Rosenhauses zu fragen . Nach und nach änderte sich die Zeit immer mehr und immer gewaltiger . Die Tage waren viel länger geworden , die Sonne schien schon sehr warm , die Fristen , in denen der Himmel sich klar und wolkenlos zeigte , wurden bereits länger als die , in denen er umwölkt oder neblich war , die Erde sproßte , die Bäume knospten , an den Rosenbäumchen vor dem Hause wurde sehr fleißig gearbeitet , alles war heiter , und der Frühling war in seiner ganzen Fülle eingetreten . Diese Zeit war schon lange als diejenige bestimmt gewesen , in welcher ich abreisen würde . Ich sagte dieses noch einmal meinem Gastfreunde , und da ich Anstalten getroffen hatte , meinen Koffer fort zu senden , wurde der Tag der Abreise festgesetzt . Wir hatten früher noch die Verabredung getroffen , daß ich meine Arbeiten so einrichten wolle , daß ich zur Zeit der Rosenblüte wiederkommen und wieder längere Zeit in dem Hause verbleiben könne . Da ich sah , daß ich gerne aufgenommen werde , und daß ich in Hinsicht der äußeren Mittel keine Last in dem Hause sei , und da mein Gemüt sich auch diesem Orte zugeneigt fühlte , so war mir diese Verabredung ganz nach meinem Sinne . Nur , meinte mein Gastfreund , müßte ich dann in den Gebirgstälern schon zur Herreise aufbrechen , wenn dort kaum die Rosen völlige Knospen hätten , weil sie hier der bessern Erde und der bessern Pflege willen früher blühen als an allen Teilen des Landes . Ich sagte es zu , und so war alles in Ordnung . Am Tage vor meiner Abreise kam Eustachs Bruder zurück . Er mochte zwanzig und einige Jahre alt sein , war schön gewachsen , hatte braune Wangen und dunkle Locken und ein klein wenig aufgeworfene Lippen . Mir war , als wäre ich dem Manne schon einige Male auf meinen Reisen begegnet . Er brachte in seinem Buche viele und darunter schöne Zeichnungen mit , welche mit Anteil betrachtet wurden . Sie sollten nun auf größerem Papiere und in künstlerischer Richtung ausgeführt werden . Als ich am Abende vor der Abreise noch im Meierhofe gewesen war , als ich am Morgen derselben zu Eustach und den Gärtnersleuten gegangen war , als ich den Hausbewohnern Lebewohl gesagt und von meinem Gastfreunde und von Gustav vor dem Hause Abschied genommen hatte : ging ich den Hügel hinunter , und ich hörte schon von dem Garten und von den Hecken und aus den Saaten den kräftigen Frühlingsgesang der Vögel . 7. Die Begegnung Auf der Reise nach dem Orte meiner Bestimmung zeichnete ich ein schönes Standbild , welches ich in der Nische einer Mauertrümmer fand . Ich hatte dazu mein Zeichnungsbuch aus dem Ränzlein genommen , in welchem ich es jetzt immer trug . Dies war die einzige Unterbrechung und der einzige Aufenthalt auf dieser Reise gewesen . Als ich an meinem Bestimmungsorte angelangt war , war das erste , was ich tat , daß ich meine Zeit besser zu Rate hielt als früher . Ich mußte mir bekennen , daß die Art , wie in dem Rosenhause das Tagewerk betrieben wurde , auf mich von großem Einflusse sein solle . Da dort der Wert der Zeit sehr hoch angeschlagen und dieses Gut sehr sorgfältig angewendet wurde , so fing ich , wenn ich mir auch bisher einen großen Vorwurf nicht hatte machen können , dennoch an , mit viel mehr Ordnung als bisher nach einem einzigen Ziele während einer bestimmten Zeit hinzuarbeiten , während ich früher , durch augenblickliche Eindrücke bestimmt , mit den Zielen öfter wechselte , und , obwohl ich eifrig strebte , doch eine