mir nicht lieb wärest , so wäre ich nicht da ; keinem Menschen auf der Erde wäre ich hieher gekommen und hätte ihm z ' lieb so wüst getan und gelogen . Hätte ich gesagt , ich käme deinetwegen , so wäre keine Rede gewesen , daß sie mich hätten kommen lassen ; da habe ich zWort gehabt , ich wolle ds Guetjahr trage . Ich habe ein Gevatterkind nicht weit da weg , und das ist letztes Neujahr nicht gekommen , wie sie es sonst im Brauch haben . Sie meinten , nachezlaufe mangle es sich nicht , das Jahr sei bald um , am nächsten Neujahr werde es schon kommen , da könne man es ihm für zwei Jahre zusammen geben . Und gäb was ich gesagt habe , sie sind dabei geblieben . Und wenns schön Wetter gewesen wäre , daß das Werchen draußen recht gegangen wäre , so wäre keine Rede davon gewesen , daß ich hätte kommen können . Der Vater ist gar mißtreu , und wenn er dSach nicht auf der Hand hat , so trauet er nichts . Da habe ich bei der Mutter pläret und ihr gesagt , es sei doch schrecklich ; wenn ich den haben müßte , so wüßte ich wohl wie ich es bekäme ; keinen Tag könnte ich mehr fort , und jetzt , wo ich noch daheim sei , gönne man mir nicht einmal einen Tag für fort ; so hätts doch keine Jumpfere . Aber wenn man so wüst gegen mich sein wolle , so solle man nur sehen , gut komme das nicht , ich wolle es ihnen vorher sagen . Das ist der Mutter zHerze gange , von wege , wenn dr Vater nicht wäre , öppe so bös gegen uns wäre sie nicht , sie wüßte noch , was Erbarmen ist . Sie hat mit dem Vater geredet und mir darauf gesagt : Sage öppe nicht mehr viel und gehe , aber mache nichts Ungeschicktes , ghörst , wenn ich etwas vernehmen müßte , es weiß kein Mensch , wie es ginge ! Jetz ists mir aber doch himmelangst , und es düecht mich , wenn ich nur schon wieder daheim wär . « » Du hast dann nicht Freud bei mir ? « frug Resli . » Oh , plag mich nicht und frag nicht so « , sagte das Meitschi , » allem an weißt du nicht , wie es einem ist wenn man alle Augenblicke fürchten muß , es sehe einen jemand , der einen kenne und verrate . Und wenn man immer denken muß : was machen sie für Augen , wenn ich heimkomme , was sagen sie mir , wie wüst werden sie mit mir tun ; wenn man das vorstehnds hat und denken muß , das ist der letzte Tag , wo ich hätte Freude haben können , und kanns nicht einmal , weil mit dem Tag auch ein Elend näher kömmt , das ärger ist als das Grab . Du weißt nicht , wie es einem da ist . « » Wohl « , sagte Resli , » das ist z ' denke . Öppe ganz am besten ist es mir auch nicht immer gewesen , und auch schon ists mir im Kopf gewesen , daß ich mich dessen , was außer mir gegangen , nichts geachtet und daß ich hätte plären mögen , wenn die Sonne am schönsten geschienen . Wohl , das begreife ich . Du hättest also nichts gegen mich und begehrtest mich zu heiraten , wenns nur an dir wäre ? « » Rede mir nicht davon « , sagte Anne Mareili , » es macht mir das Herz nur schwerer ; ohnehin wenn ich dich ansehe , so muß ich immer an den Kellerjoggi denken mit seinen Augen , die immer tropfen wie ein alter Weinhahne , und wenn ich an ihn denke , so chunt mih ds Briegge a. « » Lybsthalbe gefiel ich dir also besser als der alte Unflat ? « frug Resli . » Gang mr « , sagte Anne Mareili , » selligs z ' frage ! « » Aber wenn dr Alt my Lyb hätt , so wärs dr recht ? « » Wenn ich gewußt hätte « , sagte Anne Mareili , » daß du nur daran Freude hättest , mich zu plagen , so wäre ich nicht gekommen , und hättest mir noch zehnmal Bscheid machen lassen . Nein wäger , es ist