Vorzimmer rauscht von Teilnahme seufzende neue Stiefeln und rauschende seidne Kleider bezeugen ihre Teilnahme , und eigentlich nehmen diese Leute nur auf zwei Arten teil , erstens , indem sie noch teil an dem bißchen gesunder Luft der Kranken nehmen , und zweitens , indem in ihnen alle ihr Teil genommen wird , denn seitdem die erste erregende Potenz , die Brünette , krank ist , und zwar ( wie der Arzt sagt ) asthenisch , hat sie alle die höchste Sthenie überfallen , sie sind alle fade , man hört keinen guten Gedanken , alle ihre wunderlichen Frisuren sind nur wunderliche Frisuren , und hören auf , Arten von Verstand zu sein . Ich ärgerte mich über die zwei außerordentlichen Mitglieder , weil der eine mit einer ungeheuren Prätension von Teilnahme der armen Sophie dicht vor das Lager gerückt ist , und ihr mit Gewalt jedes gesunde Wort , das sich ihr entwindet , dicht vor den Lippen wegfängt , es mit Ungeschicklichkeit in seiner zerstreuen wollenden Unterredung auffängt und ihr verwickelt wie ein Rätsel zurückgiebt . Er weiß nicht , daß dies Mädchen auch in der Krankheit über seine kranke Gesundheit Meister ist , und mit einer geteilten Mühe ihm halb aus Gutherzigkeit seine Arbeit an ihrer Zerstreuung mühselig zu erleichtern sucht , und aus der frohen , natürlichen Wildheit ihres Geistes , die in diesem Augenblicke etwas mit Überreiz kämpft , wieder hingerissen wird , ihn zu verwirren . So versetzt er das arme Geschöpf in die schädlichste Arbeit und kann , indem er mit dem Unglauben an die Lage der Sache durch seine Eigenliebe und seine Höflichkeit zu kämpfen veranlaßt wird , nicht einsehen , daß er ihr schädlich ist , so wie sie aus dem ewig fatalen , und auf dem Krankenbette fatalen Motive , das die Franzosen Egard nennen , verhindert wird , ihn fortzuschicken . Ich setze mich in der Vorstube schweigend auf den Fußteppich , höre unwillkürlich diese erbärmliche Konversation , denn ein Gespräch war es nicht , an , und lasse meine Blicke in der Stube herumschweifen . Auf diese Weise tätig , erlitt ich , ohne zu wissen wie , die Handlung des zweiten außerordentlichen Mitglieds , durch die ich auch geärgert wurde . Der Mann saß da und schnitt meine Silhouette mit der größten Gleichgültigkeit aus , und trifft meine Seele so wenig , daß er die herunterhängende Schlafmütze , die er dran geschnitten hat , ganz allein schnitt , weil er behauptet , ich hätte geschlafen ; ja , denke dir , ich bin versichert , daß er meinen Schattenriß allein schnitt um der Schlafmütze willen , daß er mich an eine Schlafmütze hängen wollte . Über die übelverstandne Schlafmütze bös , weil ich in demselben Augenblicke sehr traurig über die Konversation des ersten Mitglieds war und drauf studierte , wie ich ihn hinausspedieren wollte , beschwerte ich mich ; er wollte sich entschuldigen und sagte : » Ihr Profil ist so schön . « » Deswegen sollten Sie es nicht in den Schatten stellen « , erwiderte ich . » O schneiden Sie mir darum kein Gesicht « , fuhr er fort . » O hätten Sie darum mein Gesicht nur ungeschnitten gelassen « - setzte ich hinzu . - Meine Antwort erregte Lachen , die Kranke ward aufmerksam und wollte das Ganze hören , und den Schattenriß sehen , und ich zog mich traurig zurück , daß ich , indem ich mehr Ruhe um sie zu bringen suchte , die Unruhe selbst veranlaßte . So bin ich nun auf meiner Stube über beide geärgert , und kann sie dir