doch schön auf der Erde , beut uns die Natur nicht ihre herrlichsten Wunder dar wie eine gute Mutter ihren lieben Kindern ? « - » Meinst du ? « erwiderte die Prinzessin und fuhr dann nach einer Weile fort : » Ich wollte nicht , daß du mich erst ganz verstanden hättest , und bitte , alles nur für den Erguß einer bösen Stimmung zu halten . - Du kennst noch nicht den vernichtenden Schmerz des Lebens . Die Natur ist grausam , sie hegt und pflegt nur die gesunden Kinder , die kranken verläßt sie , ja richtet bedrohliche Waffen gegen ihr Dasein . - Ha ! du weißt , daß mir sonst die Natur nichts war als eine Bildergalerie , hingestellt , um die Kräfte des Geistes und der Hand zu üben , aber jetzt ist es anders worden , da ich nichts fühle , nichts ahne , als ihr Entsetzen . Ich möchte lieber in erleuchteten Sälen zwischen bunter Gesellschaft wandeln , als einsam mit dir in dieser mondhellen Nacht . « - Julien wurde nicht wenig bange , sie bemerkte , wie Hedwiga immer schwächer , erschöpfter wurde , so daß die Arme all ihre geringe Kraft anwenden mußte , um sie im Gehen aufrecht zu erhalten . Endlich hatten sie das Schloß erreicht . Unfern desselben , auf der steinernen Bank , die unter einem Holunderbusch stand , saß eine finstre verhüllte Gestalt . Sowie Hedwiga diese gewahrte , rief sie voll Freude : » Dank der Jungfrau und allen Heiligen , da ist sie ! « und ging , plötzlich erkräftigt und sich von Julien losmachend , auf die Gestalt los , die sich erhob und mit dumpfer Stimme sprach : » Hedwiga , mein armes Kind ! « - Julia gewahrte , daß die Gestalt eine von Kopf bis zu Fuß in braune Gewänder gehüllte Frau war , die tiefen Schatten ließen die Züge ihres Gesichts nicht erkennen . Von innern Schauern durchbebt , blieb Julia stehen . Beide , die Frau und die Prinzessin , ließen sich auf die Bank nieder . Die Frau strich ihr sanft die Haarlocken von der Stirne , legte dann die Hände darauf und sprach langsam und leise in einer Sprache , die Julie sich nicht erinnern konnte , jemals gehört zu haben . Nachdem dies einige Minuten gewährt , rief die Frau Julien zu : » Mädchen , eile nach dem Schloß , rufe die Kammerfrauen , sorge , daß man die Prinzessin hineinschaffe . Sie ist in sanften Schlaf gesunken , von dem sie gesund und froh erwachen wird . « Julie , ihrem Erstaunen nicht einen Augenblick Raum gebend , tat schnell , wie ihr geheißen . Als sie mit den Kammerfrauen ankam , fand man die Prinzessin , sorgsam in ihren Shawl eingehüllt , wirklich im sanften Schlaf , die Frau war verschwunden . » Sage mir , « sprach Julie am andern Morgen , als die Prinzessin ganz genesen erwacht und keine Spur innerer Zerrüttung sich zeigte , was Julie befürchtet , » sage mir um Gott , wer war die wunderbare Frau ? « » Ich weiß es nicht , « erwiderte die Prinzessin , » ein einziges Mal in meinem Leben habe ich sie gesehen . Du erinnerst dich , wie ich einmal , noch ein Kind , in eine tödliche Krankheit verfallen , so daß die Ärzte mich aufgaben . Da saß sie in einer Nacht plötzlich an meinem Bette und lullte mich , wie heute , ein in süßen Schlummer , von dem ich ganz genesen erwachte . - In der gestrigen Nacht trat zum erstenmal das Bild dieser Frau mir wieder vor die Augen , es war mir , als müsse sie mir wieder erscheinen und mich retten , und so hat es sich wirklich begeben . - Tu es mir zuliebe und schweige