Witiko von Diet und Elisabeth , und stieg im Hofe auf sein Pferd . Dort wartete schon der Führer , welcher auf einem kleinen Pferde saß , wie sie Witiko im Stalle gesehen hatte . Die zwei Männer ritten durch die Gründe Diets mittagwärts , bis sie wieder der Wald aufnahm . Sie ritten in ihm mittagwärts weiter . Nach zwei Stunden kamen sie in eine Lichtung , in welcher Stämme geschlagener Bäume lagen , in welcher an verschiedenen Stellen Feuer brannten , um das überflüssige Reisig zu verzehren , in welcher mehrere Ochsen Kühe und Ziegen weideten , in welcher einige Hütten aus Balken und Baumrinden erbaut waren , und in welcher Männer Weiber und Kinder mit Säge Axt Karst und Haue zur Reinigung arbeiteten . Die Männer hatten alle die groben grauwollenen engeren Kleider an , die in den mittäglichen Teilen des Waldes gebräuchlich waren , und die Frauen trugen die kurzen Faltenröcke , und hatten ein Tuch um das Haupt gebunden . » Das ist der Kirchenschlag « , sagte der Führer , » wohin sie die neue hölzerne Kirche bauen wollen , weil sie da mitten in den zerstreuten Waldhäusern stünde . « Die zwei Männer stiegen ab , und gaben den Pferden etwas Nahrung , die der Führer von Wettern mitgenommen hatte , und tränkten sie dann aus einer Quelle . Witiko ging auf der Lichtung herum , betrachtete die Arbeiten , und redete mit den Leuten . Nach einer Stunde ritten sie wieder mittagwärts in dem Walde weiter . Da sie abermals zwei Stunden geritten waren , kamen sie wieder auf eine Lichtung hinaus . Diese mußte aber schon vor vielen Jahren gemacht worden sein . Es standen zerstreute Häuser auf ihr , und sie enthielt Felder Wiesen und Hutweiden . » Das ist der Wangetschlag « , sagte der Führer , » und jenes weiße Häuschen , das aus Steinen erbaut ist , und auf dessen breitem Dache Ihr auch Steine seht , ist Huldriks Haus . Ihr könnt nun nicht mehr fehlen . « » Reitest du nicht mit mir hin ? « fragte Witiko den Führer . » Nein « , antwortet dieser , » ich muß heute wieder nach Hause kommen , und daher umkehren . Ich werde erst im Kirchenschlage mein Pferd füttern , und selber etwas aus meinem Vorrate verzehren . « » So habe Dank « , sagte Witiko , » und handle nach deinem Auftrage . « Er reichte ihm eine Gabe . Der Führer nahm sie , wendete sein Pferd , und ritt gegen den Wald zurück . Witiko aber ritt auf einem kleinen Pfade , der von dem Wege dem weißen Häuschen zuging , an dasselbe hinan . Da er dort abstieg , kam ein alter Mann mit einer Fülle weißer Haare aus dem Häuschen . Er ging auf Witiko zu , schaute ihn eine Weile an , und rief dann plötzlich : » So ist meine Bitte im Himmel erhört worden , und meine Augen sehen auf dieser Stelle Witiko , von dem Heil ausgehen wird . « » Was redest du für Dinge , Huldrik « , entgegnete Witiko , » ich verlange nur eine kleine Nachtherberge . « » Nun ist Jakob im Holze und Regina im Kohlfelde « , sagte der alte Mann , » aber ich werde Euch helfen . « Sie brachten das Pferd in den Stall , wo sie eine Kuh auf einen andern Platz hängen mußten , um dem Pferde einen eigenen Stand auszuwirken . Und als Witiko das Pferd wie gewöhnlich bedeckt hatte , sagte er : » Nun führe mich in die Stube . « » In die Stube , in die Stube « , sagte der alte Mann , » so folgt mir . « Er führte nun Witiko in die Stube , welche eine Eckstube mit vier Fenstern geweißten Wänden und alten Buchengeräten war . Daneben befand sich eine Kammer mit einem Fenster . » Da muß ich Euch ja gleich etwas zum Essen bringen « . sagte der alte Mann . » Tu das , Huldrik « , sagte Witiko . Der alte Mann ging fort , und brachte dann in einem grünen Schüsselchen