gesehen und betrachtete lange ernsthaft das wunderschöne Mädchen . Romana kam auf die beiden los und empfing sie mit einer auffallenden Heftigkeit . Nun entlud sich auch das Zelt auf einmal eines ganzen Haufens von Gästen , und Leontin war in dem Gewirre gar bald in seine launigste Ausgelassenheit hineingeärgert , und spielte in kecken , barocken Worten , die ihm wie von den hellen Schneehäuptern der Alpen zuzufliegen schienen , mit diesem Jagdgesindel , das ein einziger Auerochs verjagt hätte . Auch hier war die innerliche Antipathie zwischen ihm und dem Prinzen bemerkbar . Der Prinz wurde still und vermied ihn , wo er konnte , wie ein Feuer , das überall mit seinen Flammenspitzen nach ihm griff und ihn im Innersten versengte . Nur Romana war heute auf keine Weise aus dem Felde zu schlagen , sie schien sich vielmehr an seiner eigenen Weise nur immer mehr zu berauschen . Er konnte sich , wie immer , wenn er sie sah , nicht enthalten , mit zweideutigen Witzen und Wortspielen ihre innerste Natur herauszukitzeln , und sie hielt ihm heute tapfer Stich , so daß Rosa mehrere Male rot wurde und endlich fortgehn mußte . » Gott segne uns alle « , sagte er zuletzt zu einem vornehmen Männlein , das eben sehr komisch bei ihm stand , » daß wir heute dort oben an einem schmalen Felsenabhange nicht etwa einem von unsern Ahnherren begegnen , denn die verstehn keinen Spaß , und wir sind schwindlige Leute . « - Hier wurde er durch das Jagdgeschrei unterbrochen , das nun plötzlich von allen Seiten losbrach . Die Hörner forderten wie zum Kriege , die Hunde wurden losgelassen , und alles griff nach den Gewehren . Leontin war bei dem ersten Signal mitten in seiner Rede fortgesprungen , er war der erste unter dem Haufen der anführenden Jäger . Mit einer schwindelerregenden Kühnheit sah man ihn , sich an die Sträucher haltend , geschickt von Fels zu Fels über die Abgründe immer höher hinaufschwingen ; er hatte bald alle Jäger weit unter sich und verschwand in der Wildnis . Mehrere von der Gesellschaft schrien dabei ängstlich auf . Romana sah ihm furchtlos mit unverwandten Blicken nach ; » wie sind die Männer beneidenswert ! « sagte sie , als er sich verloren hatte . Die Gesellschaft hatte sich unterdes nach allen Richtungen hin zerstreut , und die Jagd ging wie ein Krieg durch das Gebirge . In tiefster Abgeschiedenheit , wo Bäche in hellen Bogen von den Höhen sprangen , sah man die Gemsen schwindlig von Spitze zu Spitze hüpfen , einsame Jäger dazwischen auf den Klippen erscheinen und wieder verschwinden , einzelne Schüsse fielen hin und her , das Hifthorn verkündigte von Zeit zu Zeit den Tod eines jeden Tieres . Da sah Friedrich auf einem einsamen Fleck nach mehreren Stunden seinen Leontin wagehalsig auf der höchsten von allen den Felsspitzen stehen , daß das Auge den Anblick kaum ertragen konnte . Er erblickte Friedrich und rief zu ihm hinab : » Das Pack da unten ist mir unerträglich ; wie sie hinter mir drein quickten , als ich vorher hinaufstieg ! Ich bleibe in den Bergen oben , lebe wohl , Bruder ! « Hierauf wandte er sich wieder weiter und kam nicht mehr zum Vorschein . Der Abend rückte heran , in den Tälern wurde es schon dunkel . Die Jagd schien geendigt , nur einzelne kühne Schützen sah man noch hin und wieder an den Klippen hängen , von den letzten Widerscheinen der Abendsonne scharf beleuchtet . Friedrich stand eben in höchster Einsamkeit an seine Flinte gelehnt , als er in einiger Entfernung im Walde singen hörte : » Dämmrung will die