Eine Française ließ er aus und betrachtete das hübsche Bild als Zuschauer . Schratt suchte ihn auf . » Na , Sie Tausendsassa ! Unterhalten Sie sich gut ? « » Es ist wundervoll . Wie gefällt es Ihnen ? « » Geht so . Herr Sporner wird allmählich gesprächig . Wir sind jetzt bei der Teestaude . « » Hat er etwas von mir gesagt ? « » Von Ihnen ? Nein . « » Haben Sie ... ? « » Ich ? Auch nicht . « » Ich meine , ob Sie ... « » Ob ich Ihr Loblied gesungen habe ? Das hätte doch ein bißchen verdächtig ausgesehen , Verehrtester . Sie wissen , daß die Absicht verstimmt , wenn man sie merkt . « » Das habe ich nicht fragen wollen . Sondern , ob Herr Sporner es nicht sonderbar findet , daß ich hier bin ? « » Er ? Der Herr Michael Sporner ? « » Oder seine Frau ? « » Die Frage ist eher berechtigt . Ich habe übrigens nicht bemerkt , daß sie Ihre Anwesenheit mißbilligt . Vielleicht denkt sie , der junge Mann will die Welt sehen , bevor er sich von ihr abkehrt . « » Hat sie darüber gesprochen ? « » Nein . « » Oder Andeutungen gemacht ? « » Auch nicht . Sie wollen offenbar herauskriegen , was an unserem Tische geredet wurde . Ich sage Ihnen ja , wir sind jetzt bei der Teestaude . « » Was werden sie von mir denken , wenn sie das erfahren ? « » Daß Sie der Gottesgelahrtheit den Rücken kehren ? « » Ja . Am Ende glauben sie , daß ich aus Vergnügungssucht weggehe ? « » Hm . Ich kann Ihnen nicht verschweigen , daß Sie merkwürdig viel Talent verraten für das Treiben dieser Welt . Ich habe Sie beobachtet . Ich bin paff . « » Im Ernst , Herr Schratt , glauben Sie , daß man mir das übel auslegen kann , daß ich den Ball besucht habe ? « » Man ? Wer ' man ' ? Ich glaube , daß Fräulein Traudel deshalb nicht an Ihrem Charakter verzweifelt , auch Herr Michael Sporner scheint eine milde Auffassung zu hegen , und Madame Sophie ... « » Die wird mich für leichtfertig halten . « » Und Madame Sophie ist eine sehr kluge Frau ; sie hat mehr Verstand als mancher weise Mann . Das kann Ihnen einmal nützen in ernsteren Dingen und wird Ihnen nicht schaden , wo es sich um solche Kleinigkeiten handelt . « » Sie glauben ... ? « » Heute gar nichts , Sylvester . Ich wollte nur sagen , daß Frau Sophie zu den Menschen gehört , deren Achtung man sich durch Tüchtigkeit verdienen kann . Das liegt für Sie in weiter Ferne , aber daß es möglich ist , bedeutet auch etwas . Jetzt wollen wir dem Tanze zusehen . « Sylvester war nachdenklich geworden . Er blickte zerstreut in den Saal . Merkle kommandierte : » La main droite ! La main gauche ! Balancez en ligne ! « » Zu meiner Zeit hat man das noch getanzt , « sagte Schratt ; » die jungen Leute gehen ja nur . Wer ist denn der lange Sohn Enaks dort vorne ? Wenn der nur das Mädchen nicht tot tritt ! « » Das ist der Hufnagel . « » Der Philologe ? Das hätte ich ahnen können . Die Herren haben sich seit meiner Zeit nicht verändert . « Nach dem Kotillon erklärte Frau Sporner , daß man den Heimweg antrete . Schratt und Sylvester schlossen sich an . Als sie im Freien waren , erbarmte sich der alte Herr über seinen Freund und sagte , in dieser milden Februarnacht wolle er noch ein wenig spazieren gehen und die Familie begleiten . Er rundete seinen Arm und bot ihn der Madame Sophie an ; zu ihrer Rechten ging Herr Michael . Traudel