mir nicht nur Lybsthalb , daß mir Kellerjoggi zwider ist . Ich weiß nicht , aber es düecht mich manchmal , ich könnte mich in alles schicken , wenn er nicht so wüst gegen alle Menschen wäre und alle Laster an sich hätte . Oh , es ist ein schreckliches Dabeisein , wenn man immer das denken muß , es vrfluchen einen alle Leute und kein Mensch bete für einen , und einem dabei die Hände gebunden sind , daß man auf keinen Weg öppe gut machen kann . Davor gruset es mir am meisten , denn ich weiß wohl , das kann ich nicht so in der Geduld annehmen , sondern ich ertaube auch , und was ich dann anfange , weiß Gott ! Und deretwege habt ihr ein gutes Lob , wie ich vernommen , und rechtschaffen geht es bei euch zu ; da könnte man Guts lerne , und ich mangelte das so übel , ich gspürs wohl , wie nötig ich es hätte . Und deretwege , ich will es aufrichtig sagen , habe ich mehr als Lybsthalb an dich gesinnte ; ' s düecht mich immer , wenn es Gott so gut mit einem meinte , als es heißt , er sollte einen nicht so dem Teufel lassen vor die Füße werfen , wo man doch deutlich weiß , daß es der Hölle zu geht . « » He « , sagte Resli , » der liebe Gott wehrt sich nicht für dich , du mußt dich wehren . Aber wer weiß , wenn es dir mit deinen Reden recht ernst ist , so könntest du vielleicht auch sinnen , der liebe Gott hatte uns zusammengeführt so ungsinnet , daß du dich an mir halten und ich für dich in den Riß stehen , mich für dich wehren könnte . « » Was meinst wegem Ernst ? « fragte Anne Mareili , » was soll mir ernst sein ? « » Ich meine so wegen der Seele und von wegen dem lieben Gott . Es ist nicht , daß ich meine , es sei dir nicht ernst , aber es ist mir schon manchmal so gegangen , daß ich habe den lieben Gott hineinstoßen wollen , wo doch die Sache an mir lag , und daß ich die Seele füregstoße ha , wo es mir doch nur um etwas Leibliches war . Ich habe nur gemeint , wenn es dir recht um die Seligkeit wäre , so würdest du das den Eltern vorgestellt haben , und wenn ein guter Blutstropf in ihnen wäre , so könnten sie ja kein Wort mehr sagen . Ich will nicht sagen , daß wir die Besten sind , und es ist manchmal strub genug gegangen bei uns , doch so Gott will ists vrwerchet . Aber auch wo es am trübsten ausgesehen , so hätts wohl Lärm geben können wegem Geld , aber wo eins gesagt hätte , dSach wär ihm vor der Seligkeit und es wollte nicht schuld sein daran , so hätte kein Mensch mehr ein Wort gesagt , nit dMuetter , nit dr Vater . « » So ist es darum nicht bei uns « , sagte Anne Mareili , » es ist mir leid , daß ich es sagen muß , und jemand Anderem sagte ich es nicht . Da könnte ich lange sagen , nur auslachen würde man mich und sagen : Du Löhl , was fragst doch dem darnach ! Wenn er macht , was er will , so mach du , was du kannst ; dHauptsach ist , daß du einen reichen Mann kriegst und daß er dir die Sache läßt verschreiben , dem andern allem hast du nichts nachzufragen . Ach , sie meinen , mit dem Gelde hätte man alles , an diesem klebe alle Herrlichkeit , wie an einem klebrigen Stecken der Staub . Darum fragen sie allem nichts nach als dem Gelde alleine , und mich geben sie dar , wie man arme Würmer an die Angel steckt , wenn man Fische fangen will . Ich bin ihnen niemere , sie denken nicht an meinen Leib , nicht an meine Seele , nicht an meine Lebtig , nicht an meine Ewigkeit , sondern an nichts als an das Geld , das sie mit mir fangen wollen , und was ich sage und wie ich bitte , sie achten sich dessen gerade so viel , als der Fischer sich