Flügel spreiten , Schaurig rühren sich die Bäume , Wolken ziehn wie schwere Träume - Was will dieses Graun bedeuten ? Hast ein Reh du lieb vor andern , Laß es nicht alleine grasen , Jäger ziehn im Wald und blasen , Stimmen hin und wider wandern . Hast du einen Freund hienieden , Trau ihm nicht zu dieser Stunde , Freundlich wohl mit Aug und Munde , Sinnt er Krieg im tück ' schen Frieden . Was heut müde gehet unter , Hebt sich morgen neugeboren . Manches bleibt in Nacht verloren - Hüte dich , bleib wach und munter ! « Es wurde wieder still . Friedrich erschrak , denn es kam ihm nicht anders vor , als sei er selber mit dem Liede gemeint . Die Stimme war ihm durchaus unbekannt . Er eilte auf den Ort zu , woher der Gesang gekommen war , aber kein Laut ließ sich weiter vernehmen . Als er eben so um eine Felsenecke bog , stand plötzlich Rosa in ihrer Jägertracht vor ihm . Sie konnte der Sänger nicht gewesen sein , denn der Gesang hatte sich nach einer ganz andern Richtung hin verloren . Sie schien heftig erschrocken über den unerwarteten Anblick Friedrichs . Hochrot im Gesicht , ängstlich und verwirrt , wandte sie sich schnell und sprang wie ein aufgescheuchtes Reh , ohne der Gefahr zu achten , von Klippe zu Klippe die Höhe hinab , bis sie sich unten im Walde verlor . Friedrich sah ihr lange verwundert nach , später stieg auch er ins Tal hinab . Dort fand er die Gesellschaft auf der schönen Wiese schon größtenteils versammelt . Das Zelt in der Mitte derselben schien von den vielen Lichtern wie in farbigen Flammen zu stehn , eine Tafel mit Wein und allerhand Erfrischungen schimmerte lüstern lockend zwischen den buntgewirkten Teppichen hervor , Männer und Frauen waren in freien Scherzen ringsumher gelagert . Die vielen wandelnden Windlichter der Jäger , deren Scheine an den Felsenwänden und am Walde auf und nieder schweiften , gewährten einen zauberischen Anblick . Mitten unter den fröhlich Gelagerten und den magischen Lichtern ging Romana für sich allein , eine Gitarre im Arm , auf der Wiese auf und ab . Friedrich glaubte eine auffallende Spannung in ihrem Gesichte und ganzem Wesen zu bemerken . Sie sang : » In goldner Morgenstunde , Weil alles freudig stand , Da ritt im heitern Grunde Ein Ritter über Land . Rings sangen auf das beste Die Vöglein mannigfalt , Es schüttelte die Äste Vor Lust der grüne Wald . Den Nacken , stolz gebogen , Klopft er dem Rösselein - So ist er hingezogen Tief in den Wald hinein . Sein Roß hat er getrieben , Ihn trieb der frische Mut ; Ist alles fern geblieben , So ist mir wohl und gut ! « Sie ging während des Liedes immerfort unruhig auf und ab und sah mehrere Male seitwärts in den Wald hinein , als erwartete sie jemand . Auch sprach sie einmal heimlich mit einem Jäger , worauf dieser sogleich forteilte . Friedrich glaubte manchmal eine plötzliche , aber ebenso schnell wieder verschwindende Ähnlichkeit ihres Gesanges mit jener Stimme auf dem Berge zu bemerken , da sie wieder weitersang : » Mit Freuden mußt er sehen Im Wald ein ' grüne Au , Wo Brünnlein kühle gehen , Von Blumen rot und blau . Vom Roß ist er gesprungen , Legt sich zum kühlen Bach , Die Wellen lieblich klungen , Das ganze Herz zog nach . So grüne war der Rasen , Es rauschte Bach und Baum , Sein Roß tät stille grasen , Und alles wie ein Traum . Die Wolken sah er gehen , Die schifften immerzu , Er konnt nicht widerstehen - Die Augen sanken ihm zu . Nun hört ' er Stimmen rinnen , Als wie der Liebsten Gruß , Er konnt sich nicht besinnen - Bis ihn