dem Streben entsprechende Wirkung nicht jederzeit erreichte . Ich machte mir nun zur Aufgabe , eine bestimmte Strecke zu durchforschen , und im Verlaufe überhaupt nichts liegen zu lassen , was von Wesenheit wäre , aber auch nichts auf eine gelegenere Zukunft zu verschieben , so daß , sollte ich bis zur Rosenzeit mit der vorgesetzten Strecke nicht fertig werden , wenigstens der Teil , den ich vollendete , wirklich fertig wäre , und ich auf genau umschriebene Ergebnisse zu deuten im Stande wäre . Das sah ich nach dem Beginne der Arbeiten sehr bald , daß ich mir den Raum zu groß ausgesteckt hatte ; aber auch das sah ich sehr bald , daß der kleinere Raum , den ich überwinden würde , mir mehr an Erfolg sicherte , als wenn ich wie in meiner Vergangenheit durch geraume Zeit den Blick so ziemlich auf alles gespannt hätte . Hiezu kam auch eine gewisse Zufriedenheit , die ich fühlte , wenn ich sah , daß sich Glied an Glied zu einer Ordnung an einander reihte , während früher mehr ein ansprechender Stoff durcheinander lag als daß eine aus dem Stoffe hervorgehende Gestaltung sich entwickelt hätte . Meine Kisten füllten sich , und stellten sich an einander . Meine Führer und meine Träger gewannen auch einen Halt in der neuen Ordnung , und es wuchs ihnen ein Zu trauen zu mir . Ich bekam eine Neigung zu ihnen , die sie erwiderten , so daß sich ein fröhliches Zusammenleben immer mehr gestaltete und die Arbeit heiter und darum auch zweckmäßig wurde . Oft , wenn wir abends in der Wirtsstube um den großen viereckigen Ahorntisch , oder , da die Tage endlich heißer wurden , statt an den toten Brettern des Tisches draußen unter den lebenden und rauschenden Ahornen saßen , um welche ein fichtener Tisch zusammen gezimmert war , und auf welche das viel fenstrige Gasthaus heraus sah , rechneten sie sich vor , was heute , was seit vierzehn Tagen geschehen sei , wie viel wir , wie sie sich ausdrückten , abgetan haben , und wie viel Gebirge zusammen gestellt worden sei . Sie fingen auch bald an , die Sache nach ihrer Art zu begreifen , über Vorkommnisse in den Gebirgszügen zu reden und zu streiten und mir zuzumuten , daß , wenn ich mir merken könnte , woher alle die gesammelten Stücke seien , und wenn ich die Höhe und die Mächtigkeit der Gebirge zu messen im Stande wäre , ich das Gebirge im kleinen auf einer Wiese oder auf einem Felde aufstellen könnte . Ich sagte ihnen , daß das ein Teil meines Zweckes sei , und wenn gleich das Gebirge nicht auf einer Wiese oder auf einem Felde zusammengestellt werde , so werde es doch auf dem Papiere gezeichnet , und werde mit solchen Farben bemalt , daß jeder , der sich auf diese Dinge verstände , das Gebirge mit allem , woraus es bestehe , vor Augen habe . Deshalb merke ich mir nicht nur , woher die Stücke seien , und unter welchen Verhältnissen sie in den Bergen bestehen , sondern schreibe es auch auf , damit es nicht vergessen werde , und beklebe auch die Stücke mit Zetteln , auf denen alles Notwendige stehe . Diese Stücke , in ihrer Ordnung aufgestellt , seien dann der Beweis dessen , was auf dem Papiere oder der Karte , wie man das Ding nenne , aufgemalt sei . Sie meinten , daß dieses sehr klug getan sei , um , wenn einer einen Stein oder sonst etwas zu einem Baue oder dergleichen bedürfe , gleich aus der Karte heraus lesen zu können , wo er zu finden sei . Ich sagte ihnen , daß ein anderer Zweck auch darin bestehe , aus dem , was man in den Gebirgen