Wo sie hinkamen , die stattlichen Vermummten , empfing sie der Jubel , der heute ausgelassen und gellend durch alle Straßen tobte und sogar der strengen Stadt- und Conciliumsordnung spottete . Alle Stände wetteiferten sich in Tollheiten zu überbieten , und die seltsamen Figuren , die wie eines vielfarbigen Stromes Wellen , durch die Häuserreihen , über die Plätze stürmten , versetzten den ernstesten Zuschauer in ein fremdes , wunderliches Land , worinnen es schwer fiel , dem Mitbürger- und Mitnarrenrecht sich zu entziehen . Getrost und munter umherschwärmend kümmerte sich Keiner um den Andern . Alle nur um die allgemeine Festlichkeit . Der Schultheiß mit dem Hintersassen , die Bürgermeisterin mit der ärmsten Pfründnerin , der Meister freier Künste mit den rohen Bauern , sie hatten nur ein Ziel . Der Leibeigene schritt seinem Zwingherrn zur Seite , die Magd ihrer Gebieterin . Der Larven Freiheit vernichtete jede Schranke . Nach dem Maßstabe der Ansprüche und des Wohlstandes der Hohen und Niedern im Volke waren , auch die Lustbarkeiten verschieden , in welche die fröhliche Feier zerfiel . Rotten von verlarvten Spielleuten ließen sich allenthalben hören , und ihre Vorläufer , in possenhafte Thiergestalten verkleidet , als aufrechtgehende Leuen , Bären und Greife sammelten an allen Häuserpforten für die unermüdeten Pfeifer und Lautenschläger . Die Freigebigkeit der frohgestimmten Bürger ferner in Anspruch zu nehmen , zogen Buben mit Tannenbäumen heran , sie vor die Thüren pflanzend , und das herkömmliche Lied dabei singend : Ich bring ' zum Fastelabend einen grünen Busch ! Junge Bursche vom Lande schleppten Pflüge zu den Vorstädten , mit farbigen und goldnen Bändern geschmückt , fingen die muthwillig umherschweifenden Dirnen in Strohketten auf , und spannten sie an das Ackerfuhrwerk , bis unter dem Gejauchze des Pöbels die armen Gefangnen , von einem Regen von Häckerling und Sägspänen überströmt , sich mit ein Paar Hellern oder einem Kusse ihr Lösegeld bezahlen . » Solche Küsse sind besser denn Fastnachtswecken ! « meinte Gerhard , da er mit seinem Begleiter an einem Auftritte dieser Art vorüberging , und Dagobert hatte nicht wenig Mühe , den wilden Jäger von der Theilnahme an der niedern Volksbelustigung zurückzuhalten . » Ei du altes Sieb ! « sprach der junge Altbürger , indem er ihm die Kolbe zu kosten gab : » Möchtest Du nicht etwa dort auf dem Kornmarkte mit um das unreine Thier turnieren , dem die vielen Bengel mit verbundnen Augen und derben Dornknüppeln in der Faust zu Leibe gehen ? Ein herrlicher Sieg , die arme an den Pfahl gebundne Bestie vor das Hirn zu schlagen , und zum Festbraten für den Abend zu gewinnen ! Oder gelüstet Dich vielleicht nach jenem dünnen Häringe , den die beiden Lumpenhänse dort mit den rußbesudelten Gesichtern an der ungeheuern Stange tragen , ein Vorbild der anrückenden Fastenzeit ? « - » Ach , schweigt mir von der Faste ; « entgegnete Gerhard grämlich : » Ich möchte mich ja gerne von allen Fastnachtruthen zerprügeln lassen , die heute von dem verlarvten Gesindel an den Maulaffen von Zuschauern zerhauen werden , dürfte ich den Aschermittwoch sammt Nachfolgern aus dem Kalender streichen , und flugs auf dem Faschingdienstag den Ostersonntag kommen lassen . « » Alle Teufel ! « unterbrach er sich hier plötzlich , so daß Dagobert es der Mühe werth fand , ihn um die Ursache des schnellen Verstummens zu befragen : » Habt Ihr das häßliche Gesicht nicht gesehen , das aus dem Erdgeschoße jenes Hauses