; als man aber das Sommerwerkzeug untersuchte , war alles im schlechtesten Zustande . Er fand keine einzige Segessen , die sich ihm in die Hand schickte . Joggeli behauptete , er hätte im vergangenen Jahre vier neue und Rechen und Gabeln gekauft . Er wisse nicht , wo es hingekommen , und wenn es ihm gestohlen werde , so wollte er ein Narr sein , immer Neues zu kaufen . Ja , sagte Uli , das könne er machen , wie er wolle , aber mit den Beinen könne er nicht mähen , mit den Fingern nicht rechen ; wenn die Sache gehörig gemacht sein solle , so müßte Werkzeug dafür da sein . Endlich kaufte Joggeli , aber alles so wohlfeil als möglich . Wie nützlich schlechte , wohlfeile Segessen sind , weiß jeder . Uli kaufte sich endlich eine aus eigenem Gelde . Wollte er aber dem Einen oder dem Andern über sein Mähen etwas zu verstehen geben , so sagte ihm dieser : Er solle ihm eine bessere Segessen geben oder aber schweigen . Uli war gewohnt , mit dem Mähen morgens um drei anzufangen . Um diese Zeit wollte ihm anfangs niemand auf , er hatte Mühe , um vier sie auf die Matte zu bringen . Melcher und Karrer wollten auch nicht anbeißen , selbst wenn man zunächst des Hauses mähte , und wann sie kamen , so trieben sie nur Flausen , wollten Uli durchtun und ihm vormähen , bis er ihnen seine Meisterschaft beurkundet und sie zehn Schritte im Rücken gelassen hatte . Hatte er endlich die Knechte auf der Matte , so fehlten ihm noch die Tauner und kamen erst , um vor dem Morgenbrot noch eine Mahde zu mähen . Der Eine hatte etwas für sich gemäht , der Andere seine Segessen anders anschlagen müssen , der Dritte seiner Frau Bschütti geführt ; aber alle meinten , der Meister brauche es nicht zu wissen , und wollten den ganzen Taglohn . Uli hätte es nie geglaubt , welch Unterschied es sei , von drei bis zehn Uhr morgens mit zehn rüstigen Burschen , versehen mit gutem Werkzeug und gutem Mut , zu mähen oder aber mit zehn lässigen , wo alle nach dem Takte » Komm ich nicht heute , so komme ich doch morgen « arbeiten , einer hieraus zieht , der andere dortaus liegt . Es schien ihm , als sei man förmlich verhexet , während die Andern jammerten , so drängseliert und kujiniert seien sie noch nie worden . Hatte er seine liebe Not am Morgen ausgestanden , so war am Abend erst das rechte Elend da . Kam er des Mittags nach dem Dängelen und Rüsten der Wagen auf die Matte , so war nicht gekehrt , das Heu nicht zusammengemacht , er mußte warten ; ging er mit den Andern hinaus , so mußte man auf die Wagen warten . Lud er auf der Matte und sollte ein Teil der Leute abladen , so verrichteten diese nichts ; die Wagen kamen nie zurück , sie mußten halbe Stunden müßig warten . Ging er ans Abladen , so wurden sie fertig , aber der Karrer brachte kein Heu , sie konnten lange Zeit ruhig am Schatten liegen . Am Abend hatte niemand Zeit zum Aufrechen , er mußte es mit Wüsttun erzwingen ; von Birligen war vollends keine Rede , die konnte er selbst machen , wenn er welche gemacht haben wollte . Er trieb und jastete sich fast zu Tode von früh bis spät , die Weiber hatten rechtes Mitleid mit ihm ; aber er brachte nichts ab , er fühlte , es war da ein angelegtes , boshaftes Spiel . Und Joggeli sah der Sache nicht bloß kaltblütig , sondern fast boshaft zu , gäb wie die Weiber ihn stüpften , er solle doch auch ein Wort sagen , er sehe ja , Uli möge nicht gfahren und die Andern täten ihm alles zuwider . He , sagte er , dem sei es nur gut , wenn er nicht alles zwängen könne ; wenn alles nach seinem Kopf ginge , so kriegte er bald einen so großen daß Sonne , Mond