und Sylvester schritten voran . » Ich werde immer an den Abend denken , « sagte Sylvester . » Ja , es war sehr hübsch . « » Das ist jetzt vorbei . Wer weiß , wann ich wieder einmal ... « Er sprach den Satz nicht aus und seufzte . Er hatte sich vorgenommen , dem Mädchen zu sagen , welche Pläne er für die Zukunft gefaßt habe . Er wollte ihr sagen , daß er nicht Geistlicher werde . Während des Kotillons wollte er dieses Geständnis machen . Da war eine günstige Gelegenheit . Aber Traudel plauderte so lustig , und da wollte er nicht mit ernsten Dingen kommen . Nach dem Tanze vielleicht . Es ging wieder nicht . » Also auf dem Heimwege , « dachte er . Und jetzt ging er wieder neben dem Mädchen und fand wieder nicht den Mut . Der Weg war sehr kurz . Wenn sie um das Eck bogen , kamen sie schon in die Rosengasse . Er sah nach den Hausnummern . 38. Wenn sie bei 34 waren , wollte er reden . Aber da kam 34 und kam 30 , und er brachte es noch nicht heraus . Nun merkte er , daß er die ganze Zeit stumm geblieben war . Und da vorne kam schon das Eck . » Fräulein Gertraud ... « » Ja . « » Wenn Sie etwas von mir hören , werden Sie deswegen nichts Schlechtes von mir denken ? « » Was soll ich von Ihnen hören ? « » Ich will ... , ich glaube nicht , daß ich Geistlicher werde . « Jetzt war es heraus . Sylvester atmete erleichtert auf . Er sah schüchtern zu Gertraud hinüber , aber sie begegnete seinem Blicke nicht , und da ihr Kopf mit einem Tuche verhüllt war , und da es ziemlich dunkel war , konnte er nicht sehen , daß sie bis unter die Haarwurzeln errötete . Sylvester redete wieder ; er war jetzt schon im Zuge . » Sie werden nicht schlecht von mir denken ? « » Nein . Ich denke nie schlecht von Ihnen . « » Ich habe mich nicht leicht entschlossen , aber ich kann nicht dabei bleiben . « » Dann dürfen Sie auch nicht . « Sie sah ihn offen an ; in ihren braunen Augen lag ein fester Ernst . Als wollte sie ihm sagen , daß er die Kraft haben müsse , das zu einem rechten Ende zu führen , was er sich vorgesetzt hatte . Sie sprachen nichts mehr . Nach wenigen Schritten standen sie vor dem Hause ; Schratt kam mit den Eltern nach , und Sylvester verabschiedete sich von ihnen . Schüttelte auch dem Fräulein die Hand , und sah ihm nach und sah auf die Türe , welche langsam ins Schloß fiel . Sechzehntes Kapitel Ein warmer März . Wenn ein Erlbacher den Pflug über die Weblinger Höhe hinaufführte , zog er unterwegs den Janker aus und fuhr sich über die Stirne . Dann blähten sich die Hemdärmel im Winde und hoben sich lustig vom blauen Himmel ab . Die weißen Birken am Waldrande streckten sich der Sonne entgegen , und alle Wiesen waren gelb von Schlüsselblumen . Und große , rote Flecken waren über die Ackerschollen verstreut . Wer gute Augen hatte , konnte sehen , daß es die Kopftücher der Weiber waren , welche am Boden knieten und Kartoffeln einsetzten . Fröhlichkeit lag in der Luft . An der Pflugwende rastete jeder und schrie zum Nachbarn hinüber und lobte den Tag und das Wetter . Es mache warm von oben und unten ; da müsse der Samen keimen , daß es eine Freude sei . Auch im Dorfe waren fleißige Hände tätig . In den Gärten machten sich die alten Leute zu schaffen , legten Beete an und setzten Pflanzen ein , denn eine gute Regel sagt : Sankt