blickte ? « fragte Gerhard entgegen . Dagobert verneinte . » Und auch das Engelantlitz ihm zur Seite nicht ? « fuhr Gerhard fort . » Eben so wenig ; « versicherte Dagobert . - » Na , so wünscht Euch zu dem Ersten Glück , und reißt Euch die Haare aus dem Kopfe wegen des Zweiten ; « flüsterte Gerhard . » Ein Engel , « sage ich Euch , » ein Engel neben einem garstigen Satan , der an seinem Gesichte Larve genug hat , um heute keines Mummenschanzes weiter zu bedürfen . « - » Du schwatzest wie ein Verrückter ; « entgegnete Dagobert . - » Den Teufel auch , « murrte Gerhard vor sich hin : » Der Ausbund von Häßlichkeit sah mir nur zu vornehm aus , sonst glaubte ich steif und fest , es sey der Bursche der zu Worms ..... « » Willkommen , wilder Jägersmann ! « schrie eine Schar von Larven , die sich um den verdutzten Gerhard versammelte : » Du ließest lange auf dich warten ! « - Der erste Blick belehrte die beiden Gesellen , daß eitel Weiber sie umringten , in grüne , lustige Waldfarbe gekleidet , mit Tannensträußern auf den Hüten , Bogen , Pfeile und Jagdlanzen in den Händen ; schön verzierte Hifthörnlein an der Seite . - » Wie konntest Du Waldinen harren lassen , viel zu lange für ihre Sehnsucht ? « rief die Anführerin der Schar , die den Sperber auf der Hand trug , und von deren Sammthütlein ein Strauß von grünen Federn nickte : » Komm mit uns ! - Komm mit Frau Holda Waldinen ! « jauchzte die ausgelassene Bande : » Hussa ! wackrer Waidmann ! ho ! ho ! mit uns ! « Der verlegene Gerhard , der kein Wort zu erwiedern vermochte , fühlte sich , alles Widerstrebens ungeachtet , von Dagoberts Seite gerissen , von der Schar der Jägerinnen im Triumph davon geführt , und ein großer Larvenzug , der die Straße heraufkam , trennte unaufhaltsam die Gefährten . - » Ihn reißt sein Schicksal dahin ! « dachte Dagobert lächelnd für sich : » und mich beraubt es vielleicht dadurch eines handfesten Helfers . Immerhin jedoch , was beschlossen ist , muß geschehen , selbst wenn mir der willkommne Wächter entginge . Frisch hindurch und mitten unter das Gewühl , damit es für jetzt mein Herz ergötze ! « - Er warf sich Kopfüber in den Zug , der aus mehreren hundert Verlarvten bestand , den vornehmern Leuten angehörend . Von unzählichen Narren umschwärmt , die wie Besessene durch das Zuschauergedränge tobten , mit Ruthen und Peitschen die Hände der Gaffenden kitzelten , an Thüren und Laden klopften , in die Häuser drangen unter dem Vortritt eines Herolds possenhafter Natur , um daselbst kleine Fastnachtsspiele aufzuführen , deren Witz oft nicht der züchtigste war , - bewegte sich die Larvenschar langsam vorwärts , und bot dem Volke ein glänzendes Schauspiel . Ein Pickelhäring mit der Narrenfahne in der Faust eröffnete es , auf einem Esel reitend . Eine Bande von Trompetern , Schalmeiern und Gigenbucklern folgte - ihre Musikam in den wunderlichsten Tönen aufführende . Der ewige Jude und der lange Christoph Arm in Arm schritten dahin mit langen Tannenbäumen in den Hängen . Der wohlgemästete Fasching , auf einer Schleife ruhend , von Schinken , Würsten und Kürbisflaschen umkränzt , wurde einhergeführt von dem drollig geputzten Sonntag , Montag und Dienstag - den Großen seines Reichs . Ihm folgte ein Trupp von nähenden Schneidern auf Geisböcken , von zähneflätschenden Affen auf Tigerlarven sitzend ; der Vortrab der herbeigetragnen Fastnacht , dem Weibe des Faschings , dessen Thron auf den Schultern von verlarvten Bäckergesellen in zierlichen Leinwandkitteln und blauen