der Fahrt . Um vier Uhr Ankunft auf der Reede von Jaffa . Zwei höhere türkische Offiziere , Adjutanten des Großherrn von Stambul , Oberst Achmed Bey und Major Ismael Bey , stellen sich dem Prinzen vor und sprechen ihm in geläufigstem Französisch die Bitte des Großherrn aus , » daß er ( der Prinz ) geruhen wolle , die Gastfreundschaft Sr. Majestät , während seines Aufenthaltes auf dem Gebiete des türkischen Reiches , huldvollst anzunehmen . Alles stände zum sofortigen Aufbruch nach Jerusalem bereit und S. K. H. habe nur die Befehle zu geben . « 55 Die Weiterreise von Jaffa nach Jerusalem erfolgt zu Wagen , in Begleitung türkischer Leibgendarmerie . Unterwegs sieht sich der Prinz von einer Gruppe Reiter überholt , die sich ihm als württembergische Templer , ansässig in Palästina , vorstellen und um die Ehre bitten , ihm auch ihrerseits bis Jerusalem das Geleit geben zu dürfen . Der Prinz lehnt es aber dankend ab , unter Hinweis auf seine türkische Begleitung . 20. Februar . Der Prinz trifft vor Jerusalem ein . V. Im heiligen Lande 20. Februar . Der Prinz hält durch das Tor von Jaffa seinen Einzug in Jerusalem . Über seiner Uniform trägt er den Johannitermantel . Bald aber steigt er vom Pferde , um den Weg zur Grabkirche zu Fuß zu machen . Die Geistlichkeit empfängt ihn am Portal . » Das Gotteshaus war durch Hunderte von Glaslampen erleuchtet , deren höchster Glanz sich auf die reichgeschmückte Stätte des Heiligen Grabes ergoß . « Rückkehr in das mittlerweile vor dem Tor von Damaskus aufgeschlagene Zeltenlager . 21. Februar . Der Prinz und seine Begleiter empfangen das heilige Abendmahl in der Kapelle des » Muristän « , dem alten Wohngebäude der » Ritter vom Spital « ( Johanniter ) . 22. Februar . Aufbruch von Jerusalem . Um neun Uhr früh saß der Prinz im Sattel . Zu guter Stunde wird Bethlehem erreicht , dessen Häuser » steinernen Burgen und Kastellen « gleichen . Besuch der » Marienkirche « ; darauf , unter Führung des griechischen Bischofs Antimos , Besuch der Felsgrotte , der Geburtskapelle und der Krippe des Heilands . Nachtquartier draußen im Lager . 23. Februar . Aufbruch . Frühstück am Toten Meer . Das Menü lag in Golddruck auf der Tafel des Prinzen und hatte die Aufschrift : » A la Mer Morte , le 23 Fevrier 1883 . Campement de S. A. R. le Prinz Frédéric-Charles de Prusse « . Vom Toten Meer nach Jericho . Auf den Trümmern des alten Jericho wird das Lager aufgeschlagen . 24. Februar . Fortsetzung der Reise bis zum Dorf Abd-el-Kader . Lager . 25 Februar . Aufbruch zu früher Stunde . Erste Rast am » Jakobsbrunnen « . Dann bis zur Stadt Nabulus , dem alten Sichem der Bibel . » Nabulus ist bekannt durch seine Seifenfabrikation ; trotz dieser herrscht in dem alt-biblischen Ort ein unglaublicher Schmutz . « 26. Februar . Weitermarsch gen Norden . Samaria wird passiert . Lager bei Djenin . Vom Regen aufgeweichter Boden ; eine entsetzliche Schmutzlache . Nur der Prinz bleibt heiter und guter Dinge . 27. Februar . Mittagsrast in Sulem . Passierung der großen Ebene von Esdrelon . Dann bergauf . Als der Zug wieder niederstieg , wurde Nazareth sichtbar . Bald danach ging ein Wolkenbruch nieder . » Gott sei Dank , das Pilgerhaus des lateinischen Klosters , die sogenannte Casa nuova foresteria ist in Sicht und die Torhalle empfängt die triefenden Reisenden . Dienstfertige Klosterbrüder in brauner Mönchskutte tummeln sich in geschäftiger Hast , um den Prinzen und seine Begleiter in die kleinen , aber wohnlichen und sauberen Gemächer zu führen . Ein orientalisches Mangal , ein mächtiges blankes Kupferbecken voll glimmender Holzkohlen , verbreitet eine wohltuende Wärme im Zimmer des Prinzen , der seine Getreuen zu sich beruft , um die verklammten Glieder zu durchwärmen . Schwieriger war es die durchweichten Kleider und Mäntel wieder auszutrocknen , aber der freundliche Grobschmied in der Nähe der Casa belud sich mit dieser Sorge und die Esse sprühte Feuer und Funken , um die eingesogene Feuchtigkeit aus den dampfenden Stoffen und Kleidern herauszutreiben . Das böse Wetter setzte sein Wüten fort , aber die Nacht in Nazareth im warmen trockenen Himmelbett , wird unvergeßlich bleiben . « 28. Februar . Wieder Regen . Der Prinz bleibt als Gast im Kloster und faßt den Entschluß , über Beirut und Damaskus nach Palmyra zu gehen . VI. In Phönizien und Syrien 1. März . Aufbruch von Nazareth . » Auf der Höhe zeigte sich ein liebliches Bild . Am › Marienbrunnen ‹ standen Frauen und Mädchen , um ihre roten Tonkrüge mit dem klaren Wasser der einzigen Quelle des Ortes zu füllen . Die Legende , daß einst hier Jesus und seine Mutter gesessen , ist deshalb mehr als wahrscheinlich . « Im Konvent der Soeurs religieuses wird Abschied vom gelobten Lande genommen . Phönizien beginnt . Nachtquartier im Gouvernementshaus zu Akka . Mücken- und Moskitoplage . 2. März . Aufbruch . Nach neunstündigem Ritt an der phönizischen Küste hin wurde Tyrus erreicht . Hier erfuhr man , daß der in Folge der Schneeschmelze ungewöhnlich hohe Wasserstand des Flusses Litâni ( früher Leontes ) die Weiterreise unmöglich machen werde . Zugleich indes hieß es : » Der Postbote sei durchgekommen « . Der Prinz lachte : » Ist ein Postbote durchgekommen , werden wir ' s auch « . So wurde die Weiterreise beschlossen . 3. März . Aufbruch von Tyrus nach Sidon . Die Schwierigkeiten , die der Litâni bot , waren in der Tat groß . Der Prinz , einen überschwemmten schmalen Steinweg benutzend , kam hinüber ; sein Kammerdiener Goerz aber wurde von der Flut weggerissen und nur wie durch ein Wunder gerettet . Das gleiche Schicksal hatten mehrere Personen aus dem Gefolge . Den 3. , abends , traf man in Sidon ( Saïda ) ein . 4. März . Von Sidon nach Beirut . Ankunft am Spätnachmittag . Man sah sofort , daß Beirut ( nah an 100000 Einwohner ) nicht nur Sidon und Tyrus überflügelt , sondern sich überhaupt zum ersten Handelsort dieser Gegenden erhoben hat . Beirut ist in ähnlicher Weise französisch , wie Kairo und ganz Unterägypten englisch ist . Die Franzosen sind gewillt , sich hier , an der syrisch-phönizischen Küste , für den Verlust von Ägypten schadlos zu halten . 5. März . Ruhetag in Beirut , im Hotel d ' Orient . Der Prinz tritt in Beziehungen zu dem türkischen Gouverneur : Rustem Pascha . » Nur einzelne Zedern « , sagte Rustem Pascha , » stehen auf dem Libanon . Ich habe eine jede mit einer Mauer umgeben lassen , da die Reisenden sich nicht scheuten , ihr Lagerfeuer am Fuß ihrer Stämme anzuzünden und mehrere infolgedessen abstarben . Meine Versuche , die jungen Sprossen hierher nach dem großen Garten von Beirut zu verpflanzen , scheiterten mehrere Male . Erst die Beobachtung , daß sie genau nach derselben Himmelsrichtung , der sie früher zugekehrt waren , stehen müssen , führte zu einem günstigen Resultate . Sie kommen jetzt fort , daß es eine Freude ist . Ja , man muß eben die schwachen Seiten der Bäume wie der Menschen kennen , um seine Hoffnungen auf ihre gute Zukunft nicht fallen zu lassen « . Dann sprach Rustem Pascha über die Drusen und Maroniten und schloß : » Für die öffentliche Sicherheit habe ich in den langen Jahren meiner Verwaltung das Menschenmögliche geleistet . Maroniten und Drusen leben gegenwärtig in Frieden und Ruhe nebeneinander , und eine Frau oder ein Kind kann des Nachts sicherer durch den Libanon gehen , als durch die Straßen von Paris ! Wenn man gegenwärtig von Unruhen in meinem Distrikte spricht , so ist das Verleumdung . In Summa , ich habe meine Schuldigkeit getan , ich gehöre nicht zur Klasse jener Orientalen , denen alles gleichgültig ist « . 