Benedikt macht die Zwiebeln dick . Die Kloiberin weißte ihre Küche aus , beim Weßbrunner strich der alte Vater die Fensterläden an , und der Geitner hatte zwei Maurer eingestellt , die ihm das Haus sauber herrichten mußten . Denn er wollte , daß eine solche Arbeit richtig gemacht werde . Wieder vor anderen Häusern hingen die Weiber Wäsche auf oder putzten die Fenster . Die Alten , welche nicht nützlich sein konnten , setzten sich ins Freie und schauten blinzelnd in die Sonne . Auch die Kranken , die sich in der Luft kräftigen wollten . Unter ihnen war die Veronika Mang . Ihr altes Leiden hatte sich wieder eingestellt , und ärger wie früher . Sonst waren ihr die Füße angeschwollen , heuer griff ihr die Krankheit ans Herz , und sie hatte böse Atemnot . Die Weberin wartete ihr auf und rühmte bei allen Leuten die Geduld , mit der die Mangin ihre Schmerzen trug . Sie erlaubte nicht , daß man ihrem Sohne Mitteilung machte . » Wenn ' s wieder besser werd , « sagte sie , » nacha hätt ' er si umasinscht kümmert , und werd ' s schlechter , nacha sag ' i ' s scho , wenn ' s Zeit is . « Die Weberin meinte , es werde nicht besser , denn die Mangin hätte sich ganz verändert . Sie sei nachdenklich geworden und rede oft mit sich selber , aber ganz still , daß man die Worte nicht verstand , und ganz demütig sei sie ; gar nicht mehr resch wie früher . Das sei aber ein schlechtes Zeichen , wenn sich kranke Leute so ändern . Die Bäcker Ulrich Marie sagte , sie wisse gut , warum die Mangin trübsinnig sei . Der hochwürdige Herr Kooperator habe es ihr gesagt . Nämlich , daß der Sylvester Mang das geistliche Studieren aufgeben wolle , noch vor er die Weihen kriege . Sie habe sich ' s schon lange gedacht , sagte die Bäcker Ulrich Marie , denn groß sei der Eifer beim jungen Mang nie gewesen . Wenn er daheim war , sei er selten unter der Woche in die Kirche gegangen , und mit dem hochwürdigen Herrn Kooperator habe er wenig Verkehr gehabt . Bloß beim verstorbenen Pfarrer sei er den ganzen Tag gewesen ; ob er bei dem das beste Christentum gesehen habe , möchte sie nicht behaupten . Und von dem Unglück sei die Mangin krank geworden . Die habe sich immer dick gemacht mit ihrem geistlichen Herrn Sohn und habe herumgeschrien , wie schön sie es noch einmal kriege , und habe schon getan , als wenn sie die Frau Pfarrermutter wäre . Jetzt sei alles nichts , und der Vetter in Pasenbach würde die Hand abziehen vom Sylvester . So redete die Bäcker Ulrich Marie , und die Weiber schauten mitleidig über den Gartenzaun hinüber nach der Mangin , die fröstelnd in der warmen Sonne saß . » Es ist ein Kreuz auf der Welt , « sagte die Bäcker Ulrich Marie . » Überhaupts , wo man hinschaut . « Ob es die Zwergerin schon gehört habe von dem Vöst seiner Ursula ? Vorgestern habe sie das Kind gekriegt , und heute sei es noch nicht getauft . Und der hochwürdige Herr Kooperator habe gesagt , der Vöst lasse es überhaupt nicht taufen , weil er einen abscheulichen Haß gegen das Christentum habe . Ein Kind von ihm liege schon hinter der Kirchhofmauer , und wer wisse es denn , ob er nicht auch selbigesmal mit Fleiß die Taufe versäumt habe ? Wenn das gehe , daß in Erlbach einer sein Kind als Heiden aufziehen dürfe , müsse ein Strafgericht kommen . Die Zwergerin