Milch , ein Laibchen weißes Brod , ein Messer und einen Hornlöffel . Er stellte die Milch auf den Tisch , und legte Brod Messer und Löffel daneben . Witiko setzte sich auf einen Stuhl an den Tisch , schnitt sich Stückchen Brotes in die Milch , und aß mit dem Hornlöffel . Huldrik stand vor ihm . Er hatte ein sehr grobes lichtgraues Wollgewand . Sein Rock war viel kürzer und weiter als gewöhnlich , kaum über den Oberkörper hinab reichend . Er war mit Haften geknüpft . Dann war die Beinbekleidung , schlottrig , als sei sie ihm wegen seines Alters zu groß geworden , und dann die Stiefel auch kürzer als gewöhnlich , von dickem Leder , und an den Sohlen mit dicken Eisennägeln beschlagen . Auf dem Kopfe hatte er , selbst da er zu Witiko hinaus gekommen war , keine Bedeckung gehabt . » Das ist eine Freude « , sagte er , indem er Witiko in das Angesicht sah , » nun nahet die Erfüllung . Seit Euren Kinderjahren seid Ihr nicht hier gewesen . « » Es hat sich nicht gefügt « , sagte Witiko . » Ihr seid einmal in Friedberg gewesen « , sagte Huldrik . » Damals mußte ich nach Prag reiten « , entgegnete Witiko . » Ich habe es von Florian erfahren « , sagte Huldrik , » und wie groß und schön Ihr seit den fünf Jahren geworden seid , da ich Euch nicht gesehen habe . « » Ich erkannte dich gleich wieder , Huldrik « , sagte Witiko , » aber des Häuschens hätte ich mich aus meiner Kinderzeit nicht mehr erinnern können . « » Nun seid Ihr hier , und nun wird alles anders werden « , entgegnete Huldrik , » Eure Mutter hätte Euch vor fünf Jahren schon , da ich bei Euch war , mit mir gehen lassen sollen , damit damals schon der Anfang gemacht worden wäre . « » Ich bleibe aber nicht lange bei dir « , sagte Witiko . » Das ist nun einerlei , weil Ihr nur einmal da seid , und der Beginn eingetreten ist « , antwortete Huldrik , » Ihr mögt nun in Plan sein , wie bisher , oder sonst irgend wohin gehen , das ändert jetzt nichts mehr , und die Geschicke gehen schon fort . « » Jetzt müssen wir zu dem Pferde sehen « , sagte Witiko , indem er den Hornlöffel hinlegte . » Ja « , sagte Huldrik . Sie gingen nun von der Stube wieder in den Stall , und Witiko fuhr in der weitern Besorgung des Pferdes fort . » Zeige mir jetzt doch auch die Dinge bei euch « , sagte er dann . » Nun , hier sind vier Kühe « , sagte Huldrik , » dort zwei Kälber , und in den leeren Stand gehören die zwei Ochsen , mit denen Jakob in das Holz gefahren ist . Folgt mir nun zu den Schafen . « Sie gingen nun in einen Stall , in welchem in einer Abteilung zwölf Schafe , in einer andern vier Ziegen und ein Ziegenbock waren . Dann zeigte Huldrik Witiko die vier Schweine in ihrem Stalle . Dann führte er ihn in die Scheuer , wo nur ein Rest Heu vom vorigen Jahre übrig war . » Die Hühner und andern Federtiere sind im Hofe und sonst überall « , sagte Huldrik , » das Gewölbe mit der Milch den Eiern und andern Dingen werde ich Euch zeigen , wenn Regina nach Hause kömmt . Sie bewahrt den Schlüssel . In der kleineren Milchkammer ist auch immer nur der kleinere Vorrat . Durch das Scheuertor seht Ihr hier die Hauswiese mit den zwei Rotkirschbäumen , die sehr gute Kirschen geben , und dort über Adams Haus hin , das Stück Feld gehört zu uns , dann ist der Kohlacker , wo die Steine liegen , und dort rechts an den Büschen , wo die Ebereschen stehen , ist ein Streifen Wiese , und wo der Weg von dem Walde herab geht , und die dunkeln Flecke sind , haben wir heuer den Haber , und unter dem Hügel ist auch noch etwas . Ich werde Euch morgen zu allem führen , oder heute noch , es ist nur jetzt niemand bei dem Pferde . « » Lassen wir