in ' s Kerbholz geschrieben zum jüngsten Tage . Es wäre kein Wunder , wenn die Sonne plötzlich aufhörte zu scheinen , wenn es Nacht würde um Mittag , wenn die Erde nicht mehr trüge , wenn Gott mit dem jüngsten Tage drein schlüge wegen dieser grauenhaft unmenschlichen Kleidung2 . Daß ich es ausspreche , der Teufel , der leibhaftige selbst , steckt darin . Aus der Hölle ist er gefahren , ihm ist da nicht so wohl und wonnig als in diesem Wust . Gottes Abbild , den schön geformten Menschen , hat er zu einer Vogelscheuche umgebildet , das ist sein Gaudium . O wär ' es das allein , dann scheute doch wenigstens die unvernünftige Creatur davor , aber es ist wie eine Lockspeise für sie ; je weiter gepufft , je greller gefärbt der Popanz ist , um so größer die Verführung . Was sind alle Irrwische gegen diese Lasterbeutel , was war die Pfeife des Rattenfängers von Hameln gegen diese umwandelnden pausbackigen Ungeheuer der Hoffahrt , danach die Fante laufen , um hineinzustürzen , voll Freude , voll Wahnsinn , voll Gierigkeit , einer den andern zu überbieten . Nicht mit einem Paar zufrieden , läßt er sich zwei machen . Nur hineingeworfen , Geld , Renten , Grundstücke , ein ganzes Vermögen , was will der zeitliche Ruin eines Menschen sagen gegen seinen ewigen . Christi heiliger Rock in Trier ist ungenäht , ein Stück ; darum hat der Teufel dieses Stück aus hundert Mal hundert Stücken Tuches gefertigt , und tausend Mal tausend Nadelstiche reichen nicht aus , so viel Stiche als die Nattern im höllischen Feuer dem unglückseligen Versessenen drunten versetzen werden . « Der Gefangene nahm den Augenblick wahr , wo der Redner Athem schöpfte , um , was er schon längst vergebens versucht , ihm in die Rede zu fallen und sich auch hören zu lassen . Er hätte dieselbe Wahrnehmung wie der andere machen können , daß , wenn Jemand von einem Dinge erfüllt ist , er im Eifer drüber nur sich sieht und hört , und was der andere vorbringt nur hinnimmt , weil es nun einmal nicht anders geht . So viel der ehrenwerthe Gottfried nun auch reden mochte , von der guten , alten Sitte , lederne Hosen zu tragen , die sich an den Leib fügten , wie Gott ihn geschaffen , die das Blut kühlten , den Sonnenbrand abhielten , als von der Natur selbst dem Edelmann zugewiesen , das nahm der Zuhörer hin , wie das Kind die bittere Arzenei , um nachher das Stück Zucker zu schnappen . Aber erst da , als Herr Gottfried gegen die Tuchkleider sich aussprach , daß von Natur Haut auf Haut und nicht Schafwolle auf Menschenhaut gehöre , daß die Gewänder aus Tuchen eine Erfindung wären , von der Habsucht und Schlauheit der reichen Bürgerherren gemacht , um den Adel sich unterwürfig zu machen , erst da erwachte des Doctors Aufmerksamkeit , und er schnappte auf den Augenblick , dem Redner in ' s Wort zu fallen . » Das Futter , die Steppnähte , das schlampichte , weiche Zeug - « » Das ist ' s , das ist der Anfang , « fiel Musculus ihm in ' s Wort und ließ es sich nun nicht wieder nehmen . Hatte er doch seine Geschichte von der Entstehung der Pluderhosen diesmal noch nicht an den Mann gebracht . - » Der Vater war ein wohlbeleibter Mann . Ihm paßten sie so grade . Er stirbt , sein Sohn ist dünn , ihm schlumpen sie um die Beine , aber das Tuch ist schön und fein , es dünkt ihm schade , er will nichts ausschneiden , da läßt er mehr Falten einnähen . Die Falten warfen sich schlecht ; er läßt sie aufschlitzen mit buntem Tand füttern . Nun ist ' s ein Prachtkleid . Hans hat es ; Peter ist so reich als Hans , soll er ' s nicht auch haben ! Und Christian ist noch reicher ; der thut zehn Ellen hinzu . Das sind des Teufels Wege auf Erden . Nun will ' s Jeder dem andern zuvorthun . Die Reichen , laßt sie verderben , steht ' s doch geschrieben : kein Reicher kommt in ' s Himmelreich . Aber auch die Armen wollen reich scheinen . Da darben sie und borgen . Immerzu , der Höllenrachen ist weit . Die Vernünftigen möchten es nicht , aber wo die Thorheit herrscht , muß der Kluge den Thoren spielen , damit man ihn nicht einen Narren schilt . So mein theurer Ritter , sind wir in das Irrsal hinein , in den bunten infernalischen Mummenschanz des Beelzebub , da ist kein Herauskommen mehr : als wie in dem Venusberge , wirbeln Grafen und Fürsten , Könige und Kaiser ; es fehlte nur noch , daß auch der Kirche Diener in Pluderhosen an seinen Altar träte . Die Menschen , wenn es so fortgeht , werden gar nicht mehr allein diese Hosen tragen und schleppen können ; wie Schleppen der Kaiser und Kaiserinnen , werden Pagen und Knechte hinter Jedem hergehen müssen , daß er seine Sünde und seinen Wust fortschleppe . Aber - ich habe einen Trost - « Er schöpfte Athem , der Gefangene wollte ihn auch benutzen : » Herr Hofprediger ! Gerechtigkeit muß doch auf Gottes Erdboden sein . Wenn der Kurfürst - « » Ja , wenn der Kurfürst auf mich hören wollte , « fiel der Prediger ein , der indeß den Athem geschöpft hatte . » Aber er hört nicht , er lächelt , wenn ich im heiligen Eifer spreche . So mächtig ist Satans Reich , selbst dieser fromme Fürst von seinen Spießgesellen umgarnt ! Dürft ich predigen , dürft ich von der Kanzel donnern . Ich habe sie ihm vorgelesen , er fand meine Predigt gut , aber sie sei nicht an der Zeit . Was gut ist , ist immer an der Zeit . Er will sie der theologischen Facultät zur Begutachtung vorlegen lassen . Da muß ich warten , bis die Universität an der Oder geweiht ist . O der Teufel wird lachen über die Frist , die ihm geschenkt ist , er wird sie nutzen . Dann kommt es zu spät ; dann kann Kaiser und Reich umsonst interdiciren , der heilige Vater in Rom muß seine Blitze schleudern , wo vorhin die Zornworte , die der Herr einem einfältigen Priester lieh , genügt hätten . « Was half das alles dem artigen Herrn Gottfried , daß der gelehrte Hofprediger ihm seine Aussichten über die Wege des Teufels auf Erden auseinandersetzte , und daß er jetzt im Stadium der Pluderhosen stecke . » Ist denn aber gar keine Aussicht da ? « - fragte er , und meinte für sich , denn die Welt würde sich schon selber helfen , meinte Herr von Bredow . Der Hofprediger aber dachte nicht an den , zu dessen Trost er geschickt war , sondern an die Welt . » Doch eine « , antwortete er , » ich meine damit habe sich der Hölle Macht erschöpft . Sie wüthet zu toll , das ist ein Anzeichen , daß es auf die Letzt geht . So wollen wir denn zum allmächtigen Gott hoffen , daß dieser Hosenteufel der letzte sei , der noch vor dem jüngsten Tage das Seinige thun und ausrichten sollte3 . « » Zum jüngsten Tage ! Soll ich denn bis dahin eingesperrt bleiben ? Herr Doctor , was habe ich denn mit dem Erbfeind zu schaffen gehabt ? Es durfte ja in mein Haus keine Pluderhose . « » Und dann wundert Ihr Euch , Lieber , der Anfechtungen ! Weshalb ist Euch Satan feind , als eben darum . Er will Euer Verderben , wie er mein Verderben will , denn er ist klüger als die Schlange . Wenn ich von der Kanzel herab sehe , daß der Kurfürst lächelt , weiß ich nicht , daß er es ist , der ihn heimlich kitzelt ; wenn er die Hand vor den Mund thut , glaubt Ihr , daß ich ihn gähnen mache ? Wenn ich ihn bei Hofe antreten will , und er weicht mir aus , und ich hörte ihn einmal sagen : Ach Gott , da ist schon wieder der Schwätzer ! Vermeint Ihr , daß ich der Schwätzer bin , und Joachim ist es , der mich dafür hält ? Würde der gottesfürchtige , hochgelehrte Kurfürst