und Sterne nicht mehr neben ihm Platz hätten . Es war zudem ein Sommer mit sehr unbeständigem Wetter . Es gab wohl schöne Tage , aber mit vielen andern untermischt , an denen man nichts Dürres machen konnte . Es bedurfte also an den schönen Tagen doppelten Fleiß , mit diesem ist ein guter Landmann imstande , mittelmäßiges Wetter gut zu machen . Uli konnte das ; aber nicht bloß einer , sondern zehn Schleiftröge legten sich ihm unter die Beine . Das ist ein peinvoller Zustand , es begreift ihn aber nur der , welcher ihn erlebt hat . Entweder erstickt , erworget man in demselben , oder aber es gibt einen Ausbruch , daß Funken sprühen , die Wände zittern , Haare fliegen und Brülle durch die Welt fahren , daß Kometen und Planeten davonfliegen und nirgends mehr warten dürfen . Uli schrieb am Sonntag seinem alten Meister : So halte er es nicht mehr aus . Der Zorn sei ihm zu oberst , er könne ihn mit einem Finger erlangen . Essen bringe er keins mehr hinunter , es düech ne , er müsse an jedem Stücklein Brot ersticken , und wenn er einen von den Möffen sehe , so gramsle es ihm in den Fingern . Sie hätten noch viel zu mähen und morgen von dreien Tagen einzuführen . Wenn sie es ihm nun machen wie die andern Tage und der Meister noch seine Freude daran hätte , so schirre er aus und komme ihm ungesinnet daher . Das sei ein Teufels Dabeisein , wenn man die Mitdiensten wider sich hätte und auch noch den Meister . Die Frau sehe das wohl , aber sie könne nicht viel zwingen ; wenn sie Meister wäre , so ginge es anders . Schön Wetter war es am Morgen , auf den Abend drohte ein Gewitter . Schon um acht hörte Uli auf zu mähen , um beizeiten zetten und kehren zu können , schon am Morgen wurden zwei Fuder eingeführt . Beim Mittagessen sagte Uli , das Nachtessen soll man nicht früh zweg haben , heute werde es wohl späten Feierabend geben . Das Heu werde alles gut , sollte alles hinein , es wäre schade , wenn es noch einmal Regen kriegte . Im Nachmittag fing es sich an zu stecken , es wollte nichts mehr vorwärts man steckte die Köpfe zusammen , statt daß man die Arme rührte . Wo Uli war , ruckte es , wo er hinkam , war alles im Hinderlig . Der Melcher zeigte sich nicht auf der Matte , der Karrer fuhr , wie wenn er Schnecken hätte , und als Uli ihm sagte , er solle doch schneller laufen lassen , es täte es den Pferden wohl , warf er mutwillig ein Fuder in den Bach , daß man darob fast eine Stunde verlor . Und als Uli dazukam und aufbegehrte , da müsse einer doch fahren wie ein Blind , um da ein Fuder umzuwerfen , so sollte er an allem schuld sein mit seinem Pressier ; solange er da sei , gehe es schlecht . Er könne nichts , sagte der Karrer , als alle Leute kujiniere , und wenn er ihm nicht recht fahre , so solle er selbst fahren , er rühre keine Geißel mehr an , bis der Meister es ihm selbst befehle . Damit warf er Uli die Geißel zu und legte sich behaglich auf einen Heuwalm . Uli hatte schon die Geißel am dünnern Ort gefaßt , um zu versuchen , was ungebrannte Asche vermöge , doch besaß er sich und führte kochend in Zorn das Fuder heim . Die Alte rüstete zu Nacht , und als sie Uli mit dem Fuder kommen sah , fragte sie Vreneli , die vorankam : Was es gegeben , daß Uli fahre ? » Frag ihn selbst , Base , « sagte Vreneli . » Es ist ein grusamer Streit unter den Diensten , und wenn sich der Vetter des Ulis nicht annimmt , so kömmts nicht gut . Ich wäre schon lange fortgelaufen . « Da stund die Base auf , ging Uli entgegen und frug : » Warum fahrst du ? Was hats gegeben ? « Und Uli fragte mit bleichen , bebenden Lippen : » Wo ist der Meister , er söll usecho . « » He Ymmers , wie siehst du aus ! Komm du in die Stube , er ist dort . Es söll derweilen einer die Rosse halten . « Uli ging nach , und die Base nahm aus einer Ecke auf dem Ofen ein Kacheli mit Kaffee und sagte : » Nimm das geschwind und trinks ! Ich hatte es dem Vreneli dänne deckt , aber nimm dus , es bekömmt dann ein andermal . Aber sag mir geschwind : was hats gegeben , was ists ? « » Meisterfrau , ich will fort und das auf der Stelle , so will ich nicht mehr dabeisein . Ich will dem Meister die Geißel geben , dann meinen Lohn und noch heute fort . Ich will mich nicht töten für Andere und noch dazu ausgelachet sein . « » He Uli , Uli , wer lachet dich aus ? « » Gerade der Meister , der treibt nur den Narren mit mir und ist kein Meister , sonst würde er sehen , was seine Pflicht und sein Nutzen ist , darum will ich fort . « » Und was ist denn meine Pflicht und mein Nutzen ? « sagte Joggeli , der eben zur Türe hineinkam . » Ich will meinen Lohn , « sagte Uli , » und will fort . « » Du hast keinen Grund , « sagte Joggeli , » du wirst wohl bleiben . « » Nein , Meister , ich bleibe nicht und habe guten Grund . Ihr habt mich als Meisterknecht angestellt und unterstützt mich nirgends . Ihr befehlet selbst nichts , ich soll aber auch nicht befehlen , da kann ein jeder machen , was er will . So braucht Ihr keinen Meisterknecht und habt mich falsch gedinget , und deswegen will ich nicht mehr dabeisein . « » Aber was hast du denn zu klagen ? « fragte Joggeli , schon nicht mehr recht keck . » He , daß Ihr kein Meister seid . Wenn Ihr ein Meister wäret , so wäret Ihr heute gekommen und hättet auch pressiert und befohlen oder hättet wenigstens gesagt , man solle sich schicken . Aber statt dessen habt Ihr mich allein fechten lassen , habt wohl gesehen , wie sie drehen , der Melcher , der Karrer nicht vom Hause wollen , und habt mich stecken lassen , darum will ich fort . « » He , ume nit grad so prüßisch , « sagte Joggeli , » ich kann nicht immer an allen Orten sein . Hättest du mir das Maul gegönnt , so hätte ich etwas sagen können , aber wenn man so viel zu sinnen hat wie ich , so kann man nicht immer an alles sinnen . « » Sinnen hin , Sinnen her , « sagte Uli , » ich will meinen Lohn , ich bleibe nicht mehr . « » He , Uli , « sagte die Meisterfrau , » nimm non es Kacheli und bsinn dih ! Du bist uns ganz der Recht und es hat dir noch niemand von uns ein Unantwort gegeben . Ds Gunträri , ds Vreneli und ich haben schon manchmal zueinander gesagt : wenn es so seinen Fortgang nehme , so komme der Hof wieder instand und es gebe auch wieder eine Ornig . « » Solang der Karrer und der Melcher da sind , kömmt es nicht gut , und mit ihnen bleibe ich nicht mehr , keine Stunde ; entweder gehe ich , oder sie müssen gehen . « He , he , sagte Joggeli , man mache im Zorn leicht etwas Unrechtes ; sie wollten sich gegenseitig noch bsinnen bis morgen , man könne dann immer noch sehen . » Meister , das ist ausbsinnet , « sagte Uli , » das ist mir schon zu lang auf dem Magen gelegen ; entweder gebt Ihr dem Karrer und dem Melcher noch heute den Lohn oder mir , eins von beiden . « » Ich werde mir doch von einem Knecht nicht sollen befehlen lassen , « sagte Joggeli . » Ich will Euch nichts befehlen , ich lasse Euch ja dWehli , aber eins von beiden muß sein . « » Bis doch nit e Göhl , « sagte die Meisterin , » da wollte ich mich bald ausbesonnen haben . « » Ja , aber wo dann einen anderen Karrer und einen anderen Melcher her , nehmen gerade in dieser unmußigen Zeit ? Das kann