finde , schließen zu können , wie sie entstanden seien . Die Gebirge seien gar nicht entstanden , meinte einer , sondern seien seit Erschaffung der Welt schon dagewesen . » Sie wachsen auch , « sagte ein anderer , » jeder Stein wächst , jeder Berg wächst wie die anderen Geschöpfe . Nur « , setzte er hinzu , weil er gerne ein wenig schalkhaft war , » wachsen sie nicht so schnell wie die Schwämme . « So stritten sie länger und öfter Über diesen Gegenstand , und so besprachen wir uns über unsere Arbeiten . Sie lernten durch den bloßen Umgang mit den Dingen des Gebirges und durch das öftere Anschauen derselben nach und nach ein Weiteres und Richtigeres , und lächelten oft über eine irrige Ansicht und Meinung , die sie früher gehabt hatten . Mein Tagebuch der Aufzeichnungen zur Festhaltung der Ordnung dehnte sich aus , die Blätter mehrten sich und gaben Aussicht zu einer umfassenden und regelmäßigen Zusammenstellung des Stoffes , wenn die Wintertage oder sonst Tage der Muße gekommen sein würden . An Sonntagen oder zu anderen Zeiten , wo die Arbeit minder drängte , gab es noch Gelegenheit zu manchen angenehmen Freuden und zu stärkender Erholung . Eines Tages fanden wir ein Stück Marmor , von dem ich dachte , daß ihn mein Gastfreund in seinem Rosenhause noch gar nicht habe . Er war von dem reinsten Weiß , Rosenrot und Strohgelb in kleiner und lieblicher Mischung . Seine Art ist eine der seltensten , und hier war sie in einem so großen Stücke vorhanden , wie ich sie noch nie gesehen hatte . Ich beschloß , diesen Marmor meinem Gastfreunde zum Geschenke zu machen . Ich versuchte , mir ein Eigentumsrecht darüber zu erwerben , und als mir dieses gelungen war , ging ich daran , das Stock , soweit seine Festigkeit ununterbrochen war , heraus nehmen und in eine Gestalt schneiden zu lassen , deren es fähig war . Es zeigte sich , daß eine schöne Tischplatte aus diesem Stoffe zu verfertigen wäre . Von den losen Schuttstücken nahm ich mehrere der besseren mit , um allerlei Dinge der Erinnerung daraus machen zu lassen . Eines ließ ich zu einer Tafel schleifen und dieselbe glätten , daß mein Gastfreund die Zeichnung und die Farbe des Marmors auf das beste sehen könne . So war eine Strecke abgetan , als in den Tälern sich die kleinen Knospen der Rosen zu zeigen anfingen , und selbst an dem Hagedorn , der in Feldgehegen oder an Gebirgssteinen wuchs , die Bällchen zu der schönen , aber einfachen Blume sich entwickelten , die die Ahnfrau unserer Rosen ist . Ich beschloß daher , meine Reise in das Rosenhaus anzutreten . Ich habe mich kaum mit größerem Vergnügen nach einem langen Sommer zur Heimreise vorbereitet , als ich mich jetzt nach einer wohlgeordneten Arbeit zu dem Besuche im Rosenhause anschickte , um dort eine Weile einen angenehmen Landaufenthalt zu genießen . Eines Nachmittages stieg ich zu dem Hause empor , und fand die Rosen zwar nicht blühend , aber so überfüllt mit Knospen , daß in nicht mehr fernen Tagen eine reiche Blüte zu erwarten war . » Wie hat sich alles verändert , « sagte ich zu dem Besitzer , nachdem ich ihn begrüßt hatte , » da ich im Frühlinge von hier fortging , war noch alles öde , und nun blättert , blüht und duftet alles hier beinahe in solcher Fülle wie im vorigen Jahre zu der Zeit , da ich zum ersten Male in dieses Haus heraufkam . « » Ja , « erwiderte er , » wir sind wie der reiche Mann , der seine Schätze nicht zählen kann . Im Frühlinge kennt man jedes