einen Schwätzer zum Hofprediger bestellen ! Satan allein ist ' s , der sich jetzt in meine , jetzt in des Kurfürsten , jetzt in Eure Gestalt hüllt , der so seine Dinge wirkt , und seine Dinge sind Unfriede , Gestank , Aufruhr , Finsterniß , Wirrwar und Mißverständnis damit er im Trüben fischen kann . « » Aber sagt doch , wie komme ich denn dazu ? Wie komme ich los ? « » Ihr ! - Durch Ergebung und Geduld . Wartet nur noch eine halbe Stunde , lieber Herr von Bredow . Ich gehe meine Predigt zu holen . Wir wollen sie lesen von Anfang bis zu Ende . Dann , so gestärkt , wird uns der Herr ja die Wege weisen , um aus dem Irrsal Euch herauszuführen . « Aber nach einer halben Stunde saß nicht der Hofcaplan , sondern der Dechant von Altbrandenburg neben dem Gefangenen , und hatte eine Schrift gefertigt , welche vor ihm auf dem Tische lag . Herr Gottfried saß , wie die Ergebung selbst , auf dem Schemel . » ' S ist doch hart ! Und daß ich das selbst unterschreiben muß . « » Bedenkt , mein würdiger Freund , was die Märtyrer gethan und gelitten . Sie selbst vergaßen es , ich meine ihr irdisches Wohl , um die Wege des Satans auf Erden zu kreuzen und ihren christlichen Mitmenschen die zur Gottseligkeit zu bahnen . « » Nu ja die Märtyrer wollten Heilige werden . Die Zeiten sind vorbei . « » Hier ist die Feder . « » Hat sie wirklich sie gewaschen ? « » Drei Tage sah ich sie auf dem Trockenplatz hängen mit meinen eigenen Augen . « » Und der Kasper ! Warte ! Kann sich doch kein Mensch auf keine Seele nicht verlassen . « » Am wenigsten auf sich selbst , mein werther Freund . Wie ging es mir dazumal in Neu-Brandenburg , wenn Ihr Euch der ärgerlichen Geschichte entsinnt . Leute wollten doch einen Mann aus dem Fenster des Syndikus steigen gesehen haben , der die niedliche kleine Frau hatte . Beschrieben sie den Mann nicht grad als wär ich es ! Und dann waren sie ihm sacht gefolgt , und er war vor meiner Thür stehen geblieben , nämlich in ihren Augen schien es so . Er hatte einen Schlüssel ausgezogen , aufgeschlossen . Die Treppen hatten sie ihn hinaufgehen hören , und dann Licht gesehen in meiner Stube , die bis dahin finster war und - « » Entsinne mich wohl , « sagte der Gefangene , » es war eine recht kitzliche Geschichte . « » Sie ward durch die Güte des damaligen Bischofs ausgeglichen , der der Meinung war , daß in zweifelhaften Sachen man der milderen Ansicht den Vorzug geben müsse . Glaubt Ihr , daß die Zeugen , welche vor den Thüren gelauscht , falsch geschworen haben ? « » Es hieß so nachher . Das geistliche Gericht hat doch - « » Ich glaube , sie waren ganz im guten Glauben . « » Aber wer zum Teufel war denn eingestiegen ? « » Vielleicht mein Schatten , vielleicht ich selbst . Wohl entsinne ich mich , daß ich in jener Nacht lebhaft an die arme Frau dachte . Sie hatte mir in der Beichte ihre unglückliche Lage vertraut . Mir war ' s , als hörte ich sie in der Nacht weinen und klagen , wer ihr Hülfe brächte gegen den rauhen , trunkenen Mann . Da wünschte ich recht lebhaft bei ihr zu sein , sie zu trösten . Versteht mich , alles nur im Traum . Aber über unseren Träumen schwebt der Menschenfeind , er saugt den Athem ein unserer Wünsche , unserer Gedanken . Ehe wir ' s uns versehen , da wir im Schlaf der Freiheit des Willens entbehren , sind wir ganz ihm anheimgegeben . « » Kann er uns auch fortschleppen , derweil wir noch in den Federn liegen thun ? « Der Dechant nickte bedeutungsvoll , indem er mit den Augen zwinkerte : » Gehen nicht die Geister der Abgeschiedenen um , derweil ihre Körper noch fast blutwarm auf dem Todtenbette liegen ! « Der Burgherr von Ziatz schauerte : » Und das Unsereins nichts gegen thun kann ! « » Doch Ritter ! Wir könnten , ja wir sollten uns auch im Schlaf bewachen . Mögt Ihr Euch denn Rechenschaft geben über Alles , was Ihr geträumt habt ? « » Die sieben Nächte durch ? « » Unstreitig waren die Gedanken auch im Schlafe bei dem , was Euch werth ist . Ich meine , das was Ihr nie von Euch laßt . Ihr seid nun von der ganzen Geschichte unterrichtet , wie es Euch heimlich entwandt , wie es gewaschen wurde , wie es zwischen den Fichten hing , vom Winde geschaukelt , wie es in dem Aufruhr vergessen ward , wie der Schelm es stahl und sich mit seiner Beute auf und davon machte . O die Gefühlssinne sind im Schlaf außerordentlich fein . Satan , der Euch keinen Augenblick verließ , lauschte Euch den Moment ab , wo Ihr im Traume aufführt , nach den Hosen grifft , auf den Schelm fluchtet , ihm nachsetztet , ihn bandet . Ihr habt ' s gethan , ob nun im Schlaf oder im Wachen , und ich meine , Ihr habt an und für sich nichts Böses damit gethan , aber vertreten müßt Ihr es als ein Ehrenmann . « » Wer schlief denn nun in meinem Bette ? « » Weiß ich denn , wer in meinem schnarchte ? Das sind so zarte Dinge , über die man nicht zu viel nachdenken muß . Hier ist der Platz zur Unterschrift . « Der Gefangene schrieb . Daß die Buchstaben ungleich und schief waren , durfte Niemand verwundern . » Dechant ! « rief er . » Mir geht ' s im Kopfe rum , ich weiß nicht , wie mir ist . Aber - wenn sie nur ihre Seife nicht daran gehabt hätte , dann wäre auch die ganze Geschichte nicht gekommen . Ich weiß auch gar nicht , was die Frauensleute immer mit ihrem Waschen haben . Ich glaube , da steckt auch was vom Satan drin , wenn man immer Alles rein haben will . Ueberhaupt wenn Alles immer beim Alten bliebe , dann wäre nicht so viele schwere Noth in der Welt . « » Da sprecht Ihr eine tiefe Wahrheit , « sagte der Dechant , indem er rasch das Papier gefalzt und in die Brust gesteckt hatte . Er schloß den Freund in seine Arme und die Thür schlug hinter ihm zu . » Warum geht ' s denn nicht ? « fragte Herr von Bredow in die Luft . » Da steckt auch gewiß der Gottseibeiuns hinter . « Herr Gottfried schien sich selbst zu wundern über das Selbstgespräch . Es war nicht seine Art. So reißen feste Ereignisse auch große Charaktere mit sich wie der Sturm die Eiche , deren Wurzeln er unterspült hat . Herr Gottfried dehnte sich , hielt die Hand an den Mund , und warf sich auf das Gefangenlager , wo der lang entbehrte schlaf ihn bald tröstend für alle Störungen und Plackereien umfing . Fußnoten 1 Friedrich der Große sagt : Il reçut le surnom de Nestor comme Louis XIII. celui de Juste , c ' est-à-dire sans que l ' on pénétre la raison . 2 Fast wörtlich aus der berühmten Predigt . Vom zuluderten Zucht ehrverwegenen pludrichten Hosenteufel . Vermahnung und Warnung . 2. Aufl . 3 Worte der Predigt . Fünfzehntes Kapitel . Kläger und Günstling . In dem Kabinet des Kurfürsten waren nur der Krämer Hedderich und der Fürst . Dieser stand mit untergeschlagenen Armen ; jener lag ausgestreckt auf dem Boden vor ihm . » Schnell ! « sagte Joachim . » Wenn Jemand einträte , könnte er denken , daß ich einen Sultan spielen wolle . « » Durchlauchtigster Herr ! so lag ich . « » Das Uebrige magst Du stehend beschreiben . « » So lag ich , als er mir den Stoß gegeben , von hinten ; und eh ' ich mich umdrehen konnte , war er vom Pferd und mir auf dem Rücken , daß ich glaubte , mir soll der Rückgrat brechen von seinen Knieen . Die Ringe von dem Eisenhemd sind noch auf meiner Haut zu sehen . « » Das Eisenhemd ward eingebracht . Was weiter ? « » Die Hände hatte er mir auf dem Rücken gebunden , als ich noch lag und nicht wußte , wie mir war ; mochte auch glauben , da ich