leer . Er gab sie nun dem umgekleideten Soldaten und dieser ging unerkannt zur Kirche hinaus . Erst acht Tage nach Ostern traf der auf diese Weise glücklich Entkommene wieder in Ruppin ein . Ein volles halbes Jahr war seit dem Kapitulationstage vergangen . « Der Rest der Gefangenen passierte den Rhein und wurde zum größten Teil in und um Nancy interniert . Andere sahen sich bis in die Pyrenäen geschleppt , und da keine Nachrichten von ihnen eintrafen , schuf ihr Schicksal Sorge und Ungewißheit in vielen Herzen . Auch äußere Not blieb nicht aus , namentlich im Kreise der Offiziersfrauen , für die man in jenen Unglücksjahren weder Pensionen noch Unterstützungen hatte . Denn nicht einer jeden ward eine so wunderbare Hilfe zuteil , wie der Frau von der Recke , von der uns Heydemann erzählt . Der Gatte dieser , der sein Ehrenwort zu geben verweigert hatte , war gefangen auf eine der atlantischen Inseln abgeführt worden , und Frau von der Recke glaubte , daß er gefallen sei . Nur sein Handkoffer kam wie durch Zufall in ihre Hände ; sie wagte jedoch nicht , ihn zu öffnen , weil sie nur Schmerz und Aufregung davon befürchtete . Ganz zuletzt erst , in immer wachsender Not , entschloß sie sich dazu , mutmaßlich um den Inhalt des Koffers zu Gelde zu machen . Aber welch Erstaunen , als sie , sorglich zwischen die Wäsche gepackt , 50 Friedrichsd ' or entdeckte , die Herr von der Recke von seinem Ersparten da hineinlegt hatte . Das half über die Not vieler Monate hinweg , und endlich traf auch ein Brief ein , der Auskunft über das Schicksal des schon Totgeglaubten gab . Anno 1809 erst kehrten die Gefangenen in ihre heimische Grafschaft zurück . Alle , die noch fähig waren , Waffen zu tragen , traten wieder ein ; aber es geschah in neugebildete Regimenter . Das Regiment Prinz Ferdinand war hinüber , und endlich schien selbst die Erinnerung daran erloschen . Da noch einmal wurde diese wieder wach . Es war im Mai 1866 , die Glocken gingen , und alle die , die ' s noch nicht wußten , erfuhren auf ihre Frage , daß die alte Frau von Hagen heute begraben werde . Sie war dreiundachtzig . Am 31. August 1806 war der Hauptmann von Hagen ( erst seit wenig Wochen vermählt ) mit dem Regimente Prinz Ferdinand ausgezogen , und hatte von seinem ersten Marschquartier Fehrbellin aus eine noch verspätet im Superintendentengarten blühende Rose als letzten Liebesgruß an seine Gattin geschickt . Seitdem kein Wort , keine Zeile mehr , denn Hauptmann von Hagen war mit unter denen , die den Tag von Auerstedt nicht überlebten und am Abend , still für immer , am Dorfrande von Hassenhausen lagen . Die Rose , sein einzig Vermächtnis , hatte ein treues Herz durchs Leben hin begleitet ; jetzt war auch dieses still , und über beiden wölbte sich das Grab . Das war die letzte Erinnerung an das Regiment Prinz Ferdinand . Regiment Mecklenburg-Schwerin Nr. 24 Regiment Mecklenburg-Schwerin Nr. 24 Sei ruhig , bin in Gottes Hut , Er liebt ein treu Soldatenblut . Das jetzige Ruppiner Regiment Nr. 24 , das während der Befreiungskriege den Namen : » 12. Reserve-Infanterie-Regiment « führte ( erst im Mai 1815 erhielt es die Nummer 24 ) , wurde während der Waffenstillstandswochen von 1813 aus drei Reservebataillonen errichtet , und zwar aus dem 4. Reservebataillon des Leib-Infanterieregiments , Major von Herrmann , 4. Reservebataillon des 2. Westpreuß . Infanterieregiments , Major von Laurens , 7. Reservebataillon , Major von Zepelin . In dieser Reihenfolge bildeten sie das 1. , 2. und 3. Bataillon des neuerrichteten Regiments , zu dessen Kommandeur der Major von der Goltz ernannt wurde . Das Regiment kam zum Yorkschen Korps , und zwar zur 8. Brigade Hünerbein , die sich aus dem brandenburgischen