Gräschen persönlich , das sich unter den ersten aus dem Boden hervor wagt , und beachtet sorgsam sein Gedeihen , bis ihrer so viele sind , daß man nicht mehr nach ihnen sieht , daß man nicht mehr daran denkt , wie mühevoll sie hervor gekommen sind , ja laß man Heu aus ihnen macht , und gar nicht darauf achtet , daß sie in diesem Jahre erst geworden sind , sondern tut , als ständen sie von jeher auf dem Platze . « Man hatte mir eine eigene Wohnung machen lassen , und führte mich in dieselbe ein . Es waren zwei Zimmer am Anfange des Ganges der Gastzimmer , welche man durch eine neugebrochene Tür zu einer einzigen Wohnung gemacht hatte . Das eine war bedeutend groß , und hatte ursprünglich die Bestimmung gehabt , mehrere Personen zugleich zu beherbergen . Es war jetzt ausgeleert , an seinen Wänden standen Tische und Gestelle herum , so wie in seiner Mitte ein langer Tisch angebracht war , damit ich meine Sachen , die ich etwa von dem Gebirge brächte , ausbreiten könnte . Das zweite Zimmer war kleiner , und war zu meinem Schlaf- und Wohngemache hergerichtet . Der alte Mann reichte mir die Schlüssel zu dieser Wohnung . Auch zeigte man mir in der leichten gemauerten Hütte , die nicht weit hinter der Schreinerei an der westlichen Grenze des Gartens lag und in früheren Zeiten zu den Steinarbeiten benutzt worden war , einen Raum , den man ausgeleert hatte , und in welchen ich Gegenstände , die ich gesammelt hätte , bis auf weitere Verfügung niederlegen könnte . Sollte ich mehr brauchen , so könne noch mehr geräumt werden , da jetzt die Arbeiten mit den Steinen fast beendigt seien und selten etwas gesägt , geschliffen oder geglättet werde . Ich war über diese Aufmerksamkeiten so gerührt , daß ich fast keinen Dank dafür zu sagen vermochte . Ich begriff nicht , was ich mir denn für Verdienste um den Mann oder seine Umgebung erworben habe , daß man solche Anstalten mache . Das Eine gereichte zu meiner Beruhigung , daß ich aus diesen Vorrichtungen sah , daß ich in dem Hause nicht unwillkommen sei ; denn sonst wäre man nicht auf den Gedanken derselben geraten . Dieses Bewußtsein versprach meinen Bewegungen in den hiesigen Verhältnissen viel mehr Freiheit zu geben . Ich stattete endlich doch meinen Dank ab , und man nahm ihn mit Vergnügen auf . Da ich in meiner Wohnung meine Wandersachen abgelegt hatte und die ersten allgemeinen Gespräche vorüber waren , wollte ich einen übersichtlichen Gang durch den Garten machen . Ich ging bei der Seitentür des Hauses hinaus , und da ich auf den kleinen Raum kam , der hier eingefaßt ist , kam der große Hofhund auf mich zu und wedelte . Als ich sah , daß der alte Hilan mich erkenne und begrüße , war ich so kindisch , mich darüber zu freuen , weil es mir war , als sei ich kein Fremder , sondern gehöre gewissermaßen zur Familie . Am nächsten Tage nach meiner Ankunft erschien der Wagen mit meinem Gepäcke und mit der Marmorplatte . Ich ließ abladen , und übergab die Platte meinem Gastfreunde mit dem Bedeuten , daß ich ihm in derselben eine Erinnerung aus dem Gebirge bringe . Zugleich händigte ich ihm das kleinere , geschliffene Stück zur genaueren Einsicht in die Natur des Marmors ein . Er besah das Stück und dann auch die Platte sehr sorgfältig . Hierauf sagte er : » Dieser Marmor ist außerordentlich schön , ich habe ihn noch gar nicht in meiner Sammlung , auch scheint die Platte dicht und ohne Unterbrechung zu sein , so daß ein reiner Schliff auf