nicht gehen . « » He , « sagte Uli , » wenn die fort sind , so geht die ganze Sache ds Halb ringer , und dann kann ich auch noch melken und fahren so gut als die . Ich will einstweilen den Dienst für Beide machen , und ich denke , es wird nicht lange gehen , bis man Andere hat . Aber Ihr könnts machen , wie Ihr wollt , es ist mir ganz recht , zu gehen . Ich habe es gestern geschrieben , ich werde wohl bald wieder kommen . « Das schlug bei Joggeli ein und er bequemte sich , den Karrer und den Melcher kommen zu lassen , um ihnen den Lohn zu geben . Die meinten , er wolle ihnen nur ein Kapitel lesen , und begehrten gleich von Anfang ganz fürchterlich auf und machten , als ob sie die ganze Erde dem Mond ins Gesicht spucken wollten . Als Joggeli so hübscheli von Lohngeben zu reden anfing , da sagten sie , das sei ihnen gerade recht , und sie begehrten es ; aber dann könne er sehen , wie es ihm ergehe , wenn Uli alle die weggebissen hätte , die ihm im Wege seien . Er solle nur füremachen , es lächere sie nur , größeren Lohn hätten sie schon längst haben können . Joggeli wurde ganz lugg . Glücklicherweise war die Frau in der Stube geblieben , um den Wagen zu reisen , wenn er bestechen oder in den Graben fahren sollte . Diese sagte nun : » Seh , Joggeli , mach füre , sie haben ja gesagt , sie begehrten ihn . Die zwei Schlinglen sind mir schon lange im Weg gewesen , es ist gut , wenn die einmal fort sind ; ich hoffe , sie gehen noch heute . « Keine Stunde länger blieben sie in einem solchen Hause , sagten Beide . Sie könnten ihrethalben bis Martistag heuen , es lächere sie nur , und je eher sie fort könnten , desto lieber sei es ihnen . Joggeli zählte Beiden den Lohn zweg . Draußen fing es an zu winden , die Wolken flogen am Himmel , schwarze Wände , der Zukunft einer kummervollen Seele vergleichbar , erhoben sich langsam , die Vögel suchten die Gebüsche , die Fische sprangen nach Mücken , Windspiele rissen hoch in die Lüfte bald Heu , bald Staub . Draußen hastete Uli , Heu so viel möglich einzubringen , drinnen zählten hohnlächelnd die Beiden ihr Geld und meinten : Ob Joggeli nicht auch noch wolle gehen und helfen , es mangelte sich bei dem schonen Heuwetter . Der Wind riß das Heu von den Gabeln , die Mähnen der Pferde flogen im Winde , die Heulader flogen den Walmen nach , die schönen Recherinnen spudeten sich wie flüchtige Rehe , in hochgefüllten Fürtüchern das Zusammengerechete nachtragend . » Häb dih ! « scholl es von unten herauf ; die mächtigen Rosse jagten im Trabe , die Heraufgeber sprangen nach , warfen mitten im Laufe Gabeln voll auf den Wagen , die der kundige Lader auf den Knien mit ausgebreiteten Armen empfing . Schwere Tropfen rauschten , der Wind stieß heftiger , nach dem Bindbaum sprang einer ; im Hui war er auf dem Fuder , mit dicken Wellenseilen wurde er niedergeschnürt , flink eilten die Recherinnen um das Fuder , kämmten es glatt . Da jagte das Wetter heran , es glitzerte der schwere Regen , es krachte aus den schwarzen Wolken , Staub stob weit dem Regen voran . Die mächtigen Rosse flogen weit aus , greifend , aber durch Ulis sichere Hand geleitet der Scheune zu . Mit den Gabeln auf den Achseln rannten die Heuer nach , und mit den Fürtüchern über Achseln oder Kopf formierten den flüchtigen Nachtrab die lustigen Heuerinnen , die unter Lachen und Schäkern sich schüttelten unter sicherem Dache . Da platzte der Regen herab in ungemeßnen Strömen , es zuckte die Glut des Blitzes durchs dunkle Tenn , hart klepfte es über dem Hause . Ängstlich und andächtig stund das Gesinde im Schopf ; es