betende zugleich sich ihre langen Haare wieder aufbund . Nunmehro kam aber auch der Junker schon umb die Ecken gegaloppiret , hatte ein grün sammet Wammes an , mit rothen seidinen Aermeln , und einen grauen Hut mit einer Reiherfeder , summa war stattlich angethan , wie eim Bräutigam gebühret . Und als wir nunmehro aus der Thüren liefen , rief er meinem Töchterlein auf lateinisch schon von ferne entgegen : quomodo stat dulcissima virgo6 ? worauf sie zur Antwort gabe : bene , te aspecto7 . Sprung also lächelnd vom Roß , und gab solches meinem Ackersknecht , so mit der Magd auch herbeikommen war , umb sein zu pflegen , verschrak sich aber als er mein Töchterlein also blaß sahe , und sprach , sie bei ihrer Hand fassend , auf teutsch : » mein Gott , was fehlet Ihr liebe Jungfer , Sie sieht ja blasser aus , denn da Sie auf den Scheiterhaufen sollte ? « worauf sie zur Antwort gab : » ich bin auch alle Tage zum Scheiterhaufen gefahren , seitdem Er uns verlassen , lieber Herre , ohne bei uns einzusprechen , oder uns kund zu thun , wo Er geblieben . « Solches gefiel ihme und sprach , wir wöllten nur allererst in die Stube gehen , sie sölle Allens erfahren . Und nachdeme er sich alldorten den Schweiß abgewischet und auf die Bank bei meim Töchterlein niedergesetzet hatte , verzählete er , wie folget . Er hätte ihr ja alsogleich versprochen , er wölle ihre Ehre erstlich vor aller Welt restituiren und hätte ihm dannenhero noch am selbigen Tage , als er uns verlassen , Ein ehrsam Gericht ein kurz Gezeugnüß ausstellen müssen von Allem was fürgefallen , insonderheit aber von dem Bekenntnüß des dreusten Büttels , item meines Ackerknechtes Claus Neels , womit er annoch in der Nacht , wie er versprochen , gen Anclam geritten und des nächsten Tages nacher Stettin zu unserm gnädigen Herrn dem Herzogen Bogislav . Selbiger hätte sich fast heftig verwundert , als er von der Bosheit seines Haubtmanns vernommen und wie ers mit meinem Töchterlein gemachet , auch gefraget , ob sie des Pastoren Tochter sei , so einstmalen in Wolgast im Schloßgarten den Siegelring Sr. fürstl . Gnaden , Philippi Julii , christmilden Gedächtnisses , gefunden , und da er solches nicht gewußt , ihn abereins gefraget : ob sie auch lateinisch verstünde ? Und als er , der Junker , letztes bejahet und gesaget , sie könne besser lateinisch denn er , hätte S.f.G. geantwortet : so will sie es genugsam sein , und sich alsogleich die Brille aufgesetzet und selbsten acta für sich genommen . Hierauf , und nachdeme S.f.G. das Gezeugnüß Eines ehrsamen Gerichtes kopfschüttelnd gelesen , hätte er demüthig umb eine Ehrenerklärung vor mein Töchterlein gebeten , auch S.f.G. imploriret ihm literas commendatitas8 an unsern allergnädigsten Kaiser , nacher Wien mitzugeben , umb meinen Adelsbrief zu renoviren , angesehen er gesonnen sei , kein ander Mädken in seinem Leben zu heurathen denn mein Töchterlein . Als sie solches hörete , that sie einen Freudenschrei und fiel in Unmacht mit dem Kopf an die Wand . Aber der Junker begriff sie in seine Arme , gab ihr an die drei Küßekens ( so ich nunmehro auch ihme nicht wegern wollte , da ich mit Freuden sahe , wo es hinauslief ) und als sie wieder bei sich kommen fragete er : ob sie ihn nicht wölle , daß sie bei seinen Worten einen solchen Schrei gethan ? worauf sie sprach : » ob ich Ihn nicht will mein Herre ? Ach fast so lieb als meinen Gott und Erlöser will ich Ihne ! Nunmehro hat Er mir erstlich mein Leben gerettet , und mein Herze vom Scheiterhaufen gerissen , auf dem es ohne Ihn gebrennet hätte sein Lebenlang ! « Weinete hierauf für Freuden , als er sie auf seinen Schooß niederzog , und umbfing mit ihren Händekens seinen Nacken . Saßen auch also und caressireten eine ganze Zeit , bis der Junker wieder mein ansichtig wurde und sprach : » was sagt Er dazu , es ist doch auch Sein Wille Ehre Abraham ? « Ei Lieber , was hätte ich wohl dazu sagen können denn Alles Guts ? Weinete ja selbsten für Freuden , wie mein Kind , und gab darumb zur Antwort : warumb es nicht mein Wille sein sollte , da es Gottes Willen wär ? Aber ob der gute