gar nichts vorher gesehen , es seien ihrer mehr . Nun aber , da er mich knebeln wollte und die Knie ein weniges losließ , kam ich freier zu liegen , so wie jetzt , und da ich sah , daß er allein war , und mich ungebärdig hätte , fluchte er ; denn , wenn er die Riemen einthun wollte , schloß ich die Kiefern zu , und wenn er die Hand fort hatte , schrie ich . Also , da er ' s mit den schweren Handschuhen nicht zwingen konnte , warf er sie ab , und nun er mir nahe kam , biß ich ihm in den Daumen bis auf ' s Blut . Das kann noch nicht vernarbt sein . « » Ein neues Indicium « , sprach der Kurfürst etwas in seiner Schreibtafel notirend . » Und da er mich nun geknebelt und hitzig war , von wegen was es ihm gekostet und von wegen dem Biß , der ihm weh that , gab er mir Katzenköpfe mit dem Eisenhandschuh , daß mir das helle pure Blut floß , und schüttelte mich an der Gurgel , und da sprang ihm das Kinnband und die Büffelhaube rutschte in den Hinterkopf . - « » Auch diese fand man im Schilf . « » Es war ja schon ziemlich hell , und wir sahen uns Gesicht gegen Gesicht . « » Und Du getraust Dich ihn wieder zu erkennen ? « » Und hätte ich ihn da zum ersten Mal gesehen . Wer sich so sah , vergißt sich nicht . Aber wie ich schon sagte , allerdurchlauchtigster Herr und Kurfürst , ich habe ihn schon oft gesehen in Eurer Gnaden Gefolge . « Der junge Fürst sah mit verschränkten Armen vor sich nieder und schüttelte unwillig den Kopf : » Verflucht der Gedanke , der edle Namen bestecken will , verflucht die Phantasie , die nach Opfern sucht , ohne andere Leitung , als eine krankhafte Lust , vielleicht eine stille Abneigung , die ein Fürst bekämpfen sollte , statt gierig nach Nahrung dafür zu suchen . « Indem er unruhig einige Schritte auf und abging , fuhr er im Selbstgespräch so laut fort , daß der Krämer es hörte : » Und am Ende doch nur ein Stallmeister , ein Büchsenspanner , dessen schillernder Rock diesem für Zeichen von Würde , galt . « Hedderich schüttelte den Kopf : » Wir Geringe , durchlauchtigster Fürst , haben gelernt , die geputzten Diener von den großen Herren zu unterscheiden . « » Und dessen bist Du gewiß , daß der Dich warf , nicht der Ritter Gottfried Bredow war ? « » So gewiß , Herr , die gebenedeite Jungfrau Maria in unbefleckter Empfängniß unseren Herrn und Heiland geboren hat . Das mögen seine Handschuh , seine Haube , sein Kettenhemd gewesen sein , er selbst war ' s nicht . Ich kenn ' ihn gar gut , da ich alljährig wenigstens einmal nach Hohen-Ziatz komme . « » Und doch lautet Deine Aussage anders im Protokoll des Schreibers vom Werder . « » Gnädigster Herr Kurfürst , was so ein Schreiber schreibt , mag ganz gut sein , aber das ist ' s nimmer , was unsereins aussagt . Sie schreiben , was sie hören wollen , das weiß bei uns jedes Kind . « Es trat ein Kammerherr ein und überreichte dem Fürsten ein versiegeltes Schreiben . Joachim öffnete und las es . Sein Gesicht drückte ein unverkennbares Erstaunen aus . Abwechselnd blickte er den Krämer und die Schrift an : » Lügst Du , oder dies Geständniß ? Unmöglich ! Wer könnte etwas eingestehen , was er nicht beging . Und alle Beweggründe mit logischer Ordnung aufgeführt . Hörst Du , Gottfried Bredow bekennt , daß er es war , der Dir nachjagte , Dich hinter Ferch einholte und warf . Er bittet um gnädige Strafe und will Dir Alles zurückgeben . Was sagst Du darauf ? « » Herr , mein Kurfürst , « sprach der Krämer , der sich aufgerichtet hatte und gebeugten Leibes auf das Papier schielte , wie auf eine Zauberrolle . » Da steckt der Teufel drin , wenn das drin steht . « » Seine Namensunterschrift ! Vom Voigt vom Mühlenhof beglaubigt . « » Gnädigster Herr , werft das