehalt samt Repräsentationskosten « . Sigismund , einsehend , daß die Landeseinnahmen kein Äquivalent für die zu gewärtigenden Dienste des neuen Landesverwesers , insonderheit aber nicht ausreichend zur Bestreitung eines Hofhaltes sein würden , bewilligte dem Burggrafen eine Zubuße von 100000 Gulden und weil er ( Sigismund ) sich außer stande sah , dies aus freien Stücken Bewilligte sofort bar auszuzahlen , so ließ er diese Zuschußsumme , ganz so wie wenn es geborgte hunderttausend Goldgulden gewesen wären , auf die Mark eintragen . Die Mark wurde » Pfand « und ging schließlich , als nicht eingelöstes Pfand , in den Besitz des Burggrafen über . Riedel , in seinem ausgezeichneten Buche » Zehn Jahre aus der Geschichte der Ahnherrn des Preußischen Königshauses « hat dies alles in musterhafter Weise klargelegt und für historische Korrektheit Sorge getragen , aber so dankbar wir ihm für diese Korrektheit sein müssen und so gewiß es zuzugestehen ist , daß zwischen einem » geleisteten Darlehn « und einem » nicht empfangenen Gehalt : « – trotzdem beides eine Schuld repräsentiert – immerhin noch ein Unterschied obwaltet , so bin ich doch ganz außerstande , mich in der Gesinnung zurechtzufinden , die Riedel bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck bringt . Er behandelt die Frage mit einem Nachdruck und einer Feierlichkeit , als ob er , mit Hilfe dieser seiner Aufklärungen , das Hohenzollerntum von einem Makel befreit und die Vorgeschichte desselben von etwas Krampfhaftem und Geldgeschäftlichem gereinigt hätte . Das ist aber offenbar zu weit gegangen . Es kann , meinem Ermessen nach , für die Hohenzollern , die seitdem ihre Legitimation über jeden Zweifel hinaus nachgewiesen haben , ziemlich gleichgültig sein , wie sie damals zur Mark gekommen sind , so oder so . Sollte dies aber bestritten werden können , so doch schwerlich das , daß es , nach der moralischen oder , wenn man so will , nach der Feinheitsseite hin , absolut bedeutungslos ist , ob die 100000 Goldgulden von 1412 eine vom Burggrafen geleisteter Vorschuß oder ein ihm versprochener und nicht ausgezahlter Zuschuß waren . Das sonst so hervorragende , von der größten Sachkenntnis getragene Riedelsche Buch hat einen schwachen Punkt in dieser hier und da geradezu störend hervortretenden Hyperloyalität , auf die wir in einem späteren Kapitel , wo sich ' s über das Recht oder Unrecht der Quitzows handelt , noch ausführlicher zurückkommen . 8 Daß man sich bei Niederlegung der Mauern von Friesack und Plaue solcher » großen Büchse « bedient , ist wohl sicher , aber einer bestimmten Namensgebung dieser großen Büchse , wie beispielsweise » faule Grethe « begegnet man bei gleichzeitigen Geschichtsschreibern nicht . Im Besitze der Braunschweiger , so viel weiß man , befand sich eine große Büchse mit Namen » die faule Metze « , welche im Jahre 1411 , als der Erzbischof Günther von Magdeburg mit den Herzögen Bernd und Heinrich von Braunschweig-Lüneburg , die Edlen von Schwicheldt wegen ihrer Raubtaten in der festen Harzburg belagerte , ausgezeichnete Dienste leistete . Vielleicht brachte der Erzbischof von Magdeburg diese Büchse mit und die » faule Metze « vor Harzburg und die » faule Grethe « vor Plaue sind ein und dasselbe Geschütz . Metze ( von Margarete ) und Grethe sind ohnehin dieselben Namen . 