und rechtschaffene Junker auch bedacht hätte , daß er seinem adlichen Namen einen Abbruch thun würde , wenn er mein Töchterlein , so als eine Hexe im Geschrei , und nahe vor dem Scheiterhaufen gewest , sich zu seiner Frauen nähme ? Hierauf sprach er : mit nichten , diesem hätte er längstens präcaviret und fuhr nunmehro fort uns zu erzählen , wie er es angefangen , nämblich S. fürstl . G. hätten ihme versprochen , alle Scripta , so er begehret , inner vier Tagen fertig zu halten , wo er von der Begräbnüß seines Vaters heimbzukehren hoffe . Wäre derohalben auch gleich wieder nach Mellenthin abgeritten , und nachdem er seinem Herrn Vater die letzte Ehr erwiesen , hätte er sich auch alsogleich wieder aufgemacht , und befunden , daß S.f.G. unterdeß ihr Wort gehalten . Mit solchen Scriptis wäre er nacher Wien abgeritten und wiewohl er viel Leid , Mühe und Gefahr unterwegens ausgestanden ( so er uns ein ander Mal erzählen wölle ) wäre er doch glücklich in diese Stadt gelanget . Alldorten hätte er aber von ungefährlich einen Jesuiten getroffen mit welchem er einstmalen als Studiosus etzliche Tage sein Locament in Prag gehabt , und selbiger ihme auf sein Anliegen geantwortet : er solle guten Muths sein , angesehen Seine Majestät in diesen schweren Kriegsläuften Geld gebrauche , und wölle er , der Jesuit , Allens machen . Solches wäre auch beschehen , und hätte die Kaiserliche Majestät nicht blos meinen Adelsbrief renoviret , besondern auch die Ehrenerklärung S.f.G. des Herzogen confirmiret , so daß er nunmehro männiglich Red und Antwort von wegen seiner Braut stehen könne , wie nachgehends von wegen seiner Frauen . Und als er nunmehro die Acta aus seinem Busen herfürzog und mir selbige in die Hand gab sprach er : aber jetzunder muß Er mir auch einen Gefallen thun Ehre Abraham , nämblich mich morgen , wo ich mit meiner Braut zu Gottes Tisch zu gehen verhoffe , mit seinem Töchterlein einmal für allemahlen abzukündigen , und nachgehends schon übermorgen zu trauen . Sage Er nit Nein hiezu , denn mein Pfarrer , Ehre Philippus spricht , daß solches bei Adlichen in Pommern nicht ungebräuchlich , wannenhero ich auch zum Montage die Hochzeit in meiner Burg allbereits angesaget , als wohin wir fahren wollen und wo ich auch mein Beilager zu halten gedenke . Gegen solches Ansuchen hätte nun mancherlei zu moniren gehabt , insonderheit , daß er zu Ehren der heiligen Dreieinigkeit sich wöllte dreimal kündigen lassen , wie es der Brauch ist , und mit seiner Hochzeit annoch warten , aber da ich meim Töchterlein ansah , daß sie auch gern recht bald Hochzeit hätt , inmaßen sie seufzeln und so roth wie ein Scharlaken wurde , kunnt ich es ihnen nicht abschlagen , sondern versprach Allens , was sie wollten . Hierauf vermahnete sie Beide zum Gebet , und nachdem ich meine Hände auf ihr Haupt geleget , dankete ich dem Herrn so brünstiglich , wie ich ihm noch nimmer gedanket , also daß ich letzlich für meinen Thränen nicht weiter kommen kunnte , sondern sie mir meine Stimme ersäufeten . Hierzwischen war aber des Junkers sein Wagen mit vielen Truhen und Koffers vor der Thüren angelanget , und sprach er : jetzo soll Sie auch sehen liebe Jungfer , was ich Ihr mitgebracht , und gab Befehlig Allens in das Zimmer zu tragen . Ei Lieber , welche schöne Sachen hatte es darinnen , so ich mein Lebtage nit gesehen ! Allens was Weiber gebrauchen , war hier fürhanden , insonderheit an Kleidern , als Leibichen , gefaltete Höcke9 , lange Mantel , zum Theil mit Futterfell verbremmet , Schleier , Schürzen , item das Brauthemd so mit güldenen Borten besetzet war und worauf der kurzweilige Junker an die sechs oder sieben Mirthenbüscher vor sie geleget hatte , umb sich daraus selbsten einen Kranz zu machen . Item nahm es kein Ende an Ringen , Halskettlein , Ohrenperlein etc. so ich zum Theil vergessen hab . Auch wollte der gute Junker mich nit unbescheert hinterlassen , inmaßen er mir ein neu Meßgewand ( dieweil das alte die Feinde geraubet ) auch Futterhemde , Hosen und Schuhe , summa Allens was zur Mannskleidung gehört , mitgebracht hatte , weshalben