zeigte ein solches Entsetzen über die Mitteilung , daß andere Weiber aufmerksam wurden und ihre Arbeit im Stiche ließen . Sie standen im Kreise um die Bäcker Ulrich Marie herum und steckten die Köpfe zusammen , und immer kamen wieder neue hinzu . Kinder , die auf der Straße spielten , liefen heim und sagten , daß beim Bäcker so viele Leute stünden . Dann kamen die Weiber aus den Häusern , hielten die Hände vor die Augen und schauten die Straße hinauf . Und jede , die den dichten Knäuel sah , band sich eine Schürze um und ging darauf zu . Die Weberin konnte ihre Neugierde nicht mehr verhalten . Sie sagte zur Mangin , daß sie ein wenig warten solle , denn sie wäre gleich wieder da . Wie sie zurückkam , ging die Weßbrunnerin mit ihr , und sie blieben alle fünf Schritte stehen und schauten sich mit erschrockenen Augen an . » Was habt ' s denn g ' habt ? « fragte die Mangin mit schwacher Stimme . » D ' Schuller Ursula hat an Bua ' m kriagt , und der Schuller will ' n net taufen lassen , daß er a Heid ' bleiben muaß ; g ' rad extra , weil ' s an Pfarra ärgert . « » Wer hat denn dös g ' sagt ? « » D ' Bäcker Ulrich Marie erzählt ' s g ' rad . « » De hat scho viel erzählt , was it wahr is . Dös glaab i net . « » So was durft ' s ja do it sag ' n , bal ' s it wahr is . Und sie hat ' s vom Herrn Kopratta . « » I glaab ' s it . Dös tuat der Schuller net . « » Ja , der ! Dös woaß ja ganz Erlbach , daß er an Glaub ' n abg ' schwört hat . Er geht in koa Kircha mehr . « » D ' Leut ' sollen an Schuller in Ruah lassen . Dös waar g ' scheiter . Früherszeiten hat ma nia was Schlecht ' s g ' hört vom Schuller . « » Aba da derf ma do it zuaschaug ' n , wenn er an Heiden herzügelt ! « Die Mangin schüttelte leicht den Kopf und murmelte vor sich hin . » Sie treibt ' s nimmer lang , « sagte die Weberin hinterher . » Sie g ' fallt ma gar it . Sinscht waar sie die erst ' g ' wen bei ' n Schimpfa , und jetzt is sie ganz verzagt . De lebt nimmer lang . « Das war nicht gelogen , daß die Ursula ein Knäblein geboren hatte . Es schrie laut genug , daß man sein Dasein merken mußte . Die Schullerin stand ihrer Tochter in den schweren Tagen bei und ließ sie kein unrechtes Wort hören . Sie erwies ihr mehr Liebes , als zu anderen Zeiten , denn das liegt im guten Wesen der Frauenzimmer . Und als die Hebamme das Kind zur Taufe in die Kirche trug , ging die Schullerin mit , gerade so , als sollte ihr rechtmäßiger Enkel in die Christenheit aufgenommen werden . Es zwang sie etwas dazu ; sie wußte selber nicht was . Vielleicht die Erinnerung an ihr eigenes Kind , dem so unachtsam das Paradies verscherzt worden war . So ging sie tapfer neben der Hebamme her in die Kirche . Der Pfarrer ließ sie lange warten . Wie er kam , sagte er , daß er vor der Taufe eine Erklärung abgeben müsse . Er werde diesem Knäblein den Namen Simplizius beilegen . Wieso , fragte die Schullerin , es sei ausgemacht , daß es Andreas heißen solle . Darauf käme gar nichts an , und er kümmere sich um kein Ausmachen und um keinen Wunsch , sagte der Pfarrer strenge . Das Knäblein sei am zweiten März geboren , und das sei der Tag des heiligen Simplizius . Er habe es so festgesetzt , daß die ledigen Kinder die Namen der Heiligen tragen müßten , an deren Tagen sie zur Welt kämen . Das