, und der Geldschrank , aus dem Papier- und Bargeld fast herausquoll . Von unten hörte man das Geblök der Rinder , das Getreibe des Geflügelhofes , das Pfnauchen der Maschinen , dann Raketenprasseln , Musik , jenen Hochzeitslärm , und plötzlich fand sie sich unter Tanzenden und Singenden und tanzte mit und sang . - - Darüber wachte sie auf . Es war alles ruhig . Doch nein , von der nächsten Ecke schallte es her , der Mann dort im Bette mochte wohl auf der Nase liegen , denn er verbrachte ein wundersames Geschnarche , und zu dieser Musik hatte sie im Schlafe zu singen versucht . Tief aufseufzend erhob sich Helene mit halbem Leibe , da machte der Schläfer eine Wendung , und das Geräusch verstummte . Sie lauschte , nach einer Weile erst vernahm sie seine ruhigen , regelmäßigen Atemzüge . Helles Mondlicht erfüllte den Raum der Stube , tiefschwarz lagen die Schatten der Fensterbalken wie gespenstige Grabkreuze breit über der Diele . Zwei , just zwei , lagen da . Helene klammerte sich an den Bettrand und beugte sich über denselben hinaus , so war es ihr möglich , die letzten Fenster des Sternsteinhofes zu erblicken ; ein schwaches Licht blickte von dorther , es leuchtete in der Krankenstube der Bäuerin . Wie lang wird ' s mit der währen ? Wenn sie auch jetzt wieder auf die Füß kommt , so schlimmer für sie , wenn wahr ist , was die Leut sagn , daß die Magd behauptet , es hätt es der Doktor gesagt . Der Bauer hat heißes Blut . Ließe sich eines darauf ein , ihn unsinnig zu machen und heimzu zu jagen , er ertrotzte dort sein Recht und - Tu ' s , flüsterte eine Stimme in ihrem Inneren . Davon ließe sich nichts austragen noch erweisen - Tu ' s , flüsterte es wieder , aber diesmal war es , als spräche es ganz nah von außen auf sie ein . Herr du , mein Jesus , was sind das für Gedanken ? ! Was will mir da an ? - Dummheiten ! - So sündhaft wie dumm ! - Blieb doch der andere - Der lebt auch nit ewig . » Lebt auch nit ewig « , murmelte sie , als wiederhole sie Worte , die ihr vorgesagt worden . Da besann sie sich plötzlich , daß sie gesprochen habe , nach niemand und nirgendhin , sie sah mit scheuen Blicken um sich , dann streckte sie sich rasch aus , zog die Decke über sich und schloß die Augen . Aber während sie den Kopf in das Kissen drückte , dachte sie trotzig : Unsinn ! Ewig lebt keiner , doch überlang mancher . Was gschäh dann ? Das findt sich ! flüsterte es in ihrem Inneren . Kalter Schweiß troff ihr aus allen Poren , dann schauerte sie wieder wie im Fieber zusammen . Das findt sich ! klang es ihr , wie von außen , unmittelbar an dem Ohre . In diesem Augenblicke tat der Mann drüben einen schweren Atemzug mit weit offenem Munde , es klang wie Geröchel . Mit Anstrengung unterdrückte Helene einen lauten Aufschrei . Nun begannen ihre Pulse zu hämmern , sie unterschied jeden einzelnen Schlag dem Gefühle nach , sie empfand es auch , ohne zu zählen , daß in einer genau wiederkehrenden Frist das regelmäßige Klopfen wie durch rasende Doppelschläge unterbrochen wurde , und dann flüsterte , wisperte und raunte es ihr zu : Tu ' s - tu ' s - tu ' s - es findt sich - es findt sich ! Und das kehrte wieder und wieder , sie wußte es genau , wann , und trotz sie sich die Ohren mit den Händen zuhielt und den Kopf im Kissen und unter der Decke vergrub , es klang immer verwirrender , drängender , gebietender : Tu ' s - tu ' s - tu ' s - es findt sich - es findt sich ! Da warf sie sich aus dem Bette zur Erde und kroch auf den Knien in den Winkel hinter ihrer Liegerstatt ; sie stieß den Kopf hart gegen die kalte Mauer und blieb mit der Stirne an derselben lehnen , ihre Hände falteten sich krampfhaft , sie krümmte sich zusammen aus Furcht vor sich selbst oder vor dem , was aus ihr heraus wie leibhaft sie anzufassen und zu bewältigen drohte . Sie begann zu beten , erst im stillen , dann mit halblauter Stimme ; ohne auf den Sinn zu achten , murmelte sie eifrig die Worte , um ihre Gedanken zu verscheuchen und die unheimlichen Rufe zu übertäuben . Manchmal erhob sie die Stimme , als wollte sie etwas zurückschrecken , das nach ihr fasse ; dann ward ihr Gemurmel mählich eintöniger , und gegen Morgen brach sie kraftlos in der Ecke zusammen und schlummerte ein . So fand sie der Herrgottlmacher . Unter seiner Berührung schrak sie auf . » Um Jesu willen « , sagte er , » was is ' s denn mit dir ? « » Schlecht is mir gwest « , antwortete sie , » mein Lebn hab ich kein so schlechte Nacht ghabt . « » No , wär nit aus « , meinte er kopfschüttelnd . XVIII Etliche Tage nachher fand sich mit einmal der kleine , säbelbeinige Agent der » Handelsgesellschaft für religiösen Hausrat « in Kleebinders Hütte ein . Er hatte sich die Jahre über äußerst selten blicken lassen und war dann immer mit einer gewissen Zurückhaltung , aber auch mit aller gebührenden Rücksicht empfangen worden ; der letzteren konnte für diesmal allerdings der Umstand einigen Eintrag tun , daß seit längerer Zeit die Bestellungen merklich abnahmen . » No , auch einmal anschaun lassen ? « rief der Holzschnitzer nach der ersten Begrüßung . » Hoffentlich bringts mer doch Guts ? Schon a schöne Weil her laßts mich völlig feiern , brauchts auch gar nix ! « » Recht haben Se , Herr Kleebinder , wenn Se sich aufhalten « , sagte das Männlein . » Die Geschäfte gehen flau . Mein , was wollen Se ? Die Gesellschaft war verfallen in ä grausamen Irrtum , se hat gemeint , mit de Woor werd sich verbreiten der relgiöse Sinn und mitm relgiösen Sinn wieder de Woor , un es werd kan End nehmen ; nu verlangt aber nor der relgiöse Sinn nach der Woor , die Zahl der Abnehmer is ä beschränkte , un die Zahl is erschöpft . Gott , was haben dagegen die Engländer for a reiches Absatzgebiet for indische Götzen , was werden gefabriziert in London ! Se sein aber ach ä groißes Handelsvolk , un is mer immer afgefallen , daß se ihrn Sabbat esoi heiligen . « » Sein s ' Juden ? « » Wo denken Se hin , Herr Kleebinder ? Christen - Christen , sag ich Ihnen , vom reinsten Wasser . Aber hören Se af ein Rat , Herr Kleebinder , sehen Se sich um um ä Nebenverdienst , wie ich mer hab umgesehn um an ' n. « » Ich wüßt mer kein . « » Lassen Se sich sagen , machen Se heidnische Figuren . « » Wenn auch kein Sünd dabei wär , ich verstünd mich nit drauf . « » Sein Se nix ängstlich , ich an Ihrer Stell würd mit de Götter ach noch fertig werden . Schnitzen Se ein ' Mann , was gar kein Kleidungsstück tragt wie anstatt ' n Hosenlatz ä Weinbeerblatt , und setzen Se ihn af ä Weinfaß , haben Se ' n Bacchus , geben Se ihm in die Hand ' nen Tremmel , werd es sein der Herakeles , lassen Se ihm tragen Flügel an de Fuß un ä Stangen , woran sich statt ' er Brezeln ringeln ä poor Schlangen , is der Merkur fertig . De Hauptsach in der Mythorlogie ist de Natürlichkeit . De Farb kennen Se ach daran ersporen , machen Se de Figürcher nor recht schmutzig , das is ä Kunstwert , was Platina heißt . Ich besorg Se , wenn Se wollen , ä ganzes Mythorlogienbuch , worein se alle stehen afgeseichnet , de Götter un de Göttinnen . « » Dös