beide beschreiben . - Diese zwei Männer , die sich weder von außen noch innen gleichen , die weder in ihren Gesinnungen noch in ihrer Äußerung die mindeste Ähnlichkeit haben , können von einem Gesichtspunkte angesehen werden , daß sie das Produkt der nämlichen Ursache auf umgekehrten Wegen sind . Zusammengeschoben machen sie ein verschobenes Viereck , und einzeln sind sie gleiche Dreiecke mit zwei spitzen und einem stumpfen Winkel , sie stehen , wie Figura zeigt : Der erste hat den stumpfen Winkel nach oben , der andre nach unten gewandt , und keiner einen rechten in sich . Des ersten Erscheinung wird sich leicht in dich drücken , ohne einzudringen noch zu bleiben , und des zweiten Erscheinung sich scharf , bleibend und schmerzlich eindrängen . An keinen von beiden kannst du etwas erbauen , daß es zugleich fest und gerade stehe . Gegen den ersten kann sich dein Wesen höchstens schlafend anlehnen , und an den zweiten kannst du höchstens etwas hängen . Der erste , der die gerade Linie zur Basis hat , steht fest , und der zweite , der den stumpfen Winkel zur Basis hat , schwankt entweder von einer Seite zur andern , indem er das Gleichgewicht sucht , oder steht auf dem stumpfen Winkel fest , indem er etwas unterschiebt , oder lehnt sich auf die linke oder rechte Seite , doch muß er dir ewig den spitzen Winkel entgegenhalten . Das wäre das Allgemeinste , was man von ihnen sagen kann ; nun will ich etwas in das Einzelne gehen . Es giebt Menschen , die so geschäftig oder träge im Leben waren , daß sie nichts Eigentliches getan haben , noch irgend tun können , indem immer eine Handlung die andre durchkreuzte , oder jedes Aufnehmen in sich das andere verlöschte . Das ist mit beiden der Fall . Ich will den mit dem stumpfen Winkel oben B nennen , und den entgegengesetzten A. B ist , der in der Trägheit lebte , ein Mensch der nie etwas getan hat , nie um etwas gekämpft , er sitzt auf seiner breiten Basis recht kommode , oder er ward vielmehr von Jugend an drauf gesetzt ; so bequem , wie er dalag , hatte er weiter keinen Drang , als sich gelinde zu erheben , und hat es bis zum stumpfen Winkel in die Höhe gebracht . Er hat so viel genossen , daß er nicht mehr viel genießen kann , und schon so viele Genossen gehabt , daß er keinen Freund mehr haben kann . Da ihn nun alles langweilt , fängt er an , seinen Verstand zu gebrauchen , aber untersteht sich , nach seiner Aisance , die nun anfängt wirkliche Mattigkeit zu werden , nichts zu tun , als nach den Zipfeln der schönen Wissenschaften , geistreichen Umgangs und der Wohltätigkeit zu greifen , die ins gemeine Leben herabhängen . Er faßt nie mehr als einen Zipfel , und nie begreift er den Gipfel . ( Hörst du , ich werde poetisch , ich habe à contre-coeur einen Reim gemacht . ) Seine einzige Erhebung ist also nichts als folgendes - Er legte sich zu Bette aus Wollust , wälzte sich drin herum aus Veränderung , blieb liegen aus Mattigkeit , und kann nun nicht wieder aufstehen , - aber über dem Bette des bürgerlichen Lebens hängt der Himmel der Kunst , und in jedem guten Himmelbette hängt ein Bettzopf herunter , an dem man sich in die Höhe ziehen kann - nun faßt er also diesen Bettzopf , diesen Zipfel des künstlichen Himmels , um sich in die Höhe zu bringen , und fällt wieder in die Kissen hinein . Wenn er so ein wenig in die Höhe ist , regen sich alle erdrückte Möglichkeiten in ihm , und er hat , solange er sich oben erhalten kann , einige gute Gedanken , Wünsche und eilfertige Taten , aber pumps fällt er wieder nieder . Die Menschen sind zum Aufrechtstehen , zum Herumgehen gemacht , und so auch liegt ihnen das Herz im Leibe ; wenn sie sich aber ins Bette legen , um immer drinnen zu liegen , kann nichts in ihnen handeln , sondern alles wird zur Verdauung , es werden keine Weltmenschen , sondern Bettmenschen draus . Sein Inneres ist auf vielfache Weise verschoben , und sein Äußeres gelinde aufgeschwemmt . Könnte dieser Mann nicht durch die Liebe geheilt werden ? Ja , wenn er die Liebe nicht meistens mit in sein Bett nähme ; er müßte sich in Bettzöpfen ruiniert haben , so viele heruntergerissen haben , daß er sich keinen mehr kaufen könnte ; dann müßte man ihm eine Liebe recht hoch von einem andern Himmel herabhängen , und weit von seinem Lager , weil , wäre sie ihm bei seiner Gewandtheit erreichlich nah , so würde er sich mit Gewalt herauslehnen , den Bettzopf ergreifen und durch sein Übergewicht abreißen . Ist das Band , an dem er sich hinaufziehen kann , aber weit von ihm , und recht hoch , so wird er sich entschließen , herauszusteigen , wird sich wieder ans Gehen gewöhnen , und endlich , um die Geliebte zu erreichen , sogar springen lernen . Alles das könnte als eine Allegorie seiner Lage in einem Feenmärchen recht schön erzählt werden , am Ende würde dann die Fee , die ihn beschützt , aus dem Bettzopf eine herrliche Prinzessin machen , das Bett würde zu Asche zerfallen , der Betthimmel mit seinen seidnen Wolken zum Himmel werden , der über ihm strahlte , und er würde sicher bei seinem Geiste , seiner Leichtigkeit und seiner Übung ein achtungswerter , liebenswürdiger Mann sein . Du weißt , daß ich in meinen Erzählungen immer den Menschen und den Bürger trenne ; ich sprach hier nur vom Menschen , insofern er sich von der Basis erhebt : als Basis ist er Bürger und , feststehend , solid und durch seine große Fläche tätig , ist er als solcher ein rechter Quaderstein seines Standes , ein achtungswerter , geschickter , fleißiger Bürger - Wenn er wüßte , lieber Godwi , daß ich dir dies schrieb , und könnte es wahr fühlen , und könnte begreifen , wie ich ihn bei allem dem mehr als irgend einen seines Standes liebe , die meistens ganz auf dem Ohr liegen ; wenn er begreifen könnte , wie ich ihn mit Rührung und herzlichen Wünschen den Bettzopf mit seiner Sehnsucht in die Höhe ergreifen sehe ; wenn er wüßte , wie sehr ich den Menschen und den Talern böse bin , daß sie ihn so zurichteten , und könnte darüber traurig werden und keinen Groll hegen : so wäre noch Hoffnung für ihn , und ich wollte dem Himmel danken . A war so tätig , so geschäftig , daß er nie was getan hat ; bei seinem übergroßen Drang aber ist er mit der ganzen Fläche nach außen auf sein Schicksal losgegangen , und sein Schicksal war tausendschneidig und tausendfach , das siehst du an seiner Fläche , die er nach außen kehrt . Er ist nicht leise von der Seite und offensiv seinem Leben entgegengegangen , sondern die Augen zu , durch einen Hagel von Widerwärtigkeiten , tappte er blindlings nach dem , was er erreichen wollte , und hatte es nur in sich ; denn indem sein Höchstes in ihm pochte und rief : » Ergreife mich , bilde mich , stelle mich ins Leben « , und seine Aufmerksamkeit durch das ewige Balancieren , indem er , auf seinem stumpfen