ganz von der Erscheinung , laß dir auch nichts merken durch Wort oder Zeichen , daß uns etwas Wunderbares begegnet . Denke an den Hamlet und sei mein lieber Horatio ! - Es ist gewiß , daß es mit dieser Frau eine geheimnisvolle Bewandtnis haben muß , aber , mag das Geheimnis mir und dir verschlossen bleiben , weiteres Forschen bedünkt mir gefährlich . - Ist es nicht genug , daß ich genesen bin und froh , frei von allen Gespenstern , die mich verfolgten ? « - Alles verwunderte sich über der Prinzessin so plötzlich wiedergekehrte Gesundheit . Der Leibarzt behauptete , der nächtliche Spaziergang nach der Marienkapelle habe durch die Erschütterung aller Nerven so drastisch gewirkt , und er nur vergessen , denselben ausdrücklich zu verordnen . Die Benzon sprach aber in sich hinein : » Hm ! - Die Alte ist bei ihr gewesen - mag das diesmal hingehen ! « - Es ist nun an der Zeit , daß jene verhängnisvolle Frage des Biographen : » Du - ( M. f. f. ) liebst mich also , holde Miesmies ? O wiederhol ' es mir , wiederhol ' es mir tausendmal , damit ich noch in ferneres Entzücken geraten und so viel Unsinn aussprechen möge , wie es einem von dem besten Romandichter geschaffenen Liebeshelden geziemt ! - Doch , Beste , du hast meine erstaunliche Neigung zum Gesange sowie meine Kunstfertigkeit darin schon bemerkt , würd ' es dir wohl gefällig sein , Teure , mir ein kleines Liedchen vorzusingen ? « - » Ach , « erwiderte Miesmies , » ach , geliebter Murr , zwar bin ich auch in der Kunst des Gesanges nicht unerfahren , aber du weißt , wie es jungen Sängerinnen geht , wenn sie zum erstenmal singen sollen vor Meistern und Kennern ! - Die Angst , die Verlegenheit schnürt ihnen die Kehle zu , und die schönsten Töne , Trillos und Mordenten bleiben auf die fatalste Weise in der Kehle stecken wie Fischgräten . - Eine Arie zu singen ist dann pur unmöglich , weshalb der Regel nach mit einem Duett begonnen wird . Laß uns ein kleines Duett versuchen , Teurer , wenn ' s dir gefällig ! « - Das war mir recht . Wir stimmten nun gleich das zärtliche Duett an : » Bei meinem ersten Blick flog dir mein Herz entgegen « etc. etc. Miesmies begann furchtsam , aber bald ermutigte sie mein kräftiges Falsett . Ihre Stimme war allerliebst , ihr Vortrag gerundet , weich , zart , kurz , sie zeigte sich als wackre Sängerin . Ich war entzückt , wiewohl ich einsah , daß mich Freund Ovid wiederum im Stich gelassen . Da Miesmies mit dem cantare so herrlich bestanden , so war es mit dem chordas tangere gar nichts , und ich durfte nicht erst nach der Guitarre verlangen . - Miesmies sang nun mit seltner Geläufigkeit , mit ungemeinem Ausdruck , mit höchster Eleganz das bekannte : » Di tanti palpiti « etc. etc. Von der heroischen Stärke des Rezitativs stieg sie herrlich hinein in die wahrhaft kätzliche Süßigkeit des Andantes . Die Arie schien ganz für sie geschrieben , so daß auch mein Herz überströmte und ich in ein lautes Freudengeschrei ausbrach . Ha ! - Miesmies mußte mit dieser Arie eine Welt fühlender Katerseelen begeistern ! - Nun stimmten wir noch ein Duett an aus einer ganz neuen Oper , das ebenfalls herrlich gelang , da es ganz und gar für uns geschrieben schien . Die himmlischen Rouladen gingen glanzvoll aus unserm Innern heraus , da sie meistenteils aus chromatischen Gängen bestanden . Überhaupt muß ich bei dieser Gelegenheit bemerken , daß unser Geschlecht chromatisch ist , und daß daher jeder Komponist , der für uns komponieren will , sehr wohl tun wird , Melodieen und alles übrige chromatisch einzurichten . Leider hab ' ich den Namen des trefflichen Meisters , der jenes Duett komponiert , vergessen , das ist ein wackrer lieber Mann , ein Komponist nach meinem Sinn . - Während dieses Singens war ein schwarzer Kater heraufgestiegen , der uns mit glühenden Augen anfunkelte . » Bleiben Sie gefälligst von dannen , bester Freund , « rief ich ihm entgegen , » sonst kratze ich Ihnen die Augen aus und werfe Sie vom Dache herab , wollen Sie aber eins mit uns singen , so kann das geschehen . « - Ich kannte den jungen schwarzgekleideten Mann als einen vortrefflichen Bassisten und schlug daher vor , eine Komposition zu singen , die ich zwar sonst nicht sehr liebe , die sich aber zu der bevorstehenden Trennung von Miesmies sehr gut schickte . - Wir sangen : » Soll ich dich , Teurer , nicht mehr sehen ! « Kaum versicherte ich aber mit dem Schwarzen , daß die Götter mich bewahren würden , als eine gewaltige Ziegelscherbe zwischen uns durchfuhr und eine entsetzliche Stimme rief : » Wollen die verfluchten Katzen wohl die Mäuler halten ! « - Wir stoben , von der Todesfurcht gehetzt , wild auseinander in den Dachboden hinein . - O der herzlosen Barbaren ohne Kunstgefühl , die selbst unempfindlich bleiben bei den rührendsten Klagen der unaussprechlichen Liebeswehmut und nur Rache und Tod brüten und Verderben ! - Wie gesagt , das , was mich befreien sollte von meiner Liebesnot , stürzte mich nur noch tiefer hinein . Miesmies war so musikalisch , daß wir beide auf das anmutigste miteinander zu phantasieren vermochten . Zuletzt sang sie meine eignen Melodien herrlich nach , darüber wollte ich denn nun ganz und gar närrisch werden und quälte mich schrecklich ab in meiner Liebespein , so daß ich ganz blaß , mager und elend wurde . - Endlich , endlich , nachdem ich mich lange genug abgehärmt , fiel mir das letzte , wiewohl verzweifelte Mittel ein , mich von meiner Liebe zu heilen . - Ich beschloß , meiner Miesmies Herz und Pfote zu bieten . Sie schlug ein , und sobald wir ein Paar worden , merkte ich auch alsbald , wie meine Liebesschmerzen sich ganz und gar verloren . Mir schmeckte Milchsuppe und Braten vortrefflich , ich gewann meine joviale Laune wieder , mein Bart kam in Ordnung , mein Pelz erhielt wieder den alten schönen Glanz , da ich nun die Toilette mehr beachtete als vorher , wogegen meine Miesmies sich gar nicht mehr putzen mochte . Ich fertigte demunerachtet , wie zuvor geschehen , noch einige Verse auf meine Miesmies , die um so hübscher , um so wahrer empfunden waren , als ich den Ausdruck der schwärmerischen Zärtlichkeit so immer mehr und mehr heraufschrob , bis er mir die höchste Spitze erreicht zu haben schien . Ich dedizierte endlich der Guten noch ein dickes Buch und hatte so auch in literarisch-ästhetischer Hinsicht alles abgetan , was von einem honetten treuverliebten Kater nur verlangt werden kann . Übrigens führten wir , ich und meine Miesmies , auf der Strohmatte vor der Türe meines Meisters ein häuslich ruhiges , glückliches Leben . - Doch welches Glück ist hienieden auch nur von einigem Bestand ! - Ich bemerkte bald , daß Miesmies oft in meiner Gegenwart zerstreut war , daß sie , wenn ich mit ihr sprach , verwirrtes