achtet , wie der Wurm zappelt , den er an die Angel steckt . « » Das ist bös « , sagte Resli , » aber sie werden doch auch eine Religion haben ? « » Ich glaube es « , sagte Anne Mareili , » sie werden ; unterwiesen sind sie worden , wie üblich , aber viel davon habe ich nicht gemerkt , ich sags mit Leid . Du glaubst nicht , wie es mir manchmal angst wird unter unserem Strohdach , wo man den ganzen Tag flucht , selten ein Gebet verrichtet wird , wo über Tisch geredet wird , daß einem düecht , es sollte den Wänden übel werden , und selten ein Mensch zum Nachtmahl geht . Wenns donnert oder wenn ich nachts denken muß , wie leicht ein Funke nebenausfallen und wir alle verbrennen könnten , ehe nur jemand das Feuer merkte , und die Hölle so uns anginge schon bei Lebenszeit , dann wirds mir so angst , daß ich kein Aug voll schlafen kann , daß ich im Hause herumgehen muß , zu sehen , ob nicht irgendwo noch Feuer ist ; und wenn ich nichts finde und mich niederlege , so dünkt es mich , ich rieche Rauch , muß von neuem auf , und der Morgen kömmt , ehe ich mir trauen darf im Bette . Und meine Furcht darf ich nicht merken lassen , sie lachen mich sonst aus , halten mir vor , ich sehe mich nach Kiltern um , und wenn ich sonst etwa sage , man solle doch öppe auch denken , daß einer ob uns sei und es wäre gut , wenn man auch etwas mehr daran sinnete und darum täte , so sagt man mir , ich solle nur zu mir sehen , und so dumms werde ich doch nicht sein , alles zu glauben , was der Pfaff sage , und zu meinen , alles sei wahr , was geschrieben stehe ; da wäre ich ja ein Aff , und dere seien heutzutage nicht mehr viel , sie seien rar . Da gruset es mir manchmal , dabei zu sein , du glaubst nicht wie , und ich habe den lieben Gott schon manchmal gebeten , er solle mir da weghelfen , und jetzt will er mir dazu helfen , aber wie ! Noch an ein viel ärger Ort . « » Nit , nit « , sagte Resli , » vrsündige dich nicht ; der liebe Gott läßt sich nicht so mustern und dr Marsch machen wie ein anderer Mensch , und wenn man selbst das Rechte breicht , so ist das , was er einem schickt , immer gut , aber eben aufs Breichen kömmt es an . « » Ich kann weiß Gott nicht helfen « , sagte Arme Mareili , » aber denk doch nur , wie es einem sein muß , so in aller Himmelangst , das Elend vor sich , und ein Tag nach dem andern kömmt näher , und hinten eine Wand und neben Wände , oben der Himmel vermacht und nirgends eine Hand , die aufbricht , daß man fliehen , dem Elend entrinnen kann . Denke , wenn man selig sterben möchte , und bei lebendigem Leibe schon wird man dem Satan zugeworfen ; denk , wie wäre dir , und wüßtest du immer , was du redtest ? « » Wenns dir so ist « , sagte Resli , » und es wird , so kummere nicht , dir muß geholfen werden ; wir sind doch ja nicht mehr Heiden , und es würde mich doch wunder nehmen , ob es unter Christen ärger zugehen sollte als zur Zeit , wo man dem Moloch opferte . « Lieb sei es ihm vom ersten Augenblick an gewesen , wo er es gesehen , aber seit er seine Eltern und ihr Haus gesehen , hätte er allerdings Kummer gehabt . Es hätte ihn düecht , seine Leute seien wohl rauh und frügen nur nach dem Zeitlichen , und das bringe den Frieden nicht und mache das Glück nicht aus ; sie hätten es erfahren . Und nun sei es ihm schwer gewesen , es sei auch so und hätte seiner Leute Art. Wenn man sich aber in diesen Dingen nicht verstünde , so hätte es gefehlt , und wenn man sich dem lieben Gott nicht unterziehen könne , wie wollte sich dann ein Mensch dem