Winkel stehend , nie Ruhe hat , sondern von einer Seite zur andern fällt , geteilt , diese Stimme nicht verstand : so fühlte er sein Innres nicht als Ruf , sondern bloß als Stoß , Reiz , Sehnsucht , und tappte nimmer findend vorwärts . Er hat daher alle Spuren des Lebensstreites auf seinem Äußern , sein Körper ist ein vernarbter derber Krieger , aber seine Muskeln sind durch dasselbe abgehärtet . Er ist kein zerstörter , nur ein markierter Mensch ; er ist nicht gebildet , nur geübt ; er ist kein geschickter , nur ein abgehärteter Mensch . Stoße einen Menschen , der ein Dichter oder ein Philosoph werden sollte , in das Brausen einer Staatenumwälzung , und mache , daß er , seine Oberfläche nach außen , alle Zerstörungen derselben auffangen muß , gieb ihm dabei keinen festen Punkt , weil er das in sich nicht entwickelt und zur Stütze gemacht hat , was ihn halten kann ; gieb ihm dabei Glut , Liebe , Feuer , gieb ihm Ehrgeiz , sich aufrecht zu halten , laß das Ganze los , daß die innre Wildheit ihn treibe und die Wellen der kämpfenden Außenwelt über ihm zusammenschlagen - und du wirst in der Erscheinung sein Leben sehen . Alles das , durch Dauer und Dauerhaftigkeit zur Gewohnheit , zur Natur geworden - hier ist A. Es ist angenehm , mit ihm zu leben , er ist treuherzig , wenn es sein Witz erlaubt , vergnügt , immer voll Hoffnung , und ewig derselbe ; wird nicht aufgerieben werden , er wird einstens zerbrechen , das ist die Art seines Untergangs . Nun bin ich ruhig , und will , da du dir nun alle Glieder des Bureau d ' esprit denken kannst , den Ort der Versammlung , insofern er ein Produkt der Brünette ist , beschreiben . Die äußerst einfache , doch krause , harmonische , doch bunte Meublierung der Stube zeigt gleich , daß hier ein Weib haust , das die Welt und ihren Inhalt in sich hält , und das nichts in seine liebenswürdige Caprice , sondern seine liebenswürdige Caprice in alles trägt . Sie herrscht hier , ohne es scheinen zu wollen , aber alles , was man hier mit geistigen Fühlhörnern und den Händen berühren kann , ist so von ihrem Sinne übergossen , so von ihr ausgegangen , daß man an keinem Orte der Welt auf eine angenehmere Weise seinen Willen nicht hat . Sie ist ein vollkommnes Wesen , das in allen Saiten , die über die Tonweite ihres resonannten Daseins gespannt sind , ewig erklingt , und wo sie ist , ist sie auch so in das ganze Irgendwosein verwebt , daß sie in allen Punkten des Irgendwos wiedertönt . Was sie beherrscht , und was sie umgiebt , ist die Variation ihres eignen Themas , doch leider schon mehr Gesellschaftslied als göttliches Gedicht . Und wenn ich sie auf ihre Möglichkeit , die unmöglich geworden ist , nicht zurückgeführt , gerade wie sie ist , auf Noten setzen könnte , so müßte sie selbst mit ihrer sehr künstlichen Resignation das ganze Bild , auf ihrem kleinen Klaviere , mit ihren kleinen Fingern spielen , mit ihrer feinen Stimme singen , damit es nicht allerliebst langweilig klänge . Denn wäre in dieser kleinen irdischen Hütte nicht ein einziges , schön gewölbtes Fenster ( sie hat nur ein Auge ) , auf das von außen die Sonne der Welt blitzte , und durch das von innen die andächtigste , zarteste Seele einer Sakontala die Augen gegen den Himmel höbe , so könnte man bei den vielen Manieren und der Eleganz die ganze Erscheinung leicht für so leicht als eine erhabene Gartenverzierungsidee halten . Lebe wohl ! morgen kömmt Joduno . Römer Römer an Godwi Ich eile , wir gehen alle in die Kirche , ich auch , in die katholische Kirche . Es ist Allerseelentag , dieses Fest ist das Fest aller Seelen ; auf jeder Gruft brennen so viele Wachsfackeln , als sie geliebter Freunde Körper umfaßt . Die Lichter brannten so heilig , als wollten sie die Seelen vorstellen . Alle die Kinder des Hauses gehen nach dem Grabe der Mutter , heute gleichen sie sich alle , sind alle stille Trauer und Nachdenken , und guter Vorsatz . Die Brünette kniete so heilig , so gerührt am Grabe ihrer Mutter , sie betete und ward ohnmächtig , man brachte sie nach Hause , hier finden wir Joduno und den undeutlichen Bruder . Alles ist voll Freude . Die Brünette sagt , es sei ihr gewesen , als wenn es sie leise in die Gruft hinabzöge . O Godwi , wo ist deine Mutter ! die Schmerzen des steinernen Bildes fielen mir ein ; wo ist meine Mutter ! Römer In dem Bureau d ' esprit hängt das Bild der Mutter Sophiens , in einer gelinden , zarten Zeichnung , die Geschwister gleichen ihr alle , jedes hat seinen schönen Zug , und den findest du gewiß in dem Bilde ihrer Mutter wieder . Ende des ersten Teils Zweiter Band Herausgegeben von den Freunden des Verstorbenen , mit Nachrichten , von seinem Leben , seinen Arbeiten und seinem Tode An B. unabhängige Dedikazion Es ist unstreitig ein reiner Enthusiasmus in mir , denn jeder heller froher Anklang von außen öffnet alle Schleusen meiner Seele , das Leben dringt dann von allen Seiten wohltuend in raschen Strömen auf mich ein , und meine Äußerung ergießt sich ihm in gleicher Freude . Ich fühle dann keinen Druck , keine Gewalt , weder eine Erniedrigung , noch eine Überlegenheit . Ach ! in solchen Momenten habe ich nur eine Reflexion , sie ist Segen , den ich über mein Dasein ausspreche , und ich fühle dann Egmonts Gebet durch alle meine Adern strömen , ich lebe dann die Worte : So ist es mir , wenn sich ein frohes Gemüt , dem die ausübende Kunst das Höchste zur lebendigen Kraft , zum bewußtlosen Innewohnen geschaffen hat , rein und mit klopfenden warmen Pulsen um mich bewegt , und in leichten Spielen ohne Studium ein Leben vor mir entfaltet , dem das Abstrakte durch eine glückliche Beugung der Formen zum lebendigen Elemente ward . Die Minuten , in denen ich mich in ihr verloren fühle , unter den Strahlen seiner gesunden Freude leichter atme , die Minuten , in denen ich vergesse , daß seine Schönheit auch der Mühe errungenes Kind ist , sind die einzigen , die ich vertraulich mit dem Leben umgehe und nicht ein unwillkürlicher Kummer auf meiner Seele liegt . Ich verzweifle dann nicht an meiner Fähigkeit , die großen Werke der Künstler erschüttern mich nicht , und in meiner Brust ist hell und deutlich geschrieben : Dahin magst du auch noch gelangen ; die Werke der großen Meister erscheinen mir dann wie ferne Städte , nach denen sich mein wanderndes Leben hinsehnt , und die ich in warmen Frühlingstagen wohl auch noch erreichen möge . Wenn dein holdes Bild vor mich tritt , meine Liebe , so ist mir , als harrtest du meiner dort , als wohntest du in jenen glänzenden Städten , sie wären deine Heimat , du sehntest dich nicht heraus : wie eine schöne wunderbare Blume bewachte dich der Genius der heiligen Fremde und verehrte dich in geheimnisreichem Gottesdienste . Als hohe in sich selbst verwandte Mächte In heilger Ordnung bildend