9 Nach einer dieser Lesarten , die die magdeburgische Schöppenchronik gibt , entkamen Hans und Henning von Quitzow unbemerkt und verbargen sich in dem hohen Rohr an der Havel , ja , dem älteren Bruder konnte sogar sein Hengst durch seinen Knecht Lüdeke Schwalbe ( Wusterwitz nennt ihn Dietrich ) nachgebracht werden . Aber , so heißt es weiter , als Hans von Quitzow sich aus dem Rohr erhob und nach dem Zügel des Hengstes griff scheute dieser , warf den Kopf und entlief . Dies sah der Schulze von Schmitsdorf ( einem magdeburgischen Dorfe ) , der mit im Belagerungsheer vor Plaue stand , und eilte mit einigen Leuten auf die Stelle zu . Beide Quitzows , Johann und Henning , samt dem Knechte , der das Pferd gebracht hatte , suchten sich durch Ducken im Rohr und durch Flucht zu retten , aber sie verirrten sich in dem Havelbruch und wurden gefangengenommen . Einer dritten Lesart zufolge , die sich in Peter Beckers Chronik von Zerbst findet , bewerkstelligte Hans von Quitzow seine Flucht dadurch , daß er , zur Nachtzeit einen Kahn besteigend , die Havel auf Pritzerbe zu hinunterglitt . Aber der Erzbischof hatte die Havel an beiden Ufern mit Wachtposten besetzen lassen . Diese sahen den Kahn , bemächtigten sich desselben und führten Hans von Quitzow als Gefangenen ins magdeburgische Lager . Unter den verschiedenen Lesarten ist diese dritte die wenigst glaubhafte . Sehr wahrscheinlich war die Havel zugefroren und Hans von Quitzow entkam , zunächst wenigstens , gerade dadurch , daß er diesen Umstand benutzte . 10 K. Fr. von Klöden in seinem mehrfach von mir zitierten Buche » Die Quitzows und ihre Zeit « widmet dem Hinscheiden Dietrichs von Quitzow ein ganzes Kapitel , das in seinen Einzelangaben jedes historischen Anhalts entbehrend , doch bemerkenswert ist durch Schönheit und Tiefe . Wie denn überhaupt gesagt werden muß , daß sich in diesem nicht genugsam gewürdigten vierbändigen Werke , neben viel überraschlich Prosaischem auch viel überraschlich Poetisches findet . In dem vorerwähnten Kapitel sehen wir Dietrich von Quitzow in einer von Veltheimschen Waldhütte , wohin er sich menschenscheu zurückgezogen hat . Die letzten , die sich hier an ihn drängen und ihm in prahlerischer Weise von ihrer Vornehmheit und ihrer Freiheit erzählen , sind Zigeuner , deren große Worte ( zu denen die begleitenden Diebestaten so wenig stimmen ) ihn mehr demütigen als alles andere , weil er , im Vernehmen dieser Worte , dem anspruchsvollen Zerrbilde der Freiheit ins Gesicht starrt . Schwerlich werden ihm Betrachtungen wie diese den Tod verbittert haben , aber alle diejenigen , die von einer Schuld der Quitzows überzeugt sind , müssen diese Szene für dichterisch gut ersonnen ansehen . 11 In dieser Versöhnung mit dem Kurfürsten die Vorhand zu gewinnen , ward unserem Kaspar Gans zu Putlitz durch einen besonderen Umstand erleichtert , auf den hier noch nachträglich als auf ein höchst wichtiges und vielleicht entscheidendes Ereignis in der Geschichte jener Tage hingewiesen werden mag . Ausgangs 1413 , an demselben 30. November , an welchem Johann von Quitzow das siegreiche Gefecht gegen die Magdeburger führte , das dann mit der Gefangennahme Peters von Kotze und Gebhards von Plotho schloß , an eben demselben Tage wurde der gerade damals in Fehde mit dem Brandenburger Bischof liegende Kaspar Gans von dem bischöflichen Hauptmann Johann von Redern im Dorfe Dallgow bei Spandau gefangengenommen und über Pritzerbe nach Ziegesar ins Gefängnis geführt . Dort saß er noch , als zwei Monate später zur Belagerung der vier Schlösser Golzow , Beuthen , Friesack , Plaue geschritten wurde , so daß er den Bedrängten keine Hilfe bringen konnte . Dadurch war die Widerstandskraft der Quitzowschen von Anfang an halbiert und schuf ihnen eine Niederlage , die , bei Vollzähligkeit ihrer Streitkräfte , vielleicht ausgeblieben wäre . Niemand erkannte dies klarer als der , dem der Sieg zugefallen war , und wenn Kaspar Gans in dem Entscheidungskampfe des frondierenden Adels auch nur gefehlt hatte , weil er , als Gefangener , fehlen mußte , so wird der Burggraf doch nicht gesäumt haben , ihm auch diesen Zufall zum Guten anzurechnen . 