Schürzen errichtet war , und von welchen eine reiche Spende von Bretzeln und Hornaffen unter das Volk und die lärmende Jugend regnete . Nach dieser erfreulichen Augen- und Magenlust ergötzte doppelt die schwere , knarrende und von bebänderten Ochsen geleitete Guggelfuhre , angefüllt mit den possierlichsten Mummereien , mit langbärtigen Türken , kinnwackelnden Judenköpfen , verzerrten Mohrengesichtern und klaffenden Bullenbeißern , denen man zerzauste Haarhauben auf die grämlichen Gesichter gestülpt hatte . Ein lustig Gesindel von Thorhänsen und Gaukelspringern machte hier , radschlagend , burzelbäumend , schellend , rasselnd und in den höchsten Tönen des Stimmengejauchzes quinkelirend , das Gefolge , und zugleich den Herold der größten Pracht des Zuges , des herrlichen Hofs der Frau Venus , wie ihn die schlichte Sage schildert . Der treue Eckart mit dem weißen Stabe ging voraus , warnend und ermahnend , mit langem Silberbarte , in schlichtem grauem Gewande . Dagobert ' s scharfer Blick entdeckte schnell unter dem faltigen Rocke eine fast unmerkliche Schultererhöhung , und wußte alsobald , daß der Graf von Montfort unter der Larve stecke . Sein Ahnungsvermögen , von den Muthmaßungen der ihn umsummenden Schaulustigen und in das Larvengeheimniß Eingeweihten gerechtfertigt , fand auch unter den Nachfolgern des treuen Eckarts Bekannte auf . Ein über ein Stockwerk hoher Wagen mit vielen stufenweise erhöhten Sitzen wurde von acht Schimmeln gezogen , die , mit prächtigen Decken angethan , an jeder Seite von vier jungen Leuten in heidnischer Tracht mit bekränzten Häuptern , geführt wurden . Zwei stattliche wilde Männer lenkten von oben die Zügel , und saßen zu den Füßen liebenswürdiger Knaben , die in rosenfarbiger Seide gekleidet waren , silberne Binden auf der Stirne trugen , und goldne Bogen mit Pfeilen und Köcher in den Händen hielten . Hinter denselben saßen die drei Gesellschafterinnen und Gespielinnen der holden Liebeskönigin , in weißen , blauen und Amaranth-Gewändern mit Granaten- und Perlschnüren geschmückt , und mit flimmernden Piretleins von Straußenfedern umwallt . Die Eine hielt einen runden Metallspiegel , die Zweite einen Fächer von weichem Flaumengefieder , die Dritte eine weiße Taube mit vergoldetem Schopfe . Über ihnen thronend jedoch unter purpurnem Himmel , umgeben von einem zahlreichen Kreise der bestgezierten Frauen , glänzte Frau Venus selbst , angethan in goldnem Stück , strahlend von blitzenden Kleinodien , eine geborne Fürstin der Schönheit und der Pracht . Es war dießmal für Dagobert eine schlechte Aufgabe , in der heidnischen Göttin und Fee seine Schwester zu erkennen , da ihre Eitelkeit sogar die Gesichtslarve verschmäht hatte . Der geschnirgelte , geschnürte , und geleckte Ritter Tannhäuser an ihrer Seite konnte Niemand anders seyn , als der stutzerhafte Herr von Königseck . Wie spreizte er sich an dem Ehrenplatze , der ihm zu Theil geworden war ! Stolzer brüstete er sich dort oben als der dicke Goliath , das Vorbild aller ausgemästeten Philister , der hinter dem Prunkwagen zu Pferde saß , und mit seiner Stechlanze die Rotten von kleinen schwarzen Teufelchen mit Schweif und Scharlachzunge wegprügelte , die gern zum Thron der Venus aufgeklettert wären , lachend von dem halb erstiegnen Wagen purzelten , schnell wieder von ihrem Falle erstanden und entweder das Wagestück von Neuem versuchten , oder die Pfeile ihres derben Witzes gegen den langen dürren und zerlumpten Aschermittwoch kehrten , welcher matt