was Euch ergriffen , ist die Geschichte eines Schottenkönigs , der von seinen Barden erstochen wurde , weil ein Drache ungestört das Land verwüstete . « - Der König erhob den Alten , küßte ihn und sprach : » Mag Eure Geschichte mir fremd sein , Eure Lehre ist mein geworden , der Sänger Wort ist ein höherer Ruf und wie es uns trifft im Innersten , im Geist , im Herzen zugleich mit einem Strahle , so wirkt ein höherer Geist durch das Wort ; wohl mögt Ihr mich noch vergessen haben und des fernen Schottenkönigs gedenken , dennoch steht mein Reich ich und meine Gedanken im Spiegel Eures Geistes , Euch selbst unbewußt und ich schaudre vor meinem Abbild . « Das Bild stellt den König dar , wie er seine Brust dem Dolche entblößt , während die Krone von seinem Haupte fällt . Viertes Bild Der König fühlte sich entschlossen , wieder selbst zu herrschen und fragte nach Kostnitz am Bodensee , wo der Graf der Nibelungen , als besonderer Günstling des Königs wohnte . Gleich war ein Knabe mit einer Kienfackel dazu bereit und der Alte gab ihm seltsame , ahndungsvolle Worte auf den Weg . Und der Knabe führte ihn die wunderbarsten Wege auf umgestürzten Baumstämmen über Abgründe , in denen die Wölfe heulten . So waren sie bei dem Morgenlichte schon am Waldrande , wo der König den Knaben mit vielem Dank zurücksandte , gern hätte er ihm auch eine Gabe gereicht , aber schon lange hatte er kein Geld mehr gehabt und verlangt . Gegen Abend erreichte der König das Schloß des Grafen der Nibelungen , versteckte seine Krone und sein Schwert unter dem Mantel und warf die Armbrust unter einen Steinhaufen , daß er sie einst wieder finden könnte . Das Schloß war hell erleuchtet , er mischte sich unter das müßige Volk der Zuschauer , die alten Reime sagen : Und er geht zum hohen Schlosse , Helle jedes Fenster blitzt , Viele kommen da zu Rosse Und sie haben ihn bespritzt , Und er läßt die Wagen rollen , Steht da , wie ein armer Tropf , Fackeln , die sie putzen wollen , Schlagen sie auf seinen Kopf , Daß das heiße Pech ihm rinnet In den Nacken , auf das Kleid , Wahrlich , keine Seide spinnet , Wer so zusieht wilder Freud . Ruhig wärmt er sich am Feuer , Das der Wagen Spur erhellt , Einen Brand nimmt da ein Geier , Trägt ihn in das reife Feld , Und des Armen Feld muß brennen , Weil der Reiche fröhlich zecht , Doch sie werden bald erkennen , Daß noch lebt ein göttlich Recht . Und wie der König dem ernstlich nachdachte , hatte sich die Menge , die keine Gäste mehr zu sehen erwartete , schon vom Wachtfeuer verlaufen , er stand allein , als ein Haufen Reiter eine gebundne und dennoch würdig scheinende Jungfrau auf einem Pferde herbeiführten und am Tore zu Boden setzten . Die Reime sagen : Von dem Mund der Jungfrau nehmen Sie das Band , das ihn verschloß , Meinen , daß sie sich soll schämen Vor dem glanzerfüllten Schloß . Doch die Jungfrau ruft dem Winde , Sagt ' s der keuschen Sternennacht , Daß sie ihren Gram verkünde Und die nahe Übermacht : » Harter Graf , der mich geraubet , Schlechter König , der nicht hört , Heut hat Myrte mich umlaubet , Morgen bin ich schon zerstört . « Diesen Raub der schönen Jungfrau seht ihr hier auf dem Bilde und wie der König nach dem Degen greift . Fünftes Bild Die Besonnenheit des Königs beschwichtigte diese Aufwallung , er gedachte der Zahl jener Räuber und beschloß , der armen Geraubten , deren Schönheit ihn tief gerührt hatte , mit sicherer Klugheit zu helfen , oder selbst der Strafe für die lange Vergessenheit seiner Pflicht zu unterliegen . Sein Schwert wieder im Mantel versteckt , wie seine Krone , trat er ins Schloß und vertraute einem Diener des Grafen , er habe seinem Herrn willkommne Botschaft von einer schönen Frau zu überbringen . Der Diener , solcher Verhältnisse des Grafen kundig , wies ihn nicht ab , wie der König wohl gefürchtet hatte , aber er brachte ihn auch nicht zum Grafen , wie er gehofft hatte , sondern nach einem abgelegnen , unerleuchteten Zimmer des Schlosses und verließ ihn , um seine Anwesenheit dem Grafen zu melden . Der König war nicht lange mit sich allein , als Seufzer aus dem Nebenzimmer ihm hörbar wurden ; gleich dachte er , es sei die unglückliche Jungfrau , die den Untergang ihres Lebens , zum Schutz ihrer Ehre , beschließe , und sang zu ihrer Vertröstung : Liebeszauber , Unschuldtränen , Ihr erweckt mein totes Schwert , Wie der Blitz , der durch die Mähnen Eines müden Rosses fährt , Und es bäumt sich kühn zum Himmel , Wo der Donnerwagen rollt , Möcht ihn lenken durchs Getümmel , Daß er nicht der Erde grollt . Dieser Gesang schien die Seufzer zu stillen , bald hörte der König von der andern Seite Menschentritte und der Graf trat mit einer Kerze ein , erhitzt vom Traume der Freude , sehnsüchtig der Verheißenen . - » Bist du es selbst , liebe Freundin « , sagte er eintretend , » ich schwor darauf , als mir ein Unbekannter im Mantel verhüllt gemeldet wurde , der mir frohe Botschaft bringe . « - Aber statt des Kusses , den der Graf erwartete , als jetzt der König den Mantel abwarf , sah er ein Schwert in seiner Hand blitzen , er wollte zurück springen und Verrat rufen , da erkannte er den König und war wie von einer Erscheinung erschüttert und verwirrt . » Gnädiger Herr « , stammelte er , » Ihr beehrt dies Fest mit Eurer Gegenwart , möchte es Eurer würdig sein , Euch erheitern . « - Der König sagte darauf mit Ruhe : » Das Fest ist meiner nicht würdig , es betrübt mich tief , die Klage der Unschuld ist Eure Musik und das Brot der Armen drückt Eure Tische nieder , Ihr habt mein Zutrauen getäuscht , ich habe Euch meine königliche Gewalt übergeben , mir bleibt nur mein ritterliches Herz , einer von uns beiden ist der Erde überzählig , zieht lieber Graf , daß Gott zwischen uns blutig richte , wer hier herrschen soll . « - Der Graf zog zwar seinen Degen , aber von dem früher gewohnten Gefühle übernommen , dies sei sein Herr , legte er den Degen zu dessen Füßen , kniete nieder und sprach : » Ich habe Euch nicht kränken wollen , gnädiger Herr , verzeihet meiner Jugend und der Freiheit , der Ihr uns überlassen hattet , wo ich in Leidenschaft irrte . « - Der König setzte ihm einen Fuß in den Nacken , erhob sein Schwert und sagte : » Der Übermut deiner Diener hat mir heißes Pech auf den Nacken geschüttet , als ich ruhig dem Freudenfeuer zuschaute , an dir will ich mich rächen , dein Tod ist in diesem Augenblick ein Schwung meines Arms ! Ich will nicht deinen Tod , doch gedenke dieses Augenblicks künftig und schwöre mir ritterliche Treue ! « - Der Graf hob die Hand auf und schwor ihm einen Eid der Treue , da gab ihm der König seinen Degen zurück und befahl , ihn als Herrn in die Mitte der Grafen zu führen , die in dem Schlosse versammelt wären . Das Bild stellt dar , wie der König ihm den Fuß in den Nacken setzt und sein Schwert erhebt : Der vor allen hochgestanden , Ist am tiefsten nun gebeugt , Also geht der Stolz zu Schanden Und vor Gottes Macht sich neigt . Wer mit Mut dem Rechte dienet , Ist erfüllt von Gottes Macht , Was er schafft , auf Erden grünet , Was er störet , sinkt in Nacht ! Und woran er zu erkennen , Ist die sichre Mäßigung , Rache will er sich nicht gönnen , Ihm genügt die Besserung . Sechstes Bild Der Graf , von der Würde des Königs in seinem leichtsinnigen Herzen frisch erschüttert , meinte sich ernstlich ihm anschließen zu müssen , er schilderte ihm die Verwirrung , die Bedrückung des Landes , den Trotz der meisten Grafen , die sich gewiß der Rückgabe aller Gewalt in seine Hände widersetzen würden . Er wolle deswegen den Saal mit bewaffneten Dienern besetzen , daß die Grafen nicht zu ihren Waffen kommen könnten und sich in die Notwendigkeit seiner Anerkennung ohne gewaltsamen Widerstand ergäben . Für diesen Rat ernannte ihn der König zum Nachfolger in der Regierung , wenn er , der letzte des altschwäbischen Hauses , ohne eigne Kinder sterben sollte . Diese Gnade befeuerte den Grafen , er bewaffnete schnell die besten Leute ; der Saal , wo die Ritter bankettierten , ward von ihnen besetzt , als der König , die Krone auf dem Haupte , das Schwert in der Hand , von vielen bewaffneten Fackelträgern umgeben , an seiner Seite der Graf in den Saal trat . Da war großes Erstaunen , insbesondere als der König nicht freundlich , sondern mit harter Belehrung ihnen ihre Fehler verwies , sie bedrohete , alle enthaupten zu lassen , wenn sie nicht in Reue und Demut ihren Übermut büßten . Sie sahen den Grafen und dessen Leute auf der Seite des Königs , sie fühlten sich verloren , wenn sie widerstehen wollten , sie knieten nieder , gaben die Regierung in seine Hand zurück und ließen sich an ihren alten Rechten genügen und huldigten ihm von neuem . Und als nun dies große Werk für das Land geendet war , da befahl der König zu neuer Überraschung des Grafen , die geraubte Jungfrau in den Saal zu führen . Und bald trat sie mit dem Morgenstern in den Saal , der die Decke der wunderbaren Nacht lüftete , und alle waren erstaunt über ihren Glanz , vor allen der König , der sie jenem liebreichen Knaben ähnlich fand , der ihn aus dem Walde zurückgeführt hatte und der noch immer wie ein wunderbarer Engel in seinem Andenken erschien . Der König kündigte ihr Freiheit an , zugleich bat er , Im ihren Namen und ihr Geschick zu vertrauen , daß er für ihre Sicherheit sorgen könne . Da nannte sie sich die Tochter des unglücklichen Herzogs David , aus Ungerland , der im Kampfe gegen Attila seiner zwölf Söhne , seines Landes und Verstandes beraubt , ich unter dem Namen eines Meistersängers in dieses Königreich Schwaben geflüchtet und sie einem Nonnenkloster in Schutz gegeben habe ; sie bat um Freiheit , ihn aufzusuchen , für ihn zu sorgen , er König fragte zagend , ob sie ihr Gelübde im Kloster schon abgelegt habe . - Sie antwortete mit niedergeschlagnen Augen , aß sie noch kein Gelübde abgelegt habe und auch keines ablegen werde , seit sie erfahren müssen , daß nicht die Klostermauern , sondern ritterlicher Mut sie gegen Gewalt geschützt habe . Darauf kniete der König vor ihr nieder , ergriff ihre Hand und zeigte ihr einen Goldring . Und sie steckte ihren Finger hinein , denn ihre Augen verstanden sich und nannte ihn ihren lieben Ritter , denn sie wußte nicht , daß es der König sei . Als aber jetzt die Grafen ihr mit gebeugtem Knie die Hand küßten und das Heil