Infanterieregiment ( jetzt Grenadierregiment Nr. 12 ) , aus dem 14. schlesischen Landwehrregiment und unserem 12. Reserve-Infanterieregiment zusammensetzte . Am 3. August , Königs Geburtstag , wurden alle drei Bataillone zum ersten Male vereinigt und am 11. August fand am Zobtenberg eine große Parade vor König Friedrich Wilhelm III. und dem Kaiser von Rußland statt . Der spätere Oberstleutnant von Görschen , der als eben ernannter junger Offizier mit in der Parade stand , gibt davon folgende Schilderung : » Voll höchster Erwartung marschierten wir am Morgen des 11. nach dem Paradeplatze , wo wir das Antlitz unseres teuren Königs sehen und sein ermutigendes › Guten Morgen ‹ hören sollten . Die Truppen wurden aufgestellt , die Kavallerie im ersten , die Infanterie im zweiten Treffen ; unsere 8. Brigade am linken Flügel . Jetzt sah man links einen Wald von Federbüschen , und Offiziere , Unteroffiziere , Jäger und Soldaten , alles reckte sich auf den Zehen aus den Kolonnen empor . Der Wald nahte , das Kommando zum Präsentieren wurde gegeben , und aus voller Brust stimmte jeder in das Hurra ein . Noch immer folgten Federbüsche . › Hast Du ihn gesehen ? ‹ riefen die Nebenleute einander zu , und andere antworteten über die Glieder und Züge hinweg mit ja oder nein . Der Vorbeimarsch wurde nunmehr befohlen . Mit gespanntester Neugier , aber freilich auch mit desto geringerer Haltung und Richtung kamen wir vorüber . Ich selbst kehrte mich , als wir in der Nähe der beiden stattlichen Reiter waren , die einige Schritte vor der langen Reihe der zuschauenden russischen und preußischen Offiziere hielten , kurz nach meinem Zuge um , und rief den Jägern zu : » Das ist Er . « Und dann hörte ich , wie sie einander zuflüsterten : » Das ist Er , Er , der den Degen gezogen hat . In eigener Person hat er uns dem Kaiser vorgeführt . « Auf dem Rückmarsch nach dem Lager aber erscholl es überall : » Das war Er , Er hat das Schwert selbst gezogen ! Er führt uns selbst ; wie sollten wir da nicht siegen ! « Das 12. Reserve-Infanterieregiment 1813 Am 11. August Parade . Am 14. setzte sich die ganze schlesische Armee in Bewegung und rückte aus ihrem Lager bei Strehlen gegen den Bober vor . Nach Ablauf einer Woche begannen für unser Regiment die Gefechte : am 21. August bei Seifersdorf , am 23. bei Goldberg , am 26. Schlacht an der Katzbach . Bei diesem ersten größeren Engagement verweilen wir in der Kürze . Die Schlacht an der Katzbach Es kann uns nicht obliegen , eine Schilderung dieser Schlacht überhaupt zu geben , nur das Nötigste finde hier Erwähnung , wobei uns eine Lokalkenntnis zustatten kommt , die wir uns neuerdings ( 1872 ) verschaffen konnten . Das Terrain , auf dem die Schlacht geschlagen wurde , liegt südlich von Liegnitz . Es ist ein nach Süden hin steil abfallendes Plateau , das an eben dieser Stelle von der wütenden Neiße , nach Westen hin aber von der Katzbach begrenzt und umfaßt wird . An der Südwestecke , wo die von Ost nach West fließende wütende Neiße in die von Süd nach Nord fließende Katzbach einmündet , biegt letztere kurz vor dem Einmündungspunkte jener ( der Neiße ) auf zweitausend Schritt östlich aus und schafft dadurch auf der entsprechenden Strecke einen Wasserdoppellauf . Katzbach und Neiße , sonst in rechtwinkliger Stellung zu einander , laufen hier auf eine kurze Strecke hin parallel und haben nichts als einen schmalen Wiesen- und Weidegrund zwischen sich . Dieser Umstand wurde für die Franzosen besonders verderblich ; General Sacken warf das Neysche Korps in die Katzbach , General York das Macdonaldsche Korps in die Neiße , und zwar speziell da , wo beide Flüsse nebeneinander laufen , weshalb denn auch das Macdonaldsche Korps die größeren