Zeug antwortete , daß ihr tiefe Seufzer entflohen , daß sie nur schmachtende Liebeslieder singen mochte , ja , daß sie zuletzt ganz matt und krank tat . Fragte ich denn , was ihr fehle , so streichelte sie mir zwar die Wangen und erwiderte : » Nichts , gar nichts , mein liebes gutes Papachen , « aber das Ding war mir doch gar nicht recht . Oft erwartete ich sie vergebens auf der Strohmatte , suchte sie vergebens im Keller , auf dem Boden , und fand ich sie denn endlich und machte ihr zärtliche Vorwürfe , so entschuldigte sie sich damit , daß ihre Gesundheit weite Spaziergänge erfordere , und daß ein ärztlicher Kater sogar eine Badereise angeraten . Das war mir wieder nicht recht . Sie mochte wohl meinen versteckten Ärger gewahren und ließ es sich angelegen sein , mich mit Liebkosungen zu überhäufen , aber auch in diesen Liebkosungen lag so etwas Sonderbares , ich weiß es nicht zu nennen , das mich erkältete , statt mich zu erwärmen , und auch das war mir nicht recht . Ohne zu vermuten , daß dies Betragen meiner Miesmies seinen besonderen Grund haben könnte , wurde ich nur inne , daß nach und nach auch das letzte Fünkchen der Liebe zu der Schönsten erlosch , und daß in ihrer Nähe mich die tötendste Langeweile erfaßte . Ich ging daher meine Wege und sie die ihrigen ; kamen wir aber einmal zufällig auf der Strohmatte zusammen , so machten wir uns die liebevollsten Vorwürfe , waren dann die zärtlichsten Gatten und besangen die friedliche Häuslichkeit , in der wir lebten . Es begab sich , daß mich einmal der schwarze Bassist in dem Zimmer meines Meisters besuchte . Er sprach in abgebrochenen geheimnisvollen Worten , fragte dann stürmisch , wie ich mit meiner Miesmies lebe - kurz , ich merkte wohl , daß der Schwarze etwas auf dem Herzen hatte , das er mir entdecken wollte . Endlich kam es denn auch zum Vorschein . Ein Jüngling , der im Felde gedient , war zurückgekehrt und lebte in der Nachbarschaft von einer kleinen Pension , die ihm ein dort wohnender Speisewirt an Fischgräten und Speisabgang ausgeworfen . Schön von Figur , herkulisch gebaut , wozu noch kam , daß er eine reiche fremde Uniform trug , schwarz , grau und gelb , und wegen bewiesener Tapferkeit , als er mit wenigen Kameraden einen ganzen Speicher von Mäusen reinigen wollen , das Ehrenzeichen des gebrannten Specks auf der Brust trug , fiel er allen Mädchen und Frauen in der Gegend auf . Alle Herzen schlugen ihm entgegen , wenn er auftrat keck und kühn , den Kopf emporgehoben , feurige Blicke um sich werfend . Der hatte sich , wie der Schwarze versicherte , in meine Miesmies verliebt , sie war ihm ebenso mit Liebe entgegengekommen , und es war nur zu gewiß , daß sie heimliche verliebte Zusammenkünfte hielten allnächtlich hinter dem Schornstein oder im Keller . » Mich wundert , « sprach der Schwarze , » mich wundert , bester Freund , daß Sie bei Ihrer sonstigen Sagazität das nicht längst bemerkt , aber liebende Gatten sind oft blind , und es tut mir leid , daß Freundespflicht mir gebot , Ihnen die Augen zu öffnen , da ich weiß , daß Sie in Ihre vortreffliche Gattin ganz und gar vernarrt sind . « » O Muzius , « so hieß der Schwarze , » o Muzius , « rief ich , » ob ich ein Narr bin , ob ich sie liebe , die süße Verräterin ! Ich bete sie an , mein ganzes Wesen gehört ihr ! - Nein , sie kann mir das nicht tun , die treue Seele ! - Muzius , schwarzer Verleumder , empfange den Lohn deiner Schandtat ! « - Ich hob die gekrallte Pfote auf , Muzius blickte mich freundlich an und sprach sehr ruhig : » Ereifern Sie sich nicht , mein Guter , Sie teilen das Los vieler vortrefflichen Leute , überall ist schnöder Wankelmut zu Hause und leider vorzüglich bei unserm Geschlecht . « Ich ließ die aufgehobene Pfote wieder sinken , sprang wie in voller Verzweiflung einigemal in die Höhe und schrie dann wütend : » Wär ' es möglich , wär ' es möglich ! - O Himmel - Erde ! was noch sonst ? - Nenn ' ich die Hölle mit ! - Wer hat mir das getan , der schwarzgraugelbe Kater ? - Und sie , die süße Gattin , treu und hold sonst , sie konnte , höll ' schen Trugs voll , den verachten , der oft , an ihrem Busen eingewiegt , in süßen Liebesträumen selig schwelgte ? - O fließt , ihr Zähren , fließt der Undankbaren ! - Himmel tausend sapperment , das geht nicht an , den bunten Kerl am Schornstein soll der Teufel holen ! « » Beruhigen Sie sich , « sprach Muzius , » beruhigen Sie sich doch nur , Sie überlassen sich zu sehr der Wut des jähen Schmerzes . Als Ihr wahrer Freund mag ich Sie jetzt weiter nicht in Ihrer angenehmen Verzweiflung stören . Wollen Sie sich in Ihrer Trostlosigkeit ermorden , so könnte ich Ihnen zwar mit einem tüchtigen Rattenpulver aufwarten , ich will es aber nicht tun , da Sie sonst ein lieber , scharmanter Kater sind und es jammerschade wäre um Ihr junges Leben . Trösten Sie sich , lassen Sie Miesmies laufen , es gibt der anmutigen Katzen noch viele in der Welt . - Adieu , Bester ! « - Damit sprang Muzius fort durch die geöffnete Türe . Sowie ich still , unter dem Ofen liegend , mehr nachsann über die Entdeckungen , die mir der Kater Muzius gemacht , fühlte ich wohl etwas in mir sich regen wie heimliche Freude . Ich wußte nun , wie ich mit Miesmies daran war , und die Quälerei mit dem ungewissen Wesen war am Ende . Hatte ich aber anstandshalber erst die gehörige Verzweiflung geäußert , so glaubte ich , daß derselbe Anstand es erfordere , dem Schwarzgraugelben zu Leibe zu gehen . Ich belauschte zur Nachtzeit das Liebespaar hinter dem Schornstein und fuhr mit den Worten : » Höllischer bestialischer Verräter « auf meinen Nebenbuhler grimmig los . Der aber , an Stärke , wie ich leider zu spät bemerkte , mir weit überlegen , packte mich , ohrfeigte mich gräßlich ab , daß ich mehreres Pelzwerk einbüßte , und sprang dann schnell fort . Miesmies lag in Ohnmacht , als ich mich ihr aber näherte , sprang sie ebenso behende als ihr Liebhaber auf und ihm nach in den Dachboden hinein . Lendenlahm , mit blutigen Ohren schlich ich herab zu meinem Meister und verwünschte den Gedanken , meine Ehe konservieren zu wollen , hielt es auch für gar keine Schande , die Miesmies dem Schwarzgraugelben ganz und gar zu überlassen . » Welch ein feindliches Schicksal , « dacht ' ich , » der himmlischromantischen Liebe halber werde ich in die Gosse geworfen , und das häusliche Glück verhilft mir zu nichts anderm als zu gräßlichen Prügeln . « Am andern Morgen erstaunte ich nicht wenig , als ich , aus dem Zimmer des Meisters heraustretend , Miesmies auf der Strohmatte fand . » Guter Murr , « sprach sie sanft und ruhig , » ich glaube zu fühlen , daß ich dich nicht mehr so liebe als sonst , welches mich sehr schmerzt . « » O teure Miesmies , « erwiderte ich