und keuchend , sich anhaltend an den Schweif des friesischen Goliathhengstes , den Zug durch seine Jammergestalt beschloß . » Du bist der treue Eckart , und warnst Jedermann ; « rief Dagobert dem weißbärtigen Grafen zu , und warf sich mit klingendem Schellengetöse in den Haufen : » Aber Dich selbst warnt Deine Thorheit nicht . Fliehe die falsche Venus ! « Ehe noch der Graf nach dem aufdringlichen Mahner umschauen konnte , hatte dieser , kecker als die Teufelchen und unangefochten vor dem Philister , den Triumphwagen erklimmt , und sich vertraulich zwischen das Liebespaar geschoben . » Mit Gunst ! « sprach er mit verstellter Stimme , die Schellen lustig schüttelnd : » Wo die Minne haußt , darf die Thorheit nicht fehlen . Wie gefällt Dir die Aussicht auf den Eckart dort unten , lieber Tannhäuser ? Bilde Dir nicht zu viel ein auf Deinen Schnürleib und Deine wohlriechenden Salben . Frau Venus ist falsch und in Kurzem gehst Du im Staube wie der treue Eckart . « - Tannhäuser schaute hoch auf . Venus wendete sich aber mit verächtlichem Blicke zu Dagobert . » Der Narr mengt sich in Alles , und weiß Alles ! « sprach sie höhnisch . » Ei wohl ; « versetzte der Schalk dreist und zuthulich : » weißt Du warum der Zug jetzt hält ? Weil er unter des Kaisers Fenstern steht . Weißt Du , warum Dein linkes Auge seitwärts schielt ? Weil der Kaiser auf dem Altan sitzt , und die Minnefürstin mit seinen Blicken verschlingt . Fürchte Dich vor Kron und Scepter , Tannhäuser , und Du , .. setzte er in Wallradens Ohr flüsternd bei : .. Du , fürchte Eckarts Eifersucht ! « - » Abgeschmackter ! « zürnte sie , erwiederte äugelnd des Kaisers zärtlichen Gruß , heftete ihren Blick auf das Fenster eines benachbarten Hauses und erröthete plötzlich . - » Du bist bewegt , Frau Minne ! « fragte Dagobert neckisch : » Laß hören ; Thorheit heilt das Herz . « - Wallrade sah ihm scharf in die gläsernen Larvenaugen , und glaubte eine zärtlichere Theilnahme an dem Schalksnarren zu bemerken , die sie , die schlaue Männerquälerin , nie unbenützt ließ . » Du brüstest Dich Alles zu wissen ? « fragte sie lauernd entgegen : » Was , war ' s , das mich bewegte ? « - » Du sahst an jenem Fenster ein Weib , dessen Schönheit den Vergleich mit der Deinigen nicht scheut ; « antwortete der Schelm schnell und zuversichtlich . Wallradens Stirne zog sich zusammen . » Du bist nicht der zierlichste Narr ; « erwiederte sie nicht ohne Bitterkeit : » Sage mir jedoch , wer ist die Frau mit dem holden Kinde im Arm ? « - » Frage mich nicht ; « antwortete Dagobert scherzend . - » Sprich , ich befehle es Dir . « - » Die Minne gebietet nie der Thorheit ; sie ist ihr unterthan . « - » Rede , ich lasse Dich nicht . « - » Das schöne Weib ist die Frau von der Rhön ! « raunte ihr Dagobert hart und rauh in das Ohr . - » Abscheulicher ! « schrie Wallrade auf . » Was gibts ? « fuhr Königseck dazwischen , dessen argwöhnischer Leidenschaft die heimliche Unterredung mit dem raschen Fremdling schon viel zu lange gedauert hatte . » Eine Überraschung , guter Tannhäuser , « lachte Dagobert ihm in ' s Gesicht : » Weiter nichts ! Leb ' wohl ! « - Klappernd und schellend machte er sich vom Wagen herunter , nachdem er dem zierlichen Liebesritter seine Kolbe zu kosten gegeben für das überflüssige : » Verdammter Hanswurst ! « das der edle Herr , seinem Unmuth Luft zu machen , ihm nachgebelfert hatte . Muthwillig geworden durch den aufregenden Schwank , sprengte Dagobert wie ein dem Pferch entronnenes Füllen kreuz und