andern unterziehen ? Und er wolle es geradeheraus sagen , er hätte sich gescheut , seinen Leuten einen Menschen ins Haus zu bringen , der das Beten nicht verstünde und kein Begehren hätte , ein Christ zu sein und nach dem Friede z ' trachte . Er wüßte , ein Söhnisweib hätte es öppe nicht bös bei ihnen , aber daß seine Leute es um des Söhnisweibs willen bös hätten , das hätte er neue auch nit mögen . Aber jetzt sei er guten Muts , und es solle auch so sein , dSach werde doch öppe wohl zu machen sein . » Ach « , sagte Anne Mareili , » wenn ich einmal in einem solchen Hause leben könnte , wo ich nicht alle Nächte Furcht haben muß und öppe dr Tag düre Friede , es düechti mih , ich wäre im Himmel , wenn man dann auch schon nicht so reich wäre dazu . Aber setz ab , das gibt es nun einmal nicht . Der Vater wills , und wenn der einmal etwas gewollt , so hat er noch nie abgesetzt . Wehren kann ich mich noch ein Stück und wüsttun , aber was hilfts , am Ende muß es doch sein . « » Hör « , sagte Resli , » willst du mir versprechen und treu sein , so nähmte es mich doch wunder , ob nichts zu machen wäre ; aber auf dich kömmt alles an , wenn du nicht standhaft bist , so ist dSach verspielt . Willst du , so gib mir die Hand und sage : Ja in Gottes Name ! « Anne Mareili ward rot und blaß , Tränen stürzten ihm über die Wangen , es hob langsam die Hand , legte sie in Reslis , dann sagte es langsam : » Ja in Gottes Name ! « und in heftigem Weinen lehnte es sich an Reslis Schulter . Stille drückte Resli die Hand , welche in seiner lag , und stille war es lange ; es war , als beteten Beide leise , als flöge in leisem Flügelschlage ein Engel zu den Verlobten , zu empfangen und emporzutragen , was in ihren Herzen lebte und bebte . Resli zog seine Uhr hervor und sagte : » Nimm sie als Ehepfand . Ich weiß , für uns ist es nicht nötig , aber es freut mich , wenn ich denken kann , du habest etwas von mir und wenn du sie schlagen hörst , denkst du an mich , und glaube nur , so oft es schlägt in der Uhr , so oft schlägt es mir im Herzen für dich . « Anne Mareili betrachtete die stattliche , schwere silberne Uhr mit den erhöhten Zahlen und der schweren silbernen Kette und sagte : » Ich behielte sie gerne , sie freute mich , aber ich darf doch nicht ; ich darf sie nicht aufziehen , ich könnte sie auch nirgends bergen , daß ich nicht fürchten müßte , man könnte mir darüber kommen , Vater oder Mutter könnten sie finden . Nimm sie wieder , und wenn ich dich recht verstanden habe , so braucht es zwischen uns eigentlich kein Ehepfand . Aber etwas hätte ich gerne von dir , nicht wegen der Sach , sondern weil es von dir ist und damit ich es , wenn ich alleine bin , hervorziehen kann und Gschauen und denken : das ist von ihm , was macht er wohl , was denkt er ächt ? « » Was soll ich dir wohl geben ? « sagte Resli ; » hätte ich daran gesinnet , so hätte ich einen Ring gebracht oder ein Ketteli , aber jetzt habe ich hell nichts bei mir . « » Ring oder Kette « , sagte Anne Mareili , » dürfte ich ja auch nicht nehmen , es wäre das Gleiche wie mit der Uhr ; aber gib mir ein Geldstück , was für eins , daß du willst , und ich will dir auch eins geben ; das achtet niemand , und wenn wir die ansehen , so können wir dabei an einander sinnen , so gut , als wenn es eine Uhr oder weiß kein Mensch was wäre . « Sie zogen ihr Geld hervor , erlasen dasselbe , und Resli las einen treuen , ehrenfesten alten Bernzwanziger mit einem wackeren Schweizermann darauf aus , Anne Mareili aber ein