Verluste hatte . Im ganzen kann man das Terrain , auf dem die Schlacht unsererseits angenommen wurde , nur mit tiefem Mißtrauen betrachten und muß das Kopfschütteln Yorks noch nachträglich gerechtfertigt finden . Nur wenn wir guten Grund hatten , uns überlegen zu fühlen , hatten wir auch guten Grund , dem Gegner auf so diffizilem Terrain eine Schlacht zu bieten . Aber an solchen » gutem Grunde « gebrach es durchaus . Man stand drei Korps gegen drei , und bei gleicher Zahl hatten die Franzosen damals die Chancen für sich . In der Tat schwankte die Schlacht mehr als einmal , und bei besserer Führung des Feindes hätte uns sehr wohl das Los zufallen können , den Plateauabhang hinunter und in die Katzbach und Neiße hineingeworfen zu werden . » Alles Glück , nichts als Glück « raisonnierte der alte York . Und er hatte recht . Die Schlacht verlief wie folgt . Sacken hatte den rechten , Langeron den linken Flügel ; York schob sich zwischen beide . Langeron , in der Tiefe haltend , führte beinah ein selbständiges , übrigens keineswegs allzu glückliches Gefecht . Die Entscheidung erfolgte auf dem Plateau , auf dem York und Sacken standen , York links , Sacken rechts , mit Front gegen Westen . In eben dieser Front floß die Katzbach , in der linken Flanke die Neiße . Die Aufstellung des Yorkschen Korps war die , daß die Brigaden Hünerbein und Horn das erste Treffen bildeten , Brigade Herzog Karl von Mecklenburg das zweite , Brigade Steinmetz in Reserve . Brigade Hünerbein hatte den linken Flügel und lehnte mithin an den Abhang , zu dessen Füßen die Neiße fließt . An der Tete der Brigade standen die Bataillone Laurens , Zepelin und Othegraven , jene von unserem , dieses vom brandenburgischen ( jetzigem 12. ) Infanterieregiment . An dieser Stelle begann der Kampf . Drei feindliche Bataillone mit vier Geschützen in der Front anvancierten . Das kupierte Terrain führte zu einer momentanen Teilung , und eins der Bataillone betrat bereits das Plateau , während die beiden anderen noch auf der Schrägung des Abhanges marschierten . Zwischen diesen beiden die vier Geschütze . Jetzt Halt ! und Karree . Wir standen einander auf wenige hundert Schritt gegenüber . Hier ( deployiert ) Brigade Hünerbein , dort die drei , ebenso viele Vierecke bildenden französischen Bataillone . Das Bataillon Othegraven warf sich mit Hurra auf das einzelne , schon auf dem Plateau haltende Bataillon und schlug es mit dem Kolben zusammen . In zehn Minuten lag alles tot am Boden . Unsere am äußersten linken Flügel aufgestellten Bataillone von Laurens und von Zepelin aber stürzten sich gleichzeitig 45 auf die noch am Abhange marschierenden zwei französischen Karrees , und trieben alles , was nicht dem Kolben und Bajonett erlag , die Schrägung hinunter , in die wütende Neiße hinein . Auch die vier Geschütze wurden genommen . So wurde durch die Brigade Hünerbein und zwar ganz speziell durch die Bataillone von Othegraven , von Laurens und von Zepelin die Schlacht glänzend eröffnet . Was nun folgte : Kavallerieattacke des Obersten von Jürgaß , dann Aufnahme der zurückgehenden Reiterei durch die Brigade Herzog Karl von Mecklenburg , schließlich das Vorrücken der ganzen Linie , rechts Sacken , links York , gegen das verzettelt auf dem Plateau stehende Macdonaldsche Korps , sind Momente , die jenseits unserer Aufgabe liegen . Die Brigade Hünerbein , und mit ihr unser Regiment , nahm an diesen Hergängen keinen Teil mehr , und hatte nur noch Verluste durch eine von hüben und drüben fortgesetzte Kanonade . Regimentskommandeur Major von der Goltz fiel . Er hielt in Front unseres ersten Bataillons , als ihm sein Adjutant bemerkte , daß es wohl das Geratenste sein dürfte , den gefährlichen Standpunkt