quer durch das ausgelassene Volk , das sich auf den Gipfel der Lustigkeit hinaufschraubte und immer tollere Streiche machte , je näher die Dämmerung rückte mit ihrem Schatten . Die Schalkheit des Pöbels setzte sich hauptsächlich die Klosterleute beiderlei Geschlechts zum Ziele , die an diesem Tage ihre Clausur zu verlassen , bevorrechtet waren , und , wenig Zucht und Anstand beobachtend , die Stadt durchstreiften , mit den Laien in Thorheit wetteifernd . Jedoch , obgleich sie in Thun und Lassen den Weltkindern nachahmten , so vermochten sie es doch nie , ihren Stand selbst unter der verhüllendsten Maske , ganz zu verbergen . Der Kuttenschritt verrieth die Männer , das ungewisse Trippeln und Zusammenhalten in ansehnlichen Banden den weiblichen Convent ; und dieser Umstand setzte die Zellenbewohner manchen Unannehmlichkeiten aus , wie sie die Ausschweifungen der Fastnacht mit sich brachten . Flinke und gelenke Pickelhäringe nähten eine ganze Nonnengemeinde zusammen , und trieben sie mit Peitschhieben und tausendfältigem : Hoho ! und Hallah ! vor sich her . Das grobe Schiffervolk riß den als Mönche Beargwohnten die Kopfbedeckung vom Haupte , und stellten ihre Tonsur zur Schau , und dennoch , kaum entschlüpft den Händen der ungeschlachten Gesellen , setzten die Ordensleute , ihre Freiheit benutzend , ihre Thorheiten fort , auf Straßen , Plätzen , Tanzhäusern und Trinkstuben bis der Morgen herandämmerte und sie gebieterisch in das Kloster zurückwies , diejenigen ausgenommen , die vom Weine übermannt , den Taumel erst ausschlafen mußten . Bei einem solchen Auflauf , in welchem ein Paar schüchterne Cönobiten gequält und gehänselt wurden , stieß der von seines Ohms Hause kommende Dagobert plötzlich wieder auf den verloren gegangnen Gerhard . Bei dem Flammenscheine einer Pechpfanne erkannte er Mantel , Hut und Visier , und die Behaglichkeit , mit welcher der grobhäutige Fechtbruder dem gemeinen Possenspiel zusah , ließ dem jungen Manne keinen Zweifel übrig . » Gut , daß ich Dich finde ; « sprach dieser zu dem Ungetreuen : » Bist Du ' s , oder bist Du ' s nicht , Gerhard ? « - » Na , beim heiligen Georg ! wer soll ' s denn anders seyn ? « brummte Gerhard , mit lustiger Vertraulichkeit Dagobert ' s Hand ergreifend , und den von Wein unsicher gewordnen Körper auf dessen Schulter neigend : » Das ist Fröschlein , « fuhr er fort , - » Fröschlein oder mich soll der Schwarze holen mit Pferdefuß und höllischem Gestank ! « - » Ei Du Trunkenbold ! « zürnte ihm Dagobert entgegen und zerrte ihn abseits von dem Menschengewühle : » Nimm die Trommel , und rufe mich aus nach allen vier Winden , Du Schlemmer ! Wo kommst Du her , Du trunknes Ungeheuer ? « - » Aus dem Paradies , « versetzte Gerhard lustig : » aus dem Paradies ; « setzte er bäurisch grob hinzu , da Dagobert nichts entgegnete : » Ihr könnt mir glauben . Es lebe Frau Holda Waldina sammt ihren schmucken Töchtern , und ihrem köstlichen Firnewein ! « - Es ergab sich aus den Reden des Edelknechts , daß er in eine nichts weniger als ehrenvolle Gesellschaft gerathen war , nämlich in die von fahrenden Töchtern und Frauen , deren es um die Zeit des Conciliums eine bedeutende Anzahl zu Costnitz gab , und die entweder einzeln in den Vorstädten , namentlich aber zunftweise unter Meisterinnen versammelt , in der nächsten Umgegend der Stadt , öfters auch nur , nach Maßgabe ihrer Ansprüche , in elenden Hütten und Zelten sich aufhielten . Diese Bande , eine der ansehnlichsten , hatte es am heutigen