Papier fort . « » Sein Wort gegen Deines . Er , ein Edelmann , klagt sich selbst an , Du willst ihn freisprechen . Die Präsumption ist , daß Niemand gegen sich selbst zeugt . « - Immer schärfer bohrten des jungen Kurfürsten Blicke auf den Mann . - » Seine Aussage klagt auch Dich an , Du hast also Grund , die Sache zu verdrehen . - « » Herr , ' s ist wahr , ich nahm die Hosen von der Leine , aber nur , weil sie vergessen waren und weil ich fror , knöpft ' ich mich drein . Sie waren nicht werth des Mitnehmens ; man hatte mir am Fließ zu arg mitgespielt . Das war doch nichts . « » Genug Dich zu verdächtigen . Wer bürgt mir , daß Du nicht bestochen bist vom Feinde eines meiner Hofleute , auf ihn auszusagen ? Die Arglist unter den Menschen ist groß . Hier ein geständiger Verbrecher , der meiner Gnade sich unterwirft , und auf der andern Seite - « Der Fürst ging , in sich versunken , auf und ab . Das Geräusch der Kommenden in dem Fürstensaale daneben begleitete seine ernsten Gedanken , wie das Rauschen eines Flusses . Es war eine schwere Sorge gewesen . Er glaubte sie Alle zu kennen , und traute Keinem . Nun war es gelöst , die Last zu strafen von seinen Schultern genommen . Was ging der Ritter von Hohen-Ziatz ihn an ! Da war auch kein böser Ausgang , der ihn erschreckte , und Alle , zwischen denen sein Argwohn geschwankt , waren nun gerechtfertigt ! - Waren sie es ? Er brauchte , nur zu wollen . Der Elende vor ihm lauerte schlau auf seine Blicke , seine Worte würden der Widerhall der Wünsche seines Fürsten geworden sein . - Und warum konnte er sich noch nicht entschließen zu wollen ? » Der ist ein schlechter Gärtner , der das Unkraut nur mit den Füßen niedertritt , weil es ihm unbequem ist , sich zu bücken , daß er es mit der Wurzel ausreiße . Ich bin jung , und wenn die Nesseln auch brennen , meine Gärten sollen rein werden ! « Er winkte dem Krämer , vor dem Crucifix auf dem Betpulte niederzuknien . » Es bleibt bei der Anweisung , die ich Dir gab . Du hältst Dich hinter dem Teppich ; jene kleine Wandthür führt Dich dahin . Fasse ihn wohl in ' s Auge , aber prüfe ihn und Dich bis zu dem Augenblick . - Wirst Du in der strengsten Untersuchung , die ich anordnen will , als boshafter , falscher Ankläger erfunden , wehe Dir . Der Weg zum Galgen geht über Martern . Doch auch den guten Menschen können die eigenen Sinne täuschen , und schon die Anklage eines Schuldigen ist ein Makel , die keine Buße wieder abwäscht . Deshalb bete zu Deinem Schutzpatron , daß er Deine Augen hell sehen lasse , und hier schwöre bei dem Bilde des hochheiligsten Gottseibeiuns , daß Deine Blicke und Deine Reden Wahrheit seien . « Der Krämer schwor . Der Fürst winkte ihm zu gehen . Die kleine Thür führte in einem engen , dunklen Gange durch die dicke Mauer bis in den Fürstensaal , wo die schweren Teppiche zu Seiten des Thronhimmels ausgespannt waren . Schon nach wenigen Augenblicken kam Hedderich mit offenem Munde , mit glänzenden Augen : » Er ist da , Herr , ich sah ihn ! « » Wen ? « » Ich weiß seinen Namen nicht . Aber ich könnte ihn malen . Er steht im violetten - « Ein Zornblick des Fürsten wies den Ungerufenen fort : » Auf Deinen Platz ! Ich will nicht Deine vertraulichen Hinterbringungen , ich will Deine feierliche Anklage , die Du den Muth haben sollst , vor meinem ganzen Hofe auszusprechen . Zwischen uns Beiden ist nichts mehr . « Im Fürstensaale war der Hof schon lange versammelt ; Räthe , Ritter , Geistliche , auch die Bürgermeister von Berlin und Köln . Vielen der Herren sah man es an , daß sie hier ungern waren . Der Lederkoller , der Pelz und der Harnisch war ihnen lieber als der geschlitzte Wamms von Tuch . Solche von Sonne