sei aber kein rechter Name , meinte die Schullerin , kein Christenmensch heiße Simplizius , und das klinge gerade so wie Simpel , und der Bub ' hätte sein Leben lang das Gespött . Wenn ein frommer und verehrungswürdiger Papst den Namen führte , sagte der Pfarrer , hernach könne ihn wohl auch ein Bub ' tragen , der keinen Vater habe . Und überhaupt , er lasse keinen Widerspruch zu und werde dieses Knäblein auf den Namen Simplizius taufen . Die Schullerin verlegte sich aufs Bitten . » Hochwürden , tean S ' ins dös net o. Es is Verdruß g ' nua , daß dös Kind überhaupts do is . Und da gang ' s wieder auf a neu ' s o bei ins dahoam ; Sie wissen ' s guat , Hochwürden , wia ' s bei ins dahoam ausschaugt . Da Bauer geht a so im Haus ' rum und red ' t und deut ' nix mehr , und d ' Urschula woant an ganzen Tag , weil ' s da Vater net o ' schaugt . Und jetzt gang ' s auf a neu ' s o , wenn i hoamkimm , und da Bua hat a solchen Nam ' . « » Ich weiß recht wohl , welcher Geist in Eurem Hause herrscht , « sagte der hochwürdige Herr Baustätter . » Und desweng soll ' s it wieder auf a neu ' s Verdruß geb ' n ! « bat die Schullerin . » Beim Bauer is ' s Feuer untern Dach , bal de G ' schicht gar it aufhört , und bal Sie ins wieder a Schand ' o ' hängan . « » Reden Sie nicht so daher ! Das ist keine Schande , wenn dieses Knäblein den Namen erhält . Aber es ist eine Schande , daß es unehrlich gezeugt wurde . « » Es hamm schon mehra Madeln Kinder als a lediger bracht . In Gott ' s Nama , wenn oans da is , muaß ma ' s hamm . « » Wollen Sie , daß ich das Knäblein taufe ? « fragte der Pfarrer kurz . » Freili . I bitt ' schön drum . « » Dann widersprechen Sie mir nicht ! Ich werde ihm den Namen Simplizius beilegen . « » Na , Hochwürden ! Geben S ' eahm an g ' scheiten Nam ' ! Andreas muaß er hoaßen . « Baustätter sah die zudringliche Frauensperson unwillig an und wandte sich zum Gehen . Die Schullerin weinte . » Warum gibt ' s denn g ' rad bei ins solchene G ' schichten ? Und g ' rad bei ins geht d ' Schand ' it aus . Dös is ja g ' rad , als wenn mir de Allerschlechtesten waar ' n. Wenn i hoam kimm , is beim Bauern ganz aus . I geh ' do rechtschaffa in mei Kirch ' , und ' s Madel ko aa nix dafür , daß Sie mit ' n Bauern an Streit hamm . Tean S ' ins dös it o , Herr Pfarrer ! « » Ich tue , was ich für recht erkannt habe . Ledige Kinder werden nach den Heiligen ihrer Geburtstage benannt . Das gilt für alle , und bei Euch mache ich keine Ausnahme . Wenn Sie widersprechen , taufe ich das Kind überhaupt nicht . « » I derf do it ja sag ' n. I derf ja net . « » Das geht mich nichts an . « » Nacha geh ' i halt hoam und sag ' s. Von mir aus ! Nacha geht da Verdruß auf a neu ' s o ! « » Taufen S ' den Buam halt Andreas ! « sagte die Hebamme . » Was geht das Sie an ? Mischen Sie sich nicht hinein ! Und Sie , gehen Sie nur heim ! Aber das will ich Ihnen sagen , ich bleibe auf meiner Vorschrift bestehen , ob es dem Herrn Schuller recht ist oder nicht . Und heute taufe ich überhaupt nicht mehr ; da müssen Sie morgen wiederkommen . Wenn dem Knäblein bis morgen etwas zustößt , sind Sie verantwortlich für sein Seelenheil . Sie haben erfahren , was das bedeutet ! « Mit diesen Worten ging der Pfarrer . Die Schullerin schaute ihm nach und wischte