sein dö Weibeln von dö , was nix anhabn ? Schaun dö auch so aus ? « » Einselweis tragen welche esoi alte Kleidungsstücke ; aber wenn Se mer folgen , Herr Kleebinder , so machen Se nor Venussen , se sein immer verkäuflich . Übrigens , was red ich Ihnen vor , als ob das wär for Se was ganz Neues ? Sieht doch de Venus af ä Hoor gleich der heiligen Eva , af soi ane werdn Se doch schon ämol effektuiert haben ä Bestellung ? « » Da irrts Enk groß « , sagte der Herrgottlmacher überlegen , » z ' erst , merkts Enk , is d ' Eva sowenig heilig wie der Adam , und nachher tragn dö , vor s ' der Herr ausm Paradeis jagt , ein Schurz von Laubwerk und dann , in der Wildnus , ein von Tierfell . « » Nu , was ä groißer Irrtum ! ? Lassen Se de Heiligkeit samt ' m Laub un ' m Fell weg , so haben Se , was Se brauchen . « Muckerl schüttelte ärgerlich den Kopf . » Dös verstehts Ös nit . Nie noch is Adam und Eva verlangt wordn , begreiflich , wer stellt denn auch so was in d ' Stubn , ' n Kindern unter d ' Augen ? « » Es gehört ach nix for de Kinder . Schnitzen Se , wie ich gesagt hab , ä Eva un heißen Se se Venus , was liegt daran ? Sie werden mer danken , un um ä Vorbild brauchen Sie ach nix zu sein verlegen . « Er deutete nach der Küche , wo Helene am Herde beschäftigt war . » Was haben Se for ä Prachtweib ! « » Pfui Teufl ! « » Wie heißt ' Pfui Teufl ' , wenn andere sagen : ' Gott wie schön ' un lassen Se verdienen dabei ä Geld ? Nu , tun Se ' s , oder tun Se ' s nix ? Ich hab ' s gemeint gut mit Ihnen . Weil mer aber gerad reden von Geld verdienen ; Herr Kleebinder , ich hab Se verdienen lassen , lassen Se mer ach verdienen . « » Habts was z ' verhausieren ? « » Trag ich ä Bünkl ? « fragte das Männlein beleidigt . » Ich bin ä Agent for ä Lebensversicherungsgesellschaft , un als solcher möcht ich gern machen mit Se ä Geschäft ; lassen Se sich versichern . « Muckerl schüttelte abwehrend die Rechte . » Lebensversicherung ? Dös kennen mer , ich hab mer sagen lassen , ' s selb wär eigentlich a Sterbensversicherung ; einer , was lang lebt , findt ' es Zahlens kein End , und ' n Vortel hätt nur der , was sich gleich nach ' n ersten Einzahlungen hinlegt und verstirbt . « » Hehe , recht habn Se , Herr Kleebinder , es is eigentlich ä Versicherung forn Todesfall , aber Se glauben gar nix , was ankommt af soi ä Titel ! Mer kenn ' s doch nix heißen : Todesversicherung ? Was ä Menge Leut möchten sich scheuen beisutreten ? « » Heißt ' s , wie d ' r wöll , ich bin nit fürs lange Zahlen noch fürs gache Sterben . « » Gott , de Lung kenn mer sich ' eraus reden bei de Bauersleut , um se afsuklären über das Wesen von de Assekuranz ! Wenn ich afzeig de Vorteile von aner Versicherung forn Todesfall , ' n Hagelschlag , Brand-un Wasserschaden , Einrichtungsstücke un Reiseunfälle , stehen se nix da un schütteln mit de Köpf un ferchten un wünschen sugleich aus purn Geiz , daß möcht kommen schon in de erste Zeit ' s Sterben un der Hagel un Feuer un Wasser un Gerätschafts- und Körperschaden ? ! Gott der Gerechte , wär ä Geschäft das , wobei könnt florieren ä Gesellschaft ! Liegt es doch for jeden vernünftigen Menschen af der bloßen Hand , daß mer kenn nor ausn Einsahlungen von Tausende ' erausbezahlen for de wenigen , was ä soi ä Unglück betrifft , ä Vergütung . « » No , dö sein doch schön dumm , was für andere zahlen . « » Des sein de Gescheiten , Herr Kleebinder . Weil keiner von de vielen kenn wissen , ob er nit morgen werd sein unter de wenigen , was ä Malör betrifft ! Manche