erweckt ein Kuß . Wie prächtig glänzt ' die Aue ! Wie Gold der Quell nun floß , Und einer süßen Fraue , Lag er im weichen Schoß . Herr Ritter ! wollt Ihr wohnen Bei mir im grünen Haus : Aus allen Blumenkronen Wind ich Euch einen Strauß ! Der Wald ringsum wird wachen , Wie wir beisammen sein , Der Kuckuck schelmisch lachen , Und alles fröhlich sein . Es bog ihr Angesichte Auf ihn , den süßen Leib , Schaut mit den Augen lichte Das wunderschöne Weib . Sie nahm sein ' n Helm herunter , Löst Krause ihm und Bund , Spielt mit den Locken munter , Küßt ihm den roten Mund . Und spielt ' viel süße Spiele Wohl in geheimer Lust , Es flog so kühl und schwüle Ihm um die offne Brust . « Friedrichs Jäger trat hier eiligst zu seinem Herrn und zog ihn abseits in den Wald , wo er sehr bewegt mit ihm zu sprechen schien . Romana hatte es bemerkt . Sie verwandte gespannt kein Auge von Friedrich und folgte ihm in einiger Entfernung langsam in den Wald nach , während sie dabei weitersang : » Um ihn nun tät sie schlagen Die Arme weich und bloß , Er konnte nichts mehr sagen , Sie ließ ihn nicht mehr los . Und diese Au zur Stunde Ward ein kristallnes Schloß , Der Bach , ein Strom gewunden , Ringsum gewaltig floß . Auf diesem Strome gingen Viel Schiffe wohl vorbei , Es konnt ihn keines bringen Aus böser Zauberei . « Sie hatte kaum noch die letzten Worte ausgesungen , als Friedrich plötzlich auf sie zukam , daß sie innerlichst zusammenfuhr . » Wo ist Rosa ? « fragte er rasch und streng . » Ich weiß es nicht « , antwortete Romana schnell wieder gefaßt , und suchte mit erzwungener Gleichgültigkeit auf ihrer Gitarre die alte Melodie wiederzufinden . Friedrich wiederholte die Frage noch einmal dringender . Da hielt sie sich nicht länger . Als wäre ihr innerstes Wesen auf einmal losgebunden , brach sie schnell und mit fast schreckhaften Mienen aus : » Du kennst noch nicht mich und jene unbezwingliche Gewalt der Liebe , die wie ein Feuer alles verzehrt , um sich an dem freien Spiele der eigenen Flammen zu weiden und selber zu verzehren , wo Lust und Entsetzen in wildem Wahnsinn einander berühren . Auch die grünblitzenden Augen des buntschillernden , blutleckenden Drachen im Liebeszauber sind keine Fabel , ich kenne sie wohl und sie machen mich noch rasend . Oh , hätte ich Helm und Schwert wie Armida ! - Rosa kann mich nicht hindern , denn ihre Schönheit ist blöde und dein nicht wert . Ja , gegen dich selber will ich um dich kämpfen . Ich liebe dich unaussprechlich , bleibe bei mir , wie ich nicht mehr von dir fort kann ! « -Sie hatte ihn bei den letzten Worten fest umschlungen . Friedrich fuhr mit einem Male aus tiefen Gedanken auf , streifte schnell die blanken Arme von sich ab , und eilte , ohne ein Wort zu sagen , tief in den Wald , wo er sein Pferd bestieg , mit dem ihn der Jäger schon erwartete , und fort hinaussprengte . Romana war auf den Boden niedergesunken , das Gesicht mit beiden Händen verdeckt . Das fröhliche Lachen , Singen und Gläserklirren von der Wiese her schallte ihr wie ein höllisches Hohngelächter . Rosa war , als sich Tag und Jagd zu Ende neigten , von Romana und aller Begleitung , wie durch Zufall , verlassen worden . Der Prinz hatte sie den ganzen Tag über beobachtet , war ihr überall im Grünen begegnet und wieder verschwunden . Sie hatte sich endlich halb zögernd entschlossen , ihn zu fliehen und höher ins Gebirge hinaufzusteigen . Sein blühendes Bild heimlich im Herzen , das die Waldhornsklänge immer wieder von neuem weckten , unschlüssig , träumend und halbverirrt , zuletzt noch von dem Liede des Unbekannten , das auch sie hörte , seltsam getroffen und verwirrt , so war sie damals bis zu dem Flecke hinaufgekommen , wo sie so auf einmal Friedrich vor sich sah . Der Ort lag sehr hoch und wie von aller Welt geschieden , sie dachte an ihren neulichen Traum und eine unbeschreibliche Furcht befiel sie vor dem Grafen , die sie schnell von dem Berge hinabtrieb . Unten , fern von der Jagd , saß der Prinz auf einem ungeheuren Baume . Da hörte er das Geräusch hinter sich durch das Dickicht brechen . Er sprang auf und Rosa fiel atemlos in seine ausgebreiteten Arme . Ihr gestörtes Verhältnis zu Friedrich , das Lied oben , und tausend alte Erinnerungen , die in der grünen Einsamkeit wieder wach geworden , hatten das reizende Mädchen heftig bewegt . Ihr Schmerz machte sich hier endlich in einem Strome von Tränen Luft . Ihr Herz war zu voll , sie konnte nicht schweigen . Sie erzählte dem Prinzen alles aus tiefster , gerührter Seele . Es ist gefährlich für ein junges Mädchen , einen schönen Vertrauten zu haben . Der Prinz setzte sich neben ihr auf den Rasen hin . Sie ließ sich willig von ihm in den Arm nehmen und lehnte ihr Gesicht müde an seine Brust . Die Abendscheine spielten schon zuckend durch die Wipfel , unzählige Vögel sangen von allen Seiten , die Waldhörner klangen wollüstig durch den warmen Abend aus der Ferne herüber . Der Prinz hatte ihre langen Haare , die aufgegangen waren , um seinen Arm gewickelt und sprach ununterbrochen so wunderliebliche , zauberische Worte , gleich sanfter Quellen Rauschen , kühlelockend und sinnenberauschend , wie Töne alter Lieder aus der Ferne verführend herüberspielen . Rosa bemerkte endlich mit Schrecken , daß es indes schon finster geworden war , und drang ängstlich in den Prinzen , sie zu der Gesellschaft zurückzuführen . Der Prinz sprang sogleich seitwärts in den Wald und brachte zu ihrem Erstaunen zwei gesattelte Pferde mit hervor . Er hob sie schnell auf das eine hinauf , und sie ritten nun , so geschwind als es die Dunkelheit zuließ , durch den Wald fort . Sie waren schon weit auf verschiedenen , sich durchkreuzenden Wegen fortgetrabt , aber die Wiese mit dem Zelte wollte noch immer nicht erscheinen . Die Waldhornsklänge , die sie vorher gehört hatten , waren schon lange verstummt , der Mond trat schon zwischen den Wolken hervor . Rosa wurde immer ängstlicher , aber der Prinz wußte sie jedesmal wieder zu beruhigen . Endlich hörten sie die Hörner von neuem aus der Ferne vor sich . Sie verdoppelten ihre Eile , die Klänge kamen immer näher . Doch wie groß war Rosas Schrecken , als sie auf einmal aus dem Walde herauskam und ein ganz fremdes , unbekanntes Schloß vor sich auf dem Berge liegen sah . Entrüstet wollte sie umkehren und machte dem Prinzen weinend die bittersten Vorwürfe . Nun legte der Prinz die Maske ab . Er entschuldigte seine Kühnheit mit der unwiderstehlichen Gewalt seiner lange heimlich genährten Sehnsucht , umschlang und küßte die Weinende und beschwor alle Teufel seiner Liebe herauf . Die Hörner klangen lockend immerfort , und zitternd , halb gezwungen und halb verführt , folgte sie ihm endlich den Berg hinauf . Es war ein abgelegenes Jagdschloß des Prinzen . Nur wenige verschwiegene Diener hatten dort alles zu ihrem Empfange bereitet . Friedrich ritt indes zwischen den Bergen fort . Sein Jäger , der gegen Abend weit von der Jagd abgekommen war , hatte zufällig Rosa mit dem Prinzen auf ihrer Flucht durch den Wald