12 Woher die Bezeichnung Ketzer- oder plattdeutsch Kett ' r-Angermünde kommt , diese Frage hat seit mehr als einem Jahrhundert die märkische Geschichtsschreibung beschäftigt . Einige meinen , im 13. und 14. Jahrhundert hätten sich unter den Einwohnern von Angermünde viele Ketzer befunden andere meinen , Ketzer bedeute Kietzer , noch andere heben hervor , daß Ketzer ein Handwerksausdruck sei und bei den Wollarbeitern eine Spindel voll Garn bedeute . Ketzer-Angermünde kann also bedeuten : eine Ketzer-Stadt oder eine Kietzer-Stadt oder eine Tuchmacher-Stadt . Alle drei Annahmen haben etwas für sich und ich habe , der Reihe nach , jede einzelne für richtig gehalten , bin aber schließlich doch wieder zu eins zurückgekehrt und glaube jetzt : Ketzer bedeutet Ketzer in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes . Nach Gercken starben in Angermünde um 1336 vierzehn der Ketzerei angeklagte Bewohner den Feuertod . Es sollen Luciferaner , Anhänger des Bischofs Lucifer von Cagliari gewesen sein . Mir scheint es jetzt das Wahrscheinlichste , daß der Beiname der Stadt von diesem Vorgang her datiert . 13 Zwischen der den Douglas- und Percykampf behandelnden Chevyjagd und der den Kampf zwischen Markgraf Ludwig und Herzog Barnim behandelnden Cremmer-Damm-Ballade tritt eine große Verwandtschaft zutage , wie folgende Gegenüberstellung zeigen mag : Es ist nicht möglich , sich gegen die Wahrnehmung einer geradezu frappierenden Ähnlichkeit zu verschließen , die vor allem inhaltlich , desgleichen in Ton und Bau , zutage tritt und nur zu kleinem Teil aus der von derselben Hand herhörenden Übersetzung beider Balladen erklärt werden kann . Es ist mir ganz unzweifelhaft , daß man in Schottland entweder die pommersche oder in Pommern die schottische Ballade gekannt haben muß . Ist die pommersche Ballade echt , so muß sie die ältere sein , denn das Ereignis , das ihr zugrunde liegt : die Schlacht am Cremmer Damm , fällt in das Jahr 1334 , während das der englisch-schottischen Ballade zugrunde liegende Ereignis , die Schlacht bei Otterbourne , erst in das Jahr 1388 fällt . Bischof Thomas Percy , der Herausgeber der berühmten altenglischen Balladensammlung , die seinen Namen trägt ( Percy ' s Reliques of ancient english Poetry ) , setzt sogar die Chevyjagd noch um ein Jahrhundert später , in die Zeit Heinrichs VI. Und so hätten wir denn eventuell einen neuen Triumph altdeutscher Lied- und Balladendichtung zu verzeichnen . Aber freilich , ist die Cremmer-Damm-Ballade , die zuerst im Jahre 1765 auftaucht , echt ? Sosehr ich es wünsche , so kann ich doch Zweifel nicht ganz unterdrücken . Ihnen Ausdruck zu geben , ist hier nicht der Platz , ich würde mich aber freuen , mit einem Balladen-Sachkundigen , der außerdem des Plattdeutschen mächtig ist , also mit Männern wie Klaus Groth , Adolf Wilbrandt , Karl Eggers , Heinrich Seidel , in einen Meinungsaustausch über diesen Punkt eintreten zu können . Das plattdeutsche Original findet sich im 21. Stück der Greifswaldschen Nachrichten und daraus abgedruckt in Buchholtz ' Geschichte der Churmark Brandenburg Teil 11. S. 383 14 Engelbert Wusterwitz – so schreibt Dr. Julius Heidemann , dem wir auch den Ausdruck » die märkische Fronde « verdanken , in einem der Wusterwitzschen » Märkischen Chronik « geltenden Aufsatze – war in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu Brandenburg geboren und hatte sich für den geistlichen und richterlichen Beruf entschieden . Bald nach dem Jahre 1400 befand er sich in Rom » im Dienste von Kardinälen « und war hier Zeuge der feierlichen Huldigung , welche die Römer im November 1404 dem eben erwählten Papste Innocenz VII. darbrachten . Schon in den nächsten Jahren muß er nach Brandenburg zurückgekehrt sein und fungierte hier als Mitglied eines Schiedsgerichts , das berufen war , einem zwischen dem Abte Stich von Lehnin und Johann von Quitzow über den Besitz der Havel bei Schloß Plaue entstandenen Konflikt gütlich beizulegen . Von 1408 bis 1415 ist seine Chronik am inhaltreichsten und ihre Darstellung so voll Leben und Anschauung , daß man annehmen muß , er habe gerade diese Zeit dauernd oder vorwiegend in seiner Vaterstadt Brandenburg verbracht . Die Stellung , die er hier einnahm , war aller Wahrscheinlichkeit nach die eines geistlichen Richters . 