aufzugeben . Von der Goltz aber erwiderte : » An meinem Beispiel hängt alles . « In demselben Augenblicke traf ihn das Sprengstück einer Granate und warf ihn tot vom Pferde . Der Gesamtverlust des Regiments an diesem Tage betrug 213 Mann . Im Vergleich zu den opferreichen Kämpfen , die noch bevorstanden , eine geringe Zahl . Major von Laurens übernahm das Kommando . Auch bei der Katzbachschlacht wiederum zeigte es sich , wie schwer es ist , über den Gang eines Gefechts etwas Sicheres in Erfahrung zu bringen . Es liegen mir vier Beschreibungen 46 vor , die zum Teil in den wichtigsten Punkten abweichen ! Wie die Brigaden untereinander und dann wieder wie die Bataillone jeder einzelnen Brigade gestanden haben , darüber herrscht Widerspruch . Einige lassen das Neysche Korps eine Rolle spielen , nach anderen erschien es so gut wie gar nicht . Ein Bericht spricht von vier Geschützen beim ersten französischen Angriff , ein anderer von drei Batterien . Am meisten Übereinstimmung herrscht noch in betreff unserer Brigade Hünerbein , ganz speziell auch darüber , daß es das Bataillon Othegraven und » zwei andere Bataillone « ( nach Zychlinski die unseren ) waren , die die Schlacht glänzend einleiteten . Der Schlacht an der Katzbach folgte als nächstes wichtiges Ereignis der Elbübergang bei Wartenburg am 3. Oktober . Dazwischen lag eine Anzahl von Gefechten , die zum Teil blutiger verliefen als der Katzbachtag . Es waren : am 4. September Gefecht bei Hochkirch , am 15. bei Langen-Wolmsdorf , am 20. bei Groß-Harthau , am 21. bei Bischofswerda . Namentlich das erstgenannte ( Hochkirch ) legte dem 3. Bataillon , das hier seitens unseres Regiments allein in Aktion trat , große Opfer auf . Es verlor von 479 Mann 108 . Unter den Gefallenen war der Kommandeur Major von Zepelin . Den Elbübergang machte unser Regiment mit , ohne in das Gefecht selbst mit verwickelt zu werden . So schritt man auf Leipzig zu , dem blutigen Tage von Möckern entgegen . Die Schlacht bei Möckern , 16. Oktober Napoleon , von dem Heranrücken der schlesischen Armee unterrichtet , stellte derselben das 6. Korps unter Marmont entgegen . Marmont lehnte seinen linken Flügel an Möckern und die Elster , den rechten an den Rietschkebach bei Eutritzsch . Der linke Flügel war der strategisch wichtigere , weil er die nächste Straße nach Leipzig deckte . Um Dorf Möckern und die hart daneben gelegene Höhenposition drehte sich denn auch recht eigentlich der Kampf . Hier setzte das Yorksche Korps seine beste Kraft ein , speziell auch unser Regiment . Das 2. Bataillon focht in der Avantgarde , und war unter den Truppen , die Dorf Möckern nahmen und behaupteten . Das 1. und 3. Bataillon aber richteten , wie das Gros des Korps überhaupt , ihre Angriffe gegen die östlich vom Dorf gelegene Höhe von Möckern . Über beide Kämpfe ein kurzes Wort . Das 2. Bataillon im Dorfe Möckern Alle Häuser und Scheunen waren verrammelt und mit Schießscharten versehen ; die Tirailleurs prallten ab . Jetzt wurden unsererseits vier Bataillone zum Angriff vorgezogen . Unser 2. Bataillon und ein Landwehrbataillon hatten die Tete . Der Feind , sechs Bataillone stark , stand hinter den Ziegelscheunen des Dorfes . Trotzdem avancierten die Unsern bis auf hundertundfünfzig Schritt und wechselten Bataillonssalven mit dem Gegner . Nunmehr ging dieser zum Angriff über und unser 2. Bataillon mußte zurück . Inzwischen aber waren die Bataillone der zweiten Linie nachgerückt , und mit diesen vereint gingen wir aufs neue gegen Möckern vor . Das Dorf wurde mit dem Bajonett genommen , verloren und wieder genommen . Ein Häuserkampf folgte . Chaotisches Getümmel . Alle Bataillone , die hier vorgegangen waren , fochten aufgelöst durcheinander . Das 