fortjagen gesehen , und war sogleich zu seinem Herrn zurückgeeilt , um ihm diese Entdeckung mitzuteilen . Dies war es , was Friedrich so schnell auf sein Pferd getrieben hatte . Als er endlich nach manchem Umwege an die letzten Felsen kam , welche diese Wiese umschlossen , erblickte er plötzlich im Walde seitwärts eine weiße Figur , die , eine Flinte im Arm , gerade auf seine Brust zielte . Ein flüchtiger Mondesblick beleuchtete die unbewegliche Gestalt , und Friedrich glaubte mit Entsetzen Romana zu erkennen . Sie ließ erschrocken die Flinte sinken , als er sich nach ihr umwandte , und war im Augenblick im Walde verschwunden . Ein seltsames Graun befiel dabei den Grafen . Er setzte die Sporen ein , bis er das ganze furchtbare Jagdrevier weit hinter sich hatte . Unermüdet durchstreifte er nun den Wald nach allen Richtungen , denn jede Minute schien ihm kostbar , um der Ausführung dieser Verräterei zuvorzukommen . Aber kein Laut und kein Licht rührte sich weit und breit . So ritt er ohne Bahn fort und immerfort , und der Wald und die Nacht nahmen kein Ende . Drittes Buch Achtzehntes Kapitel Wir finden Friedrich fern von dem wirrenden Leben , das ihn gereizt und betrogen , in der tiefsten Einsamkeit eines Gebirges wieder . Ein unaufhörlicher Regen war lange wie eine Sündflut herabgestürzt , die Wälder wogten wie Ährenfelder im feuchten Sturme . Als er endlich eines Abends auf die letzte Ringmauer von Deutschland kam , wo man nach Welschland heruntersieht , fing das Wetter auf einmal an sich auszuklären , und die Sonne brach warm durch den Qualm . Die Bäume tröpfelten in tausend Farben blitzend , unzählige Vögel begannen zu singen , das liebreizende , vielgepriesene Land unten schlug die Schleier zurück und blickte ihm wie eine Geliebte ins Herz . Da er eben in die weite Tiefe zu den aufgehenden Gärten hinablenken wollte , sah er auf einer der Klippen einen jungen , schlanken Gemsenjäger keck und trotzig ihm gegenüberstehn und seinen Stutz auf ihn anlegen . Er wandte schnell um und ritt auf den Jäger los . Das schien diesem zu gefallen , er kam schnell zu Friedrich herabgesprungen und sah ihn vom Kopf bis auf den Fuß groß an , während er dem Pferde desselben , das ungeduldig stampfte , mit vieler Freude den gebogenen Hals streichelte . » Wer gibt dir das Recht , Reisende aufzuhalten ? « fuhr ihn Friedrich an . » Du sprichst ja deutsch « , sagte der Jäger , ihn ruhig auslachend , » du könntest jetzt auch etwas Besseres tun , als reisen ! Komm nur mit mir ! « Friedrich erfrischte recht das kecke , freie Wesen , das feine Gesicht voll Ehre , die gelenke , tapfere Gestalt ; er hatte nie einen schönern Jäger gesehen . Er zweifelte nicht , daß er einer von jenen sei , um derentwillen er schon seit mehreren Tagen das verlassene Gebirge vergebens durchschweift hatte , und trug daher keinen Augenblick Bedenken , dem Abenteuer zu folgen . Der Jäger ging singend voraus , Friedrich ritt in einiger Entfernung nach . So zogen sie immer tiefer in das Gebirge hinein . Die Sonne war lange untergegangen , der Mond schien hell über die Wälder . Als sie ohngefähr eine halbe Stunde so gewandert waren , blieb der Jäger in einiger Entfernung plötzlich stehen , nahm sein Hifthorn und stieß dreimal hinein . Sogleich gaben unzählige Hörner nacheinander weit in das Gebirge hinein Antwort . Friedrich stutzte und wurde einen Augenblick an dem ehrlichen Gesichte irre . Er hielt sein Pferd an , zog sein Pistol heraus und hielt es , gefaßt gegen alles , was