sich mit der Schürze die Tränen ab . » Geh ' ma halt ! « sagte sie . Wie sie durch den Friedhof schritt , blieb sie stehen und fing wieder heftig zu weinen an . » Wo soll i jetzt hi ' geh ' ? Da Bauer is am Feld draußd ' und kimmt vor auf d ' Nacht net hoam . D ' Urschula liegt im Bett , und i derf ihr ' s gar it sag ' n , daß ' s Kind an Spottnama kriag ' n muaß . I woaß gar it , wo i hi geh ' soll . ' s liabste waar mir überhaupts , i waar scho g ' storb ' n. I kriag ja do koan Ruah nimmer , und da hätt ' i do mein Ruah und wisset nix mehr ! « » Gehst vielleicht zum Pfarrer von Aufhausen umi , Schullerin ! « sagte die Hebamme . » Der ko dir an Auskunft geb ' n , ob ' s ös den Nama leiden müaßt ' s. « » Wia ko denn i nach Aufhausen umi ? De Deanstbot ' n san allsammete am Feld , und es muaß do wer dahoam sei ! Stallzeit is aa . « » I gang gern für di , aba unseroana ko it viel red ' n. Hoscht denn gar neamd , der dir den G ' fallen tat ? « Die Schullerin besann sich . » Höchstens der Haberlschneider , « sagte sie . » Bal er dahoam is . « » Nacha gehst zu ' n Haberlschneider . Der kunnt de G ' schicht richti vorbringa . « » I glaab it , daß ' s was helft . Und i plag ' an Haberlschneider it gern . « » Ja no , balst sinst neamd woaßt . Du tatst as ja aa für an andern . « » Probier ' i ' s halt ! « sagte die Schullerin . » Aba , was tuast denn du derweil ? Du ko ' st it mitlaffa mit ' n Kind , und hoam derfst aa net . Sinst spannt ' s d ' Urschula . « » Geh i halt ' ins Wirtshaus und wart ' auf di . Dös is sinst aa der Brauch , daß ma nach da Tauf ' ins Wirtshaus geht . « » Vo mir aus . Trinkst a Halbe , i bleib ' it lang ' aus . « Die Schullerin machte sich auf den Weg zum Haberlschneider , und die Hebamme ging ins Wirtshaus . Es war niemand in der Stube . Bei dem schönen Wetter nahm sich kein Bauer die Zeit zum Trinken . Die Hebamme legte das Kind auf einen Tisch , und die Kellnerin kam mit verschlafenen Augen hinter dem Ofen hervor . » D ' Haasin ? « sagte sie . » Host a Tauf ' g ' habt ? Kemma no mehra Leut ' ? « » Na , i bin alloa . « » Is denn koa Pat ' it dabei ? « » Na . Es is ja a ledig ' s Kind ! Von da Schuller Urschula . « » Ja so . Von da Urschula ? Is ' s a Madel . « » Na , a Bua . « » A Bua ? Da Hierangl Xaver , sagen s ' , muaß an Vater macha . Was schaffst denn , Haasin ? A Halbe Bier ? « » Ja , und an Kaas derfst mir aa bringa . « Nach einiger Zeit kam die Kellnerin wieder und stellte das matt aussehende Bier vor die Hebamme hin . Dann betrachtete sie das Kind , welches mit seinen runden Augen verwundert zur Decke hinaufschaute . » So , so ? Von da Urschula ? Hat ma da scho was g ' hört , ob da Hierangl Xaver guatwillig zahlt ? « » I woaß gar nix . « » I moan allawei , da werd ' s an Streit geb ' n. Da Xaver hat ' s faustdick hinter de Ohren . Aba a nett ' s Kind is ! Und stark . « » Ja , es is a g ' sund ' s Kind . « » Wie hoaßt ' s denn ? « » Gar it hoaßt ' s. Es is no it tauft . « » Was ? Für was schleppst d ' as denn du nacha umanand ? « » Ja , mir san scho in da Kircha g ' wen , aba da Pfarrer will eahm an Spottnama geb ' n. Simpli oder Simpi , i woaß nimmer g ' nau . « » Für was nacha dös ? « » Ja , weil der Heilige auftrifft auf den Tag , wo ' s Kind geboren is . « » Geh ! So