6. März . Desgleichen Ruhetag in Beirut . Oberst von Natzmer , seit Wochen von einem heftigen Anfall von Ischias geplagt , trennt sich vom Prinzen und der Reisegesellschaft desselben und kehrt auf dem von Konstantinopel eintreffenden Lloyddampfer nach Triest und Deutschland zurück . 7. März . Aufbruch fünfeinhalb Uhr früh von Beirut nach Damaskus , fünfzehn deutsche Meilen . Man benutzt die französische Diligence , die die Libanon-Ausläufer zu passieren hat , und trifft beim Dunkelwerden in Damaskus ein . 8. März . Besuch des Prinzen bei Abd-el-Kader . » Abd-el-Kaders Augen leuchteten , als ihm der Prinz entgegenging und seine beiden Hände , wie die eines alten Freundes ergriff . Abd-el-Kader machte den Eindruck eines vollständigen Greises und wirkte wie ein betagtes Mitglied der gelehrten Klasse der Ulemas . Das kleine , faltige , rötliche Gesicht , von einem kurzgeschnittenen weißen Bart umrahmt , zeigte einen feingeformten Mund mit vollzähliger Zahnreihe und eine aquiline Nase . Die bläulich-grauen Augen leuchteten mit einem schillernden Matt , hafteten aber mit eigentümlicher Schärfe an den Blicken des mit ihm Redenden . Sein Gang war der eines ermüdeten Greises , langsam nur schlich er umher und seine Hände waren beständig in einer leise zitternden Bewegung . Die Unterhaltung des Emirs begann mit höflichen Begrüßungen , voll jener feinen Wendungen , wie sie dem gebildeten Orientalen eigen sind . Der Prinz seinerseits bemerkte , daß er vor langen Jahren , bei einer Reise durch Frankreich , das Schloß von Amboise besucht habe , um die Gemächer zu sehen , in welchen der Emir einst seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte . Abd-el-Kader lächelte verlegen , als sei ihm die Erinnerung daran eine schmerzliche . Statt aller Antwort darauf ergriff er die Hand des Prinzen und legte sie wie die eines lieben Freundes in die seinige . Trotz seines hohen Alters bewies der Emir ein ausgezeichnetes Gedächtnis und erinnerte sich z.B. mit allen nur möglichen Einzelheiten der erlauchten Person des Kronprinzen , mit dem er bei Gelegenheit der Eröffnung des Suezkanals in Ägypten reden zu dürfen die Ehre gehabt habe . Jedes Gespräch , welches auf die Ereignisse des letzten großen Krieges Frankreichs gegen Deutschland ein Streiflicht hätte werfen können , vermied er mit peinlicher Ängstlichkeit . Anderthalb Stunden später machte der Emir dem Prinzen seinen Gegenbesuch , bewegte sich hierbei freier und die bis dahin gezeigte Schüchternheit war gewichen ; er sprach von seinen Studien und namentlich auch davon , wie schwer es ihm werde , den Unterhalt für seine ihm in die Verbannung gefolgten Freunde ( 5 000 ) aufzubringen . Der Abschied war der denkbar herzlichste . Der Prinz küßte den Emir zweimal und wünschte ihm ein langes und glückliches Alter . › Vielleicht ein Wiedersehen in Deutschland . ‹ Abd-el-Kader dankte gerührt . › Mein nächstes Reiseziel wird ein anderes sein , denn ich fühle , daß meine Tage gezählt sind . Möge der Segen Gottes alle Zeit auf Ew . königlichen Hoheit ruhen ‹ . « VII. Von Damaskus nach Palmyra . Zurück nach Beirut 9. März . Während des Aufenthalts in Damaskus hatte sich der Prinz schlüssig gemacht , trotz aller Unbill des Wetters , die nach Palmyra