tun ach erschrecklich fromm un kümmen su steigen mit de Redensort , ihr Leben un Hab un Gut stünd in Gottes Hand , un wenn der se oder de Ihren will treffen , werd er sie treffen . « » Dö habn doch gwiß recht . « » Recht haben se als fromme Leute ; aber es werd doch nix verstoßen gegen die Frommheit , es werd nix verstoßen gegen die Ergebung in den Willen Gottes , wenn einen trifft ä Schlag von oben , daß unterhält de Assekuranz de Hand , damit es nix ausfällt su grob ? ! « » Dös is mer z ' fein . Ich weiß , de Assekuranz halt schon früher dö Hand unter , und dö soll mer ihr fülln . « » Wie kommen Se mer vor ? Aus nix werd nix ! Glauben Se , mer werd Ihnen unentgeltlich helfen aus einm Unglück ' eraus , su einer Zeit , wo mer müß besahlen , daß andere kommen ' enein ? ! Sahlen Se nix forn Krieg , for de Gefängnissen , for de Findelhäuser , for de Irrenanstalten , for de Spitäler ? ! Nü ? ! Was wollen Se also haben umsonst ä Versorgung für Witwen un Waisen , ä Versicherung von Ernte un Grund , ä Schutz vor Feuer un Wasser ? ! Sein Se gescheit , lassen Se nix ungenützt vorübergehen de günstige Gelegenheit ; unsereiner kommt selten in der Gegend . « » Von mir aus könnts schon wegbleiben . Was habts denn Ös davon ? « » Das will ich Se sagen , Herr Kleebinder , ä klane Profision , wie for jede Kundschaft , was ich subring der Gesellschaft . « » Dö soll leicht ich Enk zahlen ? « » Bewohr , de sahlt de Gesellschaft . « » Und woher nimmt s ' dö ? « » Von de Kosten . « » Und wer tragt döselbn ? « » Se sein sehr neugierig , Herr Kleebinder - « » Ahan , sehts , da steckt der Betrug ! Brav einzahln solln mer , daß andere a gut Lebn führn können ! « » Weiß Gott , ich tät Ihnen wünschen ä soi ä Leben . Se möchten mehr schwitzen dabei , als jemals Se hinter Ihrm Arbeitstisch geschwitzt haben ! Meinen Se , ä soi ä groißartige Unternehmung führt sich von selber ? Da müß es geben Agenten un Unter- un Oberbeamte un Buchhalters un än Direkter - was wissen Se ? - , de alle müssen leben ; un de Profision for de Agenten un de Gehalte for de Beamten un ' er Profit for de Gesellschaft werd alles genümmen von de Intressen , von de Prosente von den eingesahlten Kapital ! Verstehn Se ! Nix von ' nen Kapital selber ! Zeigen Se mer so ä billige Verwaltung anerswo ! Der Steuerbeamte nimmt sein Gehalt von de Steuer , von Kapital , nix von de Intressen , der Herr Pfarrer , was verwaltet de Armengelder , nimmt nix von ' em Kapital noch von de Intressen , er müß obenein sei Gehalt kriegn , un ins Steueramt un in de Armenkasse tragen Se nor Ihr Geld ' enein , von üns aber kriegen Se ' eraus bei Heller und Fennig , was is worden ausbedingt un worauf Se haben ä Geschrift in Händen ! Gott , was ich mer eschoffier , dürft sein ä Angelegenheit , wobei su verdienen ä Sack voll Geld ! Machen Se keine Geschichten , es is doch nor Ihr Vorteil . Was ä Umständlichkeit ! die Sach is gleich berichtigt . Ich bring Se in de Kreisstadt zun Arzten - es soll Se nix kosten - Se werden lachen , es is wie bei aner Assenterung . Er werd Se abklopfen , erst am Rücken , damit sich de Lung loslöst vom Rippenfell un er se besser hört , und dann von vornen , weil er - doch was wissen Se ? - aber Se werden lachen , un daß Se dabei erfahren , was Se for ä gesunder Mensch sein , das haben Se umsonst , un als ' m gesunden Menschen berechnet mer for Se auch die Einsahlung billiger . « Helene stand vorgeneigt an der Schwelle der Stubentüre . » Sei still « , beschwichtigte sie das Kind , das , einige Worte