ihr möglich sein wird , ich bin sehr erfreut , in dem Besitze dieses Stockes zu sein , und danke Euch sehr dafür . Allein in meinem Hause kann er als Bestandteil desselben nicht verwendet werden , weil dort nur solche Stücke angebracht sind , welche ich selber gesammelt habe , und weil ich an dieser Art der Sammlung und an der Verbuchung darüber eine solche Freude habe , daß ich auch in der Zukunft nicht von diesem Grundsatze abgehe . Es wird aber ganz gewiß aus diesem Marmor etwas gemacht werden , das seiner nicht unwert ist , ich hege die Hoffnung , daß es auch Euch gefallen wird , und ich wünsche , daß die Gelegenheit seiner Verwendung Euch und mir zur Freude gereiche . « Ich hatte ohnehin ungefähr so etwas erwartet , und war beruhigt . Der Marmor wurde in die Steinhütte gebracht , um dort zu liegen , bis man über ihn verfügen würde . Meine übrigen Dinge aber ließ ich in meine Wohnung bringen . Ich ging im Sommer immer sehr leicht gekleidet , entweder in ungebleichtem oder gestreiftem Linnen . Den Kopf bedeckte meistens ein leichter Strohhut . Um nun hier nicht aufzufallen , und um weniger von der einfachen Kleidung der Hausbewohner abzustechen , nahm ich ein paar solcher Anzüge samt einem Strohhute aus dem Koffer , kleidete mich in einen , und legte dafür meinen Reiseanzug für eine künftige Wanderung zurück . Mein Gastfreund hatte auf seiner Besitzung eine etwas eigentümliche Tracht teils eingeführt , teils nahmen sie die Leute selber an . Die Dienerinnen des Hauses waren in die Landestracht gekleidet , nur dort , wo diese , wie namentlich in unserem Gebirge , ungefällig war oder in das Häßliche ging , wurde sie durch den Einfluß des Hausbesitzers gemildert und mit kleinen Zutaten versehen , die mir schön erschienen . Diese Zutaten fanden im Anfange Widerstand , aber da sie von dem alten Herrn geschenkt wurden und man ihn nicht kränken wollte , wurden sie angenommen , und später von den Umwohnerinnen nicht nur beneidet , sondern auch nachgeahmt . Die Männer , welche in dem Hause dienten oder in dem Meierhofe arbeiteten oder in dem Garten beschäftigt waren , trugen gefärbtes Linnen , nur war dasselbe nicht so dunkel , als es bei uns im Gebirge gebräuchlich ist . Eine Jacke oder eine andere Art Überrock hatten sie im Sommer nicht , sondern sie gingen in lediglichen Hemdärmeln , und um den Hals hatten sie ein loses Tuch geschlungen . Auf dem Haupte trugen einige , wie der Hausherr , nichts , andere hatten den gewöhnlichen Strohhut . Eustach schien in seiner Kleidung niemanden nachzuahmen , sondern sie selbst zu wählen . Er ging auch in gestreiftem Linnen , meistens rostbraun mit grau oder weiß ; aber die Streifen waren fast handbreit , oder es hatte der ganze Stoff nur zwei Farben , die Hälfte des Längenblattes braun , die Hälfte weiß . Oft hatte er einen Strohhut , oft gar nichts auf dem Haupte . Seine Arbeiter hatten ähnliche Anzüge , auf denen selten ein Schmutzfleck zu sehen war ; denn bei der Arbeit hatten sie große grüne Schürzen um . Unter allen diesen Leuten hoben sich der Gärtner und die Gärtnerin heraus , welche bloß schneeweiß gingen . Ich zeigte meinem Gastfreunde und Eustach die Zeichnung , welche ich von dem Standbilde in der Mauernische gemacht hatte . Sie freuten sich , daß ich auf derlei Dinge aufmerksam sei , und sagten , daß sie dasselbe Bild auch unter ihren Zeichnungen hätten , nur daß es jetzt mit mehreren anderen Blättern außer Hause sei . Ich betrachtete nun alles , was mir in dem Garten und auf dem Felde im vorigen Jahre in derselben Jahreszeit merkwürdig gewesen war . Die Blätter der Bäume , die Blätter des Kohles und die von anderen Gewächsen waren vom Raupenfraße frei , und nicht nur die im Garten , sondern auch die in der nächsten und in der in ziemliche Ferne reichenden Umgebung . Ich hatte bei meiner Herreise eigens auf diesen Umstand mein Augenmerk gerichtet . Dennoch entbehrte der Garten nicht des schönen Schmuckes der Faltern ; denn einerseits konnten die Vögel doch nicht alle und jede Raupen verzehren , und andererseits wehte der Wind diese schönen lebendigen Blumen in unsern Garten , oder sie kamen auf ihren Wanderungen , die sie manchmal in große Entfernungen antreten , selber hieher . Der Gesang der Vögel war mir wieder wie im vorigen Jahre eigentümlich , und er war mir wieder ganz besonders schmelzend . Dadurch , daß sie in verschiedenen Fernen sind , die Laute also mit ungleicher Stärke an das Ohr schlagen , dadurch , daß sie sich gelegentlich unterbrechen , da sie inzwischen allerlei zu tun haben , eine Speise zu haschen , auf ein Junges zu merken , wird ein reizender Schmelz veranlaßt wie in einem Walde , während die besten Singvögel in vielen Käfichen nahe bei einander nur ein Geschrei machen , und dadurch , daß sie in dem Garten sich doch wieder näher sind als im Walde , wird der Schmelz kräftiger , während er im Walde zuweilen dünn und einsam ist . Ich sah die Nester , besuchte sie , und lernte die Gebräuche dieser Tiere kennen . In meinen Zimmern richtete ich mich ein , ich tat die Bücher und Papiere , die ich mitgebracht hatte , heraus , um zu lesen , einzuzeichnen und zu ordnen . Ich legte auch auf den großen Tisch und auf die Gestelle an den Wänden kleinere Gegenstände , die ich mitgebracht hatte , besonders Versteinerungen oder andere deutlichere Überreste , um sie zu benutzen . Gustav kam häufig zu mir herüber , er nahm Anteil an diesen Dingen , ich erklärte ihm manches , und mein Gastfreund sah es nicht ungern , wenn ich mit ihm , entweder ein Buch in der Hand , unter den schattigen Linden des Gartens , oder ohne Buch , auf großen Spaziergängen - denn der alte Mann liebte die Bewegung noch sehr - von meiner Wissenschaft sprach . Er erzählte mir dagegen von der seinigen , und ich hörte ihm freundlich zu , wenn er auch Dinge brachte , die mir schon besser bekannt waren . Zeiten , in denen ich ohne Beschäftigung und allein war , brachte ich auf Gängen in den Feldern , oder auf einem Besuche in dem Schreinerhause , oder in dem Gewächshause oder bei den Kaktus zu . Die wogenden Felder , die ich im vorigen Jahre um dieses Anwesen getroffen hatte , waren auch heuer wogende , und wurden mit jedem Tage schöner , dichter und segensreicher , der Garten hüllte sich in die Menge seiner Blätter und der nach und nach schwellenden Früchte , der Gesang der Vögel wurde mir immer noch lieblicher und schien die Zweige immer mehr zu erfüllen , die scheuen Tiere lernten mich kennen , nahmen von mir Futter und fürchteten mich nicht mehr . Ich lernte nach und nach alle Dienstleute kennen und nennen , sie waren freundlich mit mir , und ich glaube , sie wurden mir gut , weil sie den Herrn mich mit Wohlwollen behandeln sahen . Die Rosen gediehen sehr , Tausende harrten des Augenblicks , in dem sie aufbrechen würden . Ich half oft an den Beschäftigungen , die diesen Blumen gewidmet wurden , und