neu Guldenstück . Diese Stücke verwechselten sie nicht , erachteten sie , mit den Fünffrankenstücken könnte man sich verirren , und doch käme niemand in Sinn , daß sie was zu bedeuten hätten , wenn man ihnen das Geld erlesen würde . Resli steckte sein Guldenstück apart ins Leiblitäschli , Anne Mareili behielt es in der Hand ; aber Beiden ward erst jetzt so recht behaglich und traulich im Stübchen und so recht offen ums Gemüt . Es war ihnen , als könnten und müßten sie einander alles sagen , was sie auf dem Herzen hätten und was sie in Liebe und Leid gesinnet . Anne Mareili erzählte , wie es ihm gewesen , als es mit dem Vater fortgefahren und nicht hätte vernehmen können , woher Resli sei . Mit mehr als hundert Bursche hätte es schon getanzt , aber mit keinem sei es ihm so gegangen ; da hätte es ihm schon während dem Tanzen immer getönt , der oder Keiner , und als er nun verschwunden , sei es ihm gewesen , als gehe der Himmel zu . Lange hätte es nicht mehr lachen mögen und nichts als stunen und sinnen ; die Mutter hätte es manchmal auseinandergenommen und gemeint , es sei etwas Verdächtiges , aber was hätte es ihr sagen sollen ? Nirgends hätte es ihn mehr antreffen können , und alle Sonntag hätte es denken müssen , läßt er öppe heut verkünden ? Und wenn es am Freitag zusammengeläutet , so hätte es sich fast nicht des Weinens erwehren mögen , es hätte immer denken müssen , läuten sie ihm wohl heute zKilche ? Aber erst als man ihns mit dem Kellerjoggi zu plagen angefangen , hätte es recht an ihn sinnen müssen , und kein Morgen sei ihm aufgegangen , wo ihm nicht vorgekommen sei , als hätte es ihn des Nachts im Traume gesehen . » Aber du « , frug Anne Mareili , » hast du gewußt , wer ich war ? « Da ward Resli rot und sagte , es solle ihm recht nicht zürnen , er wolle ihm Punktum die Wahrheit sagen . Aber Anne Mareili ward rot , fast böse , und sagte , es möge nichts hören von einer Liebe , die ein Jahr daure , und man wisse , wo das Meitschi sei , und tue keinen Wank , um zu ihm zu kommen ; es hätte ihn aufrichtiger geglaubt und wisse jetzt , woran es sei . Mit großer Mühe kam Resli zur Rede und bat , es möchte doch nicht so aufbrennen ; wenn es ihn gehört , so werde es zufrieden sein . Er erzählte nun Punktum , wie es zu Hause gestanden , wie die Mutter ihn nicht habe anhören wollen , wie er allen Mut verloren und bsunderbar , als er nachgefragt und vernommen , wie reich sie seien und daß ihr Vater apart auf reiche Tochtermänner hielte und daß diese von ihren Eltern alles alleine erbten . Aber wie wunderbar es nun gegangen sei , daß am selben Tage , wo sie daheim so recht sich versöhnt für immerdar und er Eltern und Geschwistern sein Herz eröffnet , wie er an einem Meitschi hange , aber nicht Mut gehabt wegen ihrem Streit und wegen deren Reichtum , und sie ihm zugeredet , er solle daran hin , und ihm alles Liebs und Guts versprochen , es gestürmt und das Feuer so seltsam und ungesinnet sie zusammengebracht hätte . Er müsse glauben , das sei nicht von ungefähr gewesen , darum habe er auch Mut zum Glauben , es komme alles gut , denn wenn sie nicht zusammenkämen , so wüßte er doch nicht , warum alles so gegangen wäre . Anne Mareili hatte Mühe , sich darein zu finden , daß Resli gewußt , wer es wäre , und doch so lange bei ihm sich nicht gekündet ; wenn es ein Bub gewesen wäre , das hätte es nicht übers Herz bringen können , sagte es . Jetzt könne es es begreifen , und es wolle ihm verzogen haben , aber so recht lieb müsse er ihns haben , lieber