zärtlich , » es zerschneidet mir das Herz , aber ich muß es gestehen , seit der Zeit , daß sich gewisse Dinge begeben , bist du mir auch gleichgültig geworden . « » Nimm es nicht übel , « sprach Miesmies weiter , » nimm es nicht übel , süßer Freund , aber es ist mir so , als wärst du mir schon längst ganz unausstehlich gewesen . « » Mächt ' ger Himmel , « rief ich begeistert , » welche Sympathie der Seelen , mir geht es so wie dir . « Nachdem wir auf diese Weise einig geworden , daß wir uns einander ganz unausstehlich wären und uns notwendigerweise trennen müßten auf ewig , umpfoteten wir uns auf das zärtlichste und weinten heiße Tränen der Freude und des Entzückens ! - Dann trennten wir uns , jeder war hinfort von der Vortrefflichkeit , von der Seelengröße des andern überzeugt und pries sie jedem an , der davon hören mochte . » Auch ich war in Arkadien , « rief ich und legte mich auf die schönen Künste und Wissenschaften eifriger als jemals . ( Mak . Bl . ) - » Euch , « sprach Kreisler , » ja , ich sag ' es Euch aus tiefer Seele , diese Ruhe scheint mir bedrohlicher als der wütendste Sturm . Es ist die dumpfe taube Schwüle vor dem zerstörenden Gewitter , in der sich jetzt alles an dem Hofe bewegt , den Fürst Irenäus im Duodez-Format mit vergoldetem Schnitt , wie einen Almanach , ans Tageslicht gebracht . Vergebens steckt der gnädigste Herr unaufhörlich glänzende Feste auf , wie Gewitterableiter , als zweiter Franklin , die Blitze werden doch einschlagen und vielleicht sein eignes Staatskleid versengen . - Es ist wahr , Prinzessin Hedwiga gleicht jetzt in ihrem ganzen Wesen einer hell und klar hinströmenden Melodie , statt daß sonst wilde , unruhige Akkorde durcheinander auffuhren aus ihrer wunden Brust , aber - Nun ! und Hedwiga schreitet jetzt in verklärtem freundlichem Stolz an dem Arm des wackern Neapolitaners daher , und Julia lächelt ihn an auf ihre holdselige Weise und läßt sich seine Galanterien gefallen , die der Prinz , ohne ein Auge von der bestimmten Braut zu lassen , ihr so geschickt zuzuwenden weiß , daß sie ein junges unerfahrnes Gemüt wie Ricochet-Schüsse schärfer treffen müssen , als wenn das bedrohliche Geschütz geradezu darauf gerichtet ! - Und doch glaubte sich , wie mir die Benzon erzählt , erst Hedwiga von dem mostro turchino erdrückt , und der sanften ruhigen Julia , dem Himmelskinde wurde der schmucke General en Chef zum schnöden Basilisk ! - O ihr ahnenden Seelen , ihr hattet ja recht ! - Teufel , hab ' ich denn nicht in Baumgartens Welthistorie gelesen , daß die Schlange , die uns um das Paradies gebracht , stolzierte in goldgleißendem Schuppenwams ? - Das fällt mir ein , wenn ich den goldverbrämten Hektor sehe . - Hektor hieß übrigens sonst ein sehr würdiger Bullenbeißer , der unbeschreibliche Liebe und Treue zu mir hegte . - Ich wollt ' , er wär ' bei mir , und ich könnt ' ihn dem fürstlichen Namensvetter in die Rockschöße hetzen , wenn er sich so recht spreizt zwischen dem holden Schwesterpaar ! Oder sagt , Meister , da Ihr so manches Kunststück wisset , sagt mir , wie ich es anfange , mich bei schicklicher Gelegenheit in eine Wespe zu verwandeln und den fürstlichen Hund dermaßen zu turbieren , daß er aus seinem verfluchten Konzept kommt ! « - » Ich habe , « nahm Meister Abraham das Wort , » ich habe Euch ausreden lassen , Kreisler , und frage Euch nun , ob