Tage auf Niemand Geringern , als auf den Kaiser selbst abgesehen gehabt , von dem ein dunkles Gerücht verbreitet hatte , als wolle er selbst , in die Tracht , des wilden Jägers vermummt , allein und ohne Gefolge die Volkslust in den höchsten , wie in den niedersten Kreisen verfolgen und beobachten . Die Hoffnung , von dem leutseligen Herrn ein ansehnliches Geschenk zu gewinnen , hatte diese lockern Töchter so kühn gemacht , ihn im Putze vornehmer Frauen aufzusuchen , und so zierlich zu bewirthen , als es angehen würde . Gerhard ' s Larve täuschte sie , wie früher schon das lügenhafte Gerücht ; erst in dem Saale des Gasthauses , in welchem für die lebenslustige Schar und ihren seltnen Gast ein Vespertrunk bereit stand , enthüllte sich die Wahrheit . Gerhard lachte die Betrogenen aus , log ihnen von seinem Geschlechte und seinen Gütern ein Langes und Breites vor , ließ sich ihren Wein schmecken , seinen Beutel wegstibitzen , und entrann mit leerer Tasche und ziemlich vollem Kopfe den Lockungen des losen Gesindels . - » Sagt nun einmal zur Güte , « schloß er seinen Bericht ; » ob ich nicht Wort gehalten habe , wie ein Mann . Hier bin ich wieder und stehe Euch zur Seite . Verlangt , was Ihr wollt . Ich stehe dem Satan selbst , wenn er Lust hätte , mit mir anzubinden . « » Das glaub ' ich Dir von Herzen gern ; « erwiederte Dagobert : » denn Dir sitzt ein Dutzend von Teufeln jetzt im Leibe . Da ich indessen heute eines Menschen bedarf , der nicht grübelt , da der Weindunst Dir das Grübeln verbietet , und Deiner Bärenkraft das Doppelte , wie ich hoffe , zulegt ; so sollst Du der Wächter einer That seyn , die Dir später Segen bringen wird , erfährst Du auch kein Wort von ihr . « - » Ihr sprecht ein Deutsch , das klingt wie Latein ; « meinte Gerhard : » ich will bucklich werden , wie der Montfort , wenn ich ein Wort davon verstehe . Thut indessen nichts . Sagt mir nur , wo ich hinstehen soll . Kreuz und Dorn ! ich halte fest . « - » Für ' s Erste , « sprach Dagobert , indem er ihn in ein finster Gäßlein zog : » für ' s Erste nimm Dein Jagdmesser zur Hand . « - » Was ? « fragte Gerhard , den Jüngling anglotzend , so gut es die Dunkelheit erlaubte : » Ich werde Euch doch nicht die Gurgel abschneiden sollen ? « - » Schweig ! « raunte ihm Dagobert zu : » Trenne schnell und sicher jetzo die Schellen von meinem Gewand und meiner Kappe . « - » Eine seltsame Grille ! « versetzte der Hülshofen » eine wunderliche Aufgabe , hier den Schneider zu machen , wo es Pechrabenschwarz um uns her ist . Schreibt Euch ' s selbst zu , wenn ich nicht blos die Naht treffe . « - » Thut nichts ; nur zu . Ich gebe indessen das Zeichen . « - Während Gerhard mit unbarmherziger Hand die Schellen abschnitt , und mit jeder derselben ein erkleckliches Stück des Gewandes wegnahm , schnalzte Dagobert viermal mit der Zunge , als ob eine Wachtel anschlüge aus grünem Felde . Nicht lange war das Zeichen vorüber als auch schon zwei Männer sich näherten , in schleppenden Röcken . Gerhard , stutzig gemacht , wollte ihnen ein derbes : » Wer geht da ? « entgegendonnern , aber Dagobert hielt ihm den Mund zu . » Willkomm ! « sprach der erste Ankömmling in ausländischer Mundart : » Die Mund ist da . « - » Wie steht ' s ? « fragte Dagobert . - » Gut ; « versetzte der Andre : » der Freund « auf den zweiten zeigend » hat vorgearbeitet . Petrus wird aufmachen . « - » Das gebe Gott ; « antwortete Dagobert , und ging voraus . An der Ecke warf er seine Narrenglocken in einen Brunnen , und