daraus werden durfte , auf seinen Führer . Der Jäger bemerkte es . » Lauter Landsleute ! « rief er lachend , und schritt ruhig weiter . Aller Argwohn war verschwunden , und Friedrich ritt wieder nach . So kamen sie endlich schon bei finsterer Nacht auf einem hochgelegenen , freien Platze an . Ein Kreis bärtiger Schützen war dort um ein Wachtfeuer gelagert , grüne Reiser auf den Hüten , und ihre Gewehre neben sich auf dem Boden . Friedrichs Führer war schon voraus mitten unter ihnen und hatte den Fremden angemeldet . Mehrere von den Schützen sprangen sogleich auf , umringten Friedrich bei seiner Ankunft und fragten ihn um Neuigkeiten aus dem flachen Lande . Friedrich wußte sie wenig zu befriedigen , aber seine Freude war unbeschreiblich , sich endlich am Ziele seiner Irrfahrt zu sehen . Denn dieser Trupp war , wie er gleich beim ersten Anblick vermutet , wirklich eine Partei des Landsturmes , den das Gebirgsvolk bei dem unlängst ausgebrochenen Kriege gebildet hatte . Die Flamme warf einen seltsamen Schein über den soldatischen Kreis von Gestalten , die rings umherlagen . Die Nacht war still und sternhell . Einer von den Jägern , die draußen auf dem Felsen auf der Lauer lagen , kam und meldete , wie in dem Tale nach Deutschland zu ein großes Feuer zu sehen sei . Alles richtete sich auf und lief weiter an den Bergesrand . Man sah unten die Flammen aus der stillen Nacht sich erheben , und konnte ungeachtet der Entfernung die stürzenden Gebälke der Häuser deutlich unterscheiden . Die meisten kannten die Gegend , einige nannten sogar die Dörfer , welche brennen müßten . Alle aber waren sehr verwundert über die unerwartete Nähe des Feindes , denn diesem schrieben sie den Brand zu . Man erwartete mit Ungeduld die Zurückkunft eines Trupps , der schon gestern in die Täler auf Kundschaft ausgezogen war . Einige Stunden nach Mitternacht ohngefähr hörte man in einiger Entfernung im Walde von mehreren Wachen das Losungswort erschallen ; bald darauf erschienen einige Männer , die man sogleich für die auf Kundschaft Ausgeschickten erkannte und begrüßte . Sie hatten einen jungen , fremden Mann bei sich , der aber über der üblen Zeitung , welche die Kundschafter mitbrachten , anfangs von allen übersehen wurde . Sie sagten nämlich aus , eine ansehnliche feindliche Abteilung habe ihre heimlichen Schlupfwinkel entdeckt und sie durch einen rastlosen , mühsamen Marsch umgangen . Der Feind stehe nun auf dem Gebirge selbst mitten zwischen ihren einzelnen , auf den Höhen zerstreuten Haufen , um sie mit Tagesanbruch so einzeln aufzureiben . - Ein allgemeines Gelächter erscholl bei den letzten Worten im ganzen Trupp . » Wir wollen sehn , wer härter ist « , sagte einer von den Jägern , » unsere Steine oder ihre Köpfe ! « Die Jüngsten warfen ihre Hüte in die Luft , alles freute sich , daß es endlich zum Schlagen kommen sollte . Man beratschlagte nun eifrig , was unter diesen Umständen das klügste sei . Zum Überlegen war indes nicht lange Zeit es mußte für den immer mehr herannahenden Morgen ein rascher Entschluß gefaßt werden . Friedrich , der allen wohl behagte , gab den Rat , sie sollten sich heimlich auf Umwegen neben den feindlichen Posten hin vor Tagesanbruch mit allen den andern zerstreuten Haufen auf einem festen Fleck zu vereinigen suchen . Dies wurde einmütig angenommen , und der Älteste unter ihnen teilte hiermit alsogleich den ganzen Haufen in viele kleine Trupps und gab jedem einen jungen , rüstigen Führer zu , der alle Stege des Gebirges am besten