Ihr mich ruhig anhören wollt , wenn ich Euch gewisse Dinge entdecke , die Eure Ahnungen rechtfertigen ? « » Bin ich , « erwiderte Kreisler , » bin ich denn nicht ein gesetzter Kapellmeister - ich meine das nicht im philosophischen Sinn , daß ich mein Ich gesetzt als Kapellmeister ; sondern beziehe das bloß auf die geistige Fähigkeit , in honetter Gesellschaft ruhigzubleiben , wenn mich ein Floh sticht . « » Nun also , « fuhr Meister Abraham fort , » wisset , Kreisler , daß ein seltsamer Zufall mir tiefe Blicke in des Prinzen Leben vergönnt hat . Ihr habt recht , wenn Ihr ihn mit der Schlange im Paradiese vergleicht . Unter der schönen Hülle - die werdet Ihr ihm nicht absprechen - liegt giftige Verderbtheit , ich möchte lieber sagen , Verruchtheit , verborgen . - Er führt Böses im Schilde - er hat , aus vielem , was sich zugetragen , weiß ich ' s , er hat es abgesehen auf die holde Julia . « - » Hoho , « schrie Kreisler , indem er im Zimmer umhersprang , » hoho , blanker Vogel , sind das deine süßen Lieder ? - Wetter , Wetter , der Prinz ist ein tüchtiger Kerl , er greift zu , mit beiden Krallen auf einmal , nach gebotenen und verbotenen Früchten ! - Holla , süßer Neapolitaner , du weißt nicht , daß Julien ein wackrer Kapellmeister , mit hinlänglicher Musik im Leibe , zur Seite steht , der hält dich , sowie du dich ihr näherst , für einen verdammten Ouartquinten-Akkord , der aufgelöst werden muß . Und der Kapellmeister tut , was seines Berufs ist , das heißt , er löst dich auf , indem er dir eine Kugel durch das Gehirn jagt oder dir gegenwärtigen Stockdegen durch den Leib rennt ! « - Damit zog Kreisler seine Stockklinge heraus , setzte sich in Fechterpositur und fragte den Meister , ob er Anstand genug besitze , einen fürstlichen Hund zu durchspießen . - » Seid doch nur ruhig , « erwiderte Meister Abraham , » seid doch nur ruhig , Kreisler , es bedarf solcher Heldentaten gar nicht , um dem Prinzen das Spiel zu verderben . Es gibt andere Waffen für ihn , und die geb ' ich Euch in die Hand . Gestern war ich im Fischerhäuschen , der Prinz kam mit seinem Adjutanten vorüber . Sie gewahrten mich nicht . Die Prinzessin ist schön , sprach der Prinz , aber die kleine Benzon ist göttlich ! Mein ganzes Blut wallte siedend auf , als ich sie sah - ha , sie muß mein werden , noch ehe ich der Prinzessin die Hand reiche . - Glaubst du , daß sie unerbittlich sein wird ? - Welches Weib hat Euch widerstanden , gnädigster Herr , erwiderte der Adjutant , Aber beim Teufel , fuhr der Prinz fort , sie scheint ein frommes Kind zu sein - und ein argloses , fiel ihm der Adjutant lachend ins Wort : und die frommen arglosen Kindlein sind es ja eben , die , überrascht von dem Angriff des sieggewohnten Mannes , duldend unterliegen und dann alles für Gottes Fügung halten , wohl gar in ungemeine Liebe geraten zu dem Sieger ! - Das kann Euch auch so gehen , gnädigster Herr . - Das wäre toll genug , rief der Prinz . Aber könnte ich sie nur allein sehen , - wie das anfangen ? - Nichts , erwiderte der Adjutant , nichts ist leichter als das . Ich habe bemerkt , daß die Kleine oft allein lustwandelt in diesem Park . Wenn nun - Jetzt verhallten die Stimmen in der Ferne , ich konnte nichts mehr verstehen ! - Wahrscheinlich wird irgendein höllischer Plan schon heute ausgeführt , und der muß vereitelt werden . Ich könnte das