es auf morgen « , sagte Witiko . » Morgen ist auch mehr Zeit « , antwortete Huldrik . Sie gingen nun wieder in die Wohnteile des Hauses , und dort zeigte Huldrik Witiko die Gelasse , in denen er und der Knecht und die Magd hausten . Dann zeigte er ihm noch die Kammern der Vorräte . » Wir senden doch alle Jahre einen Betrag des Anwesens ein « , sagte er , » wenn es auch das jetzt nicht ist , was es war . Siebenzig schöne Ziegenkäse einen Laib Rinderkäse und schönes Mehl haben wir Eurer Mutter nach Landshut geschickt . « » Sie hat große Freude daran gehabt « , sagte Witiko . » Das andere liefern wir nach Pric « , sagte Huldrik . » Es ist sehr gut « , antwortete Witiko . » Es ist , wie es sein kann « , sagte Huldrik , » jetzt beginnt das Weitere . « Sie vollendeten nach einer Weile die Wartung des Pferdes . Nun kam auch der Knecht mit dem Holze nach Hause , und lud es an einer Stelle , die etwas von dem Häuschen entfernt war , ab . Dann kam die alte Magd Regina , und brachte in ein grobes Tuch gebunden Kohlblätter , die man den Kühen unter das Futter mischte . Sie wurden Witiko vorgestellt , und begrüßten ihn , und er begrüßte sie . Dann gingen sie noch an ihre heutigen Tagesgeschäfte . Witiko wandelte nun allein noch eine Zeit gegen die zerstreuten Wohnungen des Schlages herum . Abends bereitete ihm Regina ein Mahl aus geräuchertem Schweinfleisch und Kohl , und er begab sich , als jede Tagesarbeit vollendet war , auf sein Lager in der Kammer zur Ruhe . Als am andern Tage die Morgenaufgabe getan , und das Morgenmahl eingenommen war , führten sie Witiko hinaus , und Huldrik zeigte ihm die Stückchen Wiesen und Felder , die zu dem Häuschen gehörten . Jakob und Regina gingen hintendrein , sie hatten sich wegen der Ankunft Witikos einen Feiertag gemacht . Witiko besah alles sehr genau , und sprach darüber . Da sie wieder in der Stube waren , sagte Huldrik , indem er auf einem Stuhle in der Nähe Witikos saß , und indem etwas ferner auch Regina saß , und die Hände in dem Schoße hielt , der Knecht aber stehend zuhörte : » Das ist nun das Wesen , welches Ihr und Eure Mutter in dem Walde hier besitzet , es trägt nicht viel , es trägt aber doch etwas , wie ich Euch gesagt habe . Euer Vater ist öfter hier gewesen , Eure Mutter auch , und einmal sind zwei Jungfrauen mit ihnen gewesen , die auf Zeltern ritten . Wir haben ihnen ein feines Lager in der Kammer bereitet . Euer Vater ist zuweilen unversehens von Pric gekommen , und hat sich in Stroh gebettet , oder in Heu , oder was es war . Das letzte Mal hat er in der Kammer geschlafen , da wir den Bären in dem Nahleswalde erlegt hatten . Und nun seid Ihr hier , wie es geweissagt worden ist . « » Dazu braucht es keiner Weissagung « , antwortete Witiko , » es ist ja zu denken , daß ich einmal kommen werde , und ich will das Haus manches Mal besuchen , wenn es sein kann . « » Ja , ja , so ist es « , sagte Huldrik , » da haben sie den Wald ausgereutet , und haben hie und da ein schlechtes Haus gebaut , und haben alles den Wangetschlag geheißen , und haben Felderteile gemacht , auf denen nicht viel wächst , und Wiesen und Hutweiden und Waldschläge , die andern gehören , und von denen auch ein Teil uns gehört , und im Winter liegt sehr lange der tiefe Schnee hier , und die Frucht ist mager , welche dann gedeiht . « » Wie es eben das Land bringt « , sagte Witiko , » eines hat dieses , ein anders hat jenes . « » Ja so ist es , so ist es « , sagte Huldrik . Als sie eine Weile geruht hatten , zeigte die alte Regina Witiko die Butter- und Milchkammer , wo sie im kalten rinnenden Quellwasser , das durch eine steinerne