als alles in der Welt , gerade auch so , wie es ihn lieb haben wolle , sonst hätte es den Mut nicht , so recht sich zu wehren und anezstoh . » Aber , daß ich doch frage , wie muß die Sache gehen , und was willst du jetzt vornehmen ? « Guter Rat war da teuer und um so mehr , da Anne Mareili meinte , es sei kein Zögern , kein Aufschieben , weil Kellerjoggi sich jüngst nachgiebiger gezeigt und dem Vater verheißen , wenn er nur verkünden lassen wolle , so wolle er mit dem Verschreiben sich auch nicht eigelig machen , sondern sich öppe nachela , daß man zufrieden sein könne . Ein langes Unterholzen war da nicht tunlich , es mußte rasch zu Werke geschritten werden , und da schien es endlich Resli am männlichsten und am besten , wenn er geradezu selbst käme und dem Dorngrütbauer die Tochter abforderte ; dann aber müßte Anne Mareili zu ihm stehen und bekennen , sie seien einig und es wolle keinen Andern . Anne Mareili hätte es besser gefallen , wenn der Vater gekommen wäre , es hätte sich besser im Hintergrunde halten können , es wäre der Sache nicht so geradezu auf den Leib gegangen gewesen , hätte nicht geheißen : Vogel friß oder stirb . Mädchen scheuen dieses Geradeaus , kommen lieber hintenum zur Sache oder so bei Längem , süferli , wie eine Katze zur Maus ; so geht es freilich oft leichter , aber es ist doch nicht jedes Mannes Sache , und auch oft kömmt man vor lauter Umwegen nicht zur Sache . Dann kam es natürlich aus , wo es gewesen , und darauf konnte es zählen , daß es , solange es noch daheim war , kein gut Wort mehr bekam . Wenn es sein müsse , sagte Anne Mareili , so wolle es sich in Gottes Namen darein schicken ihm zulieb , wenn er ihm schon ein ganzes Jahr nicht nachgefragt hätte . Aber es sehe voraus , es gehe nicht , und dann noch einmal etwas zu versuchen , werde bös sein , es werde so wohl der Kübel auf einmal ausgeleert werden . Jedenfalls solle er nicht böse werden , manierlich bleiben , man möge ihm sagen was man wolle , damit man keinen Grund hätte , ihm ein für allemal das Haus zu verbieten . Es schlottere aber schon , wenn es daran denke , und er solle ihm doch recht nicht zürnen , wenn es sich erst zeige , wann es müsse . Resli hatte immer größere Freude an dem Mädchen , je mehr er es ansah , es war trotz seiner geringen Kleidung so sauber und nett , redete so gesetzt , manierlich und doch ohne Zimpferlichkeit , sondern in aller Aufrichtigkeit . Es aß und trank ohne Ziererei , so viel es nötig hatte , aber dabei so säuberlich und appetitlich , daß man selbst Appetit bekam darob . Es sagte nicht : » Ih mah nit Krut , ih ha daheim o « ; es streckte die Finger , namentlich die kleinen , nicht nach allen vier Winden aus , nahm ebenso wenig das Fleisch in die ganze Hand , fuhr auch nicht so große Stücke Kuchen ein , daß es das Gesicht über und über mit Brosmen bepflasterte , es machte alles so nett ab , gnagte sogar Beine mit Manier , was viel heißt . Resli hätte ihns den ganzen Tag mögen essen sehen , während man Andere nur einmal hinter einen Tisch zu setzen braucht , um sie sich erleiden zu lassen ; es schien ihm immer mehr , es hätte etwas von seiner Mutter , und er konnte doch nicht sagen was , es war nicht hier , es war nicht dort , es war in der ganzen Art. Es ward ihm immer auffallender , wie das Meitschi in diesem Hause so werden konnte . Wie die Spanier fast alle dunkel sind , die Engländer aber blaß und blond , in der Jugend wenigstens jeder seine Landesfarbe im Gesichte trägt , so hat hinwiederum fast