war dabei , wenn die Rosenarbeiten besichtiget wurden , und ausgemittelt ward , ob alles an ihnen in gutem Stande sei . Ebenso ging ich gerne zum Besehen anderer Dinge mit , wenn auf Wiesen oder im Walde gearbeitet wurde , in welch letzterem man jetzt daran war , das im Winter geschlagene Holz zu verkleinern oder zum Baue oder zu Schreinerarbeiten herzurichten . Ich trug oft meinen Strohhut , wenn der alte Mann und Gustav neben mir barhäuptig gingen , in der Hand , und ich mußte bekennen , daß die Luft viel angenehmer durch die Haare strich , als wenn sie durch einen Hut auf dem Haupte zurück gehalten wurde , und daß die Hitze durch die Locken so gut wie durch einen Hut von dem bloßen Haupte abgehalten wurde . Eines Tages , da ich in meinem Zimmer saß , hörte ich einen Wagen zu dem Hause herzufahren . Ich weiß nicht , weshalb ich hinabging , den Wagen ankommen zu sehen . Da ich an das Gitter gelangte , stand er schon außerhalb desselben . Er war von zwei braunen Pferden herbeigezogen worden , der Kutscher saß noch auf dem Bocke , und mußte eben angehalten haben . Vor der Wagentür , mit dem Rücken gegen mich gekehrt , stand mein Gastfreund , neben ihm Gustav , und neben diesem Katharina und zwei Mägde . Der Wagen war noch gar nicht geöffnet , er war ein geschlossener Gläserwagen , und hatte an der innern Seite seiner Fenster grüne zugezogene Seidenvorhänge . Einen Augenblick nach meiner Ankunft öffnete mein Gastfreund die Wagentür . Er geleitete an seiner Hand eine Frauengestalt aus dem Wagen . Sie hatte einen Schleier auf dem Hute , hatte aber den Schleier zurückgeschlagen , und zeigte uns ihr Angesicht . Sie war eine alte Frau . Augenblicklich , da ich sie sah , fiel mir das Bild ein , welches mein Gastfreund einmal über manche alternde Frauen von verblühenden Rosen hergenommen hatte . Sie gleichen diesen verwelkenden Rosen . Wenn sie schon Falten in ihrem Angesichte haben , so ist doch noch zwischen den Falten eine sehr schöne , liebe Farbe , hatte er gesagt , und so war es bei dieser Frau . Über die vielen feinen Fältchen war ein so sanftes und zartes Rot , daß man sie lieben mußte , und daß sie eine Rose dieses Hauses war , die im Verblühen noch schöner sind als andere Rosen in ihrer vollen Blüte . Sie hatte unter der Stirne zwei sehr große schwarze Augen , unter dem Hute sahen zwei sehr schmale Silberstreifen des Haares hervor , und der Mund war sehr lieb und schön . Sie stieg von dem Wagentritte herab und sagte die Worte : » Gott grüße dich , Gustav ! « Hiebei neigte sich der alte Mann gegen sie , sie neigte ihr Angesicht gegen ihn , und die beiderseitigen Lippen küßten sich zum Willkommensgruße . Nach dieser Frau kam eine zweite Frauengestalt aus dem Wagen . Sie hatte auch einen Schleier um den Hut , und hatte ihn auch zurückgeschlagen . Unter dem Hute sahen braune Locken hervor , das Antlitz war glatt und fein , sie war noch ein Mädchen . Unter der Stirne waren gleichfalls große schwarze Augen , der Mund war hold und unsäglich gütig , sie schien mir unermeßlich schön . Mehr konnte ich nicht denken ; denn mir fiel plötzlich ein , daß es gegen die Sitte sei , daß ich hinter dem Gitter stehe und die Aussteigenden anschaue , während die , die sie empfangen , mir den Rücken zuwenden und von meiner Anwesenheit nichts wissen . Ich ging um die Ecke des Hauses zurück , und begab mich wieder in mein Wohnzimmer . Dort hörte ich nach einiger Zeit an Tritten und