1412 , beim Erscheinen des Burggrafen Friedrich in der Mark , scheint er in Berlin gewesen zu sein . Bald nach dem Sturze der Quitzowschen Partei wurde Wusterwitz , auf Grund seiner praktischen Tüchtigkeit als Jurist , von der Stadt Magdeburg zum Syndikus ernannt . Die Magdeburger Schöffenchronik bemerkt : » daß die Stadt Magdeburg 1418 beim königlichen Hofgericht in einen Prozeß verwickelt worden sei und mit der Führung desselben ihren Syndikus Engelbert Wusterwitz von Brandenburg betraut habe , welcher dem Hofe nach Regensburg in Bayern , nach Ungarn , Schlesien und Böhmen gefolgt sei und ein obsiegendes Erkenntnis erstritten habe « . 1420 war er noch in Magdeburg 1424 aber finden wir ihn in amtlicher Tätigkeit ( vielleicht ebenfalls als Syndikus ) in seiner Vaterstadt Brandenburg wieder . Nach Hafftiz wäre er schon 1409 , lange bevor er nach Magdeburg ging , Domherr zu Brandenburg gewesen . Hier verblieb er während seiner letzten Lebensjahre , fand Muße zur Abfassung seiner Chronik ( Diese berühmte Chronik , der wir , mit Rücksicht auf die Quitzowzeit , das meiste , ja , fast ließe sich sagen , alles verdanken , ist im Original verlorengegangen . Wir kennen sie nur aus Auszügen , die 1592 Andreas Angelus in seine märkischen Annalen und 1595 Peter Hafftiz in sein Microchronologicon hinübergenommen hat . ) und errichtete einen Altar in der Katharinenkirche . Hier ward ihm auch , gestorben am s. Dezember 1433 , seine letzte Ruhestätte . 15 Dies ist ein mitunter , so z.B. auf S. 157 und S. 170 der Riedelschen » Zehn Jahre « , sehr störend hervortretender Zug . Dietrich von Quitzow hatte , nachdem er landflüchtig war , eine Klageschrift aufgesetzt , in der er nachzuweisen trachtete , daß der Burggraf ihm , seinem Bruder Hans und dem Kaspar Gans zu Putlitz verschiedene Zusagen nicht gehalten habe . Riedel weist dies ohne weiteres zurück . Nun mag diese Zurückweisung berechtigt sein , obschon ich nicht leugnen kann , daß ich auch nach der Seite hin wieder starke Zweifel unterhalte , Zweifel , die , wenn ich nicht irre , von Raumer geteilt werden . Riedel aber behandelt die Sache so , wie wenn in einer derartigen Kontroverse zwischen einem fränkischen Fürsten wie Friedrich von Nürnberg und einem märkischen Adligen wie Dietrich von Quitzow , von einem Zweifel überhaupt gar nicht die Rede sein könne . Hierin spricht sich aber , ich muß es wiederholen , eine Gesinnung aus , mit der ich durchaus nicht mit kann . Im Mittelalter galten List und Vorteil überall , und die Fürstlichkeiten , die beständig , und oft mehr als die von ihnen Beherrschten , zu den fragwürdigsten Mitteln griffen , was dann Politik hieß , entbehrten noch ganz , wenn man den Ausdruck gestatten will , jenes Heiligenscheines , mit dem wir sie heutzutage ganz aufrichtig , weil im ganzen genommenen wohlverdient , umgeben . Es gibt zur Zeit kaum einen Fürsten , sicherlich nicht in Deutschland von dem wir einer listigen Pfiffigkeit oder Zweideutigkeit oder gar Unehrlichkeit gewärtig wären . Das lag aber damals überall in der Welt sehr anders . Man lese beispielsweise den Schluß von Shakespeares Heinrich IV. 2. Teil . Johann von Lancaster , Bruder des Prinzen Heinz , des spätern Heinrichs V. , lädt den im feindlichen Lager stehenden Erzbischof von York samt den Lords Hastings und Mowbray zu einer Zusammenkunft ein und läßt sie dann , sein Wort brechend , zum Tode führen . Alle drei bezahlen ihr Vertrauen mit dem Leben . Und doch war Johann Langsamer ein Prinz , ein Königssohn . Die Szene wirkt widerlich und verdirbt einem modernen Menschen in gewissem Sinne das ganze Stück , aber noch zu Shakespeareschen Zeiten lag es so , daß man aus einem tudor-lancastrischen Parteigefühl heraus , an dieser Widerlichkeit keinen Anstoß nahm . 