1. und 3. Bataillon gegen die Höhe von Möckern Gegen die östlich vom Dorf gelegene Höhe von Möckern waren inzwischen die Brigaden Steinmetz und Karl von Mecklenburg avanciert . Die Bataillone fielen rottenweise . Jetzt erging Befehl auch an die Brigaden Horn und Hünerbein , sich von Lindenthal aus ( das sie vorher besetzt hatten ) rechts zu schieben und bei Wegnahme der Höhe von Möckern mit einzugreifen . Eine allgemeine Begeisterung ergriff die Gemüter ; Generale , Offiziere , Soldaten , alle waren von dem Gedanken beseelt , daß hier nur zwischen Sieg und Tod zu wählen sei . Unser 1. Bataillon drängte mit anderen aus der zweiten in die erste Linie vor , die feindliche Stellung wurde durchbrochen und Viereck auf Viereck niedergemacht . Leutnant und Adjutant des 3. Bataillons von Johnston 47 zeichnete sich hierbei durch glänzende Bravour aus , und Leutnant Goßler vom 1. Bataillon folgte , wiewohl verwundet , mit seiner Schützenabteilung dem weichenden Feinde . Diesem jungen Offizier – später Oberst und Kommandant von Schweidnitz – verdanken wir eine glänzende Schilderung des Tages von Möckern , soweit unser Regiment in Betracht kommt . » Die Reveille am 16. Oktober brachte uns die Gewißheit , daß es heute zur Schlacht kommen werde . Es war ein feierlicher Morgen . Gewehr und Munition wurden nachgesehen und letztere kriegsmäßig ergänzt . Jeder brachte sein Bindezeug in Ordnung , und alles Überflüssige ( namentlich Karten ) wurde fortgeworfen . Es war schon voller Tag , als das Korps gegen Leipzig aufbrach ; wir hatten vollständig abgekocht . Die Gewehre wurden beim Antreten geladen . Anfänglich bewegten wir uns in der gewöhnlichen Marschordnung ; als es aber das Terrain neben der großen Straße zu gestatten begann , formierten wir Angriffskolonne , was unser Vorgehen gegen die Höhen von Möckern beschleunigte . Bald gerieten wir in ein heftiges Granatfeuer , avancierten aber bis zu einer Terrainfalte , wo wir vor den feindlichen Wurfgeschossen einigen Schutz fanden , und während eines kurzen Haltens Atem schöpfen und unsere schon etwas gelichteten Rotten wieder voll machen konnten . Eine Kanonenkugel schlug hier in unser 1. Bataillon und tötete den Sekondeleutnant Knopki , mit dem ich mich kurz vorher wegen seines reglementswidrigen Platzes in der Kolonne gestritten hatte . Er usurpierte den Platz , der mir zukam , und wurde dafür statt meiner mit dem Tode bestraft . Ich habe mich darüber lange nicht beruhigen können . Als für uns der Moment zum ersten Bajonettangriff gekommen war , stiegen unsere Stabsoffiziere vom Pferde , und nun hörte eigentlich alles Kommando auf . Wir hatten die junge französische Garde samt einem Marinebataillon unter Marmont gegen uns , und im weiteren Vordringen , unter unbarmherzigem Kleingewehr- und Kartäschtfeuer , waren wir ihren Kolonnen häufig ganz nah auf den Leib gerückt . Sie wichen in größter Ordnung zurück , immer nur um wieder Front zu machen . So standen die Dinge , als plötzlich eines der diesseitigen , übrigens nicht unserem Regimente zugehörigen Bataillone kehrtmachte , wodurch die Nachbarbataillone mit zurückgerissen wurden . Die Intervallen gingen verloren , die Treffen vermischten sich , und war dies ein für die Offiziere aller Grade verzweiflungsvoller Augenblick . Da half kein Befehlen und Bitten , auch nicht , daß scharf drunter gefuchtelt wurde . Ich meinerseits ließ mich in meiner jugendlichen Ekstase zu einem Fußfall verleiten . Erfolgloses Bemühen ! Einem sechzehnjährigen Tambour unseres 1. Bataillons war es endlich vorbehalten , die Ordnung wieder herzustellen . Er sprang aus dem verworrenen Knäuel heraus und schlug , ganz allein vorgehend und aus Leibeskräften , mit einem Trommelstocke den