schritt dann schneller vorwärts . - » Ist das der Mensch , von dem Ihr spracht ? « fragte ihn leise einer der Fremden , auf den geduldig nachtrabenden Gerhard weisend . » Ja , « entgegnete der junge Mann : » er ist ' s , Herr Graf . Zuverlässig , willenlos , und gänzlich unwissend . « - » Gut , gut ; « antwortete der Fremde , und hielt sich mit seinem Begleiter dicht auf den Fersen des Führers , der abermals in ein Gäßlein einbog , und vor der Pforte und dem Vorsprungshänslein eines Klostergebäudes stille stand . Kein Laut war weder in dem Kloster , noch in der Nachbarschaft zu hören . » Halte hier die strengste Wache ! « sprach Dagobert zu Gerhard : » Wir haben im Hause zu thun . Solltest Du Lärm hören , so decke unsern Rückzug . Schlage das feige Gesindel , mit dem Du zu thun bekommen wirst , nur tapfer hinter die Ohren mit der Klinge . Verletze jedoch nur im allerhöchsten Nothfall . - In der Herberge sehen wir uns im schlimmsten Falle wieder . « - Gerhard brummte zu diesem Allen ein bereitwilliges Ja , pflanzte sich auf ein steinern Bänklein , unfern dem Kloster , und harrte geduldig der Dinge , die da kommen sollten . Dagobert sammt Begleitern klopften hingegen leise an das Pförtlein , und gaben auf die Frage des von innen herausspähenden Bruders die Antwort : » Fastnachtsfreunde . « Darauf öffneten sich die Riegel , und des Thürleins schwarzer Mund verschlang die Pochenden . Ein fettleibiger Klosterbruder stand vor den Eintretenden mit Lampe und Schlüsselbund , und grüßte sie , wie der bildlich dargestellte Fasching mit wankenden Knieen , Brühetriefendem Munde , und in Weineslust verkehrten Äuglein . » O weh ! « flüsterte Dagobert den Begleitern zu , von denen indessen der zweite zuversichtlich auf den Pförtner zutrat , und ihn also anredete : » Ihr erinnert Euch wohl noch meiner , Frater Dominikus ! Da sind die Freunde , von denen ich Euch gestern sprach , und hier der Beutel , der der Eurige wird , sobald Ihr unsern Wunsch erfüllt . « - Der Pförtner lächelte freundlich aber ungewiß , schob den Hauptriegel vor die Thüre , und summte die erste Zeile des damals berühmten und von den Gelehrten häufig gesungnen Fastnachtliedes : » Edit Nonna , edit Clerus ! « » Wollt Ihr nicht in ' s Stüblein treten ? « setzte er mit schwerer Zunge hinzu : » es ist warm darinnen , und wir können daselbst weiter plaudern . « - » Sind wir denn um des Plauderns willen Hieher gekommen ? « fragte Dagobert leise die Seinen : » Was treibt denn der verwünschte Frater ? « Die Begleiter ermahnten ihn durch Zeichen zur Geduld . » Ad edendum nemo serus ! « brummte der Frater gleichmüthig fort , und machte seinen Gästen einen unbehülflichen und unsichern Reverenz : » Wollt Ihr Euch nicht niederlassen , meine werthen Herren und Freunde ? Ein Tröpflein Weins schadet nicht . « - Er setzte einen ungeheuern Weinkrug an den begehrlichen Mund ; schlürfte einen guten Schluck , und reichte das Trinkgefäß seinem Nebenmanne , nachdem er mit dem Ärmel den Rand abgewischt hatte . » Bibit ille , bibit illa ! « sang er weiter , jedoch sich selbst unterbrechend durch Rede und Frage : » Trinkt herzhaft , ihr Männer ; ' s ist vom Guten ! Bibit servus cum ancilla . - So ! so ! jetzt sagt an .... was steht zu Diensten ? « - » Ei , Dominik ! habt Ihr denn bereits vergessen , was wir ausmachten ? « fragte Einer von Dagobert ' s Begleitern entgegen , während der junge Mann einen ziemlich vernehmlichen : » Schafskopf ! « laut werden ließ . Der trunkne Frater zog dem