geplante Reise wirklich anzutreten . Vizekonsul Kaufmann Lütticke zu Damaskus , der Palmyra von einem früheren Besuche her schon kannte , stellte sich dem Prinzen zur Verfügung und übernahm die Führung . Am neunten früh brach man auf . » Wir waren 150 Menschen ( darunter 60 Tscherkessen und kurdische Reiter ) und 200 Tiere . Den ersten Gruß brachten uns 16 in rasendem Galopp über die Ebene daherjagende Beduinen , ihren Scheich an der Spitze . Ein braun und weiß gestreifter Burnus umhüllt den Körper , aus der Vermummung des Kopfes schaut ein dunkelbraunes Gesicht mit martialischem Schnurrbart ; die nackten Beine stecken in unbehilflichen Stiefeln , und eine 13 bis 14 Fuß lange Lanze wird in den Händen geschwungen . Ihre Rosse , durchweg Stuten , sind von kleinem Bau « . Man kam bis zu dem Lehmdorfe Qutaife , wo man lagerte . 10. März . Fortsetzung der Reise . » Wir kampierten in der Wüste hart neben einer Ruine , die den Namen Chan-el-ahmar führte . Als die Nacht über die Wüste hereingebrochen war , veranstaltete M. Alexandre eine Soirée dansante . Unter der Beleuchtung von zwei mit brennenden Holzscheiten angefüllten Fackelständern , deren Flammen die Ruine mit einem roten Schimmer überzogen , traten alle nicht-europäischen Mitglieder der Expedition , von den Tscherkessen bis zu den Libanesen , zum Tanze an , um ihre Nationaltänze und Gesänge zum besten zu geben . So tanzten und sangen die Urahnen der heutigen Völker auf der Westseite des großen asiatischen Erdteils bereits vor tausenden von Jahren , und wenn nun jetzt die flammenden Hölzer zu erlöschen drohten und die Sänger und Tänzer nach Licht riefen , gossen ihre Kameraden ganze Flaschen voll Petroleum in die glimmenden Kohlen hinein . Zuletzt erschien ein syrischer Diener M. Alexandre ' s , ein wahrer Virtuose , und entlockte der syrischen Doppelflöte die wundervollsten Weisen . « 11. März . Weitermarsch . Nachtquartier in dem Jagd- und Wüstendorfe Qariatên . Der Scheich von Qariatên erscheint , um den Prinzen im Lager zu begrüßen . 12. März . Weitermarsch . Der Wüstenwind nimmt den Charakter eines Orkans an , und als man sich im » großen Zelt « zur Mittagstafel setzen will , bricht alles unter dem Sturm zusammen . Das Nachtquartier an der Quelle der » Steinböcke « war von gleichem Charakter . Schreckliche Stunden . 13. März . Weitermarsch . Unerträgliche Staubwolken . Kein Zeltaufschlagen möglich , ebenso wenig Herrichtung einer ordentlichen Mahlzeit . Spätnachmittag kam Palmyra in Sicht . Der Prinz versammelte seine Begleiter um sich und sagte , während er nach dem Trümmerfelde hinüber wies : » Es ist ein Jugendtraum , der mir im Alter in Erfüllung geht . Als ich noch ein kleiner Knabe war , empfing ich einmal ein Bilderbuch zum Geschenk , das unter anderen Darstellungen auch die der Ruinen von Palmyra enthielt . Die Abbildung und der poetische Name fesselten meine Aufmerksamkeit dermaßen , daß mich eine wahre Sehnsucht plagte , dereinst mit eigenen Augen die Wunder von Palmyra zu sehen . Mein ganzes Leben hindurch habe ich das Bild nicht aus dem Gedächtnis verloren und stets den Wunsch gehegt , den Jugendtraum wahr zu machen . So nahe dem Ziel , bin ich hocherfreut , die Wirklichkeit mit dem Ideale meiner Kindheit vergleichen zu können « . Gegen sieben Uhr war man da und die Reiter stiegen von ihren Pferden , um bei der » Quelle an der Mühle « zu rasten . Leider war es eine stinkende Schwefelquelle und der Aufenthalt in ihrer Nähe nicht bloß unerfreulich , sondern auch ängstlich , weil man nicht wußte , woher Trinkwasser genommen werden solle . Zum Glück zeigte sich es bald , daß Vizekonsul Lütticke mit seiner Versicherung » das Wasser verliere durch Kaltwerden und Stehen sehr bald seinen Schwefelgeruch und sei dann vortrefflich « recht behielt , und ehe die Nacht einbrach , bot der » Platz um die Mühle « das Bild eines bunten und heiteren Lagerlebens . Gegen zehn Uhr hatten wir ein treffliches Souper und um elf suchten wir unsere Zelte und unsere Betten auf , um von Palmyra , Salomo , seiner Tochter Belkis und der tapferen Königin Zenobia zu träumen . 