Sturmmarsch . Das half ! Unser Bataillon machte Front und das verlorene Terrain ward um so leichter wiedergewonnen , als der Feind , in Befürchtung eines diesseitigen Kavallerieangriffs , überhaupt gar nicht gefolgt war . Major von Othegraven vom brandenburgischen Infanterieregiment ( jetzt Nr. 12 ) hat diese Handlung des Tambours , unmittelbar nach der Schlacht , als Zeuge zur Sprache gebracht . Der Lohn des Tapferen war das Eiserne Kreuz . Seinen Namen habe ich vergessen , aber er selbst lebt in meiner Erinnerung als ein Hauptheld des Tages fort . Mit dem Dunkelwerden war auf dieser Seite von Leipzig der Sieg erfochten und General von Horn ließ das Leibregiment einen großen Kreis schließen und einige Hautboisten : Nun danket alle Gott ! blasen . Da die Brigaden ganz nahe beieinander standen und die Gewehre zusammengesetzt hatten , während es bei den Vortruppen immer noch knallte , so drängte sich alles zusammen , und ich werde den ungeheuren Eindruck nie vergessen , den es auf die Herzen aller Anwesenden hervorbrachte , als der General , nachdem das Lied verklungen war , sich mit uns allen auf die Knie warf und entblößten Hauptes ein lautloses Gebet verrichtete . Das war ein freiwilliger Gottesdienst ! Nachdem die Biwaks für die Nacht bezogen waren , wurde Appell gehalten – ein trauriger Appell ! Wir hatten wohl zwei Drittel unserer Leute eingebüßt . Unser vortrefflicher Regimentskommandeur , Major von Laurens , war , an der rechten Hand schwer verwundet , zurückgebracht worden . Major von Pfindel , ein lustiger mitten in der Schlacht singender Stabsoffizier , war zum Tode getroffen und starb bald nachher in Halle . Am Biwaksfeuer wurde verzehrt , was jeder bei sich führte . Dann ruhte ich ungestört bis zur Reveille , wobei mir und einem anderen Kameraden der halbnackte Leichnam eines französischen Offiziers als Kopfkissen diente . Der Morgen des 17. Oktober war regnicht und kalt . Jeder Lebende und Gesunde freute sich aber dankend seines Daseins , und das Frühstück – schwarzer Kaffee mit Rum – mundete herrlich . Das halb verschimmelte Kommißbrot schmeckte wie Marzipan . Der alte Hünerbein ging mit uns auf dem nahegelegenen Schlachtfeldterrain umher und wendete mit seinem Krückstock die schon ihrer Kleider beraubten Leichen von Freund und Feind um , wenn sie , wie gewöhnlich , auf dem Bauche lagen und mit ihren Zähnen ins Gras gebissen hatten . Und hier war es auch , wo wir die erschütternde Szene erlebten , daß unser Premierleutnant von Kessel seinen getöteten Bruder vom brandenburgischen Regiment erkannte und ihn durch Soldaten unseres I. Bataillons in ein Grab verscharren ließ . « So Oberst Goßler über den » Tag von Möckern « , den er als junger Offizier mitgemacht hatte . Die Verluste waren enorm , selbst die von Vionville und St. Privat verschwinden daneben . Sie stellten sich , wie folgt : 1. Bataillon , 415 Mann stark , verlor 235 ; 2. Bataillon , 513 Mann stark , verlor 387 ; 3. Bataillon , 389 Mann stark , verlor 136 . Gesamtverlust , einschließlich von 15 freiwilligen Jägern , 773 Mann . Dazu 12 Offiziere . Major von Laurens ( schwer verwundet ) erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse . Nur 559 Mann stark zog unser Regiment dem Rheine zu . Es wuchs aber unterwegs . Das 12. Reserve-Infanterieregiment 1814 Der Rheinübergang in der Nacht zum 1. Januar In der Silvesternacht , scharf auf der Scheide der beiden verhängnisvollen Jahre , traf in den Kantonnements der Befehl ein , in aller Stille nach Caub aufzubrechen . Der Rheinübergang stand also nahe bevor . Die Brigade Hünerbein , der man zur Entschädigung für Wartenburg den Vortritt lassen wollte , sammelte sich und trat in geschlossenen Kolonnen zusammen . Mit und in