ich nur im Stillen den Herrn anrief , daß er uns für solchen Staat und Hoffarth nit abermals in seinem Zorn strafen wölle . Als mein Töchterlein dieses Allens sahe , wurde sie betrübt , daß sie ihme nichts mehr geben könne denn ihr Herze allein , und die Kettin von dem schwedischen König so sie ihme umb den Hals hing , und ihn weinende bate , sie vor ein Brautgeschenke zu behalten . Solches versprach er auch letzlich und daß er sie mit in seinen Sarg nehmen wölle , doch zuvorab müsse mein Töchterlein noch damit vertraut werden , wie mit dem blauen seidinen Kleid , denn dieses und kein anderes sölle ihr Brautkleid sein , welches sie ihme auch angeloben mußte . Doch mit der Magd begab sich noch ein seltsamer Fürfall , so ich allhier noch notiren will . Denn nachdeme das alte treue Mensch gehöret , was hieselbsten geariviret , war sie für Freuden außer sich , sprang und klatschete in ihre Hände , und sagete letzlich zu meim Töchterlein : nunmehro würde sie sicherlich nicht mehr weinen , wenn der Junker in ihr Bette liegen wölle , worüber selbige also erschaamrothete , daß sie aus der Thüren lief . Und als der Junker nunmehro wissen wollte , was sie damit sagen wölle , verzählete sie ihme , daß er schon einmal als wir von Gützkow kommen , in meines Töchterleins Bette geschlafen , worüber er den ganzen Abend seinen Kurzweil mit ihr hatte , als sie wiederkam . Der Magd versprach er aber , da sie schon einmal meines Töchterleins Bette vor ihn gemacht , sölle sie es auch zum andern Mal machen , und übermorgen wie auch mein Ackersknecht , mit nacher Mellenthin fahren , damit Herrschaft und Gesinde sich nach so viel Trübsal zusammen freuen könnten . Und da der liebe Junker bei uns die Nachtherberge nehmen wollte , mußte er bei mir in der kleinen Achterstuben schlafen ( denn ich kunnte doch nit wissen was fürfallen würde ) . Schlief auch bald wie ein Dachs , aber in meine Augen kam kein Schlaf , für Freuden , sondern betete die ganze liebe Nacht oder gedachte an meine Predigt . Erst umb die Morgenzeit drusete ich ein wenig ein , und als ich aufstund saß der Junker schon in der Vorderstuben bei meim Töchterlein , welche allbereits das schwarze seidine Kleid anhatte , so er ihr mitgebracht , und wie durch ein Wunderwerk frischer aussahe , denn da der schwedische König kam , so daß ich sie mein Lebtage nit frischer und hübscher gesehen . Item hatte der Junker schon sein schwarz Wammes an und suchte ihr die besten Zweigleine zum Myrthenkranz aus , den sie sich wunde . Legte aber ihren Kranz sogleich auf die Bank , fallete ihre Händleins und betete nach ihrer Gewohnheit den Morgenseegen , als sie mich ankommen sahe , welche Demuth den Junker sehr erfreuete , und er bat es in Zukunft bei ihme auch also zu halten , was sie auch zu thun versprach . Bald hierauf gingen wir auch zur lieben Kirchen in die Beichte und , dieweil der Junker mein Töchterlein unter ihrem Arm gefasset , blieb alles Volk für Verwunderung stehen und rißen den Hals auf , so weit sie kunnten . Sollten sich aber annoch mehr verwundern , als ich nach der Predigt erstlich die Ehrenerklärung Sr.f.G. mit der Confirmation der Kaiserlichen Majestät und nachgehends meinen Adelsbrief auf teutsch ihnen fürlas , und letzlich mein Töchterlein mit dem Junker zu kündigen begunnte . Lieber , da mürmelte es in der Kirchen nit anders als wenn die Bienen summen . ( NN . Diese Scripta seind jedoch bei dem Feuer , so vor einem Jahr in der Burg auskam , wie ich nachgehends vermelden werde , verbrennet , wannenhero ich sie allhier nicht in origine allegiren kann . ) Darauf gingen meine lieben Kinder mit vielen Volk zu Gottes Tisch , und nach der Kirchen kamen sie fast alle umb sie und wünscheten ihnen Glück . Item kam der alte Paassch noch auf den Nachmittag zu mir ins Haus , und bat mein Töchterlein abereins umb Vergebung , daß er sie unwissend beleidiget ; wöllte ihr gerne ein Hochzeitsgeschenke verehren , aber er hätte jetzunder Nichtes , doch sölle seine Frau ihr zum Frühjahr ein Huhn setzen und wölle er dann selbsten die Küken nacher Mellenthin bringen . Hierüber