14. März . In Palmyra . Die Lage hart an der östlichsten Grenze der syrischen Wüste , an der Straße von Damaskus nach den Euphratländern , dazu die hier vorhandenen Wasser und Brunnen , machten Palmyra früh zu einer Karawanen- und Handelsstadt . Der rasch anwachsende Reichtum der Kaufherren ließ ebenso rasch Denkmäler und großartige Anlagen entstehen , die freilich den Charakter schneller Gründungen trugen . Palmyra ist eine Gründerstadt im besten Sinne des Wortes . Ihre Bauherren , schnell emporgekommene Kaufleute mit allen guten und schlechten Eigenschaften derselben ( den Hochmut nicht ausgeschlossen ) ruhten von ihren Werken in stolzen Familiengräbern aus , die sich in etagenhohen Türmen oder in den Felsenkammern zu beiden Seiten der westlichen Gebirgseinfassungen befinden . – Wieder eine Sturmnacht . 15. März . Wie schon am Tage zuvor , wird alles besucht , gezeichnet , photographiert ; namentlich werden Inschriften abgeschrieben . In der Nacht wieder Sturm . 16. März . Dieser Tag ( 16. März ) bezeichnet das Datum der nun wieder eingeleiteten Heimkehr des Prinzen nach Berlin . Gegen Mittag Begegnung mit dem Beduinenscheich Satam , der sich dem Prinzen schon in Palmyra vorgestellt hatte . Der Prinz ist Satams Gast . Dann scheidet man . Nachtquartier in der Nähe der » Steinbocks-Quelle « schrecklichen Angedenkens . 17. März . Bis zum Dorfe Qariatên , wo der Prinz schon am 11. gelagert hatte . Von hier aus wird jetzt abgezweigt , um den weiteren Rückweg über den Anti-Libanon zu machen . 18. März . Bis zum Dorfe Bridj am Fuße des Anti-Libanon . 19. März . Über den Anti-Libanon , bis ( hinabsteigend ) zum Dorfe Ras-Baalbek . 20. März . Geburtstag des Prinzen . Gratulation um sieben Uhr früh . Die Reisegesellschaft überreichte dem Prinzen eine kleine Zahl auserlesener Münzen ( » Antikas « ) , die man schon in Damaskus als ein passendes Geschenk erstanden hatte und die nun dem Geburtstagskinde die größte Freude machten . Dann Aufbruch vom Dorfe Ras-Baalbek , um , nach zehnstündigen Ritt , die Tempel-Ruinen von Baalbek ( Heliopolis ) zu erreichen . Nachtquartier im » Hotel Palmyra « , wo man es nach acht im Zeltlager zugebrachten Sturmnächten himmlisch fand . Herrliche Mahlzeit . Die Geburtstagsfeier des Prinzen , am Morgen in Ras-Baalbek begonnen , wird am Abend in Baalbek fortgesetzt . Vorher , in den Spätnachmittagstunden , hatte man noch Zeit gefunden , die wichtigsten Ruinen zu besuchen , namentlich den größeren und kleineren Sonnentempel . 21. März . Aufbruch von Baalbek nach Poststation Schtora und zwar unter Benutzung der türkischen Post . In Schtora – nach Entlassung der aus Damaskus mitgenommenen türkischen Begleitung – Mittagsmahl und Postwechsel . Dann mit der französischen Post über die Libanon-Straße nach Beirut ( nicht nach Damaskus ) zurück . Ankunft noch zu guter Stunde . Hôtel d ' Orient . Begrüßung . Briefe , Nachrichten aus der Heimat . Wieder eine Sturmnacht . Aber man ist unter Dach und Fach . Auf der Reede liegt die » Nymphe « ; schon von den Bergen aus ( zur Mittagsstunde ) hatte der Prinz das Schiff in aller Deutlichkeit erkannt . 