Kufe ging , ihre Butterlaibe schwimmen , und ihre Milchtöpfe stehen hatte , und wo der Vorrat der Eier lag , und zeigte ihm die Kammer , in der die Käse waren . Dann nannte sie ihm die Namen der Kühe und Kälber , und zeigte ihm Geflügel im Hofe und nannte die Namen der Tiere . Am Reste des Tages gingen Witiko Huldrik und Jakob in den Wald , der zu dem Hause gehörte , und die zwei Männer zeigten ihrem Herrn den schönen Bestand der Tannen Fichten Buchen und anderen Holzes , das da war , und den Forellenbach , der zu dem Walde gehörte . Diese Dinge waren nun sehr vollkommen . So verging der Tag . Am Abende saßen sie nicht an der Leuchte , weil die Sommerdämmerung sehr lange dauerte , sondern sie saßen in der Dämmerung , und sprachen . Als es dunkel wurde , ging man zur Ruhe . Am folgenden Tage besah Witiko alle Arbeiten des Hauses , und nahm Anteil an allem . Abends saßen sie wieder , da es dämmerte , in der Stube . Da sie am dritten Tage , nachdem die Forellen , welche Jakob gebracht hatte , verzehrt waren , wieder in der Abenddämmerung saßen , da Regina an einem alten Rocke flickte , Jakob eine Schnur flocht , und Witiko von der Milch dem Butter und dem Honig , das man ihm noch aufgenötigt hatte , etwas gekostet , und dann die Dinge auf dem Tische weiter geschoben hatte , sprach Huldrik : » Es gehen alle Zeichen in Erfüllung , und es wird wahr , was die alten Leute gesagt haben , daß es wahr werden soll , und es ist wahr , wie sie gesagt haben , daß es gewesen ist . « » Nun , was haben sie denn gesagt ? « fragte Witiko . » Ihr wißt es ja ohnehin « , sagte Huldrik . » Ich weiß es nicht « , entgegnete Witiko . » So hätten sie es Euch sagen sollen , da es Euch angeht « , erwiderte Huldrik . » Mich geht es an ? « fragte Witiko . » Freilich « , sagte Huldrik . » In alten Zeiten , als noch Thor und Freia herrschten und Perun und Lada , und als die Diasen waren , ist hier gar kein Wald gewesen , weit herum gar keiner , sondern schöne Felder und Gärten und Fluren und Haine , und da sind friedsame Völker gewesen , von hier bis an das Meer . Die Wälder waren dort , wo jetzt die Sonne steht , und hier haben milde Lüfte geweht . « » Das habe ich nie gehört « , sagte Witiko . » Das hat mir mein Urgroßvater erzählt , und ihm hat es wieder sein Urgroßvater erzählt , und so immer die Urgroßväter ; denn bei uns sind die Männer sehr alt geworden « , entgegnete Huldrik , » bis auf jenen Urgroßvater hinauf , der gelebt hat , da es hier so war . Und das Land hat Eurem Stamme gehört , Witiko , sie haben verschiedene Schlösser gehabt , und haben bald in dem einen bald in dem andern gewohnt . Und wo dieses Häuschen steht , ist auch ein Schloß gestanden voll Pracht . Und das ist tausend Jahre gewesen . Dann kamen kriegerische Männer aus Welschland , und haben ein großes Reich gemacht , und haben die Völker vor sich hergetrieben , daß Land und Leute zerstört worden sind . Da ist auch hier alles zu Grunde gegangen , es ist der Wald gewachsen , als wäre nie etwas anderes da gewesen , und die winterliche Luft ist gekommen und die dürftigen Gewächse . Dann ist einmal nach langer Zeit von Euren Voreltern , die damals fortgeführt worden waren , ein Sprößling namens Witiko mit Leuten von Rom hieher gegangen , hat den neuen Glauben gebracht , und hat von dem Volke , das das Land an sich gerissen hatte , den Wald erobert , und hat wieder Schlösser gebaut , und hat weit geherrscht , und seine Nachkommen haben geherrscht ; denn es ist geweissagt worden , daß immer ein Witiko den Stamm erretten werde . Sie haben Jagdhäuser erbaut , und wo dieses Häuschen steht , ist zwar