wußte , der Herr rolle nahe über seinen Häuptern weg . Es dunkelte , man rief zum Essen , schwarz war es noch am Himmel , aber der Regen rauschte sanfter , der Donner rollte ferner ; da kamen aus dem Gaden herab der Melcher und der Karrer gsunntiget , machten Adie bei ihren Freunden , die ganz erstaunt frugen , was das geben solle ? He , sie sollten Uli fragen , hieß es , der sei jetzt der Meister , und weil sie nicht unter einem Solchen sein wollten , so gingen sie lieber , sie möchten für kein Geld bleiben . Nachdem sie ihre Sachen , die sie würden holen lassen , guter Obhut empfohlen , den Andern geweissaget , daß sie es auch nicht lange mehr da machen würden , wanderten sie fort wie zwei Nachtvögel zwischen Tag und Nacht , das angebotene Essen verschmähend . Uli sah sie nicht gehen , aber als er hörte , daß sie fort seien , leichtete es ihm ordentlich ums Herz , und die ihm zugefallene Arbeit kam ihm fast wie ein Lohn , eine Freude vor . Es war auch , als ob zwei Sperrscheiter aus einer Maschine genommen worden . Trotzdem daß zwei Arbeiter weniger waren , wurde doch nicht weniger gemacht . Uli spudete sich freilich ganz wunderbar , und es schien manchmal , als ob er zwei , und dreifach sei . Er mähte und besorgte doch die Ställe , dängelte größtenteils und war doch nicht viel länger daheim als die Andern ; aber er wußte alles anzukehren , konnte zwei , drei Sachen fast miteinander machen . Im Vorbeigehen gleichsam ging ihm dies und jenes , wozu ein Anderer eine Stunde brauchte . Erst da sieht man , was für ein Unterschied es ist zwischen einem Gstabi und einem beseelten Menschen . Zudem konnte nun Uli die Kräfte recht zusammenspannen , daß Eins dem Andern helfen mußte . Unter ihm verrichtete der Bub so viel als sonst ein Knecht . Aus der übrigen Diener- und Taunerschaft schien ein böser Geist gefahren zu sein , es war alles willig und rührsam . Es schien fast , als ob ihnen selbst etwas an der Sache gelegen sei . Die , welche in der Verschwörung gegen Uli am tiefsten verflochten waren , die zeigten sich nun nach deren unglücklichem Ausgang als die Eifrigsten . Ja sie rühmten nun Uli und erzählten ihm alles , was der Karrer und der Melcher getan , gesagt und im Sinn gehabt und wie sie ihnen oft abgewehrt und gesagt hätten , es komme nicht gut , wie es sich ihnen aber nicht geschickt hatte , sich dareinzumischen , und dazu hätten sie ihn nicht sövli gekannt . Der Melcher und der Karrer hielten mit großem Jubel in einer nahegelegenen Pinte sich auf , rühmten mit weitem Maul , wie sie es gemacht , und konnten vor Freude nicht schlafen , weil sie nicht erwarten mochten , welche Zerstörung und Verwirrung nun in der Glungge zum Vorschein kommen werde , weil sie nicht mehr da seien . Aber es ging den ersten Tag . Da sagten sie : Ja , das sei noch so gegangen , aber man werde es morgen schon sehen . Es ging aber morgen auch . Da vertrösteten sie die Leute auf den dritten Tag . Aber auch dieser verstrich , in der Glunggen war alles emsig und ruhig . Kein Mensch fragte nach ihnen . Ja wenn sie sich von weitem zeigten , so taten ihre ehemaligen Freunde , als hätten sie keine Augen . Das begann sie doch zu gmühen , denn es hatte insgeheim jeder für sich die Erwartung gehegt , man werde nach ihm schicken und ihn wieder haben wollen . Jeder hatte bei sich schon ausgedacht , wie er aufbegehren , wieviel Lohn er mehr fordern wolle , und jetzt kam niemand . Niemand sah nach ihnen . Da sandte der Karrer eine geheime Botschaft an Joggeli ab . Diese sollte verblümt zu verstehen geben , der Karrer käme wieder . Eigentlich sei der Melcher an allem schuld , der habe immer alles hintereinandergereiset und der Karrer es nicht besser gsinnet . Es sei ihm jetzt leid , er sehe sein Unrecht ein . Der Melcher aber sandte eine gleiche Botschaft an Uli , ließ ihm einen Neutaler versprechen , wenn er mache , daß er wieder darkomme . Der Karrer sei an allem schuld , wenn der nicht dagewesen wäre , so hätte der Melcher nicht daran gesinnet , so wüst zu tun . Sobald er zu Uli komme , wolle er ihm sagen , was der Karrer für einer sei . Er wisse noch Sachen , woran jetzt niemand sinne . Als Uli dängelete , kam Joggeli zu ihm und sagte : » Der Karrer wäre neue Sinns , wieder zu kommen ; er hat neue gmurbet , der Melcher syg neue an allem schuld . Es wird wohl am richtigsten sein , wenn man ihn wieder kommen heißt ? Er ist sich gewohnt hier , ein Neuer muß man erst wieder brichten , wie man es haben will . « » Meister , « sagte Uli , » das könnet Ihr machen , wie Ihr wollt , aber mit dem Karrer will ich nichts zu tun haben . Der Melcher hat mir einen Neutaler versprechen lassen , wenn ich ihm z ' best rede , und gibt dem Karrer an allem schuld . Es ist Einer wie der Andere , ich kehre nicht die Hand um . Und so gewiß einer wieder kömmt , so haben wir wieder Streit . « » Jä nu , « sagte Joggeli , » so ists . Aber was meinst denn , was sollen wir anfangen , wenn dir kein Anderer recht ist ? Gwerchet muß die Sache doch sein , so kann es nicht länger gehen « He , sagte Uli , er glaube , die Sache sei gwerchet worden so gut , als wo der Melcher und der Karrer dagewesen . Mit dem Heuen seien sie ja bald fertig und hätten trotz dem schlechten Wetter weit weniger lang daran gemacht , als die Leute sagen , daß man andere Jahre daran gezogget habe . Er glaube nicht , daß etwas versäumt worden sei . » Du bist doch afe so prüßische , Uli , « sagte Joggeli , » man kann gar nicht mit dir reden . « » He nei , Meister , « sagte Uli , » aber ich habe auch gemeint , ich schaffe , daß öppe nit viel dahintenbleibt , und da macht es mich taub , wenn ich immer hören muß , ohne Melcher und ohne Karrer gehe es nicht . « » Ja , das habe ich nicht gesagt , « antwortete Joggeli , » verstehe mich wohl . Aber was soll dann gehen ? So kann es nicht bleiben . Jemand muß herzu . « » Ja , « sagte Uli , » das meine ich auch , und ich habe geglaubt , Ihr hättet für Andere gesehen . « » Nein , « sagte Joggeli , » ich habe geglaubt , du wollest nach Andern sehen , weil du die Andern nicht mehr gewollt . « » Ich bin ja nur Knecht , « sagte Uli , » und kann ja nicht andere Knechte dingen , das würde Euch öppe nicht anständig sein . Aber wenn Ihr nichts darwider habt , so möchte ich Euch etwas sagen . « » He , « sagte Joggeli , » red ume ; es düecht mich , ich brauche dirs nicht lange zu erlauben . « Nun setzte Uli auseinander , daß wenn es gut kommen solle , einer Meister sein müsse . Bisher sei ein jeder Meister gewesen , der Karrer , der Melcher , jeder souverän in seinem Stall über seine Person , seine Zeit , und alle Andern hätten nach ihrem Beispiel nach der gleichen Freiheit gestrebt . Joggeli solle es ihm nicht für übel nehmen , aber er müsse es sagen : er habe nicht recht den Meister gemacht und befohlen , die Leute hätten ihn nicht gefürchtet , und doch hatte er niemand die Meisterschaft anvertrauen wollen , daher sei ein jeder Meister geworden ; Eins habe hieraus , das Andere dortaus gezogen und mit allem sei man in Hinderlig gekommen . Er wolle nicht lebig dadänne , wenn mit dem Hof nicht ds Halbe mehr zu machen wäre , wenn man recht zum