ihr unser Regiment . Es war sternenklar und scharfer Frost ; man hörte das Rollen der Diligence , die nach Koblenz hinabfuhr , das Plätschern von Rheinkähnen , die von Lorchhausen und Lorch herangerudert wurden , das Geräusch des beginnenden Brückenbaues , das Auffahren einer zwölfpfündigen Batterie . Drüben blieb alles still und schien entweder ahnungslos oder aber auf Hinterlist zu sinnen . Endlich – die Spannung war aufs höchste gestiegen – begann von 2 1 / 2 Uhr ab die Einschiffung der Avantgardeninfanterie auf den herbeigeschafften Kähnen . Den Übergang eröffneten 200 Füsiliere des Brandenburgischen Infanterieregiments , demnächst folgte unser 2. Bataillon , diesem der Rest der Brigade . Das Licht im Douanenhäuschen jenseits brannte . Die Überfahrt währte eine Viertelstunde . Alles blieb still , bis man das verbotswidrige Hurra hörte , mit welchem die Brandenburgischen Füsiliere das linke Rheinufer begrüßten . Gleich darauf fielen die ersten Schüsse aus dem Douanenhäuschen . Während die Füsiliere ein unbedeutendes Tirailleurgefecht zu bestehen hatten , landete auch unser 2. Bataillon , 271 Köpfe stark . Major Graf Brandenburg dirigierte die 6. und 7. Kompanie unter Führung des Hauptmanns Wiegand auf die große Straße nach Bacharach , die 5. und 8. Kompanie unter Kommando des Majors von Blücher aber seitwärts auf die Straße nach Oberwesel , von woher feindliche Detachements herbeigeeilt waren . Die Felsecke auf der Chaussee zwischen dem Douanenhäuschen und Bacharach war das Ziel , welches der Feind mehrere Male mit Nachdruck zu erreichen und zu halten suchte . Selbst Geschütze fuhren auf . Unser 2. Bataillon , dem eine Kompanie des 3. als Soutien nachgesandt wurde , verjagte den in der Verzweiflung kühnen Gegner , nahm Bacharach und setzte sich darin fest , bis es nach einigen Stunden Befehl erhielt , über Steeg nach dem Dorfe Rheinböllen zu marschieren . Als der Feind Bacharach geräumt hatte , erstiegen unser erstes und drittes sowie das erste Bataillon des Brandenburgischen Regiments den Talrand und besetzten das Dorf Henschhausen , wo demnächst die ganze Brigade sich sammelte . Das Ersteigen der Höhen war umso beschwerlicher , als der Morgen inzwischen Glatteis gebracht hatte . Dies veranlaßte ein häufiges Ausgleiten , welches denn auch nicht ohne Folgen blieb : der interimistische Regimentskommandeur Major von Herrmann beschädigte sich durch einen unglücklichen Sturz vom Felsen so sehr , daß er zurückbleiben und später wegen Invalidität seine Verabschiedung nachsuchen mußte . Der Marsch der Brigade ging nun zunächst auf Saarbrücken , das am 7. Januar erreicht wurde , dann ins Lothringische hinein . Am 11. stand man bei St. Avold , am 18. aber überschritt man bei Pont à Mousson die Mosel und wurde den zur Einschließung von Metz bestimmten Truppen vorläufig zugeteilt . Das 1. Bataillon kam nach Moulins-les-Metz und Longeville , das 2. und 3. Bataillon in der Nähe von Plappeville , Namen , die seitdem wieder in unserem Ohr und Herzen lebendig geworden sind . Der Aufenthalt vor Metz dauerte nur kurze Zeit , schon am 26. trafen russische Truppen als Ablösung ein . » Die Unseren wurden dadurch von einem Dienst befreit , der , infolge naßkalter Witterung und von Biwaks im halbgeschmolzenen Schnee , zahlreiche Verluste herbeigeführt hatte . « Aufgabe war gewesen , das formidable Metz womöglich einzunehmen , was beim Yorkschen Korps , das bekanntlich eine schonungslose Kritik gegen alle Anordnungen des Blücherschen Hauptquartiers übte , vielleicht nicht ohne Grund die » Champagner-Disposition « genannt wurde . Am 26. Januar brachen unsere Bataillone auf und marschierten auf St. Mihiel . Von dort aus auf Commerzy , Ligny , St. Dizier , Vitry , also hart an der jetzigen Straßburg-Pariser Eisenbahnlinie hin . Am 3. Februar standen die Brigaden des Yorkschen Korps vor Vitry . Am folgenden Tage wurde die Bewegung auf Chalons sur Marne fortgesetzt . Die 8. Brigade langte gegen Mittag vor der Festung an , und schon sollte zum Sturm geschritten werden , als General York von jedem Vorgehen derart Abstand nahm und die Stadt mit Granaten zu bewerfen begann . Bald sah man Feuer aufgehen . Einige Zeit später ließ sich eine von einem französischen Offizier begleitete Deputation der Bürgerschaft melden , welche der General von York auch empfing . Alles harrte neugierig des Ausganges der Unterredung . Endlich kam es zur Kapitulation und speziell unsere Brigade , die jetzt vom Prinzen Wilhelm geführt wurde 48 , rückte tags darauf in die Reimser Vorstadt ein , wo man ( wie am Abend vorher in der Vorstadt St. Mihiel ) volle Champagnerkeller fand und die schäumende Flüssigkeit , die man für Weißbier hielt , gierig hinunterstürzte . Die Folgen blieben nicht aus , und unter einem wilden Gejauchze drang man endlich in die Stadt selber ein . Am 6. Februar sollte der Marsch in der Richtung auf Montmirail fortgesetzt werden . Die 8. Brigade blieb in Chalons . Mit ihr unser Regiment . Hier sollte nunmehr dem Champagnerrausch eine sehr unangenehme Ernüchterung folgen ; General von York ließ nämlich um zehn Uhr vormittags Generalmarsch schlagen und die Truppen bis nach eingetretener Dunkelheit beim ärgsten Regen unter dem Gewehr stehen . Mitte Februar war die ganze Blüchersche Armee im » Lager von Chalons « vereinigt ; sie zählte jetzt , nachdem auch General von Bülow eingetroffen war , vier Korps . Am 18. brach man auf . Es ging auf Paris . Unter Gefechten wurde Laon erreicht . Am 9. März früh nahmen die Korps der Blücherschen Armee die durch das Terrain gebotene Aufstellung , das Yorksche Korps in zwei Treffen . Man hörte die Schlacht auf dem rechten Flügel , dem Yorkschen Korps gegenüber aber zeigte sich kein Feind . Endlich nachmittags vier Uhr erschien Marschall Marmont auf der Straße von Reims . Die Batterien begannen ihr Spiel und gegen Abend kam Befehl zum Angriff . Prinz Wilhelm , der jetzt eine Division führte , ging im Sturmschritt gegen das brennende Dorf Athies vor , das Bataillon Borcke mit seinen Schützen in der Front . Es ward immer finsterer ; nur das flammende Athies , die auflodernden Biwakfeuer , die brennenden Lunten bei den in Position gebliebenen feindlichen Kanonen und die Sterne leuchteten . Unser Bataillon Blücher folgte links dem Bataillon Borcke ; beide drangen in die nordwestliche Ecke des Dorfes ein , stießen erst auf Tirailleure , dann auf Massen . Kein Schuß fiel , aber unter Trommelschall und Hurraruf stürzte man auf den Feind . Rechts weithin , immer ferner und ferner , antworteten andere Bataillone des Prinzen sowie der Division Horn und des Kleistschen Korps im wilden Echo . Der überraschte Feind floh im wilden Durcheinander . Man fand neben den eingestürzten Balken der brennenden Häuser die kurz zuvor erst aufgesetzten Feldkessel . Einzelne Abteilungen suchten sich hinter Hecken und Gartenmauern zu retten und schossen aus ihren Verstecken hervor . Aber zu ihrem Unheil . Sie wurden aufgespürt und über den Haufen gerannt . Der Mond ging auf und goß seine Streiflichter , gemischt mit denen des brennenden Dorfes , auf ein kurzes aber wildes Handgemenge ; der fliehende Feind , seines Weges unkundig , war ohne Wissen und Wollen in unsere Bataillone hineingeraten . Eine Meile weit ging die Verfolgung . Nach diesem Tage ( 9. März ) hatte man auf ein rasches Vorwärts gerechnet . Aber es unterblieb und man ging bis in das Biwak bei Athies zurück . Erst am 18. kam wieder Bewegung in