lallend , an ihren Rockfalten zerrte . Muckerl war so mißtrauisch wie nur irgendeiner vom Dorfe , aber auch durch vieles Einreden leicht verlegen gemacht , er fühlte sich der Mundfertigkeit des kleinen Mannes durchaus nicht gewachsen und versuchte daher , der ihm immer unangenehmer werdenden Lage mit einmal ein Ende zu setzen , indem er entschieden sagte : » Sparts Enkre Wort , wendts weiter keins af , es is umasunst . Ich mag nit ! « » Sein Se ä Familljenvater ? Seit es gibt ä Lebensversicherung , kenn mer es von jeden verlangen , daß er for de Seinen sorgt . Denken Se af Weib und Kind ! « Helene trat mit dem Kleinen auf dem Arme zur Türe herein . » Schau , Muckerl « , sagte sie lächelnd , » so unebn wär ' s nit , wann d ' uns zlieb was tätst , daß wir nit einsmals betteln gehn dürften . « Der Herrgottlmacher blickte erstaunt auf . Woher dieses plötzliche Einmengen ? Er zog die Mundwinkel herab und starrte Helene mit großen Augen an . Es erbitterte ihn , daß sie , anstatt zu ihm zu stehen , so unversehens einem Fremden das Wort redete , und noch dazu in einer Sache , wo es sich um Auslagen auf Jahre hinaus handelte und die Aussicht auf seinen Tod ihr einen Gewinn versprach . Sollte er sagen , was ihm schon auf der Zunge lag : daß , wenn sie mal betteln gehen müßte , sie es vollauf um seine selige Mutter verdient habe und daß sie ihm ja bisher jede Sorge für das Kind förmlich verübelte , das übrigens ... ? Doch was würde der Jud denken , wenn er ihn gegen das Weib in der Weis aufbegehren hörte ? Nein . Er versprach , daß er sich ' s überlegen und sich schon » einmal « versichern lassen werde . » Gott sei davor ! « schrie der kleine Agent und focht dazu mit den Händen in der Luft . » Gott sei davor , daß ich Se gäb ä Zeit , su bereuen soi ä guten Vorsatz . Nix da ; Herr Kleebinder , Se werden sich jetzt setzen su Tisch , dann gehn mer ' enauf sun Wirt und nehmen üns su leihen seinen Leiterwagen - « » ' n Leiterwagen ? ! « » Wir werden nix bleiben allein , in de Dörfer , wobei wir fahren vorüber , sitzen noch ä fünfe , was sich haben gleichfalls entschlossen ; Se machen grad ' s halbe Dutzend voll , Herr Kleebinder . Se sehn , es geht in einem ! Wo käm ich sonst af de Kosten ? « » Na , da mußt wohl fahren , Muckerl « , sagte Helene , » wann sich schon für umsonst a Glegenheit schickt . « » Du kannst ' s wohl gar nit erwarten , daß ' s zun Zahlen kimmt ? « » Sei nit kindisch , ich mein nur , wann d ' schon entschlossen bist , wozu ' s hnausschieben ? « Muckerl war zwar nichts weniger als entschlossen , und daß die Sache so über Hals und Kopf abgemacht werden sollte , machte sie ihm nur noch bedenklicher . Er kraute sich in den Haaren . Aber der Agent drängte : » Hören Se af Ihre Frau , Herr Kleebinder ; af Frauen hören is in viele Fäll gut , wenn ach nit in jeden . Wir sein drüben in der Stadt in ä poor Stund , un der Afenthalt dort is ä geringer . Mit Abend sein Se wieder daheim , Herr Kleebinder . « » No , siehst , da is ja alls schon ganz prächtig eingteilt . Hitz komm , Muckerl , essen , daß mer d ' Zeit auch einhalt . Nimmt der Herr leicht auch ein Löffel Suppen ? « Der Agent lehnte dankend ab . Er hielt sich strenge an die Speisegesetze , welche noch aus den Zeiten naiver Gottesfurcht herstammen , wo die Menschen nicht nur mit Hand und Mund den Göttern dienten , sondern auch mit eigenen und fremden Eingeweiden . Schwere , niederhangende Wolken trieben vor dem Winde einher , als gegen Abend der Leiterwagen durch das Dorf polterte . An der Seite des kleinen Mannes auf dem Sitzbrette kauerte der Herrgottlmacher , den Hut tief in die Stirne gedrückt , bleich , mit stieren Blicken unter den blinzelnden Lidern , das Haar klebte ihm an den Schläfen . » Jesses , Muckerl , was hast denn ? « fragte Helene , aus dem Vorgärtel herzueilend . » Sö nehm mich net « , brachte er mit zitternder , angstvoller Stimme hervor . » Da haben Se ' s « , sagte der Agent , » erst will er nix , un nu is er verzagt , weil wir nix wolln . Sein Se kein Kind , Herr Kleebinder , machen Se sich nix draus . Hundert Johr sein Leute alt geworden , was de Ärzte haben ' s Leben abgesprochen . Setzen Se sich nix in ' Kopf wegen e dem , was sagt so aner . Deswegen leben Se kan Tag weniger . ' s kenn ja ach sein nor gewesen ä Bosheit , um mich su bringen um ä Profision ; de Herren erlauben sich manchmal soi unfeine Späß mit ünsereinm . Schlagen Se sich ' s aus ' m Sinn , Herr Kleebinder . Grübeln Se nix drüber . Hörn Se , was ich sag , gor nix geben Se drauf . « Helene half ihrem Manne vom Sitze herab und führte ihn in das Haus , sie verließ ihn unter der Türe , als er zur Stube hineinschwankte , und lief hurtig an den Wagen zurück . » Sagts mir nur « , flüsterte sie , » was is denn eigentlich mit dem Mon los ? Könnts mer ' s schon anvertraun , ich fall nit gleich hinthnüber . « Der kleine Mann schnitt ein faunisches Gesicht und kräuselte die wulstigen Lippen , vermutlich kitzelte ihn » ä ausgeseichneter Witz « , sicher ist , daß er gut daran tat , ihn für sich zu behalten . Er beugte sich etwas vorneüber . » Se müssen nix erschrecken « , sagte er halblaut , » was ä Doktor redt , is lang nix soi gefährlich , als was er schreibt , de Resepten . Ihr Mann soll stecken in kaner guten Haut . Bei üble Sufälle kenn mer nix wissen , was es ' s nächste Johr brächt . Mein , ä Wort macht kan Toten lebendig , werd ' s ach kan Lebendigen tot machen . Lassen Se sich kan krauses Hoor drüber wachsen , wär schod for soi ä schöne Frau . Mei Emfehlung . « Helene kehrte in die Stube zurück . » Laß ' s gut sein « , sagte sie , » wollen s ' dich nit nehmen , solln sie ' s bleibenlassen ! Tu du dir nur nix einbilden . So arg , wie sie ' s machen , wird ' s lang nit sein . « Sie setzte sich an den Tisch , ihm gegenüber . Außen begann ein mächtiger Regen niederzurauschen , dessen Plätschern , Prallen und Geträufe alsbald jeden anderen Laut überbrauste . So saßen sie denn schweigend . Der Mann noch immer mit dem Hute auf dem Kopfe , beide Ellbogen aufgestützt , vor sich in das Leere starrend ; das Weib , mit dem Schürzensaume spielend und von Zeit zu Zeit scheu nach dem Bekümmerten blickend . Mählich ließ der Regen nach ; als es nur mehr » nieselte « , sprühende Tröpfchen wie fallender Nebel niederrieselten , erhob sich Helene . » Mach dir nix draus « , sagte sie zu dem Manne und strich ihm mit der Rechten über die nasse Stirne . Einen Augenblick hielt sie die feuchte Hand vors Gesicht , dann rieb sie selbe sorgfältig und wiederholt mit der Schürze ab . Sie schlich hinaus zur Stube und ging durch das Vorgärtchen und mit langsamen Schritten der Hütte ihrer Mutter zu . Nahe derselben drückte sie beide Hände gegen die Brust , die Knie begannen ihr vor Aufregung zu zittern , und sie ließ sich auf das Bänklein neben der Türe nieder . Wie sie so saß und der Bach an ihr vorübergischte und die feuchte Luft sie umfächelte , in der sich die Düfte von Erdbrodem und Pflanzenodem mischten , da erwachte in ihr immer lebhafter die Erinnerung