22. März . Kaisers Geburtstag . Parade an Bord der Glattdeckskorvette » Nymphe « ( Kapitän Dietert ) , die bestimmt ist , den Prinzen über Rhodus , Athen und Neapel nach Livorno zu führen . » Nach der Parade nahm der Prinz Abschied von Allen , die ihn bis an Bord der › Nymphe ‹ begleitet hatten : von Oberst Achmed Bey und Major Ismael Bey , den beiden Adjutanten des Sultans ( beiden liefen die Tränen über die Wangen ) , vom deutschen Konsul und den sonst noch anwesenden deutschen und türkischen Beamten . Vom Ufer aus winkten die Diakonissinnen mit ihren jungen Pflegebefohlenen dem scheidenden Prinzen und dreieinviertel Uhr stach die › Nymphe ‹ in See . « VIII. Von Beirut nach Livorno 23. März . ( Karfreitag . ) Stürmische Fahrt . Trotzdem Gottesdienst auf dem Deck . » Er wurde durch das Gesangbuchlied › O Haupt voll Blut und Wunden ‹ eingeleitet , übte im Angesicht der entfesselten Elemente eine erschütternde Wirkung auf mich aus und ich schäme mich auch heute nicht der Tränen , die mir in den Augen standen . « 24. März . Stürmische Fahrt . Von der Reisgesellschaft nur der Prinz und Hauptmann von Kalckstein bei Tisch . 25. März . ( Ostersonntag . ) Stürmische Fahrt . Kapitänleutnant Hildebrandt , erster Offizier auf der » Nymphe « , erzählt dem Prinzen von seiner Nordpolexpedition von 1868 bis 1870 . » Er hatte volle neun Monate mit dreizehn Gefährten auf einer Eisscholle und sieben Wochen auf offenen Booten zugebracht , dabei in steter Gesellschaft eines wahnsinnig gewordenen Gelehrten , Dr. Buchholz , den er wie ein Kind überwachen mußte . Nach maßlosen Leiden erreichte man Grönland und schließlich die Heimat . « 26. März . Stürmische Fahrt . Um drei Uhr Ankunft in Rhodus . Zweistündiger Besuch in der Stadt . Um sechs Uhr wieder in See . Das Wetter bessert sich . 27. März . Um neun Uhr früh zwischen Naxos und Paros ; um sieben Uhr abends im Hafen von Piräus . 28. März . Alles früh auf Deck . Umblick . Um achteinhalb Uhr mit der Eisenbahn nach Athen . Erste Fahrt durch die Stadt . Um zwölf im Hôtel de la Grande Bretagne . König Georg I. und sein Bruder , der Kronprinz von Dänemark , begrüßen den Prinzen . Der Prinz zum Frühstück im Schloß . Nach dem Frühstück : Schliemann-Museum , Mykenä-Museum , Tanagra-Museum . Spazierfahrt in der Umgegend von Athen . Um siebeneinhalb der Prinz und seine Begleiter zum Diner im Schloß . Großfürst Konstantin . Dieser sprach mit Brugsch über die Zukunft des Orients und die Aufgaben Rußlands , als des einzigen Vermittlers zwischen dem fernsten Osten und den europäischen Völkern . Vor allem hob der Großfürst hervor , daß Rußland die Aufgabe habe , » die Horden Chinas von Europa fern zu halten « . 29. März . Fahrt nach Eleusis . Um zwei Uhr wieder im Hôtel de la Grande Bretagne . Viereinhalb Uhr Abschied von Athen . Fünfeinhalb wieder an Bord der » Nymphe « . Der französische Admiral erscheint an Bord , um den Prinzen zu begrüßen . Um sechs Uhr Fortsetzung der Reise . 30. März . Fahrt . Sturm . 31. März . Etwas besseres Wetter . 1. April . Auf hoher See . 2. April . Um vier Uhr früh der Ätna in Sicht . 3. April . Um sechs Uhr früh Neapel in Sicht . Um acht Uhr vor Anker . Botschafter von Keudell und die Generale von Cranach und von Alvensleben begrüßen den Prinzen . Besuch der Stadt ( Aquarium ) ; Besuch der nächsten Umgebung . Pompeji . 4. April . Vesuv . Sorrent . Amalfi . Rückkehr nach Neapel . 5. April . Fortsetzung der Reise . Nachmittags in Nähe von Ostia-Rom . 6. April . In der Frühe zwischen Elba und dem Festland . Um Mittag im Hafen von Livorno . IX. Von Livorno bis Dreilinden 7. April . Von Livorno nach Pisa . Von Pisa ( durch die Tunnel ) nach Genua . Ankunft drei Uhr Nachmittag . 