kannte . Über die einsamsten und gefährlichsten Felsenpfade wollten sie heimlich mitten durch ihre Feinde gehen , alle ihre andern Haufen , auf die sie unterwegs stoßen mußten , an sich ziehn und auf dem höchsten Gipfel , wo sie wußten , daß ihr Hauptstamm sich befände , wieder zusammenkommen , um sich bei Anbruch des Tages von dort mit der Sonne auf den Feind zu stürzen . Das Unternehmen war gefährlich und gewagt , doch nahmen sie sehr vergnügt Abschied voneinander . Friedrich hatte sich auch ein grünes Reis auf den Hut gesteckt und auf das beste bewaffnet . Ihm war der junge Jäger , den er zuerst auf der Straße nach Italien getroffen , zum Führer bestimmt worden , zu seinen Begleitern hatte er noch zwei Schützen und den jungen Menschen , den die Kundschafter vorhin mitgebracht . Dieser hatte die ganze Zeit über , ohne einigen Anteil an der Begebenheit verspüren zu lassen , seitwärts auf einem Baumsturze gesessen , den Kopf in beide Hände gestützt , als schliefe er . Sie rüttelten ihn nun auf . Wie erstaunte da Friedrich , als er sich aufrichtete und in ihm denselben Studenten wiedererkannte , den er damals auf der Wiese unter den herumziehenden Komödianten getroffen hatte , als er auf Romanas Schloß zum Besuche ritt . Doch hatte er sich seitdem sehr verändert , er sah blaß aus , seine Kleidung war abgerissen , er schien ganz herunter . Sie setzten sich sogleich in Marsch , und da es zum Gesetz gemacht worden war , den ganzen Weg nichts miteinander zu sprechen , so konnte Friedrich nicht erfahren , wie derselbe aufs Gebirge und in diesen Zustand geraten war . Sie gingen nun zwischen Wäldern , Felsenwänden und unabsehbaren Abgründen immer fort ; der ganze Kreis der Berge lag still , nur die Wälder rauschten von unten herauf , ein scharfer Wind ging auf der Höhe . Der Gemsenjäger schritt frisch voran , sie sprachen kein Wort . Als sie einige Zeit so fortgezogen waren , hörten sie plötzlich über sich mehrere Stimmen in ausländischer Sprache . Sie blieben stehen und drückten sich alle hart an die Felsenwand an . Die Stimmen kamen auf sie los und schienen auf einmal dicht bei ihnen ; dann lenkten sie wieder seitwärts und verloren sich schnell . Dies bewog den Führer , einen andern , mehr talwärts führenden Umweg einzuschlagen , wo sie sicherer zu sein hofften . Sie hatten aber kaum die untere Region erlangt , als ihnen ein Gewirre von Reden , Lachen und Singen durcheinander entgegenscholl . Zum Umkehren war keine Zeit mehr , seitwärts von dem Platze , wo das Schallen sich verbreitet , führte nur ein einziger Steg über den Strom , der dort in das Tal hinauskam . Als sie an den Bach kamen , sahen sie zwei feindliche Reiter auf dem Stege , die beschäftigt waren , Wasser zu schöpfen . Sie streckten sich daher schnell unter die Sträucher auf den Boden nieder , um nicht bemerkt zu werden . Da konnten sie zwischen den Zweigen hindurch die vom Monde hell beleuchtete Wiese übersehen . Ringsum an dem Rande des Waldes stand dort ein Kreis von Pferden angebunden , eine Schar von Reitern war lustig über die Aue verbreitet . Einige putzten singend ihre Gewehre , andere lagen auf dem Rasen und würfelten auf ihren ausgebreiteten Mänteln , mehrere Offiziere saßen vorn um ein Feldtischchen und tranken . Der eine von ihnen hatte ein Mädchen auf dem Schoße , das ihn mit dem einen Arme umschlungen hielt . Friedrich erschrak im Innersten , denn der Offizier war einer seiner Bekannten aus der Residenz , das Mädchen die verlorne Marie . Es war einer