selbst tun , aber aus gewissen Ursachen möchte ich mich zurzeit dem Prinzen nicht zeigen , daher müßt Ihr , Kreisler , gleich fort nach Sieghartshof und aufpassen , wenn Julia etwa in der Dämmerung , wie sie zu tun pflegt , nach dem See lustwandelt , um den zahmen Schwan zu füttern . Diesen Gang hat wahrscheinlich der italienische Bösewicht erlauscht . - Doch , empfangt die Waffe , Kreisler , und die höchst nötige Instruktion , damit Ihr im Kampf gegen den bedrohlichen Prinzen als ein guter Feldherr Euch zeigen möget ! « - Der Biograph erschrickt abermals über das total Abrupte der Nachrichten , aus denen er gegenwärtige Geschichte zusammenstoppeln muß . - Wäre hier nicht schicklich einzurücken gewesen , welche Instruktion Meister Abraham dem Kapellmeister erteilte ? Denn zeigt sich auch später die Waffe selbst , so wird es dir , geliebter Leser , doch unmöglich sein , einzusehen , was es damit für eine Bewandtnis hat . Doch kein einziges Wörtlein weiß der unglückliche Biograph zurzeit von jener Instruktion , mittelst der ( so viel scheint gewiß ) der wackre Kreisler in ein ganz besonderes Geheimnis eingeweiht wurde . - Doch ! gedulde dich , günstiger Leser , noch ein wenig , bemeldeter Biograph setzt seinen Schreibedaumen zum Pfande , daß noch vor dem Schluß des Buchs auch dieses Geheimnis an den Tag kommen soll . - Es ist nun zu erzählen , daß , sowie die Sonne zu sinken begann , Julia , ein Körbchen mit Weißbrot am Arm , singend durch den Park wandelte zum See und sich mitten auf die Brücke unweit des Fischerhäuschens stellte . Aber Kreisler lag im Hinterhalt des Gebüsches und hatte einen tüchtigen Dollond vor den Augen , mit dem er scharf hinüberschaute durch die Sträucher , die ihn versteckten . Der Schwan plätscherte heran , und Julie warf ihm Brocken hinab , die er begierig wegnaschte . Julie fuhr fort im lauten Gesange , und so kam es , daß sie es nicht gewahrte , wie Prinz Hektor schnell heraneilte . Als er plötzlich bei ihr stand , fuhr sie zusammen , wie im heftigen Schreck . Der Prinz faßte ihre Hand , drückte sie an die Brust , an die Lippen und legte sich dann dicht neben Julien über das Geländer der Brücke . Julia fütterte , indem der Prinz eifrig sprach , den Schwan , in den See hinabschauend . - » Schneide nicht solche infame süße Gesichter , Potentat ! Merkst du denn nicht , daß ich dicht vor dir auf dem Geländer sitze und dich erkecklich maulschellieren kann ? - O Gott , warum färben sich deine Wangen in immer höherem Purpur , du holdes Himmelskind ? - Warum blickst du jetzt den Bösen so seltsam an ? - Du lächelst ? - Ja , es ist der glühende Gifthauch , vor dem sich deine Brust öffnen muß , wie vor dem sengenden Sonnenstrahl sich die Knospe in den schönsten Blättern entfaltet , um desto jäher hinzusterben ! « - So sprach Kreisler , das Paar beobachtend , das der gute Dollond ihm dicht herangerückt . - Der Prinz warf jetzt auch Brocken hinab , der Schwan verschmähte sie aber und brach in ein lautes widriges Geschrei aus . Nun schlang der Prinz den Arm um Julia und warf so die Brocken hinab , als solle der Schwan glauben , daß es Julia sei , die ihn füttere . Dabei berührte seine Wange beinahe die Wange Julias . - » Recht so , « sprach Kreisler , » recht so , gnädigster Halunke , umkralle , würdiger Stoßvogel , nur deine Beute recht fest , hier liegt aber einer im Busch ,