ihrer neuen Königin ausriefen , da erkannte sie die hohe Würde ihres Verlobten , wie sie sein hohes Herz erkannt hatte , sie verbarg ihr Antlitz auf einer Brust und segnete alles Unglück , in welchem der Himmel geprüft , ob sie dieses Glück ertragen könne , wobei sie ihres Vaters gedachte , wie er sich dieser Rückkehr zum alten Ansehen eines Hauses freuen werde . Das Bild zeigt , wie sie den Finger in den Ring steckt , die alten Reime sagen : Seht der neue Tag zieht prächtig In die Herzen , in die Welt , Alle Sorge dunkel nächtig Hat zum Grafen sich gestellt . Wer verlor auch mehr als der Graf , außer der Herrschaft , auch die Geliebte und nicht durch Gewalt , sondern durch ihre Neigung zum Könige . Siebentes Bild Die schöne Braut war von Müdigkeit überwältigt , im Gemache der Mutter eingeschlummert und ihr Schlaf war lang . Der König gönnte sich nur kurze Rast , es trieb ihn die Sehnsucht nach dem alten Sänger , der gleichsam eine Seele seines Volkes , unbewußt sein Schicksal gelenkt hatte . Er sorgte für die Sicherheit seine Braut und zog mit den rüstigsten Grafen und den wegkundigsten Gebirgsjägern in den großen Schwarzwald . Er selbst ging voran weil er an den bedeutendsten Punkten Zweige eingebrochen hatte auch fand er bald diesen seinen Weg , den ihm der Knabe gezeigt hatte , nur fehlten jetzt alle die Brücken , auf denen er über Abgründe sicher hingeschritten . Diese Verbindungen schienen mit Absicht vernichtet zu sein . Aber der König ließ sich dadurch nicht abhalten ; die Gebirgsjäger , obgleich sie diesen wilden Teil des Waldes nur selten berührt hatten , wußten doch aus ihrer Erfahrung guten Rat , die schroffsten Felsen zu umgehen und Wege zu bahnen die Jäger erlegten die zornigen Bewohner der Wildnis , die ihnen nahten , Bären , Wölfe , Luchse . Zwei Tage arbeiteten sie mit frischem Mute , aber am dritten wurden alle stiller und langsamer mancher meinte , es sei unmöglich , daß der König in einer Nach diese Wege gewandelt sei , er müsse wohl geträumt haben . Darum waren alle sehr überrascht , als sie wirklich beim Aufgange de dritten Tages in einer grünen Fläche , die von hohen Eichen um geben war , eine wunderbare Kapelle erblickten , die aus hoch stämmigen , weiß blühenden Rosenbüschen geflochten , von Epheu umrankt , ein Kreuz über der Erde bildete . Der König ging voran um den alten Freund durch die Zahl der Gäste nicht zu erschrecken ihm folgten die andern . Als aber der König die Türe öffnete , sah er einen einfachen Altar , wo wenige Tage vorher der Alte geschrieben hatte , ein Kreuz bezeichnete ihn und die Morgensonne glänzte prachtvoll hinüber . Alle knieeten nieder , der König beschloß , dem Erlöser hier , wo er vom Trübsinn zur Freude erlösworden , eine Kirche zu erbauen . Und als er über die Art diese Baues nachsann , erblickte er auf dem Altar den Bau vieler Bienen , welche in ihrem Wachs die Kapelle im kleinen nachgebildet hatten . Gleich der freundlichen Kapelle Ist der Wachsbau ausgeführt , Von dem Turme bis zur Schwelle Gleiches Maß darin regiert . Einsam bauten diese Bienen Wohl schon manche liebe Zeit , Daß sie diesem Altar dienen , Daß ein Schränklein sei bereit , Um das Heil ' ge drin zu stellen Und des heil ' gen Nachtmahls Brot , Das der Priester den Gesellen Bei des Baues Gründung bot , Denn da flogen sie zur Sonne , Wie ein Kreuz geordnet hin , Daß Vertrauen mit der Wonne Sel ' ger Tränen weicht den Sinn . Dreifach