von jenen leichten , halbbärtigen Brüdern , die im Winter zu seinem Kreise gehört , und bei anbrechendem Frühling Ernst , Ehrlichkeit und ihre gemeinschaftlichen Bestrebungen mit den Bällen und andern Winterunterhaltungen vergaßen . Ihn empörte dieses Elend ohne Treue und Gesinnung , wie er mit vornehmer Zufriedenheit seinen Schnauzbart strich und auf seinen Säbel schlug , gleichviel für was oder gegen wen er ihn zog . Der Lauf seines Gewehres war zufällig gerade auf ihn gerichtet ; er hätte es in diesem Augenblicke auf ihn losgedrückt , wenn ihn nicht die Furcht , alle zu verraten , davon abgehalten hätte . Der Offizier stand auf , hob sein Glas in die Höh und fing an Schillers Reiterlied zu singen , die andern stimmten mit vollen Kehlen ein . Noch niemals hatte Friedrich das fürchterliche Lied so widerlich und höllisch-gurgelnd geklungen . Ein anderer Offizier mit einem feuerroten Gesichte , in dem alle menschliche Bildung zerfetzt war , trat dazu , schlug mit dem Säbel auf den Tisch , daß die Gläser klirrten , und pfiff durchdringend den Dessauer Marsch drein . Ein allgemeines wildes Gelächter belohnte seine Zote . - Unterdes hatten die beiden Reiter den Steg wieder verlassen . Friedrich und seine Gesellen rafften sich daher schnell vom Boden auf und eilten über den Bach von der andern Seite wieder ins Gebirge hinauf . Je höher sie kamen , je stiller wurde es ringsumher . Nach einer Stunde endlich wurden sie von den ersten Posten der Ihrigen angerufen . Hier erfuhren sie auch , daß fast alle die übrigen Abteilungen , die sich teils durchgeschlichen , teils mit vielem Mute durchgeschlagen hatten , bereits oben angekommen wären . Es war ein freudenreicher Anblick , als sie bald darauf den weiten , freien Platz auf der letzten Höhe glücklich erreicht hatten . Die ganze unübersehbare Schar saß dort , auf ihre Waffen gestützt , auf den Zinnen ihrer ewigen Burg , die großen Augen gedankenvoll nach der Seite hingerichtet , wo die Sonne aufgehn sollte . Friedrich lagerte sich vorn auf einem Felsen , der in das Tal hinausragte . Unten rings um den Horizont war bereits ein heller Morgenstreifen sichtbar , kühle Winde kamen als Vorboten des Morgens angeflogen . Eine feierliche , erwartungsvolle Stille war über die Schar verbreitet , einzelne Wachen nur hörte man von Zeit zu Zeit weit über das Gebirge rufen . Ein Jäger vorn auf dem Felsen begann folgendes Lied , in das immer zuletzt alle die andern mit einfielen : » In stiller Bucht , bei finstrer Nacht , Schläft tief die Welt im Grunde , Die Berge rings stehn auf der Wacht , Der Himmel macht die Runde , Geht um und um Ums Land herum Mit seinen goldnen Scharen , Die Frommen zu bewahren . Kommt nur heran mit eurer List , Mit Leitern , Strick und Banden , Der Herr doch noch viel stärker ist , Macht euren Witz zuschanden . Wie wart ihr klug ! - Nun schwindelt Trug Hinab vom Felsenrande - Wie seid ihr dumm ! o Schande ! Gleichwie die Stämme in dem Wald Wolln wir zusammenhalten , Ein ' feste Burg , Trutz der Gewalt , Verbleiben treu die alten . Steig , Sonne , schön ! Wirf von den Höhn Nacht und die mit ihr kamen , Hinab in Gottes Namen ! « Friedrich ärgerte es recht , daß der Student immerfort so traurig dabeisaß . Seine Komödiantin , wie er Friedrich hier endlich entdeckte , hatte ihn von neuem verlassen und diesmal auch alle seine Barschaft mitgenommen . Arm und bloß und zum Tode verliebt , war er nun dem aufrührerischen Gebirge zugeeilt , um im Kriege sein Ende zu finden . » Aber so seid