nicht mehr das alte Schloß voll Pracht , aber ein Jagdhaus erbaut worden . Da haben sie Feste gegeben , und haben des Vergnügens genossen , bis wieder das Unheil gekommen ist , bis wieder alles zerstört worden ist , und bis wieder der Wald gewachsen ist , den man hat reuten müssen , um dieses Häuschen zu erbauen . Nun seid Ihr gekommen , Witiko , wie es in der Weissagung heißt : der reichste Herr des Stammes wird kommen , und Milch und Honig auf dem Buchentische essen , wo dann die silbernen und goldenen Tische stehen werden . « » Das sind wunderliche Dinge « , sagte Witiko . » Ihr seid wieder Witiko « , sprach der Alte , » der Stamm wird auferstehen , weil es gesagt worden ist , und meine Augen werden es noch sehen . « » Möge dir Gott ein langes Leben schenken « , sagte Witiko . » Das geht sehr schnell « , antwortete Huldrik , » und ich werde Euch den Bügel halten , wenn Ihr hier in Euer Schloß einzieht . « » Wenn ich einziehe , so halte den Bügel « , sagte Witiko . » Und zahlreiche Nachkommenschaft werde ich von Euch noch sehen « , sagte Huldrik . » Jetzt bin ich aber allein « , entgegnete Witiko . » Die Jungfrau blüht schon , die Euer Weib sein wird « , sagte Huldrik . » Versuchen wir nicht Gott , Huldrik « , sagte Witiko , » und erwarten wir , was sein wird . « » Es wird sein , es wird sein « , sagte Huldrik . Er stand auf , und sah dem Jünglinge freundlich in das Angesicht . Dieser saß in seinem Ledergewande auf dem Buchenlehnstuhle . Der alten Magd Regina waren die Hände in den Schoß gesunken , Jakob hatte von seiner Arbeit aufgehört , und beide sahen den Greis an . Witiko stand auch auf . » Erlaubt , daß ich Euch in Eure Kammer geleite , hoher Herr « , sagte Huldrik . » Lebe wohl und schlafe ruhig , Huldrik « , sagte Witiko . » Wie es Gott fügt « , antwortete Huldrik . Und sie verließen alle die Stube , und gingen in ihre Schlafkammern . Witiko blieb noch einen Tag in dem Hause . Am nächsten Tage verabschiedete er sich , und verlangte , daß der Knecht mit ihm nach dem Orte Friedberg gehe , und daß er von da sein Pferd an der Moldau aufwärts bis zu der Herberge an der untern Moldau führe , und dort auf ihn warte ; denn er selber werde auf den Kamm des Thomaswaldes gehen , und dann in der Herberge eintreffen . Der Greis Huldrik ließ es nicht zu , und sagte , er selbst müsse das Pferd führen , der Knecht könne neben ihm hergehen . Witiko fügte sich , und so ritt er von dem Wangetschlage weg . Der Greis ging in seinem Anzuge , zu dem er noch eine graue Filzhaube mit einer kleinen blauen Taubenfeder aufgesetzt hatte , einige Schritte hinter dem Pferde , und wieder einige Schritte hinter dem Greise ging der Knecht Jakob . In Friedberg zogen sie auf dem Fahrstege über die Moldau . Am jenseitigen Ufer stieg Witiko ab , und legte die Zügel des Pferdes in die Hände Huldriks . Dieser schlug von dem Knechte gefolgt das Pferd führend in dem Walde den schmalen Saumweg ein , der dem Wasser entgegen fortlief , und Witiko schritt links , und begann , die breite Höhe des Thomaswaldes hinan zu steigen . Auf dem Wege , den er einmal mit dem Führer Florian herab gekommen war , gelangte er nach etwas mehr als einer Stunde auf den Waldkamm , und fand sehr bald die Lichtung , auf welcher die Säule des heiligen Apostels Thomas gestanden war . Hier blieb er stehen , und sah auf das Land Baiern hinab , um welches jetzt Leopold und die Angehörigen des stolzen Heinrich stritten , und von welchem der Teil gegen Morgen , durch den die Donau , die Traun und die Enns flossen , vor ihm ausgebreitet lag , bis wo die Alpenberge zogen , und die steirische Mark begann . Dann sah er gegen das Land Böhmen , in welchem jetzt ein so wichtiger Wechsel des Herrschers vollzogen worden war . Er sah unter sich den blaulichen Wald durchstreift von der lichten Schlange der Moldau , dann sah er in der Richtung zwischen Morgen und Mitternacht den Blansko als letzte Waldhöhe an dem Himmel , in der Richtung zwischen Mitternacht und Abend konnte er in den dunkeln Wäldern den fahlen Wacholderberg erkennen , der bei Plan stand , und von diesem Berge gegen Abend die blaue Wand , die den dunkeln See und die drei Sessel hegte . Der Ort , wo er stand , war die höchste Waldesstelle . Dann ging er auf einem schmalen Pfade schief in der Richtung gegen Mitternacht und Abend durch den Thomaswald wieder zu dem Wasser der Moldau nieder , und kam an der Stelle an , welche die untere Moldau hieß , und an welcher die gezimmerte Herberge stand , von der Rowno gesagt hatte . In der Herberge fand er Huldrik und den Knecht Jakob und sein Pferd . Nachdem die Pflege des Pferdes besorgt worden war , und nachdem er mit seinen Begleitern ein Mittagmahl eingenommen hatte , verabschiedeten sie sich , Huldrik ging mit dem Knechte auf dem Saumwege an der Moldau nach Friedberg und von da in den Wangetschlag zurück . Witiko ritt von der Herberge auf dem Stege über das Wasser der Moldau , dann mitternachtwärts an dem neuen Eckschlage vorbei , dann gegen Abend über ein schwarzes Moor , dann durch dichte Wälder , und kam am Nachmittage in dem oberen Plane an . Er wurde von den Seinigen sehr freundlich begrüßt , und Raimund trug die schöne Armbrust in die Kammer . Witiko legte nun seine Lederbekleidung wieder ab , tat sein Waldgewand an , und lebte wie früher . Er machte nun häufig Übungen mit seinem Pferde im Schnellaufen auf einem Boden mit Unebenheiten Gestrippe und andern Hindernissen . Am Ende des Herbstmonates kam ein Mann mit einem Wanderstabe zu ihm , und sagte , daß er von Hostas Burg komme . Er habe zu den Leuten der Burg gehört , weil er aber schon alt werde , verlangte es ihn in seine Heimat , Bores erwirkte ihm seine Verabschiedung , und er verließ die Burg . Weil seine Heimat aber auch im Walde sei , so habe ihm Bores eine Nachricht an Witiko mitgegeben . » Welche Nachricht ? « fragte Witiko . » Daß die Herzogin Adelheid gestorben ist « , sagte der Mann . » Die Herzogin Adelheid ist gestorben « , rief Witiko , indem er von seinem Stuhle aufsprang , » die Herzogin Adelheid ist gestorben . « » Ja « , sagte der Mann . » Wie hat denn das sein können ? « fragte Witiko . » Wir wissen es nicht « , sagte der Mann , » die erlauchte Herzogin ist in dem Gemache gewesen , in welchem der Herzog gestorben war , hat dort ihre Kinder gepflegt , hat dort geschlafen , ist immer dort gewesen , hat keine Krankheit gehabt , ist stets weißer geworden , und ist am fünfzehnten Tage des Herbstmonates gestorben . « » Und was ist mit den Kindern geschehen ? « fragte Witiko . » Sie sind nach Prag gebracht worden « , antwortete der Mann . » Und hast du die Herzogin in ihrer letzten Zeit gesehen ? « fragte Witiko . » Ich habe die Herzogin noch gesehen , da sie tot war « , erwiderte der Mann , » sie hat tot so ausgesehen wie lebendig . « » Und hat man ihr in Hostas Burg , da sie lebte , Ehren erwiesen ? « fragte Witiko . » Der Herzog hat ihr alle Macht übergeben « , entgegnete der Mann , » und wir sind ihr alle untertan gewesen . « » Und wo ist sie bestattet worden ? « fragte Witiko . » Sie ist mit Würden in den Wysehrad zu ihrem Gemahle geführt worden « , antwortete der Mann . Witiko ging einige Male in der Stube auf und nieder . Dann setzte er sich wieder an