und Trunk geröthete Gesichter mit buschigtem Bart , mit wild schielenden Blicken ! Einige hatten sich schon gewöhnt ; sie standen manierlich da in schön gepufften Hosen mit knapp anschließendem Wamms , mit Halskrausen und einem wohlgekämmten Bart , gewärtig das Baret , das etwas schräg auf dem Lockenkopf schwebte , beim Eintritt des Kurfürsten mit leichtem Griff zu lüften . Diese traten unwillkürlich mehr in den Vordergrund , während die Andern ganz zufrieden schienen , hier in den Hintergrund gedrängt zu sein , wo für sie keine Ehre war . Der Edelmann , der noch trotzig , seine Knechte vorauf , durch das Oderberger Thor gesprengt , und dem Wirth zur Herberg , dessen Blicke ihn vielleicht gefragt : » Ei in dem langen Waffenrock zu Hof ? « geantwortet hatte : » Hauskleid ist Ehrenkleid , so trugen ' s meine Väter , ehe die Hohenzollern wie Pilze im Sand wuchsen ! « Dieser Edelmann war doch andern Sinnes , als er die Treppen heraufkam , und Alle um ihn hatten den gesteppten Faltenrock zu Haus gelassen , und das geschlitzte Wamms , das nur bis zur Hüfte reichte , anzogen . Er fluchte für sich über die Affen , aber er ließ sich gern hinter die Affen drängen , daß sie vor ihm ein Schirm würden . Niemand sah aber stattlicher aus in dem feinen Hofkleide , als der Ritter von Lindenberg , Niemand bewegte sich leichter darin , Niemand schien wohlgemuther und war die Freundlichkeit selbst gegen Jedermann , der sich an ihn drängte , und deren waren Viele . Doch hätte man bemerken können , daß er alles dies erst im Verlauf geworden , denn als er unter den ersten , die sich eingefunden , allein war , war er einsilbig , er schien von Unruhe geplagt , und gab solche Antworten , daß die , welche mit ihm sprachen , zu bemerken glaubten , als habe er , was sie fragten , gar nicht gehört . Erst seit der Dechant von Alt-Brandenburg sich unter den geistlichen Herren eingefunden und ihm aus der Ferne zugenickt hatte , war sein Gesicht verändert . Da wurde er Liebe und Sanftmuth selbst , und obwohl der , mit dem er gerade redete , ihm bemerkt , daß der geistliche Herr am andern Ende ihn sichtlich zu sprechen wünsche , hatte er gesagt , das habe wohl keine Eil , er stehe mit den Pfaffen nicht in so guter Freundschaft , um andere liebe Freunde , die ihm Theilnahme schenkten , darum zu verlassen . Auch redete er noch mit dem und jenem auf dem Wege und wechselte dann mit dem Dechanten nur kurze Worte ; doch von dem ab war der Herr von Lindenberg so freudig geworden , wie wir sagten , und selten hatte man ihn so bei Hofe gesehen . Da trat er in den Kreis , den viele Herren um den alten Geheimrath von Schlieben bildeten , welcher ein Minister des Kurfürsten war , und für einen sehr vorsichtigen Staatsmann galt , welcher sein Gesicht und noch mehr seine Worte bewachte . Die Herren wünschten zu horchen , wie denn wohl der Landtagsabschied lauten würde , und ob der Kurfürst wohl heut schon , beim großen Hoftage , etwas davon werde verlauten lassen , wenn er rede , wie er pflegte . Der von Schlieben sagte mit einer sehr wichtigen Miene , er wisse zwar nichts , glaube indessen doch , daß getreue Stände sehr dankbar mit dem gnädigen Bescheide sein dürften . Kurt Schlabrendorf sah den Herrn von Lindenberg an : » Ist ' s so ? Das wär ' s erste Mal . « » Es ist eine Freude , den Abschied zu lesen , mein theurer Herr von Schlabrendorf . Man kann sagen , man konnte ihn ordentlich sich so denken . « » Die sieben Propositionen wegen der Bierziese ? « fragte Ewald Schenk . » Die sind abgelehnt . « » Das konnte man sich freilich denken . Aber unsere Anträge ? « sagte Kurt von Schlabrendorf , » die der Marschall nach dem heftigen Tage verglich