16 In dem zweiten Kapitel dieses Aufsatzes habe ich , nach Wusterwitz ' Aufzeichnungen , die Bestürmung und Eroberung der Stadt Rathenow durch den Erzbischof von Magdeburg , damals Albert von Querfurt , ausführlich geschildert . Was zu jener Zeit seitens des Erzbischofs geschah , repräsentiert ein Quantum von Grausamkeit , das durch keine Tat der Quitzows erreicht , jedenfalls nicht übertroffen wird . Es gab in diesen Fehden überhaupt nur eine Form der Aktion ; alles was Wusterwitz erzählt , gleichviel nun , ob es die Pommern oder Mecklenburger , die Bischöflichen oder Erzbischöflichen die Lüneburger oder Lauenburger waren , alles trägt denselben Kriegführungsstempel und es ist unbegreiflich , daß derselbe Mann , Wusterwitz , der diese moralisch vollkommen gleichwertigen Kämpfe hintereinander aufzählt , die von seiten der » etablierten Mächte « begangenen Übergriffe gutheißen oder entschuldigen oder ignorieren , die von seiten der » Fronde « begangenen aber so hart verurteilen kann . In der Handelsweise war hüben und drüben kein Unterschied und auch hinsichtlich der Rechtsbefugnis lag es , einerseits kraft des bestehenden Fehderechtes und andererseits bei der Kompliziertheit weiterer zur Erwägung kommender Fragen , keineswegs so schlimm für die Quitzows , wie die Feinde derselben wahr haben wollen . 17 Wir begegnen , von 1347 an , dem Quitzownamen durch vier Jahrhunderte hin unausgesetzt in Stellungen von mittlerer Bedeutung , sei es in der Verwaltung , sei es in der Armee . Was ihre Stellungen in der letzteren angeht so bevorzugten sie , wie die meisten Altadligen der Mark , die Truppe , die , bis diesen Tag , die letzten Reste von Rittermäßigem auch in ihrer äußeren Erscheinung zu wahren trachtet : die schwere Reiterei . Während der Friderizianischen , bzw. der ihr unmittelbar folgenden Zeit standen drei Priegnitzische Quitzows an der Spitze dreier Kürassier-Regimenter , darunter die Regimenter von Beeren und von Reitzenstein . Der älteste dieser drei Kürassierobersten starb 1806 » nach fünfzigjähriger Dienstzeit , ehrenvollen Wunden erliegend « , der zweite 1817 , der dritte 1824 . In diesem Augenblicke stehen noch drei Quitzows in der Armee , Sekondeleutnants der Infanterie und Artillerie . Veränderte Zeiten ! 18 Desto reicher ist die Kirche zu Rühstädt an interessanten , einer späteren Zeit angehörigen Monumenten und Bildwerken , die , weil in der Mehrzahl durch besondere Schönheit ausgezeichnet , an dieser Stelle genannt werden mögen , obschon sie jeder Beziehung zu den Quitzows entbehren . Alle gehören nämlich der Jagowzeit an – der Zeit der jetzigen Besitzer von Quitzöwel und Rühstädt – , die mit dem Jahre 1777 beginnt . Ein Monument , in Form einer aus der Kirchenwand vorspringenden Tempelfassade , gemahnt dankbar an den , der berufen war , den Jagoweinzug an dieser alten Quitzowstelle herbeizuführen . Es war dies Thomas Günther von Jagow auf Aulosen . Die diesem geltende Tempelinschrift lautet : » Dem verehrungswürdigen Andenken des hochwohlgeborenen Herrn Thomas Günther v. Jagow , Erbherrn auf Alt-Haus Aulosen , geb . den 28. Juli 1703 und als der letzte der Aulosen ' schen Linie , gest . am 16. Juli 1777 , widmen dies Denkmal Magdalene Charlotte v. Jagow , geb . v. Bismarck und Georg Otto Friedrich v. Jagow auf Rühstädt . « Dieser G. O. F. von Jagow , Vetter oder Neffe des kinderlosen Thomas Günther von Jagow auf Aulosen , war der Erbe des letztgenannten . Er verdankte das , einer Dorftradition nach , weniger seiner