wird die Kirche schimmern In dem Wachs , im Rosendach , Aus Granit die Werkleut zimmern Nun die Wölbung auch danach . Die beiden Kapellen und die Gründung der Kirche zeigt das Bild , alle dreie einander gleich , nur in verschiednem Maße . Achtes Bild Nachdem der Bau angeordnet und die Arbeiter bestellt waren , zog der König heim , indem er überall den Weg zu dieser Wallfahrtskirche eröffnen ließ . Acht Tage nach seinem Auszuge traf er zum Schlosse des Grafen ein . Da trat seiner freudigen Ungeduld die liebliche Braut weinend entgegen und klagte , sie habe ihren Vater nur wieder gefunden , um sein Ableben zu betrauern . Die Vorsteherin des Klosters habe sie zu ihm geführt , aber er habe , einem Toten ähnlich , wenn gleich noch atmend , in seiner Hütte geruht . Zwar hätten die Nachbarn , welche ihm gern aufwarteten , weil er ihnen zum Lohn schöne Geschichten erzählte , behauptet , er sei nicht tot , sondern schon oft in solche Entzückung verfallen , aber sie könne nicht mehr an diesen Trost glauben , diese Störung seines Lebens dauere zu lange . Hierauf führte sie den bestürzten König nach dem Saale , wo der Vater unter einer Purpurdecke auf weichen Kissen ruhte . Wie sie nun die Decke mit abgewendetem Gesichte aufhob , rief der König : » Frommer Sänger , du hast mich ins Leben zurückgeführt und bist selbst zu den Toten gegangen , warum sahest du nicht die Freude deines Werkes , ehe deine Augen sich schlossen . « - So war es nun heraus , der Vater seiner Braut , der alte Herzog war eben der Meistersänger , dessen Schauspiele und Gesänge die Stadt erfreuten , eben der , welcher den König aus seiner Trägheit erweckt hatte . Das Seltsame aber war , wie er nach der Wildnis gekommen , da die Nachbarn versicherten , er habe an jenem Tage schon in der Verzückung auf seinem Bette gelegen . Wie nun der König jener Ähnlichkeit der zwölf Knaben mit seiner Braut gedachte , da fiel ihm ein , ob es wohl die zwölf Söhne gewesen sein möchten , welche die Hunnen umgebracht hatten ? Es schauderte ihm , als ob er im Schwarzwalde schon über die Grenzen des Lebens hinüber gestiegen gewesen , aber durch Warnung in dessen Mitte wieder zurück getreten sei . Da traten die beiden treuen Begleiter seiner Jagd , die beiden Ritter , welche erkrankt gewesen , in abgetragenen Wämsern , wie es sich an Höfen wohl nicht ziemte , in den Saal , begrüßten den König mit Freudentränen , erzählten , wie sie ihn so lange vergeblich gesucht hätten , bis sie ihn endlich durch den Fang zweier Vögel , unter denen auch der , welchem der König so lange nachgeschlichen , zur Heimkehr veranlaßt worden wären . Dieser Fang , der ihnen so leicht geworden , da die Vögel mit einander gespielt und sie nicht wahr genommen hätten , sei ihnen als ein gutes Zeichen erschienen und dies gute Zeichen sei nun erfüllt . Bei diesen Worten zog der eine einen Gitterkasten unter dem Mantel hervor , in welchem die beiden Vögel , in der Gestalt wie Spechte , der eine golden , der andre silbern , eingesperrt saßen . Mit Gnade sagte der König den Freunden willkommen , aber nicht ohne Widerwillen fühlte er in sich die alte , böse Jagdlust beim Anblicke der Vögel wieder erwachen . Er kämpfte mit sich , endlich reifte sein Entschluß , er ließ den goldnen Vogel aus dem Kasten fliegen , daß er durch das Fenster ins freie Blau der Luft entflöge ; er wollte auch den silbernen entfliegen lassen , aber da überwand ihn seine Jagdlust , daß er die Gittertüre wieder schloß . Der goldne Vogel nutzte aber nicht das Geschenk der Freiheit , er flog zwar fort , aber blieb auf dem Munde des halbtoten Sängers sitzen , dieser öffnete den Mund , der Vogel schlüpfte hinein und der Alte öffnete die Augen wie ein gesund Erwachter . Der Saal war ihm fremd , er fragte , wo er sei , fragte die Tochter , wer sie sei . Dann aber erkannte er sie beim ersten Kusse , auch der König erschien ihm bekannt , und als ihn dieser an die Lehre erinnerte , die er von ihm in der Rosenhütte empfangen , da rieb sich der Alte die Stirn und meinte , daß ihm von dem allem auch geträumt habe , daß er auch seine zwölf Söhne wieder gesehen , die ihm vielen guten Rat zu dem Fastnachtsspiele gegeben hätten . Dann sei ihm aber auf dem Heimwege seine geliebte , selige Frau begegnet , die habe ihn so ernstlich an den Himmel gemahnt und daß er der irdischen Spiele vergessen solle , darüber hätten sie sich so im Gespräche vertieft , daß sie beide gefangen worden . Jetzt erkannte er in dem eingesperrten silbernen Vogel die geliebte Seele seiner Frau , er beschwor sie , ihn noch nicht zum Himmel zu entlocken , bis er sein tiefsinniges Spiel beendet habe , und der Vogel schien mit sanftem Tone ihm darin nachzugeben . Das Bild stellt euch dar , wie der Vogel in den Mund des Alten schlüpft . Neuntes Bild Kaum gestattete sich der Alte die Zeit , alles zu vernehmen , was seiner Tochter geschehen , die Frau mahnte ihn zur Arbeit , sie war ehrfurchtsvoll dem Käfig entlassen und saß auf seiner Schulter , auf seinem Tintenfasse , auf seiner Feder , daß er nicht bei den Liebkosungen der Tochter das Schreiben unterlasse . Umsonst führte diese den Vater zu weiten Aussichten in Prachtzimmer , umsonst zeigte sie ihm den reichen Garten , der Alte schrieb gehend , stehend , sitzend , so wie sich seine Gedanken klar machten und verdrängten . Die Tochter wußte aber die Gefahr , daß er sich ihrer Liebe und der Welt entzöge , wenn er seine Arbeit beendigt habe , und da diese rasch fortrückte , so ersann sie einen Kunstgriff : Unermüdet schreibt der Alte , Schaut begeistert in die Welt , Sieht nicht , wie die Tochter walte , Nur sein Werk ihm wohlgefällt . Wenn er nun ein Blatt geschrieben , Wirft ' s die Tochter heimlich fort , Daß es in den Strom getrieben Und erloschen jedes Wort . So der Alte unermüdlich , Ohne zürnen , ohne Groll , Schreibt von neuem still und friedlich , Doch sein Werk wird nimmer voll . Als nun die Sonne an die Erde gestoßen und in tausend Sterne zersprungen war , da sank der Alte ermüdet auf seinen Schreibstuhl , sein Mund öffnete sich , der goldne Vogel entfloh singend dem Munde , und flog in den Jasminenbusch , wo der silberne Vogel sein harrte , wo dann große Freude zwischen ihnen war , und tausend Bitten der Mutter kund wurden , die Arbeit bald zu enden . Aber auch der König dachte bei der Lust der guten Vögel , daß er seine Vermählung , seinen Einzug in die Hauptstadt beschleunigen müsse und ordnete alles zum andern Tage . - Er begann den Zug auf einem schwarzen Rosse , ihm folgten die Grafen , dann folgte die Königin auf weißem , sicheren Rößlein , umgeben von den Gräfinnen , den Zug schlossen die Meistersänger , welche zu Pferde den Wagen umgaben , in welchem der Alte saß und schrieb , das Vöglein auf seiner linken Hand tragend . Das Volk strömte mit Jubel entgegen , küßte den Ankommenden die Steigbügel jeder atmete