den Tisch , und sagte : » So ist sie ihm also gefolgt , so ist sie ihm also gefolgt . « Und er stützte sein Haupt in seine Hände . Nach einer Weile sah er wieder zu dem Manne empor , und sagte : » Du hast mir eine wichtige wenn auch traurige Nachricht gebracht , ich danke dir inständig , und bitte dich , bleibe bei uns , und genieße mit uns , was wir haben , so lange du willst . « » Ich habe Euch in Hostas Burg gesehen « , erwiderte der Mann , » wo Ihr dem Herzoge einen Dienst erwiesen habt , und bin recht gerne zu Euch gekommen , um Euch die Nachricht zu bringen . « » Du bist auch im Walde zu Hause ? « fragte Witiko . » Ja , in den Häusern des Winterberges « , sagte der Mann . » Du wirst jetzt bei den Deinigen bleiben « , sagte Witiko . » Bei zwei Brüdern ist mir das Verbleiben ausbedungen « , antwortete der Mann . » So genieße deiner Ruhe , wenn es die Zeiten erlauben « , sagte Witiko . » Bei uns ist es immer stille und gleich « , antwortete der Mann . » Möge es bleiben « , entgegnete Witiko . Dann ging er in das Freie , und wandelte zwischen den Feldern dahin . Der Mann blieb zwei Tage in dem steinernen Hause . Dann empfing er Geschenke von Witiko , nahm seinen Stab , und trat die Wanderung wieder an . Er ging mit dem ersten Lichte des Tages an der linken Seite des Wacholderberges gegen Abend hin , und strebte seinem Ziele zu , das er beim Untergange der Sonne erreichen konnte . Es kam allgemach der zweite Winter , den Witiko in Plan zubrachte . Als noch der Schnee auf den Feldern lag , erschien in dem oberen Plane ein wirrer Mann , und sagte , daß er von seinem Hause vertrieben worden sei , und daß er habe entfliehen müssen . Der Herzog wüte gegen seine Untertanen , verjage sie von Haus und Hof , oder töte sie . Es seien auch zwei Männer in dem Walde von Horec angekommen , und haben dort eine Siedelei gründen wollen , sie seien aber wieder weiter gezogen . Da man ihn mit Speise und Trank erquickt hatte , ging der Mann in dem tiefen Schnee durch den Wald nach Baiern hinüber . Witiko aber gürtete sein Schwert , nahm seinen Wollmantel , hieß den Knecht Raimund ihm folgen , bestieg sein Pferd , und schlug den Weg mitternachtwärts in das Land ein . Als sie in die freien Gegenden gekommen waren , erfuhren sie , daß der Herzog die Räuber in dem Lande plötzlich habe verfolgen , und die , welche nicht zu entfliehen vermochten , ergreifen und auf Bäumen oder Pfählen aufhängen lassen . Die Kriegsknechte hätten sich versammelt , seien in die Häuser und Vesten gedrungen , in denen die Schuldigen sich verteidigten , und haben sie ihrem Urteile zugeführt . Dann seien sie wieder in ihre Burgen , in denen sie sonst zerstreut waren , zurück gegangen . In dem Lande war eine große Unruhe . Witiko kehrte mit dem Knechte wieder in das steinerne Haus zurück . Als der Lenz gekommen war , ritt eines Tages ein Mann in einem schönen braunen Gewande mit einer schwarzen Haube auf dem Kopfe , in der eine gerade weiße Feder stak , von einem Gefährten begleitet , gegen das Haus . Als er vor demselben angekommen war , stieg er von dem Pferde , ließ es von seinem Gefährten halten , trat in die Stube , und setzte sich dort von Witiko dazu eingeladen zu ihm an den Tisch . Er war jung , und hatte blonde Haare und blaue Augen . » Ich bin Mikul « , sagte er zu Witiko , » und bin in der Versammlung auf dem Wysehrad gewesen , in welcher du als Hörer zugelassen worden bist . « » Ich kann dich nicht erkennen « , antwortete Witiko , » weil ich mir die Männer , die in jenem Saale gewesen sind , nicht habe in das Gedächtnis sammeln können . Was ist dein Begehren ? « » Weil du so