sich gereiht , Entzündete im wechslenden Geschlechte Die Liebe lebende Beweglichkeit Und ward im Beten tiefgeheimer Nächte Dem Menschen jene Fremde eingeweiht ; Ein stilles Heimweh ist mit dir geboren , Hast du gleich früh den Wanderstab verloren . Die Töne ziehn dich hin , in sanften Wellen Rauscht leis ihr Strom in Ufern von Kristall , Sirenen buhlen mit der Fahrt Gesellen , Aus Bergestiefen grüßt sie das Metall , Der Donner betet , ihre Segel schwellen , Aus Ferne ruft der ernste Widerhall ; Die Wimpeln wehn in bunten Melodieen , O wolltest du mit in die Fremde ziehen . Die Farben spannen Netze aus und winken Dir mit des Aufgangs lebenstrunknem Blick , In ihren Strahlen Brüderschaft zu trinken . Am Berge weilen sie und sehn zurück - Willst du nicht auch zur Heimat niedersinken ? Denn von den Sternen dämmert dein Geschick ; Die fremde Heimat , spricht es , zu ergründen , Sollst du des Lichtes Söhnen dich verbünden . Auch magst du leicht das Vaterland erringen , Hast du der Felsen hartes Herz besiegt , Der Marmor wird in süßem Schmerz erklingen , Der tot und stumm in deinem Wege liegt : Wenn deine Arme glühend ihn umschlingen , Daß er sich deinem Bilde liebend schmiegt , Dann führt dich gern zu jenen fremden Landen Dein Gott , du selbst , aus ihm und dir erstanden . Dich schreckt so stiller Gang , so schwer Bemühen , Du sehnest dich in alle Liebe hin , Des Marmors kalte Lippe will nicht glühen , Die Farbe spottet deiner Hände Sinn , Die Töne singen Liebe dir und fliehen ; Gewinnst du nicht , so werde selbst Gewinn , Entwickle dich in Form , und Licht , und Tönen , So wird der Heimat Bürgerkranz dich krönen . O freier Geist , du unerfaßlich Leben , Gesang der Farbe , Formen-Harmonie , Gestalt des Tons , du hell lebendig Weben In Nacht und Tod , in Stummheit Melodie , In meines Busens Saiten tonlos Beben , Ersteh in meiner Seele Poesie : Laß mich in ihrer Göttin Wort sie grüßen , Daß sich der Heimat Tore mir erschließen . Ein guter Bürger will ich Freiheit singen , Der Liebe Freiheit , die in Fremde rang , Will in der Schönheit Grenzen Kränze schlingen Um meinen Ruf , des Lebens tiefsten Klang Mir eignen , ihn mit Lied und Lieb erringen , Bis brautlich ganz in Wonne mein Gesang , Gelöst in Lust und Schmerz das Widerstreben , Und eigner Schöpfung Leben niederschweben . Du sollst dies Buch nicht lesen , denn ich liebe dich , und was ich in dir liebe , ist dieses Buch Unwert , und der Wert des Lebens , die Poesie - daß ich hier zu dir spreche , ist meines Herzens innrer Drang , du hast mich gefangen , und bist mir die höchste Lehre . O ich möchte dichten , wie du da stehst , wie du wandelst und blickst , ich möchte denken , wie du gedacht bist , und bilden , wie du geschaffen bist . Wie freundlich würde dann mein Werk mir in die Augen sehn , wie würdig sich dem Gedanken des Gebildeten in seiner Unschuld gesellen , denn Würde ist Unschuld der freien Hoheit ; wie würde ich mein innres Leben gleich der Mutter meines Werkes verehren , und es rein erhalten von dem Übermute einzelner Kräfte , die roh und gewaltig wie ewiger Sturm die schöne Tätigkeit der Ruhe in mir vernichten . Ich würde mich selbst schätzen , um des Schatzes willen , der in dem Menschen und der Natur verborgen liegt , aus dem ich glänzende Edelsteine zu Tage gefördert , sie geschliffen und zu künstlichen Geschmeiden meiner Liebe , meines Lebens , aller