was hab ' i aa no net g ' hört . « » Es is scho oamal so a G ' schicht g ' wen , « sagte die Hebamme . » Es is net dös erst ' Mal . « » Da hab ' i no nia was vernomma . « » Du bist halt no it so lang ' da z ' Erlbach . Dös is vor a Jahr a drei g ' wen . D ' Elfinger Marie hat a Madel bracht ; im August is g ' wen . Dös hat da Pfarrer Bibiana tauft . « » Bi-bi-ana ! « wiederholte die Kellnerin . » Was dös für Nama san . Bi-bi-ana ! Dös is ja g ' rad , als wenn ma de Henna schreit . « » Schö is der Nam ' net . Aba no , da hat ' s it viel ausg ' macht . ' s Madel is a paar Tag ' danach g ' storb ' n. Da ist it viel g ' red ' t wor ' n davo . « » Daß si d ' Leut ' dös g ' fallen lassen müassen ? « - » Ja no ! « » I lasset ma ' s durchaus it g ' fallen , « sagte die Kellnerin , » dös möcht ' i sehg ' n , ob i da zuaschaug ' n müaßt . « » Selm waarst net dabei , « erwiderte die Hebamme und schob das letzte Stück Käse in den Mund ; » selm waarst net dabei , und bal da Pfarrer amal sagt , es is sei Recht . Was willst macha ? « » I schimpfet scho so viel , i lasset ma ' s durchaus it g ' fallen . « » D ' Schullerin war mit in da Kircha . De hat bettelt und aufbegehrt . Aba nacha hat da Pfarrer g ' sagt , er tauft ' s Kind überhaupts net . « Dem kleinen Vöst wurde bänglich zumute , wie er so einsam auf der Tischplatte lag und hoch oben über sich die weiße Decke sah . Er drehte den Kopf unruhig hin und her und verzog sein faltiges Gesicht zum Weinen . » Bscht ! Bscht ! « machte die Hebamme . » Sei no staad , Kloana ! Kriagst dein Ditzel scho ! « Sie steckte ihm den Schnuller in den Mund . Da begann der kleine Vöst zu saugen und wurde still . Und sah wieder ernsthaft in die Höhe , als denke er reiflich darüber nach , ob er sich den heiligen Simplizius als Namenspatron gefallen lassen müsse . Die Kellnerin zog eine Haarnadel aus ihrem Zopfe und stocherte damit in ihren Zähnen herum . » A nett ' s Kind ! « sagte sie . » Glaabst du , daß da Xaver am End ' no d ' Urschula heirat ? « » ' S beste waar ' s. Sie is do a ganz a richtig ' s Leut ' ! « » I glaab it , daß er ' s tuat . De Burschen sag ' n , er will gar nix wissen von ihr . « » Nacha muaß er halt brav zahl ' n. « » I glaab , dös will er aa net . Er behaupt ' , daß mehra beteiligt san . « » Dös sagt a jeder hinterdrei . De Kerl ' san ja allsammete schlecht . D ' Madeln san dumm , daß sie si ei ' lassen damit . « » Wahr is . Magst no a Halbe , Haasin ? « » Ja , wenn ' st da ' s g ' schwind bringst . « Die Kellnerin ging in die Schenke und brachte das Glas frisch gefüllt zurück . Die Hebamme schob es ihr zu . » Trink , Zenzl ! Heut ' hast it viel Leut ' . « » Na , bereits gar neamd . Bei dem Wetta kimmt aa koana . Höchstens no da Geitner . « » Der hat allawei Zeit , « sagte die Hebamme . » Ja , er is viel bei uns . Du , Haasin , was für an Nama hätt ' da Pfarrer dem Buab ' n geben wollen ? I hab ' s wieder vagessen . « » Simpi oder Simpl oder so . I woaß ' s selm net g ' nau . « » Geh ! Daß ' s überhaupts solchene Nama gibt ! Und Bi-bi-ana . Bi-bi ! G ' rad , als wenn ma de Henna schreit ! « » Du , i muaß zahl ' n , « unterbrach sie die Hebamme , » da kimmt d ' Schullerin über d ' Straß ' uma . Fünfadreiß ' g Pfennig , gel ? « » Zwoa Halbe und an Kaas und a Brot