jeder Mensch seine Hausfarbe , und alle Glieder des Hauses sind mehr oder weniger damit angelaufen . Man sieht zum Beispiel Familien , in welchen alle Kinder und Kindeskinder , ja bis ins siebente Glied hinaus , Schmutzgüggel bleiben , sich nie waschen , als wenn sie müssen , und nie mehr , als was zunächst vor die Leute kömmt , welche daher ordentlich sprüchwörtlich werden . Nun aber schien es ihm so gar nichts zu haben von seinen Leuten und der Hausfarbe oder dem Hausgeruch ( denn manchmal ists eben ein Geruch ) , weder innerlich noch äußerlich , daß er fragen mußte , ob es denn immer daheim gewesen . Da vernahm er , daß es in seiner Jugend lange bei einer Großmutter gewesen , einer gar lieben , aber seltsamen Frau , aber es hätte sie geliebt , daß es ihns gedünket , es möchte , als sie starb , mit ihr ins Grab . Lange hätte es daheim sich nicht gewöhnen können und es sei ihm immer gewesen , man hätte es nicht so lieb wie die Andern und alles sei nicht recht , was es mache . Als seine Schwestern fortgekommen , habe es gebessert , und die Mutter hätte noch manchmal auf ihns gehört , aber dem Vater , dem sei es nie recht gewesen , bis jetzt , wo er mit ihm einen Handel machen könne . Er sei schon böse über ihns geworden , ehe es auf der Welt gewesen , und dessen , daß es darauf gekommen , vermöge es sich doch nichts . Wie doch so ein Tag verrinnt und was das für ein Unterschied ist zwischen so einem Tage , wo man zum ersten Male mit seinem Lieben ungestört unter vier Augen sitzt , und zwischen einer langen Krankennacht , wo man alleine mit seinem Schmerz auf seinem Lager liegt ! Wie langsam die Zeit dahinrinnt , jede Sekunde , wie ein langsamer Bluts , tropfe vom Körper langsam tropft , von der Uhr weg ins Meer der abgelaufenen Sekunden , und in endlose Weiten die Stunden sich dehnen , Sandwüsten gleich , wo kein Schatten ist , keine Ruhe , nichts als schwere Pein und unendliche Weiten ! Und wenn es endlich Mitternacht schlägt , eine Ewigkeit vergangen scheint , aber unsere Pein nicht abnimmt , denn eine neue Ewigkeit reiht sich an die vergangene Ewigkeit , schwarze trostlose Stunden sind es , die wiederum vor uns liegen , ohne Schatten , ohne Ruhe , sechzigmal sechzig Sekunden müssen langsam abtropfen , ehe eine vorüber ist , und manche muß vorübergehen , ehe ein junger Morgen scheinet , und über was denn eigentlich , über unsere alte Pein . Aber was die Sonne bescheinet , das wird erträglicher , milder , lieblicher , selbst der Menschen Pein . Wie aber die Zeit von dannen rennt , Stunden schwinden , aus dem Morgen Abend wird , wo in Liebe zwei Herzen offen liegen , die Liebe Liebe in den Augen liest , die Ohren voll süßer Töne sind , und ungehemmt der Liebe Rede über die Zunge quillt ! Wohl redet die Liebe verschieden , redet in herrlichen Worten , die dem Hauche der Geister gleichen , nicht eigentliche Worte sind , nicht Leib haben , sondern fast klingen wie Kinderlispeln oder unaussprechliches Seufzen ; aber sie redet auch recht derbe , zieht ein rauhes Kleid an , wirft Worte aus , die Feldsteinen gleichen oder gar Felsenstücken , wie aus dem Schoße des feuerspeienden Berges auch allerlei kömmt , eine glühende Feuersäule , schwarzer Rauch , schwere Steine , flüssige Lava , und doch der gleiche Schoß es ist , der sie gebiert , die gleiche Kraft , die sie auswirft . So war es Resli und Anne Mareili Abend geworden , sie wußten nicht wie , und Anne Mareili begann zu pressieren und Resli es zu verweilen , bis es endlich doch sein mußte