Liebe und alles Lebens gebildet hätte . Dir würde ich den herrlichen Schmuck anlegen , und du wärest eins mit diesem Schmucke . In deinem Auge und dem Diamant bricht sich der leuchtende Strahl , aber mein Diamant würde blicken wie dein Aug , mein Werk würde schweben wie dein Gang , wie deine Lippe würde es singen , den Sinn würde es hinabziehen wie die Woge deines Busens , es würde umfassen wie dein Arm , und lieben wie dein Kuß ; rein wäre mein Werk , groß , von sich selbst durchdrungen , und vom ganzen Leben tätig begrenzt , wie die Seele des Menschen . Ich fühle tief in meinem Herzen , wie die Jünglinge jetzt dastehen , da sich die Zeiten trennen und die Philosophie mit der Reflexion alle Töpfe des Prometheus zerschlägt ; traurig sehn sie ihr kindisches Bilden zertrümmert , und vergehen in weinerlichem Enthusiasmus . Gerne möchten sie das Feuer vom Himmel stehlen , und fürchten , daß der schreckliche Gott sie an den Felsen schmiede , des Geiers ewige Nahrung . - O ihr hängt schon an dem Felsen , unbeweglich seht ihr den Wechsel des Tages und des Jahres : weder der leichte Flug des Vogels über eurem Haupte , noch das Rauschen des Stroms , der des Himmels Spiegel zu euern Füßen wälzt , löst eures Todes Band . Ihr vermögt nicht die Blume des Tales zu ergreifen , denn eure Hand erreicht kaum den blühenden Dorn neben eurem Lager . Ihr blicket nieder in das Getümmel der Schlacht mit Sehnsucht nach gekrönter Tat , und die Trommeten des Kampfes zerreißen euch das Herz . Ihr blicket nieder in die Gebüsche , wo Hirten in Liebe spielen , und die Flöte des Hirten zerreißt euer Herz . Hoch seid ihr erhaben über die Aussicht , aber ihr seid an den Felsen geschmiedet , die Welt habt ihr erschaffen , die euch erschaffen sollte , und sie zielet mit Pfeilen des Todes auf euch , der Geier der Reflexion zernagt euer ewig wiederkehrendes Herz . Wohl mir , meine Liebe , daß ich keiner von diesen bin , daß ich noch lieben kann , und fühlen im Ganzen , ein volles Leben mit vollem Herzen umarmen , und daß jedes Einzelne getrennt vom schönen Körper , und zergliedert , mich wie tot zurückschreckt . - Erschafft mich die Welt , oder ich sie ? - Die Frage sei die älteste und verliere sich in die dunklen Zeiten meines Lebens , wo keine Liebe war , und die Kunst von dem Bedürfnisse hervorgerufen ward . - Du bist meine Welt , und du sollst mich erschaffen ; o bewege dich , öffne mir die Augen , oder sieh nach deinen Lieblingen den Blumen . - Hyazinth Wende die hellen , Heiligen Augen Zu deiner Liebe , Daß ich erkenne , Wie mir das Schicksal Leben und Liebe Gütig verteilt . Schone nicht meiner , Wende dich zu mir , Daß ich im Strahle Liebend erblinde , Nicht mehr betrachte , Wie sich das törichte Leben bewegt . Scheint dann die Sonne , Duftet der Frühling , Wehet die Kühle , O so erfind ich Heimlich im Herzen Glühende Rosen , Blüten und Blätter , Dir zu dem Kranz . Wie sie der Frühling , Den du entzündet , Freundlich mir bietet , Wie sie mir färbet Glänzend , bescheiden , Glühend und hoffend Die Phantasie , Wie sie mir ordnet , Festliche Andacht . Keiner mag wissen , Was ich im Herzen Dir nur bewahre , Keiner verstehen , Was ich den glühenden Rosen , den Blüten , Was ich den kühlenden Blättern vertraut . Keiner begleite Führend den Blinden , Einsam und ruhend Will ich verweilen , Wo du die Augen Liebend mir schlossest , Wo du das Leben Mir in