an eine Zeit und an einen Tag , wo sie als kleine Dirne von derselben Stelle träumend zu dem Sternsteinhofe aufsah . Und nun lag er wieder - keinen Schritt entrückt - vor ihr , wie sie ihn als Kind gesehen mächtig und breit dort oben ragen , als luge er in der Runde aus nach seinesgleichen ; nur die goldig schimmernden Fenster fehlten - die Sonne war untergegangen . Ei , du stolzer Hof , du brauchst nit von der Sonn z ' borgen ! Die Türe der Hütte öffnete sich , und die alte Zinshofer steckte den Kopf heraus . » Na , kommst hrein oder nit ? Schon d ' längst Zeit seh ich durchs Fenster dich da hocken . « » Ich war ganz in Gedanken « , sagte Helene , dann fuhr sie in klagendem Tone fort : » Hörst , stell dir vor , mein Mon wollt sich verassekuriern lassen , fahrt hnüber zun Arzten in die Kreisstadt , und der nimmt ' n nit an ; völlig ' s Lebn spricht er ihm ab , ' m armen Teufl , so viel krank soll der sein . « Die Alte blinzte mit den Augen und grinste mit dem Maul . » Geh zu ! « Helene schnellte von der Bank empor und kehrte der Mutter den Rücken . » Wann d ' mir so kommst , dann auch gleich auf der Stell . « Sie schritt hinweg , die Arme an den Leib ziehend und die Schultern zusammenrückend , wie oft eigenwillige Kinder im Ärger tun . XIX Die Schere war der jungen Kleebinderin unversehens entfallen und blieb mit der Spitze in dem Boden stecken ; sie bückte sich darnach . » Glaubet ich drauf « , sagte sie , » so bekämen wir bald ein seltsamen Besuch . « Als sie sich wieder aufrichtete , zeigte sie ein stark gerötetes Gesicht und vermied es , ihren Mann , dem die Rede galt , anzublicken . Der Herrgottlmacher , wenn anders er » drauf glaubte « , war nun vorbereitet , aber gewiß nicht auf den Besuch , der sich selben Abend noch einstellte . Der junge Sternsteinhofbauer trat in die Stube . » Gutn Abend , Leuteln « , sagte er . » Grüß dich Gott , Kleebinder . « Er bot ihm die Hand , drückte die zögernd dargereichte Rechte und fuhr fort : » Laß alls Vergangene vergangen und vergessen sein , darum bitt ich dich . Hab ' s zeither rechtschaffen bereut , das kann ich dich versichern ; tu mir d ' eine Freundschaft und laß ' s ruhn . Was mich herführt , is a Bestellung , a Arbeit für dich . ' s selbe möcht ich mit dir bereden . « Helene wischte mit der Schürze über einen Stuhl und rückte ihn dem Gaste hin . » Tu dich setzen - setzt euch allzwei . Werdts es doch nit alser stehender ausmachen wolln ? « Sie ging aus der Stube , und die beiden Männer saßen einander gegenüber . Das Kind schlich sich an den ihm Fremden heran . Die Schwarzwälderuhr tickte eine Weile über ganz laut und vernehmlich , dann fragte der Holzschnitzer leise , wie aus zugeschnürter Kehle : » Was brauchst ? « » Laß dir also sagen - « » Voda « , schrie der kleine Muckerl und wies dem großen etliche Leckereien , welche ihm der Bauer zugesteckt hatte . Kleebinder wandte jäh den Kopf nach Toni und starrte ihn mit befremdeten Augen an . Dieser senkte den Blick . » Ich hab ' m nur was mitgebracht , ' m Kleinm - weil - weil ich mir a Bildl bei dir einlegen wollt , damit d ' dich der Arbeit auch recht annehmen möchtst . Sonst wüßt ich mir weit und breit kein ' n , der machen könnt , was ich gern hätt , es is nix Kleins , du kannst dabei a Ehr aufhebn und a schön Stuck Geld verdienen . « » Das war gleichwohl a unnötige Auslag « , murrte Muckerl , nach dem Kinde deutend . » Sag , was d ' gern hättst . « » Wirst ja ghört habn , wie übel ' s mit meiner Bäurin bstellt is . Sie siecht dahin ,