8. zum 9. April . Von Mailand bis Ala . 9. April . Über den Brenner . 10. April . Abfahrt von München . 11. April . Ankunft in Großbeeren . Von da nach Dreilinden . * Kurze Zeit danach war Diner in Dreilinden , zu dem in erster Reihe die Teilnehmer an der Orientreise geladen waren . Als man sich von der Tafel erhoben hatte , führte der Prinz seine Gäste in den neu angebauten , geschmackvollen Billardsaal . Ein reich bemaltes altägyptisches Totenbild lag auf dem grünen Tisch . Es war die Mumie der Ammonssängerin , die Tudrus , der thebanische Konsularagent , in nächtlicher Stunde ( vgl. S. 362 ) von Luxor aus auf das Deck der Dahabieh geschmuggelt hatte . Die bunte Kartonhülle wurde geöffnet , die Mumienbinden gelöst und der braune , wohlerhaltene Körper einer Jungfrau , die in der Blüte ihres Daseins das Zeitliche verlassen hatte , enthüllte sich vor den Blicken der Anwesenden . Kein Amulett , kein Schmuckgegenstand , keine Papyrusrolle fand sich an dem Leibe der heiligen Tempelmagd vor . Die Enttäuschung war eine allgemeine . Die Jungfrau hatte schließlich die weite Reise nach Dreilinden zurückgelegt , um , nach dem Befehl des Prinzen , ihre letzte Ruhestätte in der ägyptischen Abteilung der Königlichen Museen in Berlin zu finden . Wer sie dort sehen will , frage nach Nr. 8284 . 9. Kapitel 9. Kapitel Des Prinzen Friedrich Karl letzte Tage . Tod . Begräbnis . Charakter Als der Prinz von seiner Orientreise zurück war , trat er sein Erbe an . Dies bestand im wesentlichen aus : dem Palais am Wilhelmsplatz , einem bedeutenden Barvermögen und der in Westpreußen gelegenen Herrschaft Flatow und Krojanke , wodurch die bis dahin ziemlich bescheidene Geldlage des Prinzen in eine vergleichsweise glänzende verwandelt wurde . Trotzdem aber sollten die Verstimmungen , an denen sein Leben so reich gewesen war , nicht enden . Ja , man darf sagen , daß er sich von Stund an nur noch bedrückter fühlte . Zum Teil war es körperlich . Er litt – was ihm auch ein beinah ängstliches Maßhalten bei Tische vorschrieb – an Blutandrang nach dem Kopf , das aber , worunter er schwerer litt , war ein mehr und mehr zutage tretender Mangel an Freiheit auf Gebieten , auf denen auch der Schlichteste freie Bewegung zu haben pflegt , beispielsweise auf dem Gebiete der Erziehung und des Bestimmungentreffens innerhalb der Familie . So war es ihm ein Schmerz , seinem Sohne Friedrich Leopold die seemännische Karriere , von der er , der Vater , so hoch dachte , durch einen kaiserlichen Befehl verschlossen zu sehen . Dazu kamen direkte Zurücksetzungen : er hatte mit dem Palais des Johanniterordens auch zugleich die Herrenmeisterschaft zu erben gehofft und mußte , als sich Orden und Kaiser in dieser heiklen Frage schlüssig gemacht hatten , dies hohe und ehrenvolle Amt auf seinen Vetter Albrecht , den jetzigen Regenten von Braunschweig , übergehen sehen . Das alles empfand er als eine tiefe Kränkung , 56 und wenn diese Kränkung einerseits an seiner Seele zehrte , so steigerte sie zugleich auch sein körperliches Leiden und zog ihm in der Nacht vom 13. zum 14. Juni 1885 einen Schlaganfall zu , zu dem freilich ein hohes Maß von Unvorsichtigkeit die direkte Veranlassung gegeben hatte . Was darüber erzählt wird , ist das Folgende . Der Prinz war im Mai 1885 wie gewöhnlich nach Marienbad gegangen und befand sich noch in der Nachkur , als er am 13. Juni einige seiner besten Freunde zur Tafel nach Dreilinden lud . Bei Tische ließ er es an einer nötigen Abstinenz nicht fehlen