Gesprächen , daß die ganze Gesellschaft an meinem Zimmer vorbei den ganzen Gang entlang wahrscheinlich in die schönen Gemächer an der östlichen Seite des Hauses gehe . Was weiter an dem Wagen geschehen sei , ob noch eine oder zwei Personen aus demselben gestiegen seien , konnte ich nicht wissen ; denn auch nicht einmal beim Fenster wollte ich nun hinabsehen . Daß aber Gegenstände von demselben abgepackt und in das Haus gebracht wurden , konnte ich an dem Reden und Rufen der Leute erkennen . Auch den Wagen hörte ich endlich fortfahren , wahrscheinlich wurde er in den Meierhof gebracht . Ich blieb immer in der Tiefe des Zimmers sitzen . Ich ging weder zu dem Fenster , noch ging ich in den Garten , noch verließ ich überhaupt das Zimmer , obwohl eine ziemlich lange Zeit ruhig und still verfloß . Ich wollte lesen oder schreiben , und tat es dann doch wieder nicht . Endlich , da vielleicht ein paar Stunden vergangen waren , kam Katharina und sagte , der alte Herr lasse mich recht schön bitten , daß ich in das Speisezimmer kommen möge , man erwarte mich dort . Ich ging hinab . Als ich eingetreten war , sah ich , daß mein Gastfreund in einem Lehnsessel an dem Tische saß , neben ihm saß Gustav . An der entgegengesetzten Seite saß die Frau . Ihr Sessel war aber ein wenig von dem Tische abgewendet und der Tür , durch welche ich eintrat , zugekehrt . Hinter ihr und um eine Sesselhälfte seitwärts saß das Mädchen . Sie waren nun ganz anders gekleidet , als da ich sie aus dem Wagen steigen gesehen hatte . Statt des städtischen Hutes , den sie da getragen hatten , deckte jetzt ein Strohhut mit nicht gar breiten Flügeln , so daß sie eben genug Schatten gaben , das Haupt , die übrigen Kleider bestanden aus einem einfachen , lichten , mattfärbigen Stoffe , und waren ohne alle besonderen Verzierungen verfertigt , so wie der Schnitt nichts Auffälliges hatte , weder eine zur Schau getragene Ländlichkeit noch ein zu strenge festgehaltenes städtisches Wesen . Es standen mehrere Diener herum , so wie Katharina , die mich geholt hatte , auch wieder hinter mir in das Zimmer gegangen war und sich zu den dastehenden Mägden gesellt hatte . Selbst der Gärtner Simon war zugegen . Als ich in die Nähe des Tisches gekommen war , stand mein Gastfreund auf , umging den Tisch , führte mich vor die Frau und sagte : » Erlaube , daß ich dir den jungen Mann vorstelle , von dem ich dir erzählt habe . « Hierauf wendete er sich gegen mich und sagte : » Diese Frau ist Gustavs Mutter , Mathildis . « Die Frau sagte in dem ersten Augenblicke nichts , sondern richtete ein Weilchen die dunkeln Augen auf mich . Dann wies er mit der Hand auf das Mädchen und sagte : » Diese ist Gustavs Schwester Natalie . « Ich wußte nicht , waren die Wangen des Mädchens überhaupt so rot , oder war es errötet . Ich war sehr befangen und konnte kein Wort hervor bringen . Es war mir äußerst auffallend , daß er jetzt , wo er den Namen beinahe mit Notwendigkeit brauchte , weder um den meinigen gefragt , noch den der Frauen genannt hatte . Ehe ich recht mit mir zu Rate gehen konnte , ob zu der Verbeugung , welche ich gemacht hatte , etwas gesagt werden solle oder nicht , fuhr er in seiner Rede fort und sagte : » Er ist ein freundlicher Hausgenosse von uns geworden , und schenkt uns einige Zeit in unserer ländlichen Einsamkeit . Er strebt , die Berge und das Land zu erforschen und zur Kenntnis des Bestehenden und zur Herstellung der Geschichte