dem Busen Liebend erschlossest . Still wie die Blumen Einsam nur leben , Freundlichen Kindern Liebe Gesellen , Zärtlicher Mädchen Holde Vertraute , Und des Vergehens Schönste Bedeutung Will ich vergehn . Schone nicht meiner , Wende dich von mir , Daß ich im Dunkel Berge die Tränen , Daß ich umschattet Betend erwarte , Wie mir geschehe ! Wer mir erglänzet , Erblühet das Leben , Blumen eröffnen Die duftenden Augen . Glühende Rosen , Blüten und Blätter , Zeigst du mir freundlich Von mir gewandt . Alle sie pfleg ich , Verwandle Und bild ich , Dichtend die eine Der andren in Liebe Gattend , und webe Aus deinen Lieblingen Zart dir ein Lied . Und in dem Liede Werde ich singen , Wie sich die Göttin Von mir gewendet , Wie ich im Dunkeln Einsam nun stehe , Wie sie nur glühenden Rosen , nur Blüten , Wie sie nur kühlenden Blättern vertraut . Werde dir singen , Wie du mit Liebe Unter den Blumen Deinen Getreuen Einst noch erblickest Und mit den hellen , Strahlenden Augen Auf ihm verweilst . Zephirus liebt mich : Als mit den Blumen Scherzend er spielte , Hat er mich kindisch , Scherzend geküsset , Weil ich so emsig Blumen verwebte In deinen Kranz . Aber Apollo , Der wohl die mutigen , Singenden , ringenden , Freundlichen Knaben Liebend umarmet , Spielt auch mit mir , Lehrt mich die Pfeile Schießen , den Diskus Werfen zum Ziel . Zephirus eifert , Daß ich dem ernsten , Herrlichen Gotte Mich nur geselle , Und in den Blumen Nicht mehr ihn küsse , Nicht mehr des Lebens Freuden hinwehe , Daß sie erwogen , Ein lustiges Meer . Und mit Apollo Werf ich den Diskus , Und in dem Herzen Fühl ich dich näher , Fühle mit süßen Ahnenden Schmerzen , Wie ich dir nah . - Sieh , wie schon kreiset Höher der Diskus . Zephirus eifert , Wirft mir die Scheibe Tödlich umnachtend Auf die erhobene , Blickende Stirn . Und in dem Busen Brechen die Saiten , Die mir Apollo Liebend verliehen , Nieder am Boden Lieg ich erkaltet , Und mir zur Seite Trauert der Gott . Will mich dem ernsten , Finsteren Tode Nicht überlassen , Wandelt mich liebend Zur Hyazinthe ; Zephirus küßt mich , Nun mit den andern . Unter den Blumen , Die du nur liebest , Weile ich stille - Trink ' mit den glühenden Rosen , den Blüten , Und mit den kühlenden Blättern dein Licht . Wende die hellen , Heiligen Augen Zu deiner Liebe , Daß ich erkenne , Wie mir das Schicksal Leben und Liebe Gütig verteilt . Vorrede Wo will es am Ende hinaus ! Die Begebenheit steht zuletzt wie ein schwankendes Gerüste da , das die Behandlung nicht mehr ertragen kann , und jagt den Lesern Todesangst für sich und sein Intresse ein . Das traurigste aber bleibt es doch immer , wenn dem Buche der Kopf zu schwer wird , durch Gold , oder mehr noch durch Blei . Werden beide Arten nicht Holundermännchen ? die sich auf den Kopf stellen , und ist dieses nicht äußerst gefährlich ? wenn zarte weibliche Figuren darin leben sollen . Ich habe leider diese Briefe mit dem Meinigen vermischt , und hoffe einige Entschuldigung , wenn ich erzähle , wie ich zu diesen Briefen gekommen bin . Einen Teil meines Lebens brachte ich damit zu , mich zu besinnen , als was ich eigentlich mein Leben zubringen sollte , einen andern damit , da mich die Theorie langweilte und meinen Vorgesetzten Faulheit schien , alle Stände wie die Röcke einer Trödelbude anzuprobieren , und ich stak wahrlich recht unschuldig mit einem von den besten Willen in allen Arten