und hütete sich vor jedem Verstoß . Als er aber , nach Aufhebung der Tafel , seine Gäste bis in die Vorhalle begleitet hatte , kam ihm , bei der herrschenden Schwüle , plötzlich die Lust , noch ein Schwimmbad zu nehmen . Er fuhr denn auch nach dem Wannsee hinaus und schwamm eine gute Weile . Jedenfalls zu lang . Als er aus dem Bade kam , empfand er sofort ein starkes Frösteln und eilte nach Dreilinden zurück , um sich hier niederzulegen und vor allem für Wiederherstellung einer normalen Temperatur Sorge zu tragen . Aber schon zwischen 2 und 3 Uhr rief er seinen im Nebenzimmer schlafenden Leibdiener : » Goerz , Goerz , nun ist es zu Ende ; jetzt muß ich sterben . « Und es war so . Der Prinz überdauerte noch den nächsten Tag , starb aber am 15. Juni vormittags . » Gott sei mir gnädig « , waren seine letzten Worte . 57 * Drei Tage später , am 18. Juni , hielt ihm Generalsuperintendent Kögel die Parentation in der Garnisonkirche zu Potsdam . » Trauer und Bestürzung « , so hieß es in der Kögelschen Rede , » hat uns ergriffen . Ein Schwert ist über Nacht zerbrochen , ein Schild von Erz jählings zersprungen , von uns geschieden ein ritterlicher Prinz , der dem Sinn seiner Ahnen verwandt war , jenen gewaltigen Soldatenkönigen , die hier in der Grabkammer unter der Kanzel ruhn . Ein Führer und Feldherr des preußischen , des deutschen Heeres ist heimgegangen , ein Held mit dem Lorbeer dreier Feldzüge . Die Fahnen senken sich umflort . Unser greiser Kaiser und König sieht in ihm den einzigen Sohn seines letztabberufenen Bruders in ein frühes Grab dahinsinken . Und mit dem Kaiser trauert das Heer , das er so oft und so glänzend zum Siege führte . Stand doch der Dahingeschiedene da , wie das Symbol unerschrockener Mannhaftigkeit , wagenden Reitermuts , unbeugsamer Beharrlichkeit , war er doch , um ein an ihn gerichtetes Dichterwort zu zitieren , › Dem roten Aare gleich im Schilde von Brandenburg ‹ . « So Kögel . Nach dieser Feier in der Garnisonkirche zu Potsdam , wohin man die Leiche des Prinzen von Dreilinden bzw. von Neu-Glienicke her gebracht hatte , setzte sich der Trauerzug in Bewegung und führte den Toten zu seiner letzten Ruhestätte nach Nikolskoe . * Was noch erübrigt , ist ein Wort über den Charakter des Prinzen . » Der Prinz « , so schreibt Dr. Paul Güßfeldt , dem ich hier zunächst und mit allem Vorbedachte das Wort gebe , » war doch in vielem anders , als die Welt sich ihn vorzustellen pflegt und empfand beispielsweise ( um nur eines zu nennen ) eine große Freude daran , sich zu belehren . Er las nie flüchtig und hielt streng an der Gewohnheit fest , bemerkenswerte Stellen mit Bleistift anzustreichen . Eine besonders wert gehaltene Lektüre war ihm Rankes Weltgeschichte . Gern verlieh er Bücher an nahestehende Freunde und brachte dann abends das Gespräch auf den Inhalt derselben . Hätte seine Neigung den Ausschlag gegeben , so wär ' er sehr wahrscheinlich Seefahrer oder Forschungsreisender geworden . So wie viele Seeleute bekannt sind durch ihre Reiterpassion , so stak in dem prinzlichen Reitergeneral eine bis zur Schwärmerei gesteigerte Passion für die See . Ich glaube , daß – abgesehen von den großen historischen Momenten erfochtener Siege – der Prinz seine schönsten Stunden an Bord deutscher Kriegsschiffe verlebt hat ; auch begegnete man an seiner kleinen Tafelrunde häufig der dunkelblauen Uniform der Marineoffiziere . Er liebte die See an sich und alles , was die streng militärische Zucht und unablässige Pflichterfüllung in diesem tief empfindenden Herzen verschlossen gehalten hatte , das durfte beim Spiel der Meereswellen