Herd sehe und auch aus den Ställen ziehe , was öppe der Brauch sei . Aber dafür müsse einer da sein , der befehle , und die Andern müßten wissen , daß sie zu gehorchen hätten . Nun sei ihm ganz recht , wenn Joggeli befehlen wolle ; aber wenn er es nicht tue , so müsse es ein Anderer tun in seinem Namen , sonst wolle er lieber nichts mit der Sache zu tun haben . » So befiehl doch , « sagte Joggeli , » ich habe dir ja manchmal gesagt , du sollest befehlen , es sei deine Sache . « » Ja , gesagt habt Ihr mirs wohl , aber den Andern nie , daß sie mir gehorchen sollen , ds Gunträri . « » Du bildest dir das nur ein , « sagte Joggeli , » aber du mußt nicht meinen , man könne da so einem , den man nicht kennt , gleich das ganze Heft in die Hand geben und machen lassen , als wenn niemand sonst mehr daheim sei . Meinethalb befiehl allesame , nur der Frau nicht , was sie kochen soll . « » Das begehre ich nicht , Meister , « sagte Uli , » aber dem Karrer und dem Melcher muß man befehlen dürfen , was sie machen sollen und wie man es haben will . Man kann nicht in einem Stall die Ordnung haben und im andern eine andere , und einer muß dem Andern helfen . Das geht bei den Herren gewöhnlich so schlecht , weil die nicht wissen , wie eine Sache sein soll , und daher auch nicht befehlen können , wie sie es haben wollen . Es machts nun ein jeder nach seinem Kopf . So ist man hinger em Haus im Emmental , vor dem Haus im Oberland und nebendran im Seeland und zuletzt ringsum im Uflat . « Joggeli ergab sich in sein Schicksal . Zwei Knechte wurden angestellt mit der Weisung , Uli zu gehorchen . Der alte Karrer und der Melcher wanderten endlich in die Weite hoffnungslos , nachdem sie in der Nähe umsonst Platz gesucht . Sie fluchten nicht übel über die Falschheit der Leute . Als sie noch in der Glungge gewesen , hätte sie jeder gerühmt , ihnen den Kopf groß gemacht , als ob jeder sie wolle ; jetzt , da sie zu haben wären , begehre sie Keiner . Siebzehntes Kapitel Wie Vater und Sohn an einem Knechte operieren In der Glungge zog alles schön an einem Seile und die Mutter sagte , es sei ihr lange nicht so wohl gewesen , es sei fry es ganz angers Leben und so freu es einem auch , dabeizusein . Es düech se nichts so ungewohnt , als wie man jetzt melke im Stall . Von den gleichen Kühen kriegten sie fast ds Halb mehr Milch . Es düech se , sie hätten es ihr sonst zuleid getan , daß sie selten in einem Werch genug Milch gehabt , und wenn man nicht Milch habe , so wisse man gar nicht , wie die Haushaltung machen . Jetzt dürfe sie die Ernte auch erwarten , und die Ankenhäfen werden ihr an der Sichelten nicht leer . Joggeli hingegen war es nicht wohl . Es schien ihm immer , als hätte er zur Sache nichts mehr zu sagen . Noch einmal so viel strich er auf dem Lande herum , in den Ställen , suchte etwas zu sehen , an dem er sich ärgern , über das er balgen konnte , wenigstens vor seiner Frau . Gegen Uli redete er nicht recht heraus , stichelte nur so hintenum , konnte sich aber nicht enthalten , hie und da das Gegenteil von dem zu befehlen , was Uli angeordnet hatte . Einst strich er auch so mißmutig um einen Kornacker her , um , ärgerte sich über dessen schlechtes Aussehen und hätte gerne Uli schuld gegeben , aber der hatte noch keine Hand daran gelegt . Da trat der Müller zu ihm und sagte : » Da hast du einen braven Acker voll und bald Reifes ! Und ich möchte dich eben gefragt haben , ob du mir nicht etwa dreißig Mütte geben könntest . Ich mangelte sie sehr übel und weiß sie gar nicht zu bekommen . « Joggeli und der Müller wurden des