wieder frei auf ; so ging der Zug zur Kathedrale auf der Anhöhe , wo wir hier noch jetzt den vielen Bauschutt auf dem Weinberge finden , dort wurde die schöne Braut durch die Hand des Priesters dem Könige feierlich vermählt . Dies zeigt das Bild . Zehntes Bild Als der König und die Königin am andern Morgen nach der Hochzeit aus süßem Schlaf erwachten , waren sie verwundert den Alten noch nicht erwacht auf seinem Ruhebette , noch nicht beim Schreiben zu sehen , vielmehr bemerkten sie die beiden Vögel in großer Tätigkeit auf einem hohen Rosenstocke , der in goldnem Gefäße die Hochzeitkammer schmückte . Die beiden Vögel hatten sich in den Ästen ein Nest geflochten aus seidnen und leinenen Fäden und dasselbe mit goldnen und silbernen Federn gefüttert , die sie einander spielend ausgezogen hatten . Sie ließen sich nicht von der Anwesenheit der beiden Neuvermählten stören , sie grüßten sie und sangen zu ihnen Glückwünschungen und nahmen süßen Mohn vom Munde der Tochter . Dies war der einzige Tag , daß der Alte versäumte in seinen Leib zurück zu kehren , auch war am andern Morgen die seltsame Änderung vorgegangen , daß die silberne Frau ihn nicht mehr so dringend zur Arbeit anmahnte und daß der Alte sich daher mehr seinen Kindern mitteilen konnte . Dennoch schrieb er immer noch viel und die Tochter löschte an jedem Abende alles wieder aus , daß sein Heldenspiel zwar immer schöner , aber nie fertig wurde . Die Mutter war zwar abwechselnd mit dem Neste beschäftigt , aber sie war doch die meiste Zeit um den Vater , der Tochter hingegen schenkte sie weniger Aufmerksamkeit . Eines Tages ging sie aber gar nicht vom Nest , und die Tochter lauschte und nahm endlich wahr , daß die Mutter ein silbernes , mit goldnen Ringen bezeichnetes Ei unter den Federn des Nestes versteckte . So legte der silberne Vogel allmählich zwölf Eier , jeden Tag eins und setzte sich darauf , sie auszubrüten , und wechselte in dieser Arbeit mit dem goldnen Vogel ab , so daß der Alte während seiner ganzen Brütetest nicht in seinen ruhenden , menschlichen Körper , nicht zu seiner Arbeit kam , denn auch während sie brütete , war er emsig beschäftigt , zarte Blumensämereien für sie herbei zu tragen , welche kein Mensch finden kann , wie die klugen Vögel sie finden und sammeln können . Aber auch die Königin rückte während der Brütezeit ihrer Mutter in ihrer Leibessegnung so weit vor , daß sie eines Morgens von einem herrlichen Knaben entbunden wurde . Und kaum war er in die Welt getreten , so entflogen zwölf schöne , kleine , geflügelte Kinder , in der Größe von Kanarienvögeln , mit goldnen und silbernen Flügeln versehen , also ganz so wie Engel geschildert werden , aus dem Neste der silbernen Mutter , sangen den Neugeboren an , liebkosten ihm , spielten mit ihm und reinigten , wickelten ihn mit zärtlicher Sorge , und wehrten ihm die Fliegen und Mücken ab . Sie selbst waren zwar klein , aber doch fertig in allen ihren Kräften in die Welt geflogen und kannten die menschliche Bedürftigkeit nur , indem sie diese andern erleichterten . Das Bild zeigt dort im Hintergrunde das Bette ; die Königin , erschöpft von der Mühe , drückt sie dem Könige die Hand und blickt mit Wohlgefallen nach dem Kinde , das im Vorgrunde von den kleinen Engeln gewickelt wird . Eilftes Bild Als die Königin das Kind von ihrer Brust entwöhnt hatte , da sagte ihr der König , daß er in der Stunde ihrer Not die Beschleunigung des