Offenherzigen ein scheel Gesicht , vergaß aber auf der Stelle die Beleidigung , und fiel wieder in sein voriges Lied : » Bibit abbas cum priore ! - Hm ! wenn mir recht ist .... hm ! hm ! bibit coquus cum factore .... Was wollt ' ich sagen .... helft mir doch wieder ein wenig auf die Spur , ihr Herren ! .... et pro rege .... « - » Zum Donner ! « unterbrach ihn der warmblutige Dagobert : » Wir wünschen den armen gefangnen Mann heimzusuchen , den Du zu hüten hast , und ihm zur Fastnacht ein wohlgemeint Geschenk zu bringen . « - » So ! so ! « erwiederte der Pförtner , sich bedächtig im Kreise umschauend , und das Käpplein lüftend : » Der Ketzer verdient ' s gar nicht , daß wackre Leute ihn heimsuchen . Et pro rege et pro papa .... « - » Macht voran ! « drängte Einer von den Andern : » Den Lohn habt Ihr empfangen . - An der Thüre des Gewölbs könnt Ihr unsrer harren ; in einer halben Viertelstunde ist ' s abgethan , und Ihr habt das Geld verdient - wir unser Gelübde gelöst . Zaudert nicht . Es ist keine Gefahr dabei . Eure Vorgesetzten .... « - » Bibunt vinum sine aqua ! « tremulirte Dominikus dazwischen , und griff nach der Lampe : » Ihr habt jedoch den besten Augenblick erwählt ... « stammelte er fortfahrend : » Der Prior und die meisten Herren sind draußen in der Stadt , und die Übrigen - hm ! sie sitzen oben am Spiel und Trunk , und haben mehr zu thun , als sich um den verdammten Ketzer zu bekümmern , dem Ihr eine unverdiente Ehre erweisen wollt . « - » Laßt uns aufbrechen ! « mahnte Dagobert inständig , schob dem Pförtner das gewaltige Schlüsselgebund in die fehltappende schwammige Faust , und ihn selbst vor sich her zur Thüre . » Et pro papa et pro rege ! « intonirte der Mensch mit einer Löwenstimme , da sie in den Kreuzgang traten . » Um des Himmelswillen ! schweigt ! « flüsterten ihm die Nachschleichenden unter ängstlichen Rippenstößen zu ; er ließ sich jedoch nicht irre machen , schlurfte in seinem Elephantenschritte fort , und von seinem : Bibunt omnes sine lege ! hallte das Gewölbe wieder . Alles blieb auf dieses , wahrscheinlich zu dieser Zeit gar nicht ungewohnte Geplärre ruhig ; nur im fernen Refektorium war ein wüstes Gejohle hörbar ; ein Beweis , welchen Geschäften der Convent oblag , und eine gute Vorbedeutung für die drei Fremdlinge , deren Vordermann sie eine lange Treppe , von mehreren Pforten verschlossen , hinunterführte , an deren Ende seitwärts eine ganz niedere mit Eisen schwer beschlagene Thüre öffnete , und die Besucher hindurch kriechen hieß . » Bibunt primum et secundo « summte er während dessen , und rief dann in das tiefgewölbte Kerkerloch hinein : » Steht auf von Euerm Stroh , verruchter Abtrünniger - donec nihil sit in fundo - und Ihr , meine Herren , faßt Euch kurz . « - Dagobert schauderte , da er beim Schein der Lampe das entsetzliche Gefängniß gewahrte , in welchem ein Unglücklicher mit langem Barte und in dürftiger Kleidung einem rechtlosen Urtheil entgegen schmachtete . » Vater Johann ! Vater Johann ! « riefen des Jünglings Begleiter mit von Thränen halb erstickter Stimme , und warfen sich zu den Füßen des Eingekerkerten . Dieser erhob sich mühsam in seinen Fesseln von dem nassen Lager , und hielt die Hände vor die , von ungewohntem Lichtstrahl geblendeten Augen , aber sein Ohr hatte die bekannten Stimmen vernommen , und sein Herz mit einer , diesem Schreckensorte fremden , freudigen Rührung erfüllt . » Ist das nicht Graf Chlum ? « fragte er bewegt ; » ist das nicht der edle Herr von Lanzenbrock