mußten wir allzumalen lachen , insonderheit der Junker , welcher letzlich sprach : so du mir ein Hochzeitsgeschenke machest , mußtu auch zur Hochzeit geladen werden , darumb machstu wohl morgen mitkommen . Worauf mein Töchterlein sprach : und Eure kleine Marie , meine Päten soll auch mitkommen und soll meine Brautjungfer sein , wenn es mein Herre erlaubet . Hierauf hub sie an , dem Junker Allens zu erzählen was mit selbiger durch die List des leidigen Satans fürgefallen und männiglich ihr zur Last geleget , bis der gerechte Gott ihre Unschuld gerettet , und bate , da der liebe Junker beföhle , daß sie dasselbige Kleid zu eim Traukleid haben sölle , worinnen sie den schwedischen König salutiret und nachgehends zum Scheiterhaufen gefahren sei , er ihr auch verstatten müge , ihre kleine Pätin , als indicium secundum10 ihrer Trübsal mit sich vor eine Brautjungfer nehmen . Und als er solches versprach , hieß sie den alten Paassch sein Mädken ihr anhero zu schicken , umb ihr ein neu Kleid anzupassen , so sie schon für 8 Tagen vor selbiges zugeschnitten , und die Magd heute noch fertig nähen sölle , welches Allens den alten guten Kerl so erbarmete , daß er laut zu weinen begunnte und letzlich sagte : sie sölle es nicht umbsonst gethan haben , denn vor das eine Huhn sölle seine Frau ihr nunmehro zum Frühjahr auch drei Hühner setzen . Als er wegk war und der Junker nichts anderes thäte , denn mit seiner Braut schwätzen , beides deutsch , wie lateinisch , macht ich es besser und ging auf den Berg zu beten , wobei ich ihr nachfolgete , und auf den Scheiterhaufen stieg , umb hier einsamlich dem Herrn mein ganzes Herze zu einem Dankopfer zu bringen , dieweil dieses sein liebstes Opfer ist . Ps . 51 , v. 19. Die Nacht nahm ich den Junker wieder bei mir , aber als am andern Morgen kaum die Sonne auf - Hiemit enden diese interessanten Mittheilungen , die ich nicht die Absicht habe , mit eigenen Zuthaten zu verwässern . Meine Leser , und insonderheit meine schönen Leserinnen mögen sich nun nach Gefallen das Glück dieses vortrefflichen Paares weiter ausmalen . Alle weiteren historischen Spuren seines Daseins wie des Daseins des Pfarrers sind verschwunden , und nur ein in die Wand der Kirche zu Mellenthin gefügter Denkstein ist übrig geblieben , auf welchem der unvergleichliche Junker mit seinem noch unvergleichlicheren Weibe abgebildet ist , noch die » güldene Kettin mit dem Konterfett des schwedischen Königs « auf seiner treuen Brust . Beide scheinen kurz hinter einander gestorben und in einem Sarge begraben zu sein . Denn im Kirchgewölbe sieht man einen großen Doppelsarg in welchem , der Tradition zufolge , sich auch eine goldene Kette von unschätzbarem Werth befinden soll . Vor einigen 20 Jahren wollte der Gutsbesitzer v.M. welcher durch seine unerhörte Verschwendung nahe an den Bettelstab gekommen war , diesen Sarg öffnen lassen um daraus das kostbare Kleinod zu entwenden , aber er vermochte es nicht . Wie durch einen mächtigen Zauber wurde er in seinen Fugen festgehalten und ist bis auf den heutigen Tag noch uneröffnet geblieben . Möge ers auch bis auf jenen großen Tag und nie die frevelnde Hand der Habsucht oder der Neugier diese heilige Asche heiliger Menschen entweihen ! - Zum Schluß noch das Denkmal des guten Paares in getreuer Zeichnung . Fußnoten 1 Nach Schillers Übersetzung : Sie selbst zur Furie entstellt Vom gräßlichen Entschluß , der ihren Busen schwellt , Mit bluterhitztem Aug ' , gestachelt von Verlangen , Der Farben wechselnd Spiel auf krampfhaft zuckenden Wangen , Jetzt flammenroth und jetzt vom nahenden Geschick Durchschauert , bleich , wie eine Büste , Stürzt in den innern Hof , und Wahnsinn in dem Blick Besteigt sie das entsetzliche Gerüste . 2 plattdeutsch : für kränkeln , mit dem Nebenbegriff des Stöhnens . 3 Jesaias 38 , 14. 4 Psalm 6 , 7. 5 Ps . 103 , 10. 6 Wie steht es süße Jungfrau ? 7 gut , da ich dich erblickt habe . 8 Empfehlungsschreiben . 9 Die Bedeutung dieses Kleidungsstückes ist mir unbekannt , wenn es nicht etwa ein Schreibfehler ist und Röcke heißen soll . 10 zweites Wahrzeichen .