Kirchenbaus im Schwarzwalde durch eine strenge Wallfahrt dahin gelobt habe . Sie sei nun glücklich befreit und er wolle seinem Gelübde treu , von ihr Abschied nehmen . Aber die Königin erklärte , er dürfe nicht allein gehen , sie müsse mitziehen ; sie ließ sich durch keinen Grund zurückweisen , wie Weiber sind ; unter andern ersann sie , daß sie den Vater als Vogel einfangen und samt der Mutter im Käfig mit sich nehmen wolle , damit der Vater die Zeit nicht benutze , sein Heldenspiel fertig zu schreiben und sich ihnen auf immer zu entziehen . Die zwölf geflügelten Boten versprachen für den kleinen Königssohn in ihrer Abwesenheit Sorge zu tragen , wie sie es ohne Beihülfe andrer täglich zu tun gewohnt waren , und sich nicht abschrecken ließen , wenn das starke Kind mit kindischem Ungeschick zuweilen einen ergriff , drückte oder rupfte . Sie standen in solchem Falle einander so treulich bei , daß sie bald des Kindes Meister wurden , und das Kind folgte ihnen in allem , worin es sie verstehen konnte . In dieser Obhut ließen sie nach unzähligen Küssen das geliebte Kind und begaben sich heimlich , um jedes Gefolge von Leuten zu vermeiden , das ihrer Demut ein Vorwurf zu sein schien , aus der Stadt , ohne zu ahnden , daß sie das Kind und die Stadt zum letztenmal gesehen hätten . Erst mehrere Stunden nach ihrer Auswanderung verbreitete sich das Gerücht derselben und große Scharen frommer Pilger folgten ihnen nach . - Es hatte sich aber , seit der König selbständig und gerecht die Regierung übernommen hatte , viel Glück über alle verbreitet , nur die Grafen wollten das nicht erkennen , weil sie sich durch die Gerechtigkeit in ihren Einnahmen sehr beschränkt fanden . Jener Graf des Nibelgaus , welcher sich die meiste Schuld dieser neuen Wendung der Dinge beimaß , weil er sie seiner Feigheit zuschrieb , teils von Liebe zu der Königin gequält , nun auch von Ärger über die Geburt des Prinzen erfüllt , weil dieser die Hoffnung der Nachfolge ihm raubte , fand sich vom Geiste der Versuchung gereizt , durch den Mord des Königs sein Schicksal ändern zu wollen . Diese Wallfahrt , die einer seiner Diener auskundschaftete , bot ihm die Gelegenheit zur unbemerkten Ausführung . Die Vormundschaft über das königliche Kind konnte ihm nach dem Tode des Königs nicht streitig gemacht werden , wie leicht konnte es aus der Reihe der Lebenden vertilgt werden ; die Königin hoffte er durch sein Liebesglück und durch sein Ansehen sich dann zuzueignen . Der Graf war zum Schein zu seinem Bruder gefahren , hatte sich aber , ohne eines Menschen Begleitung nach dem Schwarzwalde gewendet und lauerte an der gebahnten Straße der Wallfahrer . Der ganze Weg hatte unsre beiden Pilger ganz in die Zeit ihrer ersten Liebe versetzt , mancher Kuß hemmte die Reise , sie sahen nicht um sich , sondern vergaßen sogar oft das angelobte Gebet . Umsonst warnten sie die beiden Vögel im Käfig , der Wurfspieß des Grafen hatte beide durchbohrt und den Käfig der Vögel durchbrochen , ehe sie eine der Warnungen vernommen hatten ; ohne Schrecken , ohne Ahndung , noch freundlich lächelnd , hatte der Mordstahl ihren Lebensfaden durchschnitten . Aber der Graf sah mit Verzweifelung zu ihnen hin , denn nicht die Königin sollte sein Spieß treffen , aber ein zärtlicher Kuß hatte sie an den König gedrückt , als schon das Wurfspieß seiner Hand entschleudert war . Erst jetzt fühlte der Graf , daß mehr seine Liebe zu der Königin als